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Full text of "Hugo von Montfort; mit Abhandlungen zur Geschichte der deutschen Literatur, Sprache und Metrik im XIV. und XV. Jahrhundert;"

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üortiarb  CoHese  Ittiratp 


FBOM  THI 

BRICHT  LEGACY 

One  half  the  income  from  thb  Legacj,  which  wu  re- 
ceived  in  1880  ander  the  will  of 

JONATHAN  BROWN  BRICHT 
of  Walthmm,  MaMachosetts,  b  to  be  expended  fbr  book« 
for  the  College  Library.    The  other  half  of  the  income 
if  devoted  to  «cholarshiM  in  Hanrard  Univertity  fbr  the 
benefit  of  detcendants  of 

HENRY  BRICHT,  JR., 
who  died  at  Watertown,  MaMachosetts,  in  1686.  In  the 
absence  of  such  descendants,  other  persons  are  eligible 
to  the  scholarships.  The  will  reqoires  that  thb  annonnce- 
ment  shall  be  made  in  everj  book  added  to  the  Library 
nnder  its  prorbions. 


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TlßOLISCHE  DICHTER 


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DRITTER  BAND: 

HUGO  VON  MONTFORT 

MIT  ABHANDLUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER  DEUTSCHEN  LITERATUR,  SPRACHE  UND 
METRIK  IM  XIV.  UND  XY.  JAHRHUNDERT 


HERAÜSOEOEBKN 


VON 


J.  B.  WACKBÜNifiXiL. 


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INNSBRUCK. 

VERLAG  DER  WAGNER'SUHEN  UNIVERSlTlTS-BUCHHANDLUNG. 

18  8  1. 


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HUGO  VON  MONTFORT 


MIT  ABHANDLUNGEN 

ZUR  GESCHICHTE  DER  DEUTSCHEN  LITERATUR,  SPRACHE  UND 
METRIK  IM  XIV.  UND  XV.  JAHRHUNDERT 


herau&6£ge:ben 


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J.  E.  WACEEBNELL. 


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INNSBBUCK. 

VEBU6  DER  WAGNEB'SOHEN  UNIVERSITÄTÖ-BÜGHHANDLÜNO. 

18  8  1. 


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MAY  31   1B38 


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DJIDOf  DU  WASMER'SCBEM  CMITIBSirlTS-BUOHDBDOCKBRI,    ^^   ''Y 


DEM 


HOCHVEREHRTEN  LEHRER 


HERRN  PROFESSOR  RICHARD  HEINZEL 


IN  DANKBARER  UND  TREUER  GESINNUNG 


GEWIDMET. 


VORWORT. 

Das  Buch  besteht  aas  zwei  Teilen,  welche  sich  schon  äusser- 
Hoh  (larch  die  verschiedene  Pagioierang  von  einander  abheben  Im 
Vordergründe  stehen  die  Abhandinngen;  denn  bei  diesen  spätem 
Dichtern,  deren  Producte  nur  sehr  geringen  künstlerischen  Wert  be- 
sitzen, ist  es  hauptsächlich  das  Seelenleben,  die  Sprache  und  Metrik 
jener  Zeit,  welche  unser  Interesse  fesseln :  und  dafür  ist  Graf  Hugo 
von  Montfort  eine  reichliche  Quelle.  Aber  noch  ein  anderes  hat  er 
voraus:  kein  süddeutscher  Dichter  seines  Jahrhunderts  ausser  Oswald 
von  Wolkenstein  darf  sich  an  politischer  und  dynastischer  Bedeu- 
tung mit  ihm  messen;  in  der  Geschichte  Vorarlbergs  und  Steier- 
niarks  tritt  sein  Name  hervor.  Daher  waren  es  auch  Historiker, 
Vanotti  und  Bergmann,  welche  zuerst  sein  Leben  in  Untersuchung 
zogen.  Die  von  ihnen  gesammelten  Urkunden  Hugo's  blieben  neben 
seinen  Dichtungen  auch  das  Material  für  die  spätere  biographische 
Arbeit  Weinholds.  Wollte  ich  Unsere  Kenntnis  nach  dieser  Richtung 
hin  weiterführen,  so  musste  ich  vor  allem  die  mühselige  und  kost- 
spielige Urkundensuche  wieder  aufnehmen.  Die  mir  dabei  von  den 
Archivvorständen  überall  bereitwillig  gewährte  Unterstützung  er- 
möglichte es,  dass  ich  die  38  vor  mir  benützten  Urkunden  mit 
127  vermehren  konnte.  Besonders  zum  Danke  verpflichtet  bin  ich 
hier  Sr.  Excell.,  dem  Hrn.  Prof.  Dr.  Alfred  Ritter  von  Arneth, 
Director  des  k.  k.  geheimen  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchives  in 
Wien;  dann  dem  Hrn.  Prof.  Dr.  Franz  von  Löher,  Director 
des  k.  bairischen  Reichsarchives  in  München,  dem  Hrn.  kais.  Rat 
Dr.  David  Schönherr,  Vorstande  des  Statthaltereiarchives  in 
Innsbruck,  dem  Hrn.  Prof  Dr.  Josef  von  Zahn,  Director  des 
Steiermark.  Landesarchives  in  Graz  und  dem  Hrn.  Prof  Josef 
Zösmair  in  Feldkirch.  —  Ueber  die  Behandlung  der  Urkunden 
genügen  ein  paar  Bemerkungen.   Vollständige  Abdrücke  oder  läa^ere 


—    8    — 

Aaszüge  davon  zu  geben,  hatte  ich  keinen  Raum,  ich  werde  das 
später  an  geeigneter  Stätte  tan:  hier  habe  ich  überall  nur  das, 
was  für  unsere  nächsten  Zwecke  das  wichtigste  war,  herausgehoben ; 
zur  Datierung  wurde  natürlich  Weidenbach  benützt.  —  Was  die  Ur- 
kunden für  Hugo*s  politische  Geschichte,  das  waren  seine  Gedichte 
für  die  innere  Entwicklung.  Durch  gleichmässige  Benützung  dieser 
beiden  Quellen  suchte  ich  zu  einer  zusammenhängenden  Biographie 
zu  gelangen,  verwies  daher  alle  Discussionen,  welche  nur  Mittel  zum 
Zwecke  waren,  unter  den  Strich  und  die  Chronologie  der  Gedichte, 
welche  den  Zusammenhang  der  Darstellung  fortwährend  unterbrochen 
hätte,  in  Abh.  III,  wo  sie  zugleich  noch  einem  andern  Zwecke 
dient.  Als  Einleitung  behandelte  ich  übersichtlich  die  Geschichte 
der  altern  Montforter  und  rechtfertige  das  nicht  dadurch,  dass  an- 
dere in  ähnlichen  Fällen  ähnlich  taten,  sondern  durch  meine  we- 
sentlichen Abweichungen  von  den  früheren  Darstellungen  derselben 
und  durch  die  urkundlichen  Berichtigungen,  welche  ich  nachtrug; 
dazu  kommt  noch,  dass  auf  Hugo  die  politischen  Traditionen  seiner 
Vorfahren  von  massgebendem  Einflüsse  gewesen  sind,  und  somit 
jedes  Falles  in  Betracht  gezogen  werden  mussten. 

Die  IL  Abhandlung  ist  die  Ergänzung  und  der  Abschluss  der  I. 
Hier,  bei  der  Behandlung  von  Hugo*s  Persönlichkeit,  war  auch 
sein  Stil  heranzuziehen,  denn  ,  der  Stil  ist  der  Mensch  ^.  Um  aber 
die  Einseitigkeit,  welche  in  diesem  Satze  liegt,  zu  vermeiden,  habe 
ich  überall  jene  Charakterzüge,  die  sich  aus  Hugo's  Lebensgeschichte 
und  seinen  eigenen  Aussprüchen  ergeben,  in  den  Vordergrund  und 
ihnen  jene  des  Stils  ergänzend  an  die  Seite  gestellt  Dass  es  aber 
bei  der  Untersuchung  des  Stils  unzulänglich  wäre,  nur  jene  stilisti- 
schen Motive,  Bilder  und  Vergleiche,  welche  diesem  Dichter  speciell 
eigen  sind,  auszulesen,  ist  evident;  denn  jeder  Dichter,  welcher  in 
oder  nach  einer  literarischen  Blüteperiode  schafft,  steht  vor  einer 
kloinen  Unendlichkeit  stilistischer  Formen,  und  in  dem,  was  er  da- 
von auswählt  —  oder  besser:  in  dem,  was  ihm  davon  hängen 
bleibt,  offenbart  sich  sein  Geschmack,  die  Richtung  seiner  Phantasie, 
seiner  Denk-  und  Gefühlsweise.  Es  ist  wohl  für  ihn  und  beson- 
ders für  seine  Fähigkeiten  charakteristisch,  aber  zu  seinem  Cha- 
rakter nicht  notwendig,  dass  er  darin  auch  originell  sei.  Es  hat 
mioh  daher  jedesmal  überrascht,  wenn  ich  —  wie  erst  jüngst 
wieder  —  die  Behauptung  las,  dass  bei  Stiluntersuchungen  nur 
das  dem  Dichter  spco.  eigentümliche  in  Betracht  käme.    Mit  Recht 


—    9    - 

aasgeschlossen  bleiben  nnr  jene  figürlichen  Ausdrücke,  welche  sich 
von  ihren  ursprünglichen  Vorstellungen  losgetrennt  haben  und  rein 
formelhaft  geworden  sind.  Wenn  ich  z.  B.  sage:  , dieser  Mann 
ist  zu  Grunde  gegangen',  wer  erinoert  sich  da,  dass  ich  ein 
Bild  gebraucht  habe,  welches  vom  Schiff  auf  dem  Meere  herüber^ 
genommen  ist?  —  Im  zweiten  Teile  dieser  Abhandlung  wagte  ich 
den  Versuch,  Hugo*s  Charakter  aus  seiner  Zeit  und  seiner  Umge-  ^ 
bung  zu  erklären  und  damit  seinem  Bilde  einen  culturhistorischen 
Untergrund  zu  geben. 

Die  HL  Abhandlung  untersucht  die  äussere  und  innere  Ueber- 
lieferung  von  Hugo's  Gedichten  und  schafft  die  Grundlage  fOr  die 
folgenden  Abhandlungen  und  die  Textkritik.  Dabei  galt  es  be- 
sonders nach  einer  Seite  hin  der  neueren  Forsohungsweise  gerecht 
zu  werden :  unsere  altern  Musterausgaben  haben  die  paläographische 
Untersuchung  der  Hss.  fast  ganz  vernachlässigt,  und  erst  in  neuester 
Zeit  haben  wir  sie  von  den  Historikern  gelernt.  Vielleicht  ist  es 
mir  gelungen  zu  zeigen,  welche  eminente  Berechtigung  diese  neue 
Art  besitzt,  wie  die  Untersuchung  der  Hss.  nicht  nur  für  die  Her- 
kunft und  das  Alter  derselben,  för  die  Echtheit  und  Unechtheit 
der  Gedichte  entscheidend  sein  kann,  sondern  auch  für  die  Her- 
stellung des  Textes. 

Bei  der  Untersuchung  über  die  Sprache  eines  Dichters  be- 
schränkt man  sich  in  den  Ausgaben  meist  auf  eine  Zusammen- 
stellung der  Reimformen,  gewiss  sehr  zum  Nachteile  der  gramma- 
tischen Forschung,  denn  die  Reime  sind  zum  grösseren  Teile  tra- 
ditionell und  den  jungem  Dichtern  mit  den  altern  gemeinschaftlich; 
gerade  bei  Hugo  zeigt  es  sich  deutlich,  welch  kleiner  Bruchteil  vom 
ganzen  Wort-  und  Formenschatze  in  den  Reimen  belegt  ist  Um 
aber  die  Sicherheit  der  ausser  den  Reimen  liegenden  Formen  zu 
prüfen,  war  es  notwendig,  die  Sprache  der  alem.  Dichter  und  Ur- 
kunden in  weitem  Umfange  herbeizuziehen;  und  ich  Hess  mir  das 
um  so  mehr  angelegen  sein,  weil  ich  damit  zugleich  die  alem.  und 
mhd.  Grammatik  ergänzen   und  teilweise  auch  berichtigen   konnte. 

Nach  demselben  Grundsatze  arbeitete  ich  auch  bei  der  Metrik. 
Hugo  steht  nur  im  Mittelpunkte  der  Untersuchung:  überall  habe 
ich  ihn  mit  anderen  Dichtern  vom  Ausgange  des  IS.  Jahrhunderts 
bis  hinab  zu  Braut  verglichen,  um  so  zu  allgemeineren  Resultaten 
über  die  Metrik  dieser  spätem  Zeit,  welche  noch  niemals  bearbeitet 
worden  ist,  zu  gelangen;  dabei  durften  neben  den  Lyrikem  natür- 


—     10     — 

lieh  auch  Didaktiker  und  Epiker  nicht  aasgeschlossen  werden,  schon 
deswegen  nicht,  weil  Hugo  selbst  solche  als  seine  Vorbilder  nannte. 
Ich  möchte  das  nicht  gern  verkannt  sehen. 

Mein  Text  will  ein  kritischer  sein.  Bei  allem,  was  von  der 
üeberlieferung  corrigiert  wurde,  war  vorerst  nachzuweisen,  dass  es 
den  Schreibern  angehört.  Correcturen,  welche  auf  den  beliebten 
Grundsätzen  ^^um  das  Lesen  zu  erleichtern^,  ,,um  eine  geregelte 
Orthographie  herzustellen^,  j,xim  die  Lautzeichen  in  organischer 
Weise  zu  regeln*,  »im  Interesse  der  mhd.  Schreibung*  u.  dgl. 
fussen,  sind  subjectiv  und  verwerflich.  Wer  sich  die  Sprachent- 
wicklung vom  13. — 16.  Jahrhundert  näher  angesehen  hat,  dem  ist 
es  nicht  gleichgültig,  ob  er  got  oder  gott,  nim  oder  nimm^  zwei/ 
oder  zwölf,  swarz  oder  schwartz  schreibt.  Jeder  unbegründete 
Eingriff  in  die  überlieferte  Schreibung,  jedes  Uniformieren,  das  nur 
vorgenommen  wird,  um  dem  Denkmal  ein  besseres  mhd.  Aussehen 
zu  geben,  ist  unkritisch ;  und  durch  nichts  bat  man  in  den  Texten 
dieser  spätem  Dichter  so  viel  Unheil  angerichtet  als  dadurch.  Soeben 
hat  uns  z.  B.  Kinzel  wieder  gezeigt,  wie  v.  d.  Hagen  die  Erzählung 
vom  , Junker  und  dem  treuen  Heinrich*  nach  seinen  besten  Kräften 
in  das  Mhd.  umgeschrieben  und  dadurch  die  meisten  charakteristi- 
schen Sprachformen  dieses  md.  Gedichtes  aus  dem  14.  Jahrhundert 
kritiklos  zerstört  hat.  Auch  beim  Montforter  hat  man  sich  in  dieser 
Hinsicht  arg  versündigt.  Gerade  die  Formmannigfaltigkeit,  das  Durch- 
einander von  alt  und  neu  ist  für  unsere  Periode  kennzeichnend 
^  und  für  die  Sprachentwicklung  von  Bedeutung.  Statt  auszugleichen 
erwächst  da  dem  Grammatiker  die  Aufgabe,  in  diesem  Nebenein- 
anderherlaufen verschiedener  Formen  das  Aussterben  der  alten,  das 
Eindringen,  Umsichgreifen  und  endliche  Siegen  der  neuen  Lautver- 
hältnisse zu  beobachten  und  nachzuweisen  —  eine  Aufgabe,  die 
wichtig  ist,  aber  schwerlich  gelingen  wird,  wenn  man  die  jüngeren 
Formen  in  den  Ausgaben  nicht  stehen  lässt. 

Jede  Emendation  der  Hs.  war  in  den  Varianten  zu  verzeich- 
nen; Lichtenstein  hat  (Anz.  f.  d.  A.  VI,  61)  mit  Recht  betont,  dass 
gerade  bei  Veröffentlichung  von  Denkmälern,  wo  sich  unser  Interesse 
hauptsächlich  auf  Spmche  und  Metrik  concentriert,  Genauigkeit  und 
Vollständigkeit  in  der  Wiedergabe  der  Hs.  besonders  anzustreben 
sei.  Ya  hatte  mich  daher  nicht  zu  kümmern,  ob  die  Varianten 
durch  das  vollständige  Verzeichnis  der  bair.  ei  (=  t\  ai  (=^  ei\ 
au  (=  ow  und  ö)  in  eine  gewisse  Eintönigkeit  verfallen;  sie  hätten 


—    II    — 

nur  dann  weggelassen  und  mit  einer  einmaligen  Bemerkung  abge- 
tan werden  können,  wenn  sie  die  Schreiber  consequent  für  die  alem. 
Laute  eingesetzt  hätten,  was  aber  nicht  der  Fall  ist.  Wegzulassen 
waren  nur  die  rein  graphischen  Varianten  wie  v  =  w  etc.;  und  wenn 
ich  die  J,  j  ==  i  anmerkte,  geschah  es  bloss,  weil  darin  ein  Kenn- 
zeichen der  verschiedenen  Schreiber  liegt.  Rechts  vom  Texte  habe 
ich  die  Paginierung  der  Hs.  angesetzt  und  zwar  deswegen,  weil 
die  alem.  Gramm,  darnach  citiert;  fiir  die  Zukunft  ist  sie  selbst- 
verständlich wertlos,  weil  jetzt,  wo  die  numerierten  Gedichte  und 
die  gezahlten  Verse  vorliegen,  hoffentlich  niemand  mehr  in  der  alten 
Weise  eitleren  wird. 

Die  Anmerkungen  boten  zunächst  Gelegenheit  für  textkritische 
Erörterungen,  ausserdem  suchte  ich  hier  unsern  Wörterbüchern  zu 
nützen  durch  Nachweise  seltener  Wörter  und  Ausdrücke,  die  ich 
bei  der  eigenen  Leetüre  gesammelt,  und  zwar  habe  ich  besonders 
jene  Quellen  beachtet,  welche  unserem  Dichter  zeitlich  und  örtlich 
nahe  stehen,  wo  directe  Entlehnungen  stattfinden  konnten  und 
tatsächlich  auch  stattgefunden  haben.  Die  Citate  gab  ich  immer 
in  der  Schreibung,  in  welcher  sie  sich  vorfanden,  also  z.  B.  die  aus 
Teichner  nach  Lassbergs  LS.  oder  der  Hätzlerin  oder  den  Auszügen 
Karajans,  die  Suchenwirts  nach  Primisser,  Oswalds  nach  Weber 
u.  s.  w.  Zu  Textänderungen  fehlten  die  zwingenden  Gründe  und  nö- 
tigen Anhaltspunkte,  sie  sind  Sache  der  künftigen  kritischen  Heraus- 
geber, welche  die  Reiraregister,  Hss.  u.  dgl.  Mittel  zu  Händen  haben 
müssen.  .  Hoffentlich  ist  diese  Bemerkung  für  die  meisten  überflüssig ; 
dass  sie  es  aber  nicht  für  alle  ist,  beweisen  jene,  welche  auch  die 
Citate  wie  die  Texte  rücksichtslos  ins  Mbd.  übertragen;  so  hat 
z.  B.  neulich  jemand  die  Belegstellen  aus  Büheler  so  vermittel- 
hochdeutscht,  dass  man  einen  Dichter  des  13.  Jahrhunderts  vor 
sich  zu  haben  glaubt.  Alle  Aenderungen  dieser  Art  führen  ins 
anbestimmte  und  blaue  hinein  und  bleiben  besser  unterwegs,  zumal 
es  meist  nur  auf  den  Inhalt  der  Citate  ankommt.  Dasselbe  gilt 
für  den  Gebrauch  der  Längezeichen  (vgl.  Abhandl.  IV,  p.  150) 
and  die  Citierungsweise  der  Urkunden,  daher  min  neben  rmn, 
Ursala  neben  Ursula,  Pekow  neben  Pekhaw  u.  dgl. 

Damit  sei  das  Buch  dem  Wohlwollen  der  Fachgenossen  em- 
pfohlen ;  ich  habe  dafür  keine  Zeit  und  keine  Mühe  gescheut.  Dass 
aber  auch  bei  aller  Gewissenhaftigkeit  ab  und  zu  ein  Versehen 
passiert,    das    wissen    gerade    genaue    Arbeiter    am    besten;    viel- 


—     12    - 

leicht  zieht  man  auch  die  Schwierigkeit  der  Arbeit  in  Betracht: 
denn  es  ist  ungleich  schwerer  und  leichter  auf  einem  noch  fast  ganz 
unbebauten  Gebiete  Entdeckungen  zu  machen,  und  ich  bin  den 
schweren  Fragen  niemals  mit  jener  beliebten  Entschuldigung:  , dar- 
auf näher  einzugehen  fehlt  mir  der  Baum "  ausgewichen ,  viel  lieber 
wollte  ich  fehlen;  Raum  zu  sparen  aber  suchte  ich  durch  engen 
Druck,  von  dem  sich  nur  die  Anm.  nach  dem  Texte  ausnehmen, 
weil  für  sie  die  Cursivlettern  der  üblichen  Notenschrift  nicht  in 
genügender  Anzahl  vorhanden  gewesen  wären. 

Die  letzten  Zeilen,  mit  denen  ich  dieses  Buch,  dessen  Druck 
sich  durcli  zwei  Jahre  hinzog,  beschliesse,  seien  dem  Danke  ge- 
widmet, den  ich  reichlich  schulde:  so  zunächst  Herrn  Prof.  W. 
Seh  er  er  in  Berlin,  der  mir  mit  dem  Thema  auch  manchen  treff- 
lichen Wink  zu  dessen  Behandlung  mitgab;  am  meisten  aber  Herrn 
Prof.  R.  Heinzel  in  Wien,  der  mit  gewohnter  Güte  einen  grossen 
Teil  meines  Manuscriptes  durchprüfte.  In  paläographischen  und  hi-^ 
storischen  Fragen  wandte  ich  mich  öfters  an  Herrn  Director  von 
Zahn  und  Prof.  Zösmair,  niemals  vergebens.  Ausserdem  haben 
meine  Freunde  in  Wien  und  Berlin  die  Arbeit  im  ganzen  Umfange 
mit  ihrer  Teilnahme  begleitet  und,  wo  immer  sie  konnten,  mit  ihrem 
Rate  und  ihrer  Hilfe  unterstützt.  Mögen  sie  nun  ihre  Bemühungen 
gut  angewendet  und  ihre  Erwartungen  erfüllt  sehen. 

Dr.  Wackerneil. 


ABHANDLUNeEN. 


Wacker nell,  Montfort, 


L  HUGO'S  LEBEN. 


L  Herknnft  nnd  Geburtsjahr. 

Wenn  da  an  einem  schönen  Sommertage  von  Bregenz  ans^ 
der  Stadt  am  Bodensee,  den  kleinen  in  ihrem  Rücken  gelegenen 
Gebhardsberg  besteigst,  gewinnst  du  eine  jener  unsäglich  anmutigen 
Femsichten,  die  nur  die  Alpenwelten  bieten,  wo  auf  beschränktem 
Räume  Wasser  und  Land,  Gebirg  und  Ebene  um  die  Wette  ihre 
Reize  entfalten.  Um  dich  ruhen  die  Trümmer  einer  zerfallenen 
Feste;  vom  Nordwesten  blickt  der  klare  Bodensee  in  heiterer 
Majestät  herauf;  im  Süden  breitet  sich  das  herrliche  Rheintal  aus : 
soweit  dein  Auge  reicht,  nur  Au  an  Au  und  Feld  an  Feld,  über- 
sät mit  Häusern,  Dörfern  und  Ruinen  halb  und  ganz  zerfallener 
Bargen.  Jenseits  des  Rheins,  im  fernen  Westen,  erheben  sich  die 
mächtigen  Schweizeralpen,  königlich  mit  ewigem  Schnee  gekrönt, 
während  im  Osten  die  sanfteren  Allgäaer  Berge  von  der  Ebene 
aufsteigen  und  deinem  schweifenden  Blicke  die  Grenze  setzen.  Die 
frische  Seeluft  streicht  langatmig  zu  dir  herauf,  umweht  dich  mit 
ahnungsvollem  Rauschen  wie  der  Geist  vergangener  Zeiten  — :  Du 
hast  den  schönsten  und  bedeutendsten  Teil  von  Vorarlberg  gesehen, 
jenen  Teil,  auf  dem  seine  Geschichte  spielt. 

Seit  dem  10.  Jahrhundert  gehörte  dies  Ländchen,  das  den  rechten 
Flügel  der  tirolischen  Alpenfeste  bildet,  zum  Herzogtum  Schwaben, 
und  die  Grafen  von  Bregenz  (später  Montfort)  waren  das  herr- 
schende G-eschlecht  dieser  Gegend.  Sie  traten  schon  frühe  in  der  deut- 
schen Geschichte  hervor,  eroberten  sich  schnell  Macht  und  Ansehen, 
erfüllten  das  Land  mit  ihrem  Ruhme:  Fürsten  und  Könige  bewarben 
sich  um  ihren  Anhang,  und  die  grossen  Schlachten,  welche  über  den 
Besitz  der  deutschen  Krone  entschieden,  schlugen  sie  fast  alle  mit;  nur 
der  deutsche  Kaiser  und  der  Herzog  von  Schwaben  standen  üb^t 


vr 

ihnen.  Unter  ihrer  Herrschaft  worden  Wildnisse  urbar,  bevölkerten 
sich  Einöden,  entstanden  Dörfer  und  gelangten  die  Einwohner  Vorarl- 
bergs zu  Wohlstand  und  Sicherheit  Nicht  selten  aber  auch  ge- 
schah es,  dass  sie  das  eigene  Land  zum  Schauplatz  blutiger  Kriege 
machten,  die  nicht  geführt  wurden  zum  Schutze  der  Untertanen 
sondern  aus  wilder  Leidenschaft  der  Herrscher.  Bereits  in  der 
zweiten  Hälfte  des  12.  Jahrhunderts  war  dieser  Stamm  abgestorben 
bis  auf  den  weiblichen  Sprössling  Elisabeth,  welche  durch  ihre 
Heirat  mit  Hugo  von  Tübingen  eine  neue  Generation  begann,  deren 
Geschichte  wir  den  äussern  Umrissen  nach  bis  auf  Hugo  den  Minne- 
sänger zu  verfolgen  haben. 

Elisabeth's  jüngerer  Sohn  Hugo  wurde  (1182)  Erbe  der 
Herrschaft  und  des  Namens  der  Montforter  in  Vorarlberg  und  der 
Stammvater  des  neuen  Geschlechts.  Er  war  ein  ge- 
walttätiger, habgieriger  Herr,  als  wäre  er  der  verkörperte 
Geist  seiner  raubsüchtigen  Zeit.  Wir  wissen  wenig  von  ihm,  aber 
das  wenige  reicht  leicht  aus  zu  seiner  Charakteristik.  1206  über- 
fiel er  zur  Zeit  des  Gottesfriedens  meuchlings  die  Burg  seines  fried- 
lichen Nachbars  Heinrich  von  Sax;  gleich  darauf  erhob  er  eine  un- 
gerechte Fehde  mit  dem  Abt  und  Kloster  St.  Johann  im  Thurtale 
und  raubte  noch  in  demselben  Jahre  einen  Zug  italienischer  Kauf- 
leute aus^).  Doch  bald  erreichte  ihn  die  Nemesis:  seine  Sünden 
waren  Gewalttaten,  und  eine  grauenvolle  Gewalttat  war  ihre  Rache. 
Hugo  hatte  eine  seiner  Töchter  an  den  Grafen  Friedrich  von  Tog- 
genburg verlobt;  aber  in  der  Nacht  des  12.  December  1226  wurde 
der  Bräutigam  von  seinem  eigenen  Bruder  aus  gemeiner  Habgier 
ermordet.  Das  Entsetzen  über  diese  Tat  war  allgemein :  der  Kaiser 
ächtete,  der  Pabst  bannte,  das  Volk  sang  grause  Lieder.  Unstät 
und  verabscheut  irrte  der  Mörder  herum  mit  dem  Kainfluche  be- 
laden, den  er  noch  auf  seinen  Sohn  Kraft  von  Toggenburg,  den 
Minnesänger,  vererbte.  Hugo  von  Montfort  hat  diesen  Schlag  nicht 
lange  überlebt. 

Unter  seinen  beiden  Söhnen  Budolf  und  Hugo^)  teilte  sich  das 
Geschlecht  in  zwei  Zweige.     Die  Nachkommen  Rudolfs   erhielten 


^)  ^fi>'*  ZOsmair,  politische  Geschichte  Vorarlbergs  im  13.  und  14.  Jahrh. 
unter  den  Grafen  Ton  Montfort  nnd  Werdenberg  (Programm  der  Staatsmittel- 
schalen in  Feldkirch  I  Teil  1877,  II  Teü  1878,  III  Teil  1879)  I,  6,  7  nnd  11- 
*)  Der    dritte  Sohn  Heinrich  trat  in  den  Dominikanerorden.     Vgl.  Z6B' 
mair  I,  12, 


Besitz  und  Namen  von  der  Grafschaft  Werdenberg,  während 
die  Hngo*8  auf  den  alten  Stammsitzen  den  Namen  der  Grafen 
von  Montfort  weiterführten.  Wir  lassen  die  ersteren  ausser 
Acht  und  folgen  nur  der  geraden  Linie,  aus  welcher  unser  Dichter 
hervorgieng. 

Hugo  IT  war  friedlicher  und  rahiger  geartet  als  sein  Vater: 
wohl  mochte  er  sich  aus  dessen  Leben  die  richtige  I^ehre  gezogen 
haben.  Wir  hören  bei  ihm  wenig  von  Krieg  und  Streit,  trotzdem 
die  immer  mehr  verwildernde  Zeit  öfter  denn  je  Änlass  dazu  ge- 
boten hätte;  nur  zum  Schutze  seiner  Oberherren,  der  Herzoge  von 
Schwaben,  die  damals  auch  die  deutsche  Königskrone  trugen,  griff 
er  zu  den  Waffen.  Als  Pabst  Innocenz  IV  auch  am  Bodensee 
gegen  die  Staufen  das  Erenz  predigen  Hess  und  darauf  hin  viele, 
insbesondere  Aebte  und  Bischöfe,  von  ihren  rechtmässigen  Lehens- 
herren abfielen,  rückte  ihnen  Hugo  zu  Leibe  ^).  Freilich  vermochte 
er  damit  die  lange  vorbereitete  Katastrophe,  welche  über  das  Helden- 
geschlecht der  Staufen  hereinbrach,  nicht  abzuwenden :  er  sah  noch 
den  Untergang  Kaiser  Friedrichs  und  König  Konrads.  Sein  Tod 
erfolgte  gegen  Ende  der  Fünfzigerjahre. 

Die  drei  Unterbliebenen  weltlichen  Söhne  teilten  das  väter- 
liche Erbe:  Rudolf  erhielt  die  Grafschaft  Montfort- Feldkirch,  Ul- 
rich Montfort-Bregenz  mit  Sigraaringen  und  H  n  g  o  Montfort-Tett- 
nang  und  Scheer^).  Damit  beginnt  ein  neuer,  aber  trauriger  Abschnitt 
in  der  Geschichte  der  Montforter.  Diese  schädlichen  Teilungen  allein 
würden  ihr  Ansehen  und  ihre  Macht  noch  nicht  gebrochen  haben, 
wenn  sie  unter  sich  Frieden  gehalten  und  ihre  Waffen  gemeinsam  ge- 
gen die  äussern  Feinde  gekehrt  hätten,  die  jetzt  in  „  der  kaiserlosen, 
der  schrecklichen  Zeit'  von  allen  Seiten  auf  sie  eindrangen  Aber 
statt  dessen  begannen  die  Bruderkinder,  die  Montforter  und  Wer- 
denberger,  einen  zügellosen  blutigen  Krieg,  der  mit  geringen  Unter- 
brechungen vier  Decennien  lang  wütete,  zu  förmlichen  Schlachten 
und  zu  grauenhaften  Verheerungen  des  ganzen  Landes  führte.  — 
Das  waren  Hiebe  ins  eigene  Fleisch.  Doch  auch  diese  Wunden 
wären  vernarbt,  die  Saaten  wären  wieder  aufgestanden  und  die 
Menschen  wieder  nachgewachsen,  hätte  nur  eine  unglückselige  Tat 


I)  ZOsmair  T,  16  und  17. 

*)  Vgl.  I.  N.  Ton   Yanotti   (Geschichte  der   Grafen    Ton   Montfort  nnd 
Ton  Werdenberg  1845)  p.  51,  56,  58  und  ZOsmair  I,  2S. 


VI 

der  Werdeuberger  angeschehea  gemacht  werden  köDoen:  diese  hatten, 
als  sie  sich  den  Montfortern  nicht  mehr  gewachsen  fühlten,  die 
Habsburger  znr  Hilfe  herbeigerufen.  Das  kam  den 
kriegstüchtigen  Schweizergrafen  sehr  erwünscht.  Schon  seit  Jahren 
strebten  sie  in  die  verwaisten  Besitzungen  und  Rechte  der  Staufen 
zu  gelangen  und  selbst  das  Herzogtum  Schwaben  wieder  herzu- 
stellen; aber  die  Montforter  standen  ihnen  im  Wege:  sie  waren 
vielleicht  das  einzige  Geschlecht  der  Umgegend,  das  im  Stande 
sein  konnte,  ihre  Pläne  zu  Schanden  zu  machen.  Und  nun  zer- 
fleischten sie  sich  selbst  und  boten  noch  Gelegenheit  zur  Ein- 
mischung! Nichts  ist  charakteristischer  für  das  Vorgehen  der 
Habsburger,  als  dass  der  Krieg  der  Montforter  mit  den  Werden- 
bergern  sich  nun  zum  Kriege  der  Montforter  gegen  die  Habsburger 
umgestaltete,  mit  denen  die  Werdeuberger  verbunden  blieben.  Den 
Montfortern  musste  alsbald  die  Einsicht  aufgehen,  dass  sie  nunmehr 
um  ihr  Sein  oder  Nichtsein  zu  ringen  hatten.  Mächtig  bäumten 
diese  stolzen  Grafen  sich  auf,  und  wir  finden  sie  in  der  Folge  bei- 
nahe ohne  Ausnahme  als  Bundesgenossen  der  Feinde  Habsburgs. 
So  kämpften  sie  mit  Löwenmut  zuerst  gegen  Rudolf,  auch  noch, 
nachdem  er  deutscher  König  geworden  war,  und  zerschlugen  dessen 
Absichten  auf  das  Herzogtum  Schwaben ;  dann  hielten  sie  zu  Adolf 
von  Nassau  und  fochten  bei  Göllheim  (1298)  mit  verzweifelter 
Tapferkeit  gegen  Albrecht  M.  Ihr  Hass  verfolgte  Albreohts  Regierung 
bis  zur  Bluttat  an  der  Reuss,  an  welcher  sie  wahrscheinlich  nicht 
ohne  Schuld  gewesen  sind.  In  dem  folgenden  Tronstreite  zwischen 
Friedrich  dem  schönen  und  Ludwig  dem  baier  waren  sie  wieder 
Gegner  des  erstem. 

Wenn  während  dieser  langen  Kriegszeit  auch  kurze  Pausen  des 
Friedens  eintraten,  so  waren  es  doch  nur  Momente  völliger  Ermattung. 
Der  fortwährende  Kriegsbedarf  erschöpfte  die  Kasse  der  Montforter 
und  zwang  sie,  Besitzungen  zu  veräussem.  Aber  auch  das  verstanden 
die  Habsburger  zu  ihrem  Vorteile  auszubeuten.  Sie  waren  mittler- 
weile durch  die  deutsche  Krone  in  den  Besitz  der  österreichischen 
Herzogtümer  gekommen,  die  ihren  Finanzen  aufhalfen,  erschienen  nun 
als  die  eifrigsten  Käufer  und  brachten  Sigmaringen,  Scheer  und 
andere  Besitzungen  an  sich^).   Vor  den  Waffen  ihrer  Feinde  hatten 


0  Vgl.  darüber  Yanotti  64  und  ZOsmair  I,  36  und  39. 
«3  Vanotti  62. 


vn 

sich  die  Montforter  heldenmötig  gerettet,  aber  sie  erlagen  ihrem 
Säckel :  das  Endresultat  war  das  gleiche ;  nnr  der  Uebergangsprooess 
wurde  zwei  Jahrhunderte  lang  verzögert. 

Gegenüber  diesen  weittragenden  äussern  Vorgängen  treten  die 
Familienereignisse  in  den  Hintergrund  zurück.  Wir  wollen  flüchtig 
daran  vorübereilen.  Hugo  von  Tettnang  hatte  nur  einen  Sohn 
Wilhelm,  dem  er,  als  er  den  Abend  seines  Lebens  gekommen  sah 
und  sich  nach  all  den  erlittenen  Wechselfällen  lebensmüde  fühlte, 
die  Regierang  überliess  (1309)^).  Bald  darauf  legte  er  sich  in 
die  Gruft  seiner  Väter. 

Wilhelm,  damals  noch  jung,  übertrug  das  Regiment  seinem 
altem  Vetter  Hugo  IH,  dem  einzigen  Sohne  Ulrichs  von  Montfort- 
Bregenz.  Das  ist  ein  Beweis,  wie  man  jetzt  zur  Ueberzeuguug  gelangt 
war,  dass  die  Rettung  des  Hauses  nur  im  innigen  Änschluss  und 
in  der  Vereinigung  der  geteilten  Kräfte  möglich  sei;  vielleicht  waren 
die  Tettnanger  gerade  zu  der  Zeit  neuerdings  von  ihren  Feinden 
hart  bedrängt.  1338  starb  Hugo  ohne  Leibeserben,  und  seine  Güter 
fielen  an  Wilhelm^,  der  somit  die  beiden  Linien  von 
Montfort  -  Tettnang  und  Montfort  -  Bregenz  wieder 
vereinigte. 

unter  Wilhelm  I  strahlte  das  G^chlecht  der  Montforter  noch 
einmal  in  seinem  vollen  Glänze.  Er  paarte  Tapferkeit  mit  Umsicht 
und  Klugheit  mit  Ausdauer.  Die  Greschichtsschreiber  seiner  Zeit 
melden  einstimmig  mit  grosser  Begeisterung  sein  Lob;  selbst  ein 
Anhänger  der  Oesterreicher,  Albert  von  Strassburg^),  sagt  von  ihm: 
.Ludovicus  Imperator  Mediolanum  Wilhelme  de  Monte forti 
comittens.  .  qui  in  virilibus  gestis  valentior  hujus  mundi 
aestimaretur^.  Aehnlich  preist  ihn  Tschudi,  preisen  ihn  alle 
Taten  seines  Lebens.  Er  wird  namentlich  aufgeführt,  wenn  er  den 
Fahnen  seines  Kaisers  Ludwig  folgte,  was  stets  geschah,  sobald 
sich  dieser  in  Not  und  Bedrängnis  befand.  Dafür  ward  ihm  aber 
auch  königlicher  Lohn  zu  Teil:  er  wurde  kaiserlicher  Reichsland- 
vogt in  Schwaben  und  bald  darauf  kaiserlicher  Statthalter  über 
Mailand,  erhielt  1330  und  1331  die  Erlaubnis,  den  Flecken  Tett- 
nang und  das  Dorf  Ertingen  mit  Mauern  und  Gräben  zu  befestigen 


*)  Vgl.  die  Urkunden  im  Ansznge  bei  Vanotti  p.  626,  Nr.  372  und  373. 
*)  Nur  ein  Teil  vnrde  für  die  Montfort-Feldkircher  ausgeschieden.  Vgl. 
ZOsmair  n,  19. 

*)  Alb.  Argenti  Chronioon  apud  Urstit  H,  124.  YgL  YanQtti  WS  ^« 


vm 

und  Stadt-  and  Marktrechte  zn  errichten^).  Er  starb  spätestens 
am  8.  Oktober  1350^). 

Seiue  Söhne  besassen  nicht  die  Einsicht  und  Tüchtigkeit  ihres 
Vaters;  denn  sie  teilten  wieder  die  Besitzungen:  Wilhelm  wurde 
Graf  von  Bregenz,  Heinrich  Graf  von  Tettnang^). 

Wilhelm  H  war  der  Grossvater  unseres  Dichters.  Mit  ihm 
beginnt  eine  Umgestaltung  der  äussern  Politik,  die  sich  auf  seinen 
Sohn  und  Enkel  vererbte,  und  die  wir  daher  näher  ins  Auge  zu 
fassen  haben.  Die  Lage  dieser  beiden  neuen  Montforter  Linien 
hatte  sich  sehr  verschlimmert.  Schon  durch  die  Teilung  an  sich 
war  ihre  Macht  geschwächt  und  gelähmt;  aber  das  Uebel  wurde 
noch  vergrössert  durch  die  ungeschickte  Durchführung  derselben: 
Wilhelms  Besitzungen  standen  von  drei  Seiten  dem  Angriffe  offen. 
Dazu  hatte  sich  die  Zahl  der  alten  Feinde  um  einen  neuen  ver- 
mehrt: zu  den  Habsburgern  und  Werdenbergern  kamen  —  nicht 
weniger  gefährlich  als  die  beiden  —  noch  die  Schweizer,  welche 
die  schwäbischen  Herren,  deren  Besitzungen  in  ihrer  Nähe  lagen, 
unausgesetzt  bedrohten :  Wilhelm  war  einer  der  nächsten  Nachbarn. 
Es  war  daher  nur  eine  Tat  reiflicher  üeberlegung,  wenn  er  die  Ver- 
söhnung mit  den  Habsburgern  suchte,  um  nun  mit  ihnen  dem  gemein- 
samen neuen  Feinde  zu  begegnen.  Die  Habsburger  giengen  darauf  ein, 
weil  die  Schweizer  gegen  sie  insbesondere  ihre  Waffen  kehrten.  Schon 
1354  finden  wir  Wilhelm  neben  andern  schwäbischen  Rittern  im 
österreichischen  Heere,  das  Herzog  Albrecht  im  Sommer  dieses 
Jahres  gegen  die  Züricher  führte*).  So  waren  die  Grafen  von 
Montfort-Bregenz  Bundesgenossen  der  Habsburger  geworden  und 
blieben  es  auch  in  der  ganzen  Folgezeit.  Und  wenn  die  Habsburger 
schliesslich  dennoch  den  Montfortern  die  Besitzungen  abgewannen, 
so  geschah  es  in  redlichem  Kaufe,  langsam,  langsam,  ohne  andern 
Druck  als   durch   den   der  Freundschaft.     Ja  einer  der  Epigonen 


»)  Stalin,  Würtemb.  Geschichte  HI,  193. 

')  Die  allgemeine  Ansicht,  dass  Wilhelm  am  8.  Oktober  1353  oder  1354 
gestorben  sei  (vgl.  Bergmann,  Sitz.  Ber.  der  Wiener  Akademie  IX,  803  und 
Yanotti  109),  ist  unrichtig ;  denn  nach  einer  Originalurkunde  des  Mehrerauer- 
archlTS  im  Bregenzer  Museum  (Fase.  I,  43)  erscheinen  die  Sohne  Wilhelms 
schon  am  3.  April  1351  als  Herren  Ton  Bregenz  und  Vögte  Ton  Mehreran. 
Ich  Terdanke  diese  Berichtigung  einer  Mitteilung  Zösmair^s. 

3)  Die  beiden  andern  Brüder  Hugo  lY,  der  sich  auch  einen  Herrn  zn 
Bregenz  nannte,  und  Ulrich  I  starben  schon  frühe.  Vgl,  die  Stammtafel  bei 
ZOsmair.     *)  ZOsmair  II,  37. 


IX 

Wilhelms,  gerade  unser  Minnesänger,  brachte  sein  Haus  unter  dem 
Schutze  der  österreichischen  Fürsten  noch  einmal  zu  hohem  Ansehen. 
iSald  knüpften  auch  Bande  der  Verwandtschaft  das  neue  Verhält- 
nis. Wilhelm  vermählte  sich  das  zweitemal  (nach  1352)  mit  der 
Gräfin  ürsala  von  Pfirt-Hohenberg  *),  deren  Schwester  Johanna  die 
Gremahlin  Herzog  Älbrechts  H  von  Oesterreich  war. 

Im  übrigen  ist  von  Wilhelms  II  Regierung  sehr  wenig  rühm- 
liches zu  sagen.  Er  trat  seltener  als  seine  Vorfahren  öffentlich 
auf  und  dann  nur  im  Dienste  und  Interesse  Oesterreichs,  dem  er 
namentlich  bei  der  Erwerbung  Tirols  (1363  —  69)  gute  Hilfe 
leistete^).  Seine  Besitzungen  verminderten  sich  bedeutend;  er  Hess 
Pfandschaften  einlösen,  verpfändete  und  verkaufte  selbst^).  Dass 
dabei  die  Habsburger  den  Hauptteil  davon  trugen,  lag  —  wie  wir  nun 
wissen  — in  der  Natur  der  Sache.  Er  starb  am  19.  Oktober  1369^). 
Dass  dieser  Bregenzer  Graf  in  Wien  starb,  und  dass  seine  letzten 
Taten,  von  denen  wir  hören,  ein  Verkaufsact  und  die  Stiftung  eines 
ewigen  Lichtes  in  der  Wiener  Minoritenkirche  waren,  ist  för  ihn 
sehr  bezeichnend.  —  Er  hinterliess  einen  einzigen  Sohn  gleichen 
Namens  von  seiner  ersten  Frau^). 

Wilhelm  HI  besass  beim  Tode  seines  Vaters  bereits  selbst 
zwei  Söhne:  Konrad  und  Hugo.  Hugo  —  wie  sich  aus  der  vor- 
ausgegangenen Ableitung  ergeben  wird,  der  V.  Bregenzer  Herr  dieses 
Namens®)  —  war  der  jüngere '')  und  hatte  damals  bereits  sein  elftes 


*)  Was  Vanotti  162  ff.  Ton  den  Frauen  Wilh«lm8  II  schreibt,  ist  un- 
richtig, desgleichen  alles  folgende,  weil  er  Wilhelm  II  und  dessen  Sohn  Wil- 
helm III  für  dieselbe  Person  hielt.  Erst  Bergmann  hat  in  seiner  Abhandlung : 
„Ueber  das  Wappen  der  Stadt  Bregenz  und  der  Torarlbergi sehen  Herrschaften, 
und  über  die  Grafen  Ton  Montfort-Bregenz-Pfannberg  bis  1596**  (Sitz.  Ber. 
der  Wien.  Ak.  IX,  791  ff.)  Licht  hieher  gebracht. 

«)  Vgl.  Zösmair  III,  13—15.     «)  Vgl.  Vanotti  163  ff. 

^)  Nicht  1368,  wie  noch  Bergmann  (Sitz.  Ber.  IX,  804)  glaubte.  Vgl. 
Zösmair  III,  15. 

*)  Die  aber  nicht  Freiin  von  Schwarznnberg  hiess,  wie  Bergmann  a.  a. 
0.  803  meinte;  denn  diese  war  Wilhelms  1  Gemahlin,  was  Lang-Freiberg, 
Begesta   Boica  VI  Bd.  pag.  165,  bezeugt.    Vgl.   die  Stammtafel  bei  Zösmair. 

•)  Weinhold :  „Ueber  den  Dichter  Graf  Hugo  VIII  von  Montfort''  (Mit- 
teilungen des  historischen  Vereines  für  Steiermark  VII,  127 — 180)  nannte 
ihn  mit  Vanoeti  den  VIII;  Bergmann  a.  a.  0.  den  IV;  Zösmair  den  III; 
Lichnowsky,  Geschichte  des  Hauses  Habsburg  (IV,  173  u.  öfter),  und  Weber, 
Oswald  Ton  Wolkenstein  (pag.  4),  den  II. 

')  Konrad  wird  in  gemeinschaftlich    ausgestellten  ütkMwdftik   «iH  «t^\«t 


Lebeosjahr  hintef  sich.  &  ist  in  der  politischen  Geschichte  einer 
der  bedeutendsten,  im  ganzen  der  bedeutendste  seines  Geschlechts : 
der  Ritter  mit  Leier  und  Schwert,  dessen  Leben  und  Wirken  dar- 
zustellen wir  unternommen  haben ,  so  gut  es  mit  dem  noch 
erhaltenen  Reste  der  ledernen,  unbehilflichen  Urkunden  und  den 
kargen  Andeutungen  in  seinen  Gedichten  gelingen  mag. 

Seine  Mutter  war  Ursala  Gräfin  von  Pfirt-Hohenberg*),  das 
Jahr  seiner  Geburt  1357  2).  Damals  hauste  sein  Vater  auf  der 
Burg  Bregenz :  dort  mag  Hugo's  Wiege  gestanden,  mag  er  die  Jahre 
der  Kindheit  verlebt  haben. 

t  Engo's  Jugendzeit. 

Im  väterlichen  Hause  Hugo's  war  der  Kriegslärm  seltener  ge- 
worden: Wilhelm  III  war  ein  friedliebender  Mann,  was  für  die 
Erziehung  seiner  beiden  Söhne  sicher  vorteilhaft  war,  denn  arma 
et  musae  wohnen  selten  unter  einem  Dache;  insbesondere  scheint 
man  an  den  Unterricht  des  jüngeren  Sprösslings  grössere  Sorgfalt 


Stelle  genannt  nnd    trat  bereits  1372,   also  vor  Hugo,  selbständig    anf.   Ygl. 
Fürstenberger  ürkundenbnch  IT,  441. 

^)  Also  die  Tochter  seiner  Stiefgrossmntter.  Die  Terwickelten  Beziehungen 
wird  eine  kleine  Stammtafel  klar  legen : 

Ulrich, 
Graf  Ton  Pfirt,  starb  am  10./3.  1324. 
Seine  Gemahlin  war  Johanna,  Gräfin  von  Mömpelgart. 

Johanna,  IJrsala  (21./10.  1301  geb.) 

seit  dem  Mai  1324  mit  Termählte  sich  zuerst  1333  mit  dem  Gra- 

Herzog  Albrecht  II  Ton  fen  Hugo  y.  Hohen berg nnd,  nachdem 

Oesterreich  Termählt,  dieser  zwischen   1352  und  1354  gestorben 

starb  16./1 1.  1351.  war,  neuerdings  mit  W  i  1  h  e  1  m  II,  G  r  a  f  e  n 

Ton  Montfort-Bregenz.  Sie  starb 
Tor  3.  Februar  1367.  Aus  erster  Ehe  hatte 
sie  die  Kinder 

Hugo.  Ursala 

Termählte  sich  vor  1357  mit 

dem    Grafen  Wilhelm  III 

Ton  Montfort-Bregenz 

und  war  dieMutterHugo^s,  des 

Minnesängers.  Sie  starb  1368. 

*)  Das  ergibt  sich  aus  einer  Stelle  in  seinen  Gedichten.    38,  141  Uagt 

er:  o  s  seht  zig  jdr  sind  swer  uf  minem  rt*ggen  minder  drier.    Nach 

^,  185— 18&  entstand  das  Gedicht  am  4.  JoU  1414. 


XI 

gelegt  za  haben.  Wir  fiuden  später  neben  einer  ausgiebigen  Bildung 
in  ritterlichen  Dingen  bei  demselben  Kenntnisse,  die  für  einen  welt- 
lichen Herren  der  damaligen  Zeit  noch  selten  waren,  ja  wenn  man 
zerstrente  Andeutungen  Hugo's  in  seinen  Gedichten  beachtet,  wie 
etwa  29,  89,  wo  er  die  Frau  Welt,  erstaunt  über  sein  Wissen,  aus- 
rufen lässt:  ich  wcund^  du  weriat  ein  ritter  gwesen:  wa  bist  du 
nu  in  Studium  gestanden  f  du  hast  gar  guoü  buoch  gelesen,  so 
möchte  die  Vermutung  Raum  gewinnen,  dass  er  sogar  eine  „  gelehrte 
Bildung*)*  erhalten  habe.  Auch  eine  äussere  Veranlassung  dazu 
konnte  vorliegen.  Es  war  üblich,  dass  man  den  jüngeren  Söhnen 
geistliche  Pfründen  zu  verschaffen  suchte;  die  Montforter  hatten 
seit  jeher  diesem  frommen  Brauche  eifrig  nachgestrebt :  es  ist  kaum 
einer  von  den  vielen  Zweigen  dieses  Geschlechts,  aus  dem  nicht 
einige  Domherren,  Aebte  oder  Bischöfe  hervorgegangen  sind.  Dann 
wäre  es  freilich  leicht  erklärlich,  wie  Hugo  noch  in  seinen  spätem 


^)  Vielleicht  im  nahen  St.  Gallen?  Von  den  altern  Montfortern 
.wenigstens  wird  es  ausdrücklich  hezengt,  dass  sie  ihre  Söhne  in  St.  Gallen  er- 
Biehen  Hessen,  „wie  in  einer  Schale'^  (Martini  Crusii  Chron.  Snev.  I,  307). 
Aher  freilich  war  das  Kloster  damals  sehr  herabgekommen,  weswegen  Zösmair 
das  wahrscheinlichere  haben  wird,  wenn  er  dafür  hält,  „dass  Hngo  seinä 
höheren  Kenntnisse  auf  seinen  Wanderungen,  etwa  auf  der  nenerrichteten 
Wiener  Universität  gewonnen  habe^.  So  war  auch  Hermann  von  Sachsenheim  als 
fahrender  Schüler  zu  seiner  gelehrten  Bildung  gekommen  (Martins  Ausg.  p.  14). 

Schon  Weinhold  hat  die  Frage  aufgeworfen,  ob  Hugo  auch  die  „Grund- 
lage aller  gelehrten   Bildung,    die  Kenntnis   des   Lateinischen   in    sich  trug.^ 
Er  operierte  dabei    mit  den   lateinischen  Ausdrücken   in   den  Gedichten.     Ein 
neues  Argument  dafür  liefert  Hugo*s  Bibelkenntnis,  die  er  nicht  nur  „darch  die 
bildlichen  Darstellungen  und  die  geistlichen  Gedichte  des  12.— 14.  Jahrhunderts 
erhalten^,  sondern  aus  der  Bibel  selbst  geschöpft  hat;  denn  4,90  sagt  er: 
ich  hdn  in   der  gsehrift  vernomen.     Die  gsehrift   ist    die    heilige    Schrift 
(ygl.  Lexer,  Wb.  I,  906).     Auch  anderweits   macht  Hugo  gern  Anspielungen, 
die  das  erkennen  lassen,    so  5,  206  ;  24,  123;  27,  52  u.  ^.     Dabei    lag  ihm 
doch  sehr  wahrscheinlich  der  allgemein  gangbare  lateinische  Text  und  nicht  eine 
üebersetanng  Tor,  die  im  14.  Jahrhundert  gewiss  noch  sehr  selten    zu  finden 
gewesen  wäre;    vgl.    darüber  Kehrein,    die  Bibelübersetzungen  Cap.  I  und  II, 
und  insbesondere  Suchenwirt  XU,  1622,  welcher  die  Kenntnis  der  hl.  Schrift 
geradezu  Ton  der  Kenntnis   des  Latein  abhängig  macht:  die  heilig  gehrift  ist 
mir  unehunt:  ich  ehan  laider  nicht  latein.    Siehe  auch  Primissers  Einl.  XXI. 
Ob  H.  ausserdem  noch  einer  andern  Sprache,    etwa  des  Italienischen  mächtig 
gewesen,  wird  sich  mit  Gründen  weder  beweisen,  noch  in  Abrede  stellen  lassen ; 
aber  italienische  Worte  begegnen  in  seinen    Gedichten    einigemal ;  femer  mag 
man  daran   denken,   dass    damals  ein   reger  Handelsverkehr   mit   Norditalien 
bestanden,  und  dass  Hugo  selbst  sich  mehrmals  dort  auigekaXt^n  \l%.\i. 


xn 

Jahren  »mit  Behagen  auf  seine  theologischen  Kenntnisse  zurück- 
blicken konnte*'^).  Wie  dem  auch  sein  mag,  gewiss  ist,  dass  er 
wie  einst  Hartmann  die  Kunst  besass  zu  lesen  ^),  was  er  ,  an  den 
buochen  gesohriben  vand ',  und  dass  er  diese  Fähigkeit  zur  Leetüre 
der  berühmteren  Rittergedichte  und  Minnelieder  benützte,  wie 
uns  seine  eigenen  Producte  bezeugen.  Er  hat  Kenntnis  von 
Parcival  und  der  Gralsage,  von  Helena,  Hector  und  der  Zerstörung 
Troja's,  von  Artus,  seinen  Rittern  und  Frauen  und  seinem  ganzen 
JHofe;  hat  von  Kriemhilt,  von  ihrem  und  ihrer  Helden  Schicksal 
gelesen;  weiss  vom  Priester  Johannes,  von  Aristoteles,  Alexander, 
Karolus  magnus,  vom  Riesen  Egge  (in  Nr.  7,  einem  der  frühesten 
Gedichte) ;  kennt  Hadamar,  dann  Suchenwirt  und  andere  zeitgenös- 
sische Dichter  und  deren  Dich tungsweise^).  Die  Leetüre  wird  denn  auch 
besonders  dazu  beigetragen  haben,  ihn  in  die  schwärmerische  Richtung 
jener  Zeit  zu  drängen,  in  der  man  oft  in  überspanntester  Weise  daran 
gieng,  den  Mustern  der  Buchhelden  nachzuleben  und  in  blinden  Aben- 
teuern seine  Kraft  und  den  eigenen  Wert  zu  versuchen.  Das  glänzendste 
Beispiel  davon  liefert  sein  jüngerer  Zeitgenosse  und  Landsmann 
Oswald  von  Wolkenstein,  der  mit  zehn  Jahren,  drey  Pfenningen  m 
dem  pewtel  und  ainem  stuckUn  prot  romanerfüllt  die  Heimat  ver- 
liess  und  auf  Abenteuer  auslief*).  Aber  auch  Hugo  war  erst  vier- 
zehn Jahre  alt^),  als  er  1371  auszog,  die  grosse  Welt  zu  probieren. 
Wie  das  Gedicht  Nr.  2  erzählt,  hatte  diese  erste  Ausfahrt  auch 
noch  ihre  besondere  Veranlassung.  Er  fühlte  bereits  zarte  Neigung 
zu  einer  Frau ^),  nahm  Wohnung  auf  , Sehnenberg"  und  sann  auf 
Mittel,  der  Liebsten  Huld  zu  erwerben.   Zu  günstiger  Stunde  machte 


*)  Weinhold,  in  den  Mitteilungen  VII,  146. 

«)  Er  versichert  das  wiederholt:  15,  157;  29,  89;  33,  69;  24,  37. 
üeber  die  Beweiskraft  derartiger  Aussprüche  vergleiche  Karajan  :  „üeber  Hein- 
rich den  Teichner«.     Denkschriften  der  Wien.   Akad.  VI,  104. 

')  Vgl.  darüber  Weinhold  a.  a.  0.  147,  weiter  die  Abhandlung  II  und 
die  Nachweise  in  den  Anmerkungen. 

'*)  Weber,  Oswald  von  Wolkenstein  pag.  4.  In  ähnlicher  Weise  erhielt 
Ulrich  von  Lichtenstein  schon  in  seiner  frühesten  Jugend  durch  Leetüre 
die  Impulse  ^zu  ritterlichem  Streben  und  Minnelust«.  Knorr,  Quellen  und 
Forschungen  IX,  pag.  19. 

^)  5,  136:  ich  hatt  der  tag  min  viertzehn  jar,  sid  hdn  ich  wun^ 
ders  vil  gesehen  ete. 

^)  Dass  diese  Frau  nicht  seine  nachherige  Gemahlin  Margaretha  gewesen 
seJa  kann,  ergibt  sich  aus  dem  weitern  Hergang  der  Dinge  von  selbst. 


xm 

er  sich  auf,  am  ihr  ein  Geständnis  seiner  Flamme  abzulegen:  ich 
wolt  da  gerne  achowen^  wie  mir  min  red  gelükhen  weit  (2,  42). 
Allein  anstatt  ihn  zu  erhören,  las  ihm  das  selig  wih  ein  soharfes 
Gapitel :  er  treibe  es  wie  andere  seiner  Gesellen,  die  liegen,  triegen 
fruo  und  spät  Dieser  Empfang  kam  ihm  zu  unerwartet:  die 
Röte  schoss  ihm  ins  Gesicht,  er  erschrack  und  stotterte  (2,  68,  70). 
—  Aber  gerade  daraus  erkannte  die  frowe  so  vtn  die  Aufrich- 
tigkeit seines  Geständnisses  und  nahm  ihn  zu  Gnaden  an.  In  ihrem 
Dienste  musste  er  sich  nun  durch  ritterliche  Taten  hervortun  und 
sich  ihrer  Neigung  würdig  erzeigen:  so  wollte  es  die  Sitte  der 
Zeit.  Hugo  zog  zuversichtlich  mit  ihrem  Segen  in  die  Welt;  denn 
er  besass  aussergewöhnliche  Körperkraft  ^).  Ueber  Jahr  und  Tag 
ritt  er  herum,  bis  er  fand,  was  er  gesucht:  ritterschaft  ein  michel 
teil^  graveuj  frien,  herren  geil^  die  waltend  iriben  ritterspil,  tur- 
nieren^  stechen  zuo  dem  zil  2,  99. 

Wohin  er  seine  Schritte  gelenkt,  ist  mit  Bestimmtheit  nicht  zu 
sagen,  doch  wird  man  zunächst  wohl  an  den  Wiener  Hof  denken. 
Auch  die  Zeitdauer  dieser  Wanderschaft  können  wir  nur  der  obern 
und  untern  Grenze  nach  bestimmen.  Sie  hat  nicht  vor  1371  (5, 
136)  begonnen  und  nicht  über  1373  gedauert;  denn  in  diesem 
Jahre  giengen  in  seinem  väterlichen  Hause  Veränderungen  vor  sich, 
die  seine  Anwesenheit  notwendig  machten. 

unter  Wilhelm  H  sind  die  Güter  der  Bregenzer  Grafen  be- 
trächtlich verkleinert  worden,  unter  Wilhelm  IH  waren  sie  bisher 
noch  nicht  viel  gewachsen!  Der  erste  Act,  welcher  von  ihm  ur- 
kundlich gemeldet  wird,  ist  eine  Verpfändung  in  Gemeinschaft  mit 
seinem  Vater.  Seine  Gemahlin  Ursala,  die  Tochter  des  Grafen 
Hugo  von  Hohenberg,  hatte  ihm  die  Städte  Heigerloch  und  Ehingen 
als  Heiratsgut  zugebracht  Am  9.  Februar  1367  nun  versetzten 
zu  Scheer  die  beiden  Wilhelm  (Vater  und  Sohn)  von  Montfort 
diese  Besitzungen,  auf  welche  die  Hohenherger  schon  früher  Ver- 
zicht geleistet,  um  11.000  8^  Pfennige  an  den  Grafen  Eberhard  von 
Würtemberg^).  Wie  die  vorhandene  Quittung  bezeugt,  hat  Eber- 
hard noch  in  demselben  Jahre  die  Ptandsumme  flüssig  gemacht^), 
wodurch  der  Verlust  dieser  Städte  für  die  Moutforter  zur  unwie- 
derruflichen  Tatsache  geworden  war.    Ein  Ersatz  dafür  schien  sich 


*)  5,  93:  und  hdn  ms  kraft  denn  daz  merieil  der  weit 
•)  Vgl.  Vanotti  pag,  163  und  im  Anhange  die  Urkunde  Nr.  86.     Zös- 
mair.^SEb  14  ^)  Vanotti  ibid. 


XIV 

einstellen  zu  wollen,  als  1368  die  österreichischen  Herzoge][Leopold 
und  Albrecht  den  Montfortern  Ehingen,  die,  Stadt  an  der  Donau, 
und  die  Herrschaften  Berg  und  Schelkingen  verpfändeten;  allein 
schon  am  8.  März  1370  wurden  die  Pfandschaften  zum  grössern 
Teile  wieder  eingelöst  ^),  und  die  Lücke  in  Wilhelms  III  Besitzun- 
gen blieb,  bis  es  ihm  in  anderer  Weise  gelang,  die  erlittenen 
Schäden  gut  zu  machen  und  seinem  Hause  einen  Machtzuwachs 
anzubahnen,  der  von  entscheidendem  Einflüsse  war  für  die  ganze 
folgende  Geschichte  desselben.  Es  geschah  durch  wohlverstandene 
Heiratsverbindungen  mit  dem  reichen  Geschlechte  der  P&nnberger 
in  Steiermark. 

Ulrich  in,  Graf  von  Pfannberg,  Marschall  in  Oesterreioh, 
Landeshauptmann  von  Kärnten,  beschloss  am  23.  Oktober  1354 
sein  ruhmreiches  Leben  ^)  und  hinterliess  einen  einzigen  Sohn  Johann, 
der  die  Gräfin  Margaretha  von  Schaunberg  zur  Ehe  nahm^j.  Er 
gewann  mit  ihr  nur  einen  Sohn  N  und  eine  Tochter  Margaretha, 
welcher,  als  1362  ihr  Vater  und  bald  darauf  auch  ihr  Bruder 
starb,  das  ganze  Erbe  zufiel.  Margaretha  die  ältere  war  noch 
heiratslustig,  und  Wilhelm  HI  von  Montfort,  dessen  erste  Gemahlin 
1368  gestorben,  gab  in  ihr  1368  oder  69  seinen  beiden  Söhnen 
eine  Stiefmutter;  während  um  dieselbe  Zeit  Margaretha  die  jüngere, 
noch  in  zartem  Alter,  vom  Grafen  Johann  von  Gilli  heimgeführt 
wurde.  Doch  diese  Ehe  hatte  nicht  lange  Dauer:  schon  am  28. 
April  1372  starb  Johann  von  Cilli  kinderlos^),  und  es  waren 
mit  der  Hand  der  jungen  Witwe  auch  die  ausgiebigen  AUodial- 
güter  der  Pfannberger  in  Steiermark,  Oesterreich  und  Kärnten  neuer- 
dings zu  erwerben,  was  sich  ihr  Schwiegervater  Wilhelm  sehr  an- 
gelegen sein  liess.  Da  er  selbst  zum  zweitenmal  verheiratet  war, 
sein  älterer  Sohn  Konrad  gleichfalls  schon  Agnes  von  Tosters 
zum  Weibe  genommen  hatte  ^),  so  blieb  nur  der  sechzehnjährige 
Hugo  übrig,  der  denn  auch  noch  1372  oder  73  mit  Margaretha 
ehelich  verbunden  wurde®). 


^)  Yanotti  pag.  164. 

•)  Er  wurde  Ton  Sachenwirt  besangen,  bei  Primisser  Nr.  XL 
3)  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  807.     ^)  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  809* 
^)  Nach  Zdsmairs  Ansicht  bald  nach  dem  22.  Juli  1371,  als  die  grosse 
Fehde  zwischen  den  Werdenbergern  und  Feldkirchern,  wobei  es  sich  aach  um 
das  £rbe  der  Gräfinnen  Ton  Tosters  handelte,  definitir  beendet  wurde. 
*)  Die  Beziehungen  gestalteten  sich  also  folgendermassen : 


XV 

So  war  Hugo  za  einem  Weibe  gekommen  und  ein  reicher 
Herr  geworden:  die  Pfannbergischen  Lehensherrschaften,  die  Festen, 
Dörfer,  Leute  and  Güter  zu  Pekaw,  Luginsland,  Ghaisersperg  und 
Grünberg  fielen  ihm  nun  rechtlich  zu  0»  die  Bregenzer  Grafen  traten 
damit  in  den  steirischen  und  österreichischen  Herrenstand  und 
erlangten  eine  Macht,  welche  die  aller  andern  Montforter  Häuser 
weit  überflügelte.  War  das  nicht  eine  ausserordentlich  glänzende 
Heirat?  Steht  nicht  von  vorn  herein  zu  erwarten,  dass  Hugo  in 
der  Freude  über  den  unverhofften  schönen  Gewinn  eine  emsige 
Regierungstätigkeit  und  mit  seiner  Gemahlin,  die  damals  in  der 
schönsten  Jugendblüte  stand,  ein  glückliches  Familienleben  begonnen 
habe?  Wird  er  nicht,  da  ihm  nun  einmal  Lieder  in  die  Brust  ge- 
legt waren,  mit  denselben  dieses  junge  Glück  gefeiert  haben?  —  Doch 
von  all  dem  keine  Spur! 

Wenden  wir  das  Blatt  und  blicken  nach  den  Triebfedern 
dieser  Heirat,  so  erheben  sich  dunkle  Schatten.  Nicht  die  Stimme 
des  Herzens,  nicht  die  gegenseitige  Neigung  hatte  hier  das  ent- 
scheidende Wort  geführt :  die  Diplomatie  hatte  den  Bund  geschlos- 
sen, unbekümmert  um  jene,  bloss  geleitet  vom  Verlangen  nach 
Besitz;  es  war  eine  Gonvenienzehe  im  verwegensten  Sinne  des 
Wortes.  Demgemäss  ist  auch  Hugo*s  Haltung  in  den  folgenden 
Jahren:  er  geht  ganz  andere  Wege  als  jene,  welche  häusliches 
Glück  und  die  Liebe  zur  Gemahlin  zeigen;  als  wäre  er  gar  nicht 
verheiratet,  erblicken  wir  ihn  in  heissen  Bemühungen  um  die  Gunst 
anderer /rou;en  und  töchterUn^  wie  seine  Gedichte  beweisen,  welche  — 


Ulrich  m,  Grf.  r.  Pfannberg,  f  23./10.  1354. 


Katharina  f  1374.  Magaretha.  Elisabeth.     Johann    f  zwischen   11./1.    und 
Gem.  Memhard  VIT,  25./11.  1362.    Seine  Gemahlin  war 

Grf.  Ton  Görz, f  1385.  Margare tha,  Grfn. r.  Schaun- 

b  e  r  g ,  in  zweiter  Ehe  mit  Wil- 
helm III,  Grf.  T.  Montfort- 
Bregenz,  Termählt.  Aus  erster 
Ehe 


Margaretha,  Erbgnräfin  ▼.  Pfannberg.     Ein  Sohn  N,  der  bald  nach  seinem 

Ihr   erster  G^emahl   war  Grf.  Johann  Yater  starb. 

T.  Cilli  (t  kinderlos  am  29./4.   1372), 

ihr  zweiter  Grf.  Hugo  ▼.  Montfort- 

Bregenz. 

0   ^S^*    Bergmann,    Sitz.   Ber.    IX,   810,  und  dazu    die   Urkunde   F 
(pag.  844). 


XVI 

80  weit  sie  wenigstens  hier  zunächst  in  Betracht  kommen  —  ganz 
sicher  wirkliche  Erlebnisse  zum  Inhalte  haben.  Man  fasse  zuvör- 
derst nur  Nr.  3^)  ins  Auge,  das  wie  ein  Actenstück  unmittelbar 
aus  der  Situation  herausspricht:  es  ist  ein  Brief  an  die  entfernte 
Geliebte  und  zwar  (nach  V.  46)  nicht  der  erste,  der  zwischen 
beiden  gewechselt  worden.  Auch  Geschenke  hat  er  ihr  yerheissen 
und  gegeben  (41).  Das  Verbot,  ihn  in  ihren  Briefen  mit  Namen 
zu  nennen  (45),  zeigt  deutlich  genug,  dass  es  sich  um  heimliche 
Liebe  handle;  daher  auch  an  sie  und  ihren  Schreiber  die  ange- 
legene Ermahnung  zur  Verschwiegenheit  (53  —  68) :  nur  ihrem 
getrüwen  buolen  darf  sie  ihr  Herz  öffnen  und  dann  dem  — 
Mehliger!  Die  Formstudien,  die  er  an  ihrem  Leibe  gemacht 
(25 — 32),  deuten  auf  einen  scharfen  Zug  von  Sinnlichkeit  in  diesem 
Verhältnisse,  so  dass  seine  Gemahlin  bei  eingehenderer  Kenntnis 
desselben  kaum  erbaut  gewesen  sein  dürfte,  und  er  alle  Ursache 
hatte,  das  Geheimnis  zu  hüten.  Es  bleibt  eine  offene  Frage,  ob 
diese  Angebetete  noch  dieselbe  ist,  mit  deren  Segen  er  (nach  Nr.  2) 
zuerst  in  die  Welt  hinausgewandert  war,  oder  ob  sie  ihren  Platz 
in  seinem  Herzen  bereits  einer  andern  geräumt  hatte;  wahrschein- 
lich letzteres,  da  er  nach  5,  6  ff  „ Wechsel'  liebte. 

Nr.  6  und  7  gewähren  einen  Blick  in  die  Fortsetzung  dieses 
Liebesverhältnisses,  das  eine  Störung  erlitten  hat,  und  zwar  moss 
der  Misston  vom  Dichter  ausgegangen  sein :  aus  irgend  einem  Grande, 
vielleicht  weil  sie  ihm  versprochene  Geschenke  nicht  gegeben^) 
(6,  17),  erhob  er  unmutvollen  Zweifel  (wohl  an  ihre  Treue)  and 
verlor  dadurch  ihre  Huld.  Wie  er  inne  wird,  dass  er  sich  ge- 
täuscht, ist  sein  Unmut  zerronnen,  und  er  sucht  Versöhnung.  Diese 
zu  erlangen  ist  Nr.  6  bestimmt :  sich  an  min  rüw^  nim  von  mir 
puo88,  durch  gott  tuo  mir  vergeben.  Alle  Freuden  der  Welt  ver- 
möchten nicht,  sie  bei  ihm  in  Vergessenheit  zu  drängen ;  mit  ihrer 
Liebe  stürbe  ihm  auch  die  Lust  zu  leben.  Wirkungsvoll  kehrt 
der  erneute  Eid  seiner  Treue  beständig  im  Refraine  wieder:  und 
8olt  ich  leben  tuaent  jdr,  so  bin  ich  doch  din  eigen  knechL 

Allein  die  Geliebte  grollte  fort  und  sparte  harte  Vorwürfe 
nicht,  was  ihm  (ruren  brachte  (7,  6);  darum  finden  wir  ihn 
auch  in  Nr.  7  bemüht,  den  Sturm  zu  stillen :  wer  wird  alles  gleich 


^)  UebüT  die  Entstehungszeit  und  die  Beihenfolge  der  Gedichte  rgl.  Ab- 
handlung  JII.      ')  Auch  3,  41  deutet  auf  don  Austausch  tod  Geschenken 


xvn 

so  za  Unmut  nehmen,  beschwichtigt  er,  sei  frohen  Mutes  und  mir 
wieder  zugetan.  Auch  hier  trägt  der  Refrain  die  Pointe  des  ganzen 
Gredichtes:  zum  Teufel  mit  der  Untreue! 

Gehört  auch  noch  Nr.  8  in  dieses  Verhältnis,  so  waren  die 
Bemühungen  des  Dichters  schliesslich  doch  mit  dem  schönsten  Er- 
folge gekrönt  In  dieser  knapp  gehaltenen  Tagweise,  einem  der 
frbchesten  Lieder  Hugo's,  singt  er  von  den  nächtlichen  Abstechern 
in  die  Kemenate  seiner  Liebsten.  Frohen  Herzens  sieht  er  der 
Ankunft  des  Abends  und  der  Nacht  entgegen;  denn  dann  wird 
ihm  vergönnt,  dass  er  ir  guet  aolt  sehen  an,  —  Die  Freuden 
währen  bis  der  Morgenstern  sich  erhebt  (8,  19),  das  Avemariaglöck- 
lein  erklingt,  und  der  Bargwächter  den  Tagrebell  bläst  (8,  8);  da 
wird  beiden  noch  ein  hdsen  und  ein  lieplich  kusa  ze  Idn,  und 
er  trennt  sich  von  ihr  mit  dem  tröstlichen  Gedanken  hinwider  ze  kon. 

Damit  verschwinden  die  Spuren  dieser  Liebesgeschichte :  viel- 
leicht löste  sie  sich  von  selbst  auf,  vielleicht  gieng  sie  auf  Kriegs- 
fahrten unter,  zu  denen  die  Siebzigerjahre  reichliche  Gelegenheit 
boten.  Und  dass  Hugo  wirklich  solche  Züge  getan  habe,  ist  un- 
zweifelhaft; denn  einer  davon  ist  glücklicher  Weise  durch  das 
verlässliche  Zeugnis  des  kundigen  Suchenwirt  verbürgt:  der  Kreuz- 
zug ins  Preussenland.  Hier  lag  mitten  im  Herzen  des  christ- 
lichen Europa  eine  heidnische  Oase,  welche  in  der  zweiten  Hälfte 
dieses  Jahrhunderts,  wie  früher  Palästina  und  Spanien,  der  Ziel- 
punkt phantastischer  RitterfiEihrten  wurde.  Schon  1370  war  Herzog 
Leopold  von  Oesterreich  dahin  gefahren,  aber  mit  einem  glänzenden 
Fiasco  in  die  Heimat  zurückgekehrt.  Nun  unternahm  1377  sein 
Bruder  Albrecht  einen  neuen  Zug,  in  welchem  auch  Hugo  war, 
der  ausdrücklich  secundo  loco  nach  dem  Herzoge  mit  vollem  Namen 
genannt  wird:  da  rayt  graff  Haug  von  Munfurt^  dem 
trew  noch  eren  nie  gepra^h^).  Grosse  Kriegstaten  wird  er  dabei 
nicht  verrichtet  haben;  dazu  war  das  ganze  Unternehmen  gegen 
die  halbwilden  Völker  ohne  Waffen  und  Heer  nicht  angetan.  Man 
zog  über  Laa  nach  Breslau,  Thorn,  Marienburg  und  Königsberg. 
Ueberall  wurde  bei  fusannen  unde  phei/en  schal  tapfer  getafelt, 
gehoft  und  wol  gelebt^  bis  es  dem  zusammengewürfelten  Heere 
endlich  waz  tzu  den  haiden  gach.  Auf  dem  weitern  Vormärsche 
in  das  glaubenslose  Samaiten-  und  Reussenland  betrugen  sich  die 


^)  Saohenwirt,  bei  Primisser  4,  26. 
Wackernell,  Montfort. 


xvm 

Gottesstreiter  sehr  unhöfiscli  und  nnchristlich :  sie  brannten,  raubten 
and  mordeten  kannibalisch  in  frommer  Wut   und  begiengen   dann 
wieder  zur  Abwechslung  Tafelfeste   und  Ritterweihen.     So  schlug 
Hermann  von  Gilli  den  jungen  Herzog  Albrecht  zum  Ritter,  und 
dieser  gab  wieder  vier  und  siebenzig  andern  Edeln  den  erenreichen 
alag.     Nicht  unwahrscheinlich  war  auch  Hugo  darunter, 
der  damals  bereits  das  zwanzigste  Jahr,   also  das  richtige  Alter 
für  diesen  Act  erreicht  hatte.  —  Das  Kriegsgluck  wandte  sich  bald: 
es  begann  zu  regnen,   die  Sümpfe   wurden  grösser   und   so   gross, 
dass  die  werte  Ritterschaft  in  Gefahr  geriet,  buchstäblich  zu  ver- 
sumpfen.    Man  kehrte   den   freiaufatmenden  Wilden  den  Rücken 
und  eilte  nach  Königsberg  zurück,  wo  man  vom  Herzog  Ehren- 
geschenke, vom  deutschen  Orden  gute  Bewirtung  und  reichen  Dank 
für  die  erprobte  Tapferkeit  entgegenahm;  am  Schlüsse  des  Jahres 
sass  man  wieder  zu  Hause.     So   endete  dieser  erbärmliche  Kreuz- 
zug.    Suchenwirt  freilich  macht  davon   viel  Rühmens;  allein  der 
war  zum  Lobe   da.     Gerade   seine   Aufzeichnungen   liefern,   wenn 
man  ihnen  die  ausschmückenden  Beschreibungen  abzieht,  die  cha- 
rakteristischen Merkmale  dieses  Zuges,  die  da  sind:   leerer   Glanz, 
hohler  Buhm,  wilde  Grausamkeit  und   kein  Erfolg.     Auf  jugend- 
liche Gemüter,  die  der  Schein  gern  blendet,  wie  das  Hugo*s  damals 
noch  war,   mochte  er  allerdings   Eindruck  machen  und  auf  seine 
Schätzung  des  äussern  ritterlichen  Glanzes,  die  wir  später  noch  be- 
rühren werden,  Einfluss  genommen  haben;  denn   es  ist  kaum  je- 
mals so  viel  Gepränge  und  ritterlicher  Pomp  bei  so  wenig  Erfolg 
zur  Schau  getrag«  >n  worden  wie  hier.   Was  aber  die  ruhigeren  und 
gereifteren  Männer  darüber  dachten  und  sprachen,  steht  beim  Teich- 
ner zu  lesen  ^).    Eine  moralische  Besserung,  die  doch  zunächst  er- 
wartet werden  dürfte,   hat  Hugo   nicht   er&hren:     es   findet  sich 
keinerlei   Anzeichen,    dass  nunmehr  das  Verhältnis  zu  seiner  Ge- 
mahlin inniger  und  glücklicher  geworden  sei;  im  Gegenteil,  wenn 
Nr.  9  in  diese  Zeit  fällt,  was  wahrscheinlich  ist,  so  können  wir 
dem  guten  Teichner  nur  recht  geben,  wenn  er  klagt,  dass  die  Ritter 
von  solchen  Gottesfahrten  nicht  frömmer  und  besser,  sondern  mit 
den  alten  Untugenden   behaftet    zurückkommen.     Hugo   hat   sich 
wiederum  mit  erneutem  Eifer  auf  Liebeswerbungen  geworfen;  aber 
die  Erfolge  glichen  dem  des  Preussenzuges:  zweimal  ist  er  schon 


^)  Karajan,  Denksehr.  der  Wien.  Ak.  VI,  94  und  102. 


XIX 

abgeschlüpft  (9,  2) ;  vergebens  beteuert  er  der  Ersehnten  seine  Liebe 
und  Treue:  sie  gibt  ihm  keine  Antwort  Doch  das  Bewusstsein 
seiner  gesellschaftlichen  Tugenden  (9,  7)  hält  ihm  das  Vertrauen 
auf  den  endlichen  Sieg  aufrecht,  und  ihr  Widerstand  reizt  nur 
noch  mehr  seine  Eroberungssucht,  Es  spricht  etwas  wildes,  un- 
bändiges aus  diesem  Gedichte,  in  dem  er  seine  Liebeswerbung  mit 
einer  Jagd  vergleicht,  auf  welcher  er  mit  den  Hunden  Wiüe,  Trüwe, 
Witnne  und  Ha/rre  das  junge  tiei*  hetzt,  das  Jagens  noch  nicht 
kundig  ist.  Der  Refrain  mit  seinen  Imperativen  wiederholt  nach 
jeder  Strophe  den  Eindruck  seiner  ungestümen  Leidenschaft,  die 
ihn  uff  niemana  tröwen  achten  lässt  (9,  31).  Ob  das  ,  uner- 
fahrene Tier'  dem  jagdkundigen  Jäger  entrann  oder  in  die  Falle 
gieng,  bleibt  verborgen;  denn  dieses  Gedicht,  das  sich  ausnimmt  wie 
ein  Selbstgespräch  auf  einem  Tagebuchblatt,  steht  vereinzelt  da. 
Mit  ihm  brechen  die  Nachrichten  für  seine  jugendlichen  Herzens- 
angelegenheiten auf  einige  Zeit  ab,  und  wir  benützen  die  Lücke,  um 
den  Blick  auf  seine  anderweitigen  äussern  Verhältnisse  zu  richten. 
Hugo  besass  an  seinem  Vater  einen  sorglichen  Vormund,  der 
bisher  die  Verwaltung  geführt  und  die  beiderseitigen  Besitzungen 
in  Ordnung  und  gutem  Zustand  erhalten  hatte.  Ein  solcher  war 
dem  jungen,  leichtsinnigen  Gemahle  Margaretha*s  sehr  notwendig, 
sollte  er  nicht  nur  dem  Namen  nach,  sondern  auch  factisch  in  den 
Besitz  des  Pfannberger  Erbes  kommen ;  denn  zur  Zeit  seiner  Heirat 
lag  der  grösste  Teil  desselben  noch  in  den  Händen  der  Gillier.  Mit 
der  zweiten  Vermählung  der  Erbgräfin  hatten  diese  allerdings  alle 
Ansprüche  darauf  verloren:  das  war  für  jeden,  der  das  Gewohn- 
heitsrecht kannte,  sonnenklar.  Aber  eine  so  rentable  Grafschaft, 
für  deren  Verbesserung  man  auch  schon  manches  getan  haben 
mochte,  herauszugeben,  war  schwer  und  für  einen  erwerbgierigen 
Bitter  der  damaligen  Zeit,  welcher  eine  bedeutende  Kriegsmacht  und 
nicht  weniger  kriegerischen  Mut  besass  wie  Hermann  von  Gilli, 
der  Vater  des  verstorbenen  Johann,  doppelt  schwer:  er  brachte 
diesen  Gedanken  nicht  übers  Herz  und  hielt  die  Besitzungen  in 
seiner  Gewalt  Allein  nicht  deswegen  hatte  Wilhelm  III  von 
Montfort  in  so  fliegender  Eile  die  Heirat  seines  blutjungen  Sohnes 
mit  Margaretha  zu  Stande  gebracht,  um  nun  ihre  Hand  zu  be- 
halten, ihr  Erbe  aber  fahren  zu  lassen!  So  kam  es  zu  krieg  und 
stözz  mit  dem  edelnherren^  Oraf  Herma^nn  von  Cili^\  wobei  grosse 

^)  ^S^*  ^^^  Urkunde  bei  Bergmann  p.  843. 


Kosten  beiderseits  daraufgegangen  sein  müssen,  ohnedass  ein  endgül- 
tiges Resultat  erzielt  worden  wäre;  wenigstens  hatte  Hermann  auch 
noch  nachher  Pekaw,  Luginsland,  Kaisersberg,  Grnnberg  und  Mans- 
perg  mit  den  dazu  gehörigen  Leuten,  Gütern,  Briefen,  Handfesten  u. 
dgl.  inne  und  suchte  seine  Ansprüche  darauf  in  eine  rechtliche  Form 
zu  kleiden,  indem  er  vorgab,  er  hätte  auf  den  Gütern  liegende 
Geldschulden  getilgt  und  von  „  Christen  und  Juden  '^  Pfandbriefe  ge- 
löst. In  dieser  Lage  nahmen  die  Montforter  ihre  Zuflucht  zu  den 
Habsburgern:  am  16.  Juni  1316  erschienen  sie  in  Graz  vor  Her- 
zog Albrecht  und  baten  um  seine  Entscheidung  in  dem  Streite. 
Es  treten  in  der  betreffenden  Urkunde^)  auf:  Graf  Wilhelm  und 
seine  Gemahlin  Margret  die  ältere  und  Margret  ihre  Tochter,  Oraf 
Hugen  von  Montfort  euch  wirtinn^  und  geloben  für  sich  und  den 
genannten  Grafen  Hugo,  den  Spruch  anzuerkennen,  welchen  der 
Herzog  fallen  würde.  Auch  am  Schlüsse  der  Urkunde  wird  aus- 
drücklich hervorgehoben :  wir  haben  auch  vertröst  für  den  obge~ 
nanten  Oraf  Hugen^  daz  er  diaen  gegenwurtigen  anlos  sol  mit 
sampt  vns  stät  haben  in  aller  weise,  als  hie  vorgeschrieben  stat. 
Noch  an  demselben  Tage  entschied  Herzog  Albrecht  den  Streit 
dahin,  dass  Hermann  alle  Pfannberger  Besitzungen  herauszugeben 
habe  bis  auf  die  Feste  Mansperg,  die  er  als  Pfand  für  2000  fl* 
so  lange  behalten  dürfe,  bis  die  Montforter  dieselben  erlegt  hätten^). 
Hermann  hatte  sich  also  durch  seinen  Widerstand  doch  etwas  her- 
ausgeschlagen. 

Damit  war  der  Streit  zu  Ende,  und  nur  einige  Nachwehen 
machten  sich  in  den  nächstfolgenden  Jahren  noch  bemerkbar.  Der 
zähe  Hermann  suchte  auch  jetzt  das  ein  und  andere  zurückzu- 
behalten. So  besitzen  wir  eine  Urkunde  vom  4.  Februar  1375y 
worin  Hugo  von  Montfort  den  Gillier  ernstlich  mahnt,  seinen 
Diener  Heinrich  von  Laubenberg  lösen  zu  lassen^).  Doch  allmäh- 
lich haben  sich  auch  diese  kleinern  Reibungen  verzogen,  und  wo 
wir  später  Beziehungen  zwischen  beiden  Häusern  begegnen,  sind 
sie  durchweg  friedlicher,  ja  freundschaftlicher  Natur. 

In  diesem  Streite  hat  es  sich  gezeigt,  wie  Wilhelm  III  für 
seinen  Sohn  dachte  und  handelte.   Aber  das  nahm  mit  einemmale, 


1)  Bei  Bergmann  Sitz.  Ber.  IX,  843,  Urkunde  E.     <)  Ibid.  Urkunde  F. 
^)  Orig.  Urk.  im  k.  k.  geheimen  Haus-Hof-  und  Staatsarchive  zu  Wien 
Jlep,  I.    Es  ist  die  früheste  bekannte  Urkunde  Hugo*s. 


vielleicht  unerwartet  bald,  ein  Ende:  schon  im  Jahre  1378^)  kam 
Wilhelms  Sterbetag. 

Wilhelm  III  hat  in  den  letzteren  Jahren  seines  Lebens  eine 
glückliche  Regierungstätigkeit  entfaltet  nnd  das  Ansehen  seines 
Hauses  gehoben;  zu  dem,  was  wir  soeben  gehört,  sind  uns  noch 
zwei  Daten  überliefert,  die  davon  das  sprechendste  Zeugnis  ablegen. 
1370  ernannte  ihn  Kaiser  Karl  IV  zu  seinem  kaiserlichen  Hof- 
richter und  befreite  ihn  und  seine  Erben  und  deren  Leute 
von  den  Land-  und  andern  Gerichten,  so  dass  von  nun  an  die 
Grafen  von  Montfort^Bregenz  nur  mehr  dem  kaiserlichen  Hof- 
gerichte unterworfen  waren^).  Als  1373  zwei  ältere  Zweige  der 
Montforter,  die  von  Werdenberg-Sargans  und  die  von  Feldkirch, 
in  heftiger  Fehde  lagen,  suchten  sie  Bundesgenossen  und  schlössen 
mit  ihnen  Bündnisse  und  Gegenbündnisse,  welche  gegen  jedermann 
gerichtet  seien,  nur  nicht  gegen  «den  Kaiser,  die  Herzoge  von 
Oesterreich  und  Wilhelm  von  Montfort-Bregenz*). 

Um  so  mehr  hatte  Hugo  Ursache,  den  Hingang  seines  Vaters 
zu  betrauern.  Jetzt  war  er  auf  eigene  Füsse  gestellt,  er  musste 
auf  die  Bühne  treten,  sein  Tun  oder  Nichttun  hatte  unvermeidliche 
Folgen,  die  sich  alsbald  in  Gewinn  oder  Verlust  an  Besitz  und 
Ansehen  offenbarten.  Nun  musste  es  sich  zeigen,  wie  weit  er  seiner 
Aufgabe  gewachsen  sein  werde.  Wir  betreten  damit  einen  andern 
Boden,  beginnen  eine  neue  Periode  seines  Lebens. 

Wollten  wir  bei  diesem  Marksteine  zurückblicken  und  Hugo's 
bisheriges  Leben  charakterisieren,  so  erhielten  wir  wenig  anders  als 
ein  Bild  lustiger  Wander-  und  Flegeljahre.  —  Aber  ihm  war  noch 
ein  menschenalterlanges  Wirken  beschert:  was  ein  guter  Wein 
werden  will,  braucht  seine  Periode  der  Gärung. 


*}  Die  bisherige  Ansicht,  dass  Hngo's  Vater  in  „der  ersten  Hälfte  von 
1379  gestorben  sei  (vgl.  Bergmann  IX,  810;  Weinhold,  in  den  Mitteilungen 
VII,  132),  erledigt  sich  damit,  dass  irir  unten  eine  Urkunde  vom  14,  Februar 
1379  beibringen,  nach  welcher  die  beiden  Söhne  Wilhelms  schon  das  räter- 
liche  Erbe  geteilt  hatten.  Die  Angabe  des  t.  Arz,  dass  im  Jahre  1379 
Wilhelm  t.  Enne  oder  Ende  im  Namen  Wilhelms  t.  Montfort  dem 
Landgerichte  zu  Feldkirch  yorgesessen  sei,  worauf  die  frühere  Ansicht  sich  stützte, 
ist  nach  einer  gütigen  Mitteilung  Herrn  Dr.  Wartmanns,  der  die  betreffende 
Urkunde  im  St.  Gallener  Archive  eingesehen,  unrichtig:  es  steht  darin  aus- 
drücklich ^Graf  Rudolf  ▼•  Montf  ort-Fe  Idkirch**. 

>)  Vgl.  ZSsmair  IE,    17   und  die  Urkunde  bei  Zellveger  II,  Nr.   106. 

s)  ZOuDair  m,  24. 


XXII 


3.  Hago's  Hannesalter. 

a.  Die   Zeit  bis  zum  Tode  Margaretha*s. 

In  herkömmlicher  Weise  teilten  die  beiden  hinterlassenen  Söhne 
Wilhelms  bruoderlich  das  vätterlich  erbe.  Nach  der  ersten  uns 
erhaltenen  Teilungsurkunde,  datiert  vom  14.  Februar  1379*),  er- 
hielt Hugo  die  Besitzungen  zu  Schaunberg,  Sulzberg,  Subersch, 
Rieden,  Lachenreit,  Langenegg,  die  Fischung  in  der  Rottach  und 
Weissach,  dazu  noch  eine  Reihe  vereinzelter  ausserhalb  dieser 
grössern  Gomplexe  liegender  Aecker  und  Wiesen.  Konrad  dagegen 
erhielt  die  Gerichte  Lingenau,  Steig,  Albersohwende,  Hohenegg, 
die  Aohlös  in  der  Bregenz,  die  Fischung  in  der  Bogenach,  Subersch 
und  in  einem  Teile  der  Rottach,  dann  gleichfalls  einige  andere 
zerstreute  Güter.  Weiter  wurde  beschlossen,  dass  die  diesmal  un- 
geteilt gebliebenen  Besitzungen  gemeinsam  verwaltet  werden  sollen; 
och  sullen  die  getauten  lewt  nit  zuaamenheiraten.  Bald  nach- 
her teilten  sie  laut  einer  neuen  Urkunde^)  die  Weingärten,  die  alle 
einzeln  aufgezählt  werden,  und  vereinbarten  nach  einer  weitorn  Ur- 
kunde^), dass  das  schloss  Bregentz  ayf  dem  f eisen  ^  die  zwei 
Wächter^  der  Torwärtly  die  Gistern^  der  Brunnen^  die  Tore^  die 
Mühlen  und  die  Höfe  zu  Ämmansreut  vnd  zu  der  Halden  ge- 
main  vnd  ungetailt  sein  sollen.  In  ähnlicher  Weise  bestimmten 
sie  in  einer  vierten  Urkunde^)  vom  8.  Juli  1379,  dass  auch  die 
Stadt  Bregenz  und  alles,  was  zu  deren  Gericht  gehörte,  weiter  die 
Vogtei  über  das  Benedictinerkloster  zu  Bregenz  in  der  Au  (Mehrerau), 
welches  jährlich  ze  rechtem  vogtreht  git  vier  vnd  zwainzig  pfunt 
Pfenning  Costenzer  Mims  vnd  zwai  fuoder  Lantweins,  dann  eine 
Pfandsumme  beim  Constanzer  Bistum  ungeteilt  bleiben  und  gemein- 
sam verwaltet  werden  sollen.  So  sei  es  auch  in  Zukunft  von 
ihnen  und  den  beiderseitigen  Nachkommen  zu  halten. 


^)  Im  k.  k.  geh.  H.  H.  nnd  Staatsarchive  zu  Wien  Rep.  I  (Cop.).  Ein 
Auszug  Tom  Or.  auch  im  Innsbr.  Schatzarchiy  lY,  665. 

*)  Im  Innsbrucker  Schatzarchiy  IV,  576.  Leider  hat  der  Copist  den  Aus- 
stellungstag nicht  eingetragen,  was  hier  auch  für  den  folgenden  und  die  meisten 
andern  ürkundenauszüge  des  Schatzarchivs  bemerkt  sein  soll. 

^  Im  Innsbrucker  Schatzarchiy  lY,  576. 

*)  Abgedruckt  yon  Bergmann  in  den  Sitz.  Bejr.  IX,  846,  Urkunde  G. 


xxm 

Mit  dieser  Teilung  gieng  das  Greschleoht  der  Montfort-Bregenzer 
wieder  in  zwei  Zweige  auseinander:  Hngo  gründete  eine  neue  Bre- 
genzer  Linie,  welche  die  andere  Hälfte  ihrer  Macht  im  fernen  Osten 
hatte  und  berufen  war,  alle  übrigen  Häuser  der  Montforter  zu 
überdauern.  Am  Ausgangspunkte  ihrer  vierhundertjährigen  Ge- 
schichte stehen  die  beiden  Brüder  Xaver  und  Anton.  Xaver,  der 
ältere  von  beiden,  heiratete  dreimal,  aber  erzielte  keine  existenz- 
fähigen Kinder  mehr;  Anton  der  jüngere  starb  ledig  anno  17 87, 
nachdem  die  Oesterreicher  schon  lange  vorher  auch  noch  den  aller- 
letzten ärmlichen  Rest  der  gräflichen  Besitzungen  für  eine  geringe 
Jahresrente  an  sich  gebracht  hatten :  und  so  war  auch  der  Stanmi 
Hago's  abgewelkt  mit  Ast  und  Zweig. 

Der  verwitweten  Gräfin  Margret  blieben  die  Schaunberger 
Güter  als  Witwensitz,  deren  Genuss  ihr  Herzog  Albrecht  1379 
oder  1380  garantierte^),  womit  diese  Teilungsangelegenheit  ihren 
Abschluss  erreicht  hatte.  Das  erbaulichste  in  derselben  war  die 
Eintracht  der  Brüder,  die  bei  einer  Gemeinsamregierung  notwendig 
vorausgesetzt  wird:  überhaupt  finden  wir  beide  Zeit  ihres  Lebens 
von  brüderlicher  Liebe  und  dem  guten  Geiste  der  Zusammengehö- 
rigkeit beseelt. 

Aber  einen  solchen  Teilungsaot,  einen  solchen  Regentenwechsel 
ohne  jeden  Streit  gab  es  damals  selten:  war  das  doch  für  die 
vielen  erwerbgierigen  Nachbarn  der  günstigste  Zeitpunkt,  mit  alten 
oder  neuen  Ansprüchen  auf  einen  Teil  der  verhandelten  Güter  her- 
vorzutreten. Auch  Hugo  sollte  nicht  unangefochten  in  den  Gesammt- 
besitz  seines  Erbes  kommen.  Die  Grafen  von  Werdenberg-Heili- 
genberg erhoben  Ansprüche  auf  die  Kellerhöfe  zu  Weiler  und 
Scheidegg  und  die  dazu  gehörigen  Leute,  welche  von  den  Werden- 
bergern  den  Grafen  von  Bregenz  verpfändet,  aber  nicht  mehr  ein- 
gelöst worden  waren.  Doch  gelang  es  rechtzeitig,  den  offenen  Krieg 
durch  ein  Schiedsgericht^)  hintanzuhalten,  welches  am  22.  Novem- 
ber 1379  den  Streit  zu  Gunsten  Hugo*s  entschied:  derselbe  soll 
die  Kellerhöfe  behalten,  so  lange  sie  nicht  abgelöst  werden.  Weil 
das  niemals  geschah,  blieben  sie  auch  fortan  bei  Neubregenz. 


^)  Die  Urkunde  ist  undatiert;  vgl.  Lichnowsky,  Begesten  zum  lY  Bd. 
seiner  Gesch.  d.  Hauses  Habsburg,  Nr.  60,  und  Bergmann  ES,  812. 

*)  Unter  dem  Vorsitze  Gaudenz^  von  Loybenberg.  Vgl.  Schriften  des 
Vereines  für  Geschichte  des  Bodensees  und  seiner  Umgebung  III  Heft  (1872), 
pag.   38;   ein   ausführlicher   Aaszug    auch  im  Innsbi.  SchsktiZiMC^^  YST^^^^. 


XXIV 

Nnn  hatte  Hngo  seine  Besitztümer  gegen  aussen  gesichert 
nnd  Hess  sich  die  innere  Ordnung  derselben  angelegen  sein :  Vögte 
und  Verwalter  wurden  installiert,  die  Lehen  bestätigt  oder  neu 
vergeben  ^),  die  Tadinge  festgestellt  und  alle  Abgaben  der  einzelnen 
Höfe  und  Güter  genau  fixiert^).  Wir  haben  keinerlei  Andeutung, 
dass  Hugo  in  den  Jahren  1379  und  1380  auch  nur  ein  einziges- 
mal  seine  Besitzungen  für  längere  Zeit  verlassen  und  in  fremden 
Angelegenheiten  zu  tun  gehabt  hätte:  es  war  die  Zeit  der 
Sammlung  seiner  Kräfte. 

Am  14.  April  1381  erscheint  er  das  erstemal  in  auswärtiger 
Beziehung:  am  genannten  Tage  stellt  Herzog  Leopold  IH  von 
Oesterreich  dem  Bischof  Leopold  von  Freisingen,  dann  ,  dem  edeln 
Grafen  Hang  von  Montfort,  unserm  lieben  Oheim*,  und  einigen 
andern  Herren  Entschädigungsurkunden  aus,  weil  sie  für  ihn  die 
Bürgschaft  um  4000  ^  Wiener  Pfennige  übernommen  haben  ^). 
Dieses  Actenstück  ist  wichtig  und  zwar  weniger  durch  das,  was 
es  unmittelbar  nahe  legt,  dass  nämlich  Hugo*s  Kasse  nicht  leer 
stand,  wie  es  bei  seinen  Vorfahren  nur  zu  oft  der  Fall  gewesen, 
als  vielmehr  durch  die  weite  Perspective,  die  es  uns  auftut,  indem 
es  zeigt,  dass  er  die  habsburgfreundliche  Politik  seines  Vaters  und 
Grossvaters  fortsetzte  und  mit  dem  mächtigen  Fürstengeschlechte 
nähere  Beziehungen  angeknüpft  hatte.  Dieses  Verhältnis  zu  den 
Habsburgern  war  von  unverbrüchlicher  Dauer  und  bestimmte  seine 
ganze  äussere  Tätigkeit:  jede  Beurteilung  derselben  muss  von  diesem 
Standpunkte  ausgehen.  So  haben  wir  gleich  die  Veranlassung  zu 
seinen  nächsten  Kriegstaten  davon  herzuleiten. 

Die  österreichischen  Herzoge  entfalteten  eine  unermüdliche 
Tätigkeit  fär  die  Ausbreitung  und  Vergrösserung  ihrer  Macht,  be- 


0  Das  Fischlehen  zu  Bregenz  gab  Hugo  1379  dem  Hannsen  Michel, 
der  dafür  den  Grafen  und  dessen  Gefolge  anf  dem  Bodensee  fahren  müsse, 
als  oft  und  dik  dieser  befehle.     Innsbr.  Schatzarchiv  lY,  701. 

*)  üeber  die  Ordnung,  in  der  sich  nachher  die  Besitzungen  Hugo's  im 
Osten  befanden,  legt  besonders  das  rom  steiermärkischen  Landesarchir  in 
Graz  bewahrte  Urbar  Hugo*s  Zeugnis  ab. 

')  Hugo  wird  unter  den  weltlichen  Herron  zuerst  angeführt,  ihm  folgen 
Otto  Ton  Stubenberg,  Ulrich  von  Lichtenstein,  Hartel  von  Pettau,  Gottfried 
Müller,  Hofmeister;  Heinrich  Gessler,  Kammermeister  u.  a.  Die  Urkunde  im 
Notizenblatt  (Beilage  zum  Archire  für  Kunde  österreichischer  Geschichtsquellen) 
IX,  pag.  203,  Nr.  227.  Vgl.  auchMachar  (Geschichte  des  Herzogtums  Steier- 
msrlO  yn,  20. 


sonders  eifrig  ergriff  der  nimmermhende  Leopold  III  jede  Gelegen- 
heit zu  neuen  GebietserwerbuDgen.  Diesmal  waren  es  sogar  Be- 
sitzungen an  der  Nordküste  des  adriatischen  Meeres,  nach  denen 
er  seine  Hand  aasstreckte.  Hier  lagen  die  Yenedaner  schon  lange 
mit  ihrem  alten  Erbfeinde,  den  Genuesen,  im  blutigen  Streite.  Der 
Yerzweiflungsmut  des  Lagunenvolkes  rettete  die  Republik  und  er- 
zwang vom  Feinde  einen  Frieden,  in  dem  aber  der  verwegenste  und 
mächtigste  Bundesgenosse  desselben,  der  Herzog  von  Padua,  Fran- 
cesco Carrara,  welcher  die  venetianischeTrevisaner-Mark  erobert  hatte 
und  besetzt  hielt,  nicht  mit  eingeschlossen  war.  Venedig  fählte 
sich  zu  sehr  erschöpft,  um  an  eine  Wiedergewinnung  dieses  Ge- 
bietes denken  zu  können;  aber  auch  der  verhas^te  Feind  sollte  es 
nicht  behalten:  und  so  trug  man  es  am  17.  Februar  1381  dem 
österreichischen  Herzoge  Leopold  an,  wenn  er  dafür  Bundesgenosse 
Venedigs  sein  und  Carrara  bekriegen  wolle.  Einem  so  glänzenden 
Angebote  gegenüber  gab  es  bei  Leopold  keine  weitere  Ueberlegung, 
ob  das  ferne  Besitztum  auch  zu  behaupten  und  die  Verpflichtungen, 
die  daran  hiengen,  bei  der  gegenwärtigen  Lage  seiner  Verhältnisse 
auch  zu  erfüllen  seien:  er  schlug  ein,  rückte  am  28.  April  schleu- 
nig mit  Heeresmacht  über  die  Alpen  und  hielt  am  8.  Mai  seinen 
Einzug  in  Treviso,  das  Carrara  auf  die  Nachricht  vom  Anmärsche 
der  Deutschen  verlassen  hatte.  Ob  Hugo  schon  diesen  ersten  Zug 
mitgemacht,  ist  nicht  nachzuweisen,  aber  wahrscheinlich ;  denn  nach 
der  vorhin  erwähnten  Urkunde  befand  er  sich  am  14.  April  in  der 
Umgebung  des  Herzogs,  der  damals  bereits  die  allernächsten  Vor- 
bereitungen zur  Expedition  getroffen  haben  muss;  noch  viel  mehr 
aber  spricht  dafür  der  hervorragende  Anteil,  den  er  nachher  an 
diesem  Kriege  genommen  hat. 

Als  Leopold  Treviso  sich  unterworfen  sah,  kümmerte  er  sich 
um  Carrara  nicht  weiter,  legte  in  die  Stadt  und  die  festen  Plätze 
eine  Besatzung  und  kehrte  am  12.  Juni  nach  Tirol  zurück.  Aber 
kaum  war  der  Herzog  weg,  als  die  Paduaner  wieder  herNrorkamen 
und  die  Feindseligkeiten  gegen  Treviso  und  dessen  Besatzung  be- 
gannen. Bereits  am  30.  August  klagte  die  Stadt  bei  Herzog 
Leopold  über  die  ihr  täglich  von  den  Feinden  widerfahrenden  Un- 
bilden^), der  darauf  hin  den  Grafen  Hugo   von  Montfort  mit 


0  ^sl»  Terci,  Storia  della  Marca  Tnylgiana  e  Yeronese.     Yenezia  1790, 
tom.  XVI,  3  ff. 


XXVI 

andern  Edellenten  zu  Hilfe  schickte.  Von  den  Taten,  die  sie  hier 
verrichteten,  wird  nichts  gemeldet;  doch  hören  die  Klagen  der 
Trevisaner  vorläufig  auf,  und  am  22,  Januar  proolamieren  dieselben, 
dass  jeder,  der  dem  Herzog  den  Eid  der  Treue  noch  nicht  ge- 
leistet, dies  binnen  drei  Tagen  tun  oder  ihr  Gebiet  räumen  müsse  ^) : 
jedenfalls  also  waren  einige  Erfolge  errungen,  und  die  Feinde  ge- 
nötigt worden,  die  bedrängte  Stadt  zu  verlassen.  Schon  Ende 
Januar  1382  kehrte  Hugo  mit  vielen  andern  über  die  Alpen  zu- 
rück. Im  April  erhoben  die  Trevisaner  wieder  ihre  Hilferufe^). 
Leopold  beruhigt  und  vertröstet:  er  werde  ihnen  demnächst  Hilfe 
bringen.  Am  10.  September  kommt  die  Botschaft,  dass  Garrara 
wieder  die  Stadt  bedränge.  20  Tage  nachher  schreibt  der  Her- 
zog von  Graz  aus  an  Treviso:  er  werde  spect abilem  et  atre- 
nuum  Comitem  Ugonem  de  Monteforti,^  av unculum 
nostrum  dilectum,  et  gener osos  ac  strenuos  viros  Flaconem 
de  Rischach  et  Äinricum  Geslear^  magistrum  Camere^  cum  genr 
Uhus  armigeris  et  electis  zur  Hilfe  vorausschicken  und  dann  per- 
sönlich mit  Heeresmacht  nachfolgen').  In  der  Tat  rüstete  der 
Herzog  jetzt  ernstlich  und  meldet  schon  am  3.  Oktober  den  Be- 
drängten :  er  habe  ihren  Gesandten  darum  so  lange  zurückgehalten, 
damit  dieser  sich  mit  eigenen  Augen  überzeuge,  welche  Streit- 
macht ihnen  unter  dem  Grafen  Hugo  von  Montfort 
zu  Hilfe  käme^).  Bald  darauf  marschierte  Hugo  mit  900  Lanzen 
dem  Feinde  entgegen.  Auf  die  Nachricht  davon  hob  Carrara  wieder 
die  Belagerung  auf  und  zog  sich  zurück,  so  dass  die  Deutschen 
bei  ihrer  Ankunft  nur  rauchende  Brandstätten  und  Trümmer,  aber 
keinen  Feind  fanden;  am  27.  Oktobfer  rückten  sie  in  Treviso  ein. 
So  war  die  Stadt  zwar  befreit;  aber  der  grosse  Mangel  an  Nah- 
rungsmitteln, der  hier  schon  lange  geherrscht,  steigerte  sich  durch 
die  Ankunft  des  Entsatzheeres  noch  mehr:  statt  einen  Feind  zu 
schlagen,  musste  Hugo  sorgen,  die  seinigen  vom  Hungertode  zu 
erretten.  Am  2.  November  unternahm  er  daher  mit  250  Wagen 
und  starker  Bedeckung   einen  Beutezug  dem  Feinde  entgegen  in 


»)  Verci  XVI,  15  ff. 

*)  Vgl.  Verci  XVl,  16—34;  Lichnowsky,  Begesten  zum  IV  Bde.  seiner 
Geschichte  des  Haases  Habsbarg,  Nr.  1662,  1667  und  weiter  1677,  1686* 
1692  und  1696. 

8)  Lichnowsky,  Beg.  zu  lY,  Nr.  1720;  Bergmann,  Sitz.Ber»  IX,  813. 

^  Lichnowsky,  Reg,  zu  IV,  1721. 


xxvn 

der  Richtang  Yon  Cittadella  und  Bassano  und  von  da  gegen  Gastel 
Bomano,  Massolente  und  St  Zenone,  nahm  Vieh,  Wein  and  Ge- 
treide and  was  sonst  brauchbares  sich  vorfand.  Auf  dem  Heimwege 
wurde  er  vom  Feinde  angefallen;  schlug  ihn  jedoch  zurück,  ver- 
folgte den  fliehenden  bis  Castelfiranco  und  brachte  über  400  reich 
beladene  Wagen  nach  Treviso  zurück. 

Die  Fortsetzung  des  Krieges  verliert  unser  Interesse,  weil  Hugo 
nicht  weiter  mehr  persönlich  hervortritt,  und  es  genügen  einige  ab- 
schliessende Sätze.  Wenn  bei  diesem  ganzen  Unternehmen  kein 
günstiges  Resultat  erzielt  wurde,  so  fällt  die  Schuld  etwa  nicht 
auf  das  deutsche  Eriegsvolk  und  dessen  Hauptleute,  sondern  ledig- 
lich auf  den  Herzog,  der  durch  Geld  —  Zeit  —  und  allerlei  andere 
Mängel  gehindert  war,  in  dem  schwierigen,  von  den  Central  punkten 
seiner  Macht  so  weit  abgelegenen  Krieg  einen  entscheidenden  Schlag 
zu  fahren.  Das  wasste  der  schlaue  Italiener  und  zog  sich  jedes- 
mal zurück,  sobald  die  Deutschen  heranrückten,  und  kam  abermals 
hervor,  sobald  diese,  vom  Herzog  ohne  die  nötige  Unterstützung 
gelassen,  wieder  abziehen  mussten.  So  wurde  Leopold  bald  des  Strei- 
tes müde,  und  am  25.  Jan.  1384  tat  der  sonst  so  biedre  Fürst  zu 
Trient,  was  er  niemals  hätte  tun  sollen :  entgegen  seinem  einst  Vene- 
dig gegebenen,  den  Trevisanern  wiederholten  Worte  schloss  er  mit 
Franz  von  Carrara  Frieden  und  gab  in  demselben  für  schnödes 
Geld  die  unglückliche  Stadt  schonungslos  ihrem  grausamen  Tod- 
feinde preis  —  die  Stadt,  welche  über  drei  Jahre  unter  namen- 
losen Leiden  und  Verlusten  mit  unerschütterlicher  Treue  bei  ihm 
ausgeharrt  hatte!  Welchen  Eindruck  mag  diese  verkehrte  Tragödie, 
in  der  er  selbst  eine  so  hervorragende  Rolle  gespielt,  auf  Hugo 
gemacht  haben  ?  Aber  von  diesem  Trientner  Frieden  bis  zur  Schlacht 
bei  Sempach  liegen  nur  zwei  Jahre! 

Nachdem  dieser  Kriegslärm  vorüber,  finden  wir  Hugo  einige 
Zeit  auf  seinen  Besitzungen  —  häufiger  auf  den  westlichen  — 
im  friedlichen  Verkehre.  Am  21.  Januar  1385  gibt  er  die  Toch- 
ter des  Hans  Mark  von  Neu  -  Ravensburg  als  Leibeigene  an 
Mehrerau^).  Am  29.  Oktober  1385  schlichten  er  und  Rudolf 
von  Pemekk,  als  die  von  Herzog  Leopold  designierten  Schiedsrichter, 
einen  Streit  zwischen  Heinrich  von  Ehrenvöls   und  dem   Kloster 


*)  Die  Urkunde  im  Bregenzer  Maseum.     Vgl.  Hummel,    XVII    Jahres- 
bericht des  Breg.  Mns.,  p.  48. 


xxvm 

Seggau,  betreffend  die  landwirtschaftliclie  nnd  forstliche  Benützung 
von  Grundstücken  um  «Cammern*.  Dasselbe  wiederholt  sich  an 
dem  nämlichen  Tage  zwischen  Stift  Göss  und  Heinrich  von  Ehren« 
völs  in  ähnlicher  Angelegenheit^).  1386  belehnt  Hugo  «Hannsen 
Müller'  mit  dem  äussern  Freithof  zu  Rieden^).  Am  7.  Januar 
1387  überlässt  er  dem  Nicias  Schenk  von  Osterwitz,  Hauptmann 
in  Steier,  einen  Hof  zu  Eibiswald  sammt  Zubehör^).  Am  29.  Sep- 
tember 1 389  ist  er  Zeuge  Herzog  Albrechts,  als  dieser  die  Lehen 
des  Stiftes  St.  Lambrecht  empfängt;  beachtenswert  ist  dabei,  dass 
Hugo  unter  den  angesehenen  Zeugen  wieder  an  erster  Stelle  ge- 
nannt wird*).  Am  3,  September  1390  schlichtet  er  einen  Streit 
zwischen  dem  Abte  Rudolf  von  Weissenau  und  dem  H.  (?)  Jakob, 
Pfründner  der  Pfarrkirche  zu  Bregenz,  wegen  Heizung  einer  Stube  ^). 
Mitten  in  diesen  Werken  des  Friedens  aber  musste  sich  Hugo  zur 
Wehr  stellen,  um  Ansprüchen  auf  seine  Besitzungen  zu  begegnen. 
1385  war  Graf  Meinhard  VH^)  von  Görz,  der  Katharina  von 
Pfannberg,  die  Schwester  Johanns,  zur  Gemahlin  gehabt  hatte  ^),  ge- 
storben. Seine  Söhne  Heinrich  und  Johann  Meinhard  erhoben 
nun  durch  ihren  Vormund,  den  Bischof  Johann  von  Gurk,  An- 
sprüche auf  die  Pfannbergischen  Festen  Heunburg  und  Greifenberg 
in  Kärnten.  Wodurch  und  wie  weit  ihre  Rechtstitel  begründet 
waren,  ist  nicht  ersichtlich,  aber  es  erhob  sich  Streit,  der  eiiien 
gefllhrlichen  Charakter  angenommen  haben  muss;  denn  Hugo  über- 
trug damals  dem  Herzog  Leopold  und  gleich  nach  dessen  Falle 
bei  Sempach  dem  Herzog  Albrecht  den  Schutz  über  seine  Kinder  s). 
Dadurch  hatte  sich  der  Montforter  für  jeden  Fall  der  Hilfe  der 
mächtigen  Oesterreicher  versichert.  Die  Görzer  konnten  es  unter 
solchen  Umständen  kaum  wagen,  die  Waffen  zu  erheben,  sondern 


^)  Beide  ürknndeii  im  Steiermark.  Landesarchive  Nr.  3537a  und  3537b 
mit  des  MoDtf orters  und  Pernekks  Siegeln. 

*)  Innsbr.  Schatzarchiv  IV,  688. 

3)  K.  K.  geh.  H.  H.  und  Staatsarchiv  in  Wien  Rep.  XXIV. 

^)  Muchar  (Gesch  d.  Herzgtms.  Steierm.)  VII,  39.  Die  Reihenfolge 
lautet :  Hugo  ▼.  Montfort,  Wilhelm  t.  Cilli,  Ulrich  t.  Liechtenstein  und  Hanns 
T.  Stadeck. 

^)  Hummel  im  XVII  Jahresbericht  des  Bregenzer  Museums  p.  48. 

^)  Nicht  der  III;  vgl.  die  Stammtafel  im  II  Bde.  von  Krones'  Ssterr.  Gesch. 

')  Siehe  oben  (p.  15)  die  Stammtafel. 

^  Am  19.  Juli  (nicht  Juni,  wo  Leopold  noch  lebte)  1386.  Lichnowsky, 
Bejg^.  zu  lY,  Nr,  2004. 


mossten  yielmehr  aaf  eine  friedliche  Lösung  der  Frage  Bedacht 
nehmen,  oder  gleichfalls  den  Herzog  in  ihr  Interesse  zu  ziehen 
Sachen.  Letzteres  geschah:  am  4.  Februar  1387  tat  auch  der 
Bischof  von  6urk  für  seine  dienten  etwas  ähnliches,  was  Hugo 
für  seine  Kinder  getan,  indem  er  dem  Herzoge  versprach,  mit 
allen  Besitzungen  der  Görzer  ihm  gewärtig  zu  sein,  wenn  er  die 
jungen  Grafen  schirmen  wolle  ^).  Damit  war  der  ganze  Streit  in 
Albrechts  Hände  gekommen.  In  kluger  Weise  benützte  Hugo 
diese  günstige  Situation  und  suchte  durch  einen  herzoglichen 
Schiedsspruch  den  Knoten  ohne  Schwert  zu  lösen:  am  29.  Juli 
1387  compromittierte  er  mit  seiner  Gemahlin  auf  Albrecht  ^),  den 
Schutzherren  seiner  Kinder,  der  den  Montfortern  damals  wegen  der 
Vorgänge  in  Schwaben,  die  wir  sogleich  berühren  werden,  noch 
insbesondere  verpflichtet  war.  Albrecht  liess  sich  die  Sache  an- 
gelegen sein  und  lud  bereits  am  Hl.  Dec.  d.  Js.  den  Bischof  von 
Gurk  zur  nächsten  Hoftaidung  künftigen  Montag  über  14  Tage 
in  der  Montfort  -  Görzischen  Angelegenheit  nach  Wien^),  wo  am 
22.  Januar  138»  auch  der  Schiedsspruch  erfolgte,  welcher,  Albrechts 
Stellung  zn  den  beiden  Geschlechtern  und  wohl  auch  dem  Rechte 
entsprechend,  durch  die  Mitte  hindurchgieng:  er  gab  und  nahm 
beiden:  die  Görzer  behielten  die  beiden  Festen,  mussten  jedoch 
die  Montforter  mit  2000  ^  guter  Wiener  Pfennige  entschädigen*). 
So  fand  dieser  Streit  sein  Ende.  Die  Aussöhnung  zwischen  beiden 
Geschlechtern  war  vollständig:  noch  oft  zog  der  Montforter  und 
Görzer  Panier  friedlich  und  freundschaftlich  hinter  dem  Habsburger 
Löwen  gegen  den  gemeinsamen  Feind. 

Hugo  muss  diesen  Frieden,  der  nicht  zum  geringsten  Teil  das 
Werk  seiner  klugen  Umsicht  war,  sehnlichst  herbeigewünscht  haben ; 
denn  gleichzeitig  waren  von  einer  andern  Seite  her  schwere  Kriegs<- 
wolken  über  seine  Besitzungen  iui  Westen  und  über  das  ganze 
Schwabenland  heraufgezogen. 

£s  wurde  schon  oben  (pag.  8)  darauf  hingewiesen,  welche 
Feinde  den  Habsburgern  und  dem  schwäbischen  Adel  in  den  Schwei- 


*)  Lichnowsky,  Reg.  zu  IV,  Nr.  2037. 

*)  Laut  UrkuDde  von  St.  Yeit  in  Kärnten.  Lichnowsky,  Beg.  zu  IV, 
Nr.  2062.    Muchar  VH,  36. 

«)  Lichnowsky,  Reg.  zu  IV,  Nr,  2114. 

^)  Lichnowsky,  Reg.  zu  IV,  Nr.  2119.  Vanotti*8  Regest  pag.  488, 
Nr.  125  ist  unrichtig. 


zem  erwachsen.  Sie  waren  die  trotzigsten  und  mächtigsten  Ver- 
treter des  emporgekommenen  »gemeinen  Volkes*,  wie  andrerseits 
der  ihnen  gegenüber  stehende  Adel  Schwabens  die  Traditionen  der 
alten  Ständeverhältnisse  aus  der  Staufenzeit  am  treuesten  bewahrt 
hatte  und  am  nachdrücklichsten  vertrat.  Hier  mussten  diese  Ge- 
gensätze, welche  besonders  in  der  zweiten  Hälfte  des  vierzehnten 
Jahrhunderts  immer  schärfer  hervortraten,  mit  aussergewöhnlicher 
Wucht  auf  einander  stossen.  An  der  Spitze  des  Adels  standen 
naturgemäss  die  Habsburger,  welche  insgesaramt  —  man  weiss, 
wie  das  gekommen  —  den  Schweizern  zürnten;  am  meisten  aber 
von  allen  war  Herzog  Leopold  HI  gegen  sie  erbittert:  seine  Ab- 
neigung grenzte  an  Hass,  seine  Geringschätzung  an  Verachtung.  Schon 
lange  hatte  er  einen  Rachezug  geplant  für  die  viele  Unbilden,  welche 
die  Schweizer  seinem  Hause  angetan.  Als  sie  1385  sich  neuerdings 
erkühnten,  die  habsburgpflichtige  Stadt  Sempach  in  ihre  Eidge- 
nossenschaft aufzunehmen,  da  gedachte  er  einen  Schlag  gegen  sie 
zu  führen,  der  ihr  Loos  für  alle  Zukunft  entscheiden  sollte  und 
auch  entschied  —  nur  nicht  im  Sinne  des  Herzogs. 

Alle  Freunde  und  Anhänger  und  Lehensleute  Leopolds,  der 
ganze  österreichfreundliche  Adel  in  Schwaben,  in  Tirol  und  an  der 
Etsch,  in  Elsass  und  Burgund  schlössen  sich  dem  Zuge  an,  der 
eine  weltgeschichtliche  Bedeutung  erlangt  hat.  Man  kennt  den 
Verlauf  der  Schlacht  bei  Sempach  am  9.  Juli  1386,  wo  das 
glänzende  Heer  der  Eisenmänner  von  den  Eidgenossen  aufs  Haupt 
geschlagen  wurde.  Die  Schweizer  blieben  noch  fernerhin  die  Geissei 
der  schwäbischen  Ritterschaft. 

Wenn  Hugo  hier  nicht  direct  als  Teilnehmer  genannt  wird, 
so  hat  das  wenig  auffallendes;  denn  viele  hundert  andere  Herren 
aus  den  mächtigsten  Geschlechtern,  die  mitgezogen,  werden  gleich- 
falls nicht  namentlich  angeführt:  der  ganze  Feldzug  gieng  rasch 
vorüber  und  war  überhaupt  nicht  danach  angetan,  den  einzeben 
persönlich  hervortreten  zu  lassen;  dazu  sind  die  Detailnachrichten 
spärlicher,  als  man  erwarten  •  sollte.  Dennoch  wurde  darauf  hin 
die  Meinung  laut,  dass  er  diesen  Zug  nicht  mitgemacht,  sich  viel- 
mehr jetzt  und  auch  fortan  zu  den  Schweizern  in  ein  möglichst 
gutes,  a freundnachbarliches  Verhältnis*   gestellt  habe^).     Dagegen 


0  Weinhold  in  den  Mitteilongen  YII,  133  ond  dann  Bergmann  in  der 
Landeskunde  Vorarlbergs  (1868)  p.  102. 


sprechen  aber  schon  Hngo*s  Beziehungen  zu  den  österreichischen 
Herzogen  und  zu  Leopold  insbesondere,  wie  wir  dieselben  bisher 
kennen  gelernt  haben.  Ferner  konnte  dem  Grafen  kaum  verborgen 
bleiben,  dass  es  sich  hier  nicht  nur  darum  handle,  vergangenes 
zu  rächen,  sondern  auch  darum,  für  die  Zukunft  die  eigene  Haut 
zu  sichern:  das  vermochte  ein  Blick  in  die  Greschichte  seiner  Väter 
ihn  zu  lehren.  Dagegen  spricht  dann,  dass  in  der  Fortsetzung 
dieses  Krieges  1388  Feldkircher  und  Bregenzer  ausdrücklich 
als  Teilnehmer  genannt  werden^).  Wenn  endlich  Hugo  von  Mont- 
fort  1388  als  österreichischer  Land vogt  im Thurgau,  Aargau 
und  auf  dem  Schwarzwald  erscheint^),  also  eine  der  wichtigsten 
Yertrauensstellen^)  bekleidete,  so  zeugt  das  wohl  nicht  so  sehr  für 
das  gute  Verhältnis  desselben  zu  den  Schweizern,  als  vielmehr 
dafür,  dass  die  österreichischen  Fürsten  an  Hugo  einen  Mann  kann- 
ten, auf  den  in  jeder  Gefahr  ein  Verlass  war.  Zu  dem  allen 
bringen  wir  noch  eine  Urkunde,  die  das,  was  wir  suchen,  deutlich 
ausspricht:  am  1.  März  1388  erklärt  Graf  Hanns  von  Werden- 
berg, dass  er  mit  seinem  Vetter  Hugo  von  Montfort  übereinge- 
kommen sei,  den  österreichischen  Herzogen  durch  ein  Jahr  in  dem 
gegenwärtigen  Kriege  wider  die  Schweiz  zu  dienen*). 
Von  freundschaftlichen  Beziehungen  Hugo*s  zu  den  Eidgenossen 
kann  also  keine  Rede  mehr  sein. 

Es  versteht  sich  von  selbst,  dass  man  es  als  eine  heilige  Aufgabe 
ansah,  Leopolds  Tod  zu  rächen.  Allein  die  damaligen  Schuldenlasten 
der  Oesterreicher  und  die  Unordnung  nach  Leopolds  Untergange 
waren  zu  gross,  dessen  Söhne  noch  zu  klein,  als  dass  es  zu  einem 
durchgreifenden,   erfolgreichen    Kriege   hätte   kommen  können,   der 


0  Archiv  für  Kunde  österr.  Gesch.  Quellen  Bd.  I,  Heft  III,  131. 
Zösmair  III,  34. 

*)  Das  wusste  man  bisher  bloss  aus  Vanotti*s  Angabe  p.  181.  Da  man 
aber  alle  unbelegten  Aussagen  dieses  Historikers  nur  mit  grosser  Vorsicht  ent- 
gegennehmen darf,  ist  ein  erneuter  Nachweis  wertvoll;  denselben  gibt  eine 
Urkunde  des  k.  k.  geh.  H.  H.  und  Staatsarchivs  vom  1.  März  1388,  worin  es 
ausdrücklich  heisst:  Oraf  Hug  von  Montfort  herre  ze  Bregentz,  des  hoeh- 
erbornen  f unten  hertzog  Älbreehis  zu  Oesterreieh  lantvogt  ze  Ergow,  ze 
Thurgow  und  uff  dem  Swartzwald.     Rep.  VI. 

'J  Erst  1379  hatte  Le  opold  die  Landvogtei  in  Ober-  und  Niederschwaben 
um  nicht  weniger  als  40.000  Goldgulden  von  den  bairischen  Herzogen  gekauft 
und  sie  seitdem  meist  in  der  eigenen  Hand  behalten.  Vgl.  Krones,  öst.  Gesch. 
II,  189.        ^)  K.  k.  geh.  H.  H.  und  Staatsarchiv  Kep.  VI. 


xxxn 

das,  was  verloren  war,  wieder  gebracht  hätte.  Um  die  Eidgenossen 
in  der  Ausnützung  ihres  Sieges  aufzuhalten,  sah  man  sich  ge- 
zwungen, mit  ihnen  bis  zum  Februar  13S8  Waffenstillstand  zu 
schliessen.  Als  mit  Ablauf  desselben  der  Krieg  wieder  losbrach, 
fehlte  den  Oesterreichern  und  dem  damit  verbundenen  Adel  alle 
ruhige  Besinnung,  und  ihren  sonst  so  kriegstüchtigen  Waffen  alles 
Glück,  wie  immer,  wenn  sie  gegen  die  Schweizer  geführt  wurden. 
Sie  begannen  mit  der  berüchtigten  Mordnacht  zu  Wesen,  wo  sie 
die  ganze  eidgenössische  Besatzung  niedermetzelten;  zum  Lohne 
dafür  holten  sie  sich  bald  darauf  eine  neue  Niederlage  bei  Näfels 
am  9.  April  1388.  Damit  entsank  den  Herren  die  letzte  Hoffnung, 
die  Schweizer  zu  demütigen.  Beiderseits  fühlte  man  sich  erschöpft 
und  machte  Frieden. 

Es  folgten  ein  paar  Jahre  der  Stille  nach  dem  Ungewitter, 
in  denen  nur  friedliches  und  unbedeutendes  geschah.  Man  eilte 
nach  Hause,  curierte  die  zerschlagenen  Glieder  und  suchte  den  Geld- 
beutel wieder  in  ehrbaren  Zustand  zu  bringen.  Auch  in  die  Bur- 
gen Hugo's  kehrte  Ruhe  und  Stille  ein,  die  nur  durch  friedliche 
Beziehungen  und  die  Folgen  eines  doppelten  Todfalles  bewegt  wurde. 

1387  war  Hugo's  einziger  Bruder  Konrad  gestorben.  Ihm 
folgte  sein  ältester  Sohn  Wilhelm*)  in  die  Regierung  der  Graf- 
schaft Alt-Bregenz.  Dem  väterlichen  Beispiele  entsprechend  suchte 
er  die  intimen  Beziehungen  zu  seinem  Vetter  Hugo  aufrecht  zu  halten. 
1390  beschwören  beide  einen  zwanzigjährigen  Burgfrieden,  der  sich 
auf  Burg  und  Stadt  Bregenz,  die  ungeteilt  bleiben,  erstreckte 
und  ein  ähnliches  Verhältnis  herstellte  wie  die  Urkunde  vom  T.Juni 
1379  zwischen  Konrad  und  Hugo:  kein  Teil  darf  ohne  Wissen 
des  andern  fremder  Macht  Einlass  geben,  die  Angreifer  und  Be- 
schädiger  der  Stadt  sollen  beide  Teile  mit  geeinter  Macht  abtreiben, 
die  Untertanen  haben  beiden  Herren  gewärtig  zu  sein,  die  Burg- 
grafen, ihre  Knechte  und  Diener  diesen  Burgfrieden  zu  beschwören*). 
Es  scheint,  dass  Hugo  seinem  Neffen  tätig  an  die  Hand  gegangen  sei 
und    ihm   manche  Wohltat  erwiesen  habe:   so  schliesst  Wilhelm 


*)  Konrad  hinterliess  3 Kinder:  Wilhelm,  Hugo,  den  später  in  Urkan> 
den  oft  genannten  (Johanniter)  „Meister"  (der  häufig  mit  Hogo,  dem  Minne- 
singer, verwechselt  worden  ist,  z.  B.  in  der  Urkunde  von  1393,  bei  Yanotti 
Reg.  Nr.  136),  und  eine  Tochter  Magdalena. 

*)  Innsbr.  Schatzarchiv  IV,  661. 


[XXXIIl 

von  Montfort-Bregenz  am  24.  März  1393  mit  Hermann  von  Schwar- 
zach  einen  Bürgschaftsvertrag  und  nennt  als  Gewähren  seinen 
Vetter  Hngo^);  andern  Zeugnissen  werden  wir  weiter  anten  noch 
wiederholt  begegnen. 

Viel  schwerer  als  dieser  eine  Todfall  traf  ansem  Dichter 
ein  anderer.  Es  zeigt  sich  kein  Ereignis  in  seinem  Leben,  das  mit 
solcher  Gewalt  auf  ihn  eingestürmt,  eine  solche  Revolution  in 
seiner  Denk-  und  Gefiihlsweise  hervorgebracht  hätte,  wie  dieser. 
Um  das  zu  begreifen,  müssen  wir  vorerst  darzulegen  suchen,  wie 
neben  der  äussern  Geschichte  dieser  Periode  seine  geistige  Ent- 
wicklung einhergieng. 

Plötzlich,  mitten  im  jugendlich  leichtsinnigen  Treiben,  kam 
Hugo  die  Notwendigkeit  an,  auf  die  Bühne  des  öffentlichen  Lebens 
zu  treten.  Ganz  unerwartet  übernahm  er  seine  Aufgabe  mit  Kraft 
und  Umsicht,  bestellte  sein  Haus,  richtete  tatenbegierig  den  Blick 
nach  aussen  und  eroberte  sich  schnell  Bedeutung  und  Ansehen. 
Wer  sich  in  die  politische  Geschichte  der  Montforter  gründlich 
eingelebt  hat,  wird  erkannt  haben,  wie  unter  Hugo's  Vater  und 
Grossvater  der  Schwerpunkt  derselben  auf  Heinrich  von  Montfort- 
Tettnang  ruhte;  aber  nicht  über  1380  hinaus.  Von  hier  an 
tritt  Hugo  von  Montfort-Bregenz  entschieden  in  den  Vordergrund 
Er  zeichnet  in  herzoglichen  Urkunden  seinen  Namen  vor  den  übri- 
gen Grafen  und  weltlichen  Herren,  tritt  als  erbetener  Schiedsrichter 
auf,  führt  ein  herzogliches  Heer  an,  bekleidet  in  gefährlicher  Zeit 
ein  hohes  Vertrauensamt.  —  Was  weder  Heirat  noch  Kreuzfahrt* 
in  ihm  bewirkt,  das  hat  der  Ernst  des  Lebens  getan:  Hugo  war 
zur  Reife  gelangt.  Mann  geworden^).  Was  aber  noch  viel  mehr 
bedeutet  als  alles  das,  ist,  dass  er  sich  durch  diese  äussern  Er- 
folge nicht  verflachen  liess,  dass  er  auch  den  Blick  in  sich  selbst 
hinein  kehrte  und  die  schwerere  Aufgabe  der  Selbstläuterung  und 
Selbstbildung  begann.  Denn  alles,  was  wir  gewinnen,  erlangt  dock 
erst  wirklichen  und  bleibenden  Wert,  wenn  es  auch  dem  innern 
Menschen,  dem  Charakter  zugute  kommt  Wir  freuen  uns,  wenn 
wir  so  unverhofft  Hugo's  rasche  Carriere  auf  der  politischen  Lauf- 
bahn erblicken;  aber   unsere  Achtung   erobert  er  erst,   wenn   wir 


*)  Mehreraiier  Archiv  des  Bregenzer  Museums  Face.  11 ,  Nr.  75* 
Unter  den  Sieglem  auch  Hugo. 

*)  Darum  haben  wir  die  neue  Periode  nicht  mit  Hugo's  Heirat,  wie  man 
erwarten  könnte,  sondern  mit  1379  begonnen. 

Wtke}iernelJ,  Montfort,  % 


xxxrv 

der  Seelenkämpfe  gewahr  werden,  in  denen  er  seine  jugendlichen 
Leidenschaften  besiegt  and  sich  za  einem  höheren  sittlichen  Stand- 
punkt »nporringt  Und  darüber  geben  seine  Gedichte  aus  dieser 
Zeit  ein  unwiderlegliches  Zeugnis. 

In  Nr.  11^)  regt  sich  bei  ihm  zuerst  die  strafende  Stimme 
des  Grewissens,  die  ihn  aus  den  jugendlichen  Torheiten  aufschreckt 
wie  der  Wächter  beim  Morgengrauen  zwei  Liebende  aus  verbotenem 
Genüsse.  Wann  willst  du  einmal  Ruhe  geben  und  aufhören  Tanz- 
lieder^) zu  machen?  lässt  er  sich  vom  Wächter  strafend  zurufen. 
—  Der  Dichter  verspricht  von  den  Tanzliedern  abzulassen  und 
hat  sein  Wort  auch  treulich  gehalten :  Nr.  9  blieb  das  letzte  dieser 
Gattung.  Aber  im  übrigen  erleidet  der  mahnende  Wächter  dies- 
mal noch  eine  entschiedene  Niederlage.  Das  Frauenlob  kann  er 
nicht  aufgeben;  denn  selge  wib  die  sind  der  weit  doch  leid  ver^ 
tribj  ach  gott^  wie  lieb  und  za^tl  Und  dann,  Wächter,  —  fährt 
er  fort  —  merke  dir:  gegenüber  der  Gunst  zarter  lieber  Frauen 
ist  alles  andere  auf  Erden  im  Grunde  genommen  doch  ganz  windig: 
nichts  hält  dieser  Stand,  weder  Frömmigkeit  noch  Weisheit  noch 
Stärke  noch  Schönheit;  sie  obsiegt  allem,  das  hat  sich  schon  oft 
bewahrheitet:  nu  dcur  ir  eeUgen  wib\ 

Hatte  somit  auch  der  Reiz  des  bisherigen  Lebens  seine  fesselnde 
Gewalt  über  ihn  behauptet,  so  war  dennoch  der  erste  bewosste 
Schritt  einer  neuen  Richtung  entgegengetan;  die  weitere  Ent^- 
wicklung  folgte  rasch.  In  Nr.  10  und  12  erhebt  sich  dieselbe 
warnende  Stimme  wieder:  du  hast  dich  noch  nicht  gebessert  (10,, 
8)?  —  Gewissensbisse  ängstigen  ihn  sehr  (10,  25).  Er  wird  ge- 
wahr, wie  er  bereits  den  Mittag  seiner  Lebenszeit  erreicht  hat 
(10*  6),  und  die  Todesnacht  ihm  entgegenrückt  (10,  10),  während 
er  noch  herbergslos  dasteht  Religiöse  Motive  drängen  sich  herein: 
auf  der  Erde  ist  deines  Bleibens  nicht  (10,  13);  ihn  überkommt 


^)  Ueber  die  Reihenfolge  der  Gedichte  vgl.  Abh.  III. 

*)  i2tM>  haben  ist  moralisch  za  deuten.  Unter  den  Tanzliedern  meint 
er  natürlich  solche  wie  die  Torangegangenen,  welche  mit  yeH>otonem  Liebes- 
dienste zusanimenhiengen,  indem  sie,  an  eine  bestimmte  Adresse  gerichtet, 
directe  Werbung  oder  bereits  geheime  Stelldichein  (Nr.  8)  zum  Inhalte  hatten. 
Desgleichen  zielt  auch  das  lob  der  seligen  wib,  tou  dem  er  spricht,  auf  die 
Erwerbung  ihrer  Gunst,  die  möglicher  Weise  auch  bis  dahin  gehen  konnte, 
wo  man  morgens  einen  Wächter  brauchte,  damit  der  frowen  und  töehHrlin 
fr  und  sioluer  lib  vor  böser  Jklafer  zung  behuetet  werde» 


XXXV 

der  trostlose  Gredanke  von  der  Vergänglichkeit  alles  irdischen  Wesens: 
Schönheit,  Kraft  and  Verstand,  alles  nimmt  der  Tod  hinweg; 
aber  deine  Seele  mass  ewig  leben  (10,  15)!  Das  geht 
ihm  tief  zu  Herzen.  Das  Lob  der  Schönheit  und  der  Frauen  hört 
auf,  an  dessen  Stelle  tritt  der  Preis  der  muoter  maget  her  und 
der  Majestät  und  Unendlichkeit  Gottes,  der  zugleich  auch  unend- 
lich barmherzig  ist  und  um  die  Schulden  der  Menschen  den  h*irten 
wiWg  tSt  erlitten  hat  (12,  23):  0  möchte  er  einst  Gnade  für 
Becht  ergehen  lassen  (12,  27).  —  Immer  lauter  und  entschiedener 
bricht  die  Stimme  der  Umwandlung  und  Reue  hervor.  In  Nr.  13 
schaat  er  sich  selbst  als  einen  Schiflfbrüchigen  itff  wag  des  bittem 
mer.  Die  stürmenden  Wogen  der  Sünden  haben  seiner  ^Unschuld 
Schiff'  zertrümmert;  nur  in  den  Gnaden  der  Kirche,  in  dem  Bei- 
stand der  mamerin  erblickt  er  noch  Trost  und  Rettung:  Beicht, 
wahre  Reue  und  Busse  geben  seinem  Anker  wieder  sichern  Halt 
in  den  Fluten  des  Lebens.  Gott,  der  dem  Menschen  das  Him- 
melreich geöffnet  hat,  für  ihn  in  die  Marter  gieng,  wird  wohl  gnädig 
und  barmherzig  sein! 

Das  die  Umwandlung  des  Dichters  nach  seinen  eigenen  An- 
deutungen. Man  sieht,  wie  sie  ihn  in  das  Geleise  kirchlicher  Moral 
lenkt,  wie  es  für  damals  ja  auch  kaum  anders  zu  erwarten  war: 
darin  offenbart  sich  eben  der  Einflnss  jenes  religiösen  Geistes  seiner 
Zeit,  von  dem  wir  noch  hören  werden. 

Doch  glob  dn  werch  ist  halber  airij  lautete  ein  Grundsatz 
Hago*s  (4,  110):  der  umgewandelten  Gesinnung  müssen  auch  die 
Werke  entsprechen.  Freilich  liegt  zwischen  beiden  erst  die  Höhe 
des  Kampfes,  auf  der  die  Niederlage  droht;  denn  ist  auch  der 
Glaube  und  Wille  stark,  das  Fleisch  ist  noch  stärker!  Aber  Hugo 
vermochte  es,  mit  den  bestehenden  Verhältnissen  zu  brechen,  so 
weit  sie  jetzt  seiner  bessern  Ueberzeugung  widerstritten.  Diesen 
harten  Sturm  zwischen  den  Wünschen  seines  Herzens  und  den 
höhern  sittlichen  Anforderungen  von  Gewissen  und  Vernunft  hat 
er  selbst  in  Nr.  17  geschildert.  Es  ist  der  Abschied  vom  ver- 
botenen Minnedienst:  lebent  scheiden  das  tuot  we^  noch  wirser 
dann  ein  senfter  todl  Das  Herz  will  ihm  die  Seele  verleiten 
(17,  9,  13,  17);  aber  er  bietet  alles  auf,  den  Sieg  zu  erringen: 
fährt  das  Schreckbild  des  Todes  ins  Feld  (17,  11),  erinnert  sich 
an  die  Hilfe  Gottes  (17,  15),  ruft  den  Schutzengel  zum  Beistand 
an ,  von  dem  eß  heisst,  dass  er  dem  Menschen  zum.  SdiVim&i  \i\A 


XXXVI 

Hüter  beigegeben  sei  (17,  21):  nümer  tuon  ist  grosse  luoss!  — 
Ihn  überkommt  der  Gedanke  an  seine  Gemahlin  die  ihm  stets  Liebe 
nnd  Treue  bewahrt  hat  (17,  34,  36, 39, 43),  und  der  Kampf  ist  ent- 
schieden. Er  ist  aus  bösem  Traum  erwacht,  in  welchem  er  seiner  ehe- . 
liehen  Pflicht  vergessen  nnd  fremde  „  Frauen  und  Töchterlein  '  gefeiert 
hatte(17, 29);  er  erkennt  den  Wert  treuer  wahrer  Liebe,  die  nun  in 
seinem  Herzen  grünt  (17,  49 — 5'^).  In  dieses  Lob  seiner  Ge- 
mahlin und  der  rechten  Liebe  stimmt  auch  das  folgende  Gedicht 
(Nr.  1)  ein,  von  dem  schon  Weinhold  treffend  gesagt  hat:  «es 
ist  gedichtet  in  der  Erregung  eines  Herzens,  das  sich  mancher 
Schuld  bewusst  ist,  und  im  Frühlingshauche  erwachender  echter 
Liebe«  *). 

Damit  haben  wir  den  Ausgangspunkt  dieser  Entwicklung  er- 
reicht Das  Verhältnis  zu  Margaretha  und  damit  das  zur  übrigen 
Frauenwelt  hat  sich  vollständig  geändert,  und  Margaretha*s  un- 
wandelbare Treue  war  nicht  der  unansehnlichste  Beweggrund  zur 
Umkehr  gewesen  —  ein  schöner  Zug  in  Hugo*s  Charakter.  Es 
ist  für  das  Resultat  einerlei,  ob  bei  derselben  die  erlangte  geistige 
Reife,  oder  ob  das  erwachende  religiöse  Bewusstsein  den  endlichen 
Ausschlag  gegeben  habe:  in  jedem  Falle  gieng  did  erstere  der  letzte- 
ren voraus.  Nun  liebte  er  nach  seinem  Herzen  und  nach  dem 
Gebote  Gottes  zugleich  (1,  15 — 18).  Das  gab  ihm  jene  Heiter- 
keit und  Friedensseligkeit,  die  aus  dem  ganzen  Gedichte  (Nr.  1) 
spricht.  Jetzt  mögen  die  Gefahren  kommen,  wie  sie  wollen,  er 
fühlt  sich  stark  genug,  sie  abzuschlagen;  die  ganze  Welt  ver- 
möchte nicht,  ihn  in  seiner  Treue  wankend  zu  machen  (1,  59): 
min  herfz  das  ist  verslossen  mit  trüwen  und  mit  stetiheit^  zarte 
frow^  bin  ich  bereit  (1,  83). 

Von  seiner  ersten  Jugendliebe  spricht  er  alsbald  (Nr.  2)  in 
ruhiger  Heiterkeit,  wie  man  etwa  von  Erlebnissen  erzählt,  die  vorüber 
sind  uud  in  keiner  Form  mehr  wiederkehren. 

Da  ihm  Margaretha  auch  Kinder  geschenkt  hatte  ^),  war  das 
eheliche  Glück  vollkommen.  Aber  nicht  lange  sollte  es  währen, 
80  kam  darein  ein  swartze  van^w  und  gel,  daz  ist  der  tod  so 
snel  —  1391  oder  1392^)  ist  Margaretha  gestorben. 

^)  In  den  Mitteilnngen  YII,  135. 

*)  Nach  der  oben  (pag.  28)  angeführten  Urkunde  bei  Lichnovsky  (Beg. 
zu  lY,  Nr,  2004)  besass  er  1386  schon  Kinder. 

'J  1390  darf  man  sicher  nicht  ansetzten.     Denn  nach  5,  52  war  Hngo 


XXXVII 

Naoh  dem  voraasgegangenea  ahnen  wir,  wie  den  Dichter 
dieser  Tod  getroffen  haben  wird.  Seine  Tätigkeit  ist  auf  einmal 
gelähmt:  aas  li591  und  1392,  also  aus  zwei  Jahren,  können  wir 
keine  einzige  Tat  Hago*s  nachweisen.  Der  fröhliche,  vergnügte  Ton 
der  letzten  Gedichte  (Nr.  1  und  2)  ist  auf  einmal  verschwunden,  und 
schwere  döstere  Stimmung  lagert  sich  über  die  Producte  dieser 
Zeit  (4,  15  und  5)  ^) :  ein  völliges  Ungenügen,  ein  starker  lieber- 
druss  an  dieser  Welt  spricht  aus  ihnen,  ein  asketischer  Mönchsgeist 
fast,  welcher  in  Weltabgeschlossenheit,  in  einer  vita  contemplativa 
Ruhe  suchen  will  und  entschlossen  ist,  dem  freiwillig  zu  ent- 
sagen, was  er  doch  nur  dem  Untergang  geweiht  sieht;  denn  über- 
all Wankelmut,  Täuschung,  Unbestand,  Tod.  —  das  bedacht  ich 
snell  und  bald:  vor  unmuot  luff  ich  in  ein  wald  und  wolt  da 
sin  beliben^  die  weit  han  usgeschiben,  vor  ir  unstet  und  fruffeni 
dunkh  ich  mich  in  der  wiUnust  fri  (5,  63).  Es  ist  sehr  be- 
zeichnend für  seine  Gemütsverfassung  zu  beobachten,  wie  er  in 
seinem  nunmehrigen  Lieblingsbuche,  der  Bibel,  das  traurigste  Ca- 
pitel  aufschlägt  und  sich  mit  Wohlbehagen  darin  ergeht:  es  kommt 
der  Tod  und  dann  jener  Tag,  wo  der  Herr  erscheint  mit  allen 
seinen  Heerscharen  und  ein  schreckliches  Gericht  hält  über  alle, 
die  aus  den  Gräbern  aufgestanden  sind.  Da  Hlfet  weder  kunst  noch 
list^  pett  und  almuosen  ist  denn  ze  spät  (4, 128, 130):  alle  Misse- 
taten werden  offenbar,  nichts  bleibt  ungerächt.  Die  guten  wird 
er  zu  seiner  rechten  Hand  sammeln,  die  bösen  aber  zu  seiner  linken ; 
diese  stehen  da  in  Nacktheit  und  Schande,  vor  schrihhen  helleva/r^ 
und  rufen  die  Berge  an,  über  sie  zu  fallen  und  sie  zu  bedecken, 
bis  sie  der  Herr  verflucht  zu  ewigen  Höllenqualen  (4,  120 — 196). 
Auch  in  Nr.  15  zeigt  sich  dieser  weitabgewandte  Sinn,  wieder- 
holen sich  die  Klagen  über  die  finstere  Gewalt  des  Todes,  der 
alle  ohne  Unterschied  hinwegrafft  (15,  7,  8,  14,  19,  51,  59,  115), 

schon  drei  und  dreissig  ein  halbes  Jahr,  als  er  sich  zu  Gott  bekehrte  und  den 
Terbotenen  Minnedienst  verliess.  Das  kann  also  frühestens  in  der  zweiten 
H&lfte  Ton  1390  geschehen  sein.  Nan  zeigt  die  vorausgehende  Darstellung, 
dass  er  darnach  doch  noch  einige  Zeit  in  glücklicher  Ehe  mit  Marga- 
retha  lebte.  —  Dass  der  Tod  nicht  nach  1392  erfolgte,  ergibt  sich  aus  der 
Chronologie  dieser  Rede  in  Abh.  III  und  ans  den  Versen  5,  64 — 69,  die  in 
der  glücklichen  Zeit  der  £he  mit  Margare tha  (Nr.  17  und  Nr.  1)  unmöglich 
gewesen  wären. 

^)  Weinhold  bezog  (a.  a.  0.  136)  auch  Nr.  27  hieher,    was  aber,    wie 
sieh  zeigen  wird,  kaum  geschehen  darf. 


xxxvni 

auch  jene,  die  durch  ihre  Vorzüge  alle  andern  ihres  G^ohlechtes 
hoch  überragten.  So  ist  David  mit  seinem  edeln  tchten^  Saio- 
mon  mit  seiner  Weisheit,  Aristoteles  mit  seinen  Künsten  vorüber; 
auch  der  grosse  Karl  musste  in  Todes  Sarg;  König  Artus  und 
der  ganze  freudenvolle  Hof  mit  Ritterschaft  und  Frauen,  Tschinachti- 
lander,  der  mannhafte  Paicival:  sie  alle  hat  der  Tod  gepfändet. 
Wie  der  Hefrain  in  einem  Gedichte  so  kehrt  hier  der  Gedanke 
stätig  wieder,  den  15,  46  f.  am  deutlichsten  ausspricht:  ich  habe 
die  Welt  genau  kennen  gelernt;  aber  all  ir  sack  das  ist  zer- 
ganJclich  leben^  und  ist  och  nicht  wan  ach:  ein  wil  ein  fr  Öd  — 
darnach  Jeans  truren  geben!  Nur  einen  Meister  hat  der  Xod, 
das  ist  der  künig  ob  nun  kören  ^  der  die  Riegel  der  Gräber  auf- 
schliesst,  wenn  er  dereinst  am  jüngsten  Tage  rufea  wird:  surgite, 
stehet  auf,  ihr  Todten  (15,  128)! 

Diese  durch  einen  plötzlichen  Unglücksfall  hervorgerufene  und  in 
das  Extrem  getriebene  Stimmung,  die  Hugo*s  gesunder  Anlage, 
seinem  tatkräftigen  Wesen  und  insbesondere  seinen  Jahren  ganz 
zuwiderlief,  war  ein  krankhafter  Zustand,  der  unmöglich  Dauer 
haben  konnte  und  entweder  vorwärts  zu  wirklicher  Weltentsagung  ^) 
oder  wieder  zurück  zur  Genesung  führen  musste.  Hugo  bestand 
die  Krisis.  Die  Natur  ist  immer  ihr  eigener  Arzt:  Schmerzen, 
die  sie  nicht  zu  beseitigen  vermag,  lässt  sie  sich  müde  stürmen 
und  nimmt  ihnen  so  allmählich  ihre  Schärfe.  In  dieser  Weise  heilte 
sie  wohl  auch  hier.  Dazu  waren  die  Fäden  zu  mächtig,  die  Hugo 
mit  der  vita  activa  verbanden :  auf  seinen  Schultern  ruhte  das  Re- 
giment zweier  mächtigen  Grafschaften,  ihn  hielten  die  durch  ein 
Jahrzehnt  angeknüpften  und  gekräftigten  Beziehungen  zu  den  nach- 
barlichen Herren  und  Fürsten  fest;  vor  allem  aber  wird  noch  ein 
anderes  Band  seine  oft  bewährte  Haltkraft  bewiesen  haben:  Hugo 
besass  Kinder.  Etwa  um  diese  Zeit  entstand  Nr.  14,  jenes  verein- 
zelte Gedicht,  in  dem  ein  Vater  auftritt,  der  für  die  Zukunft  seines 
Sohnes  besorgt  ist.     Wenn  man  sich  Hugo's  Dichtungsweise,  die 


*)  Dass  diese  im  Mittelalter  und  gerade  im  14.  Jahrhundert,  das  hierin 
das  11.  und  12.  noch  übertrifft,  bei  ähnlichem  Schicksal  und  auch  ohne  ein 
solches  gar  wohl  möglich  war.  weiss  jeder,  der  z. B.  K.  Schmidts  Leben  des  Ni- 
colaus Ton  Basel  gelesen  hat.  Vgl.  Abhandl.  II.  Auch  Oswald  t.  W.  hatte 
eine  solche  Anwandlung  1,  4,  1:  mein  iummes  leben  wolt  ich  V0rkem,  dat 
ist  wärt  und  ward  ain  halber  tüeghari  wol  zbay  gantze  jdr  . .,  und  Teichner 
jrJJJ  alles  üiehen,  was  nach  der  Welt  jsich  stellt.    Kar.  118. 


XXXIX 

aaf  wirklichen  Eriebnissen  fitsst»  gegenwärtig  hftlt,  so  liegt  es  nahe» 
beim  jungen  herren^  dem  der  Vater  Lehren  der  Lebensweisheit 
gibt,  am  ihn  vor  Yarirrangen  zu  bewahren,  an  sein^  Sohn  Ulrich 
am  denken,  der  damals  zwischen  dem  16.  und  20.  Lebensjahre 
stand  ^X  also  in  einem  Alter,  wo  solche  Lehren  am  Platze  waren, 
wo  er  vielleicht  wie  einst  sein  Yater  in  die  grosse  Welt  hinaos- 
zog,  sich  Ritterschaft  zu  erwerben. 

Gegen  die  Mitte  der  Neunzigerjahre  beginnt  die  aasgebreitete 
T&tigkeit  der  achtziger  abermals:  die  Zeit  brachte  neuen  Lebens- 
mut und  selbst  einen  Ersatz  für  Margaretha  wieder.  Damit  be- 
gmnt  ein  neuer  Abschnitt  in  Hugo*s  Leben,  der  reicht 

b.  bis  zum  Tode  Glementia*s. 

Krieg  und  Friede  sind  die  Flut  und  Ebbe  der  Gesohidite, 
nur  ist  im  Mittelalter  diese  stets  kürzer  als  jene.  Aus  den  zahl- 
reichen Streitigkeiten  in  den  Alpenprovinzen*)  und  im  Reiche 
draussen  am  Anfange  und  in  der  Mitte  der  Neunzigerjahre  treten 
zwei  von  grösserer  Bedeutung  hervor  und  verlangen  kurze  Auf- 
merksamkeit, weil  Hugo  zu  ihnen  Stellung  genommen  hat.  In  Böhmen 
sammelte  sich  das  Ungewitter  über  dem  gesalbten  Haupte  eines 
argen  Missetäters,  König  Wenzels.  Man  kennt  sein  Sündenregister^). 
Der  ganze  höhere  Adel  und  ihm  voran  die  österreichischen  Her- 
zoge waren  gegen  ihn  erbittert.  Dass  auch  Hugo  unter  den  Missr 
vergnügten  war,  beweist  Nr.  5,  worin  er  eine  scharfe  Sprache  führt 
gegen  diesen  kilng  von  Pehem  land;  denn  an  ^echt^  an  fürstlich 
Zucht  und  sitt^  der  wont  gar  wenig  hi  im  itt(bp  241)  . .  er  Hess  die 
weit  verderben,  e  dna  er  kern  ^nm  Präge  i5,  244)/  Es  ist  be-? 
kannt,  wie  alsbald  die  offene  Empörung  ausbrach,  wie  man  den  König 


')  Ulrich  kann  idi  liereits  1389  nrkandlich  nachweisen:  am  20.  Juli 
d.  Js.  bestätigt  der  Bischof  Johann  zu  Seccaw  dem  Grafen  Ulrich  ron  Montfort, 
Herrn  zn  Bregentz,  aaf  dessen  persönliches  Ersuchen  einen  ge-. 
mecMkrief^  in  welchem  Graf  Ulrich  die  von  dem  Bistnm  herrührenden  Lehen 
auf  seinen  Vater,  den  Grafen  Hugo  ron  Montfort,  Herrn  zu  Bregentz,  überträgt. 
K.  bairisches  Beichsarchir  Fase.  XV. 

')  In  Vorarlberg  ist  Ton  besonderer  Wichtigkeit  die  Entstehung  eines 
Yolksbnndes,  einer  Art  ^,vorarlbergi scher  Eidgenossenschaft^  (ZOsmair  III,  37), 
welche  Torgeblich  gegenseitigen  Schatz  und  Frieden  bezweckte,  aber  der  Natur 
d«r  Sadie   nach  gegen  die  Herren  sich  richtete,  wie  wir  später  sehen  werden. 

^  Vgl.  auch  die  Chronologie  in  Abb,  HI. 


XL 

gefangen  nahm  (1394)  und  ihm  die  Klanen  beschnitt.  Wie  Hngo 
darüber  urteilte,  hat  er  nicht  mehr  niedergeschrieben. 

Drohender  und  unserem  Dichter  viel  näher  kam  ein  Streit  der 
österreichischen  Herzoge.  1395  wurde  Albrecht  III  ins  Grab  ge- 
legt und  damit  auch  die  lange  von  ihm  sorglich  gehütete  Einigkeit 
der  Habsburger  Fürsten.  Albrechts  Sohn,  Albrecht  IV,  und  seine 
Vettern  Wilhelm  und  Leopold  entzweiten  sich  bei  der  Teilung  des 
Erbes.  Dem  guten  Brauche  ihrer  Väter,  dass  der  älteste,  jetzt 
Wilhelm,  das  Oberregiment  führe,  widerstrebte  der  junge  Al- 
brecht, verlangte  Selbstregierung  und  vollständige  Teilung  des  Be- 
sitzes. Die  (jemüter  erhitzten  sich:  alle  grösseren  Städte  und 
Herren,  die  mit  den  Habsburgern  irgendwie  im  Contacte  standen, 
nahmen  Partei,  und  ein  grässlicher  Bürgerkrieg  schien  unvermeidlich. 
JDie  Aussicht  auf  solches  Elend  bewog  Albrecht  doch  zur  Nach- 
giebigkeit. 1395  entstand  der  Hollenburger  Vertrag,  welcher  den 
Streit  zwischen  Albrecht  und  Wilhelm  beseitigte^).  Nun  blieb 
noch  das  Verhältnis  zwischen  Wilhelm  und  Leopold  zu  ordnen. 
Auch  hier  wurde  ein  friedlicher  Austrag  erzielt:  am  30  März  1396 
kam  ein  Vertrag  über  die  Teilung  der  Verwaltung  zwischen  beiden 
Brüdern  zu  Stande. 

Hugo's  Verhalten  in  dieser  Angelegenheit  erforderte  doppelte 
Vorsicht,  da  die  eine  seiner  Grafschaften  im  Regierungskreise  Wil- 
helms, die  andere  in  den  Vorlanden  lag,  die  Leopold  verwaltete. 
Ein  Krieg  beider  Herzoge,  in  den  er  mit  hineingezogen  wurde, 
konnte  ihn  eine  seiner  Grafschaften  kosten.  Ihm  musste  daher 
vor  allen  an  einer  friedlichen  Lösung  der  Frage  gelegen  sein,  und 
er  wird  seineu  ganzen  Einfluss,  der  wenigstens  auf  Leopold^)  sicher 
bedeutend  war,  aufgeboten  haben,  eine  solche  herbeizuführen.  Dem 
gemäss  erscheint  er  auch  im  vorerwähnten  Friedensinstrumente  von 
1396,  das  unterzeichnet  ist  von  den  beiden  Herzogen,  dem  Bischof 
Berthold  von  Freisingen,  Kanzler  Herzog  Wilhelms,  den  Bischöfen 


^)  Vgl.  das  nähere  darüber  bei  Lichnowsky,  Geschichte  4  ff.,  und  Mayer, 
Geschichte  Oesterreichs  I,  182. 

')  Das  nahe  Verhältnis  Hugo's  zu  Leopold  III  hatte  sich  auf  seinen 
Sohn  Leopold  lY  vererbt.  Am  5.  April  1393  war  Hago  mit  einigen  andern 
Herren  diesem  Mitgülte  gegenüber  Ulrich  von  Ems  für  eine  gemeinschaftUch 
aufgenommene  Schuld.  Die  Orig.  Urk.  im  Statthalterei- Archive  zn  Innsbruck; 
Bftg.  im  Anzeig.  f.  Schweiz.  Gesch.  1864,  pag.  26.  Andere  und  stärkere  Be- 
lege  bringen  die  folgenden  Blätter. 


XLI 

Georg  Ton  Trient  und  Ulrich  von  Brixen,  Kanzler  Herzog  Leopolds, 
Yon  dem  Grafen  Hugo  von  Montfort,  dessen  Hofmeistert 
und  yon  Heinrich  von  Hotembarg,  Hauptmann  an  der  Etsch ;  weiter 
noch  von  den  beiden  Hofmeistern  Herzog  Wilhelms  und  den  nenn 
Kammermeistem  der  beiden  Herzoge^).  So  war  dieser  Kelch  der 
Prüfong  an  Land  und  Fürsten  ungeleert  vorübergegangen. 

Diese  Urkunde   vom  30.  März    1396    gibt    uns  zugleich   den 
Beleg,   dass   Hago   in   diesem   Jahre   die  eine   der   höchsten 
Würden  am  Hofe  Herzog  Leopolds  bekleidete.  Dieselbe 
besass  er  nach  drei  andern  Urkunden   auch  im  Jahre   vorher  und 
im  Jahre  nachher.     Am  '^0.  Juui   139')  scbliesst  eine  grosse  Zahl 
geistlicher   und  weltlicher  Herren   in   den  Vorlanden    ein   Bündnis 
mit  Herzog  Leopold  gegen  die  Grafen  von  Werdenberg  vom  Heili- 
genberg,   welche    die   ersteren   langtzit   und  noch   teglch  irrenU 
vorhaben  und  bekriegend  wider  Merkt.    Dabei  wird  auch  bestimmt, 
dass  die  Ansprüche  der  Katharina  von  Werdenberg  auf  die  Feste 
und   Stadt  Werdenberg   von   ihrem  Gemahl  Heinrich   von  Vadutz 
und  vom   Bischof  Hartmann   von  Chur  vor  den  edeln  unsern 
lieben  Oheim^   Grafen  Haug  von  Montfort^    unsern 
Hofmeister^  gebracht  werden  sollen,  damit  dieser  mit  vier  andern 
Räten  darüber  entscheide^).     Am  24.  November    1395   unterwirft 
sich  Hans  von  Luphen  zu  Stulingen,  nachdem  er  mit  Herzog  Leo- 
pold übereingekommen,  ihm  alle  seine  Habe,  stürbe  er  ohne  Söhne, 
zu  vermachen,    dem   Ausspruche   eines   Schiedsgerichtes,    dem   der 
herzogliche  Hofmeister,  Graf  Hugo  vonMontfort,  vorge- 
sessen, und  das  bestimmt  hatte,  was  ihm  df^r  Herzog  über  die  bereits 
gezahlten  300  fl.  desshalb  noch  zu   geben  habe  3).    Am  10.  April 
1397    wählt   der  Markgraf  Bernhard   von  Baden   im  Einverständ- 
nisse mit  Herzog  Leopold  von  Oesterreich  dessen  Hofmeister 
Hugo  vonMontfort  m.  a.  zum  Schiedsrichter  in  seiner  Streit- 
sache mit  den  österreichischen  Städten  und  Beamten  der  Grafschaft 
Hohenberg,  Rottenburg  und  Horb*). 


*)  Vgl.  Lichnowsky,  Gesch.  V,  11,  und  die  Urkunde  bei  Kurz,  Albrecht 
IV,  I,   163.     Hngo  steht  an  der  Spitze  der  weltlichen  Herren. 

*)  Die  Urkunde  bei  Moor,  Codex  diplom.  IV  Bd.,  Nr.  201 ;  ein  mangel- 
hafter Auszug,  dazu  noch  falsch  datiert,  bei  Lichnowsky,  Reg.  IV,  2493. 

5)  K.  k.  geh.  H.  H.  und  Staatsarchiv  in  Wien  Rep.  VI. 

*)  Herrgott,  Genealogiae  diplomaticae  aug.  gentis  Habsburgicae  II  Bd., 
n  TeU,  p.  776,  Nr.  898. 


XLII 

Der  Hofmeister  war  der  oberste  Leiter  des  geaammten  Hof- 
hund Yerwaltungswesens  des  Herzogs;  daza  wurden  selbstverständ- 
lich nur  tüchtige  und  vertraute  Männer  auserlesen,  welche  das 
volle  Vertrauen  des  Fürsten  besassen  und  sich  einer  allgemriuen 
Achtung  und  eines  weiten  Ansehens  erfreuten.  Die  angeführten 
Urkunden,  in  denen  Hugo  durchweg  um  seinen  Schiedsprucb  an- 
gegangen wird,  genügten  an  sich,  das  zu  beweisen.  —  So  wirkte 
Hugo  wieder  mitten  im  öffentlichen  Leben. 

Auch  seine  erneute  Tätigkeit  in  der  Verwaltung  der  eigenen 
Besitzungen  und  seine  Beziehungen  zu  den  nachbarlichen  Herren 
können  wir  an  der  Hand  einiger  Urkunden  verfolgen.  Am  11.  März 
1399  ist  er  bei  der  Vereinbarung  der  Gebrüder  von  Schellenberg 
und  des  Grafen  Heinrich  von  Montfort-Tettnang  tätig  und  besiegelt 
die  diesbezügliche  Urkunde  ^).  Im  December  d  Js.  bezeugt  und 
besiegelt  er  mit  dem  Grafen  Heinrich  von  Montfort-Tettnang  uijd 
Hans,  dem  Truchsäss  von  Waldburg,  eine  Urkunde  seines  Neffen 
Wilhelm  IV  von  Bregenz,  worin  dieser  den  Leuten  des  Grafen 
Donat  von  Toggenburg  im  Thurtale,  Neckartale,  Litisburg  etc.,  die 
er  als  Gemahl  Kunigundens,  des  letzten  Sprösslings  des  gen.  Toggen- 
burger,  alsbald  zu  erben  hoffce,  die  gewohnten  Rechte  und  Frei- 
heiten verbürgt^).  Am  31.  Aug.  1395  gelobt  Geryg  der  Neckar, 
Bürger  zu  Lindau,  den  Bürgern  daselbst,  welche  ihm  die  Stadt 
verboten  haben,  den  Brief  zu  halten,  welchen  er  seinem  Herren, 
Graf  Hugen  v.  M.,  gegeben  habe^).  Am  6.  Juni  1396  verkauft  Hans 
der  Orter  mit  Erlaubnis  seines  Lehensherren  Hugo  v.  M.  Haus 
und  Hof  an  Rudolf  von  Pernekk^).  Ebenso  verkauft  Ott  der 
Chrottendorffer  1 398  an  Hans  von  Winden  die  Güter  zu  Samekk, 
Gharperg,  Saichenekk  und  Strobelberg,  die  sämmtlich  Lehen  von 
Hugo  waren  ^).  Am  19.  Aug.  1396  vergleicht  sich  Hugo  mit 
seinem  Vetter  Wilhalm  von  Bregenz  hinsichtlich  der  eigenen  Leute 
Heinrich  Mul  und  Claus  Leber  und  deren  Weiber  und  Kinder^). 
1397   verträgt  er  sich   mit  dem  Prälaten  Heinrich  von  Mebreraa 


^)  Lang-Freyberg,  Reges ts  Boica  XI  Bd.,  150. 

*)  Toggenburger  Archiv,  Urk.  Nr.  3;  Zösmair  III,  46. 

^)  Lang-Freyberg,  Begesta  Boica  XI  Bd.,  50. 

^)  Steiermark.  Landesarchir  Nr.  3883a. 

&)  Steiermark.  Landesarchiv  Nr.  3932. 

^  Lan^-Freyberg,  Begesta  Boica  XI  Bd.,  81« 


XLIII 

•Waffen  Leibeigene  durch  ein  W^'chsel^);  im  Juni  1399  gestattet 
er  dem  P&rrer  Ton  Bregenz  eine  Schenkung  an  Mehrerau^);  am 
21.  März  d.  Js.  bestimmt  er  dem  Benedictiner  Abt  Deinrich  za 
Bregenz  in  der  Au  and  dem  Gonvente  daselbst,  als  ihr  gnädiger 
herr^  die  Rechte  über  die  eigenen  Leute  des  Klosters  umb  Taler- 
do^'ff^  Qruenfnpa(h  und  Möttenpach,  gibt  ihm  die  Erlaubnis, 
die  Holz-  und  Heuwüster  zu  strafen,  fixiert  die  Abgaben,  welche 
die  Bauern  dem  Kloster  geben  müssen.  Alles  ist  gewissenhaft 
und  aocurat  detailliert,  besonders  auch  die  Verpflegung  des  Abtes: 
wo  dei  Abt  auf  einem  Hofe  zwischen  fünf  und  zehen  acht  Hing 
Pfenning  gelte  haf^  da  soll  man  in  beherbergen  und  auaehalten 
mit  dem' besten^  so  es  der  Pawer  im  Ilauss  hat,  und  nach  wein 
und  weissbrot  ausscJifkhen  auf  ain  pferd  und  ainen  fuessknecht 
und  ainen  hundt.  Wo  er  aber  über  zehen  scMlUng  gelts  hat^ 
da  soll  solhe  underhaltung  beschehen  auf  drew  Pferd  järlich 
ainest.  Item  mag  der  Abbt  nit  reiften,  so  mag  Er  ainen  Mvr- 
nich  für  in  schlichen^  solh  herbergen  dermassen  einzenemen^  doch 
in  das  gotzhauss  ze  schaffen^). 

Seit  1395  erblickten  wir  Hugo  wieder  in  mancherlei  Streitigkeiten, 
aber  nie  war  er  selbst  Parteimann,  stets  nur  Friedensrichter  und 
Vermittler.  Imgleichen  waren  seine  Beziehungen  zu  den  Nachbarn 
und  eigenen  Leuten  nur  friedlicher  Natur.  Das  zeugt  nicht  zum  ge- 
ringsten von  Hugo^s  Ansehen  und  Macht;  denn  diese  beiden  waren 
damals  wie  heute  die  mächtigste  Schutzwehr  gegen  Feinde  jeglicher 
Art.  Auf  seinen  vorarlbergischen  Besitzungen  lebte  man  damals, 
wenn  auch  nicht  lange,  eine  glückliche  Zeit:  die  Verbesserung  der 
Münzordnung,  viele  Käufe  und  Verkäufe,  Bestätigungen  gewohnter 
Rechte  und  Freiheiten,  Heiraten  und  Erbschaften  bildeten  die  Gre- 
sohichte  dieser  Gregend.  Es  ist,  als  hätte  sich  ein  Widerschein 
von  Hugo^s  eigenem  Glücke,  in  dem  er  seit  Mitte  der  Neunziger- 
jahre lebte,  darüber  verbreitet  Sein  Herz  hatte  sich  wieder  er- 
wärmt, und  frische  Neigung  darin  zu  keimen  begonnen,  welche  der 
jungen  Gräfin  dementia  von  Toggenburg,  der  Tochter  des  Grafen 
Diethelm  und  der  Gräfin  Katharina  von  Werdenberg,  galt.  Neuer- 
dings erwachte  die  Sangeslust;  wir  hören  wieder  das  Lob  der  seligen 


^)  Mehreraner  Chronik  ron  6.  F.  IUnsp«rg  pag.  86. 

')  Im  XVn  Jahresbericht  des  Bregenzer  Maseums  pag.  49. 

»)  Innsbr.  Schatzarchiv  IV,  702. 


XLIV 

Frauen,  die  den  Mut  erhöhen  (16,  56),  Trauer  und  Leid  ver- 
scheuchen (16,  bO,  74).  Nr.  16  wird  die  erste  Blüte  dieser  neuen 
Liebe  sein.  An  einem  schönen  Maientag  kommt  dem  Dichter 
liebe  Botschaft  zu.  Das  macht  ihn  fröhlich  und  wohlgemut.  Die 
lachende  Frählingsnatur  passt  zu  seiner  Stimmung,  und  er  hebt 
eine  lustige  Rede  an,  worin  er  den  Vergleich  des  Maien  mit  den 
i>Yauen  durchführt,  selbstverständlich  sehr  zu  Ungunsten  des  er- 
steren:  was  bedeutet  des  Maien  ganze  Pracht  gegen  schöne  Frauen? 
Ein  süsser  Ton  aus  ihrem  Munde  geht  über  Vogelsang  und  Glocken- 
klang ( 1 6,  32  ;  allen  Blumenglanz  überstrahlt  das  rote  Möndlein, 
aus  dem  die  feinen,  weissen  Zähne  leuchten;  und  dann  erst  die 
Blumen  der  lieben,  klaren  Augen,  welche  die  Herzen  fesseln  (16, 
40)!  Wie  der  Dichter  beim  Preise  der  Frauen  von  der  Mehrzahl 
in  die  Einzahl  übergreift,  merkt  man,  dass  sich  vor  seiner  Seele 
ein  bestimmtes  Bild  von  der  gepriesenen  Gattung  loslöst  und 
in  den  Vordergrund  tritt  ^).  Das  Recht,  dabei  an  dementia  zu  den- 
ken, geben  die  folgenden  Gedichte  und  deren  Zusammenhang.  Nach 
Vers  45  und  46  waren  die  beiden  damals  noch  kaum  vermählt. 
Dasselbe  scheint  auch  ein  sinniger  Zug  in  der  Zeichnung  der  Initiale 
anzudeuten:  im  M  sitzt  eine  jugendlich  zarte,  grün  gekleidete  Frau, 
auf  den  grünen  Kranz  niederlächelnd,  den  sie  in  ihrer  Hand  hält. 
In  der  Initiale  von  Nr.  19  hat  die  Frau  in  derselben  Kleidung 
mit  demselben  Kranze  bereits  ihr  Haupt  geschmückt.  Das  Jahr, 
in  welchem  die  Ehe  geschlossen  worden^),  ist  mit  Bestimmtheit 
nicht  anzugeben,  wahrscheinlich  1395;  gewiss  ist  nur,  dass  sie 
1396  bereits  verheiratet  waren  ^). 

Diese  Verbindung  war  vom  Anfang  an  bis  zu  ihrer  Lösung 
durch  den  Tod  eine  sehr  glückliche;  das  beweisen  alle  Gedichte, 
die  in  dieser  Zeit  entstanden  sind.  Nr.  18  spricht  von  grosser 
Sehnsucht  nach  der  fernen  Gemahlin.     Sie   erscheint  ihm  nachts 


*)  Darauf  weist  auch  die  Initiale  derHs.  mit  der  Franenfig^nr.  Solche  Zeich- 
nungen begegnen  nie,  wo  der  Dichter  nnr  von  den  Frauen  im  allgemeinen 
spricht,  sondern  nur  bei  Gedichten,  die  an  eine  bestimmte  Fraa  gerichtet  sind 
(Nr.  16,  19,  20,  29). 

')  Da  Clementia*s  Yater  schon  seit  1385  todt  war,  übernahm  ihr  Bruder 
Friedrich  VI,  der  letzte  Graf  von  Toggenburg,  die  Aussteuer.  Darunter  war 
hauptsächlich  eine  Schuldverschreibung  von  4000  fl.,  von  der  noch  wiederholt 
die  Rede  gehen  wird. 

^J  Vgl  Weinhold  a.  a.  0.  VII,  136. 


XLV 

in  Traamen,  er  glaubt  sie  in  seinen  Armen,  erwacht  und  hält  das 
Kissen  umhalst  (6).  Seine  Liebe  und  Treue  kann  nicht  mehr 
überboten  werden,  er  will  sie  bewahren  bis  zum  Grabe  (107). 
Aber  ein  trüw  hilft  dn  die  andern  nit  (33):  auch  sie  soll  die 
Liebe  graben  mit  Treue  in  ihr  Herz^),  dann  ist  froher  Sion  ihr 
beider  Irohn  (59);  Gross  ist  die  Gewalt  der  Liebe  (61  ff.):  alle 
Greaturen  der  Erde  fühlen  sie,  ja  selbst  über  das  irdische  reicht 
sie  hinaus:  ze  Mmel  und  ze  hell  ist  liehi  mit  dem  rechten  ..ge- 
puwen  und  gesprochen  hat  liehi  als  volbracht;  aus  Liebe  verliess 
Gott  selbst  den  Himmel  und  wurde  Mensch.  —  Das  wirkt  gerechti 
lieb.  Ihr  Schattenbild  ist  die  ungerechti  liebf  welche  die  Welt 
betört  und  zur  ewigen  Verdammnis  führt.  Bei  diesem  Gedanken 
ziehen  böse  Erinnerungen  an  ihm  vorüber:  Aon  ich  ie  unrecht 
lieb  ghebt  hi^  herr  got^  tuo  mir  vergeben  (93)  /  ^)  Mit  einer 
längeren  moralisatio  gelangt  er  wieder  zum  Preise  der  Frauen,  die 
die  grössten  Helden  bezwungen,  welche  jemals  das  Schwert  in  die 
Hand  genonmien  haben.  Schliesslich  wendet  er  sich  zu  Gott,  der  seine 
Liebe  kennt  (178),  mit  der  Bitte,  ihnen  beiden  seine  Gnade  zu  be- 
wahren und   ein  glückliches  langes  Leben  zu   schenken   (161  ff.)» 

Nr.  19  und  20  sind  Briefe  an  dementia.  19  ist  ge- 
dichtet in  grosser  hell;  aber  die  Gedanken  an  seine  ferne  Frau 
hitzen  sein  Herz,  machen  ihm  den  Winter  maiengleich.  Ihr  Bild 
lebt  in  ihm  unauslöschbar,  als  wäre  es  in  Edelstein  geschnitten; 
sie  ist  ihm  das  teuerste  von  allem,  nur  Gott  allein  ausgenommen 
(18);  mit  reinem  Gewissen  kann  er  ihr  Grass  und  Treue  entbieten. 
Nr.  20  fahrt  in  demselben  Tone  fort;  die  nämlichen  Beteurungen 
seiner  Liebe  und  Treue,  seiner  grossen  Sehnsacht,  die  er  nicht 
zu  schildern  vermag,  wiederholen  sich,  dementia  hatte  seinen 
firüheren  Brief  bereits  beantwortet  (40  ff.)  und  ihn  darin  gleichfalls 
ihrer  Liebe  und  Treue  versichert:   des  ich  ir   sicher  danken  sol- 


*)  Wenn  Hugo  in  diesem  Gedichte  um  Zeichen  ihrer  Treue  und  Gegen* 
liebe  bittet,  so  geschieht  es  nicht  etwa  aus  Misstrauen  gegen  ihre  Beständig- 
keit: ich  hdn  zuo  ir  doeh  allen  tröst  (187)  —  und  nu  hin!  ich  getrüw  ir  zwar 
des  betten  ,  ,  .  ti  bedarf  mir  tne  keinn  bürgen  setzen,  ir  er  behuet  der 
ewig  got  (269).  Es  liegt  eben  in  der  Natur  des  Menschen ,  sich  durch 
äussere  Zeichen  fortwährend  Tom  wirklichen  Besitz  eines  Kleinods  zu  über- 
zengen. 

*)  Schon  aus  dieser  Stelle  allein  würde  sich  ergeben,  dass  Hugo  damal^ 
gereehti  Heb  hatte,  d«  h.,  dass  die  Heirat  bereits  TcUzogen  "WSiX. 


XLVI 

Die  öftere  Abwesenheit  Hugo's  von  seinem  Hanse,  welche  die 
drei  letztgenannten  Gedichte  dartun,  erklärt  sich  leicht,  da  oben 
urkundlich  nachgewiesen  wurde,  dass  er  von  1395 — 97  Hofmeister 
Herzog  Leopolds  und  somit  häufig  an  dessen  Umgebung  gebunden 
war.  Nr.  21  wird  in  Glementia's  Nähe  entstanden  sein.  Ihr  schöner 
Leib  erfüllte  ihn  mit  sinnlicher  Glut,  und  er  beginnt ^  ein  neues 
Genre,  das  nur  in  Nr.  3  sein  Analogen  hat,  aber  dasselbe  weit 
überbietet.  PYeilich  war  nun  das  zu  Grunde  liegende  Verhältnis 
ein  ganz  anderes:  damals  war  es  nach  Hugo^s  Auffassung  sünd- 
hafte, nun  gerechte  Liebe;  daher  die  naive  ungestörte  Freudigkeit, 
mit  der  er  entzückt  den  Vorhang  aufhebt  und  Clementia*s  Vorzüge 
zeigt.  Der  folgende^)  datierte  Brief  (1396)  aus  Ensisheim  (Nr.  23) 
liefert  ein  Seitenstück  dazu;  zwar  ist  diesmal  das  Gemälde  nur 
zum  Brustbilde  gediehen,  dafür  aber  sind  neben  den  körperlichen 
auch  geistige  Vorzüge  aufgetragen:  sie  besitzt  frauenhafte  Zucht, 
Sittsamkeit  und  Selbstbeherrschung,  die  Zierde  eines  edeln  Stam- 
mes, dazu  Gottesfurcht  und  ein  zartes  Gewissen :  sie  ist  ein  tadel- 
loses Weib  an  Geist  und  Körper. 

•  Die  folgenden  Gedichte  Nr.  24,  22,  25  und  26  fallen  ab  von 
der  heitern  Weise  der  fünf  vorausgegangenen.  Es  ist,  als  hätte 
sich  eine  längere  Pause  dazwischen  gelegt,  die  zwar  des  Dichters 
Liebe  und  Treue  zu  seiner  Gemahlin  und  seinem  ehelichen  Glücke 
nichts  anzuhaben  vermochte,  aber  die  Unbefangenheit  im  Genüsse 
weggenommen  und  dafür  neuen  Ernst  und  erhöhte  Frömmigkeit 
gebracht  habe.  Das  bedeutet  wieder  eine  Schwenkung  in  jenem 
langen  Kampfe,  den  Grott  mit  der  Welt  um  unsern  Dichter  führte. 
Wir  haben  gesehen,  wie  in  seiner  Jugend  die  letztere  ihn  ganz 
allein  besessen,  wie  aber  dann  die  zunehmende  Reife  und  der  er- 
wachende religiöse  Sinn  ihn  allmählich  in  die  kirchliche  Moral  und 
zu  Gott  hindrängte,  und  wie  endlich  der  Tod  Margaretha*a  eine 
vollständige  Niederlage  der  Welt  mit  sich  führte.  Allein  die  Zeit, 
die  andern  oben  berührten  Verhältnisse  und  besonders  dementia 
bewirkten  eine  Versöhnung  zwischen  beiden  Mächten,  so  dass  sie 
sich  nun  neben  einander  vertrugen:  der  Dichter  genoss,  was 
er  für  erlaubt  hielt,  dachte  dabei  an  Gott  und  betete;  ja  in 
Nr.  2L  und  23  gewann  es  den  Anschein,  dass  die  Welt  neuer- 
dings das  Uebergewicht  erringen  sollte.     Aber  alsbald  folgte  eine 


^  üeher  diese  Reihenfolge  TgL  Abh.  III. 


XLVII 

Beaction,  deren  Aasbreitang  zanimmt  mit  den  Jahren  des  Dichters. 
Eine  ttberreligiöse  Anschaaangsweise  beginnt  sich  wieder  gel- 
tend zu  machen,  eine  Peinlichkeit  des  Gewissens,  die  in  das  öber- 
triebeoe  geht:  er  will  alles  meiden,  was  aach  nur  den  Schein  eines 
Unrechts,  aach  nar  die  leichteste  Gefahr  zur  Sünde  mit  sich  brin- 
gen könnte.  Aach  seine  Umgebang  will  er  auf  diesen  Standpunkt 
bringen;  der  Hang  zar  Didaxis  ist  in  ihn  gefahren:  anstatt  die 
Grewalt  der  Frauen  über  die  Männerherzen  zu  preisen,  die  Vor- 
züge seiner  Gemahlin  zu  schildern,  wie  er  vorher  getan,  setzt  er 
sich  in  den  folgenden  Gedichten  die  Aufgabe,  dieselbe  und  alle, 
die  ihn  lesen,  zu  belehren  und  zu  gottesfürch tigern  Wandel  zu  \ 
ermahnen.  Frau,  willst  du  wissen,  so  beginnt  er  Nr.  22,  was 
auf  dieser  Welt  dein  Glück,  deine  Ehre,  dein  Gut  ausmacht?  — 
Das  ist  Gott  allein.  Nur  auf  seinen  Dienst  musst  du  bedacht 
sein.  Den  freien  Willen,  den  er  uns  gegeben,  müssen  wir  hier 
dazu  anwenden,  uns  dort  vom  ewigen  Tod  zu  erretten.  Wer  eiteln 
Freuden  nachgeht,  erfährt  oft  schon  hier  den  bösen  Lohn  dafür 
and  bringt  Bitterkeit  in  seine  alten  Tage.  Darum  ist  die  Gottes- 
furdit  der  Anfang  der  Weisheit ;  denn  wer  diese  im  Herzen  trägt, 
der  meidet  jede  Sünde.  In  Nr.  24  wird  die  Frage  behandelt, 
woher  die  Haaptübel  auf  der  Welt  kämen.  —  Von  wiben  und  giti- 
keit  Er  belegt  das  mit  Beispielen.  Um  Helena,  die  schöne  von  Grie- 
chenland, ward  Troja  gebrochen;  ihretwegen  Hess  mancher  Held 
and  selbst  Hektor  das  Leben.  David,  Salomon,  Samson,  Absolon 
a  nd  Aristoteles  zogen  schöne  Frauen  ins  Verderben.  Zu  Etzelburg, 
wo  Dietrich  von  Bern  seine  Mannhaftigkeit  bewährte,  stürzte 
Eriemhielt,  die  schöne  vom  Rhein,  alle  Helden  in  Drangsal  und 
Untei^ang.  So  haben  die  Frauen  der  Welt  grosses  Leid  getan. 
Aber  er  will  sie  nicht  schelten;  denn  es  gibt  unter  ihnen  auch 
selffü  iJüib  mit  rechtem  muof^  die  Gott  liebt,  und  die  der  Welt 
grosses  Glück  bringen.  Das  Supplement  zu  den  üblen  Weibern 
bildet  der  Geiz  (24,  72  ff.),  der  mit  Mord,  Meineid  und  Verräterei 
die  Welt  verwüstet.  Wer  sich  vom  Herrn  Geiz  ergreifen  lässt, 
achtet  weder  Ehre  noch  Seele.  —  Das  habe  ich,  versichert  der  Dichter 
wiederholt,  durch  vieles  Nachdenken  gar  wohl  erkannt:  nur  wankel- 
lose Rechtschaffenheit  führt  zum  guten;  den  Freuden  der  Welt 
folgt  grosses  Leid,  all  ihr  süsses  Geigen  bringt  am  Schlüsse  doch 
nor  sdilimmen  Lohn.  So  bleibt  dem  Menschen  nur  Entsagung. 
Damm  will  Hago  jetzt  selbst  von  den  weltlichen  Ged\c\k\;^Ti\9c&;äföv^^\& 


XLvm 

er  sie  bisher  seiner  Gemahlin  gemacht  (24,  97  nnd  daza  24, 
5—16).  Schon  früher  hatte  er  einmal  dieöen  Vorsatz  gefasst; 
allein  seine  Frau  wolt  haben  suesd  wortj  mit  rimen  schon  ge* 
messen.  Ihrem  Wunsche  vermochte  er  nicht  zu  widerstehen :  min 
hertz  wil  doch  nun  wie  si  wil  (11);  aber  jetzt  soll  der  Vor- 
satz gehalten  werden.  Freilich  fallt  es  ihm  auch  nunmehr  schmerz- 
lich :  ach  gotj  sol  ich  der  frowen  min  suessi  wort  nicht  tichten 
merl  —  Aber  es  muss  sein,  es  tueje  wol  oder  we  (107).  Man 
merkt  die  zunehmende  Ueberspannung,  in  die  er  sich  gegen  sein 
gesunderes  Gefühl  hineinraissonniert.  In  ähnlicher  Weise  wie  in 
Nr.  18  (160—172)  wendet  er  sich  in  Nr.  24  zu  Gott  mit  Bitten 
für  sich  und  seine  Gemahlin ;  während  er  aber  dort  auch  um  leib- 
liche Güter  und  zeitlichen  Segen  flehte,  liegt  ihm  hier  nur  das 
Heil  der  Seelen  an. 

Der  Vorsatz  hielt  nach:   auch  die  nächstfolgenden  Producte 
sind  nicht   der  Welt  zur  Lust,    sondern   zur  Belehrung   gedichtet 
Von  Nr.  22  haben   wir   schon  gesprochen.    In   Nr.   Ü5  stellt   der 
Dichter  in  einem  Beinhaus  bei  Todtenschädeln  und   nacktem   Ge- 
bein Betrachtungen  an.  Vor  seiner  Phantasie  erhalten  die  Knochen 
wieder   Fleisch    und  Leben,  wie  sie  es  ehedem  besessen;    sie    er- 
heben sich  und  sprechen.  Zuerst  ein  Weib,  die  einst  grosse  Schön- 
heit hatte  und  viel  Geist.     Aber  sie  war  hoffartig   und   wankel- 
mütig, die  Lust  war  ihr  Gesetz,  ihre  Liebe  lag  nicht  in  der  Ehe; 
daher  ist  sie  verloren  für  immer.   Alsdann  spricht  ein  Herr.   Auch 
er  war  einst  Wohlgestalt  an  Leib  und  Antlitz,  besass  Verstand  und 
grosse  Macht  über  Land  und  Leute.     Aber  er  missbrauchte  seine 
Macht  zu  Ungerechtigkeiten,  seinen  Verstand  zu  diebischer  Schlau- 
heit   und  brach   seine   Ehe.      Nun  hat    er   dafür   ewiges  Leiden 
ohne  Ende.    Diese  beiden  stellt  der  Dichter  als  abschreckende  Bei- 
spiele hin  für   alle,  die  hier  noch  in  Sünden  wandeln.   Eine  dritte 
Gestalt  erhebt  die  Stimme,  eine  Frau,  die  einst  schön  und  gottes^ 
fürchtig  war.   Sie  liess  sich  von  falscher  Minne  nie  betriegen,  lebte 
in  heiliger  Ehe,  war  demütig,  massig,  wohlerzogen,  emsig  und  mild- 
^*ig  gegen  die  Armen,  floh  Neid  und  Hass,  verderblichen  Klatsch, 
Luxus,  ungerechtes  Gut  und  tat  mit  Gebeten  dem  Teufel  weh:  so 
erreichte  sie  ein  vergnügtes  Leben,  ein  hohes  Alter  und  liess  ihren 
Erben  Ehre   und  Gut  zurück.    Als  man   sie  in  die  Erde   legte, 
führte  Gott  ihre  Seele  zu  den  ewigen  Freuden.    In  gleicher  Weise 
erzählt  ein  Herr  sein  frommes  Leben,  wofür  er  eingehen  durfte  io 


XXIX 

die  ewigen  Freuden,  die  auch  allen  denen  bereitet  sind,  die  seinem 
Beispiele  folgen. 

Auch  bei  aller  Trübseligkeit  dieses  Gediohtes  glänzt  noch  das 
Lob  einer  glücklichen  Ehe,  die  Ilago  selbst  lebte,  durch  die  Zeilen. 

In  Nr.  26  wendet  sich  der  Dichter  in  briefähnlicher  Form 
wieder  direct  an  dementia  mit  Lehren  zu  einem  gnten,  gottgefälligen 
Lebenswandel  £s  ist  das  letzte  Gedicht,  in  dem  sie  noch  lebend 
erscheint;  wohl  schon  am  Beginne  des  neuen  Jahrhunderts^)  kam 
ihr  Todestag. 


^)  Das  Todesjahr  Clemeiitia*s  lässfc  sieh  urkundlich  nieht  belegen.  Berg- 
mann (Sitz.  Ber.  IX,  816  und  817)  dachte  an  1401 ;  denn  er  glaubte  an 
einen  Brief,  welchen  Hugo  1401  ^an  seine  Gemahlin  (dementia)  aus  Wien 
in  rielen  Geschäften^  geschrieben,  und  wusste,  da[ss  Hugo  1402  bereits  zum 
dritten  Male  verehelicht  war.  Allein  der  angezogene  Brief  ist  von  1402  und 
an  seine  dritte  Gemahlin  gerichtet.  —  Weinhold  (a.  a.  0.  137j  setzte  dementia*  s 
Tod  gleichfalls  in  die  ^Mitte  oder  das  Ende  1401^ ,  weil  sie  bei  der  Ent- 
stehung von  Nr.  31  (1401)  noch  lebte.  Nr.  31  müsste  demnach  vor  Nr.  28, 
worin  Hugo  ausdrücklich  dementia  als  gestorben  anführt  (313  ff.),  gestellt 
werden,  was  aber  mit  entscheidenden  Gründen  abzulehnen  ist  (siehe 
Abb.  III):  damit  haben  die  bisherigen  Ansätze  ihre  Grundlage  verloren,  und 
die  Datierung  muss  von  neuem  beginnen.  Ausgangspunkt  bleibt  dabei  immer 
Hugo's  dritte  Ehe  mit  einer  Witwe  Anna  t.  Neuhaus.  Dafür  ergeben 
sich  als  zwei  uvkundlich  gesicherte  Grenzen  der  6.  September  1399  (der 
Todestag  von  Anna's  erstem  Gemahle)  und  der  4.  April  1402  (wo  Anna 
urkundlich  als  Gemahlin  Hugo^s  auftritt).  Die  letztere  Grenze  lässt  sich 
noch  enger  ziehen  durch  Nr.  34,  einen  Brief  Hugo*s  an  seine  dritte  Frau, 
der  gegeben  ist  ze  Wienen  in  der  vasten  1402.  In  diesem  Jahre  fiel  aber 
Ostersonntag  schon  auf  den  26.  März ;  dazu  ist  bekannt,  dass  man  9  Wochen  Tor 
Ostern  nicht  heiraten  durfte  (Weinh.,  deutsch.  Frauen  p.  248),  und  es  bleiben  für 
den  Abschluss  der  Ehe  höchstens  ein  paar  Wochen  Ton  1402,  Wollte  man  nun  an- 
nehmen, dass  dementia  erst  in  der  zweiten  Hälfte  von  1401  gestorben  sei,  so  wäre 
es  doch  sehr  auffallend,  dass  Hugo  ^das  Andenken  an  seine  geliebte  dementia 
nicht  durch  einen  längern  Witwerstand  geehrt  hätte^:  zwischen  der  ersten  und  zwei- 
ten Ehe  lagen  wenigstens  ein  paar  Jahre.  Wir  müssten  einen  ausreichenden 
Gnind  haben,  um  dieser  Annahme  Glauben  schenken  zu  können;  allein  der 
fehlt,  rielmehr  erscheinen  Andeutungen,  welche  den  Tod  Clementia*s  bedeutend 
Ton  der  dritten  Heirat  zurückschieben.  Sieben  der  längsten  Gedichte  Hugo^s, 
ein  Vierteil  seiner  sämmtlichen  Yerse,  fallen  dazwischen,  die  sicher  nicht  alle 
in  einigen  Monaten  entstanden  sind.  Dazu  haben  wir  innere  Gründe  dafür, 
dass  diese  Gedichte  noch  durch  Pausen  Ton  einander  getrennt  sind:  27,  173 
ergab  sieh  der  Dichter  mit  seinem  Schicksal ,  gegen  das  er  vorher  sich  auf- 
gelassen, in  den  Willen  Gottes;  28,  335  sagt  er:  ich  hans  längs  got  «r- 
geb^n^  and  die  darauffolgende  Strophe  ist  sicher  nicht  unter  dem  Gedanken 
einer  baldigen  neuen  Heirat  entstanden.     In  Nr.  31  nimmt  eT  ^VOdl  ^q\>   ^-aji 

Wackern  eil,  Montfort,  ^ 


dementia  mnss  nach  den  Andeutungen,  die  der  Dichter  frei- 
gebig von  ihr  ausstreut,  ein  treflFliches  Weib  gewesen  sein.  Aus 
altem  angesehenen  Edelgeschlechte  entsprossen,  stand  sie  zur  Zeit 
ihrer  Ehe  mit  Hugo  noch  in  jugendlicher  Blüte,  besass  seltene 
Schönheit  des  Körpers  und  Geistes,  hohe  Bildung^)  und  Vorliebe 
für  Dichtungen,  die  in  besseren  Adelskreisen  noch  immer  als 
besonderes  Zeugnis,  feiner  Sitte  galt  Nach  ihrem  Tode  hat  ihr 
Hugo  in  Nr.  28  ein  Denkmal  gesetzt,  wo  er  von  ihr  rühmt:  sie 
war  gottesfürchtig,  bescheiden,  züchtig,  friedfertig  und  kannte  weder 
Eitelkeit  noch  Leichtfertigkeit;  wie  zart  ihre  Jugend,  so  gross  war 
ihre  Tugend  und  Frömmigkeit:  unter  den  vielen  Frauen,  die  er  in 
seinem  Leben  gesehen,  hat  er  ihresgleichen  nicht  gefunden  (28» 
341—351). 

Daher  also  das  dauerhafte  Glück  dieser  Ehe  und  die  Schwere 
des  Verlustes,  den  der  Tod  neuerdings  dem  Grafen  anrichtete.  In 
sieben  langen  Gedichten  (Nr.  27 — 33)  oflFenbart  sich  sein  Schmerz 
über  Glementia*s  Tod. 

Nr.  27  klingt  wie  ein  Requiem  auf  dem  frischen  Grabe  seiner 
Gattin.  Die  Erde  erscheint  ihm  als  eine  öde  Heide  (27,  107), 
auf  der  jede  Freude  zur  Betrübnis  wbd.  Der  weise  Salomon,  ruft 
er  aus,  hat  wahrlich  recht  gesprochen,  wenn  er  sagt:  die  Welt  baue 
auf  Eis,  schon  von  Adam  her  sei  hier  nichts  als  Jammer  und  Not 
und  dann  Sterben  (121).   Das  musste  er  neuerdings  erfahren ;  denn 


Dichten  ganz  zu  lassen ;  denn  Mut  und  Kraft  dazu  ist  ihm  vergangen.  Einige 
Zeit  wenigstens  wird  er  den  Vorsatz  gehalten  haben,  bis  er  Nr.  32  mit  einem 
hinwider  heb  ich  tickten  an  begann.  Es  ist  demnach  Clementia*8  Tod  wohl  be- 
deutend Tor  Mitte  oder  Ende  1401  anzusetzen;  aber  Anhaltspunkte,  welche 
ein  bestimmtes  Jahr  dafür  bezeichnen  Hessen,  finden  sich  nicht,  oder  dürfte 
man  Tielleicht  anführen,  dass  Hugo  mit  seinem  Vetter  Wilhelm  am  3.  März  1400 
auf  dem  Schlosse  Hohenbregenz  eine  ewige  Messe  stiftete  und  am  27.  April 
d.  Js.  eine  Messenstiftung  auf  dem  Altare  zu  den  hl.  DreikOnigen  in  der  Pfarr- 
kirche zu  Bregenz,  die  ihr  verstorbener  Vetter  Hugo  gemacht,  rehabilitierte  (Tgl* 
über  diese  Urkunden  Hummel  im  XVIII  Jahresberichte  des  Bregenzer  Mu- 
seums p.  46)  ?  Bekanntlich  geschahen  solche  Acte  besonders  gern  bei  nahe 
gehenden  Todfällen,  um  damit  den  Seelen  der  Abgeschiedenen  die  Strafen  des 
Fegfeuers  zu  erleichtern  (vgl.  Kummer  (Minist.  Geschl.  d.  Wildonier)  im  Arch. 
f.  öst.  Gesch.  69,  202),  wie  denn  auch  Hugo  27,  201  Gott  bittet,  er  mSge 
der  Seele  seiner  yerstorbenen  Frau  (dementia)  U88  der  witsen  quel  helfen. 

')  Sie  schrieb  auch  die  Briefe  an  ihren  Gemahl  wahrscheinlich  mit  eigener 
Sand,  wie  20,  41,  verglichen  mit  3,  49  f.,  vermuten  lässt. 


LI 

er  hat  gross  lieh  verlorn  mit  sterben  hie  uff  erden  ( 1 29),  ja  so 
gross  hertzeleid  ist  über  ihn  gekommen,  dass  dagegen  alle  Freu- 
den, die  er  jemals  genossen,  ganz  verschwinden  (132).  Wie  er  so 
in  seinen  Gedanken  alle  Freuden  und  Leiden  abwägt,  die  er  erlebt, 
ergreift  ihn  der  Zorn;  denn  dreifaches  Leid  folgte  jeder 
seiner  Freuden  nach  (141).  Das  ist  zu  viel!  Er  tut  eine  ironi- 
sche Frage  über  sein  bitteres  Schicksal:  ist  das  tust?  —  das 
kan  ich  nit  bekennen  (145)!  Aber  gleich  findet  er  die  Fassung 
wieder  und  hält  inne:  —  Das  war  ja  Murren  gegen  Gottes  Vor- 
sehung? Reuig  bittet  er  um  Verzeihung :  vergib  mir,  werder  gott^ 
da  ich  mich  hdn  vergessen  vor  grossem  unmuot ,  .;  bitte  für 
miob,  Himmelskönigin,  beim  höchsten  Gott,  dass  er  meine  Trauer 
stille  (151  ff.).  Er  ergibt  sich  ganz  in  den  Willen  Gottes:  min 
herr,  min  vater,  min  hus^  min  hof^  all  min  hoffnung  Ut  an  dir 
(17ö),  erbarm  dich  über  mich  jammervollen  (178),  hilf  mir, 
dass  ich  ersterbe  in  deinem  Gebote  (187).  Schliesslich  betet  er 
für  das  Seelenheil  seiner  verstorbenen  Frau,  seiner  Eltern  und  an- 
derer. In  Nr.  28  nennt  er  ausdrücklich  den  Namen  seiner  Frau, 
deren  Tod  er  beweint :  grefinn  Ment  (Cleraentia)  was  si  geheissen 
(374).  Er  hat  sich  schon  lange  in  den  Willen  Gottes  ergeben  ^\  allein 
die  Erinnerung  an  sie  schwächt  sich  nicht  ab,  presst  ihm  das  Herz 
zusammen  (340).  Die  folgenden  fünf  Gedichte  setzen  diese  Klagen 
fort  in  ähnlicher  Art,  wie  wir  es  in  Nr.  4,  5  und  15  gesehen 
haben;  dieselben  Ausdrücke,  ganze  Strophen  und  Zeilen  wieder- 
holen sich,  auch  die  Neigung  zur  vita  contemplativa  tritt  wieder 
hervor,  und  er  ist  sich  dessen  bewusst,  denn  in  Nr.  29  lässt  er  sich 
von  der  Frau  Welt  zurufen :  und  hast  du  dann  ein  kutten  ges- 
sen  oder  wilt  du  in  ein  kloster  vamf  (25)  .  .  .  une  hast  du 
dich  verkeretl  (42).  Die  Klagen,  dass  hier  nur  Verwesung 
hause,  dass  froher  Mut,  Schönheit  und  Kraft,  alles  vom  Tode 
hinweggerafft  werde,  wiederholen  sich  unaufhörlich.  33,  113  ff. 
taucht  wieder  (wie  in  Nr.  4)  die  Erzählung  vom  jüngsten  Ge- 
richt auf;  wieder  begegnen  häufige  Anzeichen,  dass  er  mit  Vor- 
liebe theologischen  Meditationen  nachhieng  über  die  Allmacht,  Weis- 
heit und  Unergründlichkeit  Gottes,  über  den  Ursprung  des  Guten 
und  Bösen  und  den  freien  Willen  des  Menschen  (Nr.  30);  er 
polemisiert  gegen  die  Juden,    die  an  Christi  Geburt  nicht  glauben 


*)  Vergleiche  28,  335  und  dazu  27,  173. 


Ln 

wollen  (32,  93  ff.),  gegen  die  Heiden  mit  ihren  Götzen  (33,  105 ff.), 
gegen  den  Leichtsinn  und  Unglauben  der  Welt  überhaupt  (Nr.  29). 
Dazwischen  vernehmen  wir  Gebete  zu  Gott  und  seiner  Mutter  um 
Reue  und  Busse  und  insbesondere  um  Beistand  in  der  Stunde  des 
Todes  (30,  101  ff.). 

Damit  haben   wir  in  Hugo*s  Leben   wieder  ein  Stück  Freud' 

und  Leid,  eine  Periode  zurückgelegt.    Die  Charakteristik  derselben 

wurde,  so  weit  sie  die  geistige  Entwicklung   des  Dichters   betrifft, 

schon    gegeben;    die   seiner   politischen   Tätigkeit  aber   lässt   sich 

in    wenige  Worte   zusammenfassen:   sie    war   im  wesentlichen  nur 

eine    folgerichtige    Fortsetzung    der    unmittelbar   vorangegangenen. 

Wie   auf  Leopold   III  Leopold    IV   gefolgt   war,    so   hatte  sich 

das  nahe  Verhältnis   Hugo*s   von   jenem    auf  diesen   vererbt,   und 

wo  er  in  bedeutenderen  Äctionen  hervortrat,    geschah   es   in    der 

Umgebung  und  im  Interesse  des  Oesterreichers,  von  dem  er  wieder 

eines  der  höchsten  herzogl.    Äemter   erhalten    hatte.     Auf  seinen 

Besitzungen  war  er  diesmal   von   allen  Feinden  und  Anfechtungen 

verschont  geblieben :  es  war  nach  aussen  die  ruhigste  und  glücklichste 

Periode  seines  Lebens  gewesen. 

4.  Hngo's  letzte  Lebenszeit  nnd  insgang. 

Das  augenfälligste  Merkmal,  das  gleich  vom  Anfang  an  die- 
sen letzten  Leben»abschnitt  von  allen  vorangegangenen  unterscheidet, 
ist  der  Wechsel  des  Schauplatzes  seiner  politischen  Tätigkeit  Bis- 
her hauste  er  vorherrschend  in  Vorarlberg:  hier  wurden  die  mei- 
sten und  wichtigsten  seiner  Urkunden  ausgefertigt,  alle  Aemter,  die 
er  bekleidet  hatte,  trug  er  von  jenen  Herzogen,  welche  Tirol  und 
die  österr.  Vorlande  verwalteten.  —  Von  nun  an  aber  ist  er  mehr 
in  Steiermark  tätig,  empfängt  vom  steierischen  Herzoge  die  Aemter, 
wie  auch  hier  die  meisten  und  wichtigsten  seiner  Urkunden  ent- 
stehen, so  gleich  die  erste  derselben  vom  4.  April  1401,  nach 
welcher  Hugo  als  erwählter  Schiedsrichter  einen  Streit  der  Stuben- 
berger  mit  Otto  von  Lichtensteiu  entscheidet^).  Diese  Tatsache 
will  ihren  Erklärungsgrund  haben  und  wird  denselben  in  der  wei- 
tern Darstellung  finden. 

Beim  Tode  Glementia's  nahte  Hugo  erst  den   mittleren  Vier- 


')  Dt.  Leoben.  Im  Notizenblatt  (Beil.  zum  Arch.  f.  Rande  Ost.  Geschichts- 
o)  IX-   T>.  254.  Nr.  301. 


gaenen)  IX,  p.  254,  Nr.  301. 


Lm 

zigeijahren,  stand  also  noch  in  kräftigem  Lebensalter,  was  es  leicht 
motiviert,   dass   er  zum   drittenmale   heiratete.     Seine   neae   Ge- 
mahlin war  Anna  von  Neuhaus,  die  Witwe  des  letzten  männ- 
lichen Stadeckers  (f  1399)  '),  der  nur  eine  Tochter,  Namens  Guta, 
hinterlassen   hatte,    welche   gleichzeitig   mit   Hago^s    Sohn    Ulrich 
vermählt  wnrde.    Diese  Doppelehe  muss  Ende  1401  oder  anfangs 
1402^)  geschlossen   worden  sein.     Dadurch    erhielten    die   Mont- 
forter  einen   doppelten   Rechtstitel   auf  die    Stadecker   Erbschaft, 
den  sie  auch   sofort   geltend   machten.      Allein   es   kostete  grosse 
Anstrengungen,  in  den  factischen  Besitz  derselben  zu  gelangen,   da 
auch  andere  Ansprüche   darauf  erhoben.      Bald   nach   dem   Tode 
Hansens  von  Stadeck   hatten  nämlich   die  österreichischen  Herzoge 
dessen   ganze  Hinterlassenschaft  als   erledigte  Fürstengüter   einge- 
zogen, und  am  28.  Juli  1400  schenkte  Herzog  Wilhelm  von  Oester- 
reich  alles,  was  von  dem  jungen  Stadegger  ledig  worden^    es 
sein  Vestj  Herschefft  Heuser^  Merkt^  Dörffer^  Leüt  und  güter^ 
fva  die  gelegen  oder  wie  die  genant  sindy  mit  allen  im  zugehörun" 
gen  seinem  Bruder  Ernst  ^).     Mit   dieser  Urkunde  war  der  armen 
Guta  das  ganze  väterliche  Erbe  genommen.    Aber  Hans  v.  St.  hatte 
bei   seinem  Tode,  vielleicht  Gefahren  vorahnend,  ihr  einen  mäch- 
tigen Herren,  den  degenhaften  Hermann  H  von  Cilli,    zum   Vor- 
mund gesetzt.     Der  brachte,    um    solches  Unglück   von    der  ver- 
lassenen Waise  abzuwenden,    die  ganze  Angelegenheit  vor  König 
Wenzel  und  wusste   es  hier  durchzusetzen,   dass   er  für  Guta  mit 
der  Stadecker  Feste  Rorau  belehnt  wurde  (23.  Aug.  1400)  ^) ;  auch 
Chraniperg  und  andere  Güter  rettete  er  auf  demselben  Wege.   Als 


')  Den  Beweis  liefern  zwei  Urkunden  im  Steiermark.  LandesarchiTe 
Nr.  4079  nnd  4105.  Nach  der  ersteren  Tom  28.  April  1402  besitzt  Anna 
Ton  Nenhaos  Briefe,  in  welchen  ihr  Hans  Ton  Stadeck  „Heiratsgnt  nnd 
Yermächtnis^  bestimmt  hatte;  in  der  zweiten  Tom  18.  Februar  1403  wird 
Anna  Ton  Neuhaus  ausdrücklich  gemaehel  Hannsens  von  Stadeck  selig  genannt. 
Die  erstere  Urkunde  liefert  auch  in  so  fem  einen  Nachtrag  zu  Weinhol d*s 
Abhandlung  über  die  Stadecker  (Sitz.  Ber.  d.  Wiener  Akad.XXXy,  152—186), 
als  sie  uns  die  erste  Gemahlin  Hansens  t.  Stadeck  nennt:  es  war  Anna 
Gräfin  Ton  Maidburkch. 

*)  Denn  Ton  da  an  treten  die  Montforter  mit  ihren  Ansprüchen  herror ; 
Tg],  auch  die  Anm.  zu  pag.  49. 

•)  Vgl.  Weinhold,  Sitz.  Ber.  XXXV,  177  f.  und  die  Urkunde  J  bei 
Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  848. 

*)  TgU  Weinhold,  Sitz.  Ber,  XXXV,  178  und  Mitteilungen^  Yll,  U^^» 


LIV 

Dun  Ende  1401  oder  Beginn  1402  die  Heiraten  Anna's  und  Gu- 
ta's  mit  den  Montfortern  abgeschlossen  wurden »  traten  naturgemäss 
diese  an  Hermanns  Stelle  und  als  Bewerber  um  die  Stadecker 
Besitzungen  hervor.  Am  28.  April  1402  entledigt  Ulrich  von  Mont- 
fort  Hermann  von  Cilli  der  Vormundschaft  über  Guta;  letzterer 
übergibt  den  Montfortern  alle  Güter  und  fahrende  Habe  Guta*s, 
die  er  von  den  Stadeckern  inne  hat*).  Eine  zweite  Urkunde  von 
demselben  Tage'^),  in  der  Hugo  an  der  Spitze  steht«  gewährt  ge- 
nauere Daten :  Hermann  gibt  heraus  die  Veaten  Roraw  und  Chrani- 
perff  mit  andern  vesten  vnd  guetem  von  wegen  vnd  auch  an 
etat  der  edeln  frawen  Gueten  von  Stadekk;  dafür  versprechen 
die  beiden  Montforter  und  ihre  Gemahlinnen,  dass  sie,  ob  daz  he- 
echech  —  da  got  vor  sey  —  daz  fraw  Ghieta  von  Stadegk 
mit  dem  tod  abging^  ee  das  dem  vorgenanten^  unserm  lieben 
frewnde  vnd  öhaim^  S'^^^f  Hermann  etc.  das  gemecht  volfueret 
wurdCy  daz  im  tun  sol  dy  vorgenant  fraw  Oueta^  die  er  des 
vnaem  brief  hat^  daz  wir  dann  im  oder  seinen  erben  dy  vor- 
genenent  paide  veste  .  .  antwurten  sullen  wider  in  ir  gewmlt  vn~ 
geuerlich,  doch  nur  unter  der  Bedingung,  dass  dann  Hermann 
innerhalb  der  zwei  darauffolgenden  Monate  das  Heiratsgut  Anna's 
von  Neuhaus,  das  ihr  Hans  von  Stadeck  auf  Rorau  angewiesen, 
ausfolge.  Es  lässt  sich  nicht  angeben,  wovon  Hermanns  For- 
derungen herrühren :  hat  er  sich  vielleicht  für  seine  tapferen  Dienste 
bezahlen  lassen?  Zur  Herausgabe  dieser  Güter  kam  es  nie  mehr: 
die  Montforter  werden  Guta's  Verpflichtungen  alsbald  getilgt  haben  ^). 
Dadurch  war  dieser  Erbstreit  noch  lange  nicht  beendet;  denn 
es  fehlte  noch  vieles  vom  G  e  s  a  m  m  tbesitz  der  Stadecker,  wie  ihn 
einst  Hans  innegehabt  hatte.  Aber  der  gänzliche  Mangel  an 
Nachrichten  macht  es  unmöglich  zu  verfolgen,  wie  die  Montforter 
ihre  Sache  weiter  durchgefochten  haben.  Als  Abschluss  dieser 
ganzen  Angelegenheit  erscheinen  die  beiden  Urkunden  vom  26  April 


*)  Bei  Bftrgmann,  Sitz.  Ber.  IX,  849,  Urkunde  K. 

*j  Im  steiermärkischen  LandesarchiT  Nr.  4079.    Dt.  CiUi. 

')  Damit  mag  aber  in  Verbindung  stehen,  dass  Guta  1407  ihrem 
Gemahle  und  ihrem  Schwiegerrater  Borau,  Krems  bei  Voitsberg  und  Kranich- 
feld urkundlich  übermachte  und  dasselbe  1412  nochmals  bestätigte  (Bergmann, 
Sits.  Ber.  IX,  820) :  war  sie  nämlich  damals  noch  kinderlos,  so  stand  immer- 
hin zu  befürchten,  dass  die  CiUier  im  Falle  ihres  Todes  Ansprüche  erheben 
könnten. 


LV 

1404,  womit  K.  Ruprecht  za  Heidelberg  den  Grafen  Hugo  von 
Montfort,  dessen  Sohn  Ulrich  und  die  PYau  Guta  mit  den  Stadecker 
Gütern  belehnt,  die  von  dem  riche  ze  lehen  rurent  und  die  lange 
tyt  verewigen  vor  dem  riche  in  etwa  vil  jaren  wurden^  da  van 
auch  die  selben  lehen  und  sloase  dem  riche  verfallen  aint  Es 
werden  aufgeführt:  die  öde  veste  und  das  Bwrgstal^  genant 
Stadecke  hei  Oraz^  it.  Rorau  die  veste  und  herrschaft  im  lande 
Oesterreich,  it  die  veste  Tewffenbach^  die  gueter  zu  StraUche 
und  die  gueter  in  dem  MürztaU  hei  Langenwanckh  mit  allen 
Freiheiten,  Gerichten  und  Mannschaften^). 

Wenn  wir  die  hier  und  in  der  vorausgegangenen  Urkunde  an 
die  Montforter  gelangten  Stadecker  Güter  mit  dem  ehemaligen  Ge- 
sammtbesitze  Hansens  von  Stadeck  vergleichen''^),  fehlt  nur  noch 
die  Feste  und  Herrschaft  Krems  bei  Voitsberg;  dass  aber  auch 
diese  in  die  Hände  der  Montforter  kamen,  beweist  das  Urbar 
Hugo*s3). 

So  hatten  die  Montforter  ihre  Ansprüche  durchgesetzt,  während 
die  Herzoge  von  Oesterreich  leer  ausgegangen  waren.  Man  weiss 
nun  sehr  gut,  dass  diese  sich  durch  die  kaiserlichen  Schieds- 
sprüche von  ihren  zum  Teile  wenigstens  ganz  sicher  begründeten 
Rechten  nicht  hätten  abbringen  lassen.  Wenn  sie  aber  dennoch 
mit  dem  Ausgange  dieser  Dinge  einverstanden  waren^),  so  werden 
wir  darin  eine  Frucht  von  Hugo's  äusserer  Politik ,  wir  werden 
darin  eine  Belohnung  Hugo*s  von  Seite  der  Habsburger  zu  erblicken 
haben  für  das,  was  er  und  seine  beiden  Vorgänger  schon  wieder- 
holt für  sie  getan  hatten.  Dass  ihnen  die  Montforter  anderweitige 
Entschädigungen  an  G«ld  u.  dgl.  geleistet  haben  werden,  ist  wahr- 


»)  VTeinhold  in  den  Mitteilungen  VII,  139  und  Sitz.  Ber.  XXXV,  178; 
aber  es  sind  zwei  Urkunden  und  beide  Tom  26.  April,  nicbt  August ;  Tgl. 
Chmel,  Begesta  Ruperti  Reg.  Rom.  Nr.  1730  und  1731. 

«)  Bei  Wpinhold,  Sitz.  Ber.  XXXV,  177. 

')  Fol.  65  ff.  werden  die  Abgaben  Tom  Ampt  Krems,  vom  Schloss  Krems 
und  allen  dazu  gehörigen  Besitzungen  und  Lechner  angeführt. 

*)  Am  24.  Deoember  1406  bekennt  Herzog  Leopold  für  sich  und  seinen 
Yetter  Albrecht,  die  Grafen  Hugo  und  Ulrich  tou  Montfort  anstatt  des  Hans 
Ton  Stadegg  sei.  Tochter,  Grafen  Ulreichs  ehlicher  Wirtin,  bei  ihren  Rechten 
an  dem  Dorf  zu  Rauchenwart  bleiben  zu  lassen,  wie  das  auch  des  Herzogs 
Bruder  Wilhelm  und  dessen  Vetter  Albrecht,  welche  mit  dem  von  Stadeck 
darüber  in  Streit  geraten  waren,  nach  dessen  redlicher  Weisung  getan  hatten. 
K.  bair.  Beichsarohi?  Fase.  XVIII. 


LVI 

scheinlich,  und  vielleicht  mag  es  davon  herkommen,  dass  Hugo 
noch  am  2.  Januar  14220  dem  Herzog  Ernst  mehrere  von  den 
Stadeckern  herrührende  Güter  und  Einkünfte,  so  das  Hans  zu 
Prunn,  7  Höfe  und  21  Hofstätte  im  Dorfe  daselbst,  weiter  Höfe, 
Aecker,  Wiesen  und  Weinberge  zu  Piesting,  Walenstorflf,  Stallhofen, 
Leiding,  in  der  Sletten  etc.,  überlässt. 

Zu  diesen  Eigenbesitzungen  hatten  sich  auch  die  alten  Lehen- 
güter der  Stadecker  eingestellt.  Am  18.  Februar  1403  bezeugen 
die  Grafen  Hugo  und  Ulrich  und  ihre  beiden  Gemahlinnen,  dass 
der  Erzbischof  Gregori  von  Salzburg  ihnen  von  sundem 
gnaden  verliehen  habe  alle  Lehen,  die  Hans  von  Stadegh  seliger 
Oedächtnuss  ingehabt  haU  als  da  sind:  Khrems pey  Voitsberg  den 
vorder  tail  mit  aller  zugehorung,  it,  die  gueter  in  Puaterwald^  it 
die  veat  Freunczperg  und  alle  dazu  gehörigen  Güter,  it.  die  vesie 
Endricz  und  das  Nyderdorff^  it.  Abgaben  an  Wein,  Geld,  Getreide 
etc.  von  den  Festen  Wechkrennekg  und  PayerdorflT^).  An  demselben 
Tage  bestätigen  die  beiden  Montforter  dem  Erzbischof  Gregori  von 
Salzburg,  dass  sie  von  ihm  auch  die  Lehen  inne  haben,  die  becho^ 
men  sindt  von  dem  wolgepornen  herren,  dem  grafen  von  Phann^ 
perg  saligen^).  Am  3.  Juni  d.  Js.  bezeugen  dieselben,  dass 
sie  auch  vom  Abt  Rudolf  von  St.  Lambrecht  zu  Gunsten  der 
Frau  Guten  Lehen  erhalten  haben  und  zwar  daz  purhchstal  ge- 
nant Preymespurkch  mit  aller  manschafft^  nützen^  rechten^  eren 
und  wirden,  it,  die  vest  Piberstain^  it  die  gueter  im  Sale^  it,  die 
gueter  imPibertal^).  Dazukamen  noch  mehrere  andere  Vogteien  und 
Lehen,  welche  Prälaten  und  geistliche  Herren  der  umliegenden  Stifte 
und  Klöster  dem  mächtigen  Grafen  anvertrauten,  so  der  Abt  zu 
Neuberg,  der  zu  Sekkau,  zu  St.  Andrä  und  der  Pfarrer  zu  Polan 
in  der  Feistriz  u.  a.^). 

So  vereinigten  die  Montforter  nun  die  gesammten  Herrschaften 


*)  Bei  Weinhold  (Sitz.  Ber.  XXXV,  179)  steht  1412,  was  ohne  Zweifel 
nur  Druckfehler  ist.  Auch  Bergmann  (Sitz.  Ber.  IX,  851)  datiert  die  Urkunde  un- 
richtig; Muchar  (Geschichte  d«  Herzgt.  Steierm.)  YII,  163  Terkehrt  sie  gans: 
bei  ihm  ist  Ernst  der  gebende,  Hugo  der  empfangende. 

*)  Steiermark.  Landesarchiv  Nr.  4105^  Beg.  bei  Muchar  YII,  83; 
aber  unrichtig  datiert. 

*)  Steiermark.  LandesarchiT  Nr.  41050* 

^)  Steiermark.  Landesarchir  Nr.  4123. 

^)  Im  Urbar  werden  alle  diese  Güter  einzeln  aufgezählt. 


Lvn 

der  Pfannberger  und  Stadeoker  und  vermehrten  sie  noch  mit  neuen 
Besitzungen.  Das  gab  einen  dominierenden  Gütercoraplex  in  Ober- 
steiermark, dessen' Verwaltung  und  äussere  Sicherung  die  ganze 
Kraft  eines  Regenten  in  Anspruch  nahm^):  hier  im  Osten  lag  jetzt 
die  Masse  von  Hugo*s  Macht,  der  die  Güter  von  Halbbregenz  in 
Vorarlberg  nicht  mehr  das  Gleichgewicht  zu  halten  vermochten,  und 
es  erscheint  daher  nur  als  eine  notwendige  Folge,  dassHugo 
jetzt  auch  den  Schwerpunkt  seiner  politischen  Tätig- 
keit nach  Osten  trug^). 

Um  auch  die  entfernten  vorarlbergischen  Güter  in  Ordnung 
zu  halten,  schloss  Hugo  mit  seinem  Neffen  Wilhelm  Verträge  ab, 
die  diesem  die  Verwaltung  derselben  überliessen,  so  übergab  er  ihm 
1403  seinen  Teil  der  Feste,  Burg  und  Stadt  Bregenz,  dann  den 
Sulzberg,  die  Süberischen  und  die  übrigen  Besitzungen  auf  zwei 
Jahre^).  Nachdem  1405  der  Vertrag  zu  Ende  gegangen,  wurden 
sie  ihm  neuerdings  auf  zwei  Jahre  in  phlegnuzz  wiaz  anvertraut^), 
zugleich  wurde  damals  der  Burgfriede  von  1390  wieder  erneuert*) 
und  nach  einer  zweiten  Urkunde  d.  Js.,  in  der  auch  Ulrich  von 
Montfort  erscheint,  auf  die  ausserhalb  Bregenz  liegenden  Besitzun- 
gen ausgedehnt^).  Als  Graf  Wilhelm  am  21.  August  1405  in 
Herzog  PYiedrichs  Dienste  gegen  jedermann  trat,  nahm  er  aus  den 
römischen  Kaiser  und  secundo  loco  seinen  Vetter,  Grf.  Hang 
von  Montfort,  vnd  instinderhait  den  Burgfried  mit  dem  ge^- 
nanten  vetter^  das  der  alweg  beleiben  und  gehalten  soll  werden 
nach  ir  brief  sag  vngeuer"^). 


^)  In  einer  Urkunde  Hago*s  vom  29.  März  1409  werden  Ton  seinen 
Beamten  auf  Pfannberg  genannt :  der  ^edel  herr  Ortolf  yon  Pernegg, 
unser  phleger  ze  Pekgach,  der  Test  und  from  Peter  Gradner  ritter,  unser  phle- 
ger  zu  Krems,  Wilhalm  Dümerstorfer,  unser  purggraf  ze  Kranichperg,  Mar- 
quart  Bybracher,  unser  phleger  ze  Hymelberg,  Dyebolt  Kellermaister,  unser 
pUeger  ze  Fürstenfeld,  Hertlin  Reuter,  unser  purggraf  ze  Yestenburg,  Ulrich 
Dümerstorffer,  purggraf  zu  Manspcrg^.  Mone  (Zeitschrift  für  Geschichte  des 
Oberrheins)  XVII,  383. 

')  In  Vorarlberg  treten  seitdem  Wilhelm  ▼.  Montfort-Bregenz  und  die 
Grafen  Ton  Montfort  -  Tettnang  an  Stelle  Hugo*s  in  den  Vordergrund.  Vgl. 
pag.  33. 

')  Urkundenauszug  im  Innsbrucker  Schatzarchiv  IV,  669. 

^)  Die  Urkunde  im  Innsbrucker  Statthaltereiarchire. 

^)  Innsbrucker  SchatzarchlT  IV,  661. 

*)  Innsbrncker  SchatzarchiT  IV,  662. 

')  Innsbrucker  Lehenarchir,  Copialbuch  I,  299. 


Lvni 

In  solcher  Weise  hatte  Hugo  seine  Besitzungen  geordnet  and 
sein  Hans  bestellt.  Er  war  damit  gerade  rechtzeitig  zu  Stande 
gekommen,  als  neuerdings  über  ihn  und  seine  Untertanen  im  We- 
sten und  Osten  Kriegsstürme  hereinbrachen,  so  wild  and  grausam, 
wie  er  bisher  noch  keine  erlebt  hatte. 

In  den  letzten  zehn  Jahren  hatten  die  demokratischen  Ele* 
mente  in  den  Schweizerbergen  und  den  angrenzenden  Provinzen  ge- 
deihliches Wachstum:  die  steigende  Anzahl  der  Bünde  zwischen 
Städten  und  Bauern  waren  die  untrüglichen  Anzeichen  der  Rü- 
stung und  Auflehnung  gegen  die  Vorherrschaft  des  Adels;  es  be- 
durfte nur  eines  äussern  Anstosses,  die  aufgestauten  Massen  zu  ent- 
fesseln. Den  gab  das  Hirtenvolk  der  Appenzeller,  das  sich  von  sei- 
nem Gotteshause  St.  Gallen  freimachte  und  mit  den  Schweizern  ver- 
band. Solch  kecken  Abfall  konnte  Herzog  Friedrich  von  Tirol  und 
der  Adel  nicht  dulden:  man  zog  vom  Leder  und  rückte  ihnen  zu 
Leibe.  Aber  der  Bauern  Mut  und  Tapferkeit  war  so  gross  wie 
ihre  Freiheitsliebe;  am  17.  Juni  1405  schlugen  sie  auf  den  regen- 
feuchten Berghalden  am  Stoss  den  Herzog  und  die  seinen.  Das 
warf  frisches  Holz  in  die  Flammen:  von  allen  Seiten  kamen  den 
Siegern  Bundesgenossen  entgegen,  auch  der  vorarlbergische  Volks- 
bund'), der  sich  1391  »um  guten  Schirmes  und  Friedens  willen*, 
wie  man  damals  sagte,  zusammengetan,  war  unter  den  Zuläu- 
fern.  Durch  die  Erfolge  ermutigt,  durch  die  raub-  und  rachsüch- 
tigen Bundesgenossen  aufgestachelt,  brachen  die  Appenzeller  im 
Sommer  1405  in  starken  Heerhaufen  aus  ihren  Gebirgen  in  die 
Länder  ihrer  Gegner  ein,  warfen  die  Burg  Grimmenstein  und  die 
Feste  Zwingenstein  nieder,  setzten  siegestrunken  über  den  Rhein 
und  belagerten  die  Feste  Neuburg  bei  Götzis,  welche  damals 
Hugo  von  Montfort-Bregenz  besass^).  Hugo  war  in  einer 
üblen  Lage:  Neuburg,  auf  niederem  Hügel,  weder  von  Natur  be- 
sonders befestigt  noch  für  den  unvorhergesehenen  Ueberfoll  ge- 
nügend mit  Mannschaft  und  Kriegsbedarf  versehen,  stand  nun  mitten 
im  Feindesland,  von  aller  Hilfe  abgeschnitten.  An  eine  erfolgreiche 
Behauptung  derselben  war  auf  die  Dauer  nicht  zu  denken.  Da 
tat  Hugo,  was  sich  in  dieser  Lage  am   vorteilhaftesten   tun  liess: 


^)  Wir  haben  schon  pag.  39,  Anm.  2  darauf  hingewiesen. 
*)  Vgl.    darüber  Bergmann,    die   Edlen   Ton    £mbs  (Denkschriften   der 
Wiener  Akad.  1860),  pag.  107. 


LIX 

am  16.  Oktober  1405  schloss  er  mit  den  Verbündeten  einen  fQr 
ihn  verhältnismässig  sehr  günstigen  Vertrag:  Neubarg  bleibt  ein 
Jahr  lang  neutral^  dem  Grafen  ist  gestattet,  bis  zum  16.  Oktober 
1406  die  Feste  nach  Belieben  mit  Kriegsvorrat,  Lebensmitteln  und 
Mannschaft  zu  versehen,  die  Leute,  welche  zur  Burg  gehören,  aber 
sich  im  Bunde  befinden,  sollen  wie  bisher  die  Zinsen  und  Frohnen 
dem  Grafen  leisten;  endlich  wurde  noch  hervorgehoben,  dass  kein 
zur  Burg  Grehöriger  fernerhin  gezwungen  werden  dürfe,  dem  Bunde 
beizutreten*). 

Es  ist  schwer  zu  sagen,  was  die  Verbündeten  bewogen  habe, 
einen  für.  sie  so  wenig  bedeutenden  Vertrag  abzuschliessen ,  wenn 
es  nicht  ihre  Raubsucht  gewesen,  die  viel  stärker  war  als  die  Lust, 
einige  Wochen  müssig  vor  Neubarg  zu  liegen.  Nun  ergossen  sie 
sich  wie  ein  reissender  Bergstrom  über  das  ganze  Vorarlberg  und 
trugen  sich  mit  keinem  geringeren  Plan,  als  Land  und  Leute 
appenzellerisch  zu  machen.  Trümmer  zerstörter  Burgen  des  Adels, 
niedergebrannte  Dörfer  und  Flecken,  Jammer  und  Not  bezeichneten 
ihre  Wege.  Aber  noch  viel  schlimmer  als  das  war,  dass  die  Bau- 
ern allerorts  vom  gleichen  wilden  Taumel  mit  fortgerissen  wurden 
und,  anstatt  zu  verteidigen,  gleichfalls  anfiengen  zu  brennen  und  zu 
rauben  und  ihrer  Herren  Macht  zu  brechen.  Am  meisten  von 
allen  Adeligen  litten  die  Habsburger  und  Montforter:  die  Feste 
Schattenburg  wurde  erstürmt,  Altmootfort,  Altems,  wo  einst  Rudolf, 
der  Ependichter,  gesessen,  zerstört;  Dornbirn,  der  Bregenzerwald, 
das  ganze  Rheintal  bis  Sargans  und  Vaduz  und  das  ganze  lUtal 
bis  auf  die  Höhe  des  Arlberges  trat  zu  den  Appenzellem  über :  im 
ganzen  Kriege  wurden  über  60  Städte  und  feste  Orte  genommen 
und  gegen  30  Burgen  gebrochen 2). 

Mitten  in  dieser  Flut  undMeuterei  standnurBre- 
genz  fest  in  alter  Treue. 

Diese  Stadt  mit  der  befestigten  Clause  im  Rücken  wurde  nun 
der  Ausgangspunct  des  Appenzellerkrieges;  hieher  richteten  sowohl 
die  Verbündeten  wie  die  schwäbische  Ritterschaft  ihr  Augenmerk. 
Fiel  Bregenz,  so  stand  den  zügellosen  Schaaren  ganz  Schwaben 
offen,  wo  das  Landvolk  gleichfalls  schon  in  Gärung  war.     Bereits 


')  Die     Urkunde    bei   ZellwAger    (Geschichte    des    AppenzeHer    Volkes) 
CLXXX. 

*j  Stalin  (Würtemberg.  Gesch.)  III,  391. 


LX 

1406  griffen  die  Appenzeller  Bregenz  an;  der  Sturm  wurde  sieg- 
reich abgeschlagen,  doch  gieng  die  ganze  Vorstadt  dabei  in 
Flammen  auf.  Wilder  Grimm  erfasste  nun  Ritter  und  Bauern, 
durch  ganz  Schwaben  und  Tirol  flogen  Boten  her  und  hin,  von 
Burg  zu  Burg  die  Schrecken  zu  melden  und  Hilfe  herbeizurufen  : 
alles  rannte  zu  den  Waffen.  Während  sich  die  Herren  unter  dem 
Georgenbanner  sammelten,  stürmten  die  wütenden  Bauern  wieder 
auf  Bregenz  los:  diese  Stadt  sollte  zerstört,  die  Einwohner  aus- 
getilgt und  so  dem  Widerstände  und  Kriege  in  dieser  Ge- 
gend für  immer  ein  Ende  gemacht  werden.  Aber  die  tapferen  Bre- 
genzer  hielten  unter  Wilhelms  von  Montfort  kluger  Leitung  festen 
Stand ;  alle  Stürme  waren  vergebens,  und  die  Belagerung  zog  sich 
in  die  Länge.  Unterdessen  hatte  der  Adel  sich  zusammengefunden 
und  rückte  unter  Rudolf  von  Montfort-Tettnang  und  dem  österreichi- 
schen Hauptmann,  Grafen  Hermann  von  Sulz,  zum  Entsätze  herbei. 
Am  St.  Hilariustage  (13.  Januar)  1408  *)  drangen  sie  zu  Wasser 
und  zu  Land  auf  die  Belagerer  ein,  brachten  ihnen  eine  vollstän- 
dige Niederlage  bei  und  trieben  sie  in  die  Flucht:  Bregenz  war 
den  Grafen  von  Montfort  gerettet  2),  Schwaben  frei,  der  Volks- 
bund aufgelöst,  alles,  was  die  Appenzeller  auf  dem  rechten  Rhein- 
ufer erobert,  mit  einem  Schlage  verloren  und  diesseits  des  Rheins 
das  alte  Verhältnis  wieder  hergestellt.  —  Solch  ein  Ende 
nahm  dieser  schreckenvolle  Krieg. 

Es  muss  aufgefallen  sein,  dass  Hugo  nach  1405  nicht  mehr 
persönlich  in  diesem  erbitterten  Kampfe  hervorgetreten  ist.  Dass 
er  den  Krieg  mitführte,  das  heisst,  dass  seine  vorarlbergische 
Streitmacht  in  den  Reihen  der  Kämpfer  stand,  kann  niemand  ernst- 
lich in  Zweifel  ziehen,  der  erwägt,  dass  man  sein  Land  verwüstete, 
seine  Hauptstadt  belagerte  und  zum  Teile  schon  niederbrannte, 
dass  seinen  Untertanen,    die   so  glänzende  Treue  bewiesen,    das 


*)  Vgl.  die  Urkunde  im  Fürsfcenberger  Urkundenbuch,   Bd.  HI,  Nr.  43. 

')  Bei  der  Bettung  der  Stadt  nahm  eine  Frau  G  u  t  a  henrorragenden 
Anteil,  wofür  sie  der  Yolksmund  yorherrlicht  hat.  Bergmann  trug  wiederholt 
die  ansprechende  Vermutung  vor,  dass  unter  dieser  Heldengestalt  G  u  t  a  von 
St  ad  eck,  Hugo's  Schwiegertochter,  zu  erblicken  sei.  Vgl.  Sitz.  Ber.  IX, 
7  ff.  und  820;  Denkschriften  der  Wien.  Akad.  X,  187;  Archiv  für  Kunde  österr. 
Gesch.  I,  101.  Sogar  Stalin  hat  diese  Ansicht  in  seine  Würtemberg.  Gresch. 
(Ul,  392)  aufgenommen. 


LXI 

schrecklichste  Verhängnis  drohte*).  Aber  die  Frage  bleibt  offen: 
wo  war  Hugo  1406  und  1407,  wenn  er  nicht  in  Bregenz  war? 
und  hier  war  er  nicht,  denn  sonst  hätte  er  und  nicht  Wilhelm 
das  Yerteidiguugsheer  commandiert.  Glücklicher  Weise  geben  uns 
die  Quellen  gerade  so  viel  sichere  Nachrichten,  um  durch  deren 
Gombination  die  Frage  entscheiden  zu  können. 

Den  Besitzungen  Hugo*s  in  Steier  drohte  nicht  geringeres  Un- 
heil als  denen  in  Vorarlberg.  Es  gab  kaum  ein  Uebel,  von  dem 
dieses  Land  seit  der  Mitte  des  ersten  Decenniums  im  15.  Jahr- 
hundert nicht  wäre  heimgesucht  worden:  1404  grosse  Ueber- 
schwemmungen,  1405  schwere  Hungersnot  und  Seuchen,  dazu  die 
Herzoge  Leopold  und  Ernst  dem  offenen  Bruderkrieg  nahe  und 
zahlreiche  Ritter  im  Lande  unter  einander  in  blutiger  Fehde. 
Raubritter  und  Wegelagerer,  verlotterte  adeliche  Strolche  wie  der 
Hofkircher  und  Lichtenegger  in  Obersteier  nahmen  das  verkommene 
Gesindel  von  der  Strasse  als  Söldner  zu  sich  und  bedrohten  alle 
wohlhabenden  und  ehrlichen  Besitzer;  Städte  mussten  ihre  Tore 
sperren  und  die  Mauern  besetzen,  um  diese  Banden  sich  vom  Leibe 
zu  halten,  der  Landesfürst  selbst  war  davor  nicht  mehr  sicher: 
kurz  man  war  hier  so  recht  zur  Blütezeit  des  Faustrechtes  zurück- 
gekommen. Zu  all  dem  kam  nun  noch  die  Unsicherheit  der 
Landesgrenzen !  Die  Raubschaaren  der  Ungarn,  die  1405  im  Lande 
ob  der  Enns  hausten,  wurden  auch  bereits  in  Steier  fühlbar,  wäh- 
rend vom  Süden  her  die  Schrecken  der  Türken  immer  näher  rück- 
ten. Aber  die  allernächste  Gefahr  drohte  vom  Norden,  von  Böhmen 
und  Mähren,  wo  die  unabhängigen  Landherren  sich  zu  wohlor- 
ganisierten Räuberhorden  zusammentaten,  um  in  die  reichen  süd- 
lichen Nachbarländer  einzufallen.  1406  trat  einer  aus  ihrer  Mitte 
hervor,  der  dieses  Raubgeschäft  im  grössten  Masstab  begann: 
Johann  Sokol  von  Lambach  aus  Mähren,  ein  Spiessgeselle  des 
Dürrnteufel.  1407  fiel  er  in  die  Donauländer  ein  und  erstieg  am 
20.  Mai  die  Mauern  der  Stadt  Laa,  die  er  zur  Operationsbasis 
seiner  weitern  Raubzüge  machte.  Mit  unerhörter  Grausamkeit 
verheerten  seine  immer  mehr  anwachsenden  Schaaren  die  Gegenden 
nördlich  und  südlich    der  Donau,    so   dass    selbst   die   streitenden 


')  Dazu  war  Hugo  sammt  seinem  Vetter  Wilhelm  Mitglied  des  Adels- 
bandes Yom  St.  Georgenbanner  (vgl.  Bergmann ,  die  Edlen  von  Embs. 
Denkschriften  der  Wiener  Akad.  X,  104)  und  hätte  schon  als  solches  die 
Yerpflichtong  getragen,  diesen  Krieg  mitzukämpfen. 


Lxn 

Herzoge  Leopold  in  Oesterreich  und  Ernst  in  Steier  es  fftr  gut 
fanden,  mit  vereinter  Macht  gegen  diesen  geföhrlichsten  aller  Feinde 
zu  ziehen.  Im  Sommer  1407  kam  aus  Steiermark  ein  Aufgebot 
und  damit  auch  Hugo  von  Montfort,  wie  das  Chronicon 
Millicense  bezeugt^):  tandem  circa  festum  St.  Jacobl  ohsesaa 
est  civitas  (Laa)  per  dominum  JEpiscopum  Frieingeneem  et  per 
dominum  Comitem  de  Muntfort  campiductorem.  Wir  wissen 
also,  wo  Hugo  gewesen,  und  was  ihn  gehindert  hat,  in  eigener 
Person  seine  westlichen  Besitzungen  zu  verteidigen.  Ist  die  oben 
erwähnte  Vermutung  Bergmanns  über  die  ,£hre  Gutta*  richtig, 
so  hat  Hugo  seinen  Sohn  Ulrich  dahin  gesandt,  und  sämmtliche 
Streitkräfte  der  Bregenzer  Grafen  standen  dann  unter  Wilhelms 
Befehl,  dem  derselbe  sowohl  als  dem  altern  als  auch  nach  den 
Verträgen  von  1403  und  1405  zukam. 

Aber  kaum  war  dieser  Zug  gegen  Sokol  beendet  und  die  dro- 
hende Gefahr  durch  einen  Vertrag  der  österreichischen  Herzoge 
mit  Jodocus  von  Mähren  (9.  Okt.  1407),  in  dessen  Einvernehmen 
Sokol  gehandelt  hatte,  beseitigt,  als  Hugo  nach  Bregenz  eilte. 
Vielleicht  kam  er  noch  rechtzeitig  zum  Hilariustage,  sicher  aber 
war  er  am  28.  März  1408  in  Vorarlberg;  denn  an  diesem  Tage 
erteilte  K.  Rupert  zu  Constanz  ihm,  seinen  beiden  Neffen  Wilhelm 
und  Hugo  und  den  Bürgern  zu  Bregenz  mehrere  Rechte  und  Frei- 
heiten^). Am  2.  Januar  1409  gewährte  dann  Hugo  gemeinsam 
mit  Wilhelm  den  Bregenzern  für  die  grosze  Frombkeit  und  Man- 
lichheitj  mit  der  sie  unser  Statt  behebt  haben  vor  den  Appen- 
zellem, im  Aidgenossen  und  Helfern  gänzliche  Steierfreiheit  auf 
fünf  Jahre;  die  darauffolgenden  fünf  Jahre  aber  brauchen  sie  nur 
100  ^  jährlich  und  erst  nach  zehn  Jahren  wieder  den  alten  Steuer- 
satz zu  entrichten^). 


1)  Bei  Pez  I,  251;  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  815. 

')  Unter  anderm  auch,  dass  kein  Angehöriger  der  Stadt  ror  ein  kOn. 
Landgericht,  mit  Ausnahme  des  kais.  Hofes  und  des  Landgerichtes  zu  Rott- 
weil,  vorgeladen  werden  dürfe,  sondern  sein  Recht  jederzeit  ron  den  Richtern 
zu  Brpgenz  nehmen  könne;  ferner  ist  es  der  Stadt  erlaubt,  Geächtete  aufzu- 
nehmen,  doch  untpr  der  Bedingung,  dass  sie  die  gegen  dieselben  vorgebrachten 
Klagen  untersuche  und  richte.  Im  Archiv  der  Stadt  Bregenz.  Regest  auch 
bei  Vanotti  p.  493,  Nr.  166. 

8)  Vanotti  p  494,  Nr.  168  und  Urkunde  Nr.  33,  aber  falsch  datiert; 
vgl  Mone  (Zeitschrift  für  Gesch.  des  Oberrheins)  XYII,  383  und  384. 


Lxm 

Diese  Urkanden  bezeugen,  wie  man  sichs  angelegen  sein  Hess, 
die  erprobte  Treue  der  Bürger  mit  bedeutenden  eigenen  Opfern  zu 
belohnen.  Aber  Hugo  begnügte  sich  damit  nicht,  sondern  tat  noch 
mehr  als  die  andern:  am  3.  Februar  1409  beschenkten  er  und 
sein  Sohn  Ulrich  ihren  Stadtteil  noch  ausserdem  mit  Privilegien 
wegen  der  ihnen  und  ihren  Vorfahren  bewiesenen  Treue  und  be« 
sonders,  weil  sie  sich  so  standhaft  geweigert  hatten,  den  Appenzellem 
zu  huldigen.  Die  Untertanen  auf  dem  Lande  dürfen  in  der  Stadt  Bre- 
genz  Bürgerrechte  erwerben  und  sich  mit  den  dortigen  Bürgerstöchtem 
vermählen,  auch  Leute  aus  Städten  oder  vom  I^ande,  die  keine 
Untertanen  Hugo*s  und  Ulrichs  sind,  dürfen  in  Bregenz  als  Bürger 
aufgenommen  werden;  umgekehrt  können  die  Bürger  in  Bregenz 
ihr  Bürgerrecht  aufgeben  und  anderswohin  ziehen,  und  der  Bürger- 
schaft steht  es  dann  zu,  nach  eigenem  Ermessen  die  Grösse  des 
Abzuggeldes  zu  bestimmen,  das  zu  gleichen  Teilen  der  Bürgerschaft 
und  den  Grafen  zufallen  soll.  Den  Bürgern  dürfe  von  den  gräf- 
lichen Amtleuten  ohne  der  Grafen  Einwilligung  weder  an  Leib 
noch  Gut  Gewalt  angetan  werden,  es  handle  sich  denn  um  die  Be- 
strafung eines  Verbrechens;  ferner  sind  die  Bürger  für  die  nächsten 
10  Jahre  ganz  steuerfrei  und  nach  Ablauf  derselben  für  alle  Zeiten 
nur  zu  1 00  8  jährlich  verpflichtet  *).  Am  29.  März  und  am  9.  De- 
oember  wurden  die  Privilegien  neuerdings  bestätigt  und  mit  einigen 
andern  geringeren  vermehrt.  Wichtig  sind  diese  beiden  Urkunden 
aber  noch  wegen  einer  Zusatzbestimmung,  in  welcher  Hugo  und 
Ulrich  an  die  gegebenen  Rechte  die  Bedingung  knüpften,  dass  die 
Bürger  alle  sechs  Jahre  schwören  sollen,  ihre  gegenwärtigen  Grafen 
und  deren  Nachkommen  jederzeit  als  die  rechtmässigen  Erbherren 
anerkennen,  sich  denselben  mit  Leib  oder  Gut  nicht  entfremden 
und  ohne  deren  Einwilligung  weder  anderswo  Bürger  werden  noch 
Bündnisse  schliessen  zu  wollen^).  Daraus  geht  her\ror ,  dass  es 
den  Grafen  in  jenen  sturmbewegten  Zeiten  notwendig  schien,  durch 


*)  Aus  dem  Copialbuch  der  Stadt  Bregenz  im  k.  bair.  KreisarchiTe  zu 
Neuburg  Fol.  2—4. 

')  Die  erste  Urkunde  hat  Yanotti  p.  580  angeblich  nach  dem  Originale 
des  Bregenzer  Stadtarchires  mitgeteilt,  doch  mit  vielen  Fehlern  und  mit  Weg- 
lassang gerade  der  Hauptpunkte,  weswegen  sie  Mone  in  seiner  Zeitschr.  für 
Gesch.  des  Oberrheins  XVII,  381  fT.  neuerdings  abgedruckt  hat;  die  zweite 
nahm  ich  ans  dem  Copialbuche  der  Stadt  Bregenz  im  k.  bair.  Krelsarchive 
zu  Neuburg  Fol.  4—7. 


Lxrv 

den  erwähnten  Schwur  ihre  Territorialrechte  auf  Bregenz,  wohl  be- 
sonders den  Eidgenossen  gegenüber,  deren  Gefährlichkeit  nur  zu- 
rückgedrängt, nicht  gebrochen  war,  zu  wahren :  die  Bregenzer  hat- 
ten die  Möglichkeit  der  Auswanderung,  aber  dadurch,  dass  sie  noch 
an  die  Erlaubnis  ihrer  Herren  geknüpft  war,  blieb  diesen  ein 
Mittel,  dieselbe  nach  Gutdünken  zu  beschränken. 

Unterdessen  war  der  zwischen  Hugo  und  Wilhelm  1403  ab- 
geschlossene und  1405  erneuerte  Yerwaltungsvertrag  schon  lange 
abgelaufen.  Als  man  jetzt  nach  beseitigter  Feindesgefahr  zur  Ab- 
rechnung schritt  und  Wilhelm  alles  wieder  abgeben  sollte,  was 
und  wie  er  es  empfangen,  stellte  sich  heraus,  dass  er  im  Kriege 
und  vor  dem  Feinde  besser  zu  brauchen  war  als  bei  der  Ver- 
waltung :  er  hatte  mehreres  von  Hugo's  Besitzungen  verpfändet  und 
überdies  noch  allerlei  andere  Schulden  gemacht.  Man  könnte  viel- 
leicht zu  seiner  Entschuldigung  anführen,  dass  der  letzte  grimme 
Krieg  manches  davon  verschlungen  haben  mochte,  wüssten  wir  nicht 
aus  vielen  andern  Belegen  nur  zu  gut,  dass  Wilhelm  das  Muster- 
stück eines  verschwenderischen  Herren  war.  Es  ist  leicht  begreif- 
lich, dass  Hugo  ob  solcher  Wirtschaft  sich  ungehalten  zeigte. 
Ende  1408  kam  zwischen  beiden  folgendes  Abkommen  zu  Stande: 
Graf  Wilhelm  soll  Graf  Hawgen  tvider  eingeben^  was  er  Ime 
an  Bregentz  entwendt  hat,  auch  die  Pfanndischaft  Ho^ 
henegg  mit  zwaitausend  Pfund  Hallern  wider  zulösen;  Hugo 
soll  dagegen  beim  Mair  zu  Lindaw  und  im  Hof  zu  Costentz  Wil- 
helms Schulden  zahlen  und  die  in  Beschlag  genommenen  Besitzun- 
gen Wilhelms  ledig  geben;  die  Gesellschaft  vom  St.  Jörgenschild 
soll  denjenigen,  der  den  Vertrag  bricht,  an  Leib  und  Gut  und 
Ehren  strafen  *).  Nach  diesen  Erfahrungen  scheint  Hugo  wenig 
Lust  verspürt  zu  haben,  dem  Neffen  neuerdings  die  Verwaltung 
seiner  Güter  anzuvertrauen ;  wir  hören  nie  mehr  davon,  und  schon 
am  2.  Januar  1409  begegnet  uns  eine  neue  Teilung  von  Stadt  und 
Leuten  zu  Bregenz*)  mit  Vernennung  aller  Burgen  und  auf- 
fürung,  wie  es  mit  Gericht^  Recht,  wacht,  Besetzungen  und  in 
ander  weg  gehalten  werden  solle. 


*)  Innsbrucker  Schatzarchiv  IV,  669. 

')  Die  Urkunde  ist  nur  mehr  in  Copien  vorhanden :  Innsb.  Sehatzarchiy  IT, 
670,  k.  k.  geheim.  Haus-  Hof-  und  Staatsarchiv  Bep.  I;  vgl»  nun  auch  den 
^yjll  Jahresbericht  des  Bregenzer  Museums  p.  40 — 45. 


LXV 

Ausser  dem  langwierigen  Stadecker  Erbstreit,  den  darauffol- 
genden schweren  Kriegsereignissen  und  dem  Verwaltungsstreit  mit 
Wilhelm  sind  uns  auch  anderweitige  Beziehungen  Hugo's  durch 
vereinzelte  Nachweise  belegt.  Im  December  1402  leistet  er  der 
Elisabeth  von  Puchhaim  und  dem  Hans  von  Stnbenberg  Zeugschaft 
in  deren  Erbangelegenheit  ^).  1404  stiftet  er  mit  seinem  Sohne 
Ulrich  in  der  Kapelle  ihrer  Burg  zu  Peckau  eine  ewige  Messe  mit 
einem  Messpriester^).  1405  geloben  die  Grafen  von  Montfort- 
Bregenz  und  -Tettnang  mit  den  Grafen  von  Werdenberg  und  Sar- 
gans  eidlich,  den  Bischof  Hartmann  von  Ghur  nicht  zu  unterstützen, 
wenn  dieser  die  dem  Herzog  Friedrich  geschworene  Urfehde  bräche'). 
In  demselben  Jahre  quittiert  Hugo  dem  Herzog  Leopold  200  fl^ 
welche  ihm  dieser  für  Salzlieferungen  aus  dem  Haller  Phannhause 
schuldig  geworden  war*).  Im  August  1406  schwört  der  Pfiarrer 
Stephan  zu  Valkenstein,  gewesener  Kanzler  Herzog  Friedrichs,  der 
durch  den  Bischof  von  Brixen  (Ulrich),  durch  den  Grafen  Hugo 
von  Montfort-Bregenz  und  andere  beim  Herzog  in  Ungnade  ge- 
kommen, alleij  diesen  Urfehde*'*).  Im  Oktober  1407  vergleicht  sich 
Hugo  von  Montfort  mit  dem  Abte  Erhart  zu  Newnperg  wegen 
eines  Lehens,  da  Peter  am  Hoff  auff  gesessen  ist^).  1408  be- 
lehnt er  Änna^  Hannsen  Pfrsters  selig  weih^  mit  dem  Gute  an 
der  Steig ^.  1410  stellt  er  einen  Willbrief  aus  über  die  von  Ul- 
rich Jäger  im  Jahre  1405  zu  Seckau  mit  Lehengütern  Hugo's  ge- 
machte geistliche  Stiftung®).  —  Grössere  Wichtigkeit  als  die  ange- 
führten Angelegenheiten  besitzen  zwei  andere,  die  eine  in  Vorarl- 
berg, die  andere  im  Steierlande. 

Friedrich  von  Toggenburg  sollte  —  wir  wir  gehört  —  an  Hugo 
4000  fl.,  das  Heiratsgut  für  seine  Schwester  dementia,  auszahlen. 
Aber  1403  war  dasselbe  noch  nicht  geschehen;  denn  als  in  diesem 


»)  Notizenblatt  IX,  255,  Nr.  310. 

•)  Muchar  VII,  84.  —  1428  wurde  diese  Stiftung  von  Anna  v.  Neuhaus 
für  Hugo's  Seelenheil  mit  einigen  Gütern  wieder  aufgebessert.  Die  Ur- 
kunde im  k.  bair.  Reichsarchiv  (Signatur :  Montfort,  gräfliche  Familie)  Fase.  XX. 

5)'  Innsbr.  Schatzarchiv  IV,  612. 

*)  Innsbr.  Schatzarchiv  II,  Nr.  82. 

^)  Innsbr.  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  319. 

•)  Steiermark.  Landesarchiv  Nr.  4323. 

"*)  Innsbr.  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  475. 

«)  Muchar  VII,  113. 

Wackerneil,  Montfort,  \ 


TLXn 

Jahre  der  Toggenburger  mit  Herzog  Friedrich  abrechnete,  übernahm 
letzterer  die  Verpflichtnngy  die  besagte  Schuld  an  Hugo  von  Mont- 
fort  innerhalb  Jahresfrist  zu  begleichen  ^).  Damit  hatte  sich  freilich 
Hugo*s  Aussicht,  zu  seinem  lang  entbehrten  Eigentum  zu  kommen, 
nicht  viel  gebessert,  da  die  Herzoge  von  Gestenreich  damals  selbst 
dutch  die  bestandigen  Kriege,  durch  die  unaufhörlichen  neuen  An- 
käufe und  durch  die  gesteigerten  Yerwaltungskosten  in  eine  grosse 
Schuldenlast  geraten  waren.  1404  wurden  zwar  die  Zinsen  an 
Hugo  gezahlt,  der  Schuldbrief  jedoch  blieb  ungetilgt,  und  Herzog 
Friedrich  versprach  am  12.  August  dem  Toggenburger  neuerdings, 
die  Zahlung  innerhalb  Jahresfrist  zu  leisten^).  Aber  1405  und 
1406  gieng  es  wie  1404  nur  mit  dem  Unterschiede,  dass  in  diesen 
beiden  Jahren  auch  nicht  einmal  die  Zinsen  gezahlt  wurden  und 
die  Schuld  in  Folge  dessen  immer  mehr  anwuchs,  während  andrer- 
seits die  Herzoge  sich  neuerdings  beim  Toggenburger  um  3000  /., 
die  dieser  auegeben  hat  auf  Krieg  wider  die  Appenzeller^  ver- 
schuldeten^) 

Selbst  noch  im  Jahre  1408  hatten  die  Oesterreicher  weder 
die  alte  Schuld  an  Hugo  von  Montfort  noch  weniger  dem  Toggen- 
burger die  neue  vom  Appenzellerkri^e  gezahlt^}.  Da  scheint  Hagen 
endlich  die  Geduld  ausgegangen  zu  sein;  denn  ^lie  grossen  Kosten 
der  'llberstandenen  Kriege  in  beiden  Länderteilen,  die  leichtsinnige 
Versetzung  seiner  Güter  von  Seite  Wilhelms  hatten  auch  seine 
Kassen  erschöpft,  so  dass  er  zu  einem  von  ihm  sonst  nie  gebrauch- 
ten Auskunftsmittel  greifen  musste,  indem  er  Ende  1408  das 
Schloss  Schaumberg  an  die  Lindauer  Bürger  Konrad  und  Lenz 
Sieber  verkaufte^) :  er  unterstützte  nun  seine  Forderungen  mit  Gre- 
walt  und  besetzte  eine  Burg  seines  unverbesserlichen  Schuldigers,  des 
Gfh.  Friedrich  von  Toggenburg.    Das  geht  aus  einem  Briefe  hervor. 


^)  Innsbr.  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  260. 

*)  Innsbr.  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  228;    Reg.    aach    bei  Lichnowsky 
zn  y,  717^  (Nachtrag),  aber  falsch  datiert. 

*)  Innsbr.  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  344. 

^)  Vgl.    k.  k.    geheimes  Haus-    Hof-    und    Staatsarchiv    Rep.   H    (Reg 
auch  bei  Lichnowsky  zu  Y,  1059),  dazu  den  Gegenbrief  und  den  Versatzbrief 
ebenda.     Um  wenigstens  den  Toggenburger    vorläufig  zu  stillen,    verpfändeten 
ihm  die  Herzoge  Sargans  und  versprachen,   ihm  noch  1000  fl.  als  Vergütung 
für  erlittenen  Schaden  auf  die  frühere  Schuld  zu  schlagen. 

^)  Yanötti  pag.  183;  aber  nicht  auch  Sonnenberg.  Vgl.  Bergmann,  Sitz. 
Ber.  IX,  622. 


txvn 

deq  Herzog  Friedrich  Beginn  1409  dem  Toggenbarger  gab,  worin 
«r  neuerdings  versprach:  unib  die  4000  ß,  hauhtgut  suüen  unr 
in  (den  Friedrich  von  Toggenburg)  gegen  den  Orafen  Hawgen 
von  Montfort  mit  sampt  den  zins^  so  davon  au/stet  und  umb 
cMen  redlichen  schaden  und  hosten^  so  von  laistung  od  ander 
redlich  nmd  kinüicher  wegen  darauf  ist  gangen  ^),  entledigen  und 
abtragen  in  söUcher  mass,  daz  der  egenant  Qraf  Hawg 
ain  benügen  daran  gewünnund  die  Burg  von  scha- 
den entledige  an  geverd^).  Hngo*s  Ernst  hatte  Eindmok 
gemacht:  am  21.  Januar  1409  verpfändet  Herzog  Friedrich  zu 
Feldkirch  seinem  Kanzler,  Bischof  Ulrich  von  Brixen,  Friedrich 
von  Toggenburg,  dem  Ritter  Markart  von  Emptz,  Walther  Hauen 
und  einigen  anders  den  Zoll  zu  Feldkirch  Tür  1500  ^  Qaller,  die 
sie  für  ihn  sogleich  an  den  Grafen  Hawg  von  Montfort 
entrichten^),  und  bereits  am  23.  Januar  d.  Js.  bestätigt  Fried- 
rich von  Toggenburg,  dass  ihm  der  Herzog  seine  Schuld  bei  Hugo 
von  Montfort  mitsammt  den  Zinsen  und  Schäden  gezahlt^),  und 
verzichtet  in  einer  weiteren  Urkunde^)  auf  den  Ersatz  der  Schäden, 
welche  er  selbst  durch  Leistung,  Botenlohn,  Zehrung  u.  dgl.  dabei 
genommen  habe.  Damit  hatte  sich  diese  langwierige  Geschichte 
glücklicher  Weise  noch  in  gutem  Frieden  abgewickelt,  denn  hier 
war  fOr  Hugo  grosse  Gefahr  vorhanden  gewesen,  die  Schuld  oder  die 
Freunde  zu  verlieren.  Bald  nennt  ihn  der  Herzog  wieder  —  was  in 
den  letztem  Urkanden  nicht  mehr  der  Fall  war  —  seinen  lieben 
Oheim  und  der  von  Toggenburg  seinen  lieben  pruoder. 

Nicht  so  glatt  verlief  die  Angelegenheit  in  Seiermark,  wo 
Hugo  mit  dem  bekannten  Raufbold  Bernhard  von  Losenstein  in 
eine  gefährliche  Fehde  ^j   geraten   war.     Die  Losensteiner  standen 


')  Wie  sich  aus  eiper  anderen  ^H^kande  vom  23.  Januar  ergibt  (k.  ,k. 
geh.  Hans-  Hof-  und  Sjkaatsarchiv  Rep.  XXIY,  Beg.  auch  bei  Lichnowsky  zu 
y,  Nr.  1070),  erreichten  die  Zinsen  und  Kosten  die  Höhe  von  1250  fl. 

*)  Innsbr.  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  344. 

f).E..  k.  geh.  Hans-  Hof-  ,und  Staatsarchiv  Rep.  I,  Beg.  bei  Lieh- 
Bowiky  zu  y,  Nr.  1069. 

^)  Laut  Urkunde  im  Innsbr.  StatthaltereiarchiTO  Nr.  2598. 

^)  K.  k.  geh.  Hans-  Hof-  ,9j;^  JS^atsarchiv  Bep.  XXiy,  Beg.  bei 
Lichnowsky  zu  y,  Nr.  1070. 

*)  ^Grayes  lites^  sagt  C&sar  Afi^il.  in  seinen  Annal.  Duc.  Styriae, 
Tom.  H,  658. 


Lxvm 

mit  den  Stadeckern  in  nebensächlicher  Verwandtschaft^).  Das  ge- 
nügte dem  händel-  und  habsüchtigen  Bernhard  von  den  Erben 
Johanns  von  Stadeck  neben  dem  ihm  gebührenden  Lehensanteil  an 
Freundsberg  anch  die  Stadecker  Güter  auf  dem  Aigen  bei  Graz  zu 
beanspruchen.  Solchen  Anforderangen  konnten  die  Montforter  un- 
möglich nachgeben.  Wann  die  Fehde  begann,  ist  nicht  nachzu- 
weisen, jedenfalls  nicht  zu  lange  nach  der  Besitznahme  der  Stadeck- 
schen  Güter  durch  die  neuen  Erben.  Die  Montforter  erhoben  auf 
gesetzlichem  Wege,  vor  der  Schranne  des  Landesgerichtes  in  Graz, 
ihre  Klage,  wo  der  ungerechte  Ruhestörer  abgewiesen  wurde^). 
Allein  der  Losensteiner  gab  seinen  Plan  nicht  auf,  sondern  versuchte 
sogar  mit  Waffengewalt  zu  erlangen,  was  ihm  der  Rechtsspruch 
versagt  hatte,  und  schickte  an  Hugo  von  Montfort  den  Absagebrief. 
Um  einer  blutigen  Fehde  vorzubeugen  nahm  Herzog  Ernst  die 
Angelegenheit  in  seine  Hand,  gebot  dem  Losensteiner  Frieden  und 
lud  ihn  am  22.  April  1410  auf  die  nächsten  Pfingstfeiertage  vor 
sein  Gericht  nach  Wien^).  Ohne  Zweifel  fiel  auch  hier  die  Ent- 
scheidung zu  Gunsten  Hugo*s  aus,  der  darauf,  wie  es  üblich  war,  den 
Absagebrief  zurückschickte.  Allein  der  Losensteiner  hatte  die 
Händel  nicht  deswegen  angefangen,  um  sich  vom  Herzoge  noch 
einmal  wiederholen  zu  lassen,  was  ihm  schon  vor  der  Landes- 
sohranne gesagt  worden  war,  dass  er  nämlich  im  Unrechte  sei, 
nach  Hause  gehen  und  Ruhe  geben  solle:  er  beharrte  nach  wie 
vor  in  drohender  Stellung  und  suchte  die  Montforter  zu  schädigen, 
so  dass  ihn  Herzog  Ernst  1412  neuerdings  durch  ein  Schreiben 
zurechtwies  ^) ,  welches  der  Losensteiner  aber  gar  nicht  be- 
antwortete und  nicht  weiter  beachtete.  Als  Hugo  davon  Kunde 
erhielt,  schrieb  er  am  26.  August  1413  von  Graz  aus  an  den 
bösen  Verwandten  einen  Brief,  der  die  ganze  perfide  Haltung  seines 
Widersachers  klar  legt:  da  nun  der  hochgebom  fürst  hertzog 
EmsU  'mein  gnediger  lieher  herr^  mit  mir  rett,  er  wolt  dein 
gewaltig  in  der  sack  aein^  und  das  ich  die  sach  av^h  ahUess 


1)  Anna,  die  Schwester  Bernhardts  ron  Lesens tein,  war  mit  dem  Sohne 
der  Elisabeth  Ton  Stadeck,  mit  Burkart  von  Winden,  vermählt.  Vgl.  Wein- 
hold (der  Minnesänger  von  Stadeck)  Sitz.  Ber.  XXXY,  171. 

*)  Vgl.  Weinhold  (der  Minnes.  von  Stadeck)  p.  179. 

^  Steiermark.  Landesarchiv  Nr.  4417a- 

^)  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  820. 

^  Bezieht  sich  anf  die  Yorladnng  und   Entscheidung  des  Herzogs  Tom 


LXIX 

von  deiner  absag  wegen^  die  du  mir  getcm  hetteeU  das  tet  ich 
also  und  gab  darauf  den  äbsagbrief^  den  du  mir  gesandt  hettest^ 
kern  Sannsen  von  Winden  und  waiss  nicht  anders^  wann  das 
dir  den  her  Hanns  wider  geben  haib.  I^amach  langt  mich  an 
in  lanimärweyse^  du  soltist  noch  Unwillen  gen  mir  haben  und 
mein  schaden  trachten,  des  ich  nicht  glauben  wolt  und  noch  nit 
glauben  wilj  du  lassest  mich  es  dann  vor  wissen ,  und  bracht 
doch  die  sa^h  also  an  meinen  gnedigen  herren  herzog  Ernsten 
ete^  der  hat  dir  dwrumb  verschriben,  als  man  mir  gesagt  Aa^ 
dem  habest  du  chain  antwurt  darüber  geben,  da  las  in  ich  ver" 
schriben  wissen  an  dHnem  brief  by  dem  mein  potten,  wes  ich 
mich  zu  dir  versehn  suUe^).  Hier  brechen  für  uns  die  Spuren 
dieses  Streites  ab,  und  wir  wissen  nicht,  ob  man  den  Uebeltäter 
zu  Paaren  trieb,  oder  ob  er  endlich  selbst  zur  Einsicht  kam,  dass 
es  besser  sei,  von  seinen  ungerechten  Ansprüchen  abzulassen;  ge- 
wiss ist  nur,  dass  er  nichts  erreichte  und  Hugo  sein  Eigentum 
behauptete.  - 

Damit  sind  wir  über  die  drangsalvollste  Zeit  in  Hugo*s  poli- 
tischem Leben  hinausgekommen.  Besondern  Kriegsruhm  hat  er  nicht 
gesammelt,  vor  Laa  wenigstens  sorgte  schon  die  Unfähigkeit  des 
Oherfeldherren,  des  Erzbischofs  von  Freisingen,  redlich  dafür*),  dass 
solches  nicht  geschehen  konnte ;  im  ganzen  aber  hat  er  seine  Pflich- 
ten treu  und  mannhaft  erfüllt  und  seinem  Hause  die  bedrohten 
Besitzungen  vor  den  offenen  und  heimtückischen  Feinden  in  ihrem 
vollen  Umfange  gerettet. 

Ueber  die  Herzensangelegenheiten  und  das  Familienleben  des 
Dichters  in  dieser  letzten  Periode  erfahren  wir  weniger  als  in  den 
beiden  vorausgegangenen,  denn  die  Gedichte  lassen  zwischen  1402 
(Nr.  34,  35  und  36)  und  c.  1414  (Nr.  37  und  38)  eine  klaffende 
Lücke  —  begreiflich:  das  war  keine  Zeit  gewesen  zam  Verse- 
machen !  Die  Ehe  mit  Anna  von  Neuhaus  war  wieder  sehr  glück- 
lich: sie  wirkte  verjüngend  auf  den  Dichter  und  brachte  ihm  wie 
einst  dementia  neue  Tatkraft  und  ßrischen  Lebensmut,  so  dass  er 
noch  mit  57  Jahren  aaf  dem  Rücken  (38,  141)  und  unter  grauen 


Jahre  1410:  Hugo  recapituliert  hier  die    einzelnen  Stadien    des  Streites,    die 
wir  oben  ans  Urkunden  constatierten. 

*)  Steiermark.  Landesarchiv  Xr.  4533^' 

')  Vgl.  Kurz,  Albrecht  II,  I  Bd.,  p.  57. 


LXX 

Haaren  (37,  40)  glaubte,  «r  Jiab  noeh  vil  der  jugeni  (38,  8). 
Er  preist  die  Tugendeti  und  Güte  seiner  Gemahlin,  dber  dass  sie 
vorzügliche  körperliche  Schönheit  besessen,  hebt  er  nicht  hervor, 
wie  er  es  bei  dementia  getan.  27,  187  ff.  hatte  Hugo  den  Tod  Cle- 
mentia*s  als  eine  Fügung  Gottes  hingenommen,  so  betrachtet  mx 
jetzt  auch  die  Freuden  dieser  neuen  Ehe  als  ein  göttliches  Geschenk, 
für  das  er  danken  muss  (34,  5  ff).  Am  4.  Oktober  1413  gebar 
ihm  Anna  einen  Sohn,  der  den  Namen  Stephan  erhielt*).  Vielleicht 
/  hat  dieses  glückliche  Ereignis  ihn,  der  zwar  nicht  mehr  dichten 
sollte  (38,97),  begeistert,  seiner  Frau  eine  TagWeise-(Nr.  37)  and 
eine  Rede  (Nr.  38)  zu  machen.  Sie  bilden  den  Schks&  von  Hugo's 
Gedichten.  Ob  Vorsatz,  ob  Bewusstsein  der  gesunkenen  Dichier- 
kraft  (31,  216)  oder  die  Lasten  der  Geschäfte  ihn  an  der  ferne- 
ren Production  hinderten,  wer  könnte  das  mit  Sicherheit  sagen? 
Jedenfalls  aber  haben  die  letzteren  einen  Teil  der  Schuld  daran 
getragen;  denn  schon  31,  112;  3ö,  21  hat  sie  der  Dichter  selbst 
als  ein  solches  Hindernis  bezeichnet,  und  nun  werden  sie  sich  be- 
deutend vermehrt  haben,  seit  er  das  höchste  politische  Amt  im 
Herzogtum  Steiermark  bekleidete,  wie  wir  nachzuweisen  vermögen. 
Das  steiermärkische  Landesarchiv  verwahrt  eine  ,  Landes- 
hauptmanns-Chronik* 2),  welche  Fol.  57  die  Notiz  bietet:  Oraf 
Haug  von  Montfort^  herre  zu  Bregentz,  hayptmann  in  Steyer 
anno  1413,  Dasselbe  ist  auch  urkundlich  bezeugt.  Schon  in  dem 
oben  angeführten  Schreiben  an  Bernhard  von  Losenstein  (26.  Au- 
gust 1413)  nennt  sich  Hugo  hauptmann  in  Steyer.  Am  22.  Juli 
1414  bestätigt  Herzog  Ernst  alle  Handfesten  und  Freiheiten  des 
Marktes  Mürzzuschlag  und  beauftragt  seinen  Landeshaupt- 
mann in  Steier,  den  Grafen  Haug  vonMontfort,  diese 
Bestätigung  kräftigst  zu  handhaben^).  Am  22.  April  1415  spricht 
Herzog  Ernst  über  die  Raubritter  Riegel,  Leopold  und  Albrecht 
von  Trackenberg  die  Acht  aus  vor  den  Herren:  Graf  Haug 
von  Montfort,  Hauptmann  in  Steier,  Abt  Rudolf  von 
St.  Lambrecht,  Rudiger,  Pfarrer  zu  Brück  a.  d,  Mur,  Jörg  Hagen- 
reiter,  Pfarrer  zu  Laibach,   Hartnid   von  Rattendorf,   Hans   von 


*)  Nach  Vanotti,  Tabelle  C. 

')  Papierhandschrift  aus  der  Wende  des  16.  bis  17.  Jahrhunderts.  Vgl. 
Emil  Kümmel  in  den  Beiträgen  zur  Kunde  steierm.  Geschichtsquellen  XY, 
67—73. 

9  Jkfnchar  VII,  130. 


LXXI 

Eberstorf,  Leopold  von  Kreig,  Friedrich  von  Fladnitz,  Hofmeister^). 
Von  1413 — 1415  also  war  Hugo  Landesliaaptmann  in  Steier* 
mark^)  und  als  solcher  zugleich  Bat  d^s  Landesfürsten  und  in 
dessen  Abwesenheit  aach  Statthalter,  wie  er  andrerseits  den 
Vorsitz  im  Landesgerichte  führte  und  die  herzoglichen  Verord- 
nungen zu  vollstrecken  hatte.  Neben  den  angeführten  geben  noch 
einige  andere  erhaltene  Urkunden  fragmentarische  Hinweise  auf 
diese  vielseitige  Tätigkeit.  Am  22.  Januar  1414  erteilt  Herzog 
Ernst  dem  Landeshauptmann  in  Steier,  dessen  Stellvertreter  und 
allen  Obrigkeiten  den  Auftrag,  das  Stift  Admont,  das  durch  den 
Richter  von  Marburg  arg  beschädigt  worden,  auf  allen  seinen  Be- 
sitzungen in  Eigentum  und  Rechten  zu  beschirmen^).  Nach  Grusii 
Annal.  Suev.  dod.  tert.  388  erschien  Hugo  in  diesem  Jahre  auch 
auf  dem  Gonstanzer  Goncil^),  vielleicht  als  Stellvertreter  Herzog 
Emst*s,  der  später  selbst  dahin  kam.  Am  7.  Februar  1415  entschei- 
det Hugo  zu  Graz  als  Landeshauptmann  von  Steier  den  langwierigen 
Streit  und  die  blutige  Fehde  zwischen  den  Lichtensteinem  und 
Stubenbergem^).  Am  4.  Februar  1415  ernennt  Herzog  Ernst  den 
Bischof  von  Seckau,  Sigmar  von  Hollneck,  zu  seinem  Kaplan^);  die- 
selbe Gunst  erweist  er  am  5.  Februar  d.  Js.  dem  Probst  Ulrich 
von  Seckau,  nimmt  das  ganze  Stift  in  seine  besondere  Huld  und 
Gnade  und  befiehlt  dem  Grafen  Hugo  von  Montfort,  Landeshaupt- 
mann in  Steier,  die  Chorherren  auf  Seckau  in  allen  ihren  Rechten 
und  Freiheiten  zu  schützen^.  Am  SO.  October  d.  Js.  ernennt 
,E}rzherzog'  Ernst  den  Abt  von  Rein  zu  seinem  Rat  und  Kaplan 
und  beauftragt  seinen  gegenwüriigm  haubtmann  in  Sieir^  dm 
liehen  oheim  Hugo  von  Montfort^  sich  da/mach  zu  halten^). 

Dieses  Triennium   zeigt   unsern  Dichter  auf  dem  Höhepunkte 
seiner  politischen  Laufbahn;  damals  wird  er  auch  die  Insignie  des 


*)  Mnchar  VII,  133;  Hugo  steht  nun  auch  den  geistlichen  Herren  und 
den  übrigen  Hofbeamten  voran. 

*)  Er  war  es  aber  auch  nicht  länger;  denn  nach  Muehar  VII,  135  er- 
scheint 1416  schon  Rudolf  von  Lichtenstein  in  dieser  Würde. 

3)  Muehar  VH,  129. 

^)  Ygl.  Uhland,  gesammelte  Schriften  II,  211. 

S)  Notizenblatt  IX,  pag.  298,  Nr.  358;  Muehar  VII,  135,  aber  falsch  dat. 

•)  Nach  Lichnowsky,  Beg.  zu  V,  Nr.  1516. 

7)  Muehar  (VII,  132)  hat  beide   Urkunden  in  eine  zusammengezogen. 

')  Steiermark.  Landesarchir  (Nachtrag). 


Lxxn 

österreichischen  Drachenordeas  erhalten  haben  ^).  Er  stand  vor  der 
Schwelle  der  Sechziger;  vieles  war  über  ihn  hingegangen,  seine 
Haare  waren  grau  geworden  und  jene  Jahre  der  abnehmenden  Kraft 
nnd  des  Niederganges  gekommen,  die  einem  nicht  mehr  gefallen. 
Nunmehr  verengt  sich  der  Kreis  seines  Wirkens :  er  zieht  sich  von 
den  öffentlichen  Aemtern  und  Angelegenheiten  zurück,  trotzdem 
wir  ihn  hier  gerade  jetzt  tätiger  als  je  erwartet  hätten;  denn  in 
Böhmen  erhoben  sich  die  blutigen  Religionskämpfe  gegen  die  Hussiten, 
welche  die  österreichischen  Herzoge  raitfochten ;  in  Tirol  und  Schwa- 
ben entbrannte  der  verhängnisvolle  Krieg  König  Sigmunds  und  seiner 
Anhänger  gegen  Herzog  Friedrich  mit  der  leeren  Tasche,  in  dem 
alle  bedeutenderen  Herren  dieser  Gegenden  Partei  nahmen,  Hugo's 
Sangesgenosse  Oswald  von  Wolkenstein  und  Hugo's  nächster  Ver- 
wandte Wilhelm  von  Montfort-Bregenz  eine  hervorragende  Rolle 
spielten.  Doch  unsern  Dichter,  der  bisher  selten  in  solchen  Krie- 
gen der  österreichischen  Herzoge  gefehlt  hatte,  suchen  wir  ver- 
gebens. Nur  noch  ein  einzigesmal  sehen  wir  ihn  in  einem  fremden 
Streite  friedenstiftend  auftreten:  am  11.  August  1418  entscheidet 
er  in  Gemeinschaft  mit  Hermann  von  Cilli  und  Bernhard  von  Pet- 
tau  einen  Streit  zwischen  Hans  von  Eberstorf  und  seiner  Schwester 
Barbara  einerseits  mit  Hans  von  Winden  andrerseits^).  Doch  auf 
seinen  Gütern  und  in  der  Sorge  für  sein  Haus  können  wir  seine 
Wirksamkeit  verfolgen  bis  zu  seinem  Tode. 

Wie  das  Urbar  ausweist,  hat  Hugo  seine  Besitzungen,  abge- 
sehen von  dem  Zuwachse  der  Stadecker  Herrschaft,  bedeutend  ver- 
mehrt. So  kaufte  er  Güter  von  dem  HoUnekker^  den  Tewffen- 
bacherriy  den  Krottendorffem,  löste  andere  von  den  Mewtern 
von  Losenstain^)  und  erhielt  von  Herzog  Ernst  die  Stadt  Fürsten- 
feld u.  a.  verpfändet*).  Am  26.  Januar  1418  kaufte  er  Güter  und 
Gülten  im  Dorfe  Rauchenwart,    die   Eigentum   der  Hofkapelle  zu 

^)  Dass  Hugo  diesen  Orden  besass,  bezeugt  das  Wappen  in  der  Hand- 
schrift seiner  Gdichte :  Tom  Helm  hängt  an  goldener  Kette  ein  goldener  Drache, 
der  sich  in  den  Schwanz  beisst.  Dass  dies  nicht  das  Abzeichen  der  preussi- 
sehen  EidechsengeseUschaft  (vgl.  Weinhold  in  den  Mitt.  p.  131),  sondern  das 
des  österreichischen  Drachenordens  ist,  steht  nach  den  Auseinandersetzungen 
K.  ▼.  Sava's  (im  Anzeiger  für  Kunde  der  deutschen  Vorzeit  1857,  pag.  291  ff.) 
ausser  Zweifel.  Ich  verdanke  den  Hinweis  auf  Sava  einer  gütigen  Mitteilung 
Prof.  Weinholds.        «)  Notizenblatt  IX,  p.  302,  Nr.  373. 

8)  Vgl.  Urbar  120  f.,  159  f.,  160  ff. 

*)  Muchar  VII,  246. 


Lxxm 

Wien  gewesen  waren  ^),  während  er  sohon  früher  Neuburg  in  Chur- 
walchen  als  Pfand  von  Oesterreich  erhalten  hatte^).  Diesen  be- 
deutenden Erwerbungen  gegenüber  fällt  der  Verkauf  einiger  kleine- 
ren Güter  zu  Rinnberg  an  Wolfgang  von  Wurmbrand  ^)  nicht 
in  die  Wagschale,  ebenso  wenig  wie  ein  paar  Vergabungen  an 
Kirchen,  die  Hogo  jetzt  zur  Wohlfahrt  seiner  Seele  machte:  1422 
stiftet  er  in  der  Frauenkapelle  zn  Riedern  eine  ewige  Messe  mit 
einem  Kaplan^)  und  gründet  am  3.  Mai  d.  Js.  mit  seinem  Sohne 
Stephan  auf  dem  Hirschberge  südlich  von  Möggers  zu  Ehren  St. 
Johannes  des  Täufers  ein  Frauenkloster  Dominikanerordens^).  Viel- 
&ch  belegt  sind  ausserdem  Belehnungsacte  Hugo*s:  so  belehnt  er 
am  23.  August  1415  Burgkardten  von  Lochen  mit  der  Feste 
Reitenau^);  am  19.  Februar  1416  den  lek  Gesell  gesessen  ze 
Hütä  mit  des  alten  FüglVs  guot"^);  am  7.  December  1417 
Haintzen  GSch  mit  einem  walderb^);  in  demselben  Jahre  auch 
Hanni  Hartmann  mit  ehern  und  Twfstetten  auf  Riedenfeld^ 
bei  Steinberch  und  Murach^);  den  Niklas  Hundsheimer  in  der 
Rorau  über  sechs  Pfund  Gülts  zu  Scharndorf*^).  1418  erteilt  er 
Lehen  an  Konrad  den  Wildungsmaurer  *  *),  an  Claus  und  Hans 
Ebenhoch  ^2),  1422  an  die  Lindauer  Bürger  Kunz,  Lenz  und  Os- 
wald Siber^^).  In  demselben  Jahre  überlässt  er  Kaiharinen,  Han- 
sen Krottendorffers  selig  Tochter,  die  Lehen  ihres  Vaters  ^^). 
1418  gibt  er  dem  Ernst  Frewssinger^^),  1419  dem  Hertel 
Lembsmtzer^%    1422  dem  Melchior   von  Teufenbach^^)  die   Er- 


»)  Vanotti  p.  496,  Nr.  182. 

*)  Dasselbe  wird  auch  im  Burgfrieden  Ton   1415  ausdrücklich  als    pfa/nd 
von  Oesterreieh  angeführt. 

8)  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  823. 

*)  Innsbrucker  Schatzarchiy  IV,  703. 

')  Bergmann,  Landeskunde  von  Vorarlberg  p.  33. 

*)  Innsbrucker  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  463. 

^  Innsbrucker  Statthaltereiarchiv. 

^)  Innsbrucker  dtatthaltereiarchiv. 

•)  Innsbrucker  Schatz archiv  IV,  689. 
*")  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  822. 

**)  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  860,  Urkunde  L;    aber  11.,  nicht  10.  Mai. 
**)  Innsbrucker  Lehenarchiv,  Copialbuch  I,  475. 
*•)  Hohenemser  Archiv. 
*^)  Steiermark.  Landesarchir  Nr.  4901a. 

")  Steiermark.  Landesarchiv  Nr.  4699.         ")  Ibid.  Nr.  4759. 
*')  Brandrs  Urkundenbuch  der  Teufenbacher  p.  197,  ^x.  Vi^, 


LXXIV 

laubuis,  die  von  ihm  erhaltenea  Lehen  aa  andere  zu  verhandeln, 
während  er  hinwider  sich  selbst  1421  vom  Abt  zu  Kempten, 
Friedrich  von  Laubenberg,  neuerdings  mit  der  Feste  Hoheneck  im 
Algau  belehnen  lässt*). 

Nahezu  ein  halbes  Jahrhundert  haben  wir  nun  seine  Wirk- 
samkeit nach  allen  Seiten  hin  verfolgt,  aber  auf  diesem  ganzen 
weiten  Weg  kein  einziges  Anzeichen  gefunden,  dass  er,  jemals  von 
seiner  Strafgewalt  in  aussergewöhnlicher  Weise  gegen  ungehorsame 
Untertanen  Gebrauch  machen  musste,  wozu  er  jetzt  wiederholt  ge- 
zwungen ward.  Von  den  Lehensmannen  auf  Schloss  Krems  hatte 
der  Graf  keinerlei  Abgaben  gefordert,  damit  H  aalten  dinstlich 
sitzen  mit  harnasch  vnd  hengaten^  wenn  ma/n  ir  bedörffte  zuo 
der  Veste  oder  in  der  Veste;  das  si  aber  nicht  geton  häben^ 
noch  getun  mochten^  und  sazzen  ah  wnder  holden  vnwerleich^ 
und  darumb  und  davon  haben  wir  in  zina  auf  die  gueter 
geslagen^).  Am  24.  Juni  1416  bezeugt  Mert  von  Lauterwein 
urkundlich  seine  Widersässigkeit  und  seinen  Ungehorsam,  weswegen 
ihn  Hugo's  Pfleger  Walther  von  Zwingen  auf  der  Feste  Chrani- 
perg  in  vankknuz  genamen^  daz  ich  wol  verachult  hob.  Als  ihn 
dann  frum  lewt  cms  derselben  vankknuz  gepeten^  stellt  er  einen 
Urfehdebrief  aus,  sich  nie  mehr  mit  Worten  oder  Werken  seinem 
gnädigen  Herren  Hugo  vonMontfort  ungehorsam  zu  erzeigen^).  Noch 
viel  schlimmere  Dinge  aber  werden  von  den  Bregenzern  gemeldet. 
Im  November  1415  kamen  Vertreter  der  Stadt  zu  ihren  Herren 
Hugo  und  Wilhelm  und  brachten  die  Klage  vor,  das  man  daz 
gericht  und  den  amman  amächt  und  in  in  ir  aid  und  ürtail 
redt  Darüber  gerät  Hugo  in  grossen  unwellen^  den  er  in  einer 
Malefizordnung  ausspricht,  welche  er  mit  Wilhelm  erlässt:  wer  die 
gewesen  sind,  die  sich  solches  zu  Schulden  kommen  liessen  — 
steht  da  zu  lesen  -^  die  sollen  an  den  Buw  der  atatt  vervallen 
sin  lOU  dn  all  gnad;  zahlt  aber  ein  solcher  Uebeltäter  die  Strat- 
summe  nicht,  so  soll  er  umb  ain  fuoss  an  sinem  Hb  komen  sin, 
den  wir  im  ouch  schaffen  sollen  abzeslahen  von  sinem  Hb  dn 
all  gnad^).    Wer  ferner  den  vom  Ammann  in  einem  Streite  zwi- 


0  Innsbrucker  Schatzarchiy  IV,  718.   Schon  1418  hatte  Hugo  (laut  Inns- 
brucker Schatzarchiv  IV,  717)  die  Vogtei  über  Hoheneck  inne. 
^)  Urbar  (späterer  Nachtrag  ron  anderer  Hand)  Fol.  73. 
3)  Steiermark.  Landesarchiv  Nr.  4632. 
^  Dieses   Urteil,   das   unser   heutiges    Gefühl   empOrt,   ist   nicht    auf 


LXXV 

sehen  zweien  oder  ludireren  gebotenen  Friedea  bräche  und  diesem 
wide^prieht,  def  soll  mit  50^  bestraft  werden  oder,  wenn  er  nicht 
zahlt,  seinem  Herren  mit  Leib  und  Gut  verfallen  sein,  der  ihn  be- 
handeln wird  wie  einen  Todtschläger^). 

Diese  Dinge  mochten  den  vielgeprüften  Mann  sehr  kränken; 
aber  was  folgte,  war  nicht  tröstlicher.  Hugo  hatte  seit  jeher  das, 
was  seine  Vorfahren  an  den  Ratid  des  Verderbens  gebracht, 
sorglich  gemieden:  den  Streit  mit  den  nächsten  Verwandten,  der 
nun  noch  in  seinen  alten  Tagen  über  ihn  hereinbrach.  Wilhelm 
von  Montfort  hatte  nur  eine  einzige  Tochter  Elisabeth,  welche  mit 
dem  Grafen  Ebw^hard  von  Nellenburg^)  verehelicht  war.  Da  seine 
Besitzungen  Reiohslehen  waren,  fielen  sie  nach  seinem  Tode  an 
die  männliche»  Nachkommen  des  andern  Zweiges,  an  Hugo  und 
dessen  Söhne.  Wilhelm  wollte  das  hindern  und  gegen  Gewohn- 
heit und  Recht  seine  Güter  auf  Elisabeth  vererben.  Er  machte 
grosse  Anstrengungen  bei  Kaiser  und  Reich  und  setzte  seine 
Absichten  durch;  dena  er  hatte  sich  in  den  Kriegen  der  letzteren 
Jahre  auf  mancherlei  Weise  um  die  deutsche  Krone  verdient  ge- 
macht^). Da  die  Montforter  des  andern  Zweiges  dagegen  prote- 
stierten, 'kam  es  zur  Waffengewalt.  Ueber  den  Verlauf  dieses 
Kampfes  bleiben  wir  im  Dunkeln;  doch  ist  es  bei  Wilhelms  ver- 
wegener Art  wahrscheinlich,  dass  er  Hugo*s  Teil  von  Bregenz  über- 
rumpelte und  besetzte,  um  diesen  so  zur  Anerkennung  der  weib- 
lichen Erbfolge  zu  zwingen.  Darauf  weist  besonders  die  Tatsache, 
dass  Wilhelm  bei  seinem  Tode,  der  ihn  noch  während  dieser  Fehde 
(am  6.  März  1422)  ereilte,  in  unrechtmässigem  Besitze  desselben 
war,  wie  die  grosse  Friedensurkunde  vom  27.  März  1422^)  be- 
sagt.    In  derselben  erscheint   ein  Schiedsgericht   von   7  Richtern: 


Rechnung  von  Hugo*s  Grausamkeit,  sondern  des  damaligen  unmonschlicben 
StrafTerfahrens  überhaupt  zu  setzen.  Solche  Dinge  begegnen  nicht  selten.  So 
liess  z.  B.  Herzog  Friedrich  einige  Jahre  vor  diesem  Ausspruche  Hugo's  dem 
Züricher  Bürger  Burkard  Slatter  die  Augen  ausstechen,  die  Zunge  ausschnei- 
den und  dann  sein  Gut  nehmen.     Vgl.  Lichnowsky,    Reg.    zu  V,    Nr.    1342. 

')  Grosse  Originalurkunde  im  Innsbr.  Statthaltereiarchive.    Dt.  Bregenz. 

*)  Dieser  starb  1 420  und  hinterliess  eine  Tochter  Kunigunde ,  die  sich 
mit  Johann  you  Lupfen  vermählte. 

')  In  dem  Streite  K.  Sigmunds  mit  Herzog  Friedrich  stand  er  auf  Seite 
des  erstem;  aber  nach  der  Begnadigung  Friedrichs  trat  er  zu  diesem  in  ein 
nlberes  YerhAltnis. 

^)  im  Innsbraoker  StatthaltereiarchiTe.     Dt.  RaTea^bwi^. 


LXXVI 

Hans  Cunrat  von  Bödmen^  Uenhart  von  Jüngingen^  Caspa/r  von 
Klingenberg  und  an  ihrer  Spitze  Johannes  Truchsesa  zu  Wal' 
purg^  Reichslandvogt  in  Schwaben,  als  Schiedsleute  des  grau  ff 
Hugen  von  Montfort^  herre  zuo  Bregentz  und  zuo  P/annenherg^  — 
und  Wolf  vom  Stain^  Cunrat  von  Haimenhofen  und  Töllentzer 
von  Shellenberg  als  Schiedsleute  Hugo's  von  Montfort - Bregenz, 
des  Johannitermeisters  in  Tüfschen  landen^  als  Bruder,  und  der 
Elisabeth  von  Neuenbürg,  als  Tochter  des  verstorbenen  Wilhelm 
von  Montfort-Bregenz.  Beide  Parteien  geloben  vor  dem  Schieds- 
sprüche mit  schweren  Eiden  zuo  got  und  zuo  den  haiügen  mit 
uff  geholten  vingern^  das  getrüwlich^  waur^  vest  und  stete  zu  halten, 
was  da  entschieden  werden  wird,  damit  so  alle  zwayung^  stösse 
und  Unwillen^  die  sich  erhebt  haund  und  uff  er  standen  sind  zwi- 
schen grauff  Hugen  und  grauff  Wilhelmen  —  dem  got  barmhertzig 
sy  —  von  der  herrschaft^  lüte  und  guot  wegen  zuo  Bregentz* 
abgetan  seien  und  dafür  ein  gantzer,  luterer  suon  gesetzt  werde. 
Es  wird  nun  von  allen  Siben  ainhellenglich  entschieden:  Hugo^ 
der  Maister,  und  sins  bruoder  grauff  Wilhalms  selige  tochter 
müssen  dem  Pfannberger  sinen  tail  an  der  bürg  und  statt  tmd 
an  der  gantzen  herrschaft  zuo  Bregentz  mit  lüten  und  guoten^ 
es  sy  in  der  statt  oder  uff  dem  lande^  ah  jm  die  denn  zuo 
getailt  worden  ist  nach  uszwisung  der  tailbrieff^  dne  verzug 
ivider  in  geben  und  zuo  sinen  handen  in  antwurten  dne  andern 
intrag  ungeverlich  Ferner  sollen  alle  Untertanen  Hugo's,  des 
Pfannbergers,  welche  entweder  Wilhelmen  oder  seinem  Bruder,  dem 
Meister,  oder  beiden  gehuldigt  und  geschworen  haben,  ohne  allen 
Verzug  ihres  Eides  erlassen  und  verhalten  werden,  zu  ihrem  recht- 
mässigen Herren  zurückzukehren.  Desgleichen  soll  alles  andere, 
was  dem  Pfannberger  genommen  worden,  es  wer  kost,  gezüg,  hnsz- 
raut  oder  anders^  demselben  wieder  Zurückgegeben  werden.  Die 
weitern  Bestimmungen  behandeln  das  jus  retractus  und  den  Burg- 
frieden. 

Daraus  erhellt  zweifellos,  dass  Wilhelm  sich  unrechtmässiger 
Weise  des  andern  Teiles  von  Bregenz  bemächtigt  und  Hugo's  Leute 
veranlasst,  ja  vielleicht  gezwungen  hatte,  ihm  den  Treueid  zu  lei- 
sten ;  denn  in  einer  weitern  Clausel  dieser  Urkunde  wirf  noch  her- 
vorgehoben, dasz  der  grauff  Hug  von  Pfwnnenberg^  sin  erben 
und  nachkommen  die  armen  lüte^  die  im  zuo  gehören,  es  sy 
j^uo  ^re^entjg  in  der  statt  oder  uff  dem  lande,  der  Verhandlung  e^ 


Lxxvn 

so  sich  »ao  Bregentz  verloffen  hantj  nit  enfgepen  lausaen^  sunder 
sy  gnediglichen  halten  sol  als  ander  sin  armen  lüte  aun  all 
geverde.  Es  wurde  also  der  Status  quo  ante  bellum  wieder  her- 
gestellt, aber  Elisabeth  beerbte  ihren  Vater. 

Das  Zeugnis,  dass  beide  Teile  die  Entscheidung  anerkannt 
haben,  gibt  eine  zweite  Urkunde  desselben  Tages  ^),  worin  Hugo 
von  Pfannenberg,  Hugo,  der  Maister,  und  Elisabeth  den  Burgfrieden 
von  1405,  der  am  3.  September  1415^)  erneuert  worden  war, 
wieder  aufnahmen  und  auf  die  Dauer   von  20  Jahren  ausdehnten. 

Zu  diesem  einen  Streite  kam  noch  ein  zweiter  mit  dem  Stifte 
Rein  über  Wäldergrenzen  am  Hirscheck,'  der  erst  nach  Hugo's 
Tode  auf  Herzog  Ernst's  Befehl  durch  den  Hauptmann  von  Steier, 
Ulrich  Schenk  von  Osterwitz,  entschieden  wurde ^).  Aber  damit 
noch  nicht  genug:  1419  wurde  Hugo's  ältester  Sohn  Ulrich  in 
der  Vollkraft  der  Jahre  und  bald  darauf  sein  Enkel,  Stephan  der 
jüngere,  noch  im  Kindesalter  vom  Tode  hinweggenommen*). 

Das  waren  also  lauter  trübe  Nachrichten  aus  Hugo*s  letzter 
Lebenszeit.  Leid  war  die  Grundfarbe  seines  Lebens  gewesen,  das 
hat  er  uns  selbst  gesagt;  vermehrtes  Leid  verdüsterte  die  letzten 
Tage  seines  Alters*  Und  ^  wenn  er  am  Rande  des  Grabes,  besorgt 
für  die  Zukunft  der  beiden  unmündigen  Träger  seines  Geschlechts, 
die  er  allein  zurückliess,  den  Blick  in  die  Zeiten  lenkte,  die  da 
kommen  würden,  so  konnte  sich  ihm  nur  ein  düsteres  Bild  auftun, 
ja  vielleicht  mochte  ihn  schon  die  Ahnung  beschleichen,  dass  der 
Glanz  und  die  Bedeutung  seines  Hauses  einem  raschen  Untergange 
nahe  sei;  denn  damals  wurde  im  Tirolerlande  diesseits  des  Arlberges 
vom  Herzoge  und  den  Landständen  die  Macht  des  Adels  gebrochen, 
in  Vorarlberg  selbst  bereiteten  sich  neue  Bündnisse  vor,  die  ihren 
Schwerpunkt  in  den  Gemeinden  hatten,  während  hinter  ihnen  die 
Schweizer  wieder  ihre  Schwerter  wetzten :  kurz,  es  erhob  sich  da- 
mals eine  Reihe  untrüglicher  Anzeichen,  dass  es  mit  der 
Adelsherrschaft  überhaupt  alsbald  vorüber  sein 
werde  für  immerdar! 


*)  Bei  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  853,  Urkunde  N. 

*)  Die  Urkunde  beiYanotti  pag.  585,  Nr.  38;  aber  nicht  vom  6.  Sep'pmber. 

»)  Muchar  Vn.  168. 

^)  So  blieb    aus  der   Ehe  Ulrichs    mit  Guta   nur   ein    noch   unmündiger 
Sohn  Hermann,  welcher,  da  Hugo's  Sohn,  Stephan  der  ältere,  1437  nnvermählt 
starb,  allein  das  Geschlecht  der  Montfort-Brogenz-Pfannbergcr  {ott^^twvVLV^. 


Lxxvm 

Mit  diesen  Misstönen  verklingt  die  Geschichte  von  Hugo's 
Leben.  Er  starb  am  4.  April  1423  und  wurde  in  der  Kirohe 
der  Minoriten  zu  Brück  an  der  Mur  begraben^). 

Noch  lange  gedachte  man  mit  rühmlicher  Anerkennung  des 
Gründers  der  neuen  Montforter  Linie  von  Bregenz-Pfann- 
berg.  Am  18-  Mai  1426  schenkt  Kaiser  Sigmund  in  Erinnerung  der 
Dienste  des  verstorbenen  Grafen  Hang  von  Montfort  dessen  Sohne 
Stephan  und  dessen  Enkel  Hermann,  die  noch  nicht  rmmtpar  sind, 
die  besondere  Gnade,  dass  sie  bis  zu  ihrer  Mündigkeit  im  Besitze  der 
vom  Keiche  und  der  Krone  Ungarn  herrührenden  Lehen  bleiben 
dürfen^)  Herzog  Ernst  übernahm  selbst  die  Vormundschaft  über 
Stephan  und  Hermann^).  Am  20.  Juli  1430  erteilt  Herzog  Al- 
brecht V  den  Grafen  Hermann  und  Stephan  von  Montfort  mehrere 
Lehen  »um  der  Dienste  willen  die  dieser  Montforter  Vordem* 
den  Oesterreichern  geleistet  haben  ^).  Und  noch  heute  nennt  das  Volk 
den  G^bhardsberg  hinter  Bregenz,  von  dem  aus  wir  im  Eingange 
dieser  Abhandlung  den  schönsten  und  bedeutendsten  TeSl  Vorarlbergs 
überblickten,  welcher  zum  grossen  Teile  Hugo^s  Eigentum  und  der 
Schauplatz  seiner  Tätigkeit  gewesen,  nach  ihm  den  Pfannenberg, 


1)  Den  Todestag  fand  Bergmann;  Tgl.  Sitz.  Ber.  IX,  824. 

')  K.  bairisches  Reichsarchiv  Fase.  20. 

*)  Vgl.  Bergmann,  Sitz.  Ber.  IX,  824.  Da  der  Herzog  schon  1424 
starb,  erhielt  Graf  Hans  yon  Lupfen,  Landgraf  zu  Stieglingen,  die  Gerhabschaft 
über  die  beiden  Erben  Hugo*s  laut  einpr  Urkunde  vom  3.  März  1425  (im  bair. 
Reichsarchiy  Fase.  XX)  und  einer  andern  Yom  27.  März  d.  Js.  (Hohenemser 
Archiv). 

^)  Lehenbuch  Albrechts  Y  im  Notizenblatt  IX,  283. 


IL  HUGO'S  PEESÖNLICHKEIT,  STIL 
UND  CHARAKTER 

Nach  dieser  Darstellung  von  Hugo's  Leben,  welche  die  dürf- 
tigen Quellen  in  engen  Grenzen  hielten,  müssen  wir  das  Bild  seiner 
Persötilichkeit  und  seines  Charakters  ergänzen,  müssen  darzustellen 
sncheti,  welche  Anlage,  welche  Fähigkeiten,  welche  Bildung  dieser 
merkwürdige  Mann  besessen,  und  wie  er  sich  zu  den  geistigen 
Strömungen  verhalten  habe,  die  seine  Zeit  durchwogten.  Das  ist 
einer  der  wichtigsten  Teile  unserer  Aufgabe  besonders  deswegen, 
weil  Hugo  eines  der  Endglieder  in  einer  langen  historischen  Kette, 
einer  der  letzten  ritterlichen  Sänger  des  Mittelalters  ist.  Ihm  folgt) 
nur  Oswald  von  Wolkenstein  und  in  weiter  Ferne  noch  Fürst 
Heinrich  von  Würtemberg  *). 

Wir  haben  uns  Hugo  vorzustellen  als  eine  mächtige  Gestalt 
(5,  95),  als  , einen  starken  Mann  von  Blut  und  Saft*,  wie  Gervi- 
nus  sich  ausdrückte  (G.  d.  d.  D.  II 5,  428). 

Zu  dieser  körperlichen  Constitution  stimmt  die  gerstige.  Hugo 
ist  ein  Mann  mit  starkem  Willen  und  grosser  Tatkraft,  heftiger 
Leidenschaft  fähig.  Sein  Leben  bot  Beweise  genug.  Ihm  wird  die 
üeberzeugung  sofort  zum  G^bot  und  dieses  zur  Tat.  Wechselt  er 
seine  Anschauung,  so  geschieht  es  jäh  und  bis  nahe  an  das  Extrem. 
Er  geht  weit  im  G^nuss  der  Jugend  und  in  der  Enthaltsamkeit 
des  Alters,  ist  überschwänglich  in  der  Freude  und  im  Leid.    Jene 


*)  Von  ihm  kennen  wir  nnr  drei  Gedichte;  denn  das  erste  Ton  den 
Tieren,  welche  Holland  und  Keller  Tmter  seinem  Namen  ans  einem  S  a  m  m  e  1  - 
codex  herausgegeben  haben,  ist  wahrscheinlich  unecht:  Heinrich  setzt  näm- 
lidi  seinen  Liedern  am  Schiasse  —  wie  es  damals  üblich  war  —  den  Namen 
des  Dichters  bei,  der  aber  bei  Nr.  1  fehlt;  dazu  treten  noch  sprachliche 
Differenzen  herror. 


LXXX 

Gedichte,  wo  er  in  rahiger  Heiterkeit,  in  leidenschaftslosem  Lebens- 
genüsse erseheint,  stehen  ganz  vereinzelt;  meist  finden  wir  ihn  in 
der  Aufregung  unverhoffter  Freude  oder  unter  dem  Drucke  tiefen 
Schmerzes.  Und  er  mag  das  selbst  gefühlt  haben,  wenn  er  27,  191 
den  ihn  bezeichnenden  Ausspruch  tat:  ietz  weinen  und  denn 
lachen  das  ka/n  die  blöde  menscheit  an  uns  machen. 

Diese  leidenschaftliche  Erregtheit  seines  Gemütes  ist  es  auch, 
die  Hugo  zum  Dichten  bringt,  die  ihn  nötigt,  den  überwältigenden 
Gefühlen  Luft  zu  machen.  Darum  singt  er  trotz  Gewissensangst 
(16,  4"v,  18,  193;  24,  105)  und  Kunstbangigkeit  (2,  133;  15, 
165),  trotz  seiner  vielen  Geschäfte  (31,  157)  und  der  harten 
Zeitläufe  (31,  109);  trotzdem  er  es  verredet  (31,  106  und  32,  1) 
und  trotzdem  seine  ret  in  straffen  ob  dieser  Zeitversäumnis  (31, 
112).  Daher  kommt  es  auch,  dass  er  so  selten  blosse  Dichtun- 
gen macht:  ihm  tritt  stets  das  Herz  auf  die  Zunge;  weitaus  in 
den  meisten  Fällen  ist  er  selbst,  sind  die  eigenen  Zustände  und 
Verhältnisse  Gegenstand  seines  Gesanges,  ja  auch  in  jenen  Pro- 
ducten,  welchen  er  eine  allgemeinere  Fassung  zu  geben  sucht 
(z.  B.  Nr.  15,  27,  28),  dringen  die  persönlichen  Momente  überall 
hervor.  Seine  Dichtungen  sind  wahr  im  eigentlichen  Sinne  des 
Wortes,  denn  er  hat  sie  gelebt  und  war  sich  dessen  auch  be- 
wusst:  ich  hdn  es  (das  Gedicht)  ie  darnach  gemachen^  als  mir 
do  was  ze  muot:  wem  wes  das  hertz  hegerend  ist^  det*  mund 
tuots  dikche  sagen  31,  135.  So  stehen  denn  die  Gedichte  auch 
da,  bald  fröhlich  bald  traurig  als  Zeugnisse,  wie  die  Gefühle  zogen 
durch  seine  Brust. 

Man  kann  e  rwarten,  dass  die  Leidenschaftlichkeit  auch  in  sei- 
ner Darstellungsweise  sich  bemerkbar  machen  wird:  sie  ist  unruhig, 
sprunghaft  und  dann  wieder  überladen;  er  wird  nicht  müde,  den 
Grundgedanken,  der  ihn  bewegt,  immer  von  neuem  zu  wiederholen 
(z.  B.  Nr.  15),  ihn  nicht  nur  einem,  sondern  mehreren  Gedichten 
als  Thema  zu  Grunde  zu  legen  (z  B.  Nr.  10,  12,  13  und  die 
Reden  nach  Clementia's  Tod).  Auch  in  Einzelnheiten  seines  Stils 
ist  sie  zu  erkennen:  von  ihr  werden  die  zahlreichen  In terj ac- 
tio neu  und  Ausrufe  kommen,  wie  nu  dar  5,  223;  18,  101 ;  nu 
hin  18,  269;  o  17,  21;  27,  1;  ach  4,  12;  ach  gott  4,  63  ;  11, 
12;  17.  45;  y  4,  7;  17,  9;  pA^  24,  79;  phuch  2,  64;  24,  79; 
0  phuch  29,  40;  mordajo  5,  343;  o  mortjo  5,  201  u.  v.  a. —  von 
ihr  ä'ie  ürberfüUe  von  Anrufungen,  Häufungen,  Gradationen, 


LXXXI 

welche  oft  nooh  mit  Asyndeton  and  Anaphern  verbanden  sind :  trut 
hehertri  1,  4;  min  höchste  hünegirme  1,  45 ;  min  höchster  hört 
1,  90;   0  liepUch  zarf^  du  suesse^  mins  hertzen  fröd  und  tust 
3,  25.   ir  ir^  ir  zucht^  ir  sitt  18,  143;  nu  dar^  min  fröd^  min 
umnn^  min  heil  18,  101;  got  ist  din  glükchy  din  ^r,   din  guot 
22,  ö;  min  gUik^  min  heil^  min  seiden  kind  1,  61 ;   min  herr^ 
min  vcUer^  min  hus^  min  ho/  27,  173,  u.  auffallend  v.  a.  —  von  ihr 
die  starkenHyperbeln  und  Vergleiohe:  min  dienst  und  gruozz 
me  tusent»  stunt^  denn  gestüpp  ist  in  der  sunnen  6, 1 ;  zwar  und  kern 
der  Türken  her^  ich  Hess  mirs  nieman  werren  7,  19;   hundert 
mil  so  tuend  si  zuohin  schlichen  38,  24  eto.,  welche  sein  Eifer  bis 
ins  unschöne  treibt;  32,  56  z.  B.  sagt  er:  wer  es  unternähme,  die 
Gottheit  zu  ergründen,  wäre  ebenso  unverständig  wie  der,  welcher 
die  regens  tropfen  zählen  wollte,  die  hinfür  vollen  werden.   Der 
Vergleich  ist  gut,  aber  dem  Dichter  nicht  genug;  er  will  die  Un- 
möglichkeit noch   durch  einen  starkem   dartun    und    setzt   hinzu: 
und  wie  der,   welcher  die  sunnen   ml  durchstopfen  mit   einem 
Stabe  hinuff  von  der  erden,  und  das  ist  platt;  vgl.  ferner  15,  140; 
20,  51 ;  22,  39;  27,  17;  30,  36  u.  a.  —   von  ihr  auch  die  zahl- 
reichen eifervollen  Beteurungen  mit  sicher,  sicherlich^  werlich, 
fürwahr,  an  zwifel,  mit  gantzer  wa/rheit,  es  wer  unmügelichj  des 
glob  zwar  mir  etc.  —  und  kräftigen  Schwüre,  welche  von  den  Flick- 
versen dieser  Art  wohl  zu  unterscheiden  sind :  des  getar  ich  frilich 
sweren  35,  16;  uf  minen  eid  3,  19;  18,   18;  27,  27,  135;  das 
swer  ich  zwar  bi  minen  truwen  33,  107;   das   sag   ich  bi  den 
eren  min  18,  32;  des  swer  ich  wol  bi  minem   Hb  37,   53;   des 
setz  ich  üch  min  hopt  ze  phand  5,  122  etc.  —  daher  endlich  die 
heftige  Art  seines  Tadels  und    seiner  Polemik.    Gegenüber 
den  beiden  schismatischen  Päbsten  sagt  er:  der  tiefel  hat  gesellet 
werlich  sich  zuo  dem  einen  5, 196;  von  den  geizigen  Cardinälen :  die 
blasent  iren  dien   zuo  der  sach  durch  gitikeit  5,  213;  von  den 
geschwätzigen   und   unverschämten   Liebhabern:    die   schreien    und 
wiehern  als  esel  in  dem  meien  5,  300;    von   den  Beginen:    der 
tiefet  wird  si  pinen  29,   148;   bei  seiner  Verteidigung   der  abso- 
luten Willensfreiheit:    wer   anders  redt,   der  glicht  sich   einem 
äffen  27,  91  u.  a. 

Das  die  Momente,  welche  Hugo's  Naturell  und  Temperament 
bestimmen  helfen.  Suchen  wir  nun  nach  seinen  Fähigkeiten  und 
seiner  Bildung,  soweit  sein  Leben   und  seine  Dichlww^'fcw  K.v\ia\\Ä- 

WackeroeJiy  Montfort.  ^ 


Lxxxn 

punkte  dafür  bieten»  In  den  Vordergrund  tritt  sein  offener  Sinn 
f&r  die  Dinge  und  Vorgänge  der  realen  Aussenwelt,  sein  Streben 
nach  Welt-  und  Menschenkenntnis,  dem  er  sich  schon  von  froher 
Jugend  auf  mit  dem  vollen  Bewusstsein,  darin  ein  reiches  Bildungs- 
mittel des  Geistes  zu  finden,  hingab.  In  den  spätem  Jahren  ver- 
sichert er  dann  wiederholt  und  mit  sichtbarer  Befriedigung,  dass 
seine  Bemühungen  Erfolg  hatten:  ich  hdn  die  weit  gesehen  wol 
und  nicht  durch  einen  acJUiemen  27,  113;  ich  hdn  die  weit  ge^ 
wandelt  vil  und  hdn  ai  gar  wol  gesehen  29,  21  (vgl.  auch  27, 
181);  ich  hdn  gross  wunn  und  fr  öd  gesehen  von  mannen  und 
von  wiben  33,  57 ;  ja  so  eingehend  hat  er  die  Welt  zum  Objeote 
seiner  Beobachtung  gemacht,  dass  er  sagen  kann:  hdn  ich  da 
icht  vergessen^  so  bekenn  ichs  doch :  das  dunkel  mich  ein  wun- 
der  15,  48.  Daher  liebt  er  in  seinen  Gedichten  besonders  auch 
Wendungen  wie  die  weit  die  hdt  18,  249;  so  spricht  die  weit 

26,  19;  die  weit  die  tuot  33,  1;  die  menscheit  kan  manchen 

27,  192  etc.  —  oder  gibt  Erfahrungssätze  als  Lebensnormen:  hue^ 
tent  üch  vor  gehlem  zom,  (denn)  mit  gueti  endt  man  vil  26,  53 ; 
davon  schetz  ich  einn  steten  muot  ein  gruntfest  wol  der  ere^ 
wann  wer  den  hdt  eta  18,  221;  ie  klueger  sinn  ein  man  doch 
hdt  etc.  lö,  145—152;  die  Lebensregeln  in  Nr.  14*)  wie  die 
didaktischen  Gedichte  an  seine  Frauen  zeigen  manchen  tüchtigen 
Erfahrungssatz,  5,  175  und  die  ff. Verse  seinen  Blick  in  politische 
Situationen.  Wenn  wir  dann  noch  seine  politische  Tätigkeit  ins 
Auge  fassen  und  ihn  in  successiver  Reihenfolge  als  »capitano  ge- 
nerale' in  Italien,  als  Landvogt  in  Schwaben,  an  der  Spitze  des 
gesammten  herzoglichen  Verwaltungswesens  in  den  Vorlanden,  end- 
lich an  der  Spitze  der  Landesregierung  Steiermarks  erblicken,  so 
dürfen  wir  wohl  schliessen,  dass  wir  einen  Mann  von  bedeuten- 
dem Fähigkeiten  vor  uns  haben,  der  auch  das  besass,  was  damals 
nicht  weniger  als  heute  eine  Hauptforderung  an  einen  tüchtigen 
Träger  solcher  Vertrauensämter  ist:  Welt-  und  Menschenkenntnis, 
wie  er  sie  eben  für  sich  in  Anspruch  nimmt. 

Hervorragende  Weltkenntnis  aber  im  obigen  Sinne  hat  neben 
der  Beobachtung  selbstverständlich  auch  eigenes  Nachdenken,  tiefere 
Reflexionsfahigkeit  zur  Voraussetzung,  und  Hugo  betont  gerade 
diese  Seite  noch  besonders:  ich  hdn  die  weit  gemessen^  oh  ich  es 


^)  Vgl  auch  Weinholds  Urteil  darüber  a.  a.  0.  145. 


LXXXIII 

hän  beaunnen  etc  15»  46;  ich  hän  nach  aachen  (naoh  dem 
moralischen  Weltlaaf)  vil  gedacht  24j  93.  Aach  dafür  liefert 
sein  Leben  einige  bestätigende  Aohaltspankte :  es  zeigt  uns  in  Hngo 
eine  tiefer  angelegte  Nator^),  einen  Menschen,  der  tiefere  Blicke 
in  das  Leben  und  in  die  eigene  Brust  getan  und  versucht  hat, 
sich  selbst  zu  erkennen  und  sich  im  Zusammenhange  mit  der  Welt 
za  begreifen.  Jene  lebhafte  Frömmigkeit  seiner  reifem  Jahre  ist 
ihm  nicht  auf  dem  mühelosen  Wege  überlieferter  Gewohnheit  auf- 
geblüht, sondern  aus  strenger  Selbstprüfung  und  aus  innem  Kämpfen : 
sie  war  kerne  äusserliche  und  angelernte,  sondern  eine  überzeugte 
Frömmigkeit 2),  wie  schon  Weinhold  hervorgehoben  hat  Wir  werden 
dann  gleich  unten  sehen,  wie  er  auch  über  subtilere  Fragen  der 
duristlichen  Lehre  nachdachte,  dieselben  einheitlich  zu  erfassen 
sachte  und  gegen  Andersgläubige  Stellung  nahm.  Philosophische 
Speculationen  konunen  dabei  freilich  nicht  heraus;  allein  es  fallt 
bei  seiner  Charakteristik  schon  ms  Gre wicht,  dass  er,  der  reiche 
Graf,  der  weltliche  Herr  des  14.  Jahrhunderts,  sich  überhaupt  mit 
solch  höhern  Fragen  beschäftigte. 

Die  anderweitigen  Anhaltspunkte  für  seine  Fähigkeiten  und 
Bildung  sind  spärlich,  lieber  seine  Kenntnis  weltlicher  Dichtungen, 
d^  Bibel  und  lateinischen  Sprache  haben  wir  schon  p.  11  und 
12  gesprochen;  über  seine  Stein-  und  Wappenkunde  vgl.  Wein- 
hold .p.  148.  In  Nr.  30  erwähnt  er  mit  grosser  Teilnahme  der 
Astronomie;  er  ist  dieser  Kunst  zwar  selbst  nicht  mächtig,  kennt 
aber  genau  ihre  Aufgaben.  Angesehen  werden  seine  Rechtskennt- 
nisse gewesen  sein,  was  vom  Vorsitzenden  eines  Landesgerichts  zu 
erwarten  ist,  und  die  vielen  Fälle  andeuten,  in  denen  man  ausser- 
dem um  seinen  Schiedsspruch  einkam.  Hervorzuheben  ist  dann  noch 
sein  längerer  Discurs  über  die  loica  in  Nr.  31.  £r  spricht  da 
über  die  formale  Logik,  wie  wir  heute  sagen  würden,  welche  je 
nach  ihrer  Anwendung  gebraucht  werden  kann  ze  hilf  dem  rechten 
gentzlich  ebenso  wie  zur  Fälschung  des  Rechts.  Daraus  wird 
man  wenigstens  auf  eine  teilweise  Vertrautheit  mit  derselben 
schliessen  dürfen,  obgleich  ihre  praktische  Verwertung  in  seinen 
Gedichten  nicht  bedeutend  ist.  Zwar  beweist  Hugo  oft  und  viel, 
aber  nicht  durch  logische  Schlussreihen,  sondern  meist  durch  Sätze 


1)  Siehe  Weinhold  142. 

')  Wie  anders  z.  B.  LichtensteiD  ;  Tgl.  Koorr  (Qaell.  u.  Forsch.  IX)  36  ff. 


Lxxxnr 

seiner  Welt-  und  Lebenserfalirung,  denen  er  die  Bernfangen  auf 
die  iatori^  auf  die  buoch^  die  geschrihen  sind  vor  mengen  Aun- 
dert  jaren^  an  die  Seite  setzt.  Das  bleibt  ein  unterscheidendes 
Merkmal  Hugo's  von  den  s.  g.  gelehrten  Dichtern  seiner  Zeit :  diese 
übersetzen  und  schöpfen  aus  Büchern,  Hugo  aber  vorzüglich  aus 
dem  Leben,  obwohl  auch  er  in  Studium  gestanden  und  gar  guoU 
buoch  gelesen  (29,  90),  also  in  seiner  Jugend  mutmasslich  eine 
gelehrte  Bildung  empfangen  hat  (vgl.  p.  11). 

Besonders  und  ausführlicher  untersuchen  müssen  wir  endlich 
seine  Fähigkeiten  und  Kenntnisse  als  Dichter.    Grehen  wir  dabei 
wieder  aus  von  seinem  Verhältnisse  zur  realen   Aussen  weit,    zur 
Natur,  und  sehen,  wie  er  es  veVsteht,  diese  zum  Gegenstande  seiner 
Phantasie  zu  machen:  wie  er  Vorstellungen  und  Anschauungen  zu 
sinnlichen  Bildern  verbindet,   deren   der  Dichter   nimmer   entraten 
kann.     Hier  zeigt  Hugo   nicht   geringe  Begabung:    mit   Geschick 
werden  oft  abstracte  Dinge  und  Vorgänge  verbildlicht,  so  setzt  er 
z.  B.  statt  des  abstracten  „der  wird  es  bei  seinem  Tode  erfahren* 
lieber  gleich  den  bildlichen  Vorgang   des   Begräbnisses:    der  wirt 
wol  gewar^   so  man  in  treit^  gar  Tcleglich  in  die  erden  leit  5, 
341;  statt  «sie  (die  Frauen)  haben  die  grössten  Helden  bezwun- 
gen*:   si  hand   bezwungen  der  türsten  lib^    die  swert  in  dhand 
ie  hdnd  genomen  18,  156;  statt  „vertraue  niemanden*:   nieman 
offen  dines  hertzen  grund  3,  64.  —  Die  Wirkung  der  Hoffnung 
und  des  Zweifels  versinnlicht  er:  über  aller  leide  back  ist  recht 
hoffnung  ein  steg^  zwifel  ist  ein  imgemach  und  ein  böser   weg 
38,    121;    seine   beginnende   Liebesneigung:    si    (das   selig   wih) 
schozz  mit  füres  flammen  in  mines  hertzen  Musen  2,  20;  seine 
Liebessehnsucht :  gen  Senenberg  behusen  ward  ich  do  ze  stunden 
trArig  gentzlich  funden  und  in  grossen  sorgen  da  2,   22;    den 
Geiz  der  Gardinäle :  grosse  hoptprelaten  die  blasent  iren  dten  zuo 
der  sach  durch  gitikeit  5,  211.     Wie  er  den  Verlust  der  Gnade 
Gottes  und  die  Mittel,  sie  wieder  zu  gewinnen,  verbildlicht,   zeigt 
Str.  l  und  2  von  Nr.  13.  —  Das  menschliche  Leben  ist  ihm  der 
Tag,  der  Tod  die  finstere  Nacht,    das   ewige  Leben   die  Herberte 
10,  6,  10,  11.    Er   ist  reich  an  Metaphern,  Metonymien,  Synek- 
dochen, Personificationen,  von  denen  ich  nur  noch  eine  kleine  Aus- 
wahl zur  Charakteristik  hiehersetzen  kann :  dinr  claren  ogen  nimm 
ich  war 9  die  bschliessent   eren   porten  23,    15;    din  hertz   das 
fyme^  mit  recht  ein  hrön  mit  saphim  von  Orient  23,  2 1 ;  dine 


LXXXV 

wart  soU  du  muren  14,   26;  wan   si  aehmt  wol  und  we   und 
jamer  in  der  Sünden  se  4,  187;  hilf^  das  mich  der  seiden  tag 
in  dinen  gnaden  hescMn  5, 378;  ah  ist  der  fr  öden  anger  15,  59; 
wir  söllintz  (die  Liebe)  graben  mit  trüwen  in  die  hertzen  18,  57; 
urir  wonent  uff  einer  wilden  heid  27,  107    und   ir   varent  uff 
eim  wilden  se  davomen   uff  der  erden  28,  219;   schlaff  ich  in 
sündf  o  heiss  mich  wider  wachen  28,  708;  38,  180;  also  wirst 
du  in  torheit  gra  und  puwst  ein   irre  Strassen  31,  35;    wib^ 
prinnende  vakel  in  mannes  gemuete  38,  65;   wib  schiiessent  uff 
muot  uss  hertzen  f  orten  38,  100 ;  o  sechszig  jdr  sind  swer  uff 
minem  ruggen  38, 141.  —  tuost  du  din  zungen  lenken  durch  mtnen 
willen  wider  recht  5,  286 ;  wer  mit  rechter  stim  .  .  für  in  (den 
Pabst)  hem  5,  19.  —  ich  fröw  mich  gen   des  dbentz  kunft  der 
nachtj  wenn  si  her  sUchen   tuot  8,  1,  ähnlich  10,  10;   der  m£i 
mit  fr  Öden   da  erschein,   mitt  aUer  sinr  gezier   28,    7,  ähnlich 
16,  7;  2/  gitikeit^  du  bitter  hört!  du  stiftest  mein^   du   stifftest 
mort  und  hast  vil  böser   artikel  4,7;  frow  Er  die  muosz  dich 
überkrönen  I,  41,  ähnlich  1,  81;  37,  27.  Andere  Personificationen 
und  Allegorien  sind  fro    Welt   29,    1   ff.;   fro  Dichtlundei   und 
Womkelmuot  18,   218;  her  Git  24,  73;  Trüw  9,  24;  Untrüw 
7,  10;   Wille  9,  26;   Wunne  9,  30;  Harre  9,  35  etc. 

Auch  die  Vergleiche  fliessen  vorzüglich  aus  dieser  Quelle 
sinnlicher  Wahrnehmung:  so  singt  der  goch  mit  der  nachtgall 
in  dem  meien,  also  ücht  ich  och  15,  165;  so  sitzt  der  herr  gar 
unversmogen  angesichts  aller  weit  gliche  als  uf  eim  regenbogen 
83,  125  und  4,  159;  min  wer  doch  schier  vergessen,  als  man 
tuot  des  meien  gras  33,  18;  die  weit  ist  ein  glesin  hus^  der 
gla/ntz  ist  bald  zerbrochen,  das  man  muoss  gan*  schneU  darus 
und  in  der  erden  sochen  33,  53;  das  wurd  in  sinen  sinnen 
cldr^  recht  als  die  sunn  kmU  mit  schönem  liechtem  morgen  80, 
75  und  andere.  —  Desgleichen  gehen  seine  Epitheta  mit  Vorliebe 
auf  die  Sinnlichkeit:  der  helle  tag  1,  35 ;  die  vinster  nacht  10, 
10;  gebluemte  wehe  wort  31,  5;  die  zarten  münd^  die  roten 
25,  4;  die  röselochten  wcmgen  25,  8;  starkher  gott  4,  87;  18, 
173;  Öd  red  25,  114;  des  bittem  mer  13.  1;  herten  sturmes 
winden  13, 6 ;  wilden  heid  27, 107  wilden  se  28, 219  u.  a.  —  Mit  be- 
sonderer Vorliebe  werden  die  körperlichen  und  geistigen  Vorzüge  der 
Frauen  illustriert:  ir  Haar  ist  feiner  als  Seide  ^5,  19;  ist  gel  für 
bluomen  schin  16,  41;  unter  der  Stirn  so  hat  geben  der  element 


LXXXVI 

des  liiff^  gemacht  mit  cldrem  guft^  iwei  ogm  wol  geschikhet 
5,  24,  es  sind  die  claren  ogen  21,  9;  23,  15;  16,  37,  welche 
mit  acharpfen  liehen  blikken  16,  38  Tieiss  machen  5,  34  und  ainn 
und  mvot  in  rechter  lieh  entzünden  ?,  12;  ir  wengli  ist  wies  nach 
berlen  a^rt  5, 35 ;  ir  mündli,  lieplich  entsprungen,  leuchtet  in  rechter 
ruhins  röti  5,  40,  es  ist  der  zarte  mund^  rot^  roaenvwr  23,13, 
ist  r6t  für  hluomen  schin  16,  33  und  hrehet  ah  das  abent  rSt 
21,  6;  aus  ihm  glänzen  die  zenli  lieh,  wiaz  recht  ah  ein  helfenhein 
5,  42;  21,  11,  erklingt  die  süsse  Stimme  schöner  als  vogehang 
16,  55.  Das  angesicht  der  Geliebten  ist  des  Dichters  aunnen 
schtn  2,  11;  sie  ist  sein  maienhluet  35,  27,  sein  ros,  sein  blue^ 
jender  hag  1,  25;  18,  188.  —  Dass  Hugo  auch  för  andere  Schön- 
heiten der  Frauen  noch  lebendige  Bilder  wusste,  beweisen  Nr.  3, 
21  und  23.  Am  meisten  charakteristisch  aber  ist  Nr.  16,  wo  —  wie 
schon  Uhland  hervorgehoben  hat  —  ,  seine  Geliebte,  leiblich  und 
geistig,  ein  Inbegriff  wird  von  Blumen  aller  Farben**).  Und  so 
konnte  der  Dichter  selbst  mit  Recht  behaupten,  er  habe  van  rasen 
und  van  hluomen  die  farwen  gen  frawen  gemessen  31,  9. 

Die  bisher  angeführten  Vergleiche  und  bildlichen  Ausdrücke 
sind  meist  wohlgelungen  und  zieren  seine  Dichtungen ;  daneben  er- 
scheinen aber  auch  einige  andere,  welche  dieselben  veranstalten: 
in  schmdcht  der  minne  Zunder  15,  67 ;  (ich)  varen  uff  der  frö^ 
den  wagen  17,  28;  du  schlechst  mit  seiden  ruoten  21  y  71; 
mich  stach  der  unmuat  dam  27,  131;  hilf  miner  sei  uss  böser 
Sünde  ruasse  32,  156;  Vemis  hebt  die  lieb  mit  sfarkchen  zangen 
38,  28;  min  frow  hdt .  .  .  mich  angezundt  mit  minne  zünden 
38,  29;  almechtig  gott^  hilf  mir  uff  seiden  pruggen  38,  144; 
das  sind  sihen  stükchy  der  tades  sünde  schauere  38,  116;  tr 
schlahent  hri  für  gebratens  dar  29,  49  und  andere.  Auch  diese 
Tropen  und  Vergleiche  ruhen  auf  sinnlichen  Vorstellungen,  tragen 
aber  den  Stempel  der  Mache,  sind  carikierend,  derb,  ohne  Ange- 
messenheit und  Würde :  Hugo  zeigt  sich  hier  eben  von  einer  dich- 
terischen Modetorheit  seiner  Tage  angesteckt,  welche  den  Stil  dieser 
Epigonenzeit  charakterisiert.  So  singt  Müglein  (Lieder  und  Fa- 
beln ed.  Müller) :  2,  9  das  ich  si  (die  Geliebte)  vor  allem  w(be 
Swig  an  mtns  hertzen  want  mit  der  trüwe  pinsel  schrfbe  3,  12; 


1)  In    den    Abhandlangen   über  hoch-   nnd   niederdeutsche   Volkslieder, 
ges.  Sehr.  III,  436. 


LXXXVII 

80  binde  ich  an  mtns  hertzen  aat  dina  trdstes  mast  und  fwre 
mit  freuden  winde.  Saohenwirt:  3,  33  den  edlen  fiiraten  .  .  . 
den  nie  vereert  der  schänden  dorn;  vom  EUerbaoh  singt  er  10, 
24,  dass  er  alle  eeine  tag  gefürttet  hat  der  eren  grünt  recht 
als  ein  willig  jagunt  hunt^  der  rechter  vert  nicht  abgeetat; 
41,  742  den  nie  beruert  der  Sünden  schimel;  21,  154  wenn 
sy  der  schänden  phlaster  pinden  auf  der  erenpein,  Hätzlerin: 
J»  103,  39  ich  bin  gesetzt  uff  traurens  rick.  Mnscatblut 
(Hätzl.  I,  127,  87):  dein  lieb  durch  raisz  mein  hertz  so  haisz^ 
der  mynne  schwaisz  dringt  durch  meine  hertzen  garten;  von 
der  Mutter  Gottes  sagt  derselbe  Dichter  (Hätzl.  I,  129,  31):  in 
goües  hag  bist  du  der  gnaden  Stengel.  Oswald  v.  W. :  73,  2,6  in 
meines  hertzen  teich;  46,  2,  23  ich  pßig  tegltch  steter  mynne 
rtmst;  54,  2,  4  dein  Mld  in  schänden  latz;  70,  19  aus  unge- 
JücJees  masche,  Sachsenheim,  Moerin344:  und  speck  nit  under 
spenen  henst  n.  a» 

Diese  Distellese  aus  den  Gredichten  von  bessern  Zeitgenossen 
Hago*8  habe  ich  nicht  angef&hrt,  um  ihn  zu  rechtfertigen,  sondern 
nur,  um  ihn  zu  erklären.  Man  wird  finden,  dass  die  verzeichneten 
Beispiele  jene  Hugo*s  an  Geschmacklosigkeit  noch  um  ein  gutes 
Teil  übertreffen.  Besonders  wird  hier  auch  der  jüngere  Titurel,  den 
Hugo  unterweilen  nachahmte,  von  üblem  Einflüsse  auf  ihn  gewesen 
sein,  denn  da  wimmelts  von  solchen  Platitüden^). 

G^hen  wir  über  auf  Hugo*s  Naturgefahl  im  engern  Sinne. 
Auch  hier  können  wir  ihn  nur  im  Vergleiche  mit  seinen  Vor- 
gängern und  Zeitgenossen  würdigen.  »Die  lyrischen  Dichter  des 
dreizehnten  Jahrhunderts,  zumal  wenn  sie  die  Minne  besingen,  reden 
oft  genug  von  dem  milden  Mai,  dem  Gesang  der  Nachtigal  etc.: 
aber  immer  nur  in  Beziehung  der  Gefühle,  die  sich  darin  abspie- 
geln sollen*^).  Die  Zustände  des  liebenden  Herzens  werden  mit  dem 
Leben  der  Natur  in  Beziehung  gesetzt  und  zwar  auf  zweifache  Art: 
die  Stimmung  des  Gemütes  steht  im  Einklänge  mit  der  Farbe 
der  Jahreszeit:  der  farbenreiche  Sommer  ist  die  Zeit  der  Freude, 
der  düstre  Winter  die  der  Schwermut  —  oder  aber  (und  das  ist 
schon  reflectiver  und  individueller)  im  Gontraste:  draussen  die 
Trauer  des  öden  Winters,  im  Herzen  Freude  oder  umgekehrt.   Im 


1)  y^.  amsh  Weinhold  151. 

*)  8o  sagt  Wilhelm  Qrlmm  in  Humboldt's  Kosmos  (Ausg.  t.  L874\  11^  Z^. 


LXXXVIII 

13.  Jahrhundert  waren  diese  Traditionen  allgemein^).     Aber  auch 
in  die  folgenden  Jahrhunderte   hinein   pflanzten    siö  sich  fort,  und 
wenn  der  Wildonier  die  letztere  Art  nicht   mehr  recht  zu  treffen 
weiss  (Kummer's  Ausg.  p.  85),  so  kommt  das  nur  auf  Rechnung 
der   Persönlichkeit;    denn   seinem  Zeitgenossen  Lichtenstein   z.  B. 
gelang  sie  im  Frauendienste  noch  ganz  gut  (vgl.  ühland,  Sehr.  V, 
.127),  und  dem  Hadloub  (ed.   Ettmüller  Nr.  23,  25,  27,  28,  29, 
31  u.  d.  ff.)  macht  der  Mai  mit  seiner  Wonne  das  Minneleid  nur 
um  so  empfindlicher,  bringt  der  Winter  doppeltes  Leid,    während 
dem  Dürner  (Bartsch  LD^.  90)  der  kalte  Winter,  welcher  Vögel 
und  Blumen  kränkt,   nichts  anhat,  denn  die  Geliebte,  deren  Wan- 
gen rote  Rosen  auf  weissem  Schnee  tragen,  ist  sein  blühender  Mai. 
Auch  Müglein   arbeitet  in   seinen  Fabeln   und   Minneliedera  ganz 
nach  altem  Schnitt  (ed.  Müller   p.  22,  27  u.  a.),  und  bei  Hugo 
vernehmen  wir  gleichfalls  die  Nachklänge  dieser  alten  Weisen :  Verse 
wie  1,  25  frow^  du  bist  min  hluej ender  hag^  entsprossen  in  mim 
hertzm^  oder  38,  93  mins  hertzen  frow  die  han  mir  unmuot 
stören  für  vogelsankch  und  meien  Um  und  andere  sind  aus  dem- 
selben Vergleiche  des   freudigen  Herzens   mit   der  freudigen  Natur 
hervorgegangen   wie  Nr.  16,   wo  ihn  der  Anblick  der  Maiennatur 
mit  Freude  erfüllt,   aber  noch  mehr  der  Anblick  der  Frauen  und 
besonders  der  einen,  die  er  meint  (41  f.).     Ebenso  ist  der  Contrast 
bei   ihm    noch    rein    gezeichnet.      Nr.    19   dichtet   er  in    Schnee 
und  Wind,  bei  grosser  Kälte;   aber  das  hertz  das  tet  sieh  hitzen 
von  gedenken,  die  ich  nach  ir  Jiett,  ich  wand,  ich  wer  im  meien; 
der  sehne  was  mir  ein  suesser  mett,  ich  acht  nicht  windes  weim* 
Aehnlich  singt  Oswald  1,  5,  15 :  kelt,  regen,  snee  tet  nie  s6  wee, 
mit  frostes  eyl  ich  hrunne^  wann  mich  hitzt  die  lieh  sunne  (die 
Geliebte);  vgl.  bei  ihm  auch  33,  1;  34,  2;  84,1,2,3  u.  a. 

Wir  sahen  also,  wie  sich  eine  Ausdrucksweise  des  Naturgefühls, 
allerdings  eine  sehr  nahe  liegende,  bis  auf  die  letzten  ritterlichen 
Sänger  des  Mittelalters  fortpflanzte ;  hier  tiberlasse  ich  andern  den 
Faden.  Aber  auf  einer  andern  Seite  hat  das  14.  und  15.  Jahr- 
hundert einen  Fortschritt  aufzuweisen:  es  entwickeln  sich  nämlich 
die  deutlichen  Anfänge  von  Naturschilderung,  welche  unabhängig 
von  anderweitigen  in    sie  hineingetragenen  Gefühlen  den  Eindruck 


*)  Vgl.  Erich  Schmidt,  Eeinmar  von  Hagenau  (Quell,  und  Forsch.  IV)  92  ; 
Bartsch,  Lied.  Dicht.«,  Einl.  p.  11,  und  Strauch,  Mamer  (Q.  F.  XIV)  41. 


LXXXIX 

der  Landschaft  selbst  auf  das  Gemüt  beabsichtigt  und  nur  ausser- 
lieh  noch  die  Form  der  Einkleidung  eines  Gedichtes  mit  anderm 
Inhalte  annimmt.  Anknüpfungspunkte  an  die  ältere  Poesie  und 
schon  an  den  ältesten  Minnesang  fanden  sich  auch  hier.  Walther 
z.  B.  beginnt  L.  94,  11  mit  dö  der  sumer  komen  was  und  die 
hluomen  dur  daz  gras  wihnnecUchen  Sprüngen^  aldd  die  vögele 
sungeriy  dar  kom  ich  gegangen  an  einen  anger  langen  etc.  —  2ö. 
Diese  10  Verse  enthalten  Naturschilderung  ^)  als  Einleitung  zum 
Gedichte.  In  einem  Jüngern  Producte  (Hätzlerin  II,  27)  findet 
sich  eine  ähnliche  Einleitung,  ja  V.  1 — 4  sind  wörtlich  wiederholt; 
die  ganze  Naturschilderung  aber  ist  weiter  ausgeführt  und  umfasst 
36  V.  statt  der  10  bei  Walther:  wohl  weil  die  Neigung  zu  sol- 
chea  NaturschilderuDgen  zugenommen  hat?  Entsprach  sie  doch  auch 
dem  Gesammtcharakter  der  Poesie  dieser  Zeit,  welche  in  die  untern 
Volksschichten  hinabzog,  denen  die  Natur  näher  liegt  als  Buch  und 
Idee.  So  werden  im  14.  und  15.  Jahrhundert  diese  Natursohil- 
derungeu  stets  gebräuchlicher  und  umfangreicher;  vgl.  z.  B.  Suchen- 
wirt 25,  1—34;  46,  16—51.  Hätzlerin  II,  47,  1—26;  II,  20, 
1—38;  11,  6,  1—45;  I,  28,  7—63,  auch  grössere  Erzählungen: 
Sachsenheim,  Moerin  5 — 22;  Spiegel  29—79,  u.  a.  bei  Wacker- 
nagel LG.2  374,  wobei  aber  immer  noch  wechselnde  Züge  indi- 
vidueller Anschauung  hervortreten.  Sie  pflanzen  sich  durch  die 
Meistersänger  fort,  bis  sich  aus  ihnen  die  spätere  Idyllendichtung 
entwickelt,  wie  schon  Gervinus  gezeigt  hat. 

Auch  Hugo  hat  28,  1 — 50  einen  Beleg  solcher  Schilderung. 
Sie  überschreitet  bei  ihm  wie  bei  andern  gleichzeitigen  Dichtern 
weit  die  Grenzen  einer  gewöhnlichen  Einleitung  und  steht  mit  dem 
eigentlichen  Gedichte  in  keinem  Innern  Zusammenhang,  dient  auch 
nicht  zur  Folie  oder  Anknüpfung  anderweitiger  Gefühle,  wie  wir 
das  in  der  vorerwähnten  Gattung  zu  constatieren  hatten:  trennt 
man  sie  von  dem  Gedichte  ab,  mit  dem  sie  V.  49  nur  ganz 
äosserlich  verbindet,  so  hat  man  eine  reine  Naturschilderung,  welche 
um  ihrer  selbstwillen  da  ist  und  nur  die  Freude  des  Dichters  an 
der  Landschaft  dartut,  die  einige  auch  ausdrücklich  betonen:  Su- 
chenw.  25,  29  die  lust  mir  durich  mein  hertze  brach;  Hätzl.  I, 
28,  57  darvon  mein  hertz  ward  fröden  satt  u.  a. 

^)  Es  ist  dabei  ganz  nebensächlich,  ob  er  gerade  damals  ein  bestimmtes 
Natnrbild  copierte  oder  tVL  Terschiednen  Malen  erhaltene  Natureindrücke  com- 
ponierte. 


xc 

Endlich  haben  wir  noch  einen  andern  Ausdruck  des  Natur- 
gefühls zu  beobachten,  der  in  dieser  Art  gleichfalls  erst  seit^ 
dem  14.  Jahrhundert  hervortritt:  die  Farbensymbolik^).  Hugo 
deutet  Grün,  Gelb  (und  Schwarz \  Blau  und  Grau;  dabei  gibt  er 
uns  einige  merkwürdige  Anhaltspunkte,  diese  Farbendeutung  aus 
der  objectiven  Naturbetrachtung  herzuleiten.  Am  sichtbarsten  ist 
der  Hergang  bei  ^xü  n.  Der  Frühling  ist  der  Spender  neuen 
Lebens  und  "Wachstums  und  Giün,  womit  er  Berg  und  Tal  über- 
zieht, seine  charakteristische  Farbe.  Es  ist  nun  ein  einfacher,  täg- 
licher Gedankenvorgang,  das  auf  das  Hauptmerkmal  zu  übertragen, 
was  vom  ganzen  gilt,  und  so  symbolisiert  Grün  dasselbe  wie  der 
ganze  Frühling:  Grün  =  der  grüne  Frühling  =  das  Sinnbild  vom 
Anfang  neuen  Lebens  und  "Wachstums  Den  Beweis  für  die  Rich- 
tigkeit dieser  Herleitung  gibt  ein  Gedicht  von  der  Grönen  varbe 
(Hätzl.  n,  20):  grön  macht  die  weit  fräden  vol:  so  uns  nascht 
die  Summer  zeitig  so  sieht  man  veld  und  anger  weitt  mit  grön 
schon  über  zogen  .  .  .  grön  ist  ain  frölich  anfangk  .  .  das  mercJct 
an  des  Mayen  kunsL  Aehnlich  sagt  Hugo  16,  5:  vil  sa^h  die 
vacht  mit  gruenem  an^  damit  die  weit  sich  neren  tuot^  der  mei 
(erg.  kommt)  mit  fröden  uff  den  pldn^  davon  so  habent  hohen 
mnot  Wird  Grün  auf  ein  bestimmtes  Verhältnis  bezogen,  so  be- 
deutet es  immer  dasselbe,  also  z.  B.  auf  die  Minne,  junge  Minne: 
grön  ist  der  mynn  ain  anfangk  (Hätzl.  H,  19, 9).  Daför  bietet  Hugo 
kein  Beispiel,  wohl  aber  eines,  wo  es  auf  die  Gesundheit  (Frische, 
Lebhaftigkeit)  der  Geliebten  bezogen  ist  (16,  43):  gruen  ist  si 
gsund  und  ital  vin  =  sie  ist  gesund  wie  das  Grüne  =  wie  der 
grüne  Frühling. 

Auf  demselben  Wege,  den  wir  bei  Grün  verfolgen  konnten, 
wird  auch  die  Deutung  der  andern  Farben  zu  erklären  sein. 
Gelb  und  Scliwarz  sind  das  Sinnbild  des  Absterbens  und  Todes, 
bedeuten  also  gerade  das  entgegengesetzte  von  Grün,  was  von 
selbst  darauf  führt,  dass  ihnen  auch  das  entgegengesetzte  Natnr- 
bild,  das  des  Herbstes,  unterliegt,  wo  die  absterbende  Erde  die 
heitern  Farben  des  Frühlings  und  Sommers  in  fahles  Gelb  und 
welkes  Schwarz  verkehrt.  Jede  einzelne  Pflanze  zeigt  an  sich  selbst 


')  Ueber  die  aUmilhliche  £ntwicklang  and  Ansbreitnng  der  FAibensym- 
bolik  Tgl.  Wackernagel  (Farben-  und  Blumenspraohe  des  Mittelalters)  kl.  Sehr. 
J,  143  ff.,  and  Uhland,  ges.  Sehr.  III,  430  ff. 


XCI 

die  Wandlung  der  ganzen  Natur.  Wieder  wird  dann  das  charak* 
teristische  Merkmal  des  Herbstes  für  diesen  selbst  gesetzt.  Hugo 
bietet  in  Nr.  5«  wo  er  vom  Leben  und  Absterben  seiner  Liebe 
spricht,  einen  interessanten  Beleg:  wtis  trugnüas  in  der  weite  waSy 
daz  glich  ich  zeinem  gruenen  gras :  der  anevang  ist  hübsch  und 
t4n  (Frühling),  hcdd«  so  kumpt  snell  darin  (im  Herbst)  ein 
swartze  varw  und  gel^  daz  ist  der  tod  so  snel  (55)^). 

Blau  ist  das  Sinnbild  der  Stätigkeit  Als  Urtypus  des  Blauen 
gilt  seit  uralter  Zeit  die  Himmelsbläue.  Mit  dem  Worte  Himmel 
ist  durch  festgeknüpfte  Ideenassodation  der  Begriff  des  Blau  ver* 
bunden,  denn  das  ist  seine  charakteristische  Farbe,  obgleich  er  ge* 
legentlich  auch  anders  gef&rbt  sein  kann;  daher  himmelblau,  blau  wie 
der  Himmel  etc.  von  Alters  her  bis  auf  unsere  Zeit  stehende  Ver- 
gleiche sind.  Könnte  nun  nicht  wieder  die  Farbe  die  Trägerin  der 
symbolischen  Bedeutung  des  Himmels  sein,  der  sich  als  das  ewig 
feste  und  stäte,  als  das  am  meisten  gepriesene  Zeichen  göttlicher 
Allmacht  über  die  vielbeklagte  Wandelbarkeit  der  Erde  wölbt? 
Das  hiehergehörige  Beispiel  Hugo's  ist  28,  24 :  die  blawen  varwe 
sehet z  ich  für  die  besten :  stet  wa  gerechten  dingen  doM  sol  man 
beliben.  Stätigkeit  in  der  Liebe  nennt  man  Treue;  auch  dafür 
hat  Hugo  einen  Beleg:  bla  etat  in  irem  (der  Geliebten)  hertzen 
16,  42. 

Braun  ist  das  Sinnbild  des  Schweigens  und  steht  mit  Schwarz 
im  Zusammenhange,  ja  kann  geradezu  für  Schwarz  stehen  (Wacker- 
nagel a.  a.  0  165).  Der  Zusammenhang  aber  zwischen  Schwei- 
gen, Absterben  und  Tod  ist  ohne  weiteres  evident.  Hugo's  Bei- 
spiel lautet:  die  brune  varw  betütet  nu  ein  ewigen  28,  28. 

Ich  habe  die  Herleitung  dieser  Art  Farbensymbolik 2)  versucht, 
weil  es  bisher  über  vereinzelte  Andeutungen  hinaus  nicht  gesche- 
hen ist  Dass  dabei  auch  Blau  (=  Stätigkeit,  Treue)  seine  Er- 
klärung findet,  was  bei  Wackernagel  nicht  der  Fall  war,  kann 
ihr  gleichfalls  zur  Stütze  dienen.     Das  aber  wird  jedenfalls  sicher 


^)  Wenn  er  fortfährt  oder  ab  fr  trugnütt  und  wanketmtwt,  das  oeh  die 
liebt  zertrennen  tuoU  bo  ist  dies  dasselbe  und  nur  wieder  auf  ein  bestimmtes 
(das  MiDoe-jYerhältms  bezogen  mit  einer  Metonymie,  indem  statt  (Minne-)Tod 
die  Faetoren  angeführt  werden,  welche  denselben  herbeiführen. 

*)  Anderer  nnd  älterer  Herleitnng  sind  die  Bedeutangen  Gelb  =:  Neid, 
Rot  :=s  Liebe  etc.,  Tom  menschlichen  Antlitz  genommen,  wie  das  Wackernajrel 
in  der  «ngezogenen  Schrift  dargetan  hat. 


XCII 

sein,  dass  diese  Symbolik,  wie  sie  auch  Hugo  gebrauchte,  von  objec- 
tiver  Naturbetrachtung  ausgieng :  Anschauung  und  Vorstellung  flös- 
sen zusammen ,  ,  man  1  a  s  die  Farben,  wie  sie  in  der  Natur  gegeben 
waren,  und  deutete  sie^.  Damit  ist  auch  der  Standpunkt  Hugo*s 
in  dieser  Frage  charakterisiert  gegenüber  vielen  andern  Zeitgenossen 
und  Nachfolgern,  welche  sich  des  Zusammenhangs  der  Farben  mit 
der  Natur  nicht  mehr  bewusst  waren,  sie  abstract  nahmen,  ganz 
subjectiv  deuteten,  auf  Kleidungen,  Blumen  und  andere  Gegen- 
stände übertrugen.  Der  Minner  z.  B.,  der  gelbes  Kleid  anhatte,  be- 
kannte damit,  das  ihm  ain  minickUches  wih  ir  zarten  minick" 
lichen  lib  git  für  aigen;  Schwarz  bedeutete  Zorn  etc.^).  Da  ist 
von  einem  Zusammenhange  mit  dem  Naturgefühle  selbstverständ- 
lich keine  Rede  mehr. 

Diese  Sinnlichkeit  und  Bildlichkeit  in  Hugo*s  Darstellung  macht 
den  vorzüglichsten  Schmuck  seiner  Poesie  aus  und  gibt  Zeugnis 
von  seinem  offenen  Sinn  für  die  Natur,  von  der  Treue  und  Innig- 
keit, womit  er  ihr  Leben  beobachtete  und  erfasste.  Und  in  diesem 
Sinne  konnte  Gervinus  sagen:  »der  Duft  der  frischen,  freien  Natur 


^)  J.  y.  Zingerle  hat  (Germania  YIII,  497—505)  Beispiele  fär  diese 
Farbendeutungen  gesammelt,  auf  die  man  häufig  Terweist.  Bei  Braun  und 
Grau  bemerkt  er :  ^für  die  Bedeutung  von  Braun  konnte  ich  nur  eine  Stelle 
finden,  ebenso  bei  Grau^  (bei  letzterm  hat  auch  Lexer  Wb.  I,  1064  die  Bedeu- 
tung in  der  Farbensymbolik  nicht  angegeben).  Ich  trage  daher  einige  Belege 
nach,  bei  denen  die  Bedeutung  entweder  direct  ausgesprochen  oder  leicht  zu 
erschliessen  ist.  Braun  ^  Schwarz  (=  Untreue,  Trennung,  Tod) :  Ambr. 
LB.  58,  58  von  dir  mtis  ich  mich  seheiden,  zart  edeh  frewelein  .  .  in  hraun 
wil  ich  mich  kleiden ;  Hätzl.  I,  104,  33  wolhin^  urlauJ>  ist  mir  beraittf  wie  elain 
iehs  hän  begeri,  wcmn  er  sieh  hat  in  praun  geelaidt  und  mir  mein  pot  ver- 
ehert;  Ambr.  LB.  39,21  gros  ist  mein  klag,  aeh  gott,  wie  weh  thut  schei- 
den .  .  .  sehwartz  braun  will  ich  mich  kleiden;  Tgl.  dazu  noch  Frankfurter 
Archiv  III,  288  und  Uhland,  ges.  Sehr.  III,  527.  Braun  (=  Verschwiegen): 
Lassb.  LS.  III,  251,  22  an  der  (Frau)  ich  prun  erekante  .  .  52  ich  sag 
dir  minen  namen  her :  ich  haisz  verswigen  yemer  mer ,  da  von  trag  ich  prune 
eldid;  Cod.  gcrm.  Mon,  Fol.  153b:  so  wil  ich  tragen  praun:  praun  wedeut 
versehwigen  (ühl.  628).  —  G  r  a  u  =  Schwarz :  Ambr.  LB.  57,  37  grawe 
färb  bringt  mir  pein  mit  seufzen  und  mit  klagen  etc.;  Hätzl.  I,  119  zwuo 
junokfrawen  kamen  zescrnimen,  aine  truog  rott  an  und  was  fröUeh  €t^  •  • 
die  ander  truog  graw  an  und  wand  traurielieh  ir  hend  ete,;  Hadamar  (ed. 
Stejskal)  231,  4  $ö  trage  ieh  wol  in  grdwe  wize  strifen ;  529,  5  jd  grd  trag 
ich  mit  leide ;  vgl.  dazu  Stejskals  Anm.  zu  234,  4.  Grau  und  Braun  wieder 
im  Frankf.  Arch. ;  Tgl.  noch  Uhland  433  und  die  betreff.  Anm.  in  Wackemagels 
LG*,  374,  90,  ferner  Stark,  Germ.  IX,  437,  und  Weinhold,  deuUohe  Frauen  438. 


xcm 

liegt  über  Eago*s  Dichtnngen  ausgebreitet^  (11',  429).  In  seiner 
Anfirichtigkeit  bat  Hngo  selbst  einen  Ausspruch  getan,  welcher 
auch  äusserlich  sein  schönes  Verhältnis  zur  Natur  beleuchtet: 
80  hän  ich  vil  geüeht  in  weiden  und  in  owen  und  darzuo  ge^ 
ritten  31,  147,  wobei  an  die  häufigen  Her-  und  Hinreisen  zwi- 
schen seinen  westlichen  und  östlichen  Herrschaften  zu  denken  sein 
wird.  Es  gewinnt  für  ihn,  wenn  wir  uns  den  Grafen  vergegen- 
wärtigen, wie  er  an  den  Ufern  der  Drau,  über  den  Brenner,  den 
Arlberg  durch  jene  schöne  grossartige  Natur,  die  seinen  Geist  be- 
lebt und  kräftigt,  einsam  seinem  Gefolge  voranreitet,  seinen  Ge- 
fühlen freien  Lauf  schafft  und  in  Lieder  gestaltet,  was  ihm  das 
Herz  bewegt.  ^ 

Wie  versteht  es  Hugo  nun,  seine  Gredanken  und  Bilder  zu 
beherrschen  und  zu  ordnen?  Hier  lautet  das  Urteil  weniger  günstig, 
als  man  nach  dem  vorausgegangenen  vielleicht  erwartet  hätte.  Zwar 
war  es  zu  streng  geurteilt,  wenn  man  behauptete,  dass  ihm  eine 
Ordnung  und  Gliederung  seiner  Gedanken  j,  ganz  unbekannt  *  gewesen 
sei.  Um  das  Gegenteil  nachzuweisen,  wähle  ich  Nr.  5  und  zwar 
deswegen,  weil  es  eines  seiner  längsten  Gedichte  ist,  die  Gompo- 
sition  also  verhältnismässig  schwieriger  war  als  bei  den  übrigen,  und 
dann,  weil  er  hier  einige  Andeutungen  fallen  lässt,  welche  unver- 
kennbar auf  eine  berechnete  Composition  schliessen  lassen.  Vers  18 
hiemit  hept  eich  du  red  an  teilt  das  vorausgegangene  als  Ein- 
leitung von  dem  folgenden,  der  eigentlichen  Rede,  ab. 
Dem  entsprechend  hat  das  Gedicht  auch  den  eigenen  geplanten 
Schi  US  s  von  361 — 384,  der  auch  äusserlich  durch  einen  Absatz 
gekennzeichnet  ist;  3S5 — 388  bilden  ein  berichtigendes  und  er- 
klärendes Nachwort,  das  Hugo's  Wahrheitsliebe  dem  Leser  nicht 
vorenthalten  konnte.  In  der  eigentlichen  Rede  (19 — 360)  beab- 
sichtigt der  Dichter  zweierlei :  J)  Nachricht  zu  geben  von  sich  und 
seinem  bisherigen  Leben,  II)  von  dem  gegenwärtigen  Zustand  in 
1.  Kirche,  2.  Staat  und  3.  Gesellschaft.  I  zerlegt  sich  wieder  in 
zwei  Teile:  1.  Minneleben  (bis  V.  51),  2.  die  Zeit  seiner  Umkehr 
zu  Gott  und  was  darauf  folgte  (bis  V.  68).  Das  Auftreten  Parci- 
vals  leitet  zu  H  über,  doch  behält  der  Dichter  zunächst  noch  die 
Ergänzung  von  I  im  Auge:  spricht  von  seiner  Körperkraft  93  f., 
von  seinem  Glauben  105  fi^,  von  seiner  ersten  Ausfahrt,  die  Welt 
zu  sehen  135  S.  —  Mit  Parcivals  Aufforderung:  gib  mir  der 
ersten  frdg  (über  den  Weltstand)  ein  end  174  ist  H  an  I  ange- 


xcrv 

knüpft,  beginnt  die  Schilderung  des  Weltstandes.  Dabei  ist  ed 
ihm  nicht  gleichgültig,  in  welcher  Ordnung  er  die  Stände  behan- 
delt, wie  Vers  184  deutlich  zeigt:  nu  heb  ich  mit  dem  höchsten 
an.  Demgemäss  spricht  er  zuerst  von  dem  Pabst  (resp.  den  Päb- 
sten)  und  seinen  hopfprelaten^  dann  vom  Könige,  den  Fürsten  and 
ihren  Räten  (229  ff.),  von  den  Priestern  (269  ff.)  und  (277  ff.)  von  den 
Herren.  Der  zweite  Abschnitt  dieses  zweiten  Teilea,  den  er  wieder 
durch  einen  Absatz  kenntlich  gemacht,  kehrt  die  gesellschaftlichen 
Verhältnisse  im  besondern  hervor;  auch  die  hilrger  und  gebüren 
werden  angeführt  und  ein  Bild  sittlicher  Verdorbenheit  entworfen, 
dem  er  jedoch  einen  beruhigendem  Abschluss  gibt  durch  die  Ver- 
sicherung: man  vint  noch  mangen  hiderma/n^  priester  twd  och 
Uten  wolgeta/n  .  .,  und  noch  meng  wipUch  wib^  die  in  eren  haltet 
Iren  Hb  349  ff. 

Man  sieht:  das  ganze  ist  überlegt  und  geordnet,  wenngleich  nach 
ziemlich  äusserlichen  Gresichtspunkten.  Dasselbe  lässt  sich  mehr  oder 
weniger  in  den  meisten  Gedichten  nachweisen.  Am  zweifelhaftesten 
ist  die  Gomposition  in  Nr.  27,  28,  30 — 33,  am  besten  in  den  kurzen 
Jugendlirdern.  In  Nr.  25  ist  sie  wieder  durch  Abschnitte,  in 
Nr.  10,  29  und  andern  durch  die  wechselnden  Reden  und  Gegen- 
reden sichtbar  gemacht.  In  dieser  Hinsicht  also  ist  unser  Dichter 
besser  als  das  bisherige  Urteil  über  ihn.  Aber  wenn  wir  über  die 
Anlage  des  ganzen  hinaus  und  auf  das  einzelne  seiner  Darstellung 
gehen,  zeigt  sich  nur  zu  oft,  dass  er  den  Gedanken,  die  auf  ihn 
eindringen,  zu  wenig  logische  Kritik  entgegensetzt.  VT'enn  ihn 
z.  B.  5,  104  Parcival  um  den  Glauben  fragt,  was  gerechtfertigt 
ist,  antwortet  er :  ich  hdn  ie  cristan  globen.  Statt  aber  dann  seinem 
Plane  gemäss  weiter  zu  fahren,  erweckt  das  Wort  crist  eine  ganz 
fremde  Ideenreihe,  welche  er  bis  124  abspinnt,  wo  er  endlich  mit 
einer  neuen  Frage  Parcivals  (125  —  131)  wieder  in  den  richtigen 
Weg  einlenkt.  So  zeigt  sich  Hugo  von  augenblicklichen  Einge- 
bungen und  zufälligen  Einflüssen  bestimmbar,  welche  den  geord- 
neten Gang  der  Darstellung  fortwährend  unterbrechen,  Ungleichheit, 
Verworrenheit  und  unmässige  Breite  in  seine  Rede  bringen.  Bei 
ihm  gilt  in  noch  weiterem  Umfange,  was  Karajan  vom  Teich- 
ner sagt:  „aus  manchen  seiner  Gedichte  Hesse  sich  durch  blosse 
Kürzung  ein  ungleich  besseres  machen*  (Denkschr.  VI,  150). 
Aber  noch  viel  schlimmere  Dinge  kommen  von  dieser  Kritiklosig- 
keit.   14,  31   z.  B.  ermahnt   der  Vater   seinen   Sohn  zur  Massig- 


xcv 

keit  im  Essen  und  Trinken.  Das  ist  dem  jungen  Herren  gegen- 
über sehr  am  Platze;  denn  man  weiss,  was  die  alten  Rittersleute 
in  diesem  Punkte  zu  leisten  vermochten.  Wenn  er  aber  46,  46—48 
dieselbe  Ermahnung  seiner  schönen,  zarten,  tugendhaften  de- 
mentia zu  Teil  werden  lässt,  so  erlaube  ich  mir,  das  für  eine 
kleine  Albernheit  zu  halten^),  die  ihm  deswegen  passiert  ist,  weil 
die  verwandte  Situation  in  beiden  Gedichten  ihm  denselben  Ge- 
danken zuführte,  dem  keine  prüfende  Kritik  gegenüber  stand.  Daher 
kommen  auch  die  vielen  Wiederholungen  ganzer  Zeilen  und  Strophen 
in  seinen  spätem  Gedichten:  vgl.  4,  159  und  149  fP.  mit  33,  125 
und  134;  5,  107  mit  32,  89;  15,  43  mit  27,  73;  22,  9  mit 
30,  85;  28,  185  mit  385;  28,  193  mit  393  u.  a.  Wo  eine 
Aehnlichkeit  der  Situation,  eine  gleiche  Gefühlslage  vorhanden 
war,  traten  schon  da  gewesene  und  nun  appercipierte  Yorstellungs- 
massen  aus  dem  Gedächtnisse  hervor,  welche  eine  höher  gehende 
Phantasie  oder  ein  ausgebildeter  kritischer  Geschmack  durch  neue 
poetische  Gebilde  verdrängt  hätte. 

Die  poetische  Darstellung  hatte  aber  noch  andere  Anforderun- 
gen, die  Hugo's  Kräfte  und  Ausbildung  überstiegen :  Beherrschung 
der  Sprache,  Gewalt  über  die  rhythmischen  Formen  und  Reime, 
vollständige  musikalische  Ausbildung^).  Da  liegen  seine  wundesten 
Punkte,  zeigt  sich  recht  augenfällig,  wie  sehr  ihm  die  Zucht  des 
Künstlers  fehlt.  Der  Musik  wird  er  entweder  gar  nicht  oder  nur 
m  geringen  Grade  mächtig  gewesen  sein;  denn  er  überlässt  die 
(Komposition  seiner  Lieder  dem  getreuen  Diener  Bürk  Mangolt 
zu  Bregenz  (31,  183)  und  zeigt  uns  hiemit  schon  unser  modernes 
Verhältnis  der  Ton-  zur  Dichtkunst.  Aber  auch  im  Kampfe  mit 
den  beiden  andern  Anforderungen  sehen  wir  ihn  fortwährend  unter- 
liegen. Hugo  hat  oft  tiefe  Gedanken,  aber  ihm  fehlt  die  geübte  und 
gestählte  Kraft,  diese  Lichtgestalten  von  seiner  Seele  loszuringen 
and  durch  das  spröde  Material  der  Sprache  zu  plastischer  Fülle  und 
Klarheit  hervorzuarbeiten;  und  nun  sollen  sie  erst  in  die  Reim- 
und  Strophenschemen  eingepasst  werden!  Dazu  werden  sie  neuer- 
dings  gedreht,   verzerrt   und  verstümmelt,    oder   es   werden    ohne 


^)  Auch  wenn  sich  einzelne  Hinweise  finden  mögen,  dass  die  Edeldamen 
hin  und  wieder  rersnchten,  den  Beiispielen  ihrer  Ritter  kräftig  nachzustreben. 
Weinhold,  deutsche  Franen  p.  347. 

*)  Der  Dichter  hatte  zam  wort    auch    die  wUe   zu  machen,    Tgl.    Wil> 
manns  zn  Wallher  p.  20;  Ettmüller  zu  Hadloub  8,  3;  Wackernagel  LG.*  335. 


XCVI 

weiteres  fremde  Gedanken,   nichts  sagende  Flickwörter   und  Verse 
eingefügt.     Er  überbietet  hierin  Müglein,  Teichner,  Suchenwirt  und 
Oswald  um  vieles.     Kein  Tadel   ist  herb  genug   gegen   die   unge- 
\  schickte  und  auch  leichtfertige  Art,  mit  der  er  oftmals  Reime  und 
Verse  zusammenflickt.    Daherkommen  die  zahlreichen  verschro- 
benen   Satzconstructionen    und    Anakoluthe   z.  B.  10, 
13,  14;  4,97—101;  16,  61;  18,  75;  35,32  -  die  Parenthe- 
sen 4,    168;  5,  332;   14,  42;    15,    109,  125,  152,  159;    18, 
231;  25,  138;  28,  459,  578,608,  686;  29,  62  —  Tautologien 
5,  30;  22,  4;  25,  33;  27,  43;  28,  71,  106,  204,  544;  29,  62; 
31,  39  .  .  und  noch  viel  anderes  seelenloses   Gerede,    durch   das 
man  oft  nur  mit  Mühe  zu  erblicken  vermag,    was  er  ursprünglich 
sagen  wollte.     Hier   wird  besonders  deutlich,    wie    Hugo   auf  der 
äussersten  Grenze  der  ritterlichen  Kunstdichtuug  steht  und  schon 
.  zu  jenem  Geschlechte   von   Natursöhnen,   "Wandrern,   Kriegsleuten 
und  Jägern   hinüberleitet,    welche   geringe  Kunstfertigkeit  besitzen 
und   wenig   mit   dem  Gedanken   als    solchem    zu  tun    haben:    ein 
i  schönes  Bild,  ein  Klang  zartern  Gefühles,   ein  guter  Gedanke,  der 
■aus  all  dem  groben  Gestein  hervorblickt,    muss   uns    oft   für  eine 
lange  seichte  Stelle  entschädigen.    Da  treten  eben  auch  die  Schat- 
tenseiten von  Hugo's  äusserer  Dichtungsweise  hervor:    er  hat  sich 
selbst  als  einen  Stegreifdichter  (vgl.  Weinhold  150)  charak- 
terisiert, der  viel  in  Wald  und  Au  gedichtet  und  darzuo  geritten 
hat  31,  147.  Wenn  sich  Hugo  damit  herausreden  will,  so  könnte 
man  ihm  füglich  entgegnen :  warum  hast   du  dann  diese  unfertigen 
Entwürfe   zu  Hause   nicht   besser   ausgeführt   und  gefeilt,    wie  es 
guter  Dichter  Pflicht   und  Brauch  ist?   Warum   hast  du    sogleich 
sie  geheiasen  achriben  an  (31,  29)?  —  Aber  auch  dafür  weiss  er 
einen  Entschuldigungsgrund:  er  hatte  gross  sacken  ze  schaffen  (31, 
157)!    Diese   äussern  Hindernisse   wird   man   in   Betracht   ziehen 
müssen,  wenn  man  über  seine  Fähigkeiten  urteilt.      So  zeigen 
in  der  Tat  jene  Jugendlieder  6,  7,  8,  9,  10,  11  und  12,    welche 
entweder   bei  Lebzeiten  seines  Vaters  oder  in    den    ersten   Jahren 
seiner    Regierung,    wo  der   Andrang   der   Geschäfte   noch   kleiner 
war,  entstanden  sind,  die  besprochenen  Fehler  in  geringerem  Grade ; 
desgleichen  sind  seine  Reden  in  Reimpaaren,  also  in  leichterer  Form 
(Nr.  1,  2,  4,  5,  14,  25),  etwas  besser  als  die  strophischen. 

Gegenüber  solchen  Grundmängeln  wollen  einige  gute  stilistische 
Motive,  die  er  seinen  bessern  Vorbildern   nicht   ungeschickt  abge- 


xovn 

laasclit  hat,  wenig  bedeuten.  Um  die  Lebendigkeit  seiner  Rede  zu 
heben,  identifidert  er  den  Leser  mit  sich  selbst;  vgl.  z.  B.  das  sonst 
sehr  fahrlässige  Gedicht  Nr.  16.  Im  Emgang  schreit  er  den  Leser  an: 
wol  uff  und  waekf  est  an  der  zit,  spricht  dann  von  sich  und  ihm 
zugleich:  wir  hand  eta  und  fahrt  in  der  eigenen  Person  fort: 
min  tag  mir  uff  dem  ruggen  lit,  des  möcht  ich  schrien  wdffen, 
wendet  sich  im  folgenden  ohne  weitern  Uebergang  wieder  an  den 
Leser:  sich  uff  etc.  und  spricht  184  wieder:  wir  muossent.  Kein 
Rhythmus  und  kein  Reim  kann  ihn  zu  diesem  Personenwechsel 
veranlasst  haben.  Andere  ähnliche  Mittel  sind:  rhetorische 
Fragen  z.  B.  5,  76;  18,  153;  23,  29;  29,  144  —  Dialoge  (be- 
sonders gern)  in  Nr.  2,  10,  11,  12,  25,  28,  29,  31  —  Contraste 
undAntithesen:  18, 158  z.B  stellt  er  sich  als  toren^  welchen  ein 
Weib  bezwungen  hat,  den  türsten  gegenüber,  denen  es  auch  nicht 
besser  ergangen  ist;  Nr.  25  und  29  sind  ihrer  ganzen  Anlage 
nach  auf  den  Gontrast  berechnet  Sehr  häufig  werden  die  Antithesen 
in  kleinern  Sätzen  einander  gegenüber  gestellt;  hett  ich  dinhddj 
ich  furcht  din  zom  6,  5 ;  tc/a  mir  ist  lieby  da  ist  mir  leii  6,  25 ; 
was  min  nit  wil,  das  liebet  mir  9,2;  als  hoch  hinab^  als  hoch 
hinuff  12,  13;  ir  bkent  mich  nichts  ich  bkenn  üch  wol  16,  73; 
du  ma^ihst  mir  halt,  da  machst  mir  heiss  20,  7 ;  den  /runden 
hold,  den  vinden  gram  14,  37 ;  fr  Öd  du  hast^  truren  ist  verges- 
sen 15,  27.  Damit  wird  auch  die  Neigung  in  Verbindung  stehen,  ein- 
&ch6  Begriffe  mit  zwei  gegensätzlichen  zu  umschreiben:  für  stets 
fruo  und  spät  2,  62;  fruo  oder  spät  18,  147;  24,  83;  26,  3;  bi 
tag  und  och  bi  nacht  37,  22;  lebent  und  och  tot  29,  106;  für 
überall  in  hüsem  od  uff  gössen  34,  44;  imden  und  och  oben 
28,  12;  für  alle  wib  und  och  den  manen  18,  246;  29,  152;  die 
armen  als  die  riehen  26,  31;  27,  75;  gen  jungen  und  gen  alten 
16,  122;  27,  39;  gen  künden  und  gen  gesten  28,  370  u.  v,  a.  — 
Ferner  bedeutsame  Wortstellung  2,  22;  11,  22,  35;  12,  7; 
18,  242;  28,  7  —  Polysyndeta  19,  23;  25,  15,  49,  149;  26, 
13  u.  dgl.  m.  —  Der  geschickte  Gebrauch  des  Refrains  in  Nr.  6, 
7  und  9.  Hervorheben  müssen  wir  noch  die  häufigen  Allite- 
rationen ^j  mit  verschiedenartiger  Yerschlingung  der  Stäbe  i'Uff 


^)  Hier  wie  bei  allen  diesen  fipätern  Dicliteirn  kann  man  zweifeln,  ob  sie 
beabsichtigt  oder  nnr  durch  das  nnmittelbare  Gefühl  für  Klang  entstanden 
sind;  Tgl.  J.  y.  Zingerle,  die  Alliteration  bei  mhd.  DicUteiTv  1%^^. 

WackernelJ,  Montfort  1 


xcfvm 

mich  80  macht  du  murm  3,  40;  de^  wÜ  ich  wol  befWtr^n 
26,  36;  noch  tuot  mich  trü/we  twingen  d6,  22;  in  midngmr  nuMf 
gemessen  18, 66;  wilt  du  wissen^  was  es  ist  22^1;  als  hoch  hinab 
als  hoch  hinuff  12»  13 ;  est  Wunder  in  der  weite  wit  17, 51 ;  in  rech^ 
ter  rvJnns  tötifiukht  5,  41;  daz  glich  ich  zeinem  gruenen^  gras  5^ 
56;  du  wellist  werden  wild  29,  41 ;  und  wil  das  wol  mit  war" 
heit  jehen  27,  136.  —  2.  der  kirnen  %al  der  %tunden  lil  2,  132; 
%uon  ich  recht,  ich  iantz  den  rechten  rAen  15,  1G8.  —  3.  von 
hXettem  hXuomen  ^tuonden  schon  28^  13.  — 4.  eim  %uo  down  goU 
sin  gnad  ze  teil  28«  607.  Im  ganzen  habe  ich  84  Alliterationen 
gesammelt.  Aber  auch  Assonanzen  erscheinen  häufig:  liegen^ 
triegen  fruo  und  spät  2,  62;  sich  an  ein  liephch  uApUch  bild 
29,  43  and  zugleich  mit  Alliteration  verbunden:  die  swert 
in  dhsohd  ie  hknd  genomen  18,  157;  du  wenst  die  weit  die 
weU  zergan  29,  58;  und  weren  selge^  w^de  wtt  37,  58:  der 
selben  sei  wird  selten  frS  5,  344;  und  hilf  uns  liU  uf  er- 
den  hin  18,  164  und  andere. 

Damit  wird  diese  Aufzählung  zu  Ende  sein:  des  guten  ist 
eben  weniger  als  des  rerdorbenen,  besonders  in  den  Reden,  die 
überwiegend  episches  Gepräge  haben«  Um  aber  zum  Schlüsse  die-^ 
ses  Teiles  unserm  Dichter  gegenüber  den  richtigen  Massstab  in  der 
Hand  zu  be&alten,  müssen  wir  no^h  ein  negatives  Gharakteristikoo 
anführen  und  auf  jene  hervorstechenden  stilistischen  Motive  hindeu- 
ten, welche  zu  seiner  Zeit  im  Schwang  waren«  von  ihm  gekaimt^ 
aber  entweder  gar  nicht  oder  nur  im  beschränkten  Masse  gebrandit 
wurden.  Es  wurde  schon  oben  constatiert,  wie  er  sioh  von  jener 
allgemeinen  Entartung  der  Farbensymbolik  fem  gehalten  hat; 
dasselbe  ist  auch  der  Fall  bei  jener  albernen  Buch  Stab  enap-i« - 
1er ei,  an  der  diese  jungem  Dichter  ihre  Freude  Haben:  Hätel.  I, 
14,  14  das  schaffet  als  ain  werdes  JB;  II,  11,  9  das  griM  das 
zart  E  von  mir;  Lassberg  LS.  7,  108  ach  zartes  K^  ich  hiU 
dich;  Oswald  56,  2,  1  o  seuberltches  Q-;  72  3,  6  äviserwelies 
M;  Ambraser  LB.  11,  15  o  einziges  J3;  35,  10  msin  heriziges  A 
n.  V.  a.  Hugo  gebraucht  sie  nur  in  einem  einzigeü  und  zwar 
sehr  bezeichnend  in  seinem  allerletzten  Gedichte:  88^  37,  41  mins 
herzen  A,  min  liebes  E,  —  Ein  Kennzeichen  der  niedergehenden 
Poesie  dieser  Epigonenzeit  ist  ferner  die  wachsende  Neigung  zu 
realistischer,  ins  Detail  gehender  Personenbeschreibung.  Hogö 
zeigt  deutliche  Spuren  davon  in  5,  19 — 45  und  in  Nr.  21,  wird 


|XG£S 

abei^  darin  von  atidefti  \reit  übertrofFen.  Bün  oWakteristisohes 
Beispiel  da^on  bietet  Zingerle  *)  aas  Sendlinger,  dem  Kaplan  tihd 
Dichter  des  kanstfreuDdlichen  Nicolaas  von  Vintler,  Hugo*s  Zeitgenos- 
sen und  Landsmannes.  Sendlioget  beschreibt  in  36  Versen  den  Kopf 
Mariens  and  zwar  die  pra^  die  Mrneehal^  die  Aar,  die  äugen  al$  ein 
cherJienUöhty  die  lebe  (==  lefs),  zend^  wängel  and  den  mimd^ 
dann  anch  noch  ir  ztipf  lank^  groz  and  elehU  wol  geflochten  und 
gerehty  ir  nas  siecht  und  wol  getan^  ir  chinn  sinibel  und  weiz 
alz  ein  eemel  mel:  knrz  alles  und  nnr  die  Ohren  hat  er  vergessen; 
das  macht  aber  Sachenwirt  gnt,  der  25,  167 — 222  die  vraw 
Ahentewr  beschreibt  und  tu  den  andern  Schönheiten  (onter  welchen 
anch  der  rofc,  den  do  di  fnaget  truog^  und  das  neeel  an  alle 
mail  erscheinen)  noch  die  zwai  orel  dn  ir  haubet  cHainy  nach 
wwneche  wol  geentuk^t  dat^  anfügt.  Andere  Dichter  giengen  darin 
schon  noch  welter,  bis  endlich  das  Heer  der  echten  Meistersanger  kam 
und  den  Teafd  durch  Beelzebub  austrieb.  Braucht  Hugo  5^  1 9  ff. 
anch  26  Verse,  den  Kopf  seiner  Geliebten  zu  beschreiben^  so  hält  er  sieh 
dabei  dennoch  in  den  Bahnen  besserer  Traditionen.  -—  Desgleichen  hielt 
sich  Etngo  fem  ton  den  Wortspielereienj  wie  er  sie  besonders  in 
seinem  Vorbilde,  dem  Tit.  (z.  B.  818  eie  hiezzen  briefe  schriben 
v(Mfi  lande  landen  hin  Zu  lande*,  27  des  guet  ob  aller guete  hat  über 
g\ietet\  oder  bei  Hadamär  (z.  B.  465  tö^,  daz  von  wi  hdt  wi  und 
wt  min  wesen)  und  andern  gefhnden  hätte;  ebenso  von  den  Vers- 
t(nd  Reimverküni^ielangen,  welche  besonders  seit  Konrad 
in  Umläaf  kamen  und  z.  B  bei  Suohenwirt  in  Nr.  34  und  44; 
B&tzL  I,  7t  u.  9.  begegnen,  oder  womit  Oswald,  Muskatblat 
ü.  a.  sO  meisterhaft  ihre  Dichtangen  verderben  wie  der  Mönch 
von  Salzburg  die  seinen  mit  den  Abecedarien  (ed.  Ampfe- 
rer p.  18  ff.).  Allerdings  könnte  man  denken,  dass  Hugo*s  ge- 
ringeres Fötmgeschick  ihn  glücklicher  Weise  von  dieser  mühseligen 
Unart  bewahrt  habe.  Allein  der  Dichter,  der  sich  unterfieng,  die 
kbitistlicfae  Titnrelstrophe  nachzuahmen,  dessen  Strophenschemen 
überhaupt  verhältnismässig  noch  sehr  manigfaltig  waren  (darüber 
Abh.  V),  der  auch  hin  und  wieder  Anfalle  dichterischen  Selbst- 
bewüsstseins  hatte  (18,  HO;  31,  5 — 15),  würde  sich  auch  hier- 
in   versucht  haben,  wenn   er   daran    Gefallen    gefunden    und   ihn 


^)  Tirols    Anteil    an    der  poetischen    Nationalliteratar    im    Mittelalter 
(Programm)  p.  14. 

7* 


nicht  vielmehr   ein  Eömlein  gesunden  natürlichen  Sinnes  ^)  davor 
bewahrt  hätte. 

Das  waren  also,  soweit  sie  sich  ermitteln  Hessen,  die  Anlagen, 
Fähigkeiten  und  Kenntnisse  Hago*s.  Es  mnss  nun  noch  der  Yer- 
snch  gewagt  werden  nachzuweisen,  wie  weit  die  Zeit  und  Um- 
gebung, in  welcher  er  lebte,  auf  seine  Entwicklung,  seine  An- 
schauungen und  seinen  Charakter  gewirkt  haben,  um  ihnen  eben 
jene  bestimmten  Formen  zu  geben,  die  sie  zeigen;  denn  Hugo  würde 
am  Eingange  des  13.  Jahrhunderts  z.  B.  oder  in  Norddeutschland 
ein  anderer  gewesen  sein,  als  er  am  Ausgang  des  14.  in  Vorarl- 
berg war.  Ich  setze  hier  voraus,  dass  man  wisse  —  und  habe 
schon  in  Abh.  I  einige  Andeutungen  gegeben  —  wie  seit  dem 
Untergange  der  Staufen  alle  staatlichen  Institutionen  des  Mittelalters 
entarteten,  wie  das  Pabsttum  und  deutsche  Königtum  von  ihrer 
Höhe  herabsanken  und  die  alten  Ständeverhältnisse  aus  ihren  Fugen 
wichen;  wie  die  strengere  Zucht  und  Sitte  mehr  und  mehr  ver- 
schwand, der  Clerus  verweltlichte,  der  Ritter  verwilderte,  die  öffent- 
liche Ordnung  und  Sicherheit  dem  Faustrechte  erlag,  das  immer 
üppiger  emporblühte,  so  dass  um  die  Mitte  des  14.  Jahrhunderts 
die  Zerrüttung  in  Reich  und  Kirche  trostlos,  die  Sittenverderbnis 
in  allen  Schichten  der  Bevölkerung  grauenhaft  war''^).  Zu  diesen 
jammervollen  socialen  Zuständen  kamen  noch  alle  Schrecken  der 
Natur  in  einem  Masse  wie  niemals  vor-  noch  nachher:  Erdbeben, 
Heuschreckenzüge,  Misswachs,  Hungersnot,  Seuchen  jeglicher  Art 
und  endlich  der  furchtbarste  von  allen,  die  Pest,  welche  um  die 
Mitte  des  14.  Jahrhunderts  so  wütete,  dass  die  Hälfte,  nach  andern 
sogar  zwei  Dritteil  der  Menschen  hinweggerafft  wurden.  So  sah  man 
alles  wanken,  stürzen,  untergehen  —  alles,  was  der  Mensch  von 
den  weltlichen  Gütern  gebraucht  und  begehrt  und  erstrebt  Diese 
Erschütterung  des  ganzen  Daseins  musste  notwendig  neue  Lebens« 
grundsätze  erzeugen.    Aber   wie   weit   giengen  diese  auseinander! 


1)  Auch  das  bietet  dem  Ausspruche  Gervinus*  über  Hugo  (LG.*  248) :  ^doch 
dringt  in  seiner  guten  Natur  ein  frischer  gesunder  Sinn  überall  lebhaft  dorch^ 
eine,  wenn  freilich  zu  schmale  Grundlage. 

*)  Lehrreiche  Belege,  wie  es  damals  in  Tirol  ausgesehen  hat,  bietet  die 
soeben  durch  B.  Schwitzer  herausgegebene  Chronik  Marienbergs  Ton 
Goswln  (TL  Bd.  der  tirol.  Gteschlchtsquellen),  welche  der  etwas  spfttem  Satire 
^des  Teufels  Netz^  die  richtige  historische  Unterlage  bietet. 


CI 

In  den  einen  erhöhte  der  Anblick  von  der  Flüchtigkeit  der  irdi- 
schen Freuden  nur  noch  mehr  die  Genusssncht  und  Verkommen- 
heit, sie  machten  Philosophie  des  Lasters:  was  ich  nit  han  ge- 
wenden^  der  Borgen  ich  nit  will  nur  der  Augenblick,  den  du  lebst, 
gehört  dir,  geniesse  ihn,  so  viel  du  kannst  und  kümmere  dich  um 
den  nächsten  nicht,  der  vielleicht  nicht  mehr  dein  ist.  —  In  den 
andern,  den  tiefer  angelegten  Gremütern  aber  machte  die  Macht 
des  religiösen  Elements  sich  geltend:  sie  sahen  in  dem  Unglücke, 
das  über  die  Welt  hereingebrochen  war,  die  strafende  Greissei  Gottes, 
flüchteten  sich  mit  schwerem  Schuldbewusstsein  von  der  objectiven 
Welt  in  das  eigene  Innere,  um  hier  Grott  zu  suchen  und  Trost  zu 
finden.  Ihrem  Bewusstsein  gieng  die  ESoheit  von  Natur  und  Greist, 
von  Leib  und  Seele,  weiter  denn  je^)  in  einen  klaffenden  Dualis- 
mus auseinander:  jener  ist  das  sündhafte,  vergängliche,  diese  das 
bleibende,  welches  für  das  ewige  Leben  zu  retten  ist;  und  die  prak- 
tische Folgerung  dieser  trüben  Weltanschauung  war:  zwischen 
Sinnenlust  und  Seelenfrieden  bleibt  dem  Menschen  nur  die  bange 
Wahl.  Das  erweckte  in  ihnen  eine  innerliche  Zerknirschung,  einen 
schwärmerischen  Andachtseifer  und  brennenden  Bussgeist,  der  sich 
vorzüglich  an  den  extremen  Auswüchsen  dieser  Richtung  charak- 
terisiert, an  den  Mendicanten,  den  Gottesfreunden,  den  Greisslem 
und  den  zahlreichen  andern  Secten  und  Religionsgenossenschaften, 
die  besonders  dem  Rhein  entlang  ihre  Wohnsitze  aufgeschlagen  hatten. 
Wir  sehr  diese  auch  in  einzelnen  Grundsätzen  auseinandergehen  und 
sich  alle  zusammen  wieder  von  den  ruhigeren  und  gemässigteren  Laien 
unterscheiden  mochten,  das  Eine  war  ihnen  allen  gemeinsam :  die 
christliche  Idee  der  Weltüberwindung,  jenes  ernste  schmerzhafte  An- 
kämpfen gegen  die  Sündhaftigkeit  der  Welt  und  die  Gelüste  des 
Fleisches,  wodurch  allein  der  einzelne  Trost  finden,  die  bestehenden 
Verhältnisse  zu  bessern  Zuständen  geführt  und  die  Zeit  aus  ihrem 
Verfeile  gehoben  werden  könne. 

Machen  wir  hier  Halt  und  blicken  auf  Hugo*s  Leben  zurück. 


^)  Mit  dem  Zerfalle  des  altclassischen  Geisteslebens  trat  der  Bruch  zwi- 
schen der  objectiTen  nnd  sabjectiven  Welt  ein  (Schwegler,  Gesch.  d.  Philos.  125). 
Dieser  Dnalismus  war  die  Klippe,  an  welcher  die  alten  Philosophien  zerschell- 
ten. Das  Christentum  nahm  dasselbe  Problem  wieder  auf;  aber  alsbald  trat 
er  wieder  herror,  bald  mehr  bald  weniger,  je  nach  den  helleren  oder  trüberen 
Verhtitniiien  der  Zeit.  Auch  im  13.  Jahrhundert  Ternehmen  wir  b«i  DVfibL^ATDL 
seine  Stimme.   YgL  Bekpiele  hei  Bartsch  LD*,  21. 


cn 

Wir  haben  die  Zeit  seiner  SQndenblüte  keunea  gelernt,  ^ber  dann 
gesehen,  wie  er  sp9>ter  die  Vergänglichkeit  der  Welt  und  'ihx^V 
Freaden  erkannte,  wie  in  ihm  die  Macht  des  reUgiö^u  EJlement^ 
sich  geltend  machte  und  eine  tiefe  ß^ue  über  seine  Sünden,  jener 
Bussgeist,  jene  Angst  für  das  Heil  seiner  Seele  erwachte,  die  ihn 
alles  meiden  hiess,  was  zar  Sünde  führen  könnte,  selbst  dlQ  welt- 
lichen Gedichte!  Von  nun  an  erblickten  wir  ihn  fort  und  fort  im 
Kampfe  gegen  die  eigene  Begierlichkeit  und  die  sündhaften  Ver-^ 
lj>ckungen  von  aussen.  —  Ist  das  nicht  der  asketische  Geist  jener 
Zeit,  der  Hugo*8  Umwandlung,  Hugo*8  ganzem  spatera  Leben 
seinen  Stempel  aufgedrückt  hat?  Auch  viele  Aeu sserangen  iq  seinen 
Gedichten  bestätigen  das.  In  den  Plagen  der  Welt  sieht  er  di^ 
Strafe  ihrer  Sünden  5,  138;  13,  47;  24,  121.  Den  Gegensatz 
zwischen  der  Welt,  die  sieh  um  Gott  und  Seele  nicht  kümmert, 
deren  Grundsatz  lautet;  lass  vögelli  sorgen  .  • .  spring  initfröden 
cm  den  tantz  etc.,  und  zwischen  demjenigen,  der  in  besserer  JEr- 
kenntnis  ihre  falschen  Freuden  flieht,  auf  den  Tod  denkt  und  für 
das  ewige  Leben  sorgt,  hat  er  zum  Eptwurfe  eiijes  eigenen  Ge- 
dichtes (Nr.  29)  gemacht  (vgl.  ^qch  Nr,  17),  Die  dualistische 
Anschauung  jiit  bei  ihm  scharf  ausgeprägt;  nu  bin  ich  fleisch 
bein  und  pluot,  daz  züht  den  elemenfen  ndch,  zuo  göttlichem 
dienst  ist  im  nit  gdch  4,  52;  wer  sinern  glust  nach  volgen  wiU 
natii/rlich  ah  es  ist  geborn^  sinß  ungelimpfs  wurd  gcur  ze  vil^ 
ein  sei  die  wurd  darumb  verlorn;  aber  dazu  hat  der  Mensch 
auch  Vernunft  und  Gewissen,  damit  er  in  beständiger  Selbstab- 
tödtung  die  sündlichen  Begierden  unterdrücke:  sin  hertz  das  sol 
einß  bissen  (sein  Fleisch  abtödten)  mit  geeckten  dingen  nacht 
und  tag  (18,  125  ff.),  ein  Satz,  der  dem  strengsten  Asketen  Ehre 
machen  könnte. 

So  finden  wir  Hugo  von  der  einen  jener  Zeitströmungen  pait- 
fortgerissen,  die  wir  vorhin  charakterisierten,  und  es  handelt  sich 
nun  um  seine  Stellung  innerhalb  derselben,  Das  unterscheidende 
Merkmal  der  einzelnen  Parteien,  in  welche  diese  Richtung  ausein- 
andergieng,  bietet  vor  allem  ihr  Verhältnis  zur  herrschenden  Kirche. 
Man  hätte  vielleicht  erwarten  können,  dass  sie  alle  einmütig  nach 
den  Satzungen  und  Geboten  derselben  ihre  Bussübungen  und  ihren 
Lebenswandel  eingerichtet  hätten.  Wenn  es  anders  kam,  so  liegt 
ein  grosser  Teil  der  Schuld  in  dem  damaligen  Zustande  der  Kirche. 
Männer  wie  Geraon,  Peter  d'Ailly,  Nicolaus  v.  Glemange,  Heiorioh 


Gm 

▼.  liangeDstein,  Math&aa  v.  K.mkau,  der  Dichter  von  .  des  Teufels  Netz  * 
u.  a.  entwerfen  ein  trauriges  Bild  von  ihr.  Es  bildeten  sich  dr^i  Grup- 
pen :  d^  einen,  an  den  Päbsten  und  ihren  Aposteln  irre  geworden, 
schlössen  von  der  äussern  Erscheinung  der  Kirche  auf  ihr  Wesen  über- 
haupt und  glaubteUf  dass  das  Pabsttum  mit  all  seinen  Gnadenmitteln 
nicht  vermögend  sei,  den  Menschen  zum  Heile  zu  verhelfen;  sie  such- 
ten daher  nach  eigenem  Gutdünken  den  Weg  zum  Heile.  Ihnen  ge- 
genübw  standen  die  Fro]|imgl|L.ubigeTi,  die  sich  mit  den  bestehenden 
Verhältnissen  der  Kirohe  ohne  weiteres  abfanden  und  sich  ihr 
rackhaltslos  in  die  Arme  warfen;  in  der  Mitte  zwischen  beiden 
stand  die  s.  g.  B§£oniipartei,  welche  im  allgemeinen  auf  den  An- 
schauungen und  Lehren  der  Kirche  fussten,  aber  ihr  bessernde 
Kritik  entgegenbrachten  und  sich  unter  einander  wieder  mannigfach 
abstuften,  je  nachdem  sie  nur  ihre  äussern  Zustände  oder  auch  ein- 
zelne ihrer  Lehrsätze  prüften  und  bekämpften.  Hieher  gehört  der 
grösste  Teil  der  damaligen  Gelehrten  wie  Gerson,  d'Ailly  etc.  und 
Dichter  wie  Teichner,  Suchenwirt,  Vintler,  Oswald,  Sachsenheim, 
der  von  ,  des  Teufels  Netz '  . .  und  auch  Hugo.  Bei  jedem  einzelnen 
muss  erst  festgestellt  werden,  wie  weit  er  hierin  gieng. 

Hugo  richtet  sich  vor  allem  gegen  die  Habsucht  der  höheren 
und  niederen  Geistlichkeit  (5,  ^11,  270),  gegen  ihren  Wucher  und 
ärgerlichen  Handel  mit  geistlichen  Dingen  (5, 269) ;  dazu  bringt  er  in 
Nr,  29  neue  Ansohuldigungf^n:  die  pfaffm  hahent  hrieg^  tmhüach  und 
git  (137).  Gegen  die  Klöster  richtet  er  sich  noch  besonders;  denn 
darinn  ist  nid  und  Jiaes  (29,  134),  selbst  im  dritten  orden  nach 
sant  Francissen  regel  hält  man  sich  nicht  eben:  diese  Mönche 
tuot  vnhüseh  etwenn  betriegen  (29,  158);  ja  soweit  ist  es  ge- 
kommen, dass  kein  Orden  mehr  zu  finden,  er  hob  ein  galten^  es  si 
dann  Mtzel  oder  vil  (29, 161).  Am  meisten  erregt  der  Skandal  jener 
Zeit,  das  Schisma  (seit  1378),  seinen  Zorn:  zwei  Päbste  sind  auf 
dem  Stuhl  Petri,  einer  von  beiden  muss  den  Teufel  bei  sich  haben 
(5,  196).  Hugo  greift  die  Wahlvorgänge  an,  über  die  er  sich 
genau  unterrichtet  zeigt:  die  Bestechlichkeit  der  geizigen  Gardi- 
näle  hat  diesen  Jammer  angerichtet  Bezeichnend  ftLr  seine  inner- 
liche Auflhssungsweise  aber  ist  es,  dass  er  nicht  für  oder  gegen 
einen  der  beiden  Partei  nimmt,  wie  das  damals  sonst  allgemein, 
auch  bei  den  österreichischen  Herzogen,  der  Fall  war;  denn  die 
äussern  Wahlvorgänge  entscheiden  allein  nichts,  ihm  kommt  es 
vielmehr  auf  die  Gesinnung  der  Päbste  an ;  welcher  glaubt,  daa  er 


II 


cnr 

rechter  bähest  ai^  der  mag  da  wol  beliben  bi;  tet  er  es  aber 
umb  fjdb  od  guot^  zwdr  der  hat  ein  bösen  muot  (5,  217).  Es 
könnten  demnach  vor  Gott  beide  gerecht  oder  beide  verworfen  sein. 
Wichtig  ist  dann  die  folgende  Aeusserung  Hugo's  (5,  223 — 228), 
weil  sie  einen  Lichtstreifen  wirft  auf  seine  Ansicht  über  das 
Verhältnis  zwischen  weltlicher  und  geistlicher  Macht,  indem  sie 
jene  Frage  tangiert,  ob  die  weltliche  Gewalt  in  gewissen  Fällen 
über  den  Päbsten  und  ihrem  Collegium  stehe,  welche  durch  das 
Schisma  neuerdings  in  lebhafte  Disoussion  geraten  war.^  Von  den 
Frommgläubigen  wurde  sie  unbedingt  verneint,  von  den  Reforma- 
toren bejaht,  besonders  war  es  die  Pariser  Universität  mit  ihrem 
Kanzler  Gerson,  welche  die  Ansicht  vertrat,  dass  gegen  unrecht- 
mässig gewählte,  die  Einheit  und  den  Frieden  störende  Päbste  die 
weltlichen  Fürsten  zum  Einschreiten  befugt,  ja  sogar  berechtigt 
seien,  über  schismatische  Päbste  zu  Gericht  zu  sitzen  ^).  Wie  weit 
sich  diese  Meinung  verbreitete,  zeigte  sich  später  deutlich  auf  den 
Concilien  zu  Pisa,  Constanz  und  Basel.  Dass  auch  Hugo  diesen 
Standpunkt  inne  hatte,  beweist  sein  eifervoller  Aufruf  an  die  Könige 
und  Fürsten,  mit  ihrer  macht  behende  dieser- Zweiung,  welche  die 
Christenheit  zu  Grunde  richtet,  ein  jähes  Ende  zu  bereiten.  Re- 
formatorischer Einfluss  auf  Hugo  scheint  sich  endlich  auch  in  seiner 
starken  Betonung  der  Bibel  zu  offenbaren.  Die  Unsicherheit  der 
christlichen  Traditionen  durch  die  Entartung  ihrer  Träger  führte 
auf  die  Bibel,  als  die  Urquelle  der  christlichen  Lehre,  zurück.  Es 
gibt  keinen  bedeutendem  Reformator  dieser  Zeit,  der  nicht  ihre 
Autorität  mitunter  sogar  der  Kirche  und  den  Concilien  gegenüber 
betont  hätte.  Wenn  Hugo  auf  eine  Lehrmeinung  anspielt,  ge- 
schieht es  meist  mit  Verweis  auf  die  Bibel,  z.  B.  aiU  Lucas  sagt 
4,  99;  als  sant  Matheus  sagt  32,  79  oder  sant  Johans  ewan^ 
gelist  der  hdtz  geschriben  5,  120  etc.;  er  beteuert  ihre  Integrität 
27,  i>2  und  hält  sie  dem  Doppelpabsttum  entgegen  5,  206. 

Soweit  ist  Hugo*s  Kritik  gegen  die  Kirche  in  seinen  Gedich- 
ten zu  verfolgen.  Sie  richtet  sich,  wie  man  sieht,  mit  Ausnahme 
von  einem,  vielleicht  zwei  Punkten,  nur  gegen  ihre  äussern  Schäden; 
ihrem  innern  Baue,  ihren  Dogmen  und  Institutionen  gegenüber 
verhält  er  sich  durchweg  conservativ.  Er  zieht  z.  B.  wiederholt 
gegen  die  Priester  los,  aber  nirgends  gegen  den  Priesterstand,^be- 


1)  Theol.  Bibl.  Ser.  I,  14.  Bd. ;  Hergenröther,  Kirch.  Gesch.  II,  68. 


ov 

tont  vielmehr  die  Würdigkeit  und  Notwendigkeit  desselben  (ö,  361). 
Aach    die  Geheimnisse   der  kirchlichen  Lehre   gelten  ihm  für  un- 
antastbar, obgleich   wir  sie  nicht  zu  begreifen  vermögen^);   nur  in 
ihren  Gnadenmitteln  liegt  wahres  Seelenheil:  Abtödtung  des  Flei- 
sches, Basswerke  und  Rene  über  die  Sünden  müssen  sich  mit  der 
Beichte  verbinden   etc.  4,  22;   5,  187;  13,   9,  27  u.   a.     In  all 
diesen  Dingen  war  Hugo   ein  treuer  Sohn  der  Kirche   und   fasste 
dem  entsprechend  auch  Stellung  gegen  jene  Reformatoren,  welche 
weiter  giengen,  indem  sie  deren  Lehren  selbst   anfochten  und  sich 
zum  Teil  auch  vom  äussern  Kirchentnm  lossagten.    Dabei  mochte 
auf  Hugo  neben  seiner  Ueberzeugang  auch   eine  andere  Rücksicht 
wirken.    Weitergehende  reformatorische  Bewegungen  der  angedeute- 
ten Art  haben  mehr  oder  weniger  immer  ein  plebejisches  Element; 
,  denn  die  Selbstbefreiung  der  Laien  von  der  Aristokratie  der  Geist- 
lichkeit hat  übereinstimmendes  genug  mit   der  Selbstbefreiung  des 
Volkes  von   einer  politischen  Aristokratie^)  •.     Es   kann   dem   zu 
einer  gewissen  Stütze  dienen,    dass    er  sich   besonders  gegen  jene 
antikirchlichen  Glaubensmeinungen  richtet,    welche  in  ihren  prak- 
tischen Gonsequenzen  demokratischen  Bewegungen   zum  Ausgangs- 
punkte werden  konnten    und  tatsächlich   auch  wurden:    gegen  die 
Läugnung   der  menschlichen  Willensfreiheit   und   die  Behauptung, 
dass  Gott  der  Urheber  auch  des  üebels  und  der  Sünde  sei:   wer 
spricht,  das  got  ein  schöpf  er  ei  der  silnd  tmd  och  des  liden^  dem 
wanet  grosse  torheit  hiy  wan  seid  die  muoss  in  miden.  er  hat 
uns  gehen  eigenn  muot  (13,  41) ;  ausführlicher  erscheint  der  letzte 
Satz  22,  9:   got  hat  uns  eigen  wiüen  gehen  uff  erden  hie  ze 
werhen;  wir  mugent  aher  also  lehen^  wir  muoseent  ewig  sterhen 
(vgl.  auch  4,  47 ;  27,  85),  und  30,  95  fögt  er  noch  hinzu :  davon  ist 
er  unschuldig  daran,   wer  kunt  in  helle  hrimst^   woraus  erhellt, 
dass  er  sich  gegen  die  Prädestinatianer  richtet. 

John  Wiclif  baute  aus  den  Elementen  der  Apokalyptiker,  der 
Lehre  des  Wilhelm  von  Occam,  des  Marsilius,  Bradwardinus  einen 
pantheistischen  Realismus,    dessen   Spitze  die  Prädestinationslehre 


^)  Selbst  ein   so  hervorragender  Geist  wie  Gerson    schreibt:    ^Wahrheit 
sei  Dar  dnrch   die  Offenbamng   zu   erkennen:    sicherer    als    alle    menschliche 
Forschang  führe  Basse  and  GlaabeizurjEinsicht*^  Üeberweg,  Gesch.  der  Philos* 
U,  226.    Aach  Teichner  kommt  nach  langen  Meditationen  zar  Einsicht ,    dass 
mit  di&muot  «invoUteelühen  geiouben  am  besten  sei.  Karajan,  Denkschr.  VI,  113.* 
«)  Wackernagel,  die  Gottesfreande  in  Basel,  klein.  ^(ikii.W,  W^» 


CfVI 

war:  alles  beherrseht  eine  unbediugte  NotWi^ndigkeit,  auch  da«  Böse 
geschieht  mit  Notwendigkeit;  der  göttliche  Wille  bestimmt  mit 
Notwendigkeit  den  geschöpfliohen  «od  nötigt  jedes  einzelne  tätige 
Geschöpf  zu  jedem  seiner  Acte:  demselben  fehlt  also  der  freie 
Wille,  mit  dem  er  sich  nach  eigener  Wahl  Himmel  oder  Hölle  ver- 
dienen könnte,  beides  ist  ihm  von  Gott  vorhergesehen  und  vorher- 
bestimmt^). Wiclifis  Lehre  machte  seit  1381  (damals  beiratete  Wenzel 
Richards  H  Schwester  Anna)  in  Deutschland  rasche  Fortschritte, 
weil  sie  hier  vorbereiteten  Boden  fand.  Schon  die  Mystiker  hatten 
mehr  oder  minder  reife  pantheistische  Elemente  ausg^streat,  dann 
die  Brüder  des  freien  Geistes  (besonders  in  Rhätien),  welche  lehr- 
ten: alles  was  der  Mensch  tut,  geschieht  aus  göttlicher  Anord- 
nung etc.^);  vor  allem  aber  ergriflfen  und  verbreiteten  die  zahlrei- 
chen Waldenser,  die  im  14»  und  15»  Jahrhundert  in  Böhmen^) 
und  dem  ganzen  Rhein  entlang  ihre  Gemeinden  hatten,  den  ver- 
wandten Wiolifitismus^)  ;  unter  ihnen  waren  auch  viele  Beginea, 
welche  die  Lehrmeinangen  der  Waldenser  aoceptierten,  so  dass  man 
beide  Secten  auch  mit  dem  gemeinschaftlichen  Namen  der  Beginen 
zusammenfasste. 

Es  ist  schwer  zu  sagen,  ob  sich  Hugo*s  Polemik  gegen  diese 
Richtung  im  allgemeinen  oder  gegen  bestimmte  Secten  derselben 
kehrte.  Ist  letzteres  der  Fall,  so  wahrscheinlich  gegeu  die  Beginen; 
denn  dafür  spricht  schon  die  örtliche  Nähe,  dann  besonders  der  Um- 
stand, dass  er  auch  29,  146  dieselben  direct  angreift:  m<m  nemptz 
die  paginen^  der  tiefel  wird  ai pinen\  wo»  ea  ist  nicht  eingerückter 
ordeuy  die  bepst  Mnd  ri  in  ban  —  und  nicht  weniger  auch,  dass 
schon  vor  ihm  der  Schweizermönch  Bonerius  in  seiner  43.  Fabel 
(ed.  Pfeiffer)  und  nach  ihm  noch  Sachsenheim  (Martin  p,  14)  gegen 
dieselben  zu  Felde  ziehen. 

Wiclifs  Prädestinationslehre  involviert  selbstverständlich  auch 
die  Ansicht,  dass  das  Uebel  und  die  Sünde  mit  Notwendigkeit  und 
Gotteti  Willen  geschehe,  und  schon  seine  Vorgänger,  besonders 
Franz  Mayron  und  Thomas  Bradwardinus,  haben  in  eigenen  Scbrif- 


1)  Theol.  Bibl.  Ser.  I,  14.  Bd.;  U,  213. 

*)  Vgl.  Preger,  Gesch.  der  deutsch.  Myst.  I,  207. 

^)  Diese  wurden  der  Grandstock  der  Hussiten.  Wie  der  Wiclifitismos  in 
England  (LoUarden)  so  führte  de^  Hossitismus  in  Böhmen  zur  socialeo  ite- 
Tolation  der  Massen. 

^  Wack»rntkge\,  die  Gottesfreunde  in  Basel,   klein.  Sehr.  II,  158. 


f 


ovn 

ten  den  Satz  vertreten,  dass  Gott  auoh  der  Urheber  der  Sünde 
und  der  Leiden  sei  (theol.  Bibl  S.  I,  14;  II,  161).  Wenn  sieh 
Hago  mit  seinen  früheren  Aassprüchen  gegen  die  Prädestinations- 
khre  richtet«  wird  es  auch  mit  diesem  der  Fall  sein^). 

Aber  dieseni  Glauben  an   die  absolute  Freiheit  des  mensch- 
liehen Willens  scheint   eine  andere  Aensserung  Hngo's  zu   wider- 
sprechen; W€^  du  (Gott)  mir  gUt^  das  gib  ich  dir:  kein  guot$t 
iuon  ich  selb  von  mir  4i  61.   Wenn  der  Mensch  nicht  im  Stande 
ist,  aus  sieh  selbst   eine  guotet  zu  tun,  darin  also   von  Gott  ab- 
hängt, so  hängt  seine  Seligkeit  überhaupt  von  Gott  ab,  und  unser 
Dichter  hatte  fUr   die«e  subtile  Materie  nicht  genügende  geistige 
Klarheit,   nm   sie  zu   ein<^r  einheitlichen   Ansicht  durchzudenken. 
Allein  der  Widerspruch   hebt   sich,    wenn   wir  27,   73  flf.  hinzu- 
nehmen:  Gott  kennt  die  Menschenberzen,   findet   er  darin  einen 
9teten  gantgen  wiUm   zum  Guten,   so   versagt  er   keinem  Gnade 
und  Hilfe,  so  dass  der  Mensch  auoh  kann,   was  er  will.      Es  ist 
also  doch  der  menschliche  Wille  das  frühere  und  ausschlaggebende, 
von  dem   seine   guten  Taten   und   seine  Seligkeit   abhängen,   und 
Hugo  hat  die  Lehrmeinupg  der  Kirche  ihrem  Geiste  nach  erfasst 
Die   häufige  Betonung   der  Notwendigkeit   guter  Werke  (4,  110; 
28,  237  u.  a.)  ist  nur  eine  Gonsequenz  dieser  Ansicht   und  kann 
sich  ebenso  gegen   die  Waldenser   wie   gegen   viele  Mystiker  und 
andere  Secten   richten,   welche   auf  die  blosse  Beschaulichkeit  und 
Innerlichkeit  das  üebergewicht  legten. 

Ausserdem  beteuert  Hugo  noch  seinen  Glauben  an  einige  an- 
dere kirchliche  Lehrmeinungen  und  auch  hier  wohl  Andersgläubigen 
gegenüber;  so  den  an  die  unbefleckte  Empfängnis  Maria's:  siwas 
din  muoter  vnd  doch  ein  magt  an  alle  meil,  daz  gloh  ich  wol 
4,  lÖÖ;  ähnlich  28,  573.  Das  Interesse  für  diese  Frage  war 
besonders  damals   durch  den  Kampf  der   Thomisten   (Maculisten) 


^)  Notwendig  ist  das  freilich  nicht;  denn  auch  anabhängig  Ton  präde- 
stinierter Anschauung  hat  sich  diese  Ansicht  yerbreitet;  so  schon  unter  dem 
nachwirkenden  Einfluss  der  Katharischen  Secten,' 'ja  ohne  alle  äussere  An- 
regung konnte  der  blosse  Satz  „Gott  hat  alles  erschaffen^  dazu  führen.  Ein 
merkwürdiges  Beispiel  dafür  bietet  der  Teichner,  welcher  ron  diesem  Satze 
die  Folgerung  zog:  ^also  hat  Gott  auch  das  Böse  erschaffen**,  und  diesen 
Gedanken  in  einem  Gedichte  den  Ansichten  der  Geistlichkeit  gegenüber  aus- 
spricht, später  aber  wieder  zu  Gunsten  der  letzteren  zurücknimmt.  Karajan, 
Denkschr.  VI,  111. 


cvra 

und  Scotisten  (1387)  rege  geworden,  welcher  erst  auf  dem  Baseler 
Concil  (1439)  einen  vorläufigen  Abschluss  fand  ftheol.  Bibl.  14, 
II,  1 63) ;  gleichzeitig  herrschte  der  Streit  über  das  Dogma  von  der 
Dreieinigkeit  Gottes,  die  hauptsächlich  vom  Averroismus,  der  noch 
um  1500  lebte  (üeberweg,  Gesch.  der  Phil.  11,  219)  geleugnet 
wurde.  Hugo  beteuert  5, 117  seinen  Glauben  daran  zugleich  mit  dem 
an  die  Göttlichkeit  des  heiligen  Geistes  und  gr&ndet  denselben 
auf  die  Allmacht  Gottes,  was  an  Duns  Scotus  anklingt  (33,  137) : 
wer  geloht^  daz  got  almechüg  ai^  der  gelobt  biüich  an  die  dri' 
valtUceit  Das  wer  lässt  die  polemische  Absicht  erkennen.  32, 92  ff. 
kämpft  er  gegen  die  Juden  mit  ihrem  tcdamuot,  gegen  die  Heiden 
mit  ihren  Götzen  und  verteidigt  die  christliche  Lehre.  Auch 
darin  macht  sich  bei  ihm  der  ESnfluss  der  gläubigen  Theologen 
geltend,  dass  er  die  Geheimnisse  der  Kirche  als  Offenbarungs- 
lehren von  den  durch  die  Vernunft  begreifbaren  abtrennt  und 
ihre  Erkennbarkeit  der  Erleuchtung  durch  die  göttliche  Gnade  zu- 
weist 30,  69  ff. 

Das  war  Hugo*s  Stellung  in  den  religiösen  Strömungen  seiner 
Zeit*).  Er  erscheint  der  herrschenden  Kirche  gegenüber  im  wesent- 
lichen streng  -  aber  auch  nicht  blindgläubig.  Der  Glaube  war 
die  eine  Quelle  seiner  sittlichen  Grundsätze,  die  andere  floss  ihm 
aus  seinem  Stand.  Hugo  war  Aristokrat  der  Geburt  und  Ge- 
sinnung nach.  Das  zeigt  sich  in  seinen  Dichtungen  allerwegen. 
Aus  dem  vornehmen  Stande  denkt  er  sich  sein  Publicum,  aus 
demselben  sind  auch  die  typischen  Figuren  genommen,  die  ihm 
Lehren  erteilen  (wachter  und  prieater  nehmen  sich  von  selbst  aus) : 


^)  Bestimmte  Schriften  heranzuziehen,  gegen  welche  sich  Hugo  gerichtet, 
oder  auf  welche  er  sich  gestützt  hätte,  etwa  nach  dem  Mnster,  das  Heinzel 
bei  Heinrich  t.  Melk  aufgestellt,  war  hier  unmöglich ;  schon  deswegen,  weil 
seine  Andeutungen  zu  aphoristisch  und  dann,  weil  jener  Quellen  zu  viele  und 
die  meisten  derselben  nicht  rorhanden  sind :  in  Liedern  und  Prosaschriften  yer- 
breiteten  sich  damals  die  religiösen  Meinungen  rasch  nach  allen  Seiten  (Wacker- 
nagel, kl.  Sehr,  n,  152),  Prediger  der  yerschiedensten  Secten  zogen  ron  Ort 
zu  Ort.  Ein  merkwürdiges  Beispiel  gibt  Nicolaus  t.  Basel,  der  erzfthlt:  er 
habe  einmal  in  einer  Predigt  gehört,  dass  Gott  alle  Menschen  Torher  be- 
stimmt, die  einen  zur  Seligkeit,  die  andern  zur  Hölle;  da  ihm  die  Sache 
yerdächtig  Torgekommen,  habe  er  sich  bei  zwei  andern  gelehrten  Pfaffen  weitere 
Aufschlüsse  darüber  geholt  (ygl.  Schmidt  p.  11).  Es  musste  daher  genügen, 
die  Ansichten,  gegen  welche  er  sich  richtet,  örtlich  and  zeitlich  in  seiner  N&he 
nachzuweisen. 


GIX 

so  in  Nr.  28  ein  herr  and  eine  edlü  maget,  so  die  zwei  Herren 
und  Franen  in  Nr.  25;  besonders  bezeichnend  ist  25,  76,  wo  der 
Herr  dem  Dichter  die  Sendung  erteilt:  ich  dich  ze  hotten  sende 
zuo  grafeny  dinen  gnoeeen^  und  zuo  allen  herren  grossen. 
Parcifal  erscheint  ihm  in  Nr.  5,  Helden  wie  Alexander,  Artns, 
Hector,  Dietrich  v.  Bern  und  die  türsten^  die  sweri  in  dhand 
ie  hdnd  genomen^  zieht  er  zum  Vergleiche  herbei 

Der  Adel  ist  ihm  der  Stand  von  Grottes  Gnaden  14,  20; 
aber  ihm  genügt  der  äussere  nicht,  er  fordert  von  seinem  Träger 
auch  den  Innern:  Zucht,  Ehrgefühl  und  Selbstbeherrschung  14, 17; 
23,  8.  Je  höher  die  Würde  und  der  äussere  Rang,  desto  grösser 
seine  Anforderung  an  den  innem  Wert:  vom  Fürsten  verlangt  er 
fürstlich  zticht  und  sitt  5,  241  und  spricht  von  des  adels  ere 
(5,  320)  als  einer  besondem,  wie  man  etwa  an  das  Leben  eines 
Priesters  neben  dem  allgemein  menschlichen  Sittengesetz  noch  das 
standesmässige  bringt.  Es  ist  keine  von  den  Tugenden,  welche  in 
Hartmanns  armen  Heinrich  33  ff.  von  einem  Ritter  gefordert  werden, 
die  Hugo  in  seinen  didaktischen  Gedichten  nicht  gleichfalls  betont 
oder  selbst  besessen  hätte.  —  Seine  ritterliche  Gesinnung  offenbart 
sich  femer  im  Festhalten  des  alten  Verhältnisses  zu  den  Frauen, 
von  dem  sich  bei  den  meisten  Dichtern  dieser  Zeit,  wo  der  Frauen- 
cultus  schon  vorüber  war,  kaum  mehr  eine  Spur  zeigt.  Bei  ihm 
besitzen  sie  noch  ihre  hervorragende  Stellung  und  Würde :  ie  Jclue- 
ger  sinn  ein  m<m  doch  hdt^  dest  bas  halt  er  ein  biderb  wib: 
er  bhent  die  er^  die  an  ir  Ut  18,  145;  ir  er,  er  zucht^  ir  dtt 
ist  eins  mannes  leid  vertrib  18,  143  etc.  Er  stellt  sie  in  der  Er- 
mahnung an  den  Sohn  (14,  11)  mit  dem  geweihten  Priesterstand 
zusammen:  nicht  smeh  wib  noch  priesterschaft^  so  bist  du  vor 
got  tugenihaft^  ähnlich  wie  einst  Wolfram  gesprochen  hat:  wilt 
du  din  leben  zieren  und  rehte  wirdeclichen  vam^  sS  muostu  haz 
gein  wtben  spam:  wip  und  pff äffen  sind  erkant  etc.  (Parc.  502) 
und  ähnlich  anderen  älteren  Minnesängern,  welche  die  Frauen  und 
den  Frauendienst  mit  heiligen  Dingen  zusammenbringen  (vgl.  Uh- 
land.  Sehr.  Y,  173).  Die  Frauen  erhöhen  den  muot^  unedle  Sitten 
und  Rohheiten  sind  aus  ihrer  Gegenwart  verbannt,  und  Hugo  tadelt 
es  heftig,  dass  die  Ritter  seiner  Zeit  dagegen  handeln :  mitt  bösen 
swueren  gottes  nom  vor  frowen  wirt  genennet;  sich  selb  er  (der 
Ritter)  nit  bekennet  und  tribt  lotters  wis  mit  liegen;  zucht  die 
muosz  sich  smiegen  5,  302;   jamer   tuot  sich  nüwen^   so   man 


i 


emphint  der  loUerheit^  damit  bschickt  mantger  frawen  teil  5,  310. 
Andrerseits  aber  hielt  ihn  sein  männlicher  Sinn  feili  von  ddü  tLbeiV- 
stiegenen  Minnenarrheiten,  die  uns  bei  Lichteiistein,  Hadloab  und 
teilweise  noch  bei  Oswald  anwidern. 

Einem  Manne,  der  den  alten  Geist  des  Rittertums  so  in  siöh 
fortleben  liess,  stand  auch  der  offene  Sinn  für  den  äussern  Olanz 
desselben  gut  an.  Oftmals  vernehmen  wir  deine  FYeude  an  ritter^ 
spil^  an  tumieren,  stechen  zuo  dem  zil,  auch  mitten  aus  den  Kla- 
gen über  die  Vergänglichkeit  allef  irdischen  Genüsse  z.  B. :  ith  hon 
gar  vil  gehöret  von  ritterschaft  uridftowen^  das  doch  den  miMt 
enböret:  wih  und  man  die  mochtintz  gerne  schowen  15,  53.  So 
hat  er  seine  Bitterfahrten  und  seinen  Kreuzung  aufzuweisen,  so 
will  er  auch  noch  bei  der  deutschen  Königskrone  den  alten  Kai- 
serglanz nicht  missen  und  fordert  Wenzel  auf,  seinen  RftuDerzag 
zu  unternehmen  5,  243. 

Bitterlicher   Geist   und  tiefernste    Religiosität   schlössen   mch 
keineswegs  aus,  aber   ein  gewisses   heilsames  Gegengewicht   g^en 
einen  zu  scrupulöseii  Sinn   blieb   er   mit   seinem  Frauendiensl  und 
den  andern  Lebensforderungen  immerhin  und  ist  als  das  auch  bei 
Hugo  zu  erkennen:  wiederholt  sahen  wir  die  Frauen  ihm  Mut  otid 
Tatkraft  erhöhen  und  seine  düstere  Stimmung  erhellen;  ja  eä  gibt 
einzelne  Punkte,  in  denen  sich  der  ritterliche  Sittü  mit  detii  kitch- 
liehen  kreuzte.    Und  dass  sich  Hugo  in  diesem  Falle  auf  die  Seite 
des  erstem  stellt,  fallt  ausschlaggebend  ins  Gewicht.     Eine  ohrist- 
liche  Lehre  heisst:  nicht  nur  deinen  Freunden   sollst  da   gutestun^ 
sondern  auch  deinen  Feinden.    Diesen  Grundsatz  erläutert  Htigo*8 
Zeitgenosse,  der  fromme,  aber  tiicht  ritterliche  Teicihüer,    in  einem 
Gedichte  (Hs.  A  107^)  und  rät,  den  Feidd  mit  Geduld  zu  bediegea: 
Vergebung  sei  die    edelste  Rache;   denn   86  d^  mensch  'vertreii 
ie  mSr^  s6  ie  groezer  vrumt  er  prts^  ja  ef  soll  sich  durch  fklsohe 
Scham  auch  von  der  Flucht  nicht  abhalten  lassen  (bei  Kar.  132)« 
Wie  ganz  anders  lautet  der  Gfund^^atz,  Welchen  Hugo  den  jungen 
Sohn  lehrt:    sei   den  ftünde^  holdy   den   vinden  grwn    14,  97* 
Wenn  wir  ihn  dann  oben  unter  jenen  gefunden  haben,  welche  in 
bestimmten  Fällen  die  weltliche  GreWalt  als  Bicht^r  über  die  kii^- 
liehe  setzten,   so   hatte   dabei  der   ritterliche  Geidt  Hngo'ft  gewies 
auch  Einfluss  auf  seine  Anschauung  genonmien:  jenen  böden  Knoten 
des  Schisma*s  mit  dem  weltliche^  Schwerte  auseinaüderzoschlageti, 
das  war  so  recht  noch  ans  jenem  alten  ritterlichen  Stanfengeiste 


CXI 

heraosgesproclien.  Man  vergleiche  nur  diese  Aensserangen  Hngo*s 
(5,  223  ff.)  mit  einer  Rede  Suohenwirts  (Nr.  35,  95  ff.),  welcher 
das  gleiche  Thema  behandelt:  aach  er  klagt  über  das  Elend  des 
Schisma*s,  aber  für  Hago*s  energischen  Aafiruf  an  die  deutschen 
Fürsten  nnd  Herren  hat  er  nichts  als  frommes  Flehen  za  Gott, 
dass  er  diesen  Uebelständen  abhelfen  and  aas  zwei  Päbsten  wieder 
einen  machen  möge! 

So  lebte  in  Hago  noch  der  alte  adeliche  Ton  and  Geist  fort 
zu  einer  Zeit,  wo  man  bereits  dem  ritterlichen  Leben  nnd  Wesen 
den  Bücken  gekehrt,  wo  Mfiglein  öffentlich  das  Toamierwesen  be- 
schimpfen, der  Teichner  es  für  töricht  aasgeben  konnte,  im  Frieden 
Waffen  za  tiragen;  za  einer  Zeit,  wo  man  den  im  Bitterspiele  G&- 
follenen  das  ehrliche  Begrftbnis  in  geweihter  Erde  versagte^)  nnd 
das  alte  ritterliche  Leben  nnd  Lieben  anm  komischen  Elemente 
in  der  Dichtang  verwertete:  karz  za  einer  Zeit,  wo  der  Nieder- 
gang der  deutschen  Galtar  and  Dichtung  vom  Bitterstande  in  die 
tmtem  Volkssc^hichten  bereits  entschieden  war  nnd  sich  im  E[a- 
noüendonüer  eine  neue  Zeit  ankündigte,  welche  Hago  in  seinem 
letzten  Gedichtö  (98,  26)  mit  ihrem  hervorstechendsten  Merkmal 
selbst  sigttalisierte. 

Tiefernste  Beligiosität  and  ritterliche  G^sinnang  also  sind  die 
Gtrnnd^üge  Von  Hngo*s  Oharftkter;  wie  wir  in  der  erstem  den 
ISiüflnss  seiner  Zeit,  so  haben  wir  in  der  letztem  den  Einflass 
jeüed  Ortes  za  ^kennen,  in  dem  er  gebored  war  and  den 
grttteerti  Teil  seines  Lebens  Mügebracht  hatte.  In  dieser  südlicdken 
Alpenfeste,  wohin  alle  Bewegangeü  in  Literatar  and  Leben  des 
deütsdien  Volkes  erst  später  gelangen,  werden  sie  aach  am  kräf- 
tigsten nnd  längsten  festgehalten.  E&  ist  kein  Zafall,  dass  ge- 
rade hi^  die  letsiten  ritterlichen  Säfiger  erstehen^  noch  weniger 
Zn&ll,  dass  Kaiser  Max  nach  Turol  sandte,  die  altdn  Bitterepen 
anfzttschreiben,  nnd  dass  der  , letzte  Bitter'  selbst  mit  so  grosser 
Vorliebe  in  Throl  sich  ati^ehalten  habet  hier  lag  eben,  wie  sich 
Pro£  Scherer  eindial  ansdrückte,  die  letzte  Hoch  barg  der 
Aristokratie. 


•A-  .J 


*)  Tgl.  dttHlbtyr  Kimse^s  EliiiMtttii{(   Ein   „Jabker  and  der  treae  Hein- 


IIL  ÜBEELIEFEEUNG. 

Hugo*8  Gedichte  überliefert  der  Codex  Pal  Germ.  Nr.  329 
in  Heidelberg.  Er  ist  81cm.  lang,  21^^.  breit,  in  Pergament  ge- 
bunden, hat  54  Blätter  starken,  aasgesuchten  Pergaments,  denen 
ein  leeres  Vorschlagblatt  angenäht  wurde,  welches  man  später  mit 
Signataren  versah:  auf  folio  recto  stehen  von  einer  Hand  des 
16.  Jahrhunderts  die  Worte  Ein  Alt  lieder  buech^  auf  folio  verso  die 
vier  ausserordentlich  schlecht  geschriebenen  Halbzeilen  noch  aus  dem 
15.  Jahrhundert,  welche  ich  nicht  zuentziflfem  vermochte,  Prof.  Scherer 
aber  also  las:  Erst  ey  huhesch  buch  von  Werbung  eyn*  frauwen  mit 
clug  wort  und  lied^n  u.  kimpt  vo  graff  Hug  von  m^nffort  — 
Ausserdem  sind  2  Bl.  Papier  dem  vordem,  4  Bl.  Pap.  dem  hin- 
tern Deckel  beigebunden. 

Die  54  numerierten  Pergamentblätter  des  eigentlichen  God  be- 
stehen aus  5  Lagen,  jede  derselben  ist  ein  Sexternio,  nur  die  letzte 
ein  Quatemio.  Ihre  Zählung  ergibt,  dass  die  Hs.  nicht  mehr  voll- 
ständig ist  und  zwei  Blätter  ausgeschnitten  worden  sind,^wie  auch 
die  noch  sichtbaren  Strünke  beweisen :  das  eine  war  das  vorletzte 
Blatt  in  der  dritten  Lage  und  sicher  beschrieben,  das  andere  das 
vorletzte  Blatt  im  Quatern  und  vermutlich  leer  wie  schon  die  letzte 
Spalte  der  vorausgehenden  Seite.  Die  Lagen  schliessen  also  nach 
der  jetzigen  Zählung  mit  Fol.  12,  24,  35,  47,  54. 

Fol.  53  und  54  sind  unbeschrieben,  doch  trägt  ersteres  am 
rechten  Fasse  der  Rückseite  mit  goldenen  Uncialen  die  Inschrift: 
Cornea  hugo  de  möteforti.  Dominus  de  Brigantia,  O  wer  ich 
aller  eunden  fry.  So  wurd  ich  in  seiden  gra.  — ;  letzteres  trägt 
auf  fol.  rect.  Hugo's  Wappen  auf  blauem  gelb  damasciertem  Grande 
in  dreifacher  Umrahmung,  das  Weinhold  also  blasonniert  hat:  ,in 
weissem  spanischen  Schilde  steht  die  rote  dreilitzige  Kirchfahne 
mit  drei  Ringen.   Auf  dem  linken  Sohildhaupte  stürzt  der  goldene 


cxn 

geschlossene  Touraierhelm,  zimiert  mit  der  roten  Bischofsmütze,  die 
aaf  jeder  Spitze  eine  weisse  Perle  trägt.  Die  laabartig  geschnittene 
rote  Helmdecke  fliegt  links.  An  dem  Helm  sitzt  das  goldene 
Kleinod  des  österreichischen  Drachenordens  ^),  vom  rechten  Schild- 
hanpte  hängt  der  goldene  Fisch*. 

Die  Schrift  ist  durchweg  sauber,  zwei  Spalten  auf  jeder  Seite, 
welche  durch  Linien  mit  Tinte  markiert  und  durch  fingerbreiten 
Raum  von  einander  getrennt  sind.  Von  Zeilenliuien  keine  Spur; 
sie  waren  daher  ursprünglich  nur  mit  Blei-  oder  Braunstift  gezogen 
und  weggewischt  worden:  gehörte  es  doch  zu  den  Hauptbediogun- 
gen  einer  schönen  Hs.,  keine  Linien  sehen  zu  lassen.  Die  Wörter 
smd  deutlich  von  einander  getrennt,  die  Zeilen  nach  den  Versen 
abgesetzt,  die  Strophenabteilungen  mit  wenigen  Ausnahmen  fest- 
gehalten. Von  den  grossen  Anfangsbuchstaben  sind  die  der  Zeilen 
der  Länge,  selten  der  Breite  nach  rot  durchstrichen,  die  der  Strophen 
abwechselnd  von  roter  oder  blauer  Farbe  und  nur  in  Nr.  36  alle 
rot,  die  der  Spalten  schwarz  und  bloss  durch  Grösse  hervorgehoben. 
Den  Anfang  jedes  Gedichtes  schmückt  eine  stattliche  Miniatur, 
ausgenommen  sind  Nr.  7,  39  und  40;  in  den  beiden  letzteren  wird 
überhaupt  keinerlei  Farbe  verwendet.  Den  Liedern  8,  10,  11,  12, 
13,  22,  29,  37,  39  und  40  sind  die  Singweisen  beigesetzt. 

Abbreviaturen  begegnen  häufig,  aber  keine  aussergewöhnlichen. 
Von  Interpunktion  ist  nichts  ersichtlich,  denn  die  Punkte  nach  1, 
16—23;  1,  90;  4,  l ;  5,  119;  12,  6;  16,  74,  76;  24,  79;  28, 
213,  307  und  in  Nr.  38  mit  schwarzer  und  die  nach  2,  3— 18;  5, 
120—147;  25,  159—203;  35,  35—40  und  in  Nr.  36  mit  roter 
Tinte  und  die  vier  goldenen  Punkte  der  Inschrift  auf  Fol.  53^ 
kommen  hier  nicht  in  Betracht,  da  sie  allesammt  am  Schlüsse  der 
Verszeile  stehen  und  nicht  zur  Gedankengliederung,  sondern  einem 
andern  Zwecke  dienten,  den  wir  unten  finden  werden.  Biodungs- 
zeichen am  Ende  der  Zeile  (z.  B.  15,  133  elemen  =  ten;  36,  9 
pot  =  schafft)  habe  ich  fünf  gezählt. 

Das  zur  allgemeinen  Charakteristik  der  Hs.  Ich  gehe  auf 
wichtigere  Punkte  über  und  beantworte  zunächst  die  Frage :  stammt 
der  vorliegende  Codex  von  einer  oder  mehreren  Händen?  —  Vier 
Schreiber  sind  mit  Sicherheit  zu  unterscheiden,  und 
zwar  schrieb  der  erste  (A)  bis  Fol.  13,  der  zweite  (B)  bis  Fol.  47, 


*)  Weinhold  schrieb  „Eidecbsengesellschaft'' ;  7g\.  abet  k\Ai.  \^  ^.  ^'^. 
WaekeroeJi»  Montfort  ^ 


CXIV 

der  dritte  (C)  bis  Fol.  48^  der  vierte  (D)  die  beiden  letzten  Ge- 
dichte.    Das  ist  zu  beweisen. 

A  und  B.  Beide  Hände  zeigen  anf  den  ersten  Anblick  eine  so 
frappante  Aehnlichkeit,  dass  es  leicht  erklärlich  ist,  wie  bisher  allge- 
mein ihre  Verschiedenheit  übersehen  werden  konnte.   Aber  A  schreibt 

1)  kh:  1,  1  erkikht^  49  ungelükh;  2,  43  gelükhen,  68 
erschrokhen^  116  dekhen;  4,  176  schrikhen;  5,  27  gescMkhet: 
verblikhet.  —  1,1  gedenkhen;  3,  81  dunkht;  4,  5  bedenkhen:  sen- 
khen^  45  dankhen;  11,  42  dunkhet  —  4,  87  atarkher;  10,  5  ge- 
merkhet;  11,  2b  werkhiperkh.  Die  Beispiele  genügen.  Für  dieses 
kh  setzt  B  kch^  niemals  kh^  wie  sein  Vorgänger  niemals  kch: 
z.  B.  14,  15;  16,  66;  26,  55;  27,  228;  29,  \0  dikch;  14,  30; 

16,  64  mgelakch;  22,  2,  5  glükch;  21,  10  blikchen;  28,  586 
blikchiwikch.  —  18,  276  dunkchet;  37,  30  vogeUankch.  —  16,  61 
schelkcht;  18,  79  merkch;  31,259  sterkch;  32,  25  stwrkcher: 
markchen:  also  nach  Vocalen  und  Liquiden. 

2)  B  verdoppelt/  nach  w,  Z,  r:  senffter  17,  2;  vemunfft 
18,  130;  30,  109.  —  helffen  13,  10,  26,30;  15,  30;  24,  110; 
33,  23,  27,  31;  hilffet  15,  43;  helff  27,  235;  hulff  15,  19;  33, 

17,  33,  51;  hilfft  17,  11;  18,  33;  27,  48;  zwelff  25,  139.  — 
werffen  13,  12,  28;  15,  82;  24,  112;  bedürfen  29,  177;  be- 
darf 18,  230,  271;  bdörfft  20,  20;  ferner  vor  t  in:  priester- 
schafft  14,  II;  ritterschafft  15,  54,  85;  28,  166;  botschafft  16, 
3;  28,  260.  —  manhafft  14,  36;  28,  168;  tugenthafft  14,  12, 
35.—  lufft  16,  2;  krafft  13,  39,  67;  17,  15;  31,  199;  krefften 
31,  237;  geschrifft  27,  52  und  noch  oft.  Diese  Geminationen  sind 
A  durchaus  fremd:  Vernunft  4,  46;  kunft  8,  1.  —  helfen  5, 
375;  10,  30;  hilf  4,  21,  58,  65,  93;  11,  20;  zwölf  4,  134.  — 
kraft  1,  51;  5,  381;  10,  16;  kreftiaigenscheft  12,  10:  ritter- 
scheft  2,  28;  priesterschaft  i'sighaft  5,  367.  gschrift  4,  90; 
luftiguft  5,  25  etc. 

3)  Für  ^  nach  r  schreibt  sowohl  A  wie  B  durchweg  tz^) 
(z.  B.  hertzen  3,  4;  37,  6),  ausgenommen  ist  aber  die  Zusammen- 
setzung darzuo^  die  A  nie,  B  sehr  oft  mit  tz  schreibt :  vgl.  3,  53 ; 
5,  11,  95,  101,  117,  270,  320;  7,  18  --  aber  13,  28;  16, 
55;  19,  2;  20,  11,  40;  21,   18;  24,  4,  110;  25,  91,  107,  133; 


*)  Im  ganzen  Codex    nimmt    das    einzige  vierzeh^nhundert  36,  25  eine 
Sonderstellung  ein. 


cxv 

26,  68;  27,  11,  30,  34,  86;  28,  55,  88,  123,  166.  237,  555, 
558;  29,  122;  31,  148,  158,  200;  33,  110;  35,  24. 

4)  A  schreibt  phipUag  2,  94;  4,  97;  ptdigt  2,  69;  5,  315; 
^hlegen  2,  90;  5,  262,  269;  äpMü  3,  27 ;  schöphers  4,  156;  em- 
pJUag  12,  2  etc.  (nur  2,  17  pßag)  —  B  aber  p/;  pflegen  18,  228; 
gepßegen  27,  138;  ap/el  18,  216;  schöpfet^  13,  41;  27,  69,  186; 

30,  30  eta 

5)  A  schreibt  ieman^  nieman  1,  34,  64;  3,  64,  69;  4,  31, 
35,  36,  154;  5,  1,  172,  209,  210,  323,  373;  7,  20;  9,  9,  31*); 
aber  niemals  iemanU  niemant  wie  B  in  13,  33,  35;  15,  10,  30, 
89,  118;  18,  52,  55,  183;  19,  27;  20,  40;  25,28,  118,  162; 
28,  711;  29,  102;  30,  6,  35.    So  verhält  es  sich  auch 

6)  mit  dem  unechten  t  in  glükty  das  bei  A  nie,  bei  B  öfters 
zum  Vorschein  kommt:  22,  19;  26,  17,  57;  28,  728;  29,   119; 

31,  232;  32,  69,  87. 

7)  gk  für  fe  (g)  kennt  A  nicht,  während  B  es  schreibt  in 
zerganghleich  27,  118;  28,  377;  29,  34,  94;  mengkleich  33,  15; 
iegkleichen  30,  19;  iegkleicher  30,  22;  iegkleichs  31,  255.  Das 
gewichtigste  Charakteristiken  endlich,  das  sich  in  zahlreichen  Fällen 
manifestiert,  liefert 

8)  der  Grebrauch  des  y  bei  A  und  B.  Beide  schreiben  es 
för  i  und  i  z.  B.  fey  *»  107;  13,  15;  sy  5,  270;   31,   174;  ye 

1,  28;  36,  23.  Demnach  steht  zu  erwarten,  dass  beide  in  glei- 
cher Weise  y  auch  für  das  i  in  ^  (=  mhd.  i  und  ei)  und  ai 
(ss  mhd.  ei)  zulassen;  doch  ist  das  nicht  der  Fall:  A  gebraucht 
es  in  ai:  kay serin  1,  4;  beachaydenhait  1,  76;  zway  3,  27; 
5,  27,  172;  laydigen  5,  162;  geschray  5,  298;  wayen  5, 
299;  mengerlay  6,  20^)  .  .  .  niemals  aber  in  ei^  also  nicht  etwa 
dabey,  sey,  weyb  etc.;  ausgenommen  sind  nur  zwei  Wörter:  drey 

2,  120  und  weyas  5,  35.  —  B  dagegen  hält  es  gerade  umgekehrt: 
schreibt  nicht  ay^)  (für  ai  =  mhd.  ei\  wohl  a-ber  ey  (=  mhd. 
ei  und  z).  Ich  brauche  -dafür  gar  keine  Beispiele  anzuführen, 
denn  die  Varianten  zeigen  sie  zahlreich,  denen  gegenüber  drei 
Ausnahmen  (31,  214;  32,    105,  138)    nichts  zu  bedeuten  haben. 


')  Ein  eiozigesmal    niemand    3,  23,   was  aber  sonst  in  der  ganzen  Hs. 
nicht  mohr  begegnet. 

^^  In  ain  und  kain  begegnet  es  nie. 

')  üeber  das  Wort  maye  (mhd.  meie)    Tgl.    die    Anmerkung  zu  5,  300. 


CXVI 

Das  macht  eine  Summe  von  Disctepanzen,  die  beweist»  dass 
A  von  B  verschieden  ist.  Aach  die  Grenzlinie,  wo  die  beiden 
zusammenstossen,  ergibt  sich  annähernd:  die  Eigentümlichkeiten 
von  B  reichen  nicht  über  Nr.  13  herab,  die  von  A  hören  in  Nr.  12 
(empJdag  12,  2)  auf;  zwischen  12,  2  und  Nr.  13  also  wird 
der  Wechsel  erfolgt  sein.  Die  genaue  Fixierung  der  Grenzlinie  ist 
von  der  paläographischen  Untersuchung  des  Cod.  zu  erwarten,  welche 
auch  andrerseits  unerlässlich  ist,  um  die  letzten  Zweifel  an  der  Ver- 
schiedenheit von  A  und  B  zu  zerstreuen;  denn  es  bliebe  immerhin 
sehr  auffallend,  dass  die  Schriftzüge  zweier  Schreiber  in  gar  nichts 
von  einander  abweichen  sollten.  Allein  auch  die  graphischen  Ver- 
schiedenheiten fehlen  bei  genauerem  Zusehen  nicht.  Die  Schrift 
von  A  und  B  zeigt 

1)  Verschiedenheit  in  der  Lage.  A  stellt  seine  Buchstaben  ge- 
rade aufrecht,  den  einen  wie  den  andern,  und  gewährt  den  Eindruck 
des  gleichmässigen  und  geordneten;  B  dagegen  neigt  sie,  beson- 
ders die  mittleren,  gern  nach  links,  während  die  kleinen  wieder 
aufrecht  stehen:  er  arbeitet  mit  weniger  Sorgfalt  — 

2)  in  der  Grösse.  A  macht  die  mittleren  und  langen  Buch- 
staben und  die   Zeilenspatien  grösser   als  B,   wie  sich  ziffermässig 
nachweisen  lässt:   er  stellt  nämlich  in  die  volle  Spalte  (ohne  Ini- 
tialen oder  Noten)  12mal  27,  13mal  28  und  nur  4mal  29  Zeilen 
—  durchschnittlich  28  Zeilen;   B   dagegen  schreibt  in  die 
volle  Spalte  33,  32,  30  und  seltener  29,  ganz  ausnahmsweise  28, 
nie  27  Zeilen  — durchschnittlich  32  Zeilen.     Das   ist  um 
so  auffallender,  da  B  seine  Golumnen  auch  noch  kleiner  liniert  als 
A,  wie  sich  gleichfalls  ziffermässig  belegen  lässt:  der  Kopf  der  Seite 
beträgt  bei  A  und  B  durchschnittlich  Sem-  -}- 1  bis  3™™- ,  ist  also 
bei  beiden  gleich  und   kommt  nicht   in  Rechnung;   aber  der  Fuss 
ist  bei  A  kleiner  als  bei  B,  dort  beträgt  er  7cm.  piug  oder  minus 
1  bis  2m™- ,  hier  sinkt  er  nie  zu  7^™-  herab,   sondern  hat  immer 
noch  ein  plus  von  2  bis  8mm*  A  setzt  also  in  die  grössere  Spalte 
weniger  Zeilen,  weil  er  seine  Buchstaben  länger  und. in  Folge 
dessen  auch  das  Zeilenspatium  weiter  macht. 

3)  Auch  charakteristische  Einzelheiten  ergeben  sich.  Zu- 
nächst ist 

a)  die  erste  Zeile  der  Spalte  beachtenswert.  Wie  bemerkt, 
steht  über  derselben  ein  leerer  Raum,  auf  dem  A  seine  Kunst  ver- 
sucht: er  verlängert  die  aufwärtsstehenden  mittleren  Buchstaben  um 


CXVII 

das  doppelte  and  dreifieushe,  schmückt  zwei  und  aach  mehrere  mit 
schwarzen  Federzeichnungen ;  besonders  wählt  er  dazu  jene,  die  eine 
grosse  Ansbanchang  zulassen,  in  die  er  dann  zierliches  Masswerk 
stellt  Vgl.  z.  B.  das  Z  in  vogeldönm  1 ,  43, ,  das  F  und  b  in 
Vnd  bitt  1,  70;  das  8  und  b  in  8<mgwineu8  .  .  blilt  5,  37.  — 
B  hat  zu  solchen  Dingen  weder  Lust  noch  Fähigkeit:  auf  allen 
Blättern,  die  er  gefüllt,  findet  sich  nichts  derartiges;  er  schreibt 
ruhig  an  seinem  Pensum  und  unbekümmert  um  den  Schmuck  seiner 
Arbeit;  nur  der  erste  Buchstabe  der  Spalte  ist  auch  bei  ihm  etwas 
grösser,  aber  gleichfalls  ohne  Zierat. 

b)  Die  Verschiedenheit  einzelner  Buchstaben  ist  am  auffallend- 
sten in  f , /,  p,  welche  bei  A  sich  allmählich  verdünnen-  und  in 
eine  lange,  scharfe  Spitze  auslaufen,  während  sie  bei  B  plötzlich 
wie  abgehackt  enden.  Ein  grosses  F  femer  mit  zwei  parallelen 
Längestrichen,  wie  es  A  in  Fraw  1,  31  macht,  findet  sich  bei  B 
nicht,  der  dafür  den  einfachen  Krummstab  setzt. 

4)  Werfen  wir  schliesslich  noch  einen  Blick  auf  die  diakriti- 
schen Zeichen  über  den  kleinen  Buchstaben,  wobei  sich  ausnahms- 
weise B  sorgfaltiger  zeigen  wird  als  A.  Letzterer  gibt  dem  Länge- 
zeichen eine  ungebührliche  Ausdehnung,  indem  er  es  setzt  a)  häufig 
für  den  einfachen  I-punkt:  mtch^  dich  .  .  b)  für  das  ümlaut- 
zeichen  überw;/ör,  züchtigen  ^  gelühhen  .  .  c)  für  die  beiden 
Punkte  über  u  (=  ü  =  uo):  tAn^  Mt^  guten  ^  zü^  bülen  .  .  • 
d)  für  das  i  über  u  (==  iu):  füriny  trüwen^  üwemy  stär^  gß' 
hür  .  .  und  endlich  e)  ohne  allen  Grund :  2,  20  achSzz ;  4,  63 
gStt;  10,  8  nSch;  10,  26  Mmer;  11,  20  h&nst;  12,  7  w6rt, 
8  apSti^).  Andrerseits  aber  lässt  er  die  Punkte  da  weg,  wo  sie 
gehörten.  So  fehlen  a)  sehr  oft  die  gewöhnlichen  I-punkte:  dich 
1,  1,  erhikht  5  .  .  b)  die  Punkte  über  ü  tmuglich^  furtrechüg 
furbcLs^  svnd^  über  etc.  und  o)  über  ü  {=  uo)  ^),  die  ich  in  den 
Varianten  verzeichnet  habe;  da  mir  im  ersten  Bogen  etliche 
Fälle  entgangen  sind,  zähle  ich  sie  alle  auf:  mut  1,  6,  auch 
30,  75,  musz  42;  4,  126,  zu  161,   166,  174,  175;  5,  87,  94, 


^)  Vergleiche  dazu  in  Abhandlang  lY:  „Quantität^. 

*)  Das  ist  wichtiger,  weil  nm  diese  Zeit  u  =  uo  in  bair.  und  al.  Dkm.  häu- 
figer werden;  aber  die  oben  angeführten  Punkte  führen  auf  die  Annahme,  dass 
wir  es  hier  nicht  mit  einer  sprachlichen  Erscheinung,  vielmehr  mit  einer 
gTa{|>hischen  Fahrlässigkeit  zu  tun  haben.  Der  Standpunkt  würde  sofort  rer- 
ftndert,    wenn    sich  in  Hugo's  Gedichten  ein  Heim  ü  \w>   naohwQisen.  Ua&^q« 


cxvm 

103,  125,  131,  166,  173,  213,  214,  326,  371;  must  1, 
47;  4,  58;  muas  5,  171,  324;  musat  11,  15;  trugihlug  2,  15, 
guten  17,  zu  55,  102;  4,  21;  5,  95,  101 ;  gemuten  2,  98;  klugen 
3,  6;  6,  339;  tund  3,  72;  tun  5,  4;  tutb,  163;  11,  6;  ^  11,  4; 
tunt  5,  250,  322;  wn^r«^«*w6?  5,  112;  wuchere  5,  315;  nacJU- 
gruben  9,  27;  muter  10,  20;  ruw  11,  2*).  B  dagegen  hält 
im  Ansätze  der  Punkte  grosse  Ordnung,  ein  Versehen  passiert  ihm 
selten. 

Also  auch  diese  Untersuchung  stellte  die  Verschiedenheit  von 
A  und  B  ausser  Zweifel. 

In  den  zuletzt  unter  4  angeführten  Eigentümlichkeiten  von  A 
sehen  wir  eine  (epött)  bis  12,  8  vordringen;  es  folgen  noch  4  Verse 
auf  dieser  Seite  (12^),  welche  gleichfalls  von  A  geschrieben  sind, 
wie  die  zugespitzten  /  beweisen.  Mit  12,  13,  der  ersten  Zeile  auf 
Fol.  13,  also  mitten  in  einer  Strophe  setzt  B  seine 
plumpere  Feder  an..  Aus  der  Beschreibung  der  Hs.  (pag.  112) 
wissen  wir,  dass  mit  Fol.  13  eine  neue  Lage  beginnt,  und  erhalten  da- 
mit auch  einen  mutmasslichen  Erklärungsgrund  für  den  Wechsel: 
es  wird  das  Pergament  ausgegangen  sein,  das  damals  lagenweis 
gekauft  wurde,  sehr  kostspielig  und  nicht  immer  zu  beschaffen 
war;  unterdessen  mochte  den  guten  Schreiber  A  ein  anderer  Herr, 
vielleicht  der  Tod  zu  sich  genommen  haben,  denn  wir  finden  weiter- 
hin keine  Spur  mehr  von  ihm,  und  schon  die  Spaltenlinien  des 
neuen  Sextemio  sind  von  B  gezogen,  wie  die  oben  angeführten 
Messungen  ergaben. 

G  setzte  die  .Arbeit  von  B  fort,  schrieb  aber  nur  ein  einziges 
Gedicht  (Nr.  38),  weswegen  selbstverständlich  die  Summe  der  Ghründe 
für  seine  Existenz  kleiner  ist  als  die  bei  A  und  B,  doch  erlaubt 
auch  sie  einen  sicheren  Schluss. 

C  hat  Merkmale  mit  B  gemein :  er  setzt  1)  gleichfiälls  ey  und 
meidet  die  ay;  schreibt  2)  kch:  dikch  8,  wikohen  20,  wakcher  61. 
8ta/rkchen  28,  vogehamkch  95  etc.;  3)  die  doppelten  ff:  hüff  144, 
171,  174;  4)  die  unechten  t  in  niemant  182,  184.  Diese  üeber- 
einstimmungen  mit  B  beweisen,  dass  G  nicht  A  sein  kann; 
allein  G  ist  auch  nicht  B,  denn 


^)  An  einigen  andern  SteUen  sind  die  Punkte  rerblasst  und  abgeriebeirr 
aber  mit  dem  Mikroskop  noch  gut  zu  erkennen,  z.  B.  mut  1,  10,  hui  31 ;  ^wfeti 
5,  5;  j:i«  4,  64. 


CXIX 

1)  B  schreibt  conseqaent  t  für  d  in  bediuten  und  donner: 
htütz  24,  120;  betewtet  28,  450,  459;  hetewtent  28,  465;  hetewt 
28,  689;  betewten  30,  14;  tonr  28,  586  —  G  aber  nur  bedewt 
76  und  donr  27. 

2)  Das  grosse  22  für  kleines  r  begegnet  bei  A  einmal,  bei 
B  neunmal,  aber  auffallend  häufig  bei  C:  Rechter  12,  Rechtes  40, 
Red  101,  Rechter  105,  Ä^cA^e  122,  Äö(i«  135,  Rechten  140, 
Rungen  142,  Ätf6?  185,  190:  es  trifft  also  bei  C  ein  R  auf  10, 
bei  B  auf  250,  bei  A  auf  1146  Verse. 

3)  Für  die  linguale  Fricativa  8S  im  Auslaute  schrieben  A  und 
B  nur  lange  ff,  C  aber  schreibt  auch  es  :  muoss  12,  gschosa  22, 
gruosB  88,  haas  115,  puo88  176,  haias  180. 

Weitere  Beweismomente  liefert  wieder  die  paläographische  Un- 
tersuchung : 

1)  Die  Tinte  sticht  ab.  B  fabricierte  seinen  »Schreibsaft* 
schlecht  wie  die  meisten  Schreiber  dieser  Zeit,  aber  C  noch  schlech- 
ter: seine  Buchstaben  sind  alle  blassgelb  geworden. 

2)  Seine  Züge   stehen   denen  von  A  näher  als  denen  von  B. 

3)  Auch  einzelne  charakteristische  Buchstaben  lassen  sich  her- 
ausstellen. Bei  A  und  B  glich  der  Fuss  des  g  einem  griechischen 
Delta;  G  dagegen  macht  einen  offenen  Hacken  mit  spitzerem  Win- 
kel und  verlängertem  zweiten  Schenkel  Besonders  auffallend  ist 
femer  der  Fuss  des  g  in  der  untersten  Zeile  der  Spalte,  welcher 
gai*  keinen  Winkel  bildet,  sondern  mit  einer  grossen  Schwingung 
endet,  die  weit  über  die  Zeile  in  den  leeren  Raum  hinausläuft,  so 
in  gaiael  51,  hppigen  82,  sorgen  166.  Damit  diese  g  aber  noch 
mehr  ins  Auge  stechen,  hat  er  wunderlicher  Weise  in  der  Schwin- 
gung auch  zwei  Ringe  angebracht,  die  in  ähnlicher  Art  auch  bei 
der  Abbreviatur  für  ^,  en  (z.  B.  wachn  104,  trawn  131)  wieder- 
kehren. Bei  A  und  B  begegnet  nichts  analoges.  Auch  grosse  Buch- 
staben am  Anfange  der  Zeile  und  Spalte  haben  Auffälligkeiten: 
ein  oben  zugespitztes  O  z.  B.  wie  das  in  G — Ot^  ein  so  vielfach 
gegliedertes  G  wie  das  in  Got  am  Beginn  der  zweiten  Spalte  von 
Fol.  48  ist  im  vorausgegangenen  nicht  zu  finden.  Die  Summe 
dieser  Gründe  wird  erweisen,  dass  G  von  A  und  B  verschieden  ist. 

Wie  auf  p.  112  zu  lesen,  beginnt  auch  G  wieder  mit  einer  neuen 
Lage,  die  er  vom  ersten  bis  zum  letzten  Blatte  zubereitete;  denn 
die  Spalteulinien  zeigen  durch  den  ganzen  Quatern  die  gleiche  Tmte, 
geschrieben  aber  hat  er  nur  7  Golumnen,   dann  kommt  die  vierte 


cxx 

Hand,  der  Schreiber  D,  mit  Nr.  39  und  40.  Seine  Verschie- 
denheit von  A,  B  und  G  brauche  ich  nicht  des  längern  zu  be- 
weisen, da  sie  schon  von  meinen  Vorgängern  erkannt  worden  ist: 
er  schreibt  in  grundverschiedenem  Charakter  42  Zeilen  in  die 
Spalte.  Nur  eines  will  ich  hervorheben,  weil  es  überhaupt 
bemerkenswert  ist :  A,  B  und  G  haben  die  Stollen  und  Abgesänge 
in  den  Liedern  nicht  gekennzeichnet,  während  sie  D  jedesmal  durch 
ein  grösseres  Zeilenspatium  dem  Auge  sichtbar  macht,  was  sonst 
erst  durch  die  Meistersänger  in  häufigeren  Gebrauch  kam*).  Dieser  « 
Umstand  zugleich  mit  dem  Gharakter  der  Züge  beweist,  dass  die 
Abschrift  dieser  beiden  Gedichte  um  einige  Decennien  jünger  ist. 
Ich  will  das  hier  vorläufig  bemerken,  unten  aber  darauf  zurück- 
kommen. 

Diese  Tatsache  der  vier  verschiedenen  Hände  ist  von  ent- 
scheidender Wichtigkeit  und  gibt  das  lösende  Wort  für  eine  Reihe 
von  anderen  Fragen  über  die  Initialen,  die  Melodien,  die  Correc- 
turen,  die  Herstellung  des  Textes. 

Die  Initialen  können  entweder  von  den  Schreibern  der  Hs. 
selbst  oder  einem  eigenen  Maler  herrühren^).  Letzteres  ist  hier 
der  Fall;  denn  kämen  sie  von  den  Schreibern,  müsste  ihr  Cha- 
rakter mit  denselben  wechseln,  was  aber  nicht  geschieht :  alle  von 
Nr.  1 — 37  stimmen  sowohl  in  der  Zeichnung  als  im  Farbentone 
überein  und  sind  sicher  von  derselben  Hand.  Wir  haben  zwei 
Gruppen  derselben  zu  unterscheiden:  solche,  wo  die  grossen  An- 
fangsbuchstaben nur  mit  Farben  und  Ornamenten  geschmückt,  und 
solche,  wo  in  oder  neben  denselben  auch  menschliche  Figuren  an- 
gebracht sind.  Von  der  letzteren  Art  ist  die  vor  Nr.  1.  In  der 
Wölbung  der  blauen  Initiale  A  auf  rotem  gold  marmolierten  Grunde 
sitzt  auf  einem  Tron  mit  Löwenköpfen  eine  Frau  in  violetter  Klei- 
dung, mit  goldner  Krone  auf  dem  blonden  Haupte  und  einem  Li- 
lienstängel  in  der  Hand;  darüber  ist  in  einem  Kleeblattomament 
der  Montforter  Wappen  gemalt.  Von  den  Verästelungen  des  A  aus 
winden  sich  Arabesken  über  alle  vier  Ränder  und  umranken  den 
ganzen  Text  dieser  Seite.  Aehnlich  sind  auch  die  Initialen  vor 
Nr.  16,  19,  20,  29  ausgeführt,  nur  fehlen  die  Arabesken.  In  der 


0  ^S^*  ^'  Orimm,  Meistergesang  pag.  42. 
')  Vgl.  Wattenbach,  Schriftwesen  210  ff. 


CXXI 

Wölbung  des  roten  M  voit  Nr.  16  steht  auf  blauem  weiss  damas- 
oierten  Grunde  eine  blonde  jugendliche  Frauengestalt  in  grünem 
Kleide,  auf  den  grünen  Kranz  niederlächelnd,  den  sie  in  ihrer 
Hand  hält.  Im  blauen  M  vor  Nr.  19  steht  die  Frau  in  derselben 
Kleidung  auf  rotem  Grunde,  doch  hat  sie  jetzt  mit  dem  Kranze  ihr 
Haupt  geschmückt  In  derselben  Farbe  und  auf  demselben  Grunde 
steht  das  D  in  Nr.  20,  in  dessen  Höhlung  eine  Frau  auf  teppich- 
belegtem  Trone  sitzt;  ihre  Kleidung  ist  veilchenblau,  ihr  Haupt  mit 
einem  roten  und  grünen  Bande  geschmückt,  die  rückwärts  frei  hin- 
abfliegen. Nr.  29  endlich  zeigt  eine  hochaufgerichtete  Frauenge- 
stalt mit  violetter  Kleidung  und  einem  Schappel  auf  dem  Haupte, 
die  rechte  Hand  ist  warnend  erhoben,  die  linke  mit  dem  Spruchbande 
fraw  werlt  gesenkt;  das  F  ist  blau,  der  Grund  grün,  golden 
mairmoliert. 

Blumen-  und  Laubwerk  und  die  spielenden  Farben  bilden  den 
Schmuck  der  übrigen  Initialen,  welche  wechselnd  auf  rotem,  weissen, 
blauen  oder  grünen  Grunde  mit  goldenen  Marmolaturen  oder  auch 
auf  blossem  Goldgrunde  stehen. 

Man  hat  besonders  dieser  Seite  unserer  Hs.  grosses,  wohl  all- 
zugrosses  Lob  gezollt.  Die  Gomposition  der  Miniaturen  zeigt  nichts 
originelles,  ist  aber  überlegt  und  reich,  ohne  überladen  zu  sein. 
Die  Figuren  haben  Ausdruck  und  beziehen  sich  auf  den  Inhalt  der 
Gedichte^),  was  in  andern  Hss.  damals  noch  oft  nicht  der  Fall 
war.  Die  Zieraten  sind  lebhaft,  gewählt  und  auf  dem  knappen 
Räume  massvoll  gruppiert  Sie  lassen  bereits  romanischen  Einfluss 
erkennen:  so  begegnet,  um  nur  eines  hervorzuheben,  häufig  das 
Akanthus-Ornament  (die  Blume  mit  dem  grossen  hohen  Frucht- 
knoten in  Form  eines  gewundenen  Kegels),  besonders  in  den  Ara- 
besken auf  der  ersten  Seite.  —  Die  Harmonie  der  Farben,  die 
wenig  gespart  und  noch  jetzt  von  ausserordentlicher  Frische  und 
Lebendigkeit  sind,  die  Sauberke^  und  Sorgfalt  der  Ausführung  im 
einzehien  ist  preiswürdig:  der  Mann  hatte  das  Malen  gut  gelernt. 
Aber  weniger  vermochte  er  im  Zeichnen.  In  der  Behandlung  der  Fi- 
guren reicht  er  nicht  zu  den  besten  Traditionen  hinan :  sie  sind  noch 
bocksteif,  lang  und  hager,  ihre  Hände  hässlich,  die  Faltenwürfe 
ihrer  Kleidung  ärmlich  und  unentwickelt;   selbst  die  Zeichnungen 


*)  Was  die  fraw  werlt  vor  Nr.  29  betrifft,  so  ist  das   evident ;  über  die 
Frau  Tor  16  und  19  vgl.  p.  44. 


CXXII 

der  Buchstaben  sind  nicht  durchweg  correct,  Kreis-  und  Spirallinien 
zu  machen,  verstand  er  nicht,  das  beweisen  alle  M  und  (?.  Diese 
Mängel  halten  seine  Arbeiten  in  der  Sphäre  handwerksmässiger 
Nachahmung. 

Auch  die  kleinem  farbigen  Initialen  der  Strophen  und  Absätze 
wechseln  nicht  mit  den  Schreibern,  kommen  daher  gleichfalls  vom 
Maler,  was  auch  ihr  Farbenton  beweist,  der  mit  dem  der  Miniatu- 
ren stimmt.  Genau  so  verhält  es  sich  mit  den  roten  Strichen 
durch  die  grossen  Anfangsbuchstaben  der  Zeilen  und  den  übrigen 
Spuren  farbiger  Tätigkeit,  die  sich  noch  in  manigfacher  Weise  kund 
geben :  6,  22  machte  der  Maler  rote  Punkte  in  die  Federzeichnung, 
mit  welcher  A  den  Kopf  des  d  (in  das)  geziert  hatte;  2,  3 — 18; 
5,  120—147;  25,  159—203;  35,  35—40  und  in  Nr.  36  rote 
Punkte  an  das  Ende  der  Zeilen.  Er  unternahm  auch  wichtigere 
Dinge:  6,  13;  7,  8,  12,  21,  33  hat  er  i2  (=  repet)  vorgesetzt; 
vor  Nr.  7  hatte  der  Schreiber  vergessen  den  Baum  für  die  Miniatur 
zu  lassen,  als  er  nun  mit  seinen  Farben,  nach  dem  Anfang  des 
neuen  Gedichtes  suchend,  die  Spalte  herabkam  und  sah,  was  A 
angerichtet,  blieb  ihm  nichts  anderes  übrig,  als  den  Anfang  des 
neuen  Gedichtes  ausser  der  Spaltenlinie  an  den  Rand  zu  notieren, 
er  schrieb  mit  roter  Tinte:  a/ader  lied.  10,  8  hatte  A  zweimal 
als  geschrieben ;  der  Maler,  der  das  im  Vorbeigehen  bemerkte,  durch- 
strich das  erste  mit  seiner  roten  Tinte;  umgekehrt  gewahrte  er 
27,  122,  dass  dem  Satz  das  verbum  auxil.  fehle,  und  corrigierte 
hat  rot  ein;  32,  153  malte  er  in  Ich  die  rote  Initiale  und  mit 
demselben  Pinsel  das  e  auf  dem  danebenstehenden  rw/,  welches 
B  vergessen  hatte;  dasselbe  geschah  3,  33  in  Furhas^  wo  er  das 
rote  F  und  mit  derselben  Farbe  das  Umlautzeichen  über  u  setzte. 

Das  ist  also  die  fünfte  Hand,  die  ihre  Tätigkeit  an  unse- 
ren Codex  legte  zu  einer  Zeit,  als  die  Schreiber  ihre  Arbeit  schon 
getan  hatten. 

Von  der  Miniatur  O  (rot  auf  Goldgrund),  welche  Nr.  88  be- 
ginnt, war  bisher  nicht  die  Rede;  ich  habe  sie  absichtlich  von 
den  übrigen  ausgeschieden,  weil  sie  von  einer  andern  Hand  her- 
rührt. Das  beweist  die  abweichende  Art  der  Schattierung  und 
Farbengebung;  besonders  auffallend  ist  das  Weinrot  für  das  brennende 
Lichtrot  des  früheren  Malers.  Auch  dieser  zweite  Maler  hat  zu- 
gleich die  kleinen  Initialen  in  den  Strophenanfängen  gemacht  und 
nahm  sich  überhaupt  seinen  Vorgänger  zum  Muster :  die  möglichst 


CXXIII 

gleichmässige  AasstattuDg  gehörte  ja  auch  zu  den  Haupterfordernissen 
einer  schönen  Hs.  Trotzdem  vergass  er  eines  ganz,  was  jener 
fleissig  besorgt  hatte:  die  roten  Striche  durch  die  Anfangsbuch- 
staben der  Zeile,  die  in  Nr.  38  durchaus  fehlen.  Ob  dieser  Maler 
der  neue  Schreiber  von  Nr.  38  selbst  war  oder  ein  anderer,  das 
mit  Sicherheit  zu  entscheiden,  fehlen  die  Anhaltspunkte,  doch  halte 
ich  letzteres  für  wahrscheinlicher;  denn  unter  den  oben  (pag.  119) 
angeführten  Eigentümlichkeiten  für  C  stehen  die  Ringe  im  g :  ver- 
gleicht man  nun  die  Initiale  O  vor  Nr.  38  mit  der  Initiale  O  vor 
Nr.  3,  so  ergibt  sich,  von  Farbe  und  Ornamentik  abgesehen,  als 
Unterschied  im  O  vor  38  ein  Ring.  Wichtiger  als  das  aber  ist 
za  constatieren,  dass  von  diesem  Maler  auch  das  Wappen  auf 
Fol.  54*  stammt,  wie  schon  die  Wiederkehr  der  Weinfarbe  in  der 
Umrahmung  desselben  (weinrot,  blassrot,  gold)  dartut.  Damit  stehen 
wir  vor  einer  Frage:  warum  schreibt  C  nur  ein  einziges  Gedicht 
und  nicht  auch  Nr.  39  und  40,  da  er  ja  noch  mehr  als  einen 
halben  Quaternio  Pergament  vorliegen  hatte?  Warum  malt  dieser 
zweite  Maler  (resp.  auch  der  Schreiber)  nur  die  Initiale  vor  Nr.  38, 
dann  die  Inschrift  auf  Fol  53^  und  das  Wappen  auf  Fol.  54* 
und  nicht  auch  die  Initialen  zu  den  dazwischen  liegenden  Gedichten, 
auf  dass  auch  diese  beiden  so  ausgestattet  wären  wie  die  übrigen 
der  Hs.?  —  Die  Antwort  liegt  nahe:  Nr.  39  und  40  waren 
damals  noch  nicht  zum  Absohreiben  vorhanden  und 
wurden  erst  bedeutend  später  von  fremder  Hand  nachgetragen,  als 
der  Maler  und  Schreiber  von  Nr.  38  nicht  mehr  in  den  Diensten 
desjenigen  standen,  der  den  Codex  mit  so  grosser  Sorgfalt  und  Gleich- 
massigkeit hat  herstellen  lassen.  Auf  dieselbe  Ansicht  führte 
schon  oben  die  jüngere  Schrift  und  die  Bezeichnung  der  Stollen 
and  Abgesänge.  Kämen  nun  Nr.  39  und  40  von  Hugo,  so  müss- 
ten  sie  dem  Schreiber  und  Maler  von  Nr.  38  schon  vorgelegen 
haben;  bei  Nr.  40  wenigstens  ist  das  nachweisbar,  denn  das  Ge-. 
dicht  entstand  auf  der  Kreuzfahrt  des  Dichters  (nach  Palästina),  die, 
weim  Hugo  derselbe  wäre,  in  den  Neunzigerjahren  des  14.  Jhds.^), 


*)  Vgl.  Weinhold  in  den  Mitteilungen  VII,  138.  Nach  1414  schon 
▼egen  der  gefährlichen  Streitigkeiten  nicht,  welche  sich  zwischen  ihm  und 
teinen  Verwandten  und  auch  andern  erhoben  und  bis  in  seine  letzten  Lebens- 
jahre dauerten ;  dazu  ist  in  Abh.  I  in  jedem  Jahre  mehrmals  und  zu  den  Ter- 
sehiedensten  Jahreszeiten  seine  Anwesenheit  in  Steiermark  oder  in  Vorarlberg 
urkundlich  nachgewiesen. 


CXXIV 

in  keinem  Falle  aber  nach  1414,  wo  Nr.  38  (vgl.  38,  185  t) 
entstanden,  gemacht  worden  sein  könnte.  Das  sind  die  äassem 
Gründe  für  die  ünechtheit  von  Nr.  39  und  40,  denen  unten  die 
innem  nachfolgen  werden. 

Ungleich  häufiger  als  die  erwähnten  roten  Correcturen  erschei- 
nen schwarze,  und  es  handelt  sich  vor  allem  darum,  zu  beweisen, 
dass  darunter  auch  solche,  welche  nicht  von  den  Schreibern,  sondern 
von  fremder  Hand  herrühren;  dabei  werden  uns  die  vorhergepflo- 
genen paläographischen  Tüpfeleien  gute  Dienste  leisten.  25,  165 
lautete  ursprünglich  nur:  die  seligen  priester  hatt^  der  Schreiber 
hinterliess  also  eine  unvollständige  Zeile.  Nach  ihm  kam  der 
Initialenmaler  mit  seinen  Farben,  machte  die  grosse  Miniatur,  die 
kleineren  Initialen,  die  roten  Striche  in  den  Anfangsbuchstaben  der 
Verse  und,  wie  er  auch  sonst  hin  und  wieder  tat  (vgl.  p.  122), 
von  25,  159 — 203  einen  roten  Punkt  am  Ende  jeder  Zeile,  also 
auch  nach  25,  165.  Später  bemerkte  ein  Leser  hier  die  Lücke 
und  schrieb  in  andern  Zügen  ich  wert  hinzu,  so  dass  heute  der 
rote  Punkt,  der  ehemals  wie  die  übrigen  am  Ende  des  Verses 
stand,  mitten  im  letzten  Worte  wert  zu  sehen  ist.  Dasselbe  be- 
weist  35,  39,  40.  An  das  Ende  jeder  Zeile  der  letzten  und 
vorletzten  Spalte,  die  dieses  Gedicht  aufnehmen,  hat  der  Maler 
wieder  den  roten  Punkt  gesetzt,  ausgenommen  sind  nur  die  bei- 
den letzten  Verse  —  doch  wohl  nur  deswegen,  weil  sie  da- 
mals noch  nicht  vorhanden  waren  und  erst  später  von  anderer 
Hand  nachgetragen  wurden:  so  dürften  wir  schliessen,  auch  ohne 
die  bedeutend  blassere  Tinte  und  die  fremden  Züge,  die  sofort 
auffallen  und  weder  mit  denen  von  A,  B,  G  noch  D  stimmen,  ge- 
sehen zu  haben.  Das  wird  genügen,  und  ich  zähle  noch  die  übrigen 
Correcturen  von  fremder  Hand  auf:  18,  193  h  vor  Won;  20,  41 
d  vor  Mein;  22,  5  das^  er  darüber  geschrieben;  22,  25  w  vor 
Der;  26,  9  ä  vor  Sand;  27,  45  t  vor  Kund;  28,  105  woU 
man  Uden  nachgetragen;  28,  229  Tc  vor  Her;  32,  40  ichy  und 
t  eincorrigiert.  Ob  alle  diese  Correcturen  von  ein  und  derselben 
Hand,  ist  nebensächlicher  und  mag  ich  nicht  erörtern,  weil  aus- 
reichende Anhaltspunkte  dafür  fehlen;  denn  jeder  weiss,  wie  der 
blosse  Augenschein  gerade  hier  gern  täuscht,  wo  oft  schon  die 
aussergewöhnliche  Handlage  eines  Correctors  Verstellung  der  ge- 
wohnten Züge  bewirkt.  Das  ist  also  (zum  wenigsten)  die  sechste 
Hand. 


oxxv 

Greringere  Bedeutung  haben  die  eigenen  Gorrecturen  des  je- 
weiligen Schreibers.  Ich  verzeichnete:  2,  91  verhaissen^  das  erste  s 
auf.  Rasur;  4, 153  da  aehent^  ursprünglich  das^  aber  s  wegradiert; 
5,  15  tohen^  o  aus  a;  5, 119  wurde  i9t  unter  der  Spaltenlinie  nach- 
getragen; 5,  152  muy<,  der  zweite  Fuss  des  u  eingeflickt;  5,  199 
vaUchen^  l  aus  /;  5,  212  hlaseni,  s  auf  Rasur;  5,  280  dee  m7, 
fdt  klein  übergeschrieben;  5,  252  hindan^  an  auf  Rasur;  5,  274 
8if^  doch  steht  vor  S  noch  /»  der  Buchstabe  eines  andern  Wortes, 
das  er  schreiben  wollte;  5,  285  gedenken^  e  wohl  aus  a;  5,  354 
Uh^  doch  ist  h  deutlich  aus  p  corrigiert,  dessen  Fuss  noch  stehen 
geblieben  ist;  6,  30  &jr,  y  corrigiert  aus  m;  9,  26  lanty  t  aus 
d;  11,  8  miV,  i  auf  Rasur,  wahrscheinlich  stand  früher  mer;  11, 
21  Dauid^  i  auf  Rasur;  11,  36  zung  auf  Rasur;  15,  17  hrone^ 
e  der  Lange  nach  durchstrichen ;    15,  155  hacMhU  h  auf  Rasur; 

16,  49  ffeiffer^  r  aus  n;  16,  55  vogelsang,  zwischen  o  und  g 
die  Lücke  eines  wegradierten  Buchstaben;  17,  20  wol,  l  auf  Rasur; 

17,  23  qvsl^  e  aus  a;  21,  21  hieng  an  klain  noch  ein  Buchstabe, 
der  weggeschabt  wurde,  dasselbe  geschah  28,  361  bei  ergib;  24, 
98  nicM  mer  ächten  mer^  das  erste  mer  durchstrichen;  24,  119 
beschiht^  8  und  c  auf  Rasur  (er  hatte  das  c  vor  dem  8  geschrieben) ; 

24,  132  tievelj  e  Gorrectur  aus  u;   25,  52  antleut,  t  auf  Rasur; 

25,  91  hatt,  tt  auf  Rasur;  27,  91  gleicht,  t  eincorrigiert;  28,  80 
ich^  ch  auf  Rasur;  28,  113  beschneiden,  die  beiden  letzten  Silben 
auf  Rasur;  28,  330  die  lass  dich  lass  rewen^  das  zweite  las8 
durchstrichen.  28,  343  vnfrid^  zwischen  n  und  /  die  Lücke  eines 
wegradierten  Buchstaben.  29,  116  Nichit^  das  ganze  Wort  auf 
Rasur;  30,  8  vnbedenkleich^  e  aus  d;  34,  12  fuegen,  die  beiden 
ersten  Buchstaben  auf  Rasur;  37,  53  wob^  doch  ist  die  Schlinge 
des  b  weggestrichen;  38,  103  wollte  C  wieder  zwei  Verse  in  eine 
Zeile  setzen  und  hatte  schon  ir  vn  geschrieben,  als  er  den  Fehler 
bemerkte,  die  beiden  Wörter  wegstrich  und  damit  die  nächste  Zeile 
begann,  wie  sichs  gebührte.  Von  diesen  Gorrecturen  sind  be- 
sonders 5,  354;  9,  26;    11,  8;    15,  17;  24,  132  hervorzuheben. 

Die  Tinten  von  A,  B  und  G  haben  der  Zeit  nicht  Stand  ge- 
halten, sondern  sind,  wie  die  meisten  derartigen  Fabrikate  seit  dem 
13.  Jahrhundert^),  schon  frühe  verblasst  Das  veranlasste  einen 
spätem  zur  Renovation  mit  schwärzerer  Tinte.     Er   überfuhr  ein- 


•)  Seitdem  massenhafter  geschrieben  wurde;  vgl.  Watth.  Schriflw.   137. 


CXXVI 

zelne  Buchstaben,  Wörter,  Zeilen  und  ganze  Seiten.  Ich  will  nur 
einige  Stellen  auslesen,  welche  zugleich  zeigen  sollen,  wie  plan-  und 
geschmacklos  er  dabei  zu  Werke  gieng.  1 ,  42  ist  in  musz  dich  der 
erste  Teil  des  u,  der  Kopf  des  d  und  das  folgende  i  überfahren, 
während  die  übrigen  Buchstaben  noch  in  der  blassen  llnte  des 
Schreibers  dastehen;  5,  93  mertail^  nur  das  i  überfahren;  5,  241 
/ör,  wurden  alle  Buchstaben,  aber  bei  /  nur  der  mittlere  Teil  über- 
fahren, das  r  wurde  dabei  verklext;  5,  247  alle  hdder^  wurde 
das  zweite  ganz,  vom  ersten  Worte  nur  das  e  renoviert;  17,  28 
auff  der  fröd^n  wagen^  alle  vier  deutlich  überfahren;  29,  133 
closter^  l  und  st  zum  Teile  überfahren.  Fol.  31*  hat  er  ganz 
überklext. 

Auch  Correcturen  nahm  er  vor,  die  sich  deutlich  von  denen 
der  übrigen  Hände  unterscheiden  lassen,  besonders  evident  ist  die 
28,  317,  wo  er  an  mch  das  weggebliebene  t  eincorrigieren  wollte, 
bei  seiner  Eile  aber  in  die  falsche  Zeile  geriet  und  dasselbe  über 
dich  28,  318  setzte,  jedoch  den  Fehler  bemerkend  wieder  weg- 
strich und  an  den  gehörigen  Platz  brachte.  Weiter  stammen  von 
ihm  4,  139  aU^  s  auf  Rasur;  18,  52  nichts  t  eincorrigiert;  28,  5 
und  durch  atain  auf  Rasur;  18,  76  liehf  der  Kopf  von  h  auf 
Rasur;  36,  17  ahtrünig^  i  zu  ü  gebessert.  Zweifelhaft  ist  13,  6 
hands,  entweder  ist  s  von  ursprünglicher  Hand  ganz  klein  ein- 
corrigiert und  vom  Renovator  überfahren  worden  oder  kommt  ganz 
vom  ihm.  Das  ist  (zum  wenigsten)  die  siebte  Hand  in  un- 
serem Codex. 

Endlich  haben  wir  noch  auf  die  Melodien  einen  Blick  zn 
werfen.  Zunächst  ist  hervorzuheben,  dass  hier  schon  ein  Noten- 
system mit  5  Linien  vorliegt,  wie  es  im  14.  und  15.  Jahrhundert 
noch  selten  ist  und  erst  im  16.  Jahrhundert  allgemein  wird  (vgl. 
Böhme,  Germania  XXV,  227).  Die  Noten  sind  quadrat-  und 
rautenförmige  Punkte;  auf  jedem  System  ist  der  Schlüssel  (f  und  c) 
angegeben.  Sie  wurden  nicht  vom  Gomponisten  Bürk  Mangolt  (vgl. 
pag.  95),  sondern  von  den  Schreibern  über  den  Text  gesetzt; 
denn  Tinte  und  Charakter  wechseln  mit  denselben: 
die  von  B  sind  derber  und  schwerfälliger  als  die  von  A  wie  seine 
Schrift.  A  und  B  hatten  kein  Verständnis  dafür  und  beachteten  den 
Zusammenhang  zwischen  Text  und  Noten  nicht.  Das  zeigt  z.  B. 
10,  1,  wo  were  nur  eine  Note  hat.  Da  man  damals  so  wenig 
wie  heute  auf  zwei  Silben  eine  Note  zu  componieren  pflegte,  muss 


cxxvn 

im  Originale  wer  gestanden  haben.  Auch  37, 7  stehen  aaf  ir  ge-- 
liikch  nur  zwei  Noten,  so  dass  er  glukch  herzustellen  ist.  In  sol- 
chen Fällen  also  gibt  die  Melodie  ein  gewisses  Gorrectiv  für  die 
Textconstracdon.  Nicht  ist  das  aber  amgekehrt  der  Fall.  Stehen 
z.  B..  37»  2  über  tdn  2  Bauten,  so  folgt  daraus  nicht,  dass  im 
Original  das  Wort  zweisilbig  gestanden.  Man  sieht  gleich,  in  wie 
fern  das  Beachtung  verdient.  Hätte  z.  B.  g(e)lükch  37,  7  zu- 
fällig im  Originale  zwei  Noten  getragen,  würde  der  Schreiber  auf 
jede  Silbe  eine  solche  gesetzt  haben,  und  der  Schluss,  dass  jede 
Silbe  mit  einer  Note  auch  im  Urtexte  vorhanden  gewesen  sein 
müsse,  wäre  unrichtig.  Dazu  war  die  Copie  der  Rauten  selbst  nicht 
immer  sorgfaltig  genug;  es  begegnen  auch  hier  Ciorrecturen :  10,  8 
z.  B.  schrieb  A  zweimal  als  und  über  beide  eine  Note,  der  Initialen- 
maler tilgte  das  erste  ah  mit  roter  Tinte,  während  die  Note  dar- 
über erst  von  einem  andern  mit  schwarzer  Tinte  ausgestrichen 
wurde;  8,  1  standen  die  Schlüssel  c  auf  der  zweiten  und  f  auf  der 
vierten  Notenlinie ,  wurden  aber  weggekratzt  und  in  die  erste  und 
dritte  gesetzt. 

Damit  liegt  die  eine  Seite  der  Ueberlieferung  hinter  uns.  Sieben 
Hände  sind  bei  der  Herstellung,  und  Verschönerung  dieser  Hs. 
tätig  gewesen.  Aber  man  weiss,  und  Wattenbach  hat  es  in  seinem 
Sohrifbwesen  noch  besonders  betont,  dass  die  Ausstattung  häufig 
in  umgekehrtem  Verhältnisse  mit  der  innem  Güte  steht:  solche  Hss. 
waren  eben  kalligraphische  Schaustücke,  bei  denen  mehr  Sorgfalt 
auf  Ausstattung  als  auf  Ciorrectheit  verwendet  wurde.  Wie  es  im 
C!od.  Pal.  mit  der  letzteren  bestellt  sei,  wird  man  schon  bei  der 
Erörterung  über  die  verschiedenen  Schreiber  teilweise  gemerkt  haben, 
und  ist  jetzt,  gestützt  auf  die  bereits  gewonnenen  Resultate,  ge- 
nauer zu  untersuchen;  wir  wollen  nur  vorher  einen  eiligen  Blick 
werfen  auf  die  Geschichte  der  Hs.  und  —  was  damit  zusammen- 
hängt  —  auf  die  bisherigen  Arbeiten  über  Hugo. 

Zwei  Jahrhunderte  lang  fehlt  uns  jede  Nachricht  von  der  Es.: 
wie  die  anderer,  grösserer  Meister  wird  sie  zur  Zeit  des  humani- 
stischen Gelehrtentums  unbeachtet  im  Staube  gelegen  haben.  1622 
finden  wir  sie  im  Besitze  der  Heidelberger  Universitätsbibliothek.  Im 
folgenden  Jahre  wurde  sie  von  da  mit  den  vielen  andern  unter 
dem  Schutze  der  «heiligen  Liga^  in  den  Vatican  nach  Rom  ver- 
schleppt.    Dort   fand   sie   Friedrich  Adelung   1792.     Er   schrieb 


cxxvm 

von  sämmtliohen  Gedichten  den  Anfang,  von  einigen  auch  ScUnss 
und  einzelne  Strophen,  Nr.  7,  8,  21  ganz  ab  und  veröffentlichte 
seine  Arbeit  1796  in  den  Nachrichten  von  altdeutschen  Gredichten 
ans  Rom  ü,  215 — 239.  Schreib-  und  Druckfehler,  auch  andere 
Unrichtigkeiten  finden  sich  darin  in  seltenem  Reichtume;  doch 
die  Umstände,  unter  denen  er  den  Codex  benutzte,  entschuldigen 
alles. 

1816  gab  der  Vatican  das  fremde  Eigentum  zurück.  An  der 
Heidelberger  Universitätsbibliothek  stand  nun  der  Cod.  Pal.  329  den 
einheimischen  Gelehrten  zur  freien  Benützung  offen.  Zuerst  kam 
Gör  res.  Er  übersetzte  Nr.  7 :  »  Was  zeihst  du  mich,  mein  liebster 
Buhli'^  und  nahm  es  mit  der  selbstgemachten  Ueberschrift  «Zu- 
spruch* in  seine  » altdeutschen  Volks-  und  Meisterlieder"  auf ;  was 
er  in  der  Einleitung  XVII  über  Hugo  sagt,  ist  entweder  bedeutungs- 
los oder  unrichtig.  Der  nächste  war  Lassberg,  der  in  seinem 
Liedersaal  (I,  p.  VI)  des  Herren  von  Bregenz  gedenkt.  Die  ersten 
aber,  deren  Urteil  ein  tieferes  Studium  unseres  Dichters  aus  seiner 
Hs.  bekunden,  sind  Gervinus  und  U bland.  Die  Haus-  und  Seelen- 
geschichte Hugo*s,  sein  Charakter,  der  einfachere  und  gefälligere 
Ton  seiner  Briefe  und  Reden  gegenüber  der  verkünstelten  oder  ver- 
bauerten Weise  anderer  Zeitgenossen  zogen  unsern  Literarhistoriker 
an  bis  zur  einseitigen  Auffassung  und  Ueberschätzung^).  Gervinus' 
Aussprüche  wurden  gangbare  Münzen,  und  von  nun  an  fehlt 
Hugo  in  keiner  bedeutenderen  Literaturgeschichte  mehr.  Uhland 
bot  in  seinen  Vorlesungen  einige  beachtenswerte  Züge  aus  Hugo's 
Leben ^),  die  er  mit  Gedichtproben  belegte;  ihn  zogen  offenbar  die 
volkstümlichen  Elemente  an,  weswegen  er  die  Hs.  auch  zu  den  Ab- 
handlungen über  die  Volkslieder  benutzte^).  Weiter  brachte  Wa- 
cker nagel  in  seinem  Lesebuche  (Spalte  1151)  die  Rede  Nr.  24 
und  den  Brief  Nr.  36,  der  Anzeiger  des  german.  Museums 
1832  (Spalte  178),  1833  (Spalte  281,  29c5)  und  1834  (Spalte 
200)  zerstreute  Notizen  und  die  Inhaltsangaben  etlicher  Lieder; 
Pischon  in  seinen  Denkmälern   (H,  95)   den   Brief  Nr.  36  und 


*)  Gesch.  d.  deutsch.  Dicht.  II  ^  (1836),  p.  224,  260  und  298,  und  später 
noch  erweitert  und  verbessert  II*,  427— -429. 

«)  ühlands  ges.  Sehr.  H,  210-217. 

»)  ühland  a.  a.  0.  in,  435,  438  und  Anmkg.  239,  wo  er  auch  8  Strophen 
aus  Nr.  16  abdruckte. 


CXXIX 

(n,  127  S.)  die  Reden  Nr.  25  und  28  zum  Teil  und  die  Lieder 
Nr.  12  und  40;  Kurz  in  seiner  Literaturgeschichte  Nr.  16  and  36. 
Bibliotheken  Hessen  die  ganze  Hs.  oopieren,  so  die  za  Donauesohin- 
gen,  zn  Berlin  und  zu  Graz;  die  beiden  letzteren  habe  ich  selbst 
mit  meiner  Absohrifit  verglichen.  1846  schrieb  dann  v.  d.  Hagen 
in  den  Jahrbüchern  der  Berliner  Gesellschaft  für  deutsche  Sprache 
und  Altertumskunde  eine  Abhandlung  über  Hugo  mit  einigen  zu- 
treffenden Bemerkungen.  Ein  Mann  von  Hugo*s  politischer  Be- 
deutung zog  auch  Historiker  zur  nähern  biographischen  Unter- 
suchung an:  wir  kennen  Yanotti*s  und  Bergmanns  Arbeiten 
schon  aus  Abh.  L 

So  standen  die  Forschungen  über  Hugo,  als  1857  Weinholds 
schon  wiederholt  genannte  Abhandlung  in  den  Mitteilungen  des 
historischen  Vereins  für  Steiel'mark  VII,  127—180  erschien.  Sie 
ist  nicht  nur  die  umfangreichste,  sondern  auch  die  gehaltvollste  von 
allen:  im  biographischen  Teile  fasste  er  die  Arbeiten  seiner  Vor- 
gänger zusammen  und  tat  selbst  ansehnliches  hinzu;  was  er  über 
Hugo*s  Persönlichkeit  und  Charakter  gesprochen,  war  grundlegend, 
und  wenn  ich  ihn  ergänzen,  weiter  ausführen  und  teilweise  auch 
berichtigen  konnte,  geschah  es  nur  auf  Grundlage  neuen  Materials, 
welches  das  seine  wenigstens  um  das  fünffache  übersteigt;  mit  Nr.  1, 
6,  9,  13,  16  und  40  hat  er  auch  die  Herstellung  eines  kritischen 
Textes  versucht.  Dass  nach  dieser  Arbeit  ein  zwanzigjähriger  Still- 
stand eintrat,  gibt  das  beste  Zeugnis  für  ihre  Brauchbarkeit.  Erst 
in  neuester  Zeit  wurde  Hugo  ein  vielumworbenes  Forschungsobject. 
Gleichzeitig  und  ohne  von  einander  zu  wissen,  unternahmen  drei 
eine  vollständige  Ausgabe  desselben,  welche  zwei  vollendeten.  Die 
Ausgabe  von  Bartsch  erschien  im  Stuttgarter  lit.  Verein  (1880, 
4.  Publication;  p.  1—24  Einl.,  25—227  Text),  also  nicht  un  Buch- 
handel. Es  wäre  schon  deswegen  untunlich  gewesen,  meine  Ab- 
handlungen an  seinen  Text  zu  binden;  dazu  haben  wir  uns  ganz 
andere  Ziele  und  Grenzen  gesteckt:  ihm  handelte  es  sich  nach  dem 
Muster  der  andern  Vereinspublicationen  um  einen  Textabdruck, 
wenig  um  Hugo's  Leben,  Persönlichkeit,  Sprache  und  Metrik,  was 
mir  die  Hauptsache  war,  so  dass  sich  unsere  Arbeiten  nur  zum 
kleineren  Teile  decken;  auch  Text  und  Varianten  meiner 
Ausg.  sind  vielfEich  in  anderer  Gestalt  und  nach  andern  Grund- 
sätzen angebaut 

Nach  dieser  notwendigen  Abschweifung  fahl«  \c3;i  \a  ^<st\^\>X^\- 

WackerneJ],  MontforL  % 


cxxx 

suchang  der  Hs.  fort,  indem  ich  die  wichtigste  aller  hiehergehöri- 
gen  Fragen  aufwerfe :  ist  der  Cod.  Pal.  Original  und,  wena  «nicht, 
in  welchem  Verhältnisse  steht  die  Abschrift  zu  demselben?  Original 
wäre  im  vorliegenden  Falle  jene  erste  Niederschrift,  welche  entr 
weder  von  Hugo*s  eigener  Hand  oder  von  einer  andern  unter  seiner 
revidierenden  Aufsicht  seiner  Sprache  und  Schreibweise  gemäss  ge- 
fertigt worden  ist  Von  den  Gründen,  welche  den  Cod.  PaL  als 
Abschrift  erweisen,  bringe  ich  nur  jene  herbei,  welche  auf  Unter- 
suchungen ruhen,  die  uns  gleichzeitig  auch  Resultate  anderer  Art 
zufahren. 

Es  ist  klar,  dass  Hugo  seinen  jeweiligen  Schreiber  nicht  nur 
mit   der  Hs.  beschäftigte,   sondern  ihm  auch  andere  Schreibereien 
zuwies^),  was  es  nahe  legt  zu  vergleichen,  ob  etwa  in  den  erhal- 
tenen, datierten   oder   datierbaren   Montforter  Schriften  eine  Hand 
aus  dem  Liedercodex  wiederkehre;  denn  damit  gewännen  wir  einen 
festen  Anhaltspunkt,  die  Entstehungszeit  desselben   zu  bestimmen. 
Selbstverständlich  richtet  sich  das  Hauptaugenmerk  auf  jenen  Schrei- 
ber,  der  am  meisten   Aufiäliigkeiten   zeigt,  auf  A.     Ich   ÜBuid  ihn 
im  Urbar  Hugo*s,  wo  er  auf  Fol.  160  Nachträge  machte.    Da  ich 
den  Cod.  Pal.  und   das  Urbar  gleichzeitig  in  Händen   hatte,   war 
ein  genauer  Vergleich  möglich,  der  beiderseits  dieselben  Züge,  die- 
selbe Lage,  dieselben  auffallend  langen   und  zugespitzten  f,  p  und 
/,  auch  dieselben  Schreibgewohnheiten  in  allen  dafür  charakteristi- 
schen Wörtern   erkennen   Hess.     Die  Nachträge   verzeichnen   neue 
Zinsen  und  lauten  gewöhnlich:  (ItemChunratSalherdaczVczendorf)^) 
dient  Geori  ain  halb  phunt,  MichaheUs  ain  halb  phunt  phening 
vnd  drey  pon  phening  von  der  huben^  da  er  avf  sitzt  —  oder  (Item 
Jekel  an  des  Droscholben   hoflein)    dient  dauon  Oeori  fünf  vnd 
dreissig  phening^  Michahelia  drey  Schilling^  vier  vnd  zwaintzig 
phevdng^  drey  pon  phening  etc.     Das  wiederholt  sich  noch  eini- 


^)  Seine  Schreiber  waren  nicht  regellos  ab-  und  zugehende  Lohnschrei- 
ber, sondern  Beamte,  die  ihren  rechtlichen  Titel  führten.  Einen  Beleg  dafür 
liefert  Brandls  ürknndenbnch  der  Teufenbacher :  in  Nr.  216,  p.  187  nrknndet 
am  10.  Mai  1416  in  Prodersdorf  HansBernger  als  ^meins  gnedigen  herm 
Gra£f  Hawgen  Ton  Montfort  Schreiber.^  —  So  wird  es  anch  bei  seinen  Naeh- 
folgem  gewesen  sein. 

')  Was  eingeklammert  und  nicht  cnrsiv  gedruckt  ist,  kommt  Tom 
Schreiber  des  ürbars,  dessen  Schrift  einen  wesentlich  andern  Charakter  und 
eine    viel  grössere  Verrohung  der  Formen  aufweist  als   die  Liederhs. 


OXXXI 

gemal  unter  anderm  Namen.  Von  charakteristischen  Schreiban- 
gen, die  zu  A  stimmen,  begegnen  darin:  pA  (vgl.  p.  115,  Punkt  4) 
vierzehnmal;  dreissig  neben  drey^  cdn  etc.  (vgl.  ibid.,  P.  8); 
huben^  fünf  (Tp.  117,  P.  4).  Da  A  mit  Nr.  12  aus  der  Liederhs. 
verschwindet  und  nachher  nicht  mehr  erscheint,  darf  nicht  angenom- 
men werden,  dass  diese  Nachträge  später  gemacht  seien  als  Nr.  12, 
weil  es  ganz  unerklärlich  wäre,  dass  der  Graf  diesen  guten  Schrei- 
ber von  der  Hs.  (auf  die  man  besondere  Sorgfalt  legte)  entfernt, 
ihn  anderweits  verwendet  und  einen  schlechteren  an  seine  Stelle 
gesetzt  hätte.  Somit  ist  das  Alter  der  Hs.  von  dem  des  Urbars 
abhängig,  das  aber  in  keinem  Falle  vor  1402  enstanden  ist,  weil 
es  bereits  die  Abgaben  von  den  Stadecker  Gütern  enthält*).  Der 
Schrift  nach  ist  eine  nähere  Fixierung  nicht  tunlich,  denn  fast  jede 
rein  paläographische  Zeitbestimmung  gibt  einen  Bewegungsraum  für 
15 — 25  Jahre  frei;  aber  ein  anderer  Anhaltspunkt  findet  sich, 
der  die  obere  Grenze,  um  die  es  sich  hier  handelt,  enger  zieht 
Ich  überlasse  dabei  einem  Paläographen  wie  v.  Zahn  das  Wort, 
der  mir  darüber  schrieb:  «sichtlich  ist  der  Einband  gleichzeitig, 
notwendig  aber  bald,  sehr  bald  nach  Abschluss  der  Reinschrift  des 
Urbars  erfolgt  Nun  werden  sie  selbst  bemerkt  haben,  dass  auf 
der  Innenseite  des  Vorderdeckels  das  Fragment  einer  Urkunde  auf- 
geklebt ist^),  und  von  dieser  hat  sich  das  Datum  erhalten,  nämlich 
1414.«  —  Somit  ist  das  Urbar  nicht  oder  nicht  viel  vor  1414 
hergestellt,  der  Nachtrag  auf  Fol.  160  und  das  letzte  Gedicht  von 
A  (Nr.  12)  nicht  früher  geschrieben  worden.  Der  weitere  Schluss 
ist  einfach.  Nach  31,  169  und  209  hat  Hugo  1401  schon  ein 
btwch  vor  sich,  in  das  30  seiner  Gedichte  eingetragen  sind:  dies 
Buch  kann  nicht  das  unsrige  und  das  unsrige  somit 
nicht  Original  sein,  weil  darin  die  Gedichte  von  12,  13 
an  nicht  vor  1414  geschrieben  worden  sind^).  Zu  demselben  Re- 
sultate führt  eine  andere  Untersuchung. 


^)  Diese  kamen  erst  von  1402—1404  an  die  Montforter.  Vgl.  Abh.  I, 
p.  54—57. 

*)  Selbstverständlich  schon  bei  der  Eerstelinng  des  Einbandes,  zu  dem 
•s  notwendig  gehört.  Eine  ähnliche  Datierungsweise  bei  Sommer,  Flore  p.  36. 

')  Man  sieht,  wie  schon  mit  dem  Nachweis,  dass  das  ürb.  nicht  Tor 
1402 — 4  enstanden  sein  könne,  zugleich  anch  der  Beweis  erbracht  ist,  der 
Cod.  Pal.  sei  nicht  Or.,  und  ich  führte  die  Deduction  nur  weiter,  weil  es 
sich  amch  um  die  Zeitbestimmung  der  Hs.  überhaupt  handAVt. 

^* 


cxxxn 

Die  angeführte  Rede  (Nr.  31)  lässt  die  Entstehungsweise  jener 
Hs.  von  1401  erblicken.     165—174  zählt  der  Dichter  die  Pro- 
dacte  auf,  die  er  gemacht:  es   seien  30  Stücke;   nun  ist  aber  die 
Rede  selbst   schon  das  31ste.     Man   hat  daher   geschlossen,  dass 
ein  Gedicht  verloren  gegangen  sein  müsse,  doch  ohne  Grund:  Hugo 
zählte  die  Gedichte,  die  im  , Buche*  waren,  Nr.  31  aber  war  noch 
nicht  fertig  und  daher   auch   nicht   eingetragen,   während   Nr.  30 
bereits  in  der  Sammlung  stand.    Die  Gedichte  wurden  also  einge- 
tragen, wie  sie  entstanden,   und   die  Reihenfolge   in  jenem  Codex 
von  1401  war   eine   chronologische^).     Lässt   sich   nun  er- 
weisen, dass  in  unserer  Hs.  diese  Ordnung  nicht  mehr  vorhanden 
ist,  so  kann  sie  nicht  das  „Buch^   von  1401   und  somit 
auch  nicht  Original  sein.    Das  muss  versucht  werden,  denn 
die  Folge   der  Gedichte   ist  auch  wichtig   für   die   Kenntnis   von 
Hugo*s  Leben,  weswegen  ich  in  Abh.  I  wiederholt  auf  diese  Stelle 
verwies.     Ich   hebe  bei  Nr.  5   an,  weil  hier   die  Datierung   nach 
äusseren  Anhaltspunkten  geschehen  kann.     5,  239  £  spricht  der 
Dichter  von  einem   regierenden  Jcüng  von  PeJiem   Umd.     Solcher 
Könige  gab  es  während  Hugo*s  Lebenszeit  drei :  Karl  lY,  Wenzel 
und  Sigmund,  und  zwar  muss  Wenzel  gemeint  sein,   weil   nur  er 
bei   seiner  Wahl  noch   ein   Knabe   war  (231):   das  Gedicht  fällt 
somit  zwischen    1378   und    1400.     Diese  beiden   Grenzen  lassen 
sich   weiter   zusammenrücken.     Nach  Vers  52  und  53  hat .  Hugo 
schon  33^/2  ^^^^^  hinter  sich,    und    Nr.  5  kann   nicht   vor  Ende 
1390  entstanden  sein,  wenn  Hugo  in  der  ersten  Hälfte,  und  nicht 
vor  1391,   wenn  er  in  der  zweiten  Hälfte  von  1357  geboren  ist; 
bedenkt  man,  dass  es  5,  53  heisst:  33  V2  j^  der  was  ich  aU^  der 
Dichter  also  jetzt  einiges  darüber  hinaus  ist,  so  kann  man  in  jedem 
Falle  1391,  als  die  eine  Grenze  annehmen.   Die  andere  ergibt  sich, 
wenn  man  nähor  ins  Auge  fasst,   wie  Hugo   die  Regierung  dieses 
Königs   charakterisiert.    Wenzel  war  in  seiner  Jugend  ein  besse- 
rer Regent   gewesen   als   in   den   späteren  Jahren:    er  hatte  sich 
des  Reiches  angenommen,    hatte   Massregeln  getroffen   gegen   die 
immer  weiter   um  sich  greifenden  Bündnisse  der  Städte  und  Her^ 


^)  Anch  ohne  diesen  bestimmten  Anhaltspunkt  würden  wir  das  Reeht 
haben,  auf  chronologische  Reihenfolge  der  Gedichte  zu  schliessen,  sobald  wir 
nur  erfahren,  dass  sie  in  ein  Buch  geschrieben  wurden,  ja  man  ist  gewohnt, 
in  jeder  Originalhs.  ohne  weiteres  chronologische  Reihenfolge  anzunehmen; 
vgl  Karajan,  Teichner  (Denkschr.  VI)  155. 


cxxxin 

ren,  gegen  das  Schisma  a.  s.  w.  Aber  die  geringen  Erfolge 
verleideten  ihm  diese  Geschäfte  mehr  und  mehr.  Seit  dem  Aus- 
gange der  Achtzigerjahre  zog  er  sich  ganz  auf  Böhmen  zurück, 
kümmerte  sich  um  das  Reich  gar  nicht  mehr  und  verrohte,  so 
wie  ihn  Hugo  schildert.  Das  erregte  grosse  Unzufriedenheit;  die  vom 
höheren  Adel  wurden  überdies  noch  dadurch  aufgebracht,  dass  der 
König  seine  Räte  nicht  aus  ihrer  Mitte  wählte,  sondern  niedere 
Günstlinge  und  Schmeichler  mit  hohen  Aemtem  begabte.  Seit  den 
rohen  Gewalttaten  des  Frühjahres  1393  aber  war  unter  den  geist- 
lichen und  weltlichen  Herren,  besonders  auch  in  Oesterreich,  die 
Ansicht  allgemein:  «einem  solchen  Manne  zieme  es  nicht,  die  deutsche 
Krone  zu  tragen  **;  es  bildete  sich  eine  offene  Opposition,  der  im 
Dea  d.  Js.  auch  König  Sigmund  von  Ungarn  beitrat;  im  Mai  1394 
wurde  der  König  selbst  gefangen  genommen.  Halten  wir 
nun  zu  diesen  Vorgängen  5,  243 — 45.  Wäre  Nr.  5  nach  dem 
Ausbruche  der  Opposition  entstanden,  so  wäre  Hugo*s  Aufforderung, 
der  König  solle  in  das  Reich  kommen,  ganz  sinnlos ;  denn  es  war 
jetzt  nur  zu  begreiflich,  warum  er  Böhmen  nicht  verliess.  Das 
andere  Verlangen  Hugo's,  Wenzel  solle  sich  die  Kaiserkrone  holen, 
passt  nach  1393  noch  viel  weniger;  denn  seitdem  die  Erbitte- 
mng  gegen  Wenzel  und  die  Ueberzeugung  von  dessen  Regierungs- 
unfahigkeit  so  allgemein  war,  konnte  Hugo  im  Ernste  keinen 
solchen  Einfall  haben;  eher  würde  er,  der  Anhänger  der  öster- 
reichischen Fürsten,  welche  auch  im  Complot  gegen  Wenzel  waren, 
ihm  geraten  haben,  auch  noch  die  deutsche  Krone  niederzulegen. 
Es  bleibt  also  1391—1393  für  die  Entstehung  von  Nr.  5.  Das 
ist  die  Zeit,  wo  bei  Hugo  schon  der  männliche  Ernst  eingekehrt 
war,  wo  er  sich  vom  fremden  Minnedienste  weg  und  (wie  er 
5,  54  selbst  sagt)  zu  Gott  gewandt  hatte.  Nun  stehen  aber  die 
Blüten  seines  Minnedienstes,  die  Lieder  Nr.  6,  7,  8,7iind  9,  die 
offenbar  denselben  begleitet  hatten,  nach  Nr.  5,  und  die  Ordnung 
der  Gedichte  in  unserer  Hs.  kann  nicht  mehr  chronologisch  und 
diese  mithin  nicht  Original  sein. 

Daraus  erwächst  die  Aufgabe,  die  gestörte  chronologische  Ord- 
nung der  Gedichte,  so  weit  möglich,  wieder  herzustellen;  dabei  wird 
jeder  Nachweis  der  Aenderung  in  unserer  Hs.  auch  wieder  ein 
neuer  Beweis,  dass  sie  nicht  Original  sein  kann.  Es  werden  sich 
Resultate  mit  ziemlicher  Wahrscheinlichkeit  herausstellen,  denn 
einerseits  sind  directe  Beziehungen  und  Verweise  zwischen  den  ein.- 


CXXXIV 

zelnen  Gedichten  zu  Anhaltspankten  gegeben,  andrerseits  werden 
die  Gredichte  ans  derselben  Zeit  durch  den  Grundton  ihrer  Ge- 
sinnung, durch  die  Gleichartigkeit  der  Denk-  und  Darstellungsweise 
ihre  Zusammengehörigkeit  herausfühlen  lassen.  Auszugehen  ist  von 
dem  bereits  gesicherten  Punkte,  von  Nr.  5.  Nr.  4  passt  gut  zu 
Nr.  5,  neben  dem  es  in  der  Hs.  steht.  Beide  berühren  sich  durch 
die  Klagen  des  Dichters  über  die  gitiheit  (4,  7  und  5,  201), 
durch  die  Beteurungen  seiner  Bechtgläubigkeit  (4,  43,  105  t 
und  5,  105  f.),  durch  den  Hinweis  auf  die  Vergänglichkeit  alles 
irdischen  Wesens  (4,  104  und  5,  56,  324),  auf  das  jüngste  Ge- 
richt (4,  121  f.;  5,  171  f.,  200,  222,  272  und  besonders  4,  128 
und  5,  274);  dazuhaben  sie  dieselbe  Darstellungsweise  und  Form. 
Nr.  2  und  1  zeigen  eine  andere  Gemütsverfassung  des  Dichters, 
die  aber  leicht  zu  erklären  ist  (p.  36  f.)  und  nicht  hinreicht,  sie  ans  der 
überlieferten  Stellung  zu  entfernen,  zumal  noch  Gründe  für  dieselbe 
sprechen,  denn  auch  in  Nr.  2  steht  der  Dichter  schon  in  den 
reiferen  Jahren  und  blickt  wie  in  Nr.  5  auf  seine  verliebte  Jugend 
zurück,  ja  5,  135  f.  behandelt  wie  2,  92  f.  die  erste  Ausfahrt  in 
die  "Welt;  auch  in  Nr.  1  sehen  wir  den  Dichter  schon  von  den 
Abirrungen  seiner  Jugend  reuevoll  zurückgekehrt  zu  Gott  und  zur 
Liebe  zu  seiner  Gemahlin,   dazu  hat  es  dieselbe  Form  wie  Nr.  2» 

4  und  5.  Mit  denselben  Gründen  aber,  mit  welchen  wir  hier  die 
überlieferte  Reihenfolge  aufrecht  halten,  scheiden  wir  Nr.  3  aus. 
Es  ist  nach  Inhalt  und  Darstellung  ein  Jugendproduct,  in  dem 
der  Dichter  noch  heimliche  Wege  verbotener  Liebe  wandelt,  d.  h. 
eben  das  tut,  was  er   in  den  genannten  Gedichten  Nr.  1,  4  und 

5  in  seiner  Jugend  getan  zu  haben  bereut;  auch  die 
strophische  Form  weicht  von  jener  in  Reimpaaren  ab.  Alle  Momente, 
die  es  aus  der  überlieferten  Nachbarschaft  fortschaffen,  weisen  es 
zu  den  Liebesliedern  von  Nr.  6 — 9,  an  deren  Spitze  es  von  selbst 
stehen  bleibt,  weLn  wir  Nr.  1,  2,  4  und  5  zu  den  Producten  der 
spätem  Zeit  zurückstellen,  wohin  sie  gehören. 

Nr.  6,  7,  8  und  9  sind  Tanzlieder  im  ganz  gleichen  Genre, 
zeigen  die  gleiche  Anschauungsweise  und  die  gleichen  Liebesbe- 
mühungen des  Dichters,  von  denen  wir  p.  16  ff.  gehört,  stammen 
folgerichtig  aus  der  gleichen  Lebensperiode  und  bleiben  in  der  über- 
lieferten Stellung.  Sie  bilden  einen  Gyclus,  indem  sie  eine  be- 
stimmte Periode  der  Denk-  und  Dichtungsweise  Hugo's  umfisussen^), 

')  Eine  chronologische  Abgrenzung  der  einzelnen  Gedichte  ist  nicht  mftg- 


GXXXV 

ebenso  wie  die  folgenden  Wächterlieder  Nr.  10,   11  und  12,  welche 
mit  ihrem  moralisierenden  Tone  die  Periode  der  Umwandlung  (p. 
34  ff.)   charakterisieren,   nur  unter  einander  ist  ihre  Stellung  um 
eins  verrückt  worden:  Nr.  11  muss  vor  Nr.  10  gedichtet  worden 
sein;  denn  11,  4—6  ermahnt  der  Wächter  den  Dichter,   dass  er 
aufhören  solle,  Tanzlieder  zu  machen.    Wäre  Nr.  10  vor  Nr.  11 
gedichtet,  käme  diese  Ermahnung  zu  spät,  weil  Nr.  10  schon  ein 
moralisierendes  Taglied  ist;  aber  wohl  passt  Nr.  11  hinter 
Nr.  9,  das  letzte  Tanzlied:  die  unmittelbare  Aufeinanderfolge 
zwischen  9  und   11   wird   daraus  evident  sein.     Aber   noch  eine 
weitere  Beziehung  beweist,  dass  Nr.   10  hinter  Nr.    11  zu  stellen 
ist:  10,  8  sagt  der  Wächter  zum  Dichter:  du  bist  doch  noch^  als 
ich  dich  lie.    Wie  das  Gedicht  dasteht,  hat  die  Stelle  keinen  Sinn; 
denn  die  beiden  fanden  wir  ja  noch  nie  beisammen!   Ganz  anders 
jedoch,  wenn  Nr.  11  vorausstand,  worin  der  Wächter  den  Dichter 
ermahnte,  eine  andere  Lebensweise  zu   beginnen;  da  er  aber   da- 
mals bei  ihm  wenig   ausgerichtet,  kommt  er  in  Nr.  10   abermals, 
findet  ihn  noch  nicht  gebessert  und  kann  jetzt  sagen :  du  bist  doch 
noch^  als  ich  dich  lie.    Daraus  ergibt  sich  die  Reihenfolge  9,  11, 
10,'  12;  aber  noch  ein  weiteres:  der  enge  Zusammenhang  zwischen  9, 
11   und  10  schliesst  aus,  dass  1,  2,  4,  5  zwischen  diese   beiden 
Cyclen   (6,  7,  8,   9   und   11,  10,  12)   hineingestellt   werden;  sie 
müssen  dem  letzteren  nachfolgen,  was  auch  andere  Gründe  dartun : 
11 — 12  nämlich  zeigen   den  Uebergang   zu  einem  neuen  religiösen 
Leben,  der  in  1  —  5  schon  geschehen  ist;  femer  sagt  der  Wächter 
10,  6  zum  Dichter:   du  hast  uff  mitten  tag  dtnar   zit  gelept  uff 
erden  Me.  Des  Menschen  Tag  ist  das  Leben,  und  mit  den  Dreissi- 
gerjahren  beiläufig  beginnt  ihm  der  Mittag.   Demnach  fallen  Nr.  10 
und  die  zu  ihm  gehörigen  Gedichte  in  den  Ausgang  der  achtziger, 
während  oben  Nr.  1,  2,  4,  5  dem  Beginne  f  der  neunziger  J.  zuge- 
wiesen werden  konnten.  —  Nr.  13  bietet  keine  dierecten  Anhalts- 
punkte zur  geni^ueren  Mxierung,   aber  Inhalt  und  Form  bewahren 
ihm  seine  Stellung   nach  Nr.   12,    so  dass  sich  folgende  Ordnung 
als  die  ursprüngliche  ergibt:  9,  11,  10,  12,  13,  1,  2,  4,  5. 


lieh,  aneh  entbehrlich;  es  genügt  zu  wissen,  dass  sie  während  der  Ehe  mit 
Margaratha  entstanden  sind  und  nicht  dieser  galten:  das  beweist  seine  Reue 
in  den  spätem  Jahren  und  Nr.  17,  wo  er  ausdrücklich  heryorhebt,  dass  er 
seiner  Frau  Tergessen  und  andern  frowen  und  töehterlin  gedichtet  habe.  Auch 
Weinhold  teilte  diese  Ansicht. 


CXXXVI 

0 

Nr.  14  kann  stellen  bleiben,  Nr.  15  dagegen  scheint  mir  in 
der  Nähe  von  Nr.  4  oder  5  besser  zu  passen,  als  nach  Nr.  14« 
weil  es  den  Eindruck,  den  Margaretha's  Tod  auf  den  Dichter  ge- 
macht, lebendiger  zeigt  als  5  und  14;  doch  das  ist  Vermutung, 
bei  der  wir  uns  nicht  aufhalten  wollen.  Dieser  ganzen  Gruppe 
fehlt  noch  ein  Gredicht:  Nr.  17  ist  in  seiner  Stellung  zwischen 
Nr.  16  und  18  ganz  unhaltbar;  denn  Nr.  16  zeigt  die  beginnende 
Liebe  zu  dementia,  welche  Nr.  18,  19  etc.  fortsetzen,  während  Nr.  17 
den  Abschied  von  der  verbotenen  Minne  und  Minnedichtung  schil- 
dert, die  er  in  dm  tron  gen  der  liebsten  frowen  gepflegt  hat. 
Das  kann  sich  nicht  auf  dementia,  sondern  nur  auf  Margaretha 
beziehen,  und  Nr.  17  findet  daher  seine  Stellung  nach  Nr.  11 — 13^). 
So  hat  sich  folgende  chronologische  Reihenfolge  ergeben:  Nr.  3,  6, 
7,  8,  9,  11,  10,  12,  13,  17,  1,  2,  4,  15  (?),  5,  14. 

Es  gereicht  derselben  nur  zur  Bestätigung,  dass  so  die  Ge- 
dichte ein  vollständiges,  scharf  markiertes  Bild  von  Hugo^s  innerer 
Entwicklung  geben,  wie  wir  dasselbe  in  Abhandlung  I  zu  entrollen 
versucht  haben. 

Nr.  16 — 26  umfassen  eine  neue  Lebensperiode  von  c.  1394 
bis  c.  1400,  es  sind  die  Gedichte  an  dementia,  deren  Zusammen- 
hang in  der  überlieferten  Ordnung  aus  Abh.  I  (p.  43 — 49)  ersichtlich 
sein  wird;  nur  Nr.  22  ist  zwischen  Nr.  21  und  23  unmöglich,  weil 
diese  sich  inhaltlich  eng  an  einander  schliessen,  während  in  Nr.  22 
eine  ganz  andere  Gemütsverfassung  des  Dichters  zu  Grunde  liegt:  es 
ist  diesselbe,  welche  sich  in  Nr.  24,  25  und  26  fortsetzt;  es  müsste 
daher  wenigstens  nach  Nr.  23  stehen.  Dass  es  aber  auch  hier  nicht 
am  Platze  sei,  zeigt  der  Eingang  von  Nr.  24,  wo  Hugo  klagt,  dass 
er  aus  Liebe  zu  viel  gedichtet  und  zwar  —  wenn  man  24,  106 
dazuhält  —  der  weit  ze  lustj  nachdem  er  es  schon  einmal  ver- 
schworen habe,  was  18,  205  f.  geschehen  ist,  dem  dann  Nr.  19,  20, 
21  und  23  nachfolgten,  die  wirklich  der  Welt  zur  Lust  gedichtet 
worden;  aber  nicht  gilt  das  für  Nr.  22,  das  bereits  der  Welt 
zur  Belehrung  dasteht  wie  24,  25  und  26.  Die  angeführte 
Aeusserung  des  Dichters  bestätigt  also  einerseits  Nr.  19,  20,  21  und 
23  an  ihrem  gegenwärtigen  Platze  und  weist  andrerseits  Nr.  22 
hinter  Nr.  24  zurück. 


^)  Ich  befinde  mieh  auch  hier  in  Uebereinstimmnng  mit  Weinhold,  der 
(p.  135)  Nr.  17  gleichfalls  auf  Margaretha  bezog ;  nnr  ist  es  tot,  nicht  nach 
Nr.  1  zu  setzen. 


CXXXVII 

Der  nächste  Cyclus  umfasst  Nr.  27-  33,  die  Gedichte  nach 
dem  Tode  Glementia^s,  von  c.  1400  - 1402.  Zu  einer  Verstellung 
zeigt  sich  keine  Veranlassung^). 

Auch  die  letzten  fünf  Producte  (Nr.  34 — 38)  bleiben  in  der 
überlieferten  Ordnung.  Sie  sind  datiert  mit  Ausnahme  von  Nr.  37 : 
die  ersten  drei  entstanden  1402,  Nr.  38  erst  1414;  dazwischen  fällt 
also  eine  grosse  Lücke  mit  Nr.  37,  das  wegen  Vers  40  eher  zu 
Nr.  38  als  zu  den  vorausgegangenen  Briefen  gehört.  Man  könnte  viel- 
leicht darauf  verfallen,  die  mehr  als  zehnjährige  Lücke  durch  den 
Verlust  einiger  Gedichte  zu  erklären;  doch  spricht  38,  101  da- 
gegen, wo  Hugo  die  Gedichtarten  aufzählt,  in  welchen  er  seiner 
(dritten)  Frau  gedichtet  habe:  es  sind  die  brief^  tagwis  und  redy 
und   wir  haben  3  Briefe,   die  Tagweis  und  die  Rede  (vgl.  p.  69). 

So  hat  die  Reihenfolge  des  Originals  im  Cod.  Pal.  manche 
Aenderungen  erfahren^).  Aus  der  Art  derselben  lässt  sich  einiger- 
massen  auch  die  Absicht  vermuten,  in  welcher  man  sie  vornahm:  es 
sollten  die  gleichförmigen  Gedichte  zusammengestellt  werden.  Vor- 
aus setzte  man  die  einfachsten,  die  Reden  in  Reimpaaren,  Nr.  17 
wird  davon  ausgeschieden  und  zum  gleichgebauten  Nr.  16,  eben- 
so Nr.  15  von  den  Reimpaaren  weg  und  zu  den  strophischen  Ge- 
dichten gestellt.  Dann  folgen  die  singbaren  Lieder,  dann  die  übrigen 
strophischen  Gedichte.  Später  werden  die  Aenderungen  seltener, 
weil  eben  fast  alle  Gedichte  dieselbe  Gestalt   hatten.     Wenn  die 


*)  Nr.  27  mit  Weinhold  auf  den  Tod  der  ersten  Frau  zu  beziehen, 
geht  nicht  an,  wie  sich  aus  der  geführten  Untersuchnng  nun  von  selbst  er- 
geben wird;  dazn  klagt  der  Dichter  27,  129  —  136,  dass  ihm  durch  Sterben 
grosses  Herzeleid  geschehen  sei.  Wir  wissen  ans  dem  Zasammenhange,  dass 
er  damit  den  Tod  Clementia*s  meint.  Er  setzt  aber  hinzu:  ieh  wandt  mir 
möeht  doch  niemer  also  werden:  dasselbe  ist  ihm  also  schon  einmal  geschehen, 
womit  er  doch  nur  den  parallelen  Fall  von  Margaretha*s  Tod  meinen  kann. 
Auch  Nr.  31  wollte  Weinhold  yersetzen  und  zwar  vor  Nr.  28.  Das  darf 
ebenso  wenig  geschehen;  denn  in  Nr.  31  zählt  Hugo  seine  bisher  gemachten 
Gedichte  auf:  30  an  der  Zahl.  Stünde  Nr.  31  vor  28,  29  und  30,  wären  diese 
damals  auch  nicht  gedichtet  gewesen,  und  wir  hätten  dann  nur  27  fertige 
Producte  voraus,  also  um  3  zu  wenig.  Dazu  hat  Nr.  31  mit  32  eine 
directe  Anknüpfung:  31,  213  f.  sagt  er,  er  wolle  das  Dichten  lassen,  denn  er 
werde  nan  alt  und  besässe  nicht  mehr  die  Kraft  dazu.  Als  ihm  aber  wieder 
die  Lust  dazu  kam,  beginnt  er  das  nächste  Gedicht  (32)  mit  einem  hinmder 
heb  ieh  tiehten  cm. 

*)  Im  Texte  habe  ich  die  überlieferte  Ordnung  stehen  gelassen,  wie  auch 
andere  Editoren  in  ähnlichen  Fällen  getan  haben. 


CXXXVIII 

ganze  Anordnung  nur  mangelhaft  durchgeführt  ist,  so  kann  das 
wenig  anfiallen:  sie  war  ja  ein  Unternehmen  der  Schreiber,  die 
alles,  was  sie  anfiengen,  nur  halb  und  schlaaderhaft  durchführten, 
wie  wir  noch  genugsam  sehen  werden.  Der  Gedanke  der  Schreiber 
war  damals  nichts  weniger  als  neu :  die  Göttinger  Hs.  des  Mügeln 
z.  B  enthält  die  Lieder  nach  Tönen  geordnet^),  dasselbe  haben  die 
Hss.  Oswalds  v.  Wolkenstein  ^) ,  so  ordnete  auch  Beheim  seine 
Lieder^).  Besonders  bei  Praohthandschriften  lag  es  nahe,  durch  eine 
solche  Anordnung  die  Gleichartigkeit  und  Schönheit  zu  erhöhen^). 

Unser  Cod.  ist  also  nicht  nur  nicht  Original,  sondern  auch 
keine  treue  Abschrift  desselben.  Das  wird  noch  deutlicher  aus  der 
Untersuchung  seiner  Sprache,  wobei  uns  die  festgebundenen 
Reime  zunächst  die  Anhaltspunkte  geben,  die  ursprünglichen  Formen 
von  den  verdorbenen  der  Schreiber  loszulösen. 

In  der  Hs.  begegnet  häufiger  Wechsel  zwischen  i  und  dessen 
Gunierung  ei^  z.  B.  I,  12  meiner;  18,  125  seinem;  1,  44  dein; 
1,  2  mtn^  21  din  etc.  Die  jungem  Formen  erscheinen  in  der  Zeile 
sogar  in  der  Ueberzahl.  Allein  die  Reime  m^mleichidich  14,  43; 
dein  i  hin  (Adv.)  15,  119;  gütleich :  mich  18,  6;  bin :  sein  18, 
25;  ewenkleich  :  ich  25,  30;  subteil :  pappir  28,  593;  gentzleieh: 
mich  31,  46;  dann  schiben  :  siben  4,  75  und  die  andern  Abh. 
rv,  p.  147  aufgezählten  i :  i  beweisen  neben  den  vielen  (besonders 
bei  A)  richtig  erhaltenen  i  die  Aenderungen  der  Abschreiber.  Da 
sich  femer  kein  ei  (alt)  mit  ei  (=  i)  bindet,  so  ist  evident,  dass 
alle  ei  (=  i)  spätere  Verderbnisse  sind. 

Wie  mit  i  und  ei  so  verhält  es  sich  mit  ü  und  seiner  Gu- 
nierung au.  Wir  finden  mawr^n  :  <ra?erm  33,  49;  haue  :  aue 
33,  53;  grawaen :  tawsen  18,  257;  muren  :  trawren  3,  38  eta 
neben  klugen  :  behueen  2,  21 ;  muren  :  geburen  5,  321.  Aber 
hinauf :  gruff  12,  13;  trawren  :  creaturen  16,  58  und  der  Man- 


1)  SchrOer,  Sitz.  Ber.  der  Wiener  Akad.  55,  452. 

*)  Zingerle,  Sitz.  Ber.   64,  635. 

')  Liliencron,  Inhftlt  der  allgemeinen  Bildung  zur  Zeit  der  Scholastik  p.  35. 

^)  Aehnlich  wird  es  sich  auch  in  den  Hss.  Älterer  Minnesftnger  yerhalten, 
and  die  hier  bei  Hugo  constatierte  vielfache  Incongruenz  zwischen  der  chrono- 
logischen Reihenfolge  der  Gedichte  und  ihrer  Anordnung  nach  der  Form  (resp. 
den  Tönen)  kann  zeigen,  wie  geringe  Berechtigung  die  Ansicht  von  der  Deckung 
beider  habe,  welche  sich  neuerdings,  namentlich  bei  Walther,  breit  zu  machen 
sucht. 


CXXXIX 

gel  eines  das  jüngere  au  erhärtenden  Reimes  lassen  nicht  im  Zweifel, 
dass  wir  es  wieder  mit  einer  Aendernng  der  Schreiber  zu  tun  haben. 
Dasselbe  gilt  ffir  das  jüngere  au  (z.  B,  ffauch:auch  15,  165; 
24,  40;  haubet :  beraubet  27,  10  etc.)  ans  ou  (bei  Hugo  ^^  o,  o, 
davon  nnten),  wie  die  Renne  Ao/:  lauf  i^7,  173  und  die  richtig 
erhaltenen  geloffen :  offen  4,  194 ;  bömen :  komen  5,  96 ;  tröm :  hän 

24,  l;  irdn :  schon  31,   l  :  Idn  31,  37,  105  :  hdn   17,  29  :  Ion 

25,  201  beweisen. 

Femer  haben  die  Schreiber  für  das  ursprüngliche  ü  {=iu) 
eu,  ew  gesetzt,  z.  B.  euch  18,  31;  leuten  :  trewten  38,  82.  Die 
Reime  füreten  :  tewrsten  24,  25;  smügen  :  gezeugen  4,  133,  dann 
s^ind  :  fründ  15,  36;  füreten  :  getürsten  15,  96  belegen  aber  die 
Formen  des  Originals,  denen  man  noch  in  der  Es.  oft  genug  be- 
gegnet. 

Wir  haben  also  das  Resultat,  dass  die  Schreiber  i  in  ee,  ü 
und  ou  {6)  in  ot«,  ü  {tu)  in  eu  umsehrieben,  und  können  daraus 
den  Schluss  ziehen,  was  sie  dazu  bewogen  habe :  Hugo  sprach  den 
alem.  Di3>lekt  seiner  Heimat,  die  Schreiber  dagegen  den  bairisch- 
österreichischen  ^),  wo  diese  neuen  Diphthonge  schon  lange  gangbar 
waren,  während  sie  in  den  alemannischen  erst  gegen  Schluss  des  15. 
und  Anfang  des  16.  Jahrhunderts,  ja  vielfach  erst  noch  später 
eindrangen  (vgl.  Weinholds  MG.  §  91,  97,  117  und  AG.  §  51, 
57,  96,  99  und  131)2).  Für  die  Construction  des  Textes  ergibt  sich 
daraus  alsobersterGrundsatz:  alle  Formen,  welche  bairischen 
Charakter  tragen,  müssen  getilgt  und  die  entsprechenden  alemanni- 
schen dafür  hergestellt  werden;  alle  specifischen  Alemannismen 
dagegen  müssen  ungeändert  bleiben,  selbst  auch  dann,  wenn  sie 
bloss  grobem  mundartlichen  Erscheinungen  angehören  sollten,  ob- 
gleich man  versucht  sein  könnte  mit  Weinhold')  zu  schliessen, 
dass  Hugo,  der  gebildete  Ritter,  sich  von  solchen  fern  gehalten 
habe. 

Wir  können  nun  auch  die  bairischen  oi,  die  sich  in  der  Hs. 
für  altes  und  neben  altem  ei  finden  (z.  B.  laid  5, 13:  beraiten  17, 15) 


^)  Aujch  das  dentet  darauf,  dass  ansere  Hs.  anf  den  Pfannberger  Gütern 
entstanden  sei,  wo  Hugo  erst  seit  1402  beständigen  Hof  hielt  wie  früher  in 
Bregenz;  Tgl.  Abb.  I,  p.  52  ff. 

')  Weinholds  mittelhochd.  Gramm,  bezeichne  ich  mit  MG.,  desselben 
alem.  Gramm,  mit  AG.,  bair.  Gramm,  mit  BG. 

s)  In  den  Mitteilungen  VH,  164. 


CXL 

den  Schreibern  zur  Last  legen;  denn  sie  kamen  eben  mit  dem 
ei  (=  ^)  in  Brauch,  um  den  alten  Diphthong  vom  neuen  zu  unter- 
scheiden; vgl.  Scherer  GDS.  p.  42,  MG.  §  89,  BG.  §  64. 

Allein  das  durch  die  Reime  gewonnene  Kriterium  reicht  nicht 
aus:  es  bleiben  noch  viele,  zum  Teile  sehr  rohe  Formen,  welche 
um  diese  Zeit  dem  bair.  wie  dem  alem.  Dialekt  gemeinsam  waren, 
wobei  die  Reime,  auch  wenn  sie  zahlreicher  wären,  nichts  beweisen 
könnten,  ebensowenig  wie  die  Metrik.  Es  bliebe  in  diesen  Fällen 
nichts  übrig,  als  auf  den  Grundsatz  zurückzukommen,  den  Heinzel 
in  ähnlicher  Lage  (bei  Heinrich  v.  Melk,  Vorrede  p.  5)  aufgestellt 
hat:  bei  jeder  P'orm  der  Hs.  ist  zu  fragen,  ob  sie  in  der  Zeit 
und  in  der  Heimat  Hugo*s  möglich  gewesen.  Dieser  Grundsatz  ist 
hier  um  so  berechtigter,  je  näher  unsere  Hs.  dem  Originale  steht. 
Die  Quellen,  die  zu  Bäte  zu  ziehen,  sind  selbstverständlich  alem. 
Dichtungen  und  Urkunden  aus  dieser  Zeit.  Dabei  darf  man  sich 
freilich  einen  Nachteil  nicht  verhehlen:  Frank  hat  noch  jüngst 
mit  gutem  Grunde  betont  (Zs.  f.  d.  Altert.  XII,  34),  wie  jeder 
Dichter  seinen  eigenen  Wortschatz,  seine  eigene  Ansicht  über  die 
Zulässigkeit  einer  Form  in  der  Schriftsprache  hat.  Und  das  ist 
gerade  in  Hugo*s  Zeit,  wo  der  individuelle  Geschmack  weniger  als 
jemals  von  einem  allgemeineren  Sprach-  und  Schreibgebrauch  ein- 
geengt wurde,  besonders  zu  beachten.  Der  eine  Dichter  gestattet 
sich,  was  der  andere,  ja  oft  die  meisten  andern  meiden.  Da  wir 
nicht  von  diesem  oder  jenem  alem.  Denkmale,  sondern  nur  von  der 
Gesammtheit  derselben  das  Mass  nehmen  können,  so  ergibt  sich 
daraus  eine  Summe  von  Auswüchsen  und  Verrohungen,  aus  welcher 
sich  auch  die  misslichsten  Formen  und  Schreibungen  belegen  lassen. 

Bei  diesen  Zweifeln  wird  nun  der  oben  gegebene  Nachweis 
wichtig,  dass  Hugo^s  Gedichte  von  drei  verschiedenen  Händen  ge- 
schrieben sind,  welche,  verschieden  an  Fähigkeit  und  Fleiss,  das 
Original  mit  wechselnder  Genauigkeit  copierten,  so  in  ihren  Fehlern 
divergieren  und  sich  gegenseitig  zur  Goutrole  werden.  Das  regelt 
die  Ueberlieferung  ähnlich  so,  als  lägen  uns  drei  verschiedene 
Hss.  vor;  nur  haben  wir  statt  des  Nebeneinander  ein  Nachein- 
ander. Das  Verhältnis  lässt  sich  durch  folgendes  Bild  veran- 
schaulichen. 


CXM 


0 


A  (1—12,  12)       B  (12,  13-37)      C  (38) 

Als  Original  werden  wir  das  buoch  von  1401  anzusehen 
haben,  dessen  Entstehung  wir  ja  (p.  132)  teilweise  beobaohten 
konnten.  Von  einer  Hs.  zwischen  jener  and  der  unsrigen  erscheint 
keine  Spar.  Auch  über  die  Beschaffenheit  des  Or.  ist  einiges  zu 
ermitteln:  es  war,  wie  zu  erwarten,  im  alem.  Dial.  geschrieben, 
das  beweisen  die  vielen  noch  erhaltenen  alem.  Formen  im  Cod. 
Pal.  (vgl.  Abh.  IV)  *) ;  es  hatte  ferner  fortlaufende  Zeilen,  in  denen  nur 
Punkte  die  Verse  von  einander  trennten.  Daher  also  kommen  in 
unserer  Hs.  die  vielen  Punkte  am  Versende  (p.  113),  die  von  A,  B 
und  G  mechanisch  abgeschrieben  worden  waren,  daher  auch  die 
vielen  zusammengeschriebenen  oder  falsch  getrennten  Verse  bei 
B  und  C. 

Von  den  Schreibern  besitzt  A  den  grössten  Wert;  er  ist  der 
gebildetste  und  fleissigste,  schreibt  schöner  und  treuer:  bei  ihm 
finden  sich  unvergleichlich  mehr  ursprüngliche  i*,  6,  o  und  ü^  rich-^ 
tigere  Verwendung  der  Gonsonanten  und  weniger  Fehler  bei  Apo- 
kope,  Synkope  u.  dgl.  m.  Die  eine  Unart  aber,  die  ihm  anhaftet,  die 
diakritischen  Zeichen  über  u  (=  üy  uo  und  ue)  wegzulassen,  wird 
ihm  von  B  und  G  nachgewiesen.  So  ergeben  sich  schon  sieben 
von  den  oben  angeführten  Differenzen  der  Schreiber  als  ebenso  viele 
Arten  von  Verderbnissen,  welche  aus  dem  Texte  zu  streichen  sind, 
was  ohne  den  Nachweis  der  verschiedenen  Hände  nicht  hätte  ge- 
schehen dürfen,  da  z.  B.  die  ff,  gk^  i/,  dartzuo^  iemant,  niemant^ 
ghikfy  die  u  für  ü,  uOy  ue  etc.  in  alem.  Urk.  jener  Zeit  bereits 
za  belegen  sind.  Andere  werden  sich  bei  weiterer  Vergleichung  noch 
ergeben,  wozu  Abh.  IV  und  die  Anmerkungen  Grelegenheit  bieten. 


^)  Dafür  haben  wir  auch  eine  äussere  Stütze.  31,  183  sagt  Hago,  dass 
seine  Lieder  Bürk  Mangolt,  der  zs  Pregeniz  gsesssn  isU  componierte :  sie  sind 
daher  wohl  auch  dort  geschrieben  worden. 


cxLn 


Auch  die  Gedichte  Nr.  39  aad  40  liegen  nicht  im  Originale, 
noch  in  einer  treuen  Abschrift  vor,  wie  die  Reime  mynniglwh  : 
rychen  39,  2;  atwreifüre  {atürifür  durch  die  Melodie  geboten) 
39,  23;  strenge ;  gedreng  39,  53;  swnderjnn  ;  mynne  39,  80; 
jnnen  :  jnnen  :  mynn  39,  87 ;  trage  :  tag  :  frage  39,  101 ;  sture  : 
fuwer  40,  30;  kam  :  wamme  40,  38;  band  :  lande  40, 80;  gerne: 
entern  40,  108;  gewynnen  :  sinn  :  endrinn  40,  165  u.  a.  beweisen. 

Ich  habe  oben  (p.  123)  die  äussern  Gründe  fQr  ihre  Unecht- 
heit  angeführt,  die  Innern  vereinige  ich  mit  dem  Nachweis,  dass 
sie,  so  wie  sie  sich  bieten,  überwiegend  mitteldeutsches  G^ 
präge  haben,  was  die  Reimformen,  so  weit  diese  überhaupt  reichen, 
bestätigen. 

u^)  für  uo:zu  39,  23,  43,  54,  91;  40,  20,  30,  38, 
72,  78,  105,  107,  118,  157,  158;  zun  39,  34.  tun  39, 
12,  107;  dut  39,  30.  bust  39,  84;  drugen  39,  89;  fürt  (Praet) 

39,  40;  40,  44;  musz  40,  114,  137;  thu  39,  99,  108;  40,  111. 
muter  39,  105;  ruffent  40,  90;  gethun  :  sun  39,  83;  behut:gut: 
frutiblut  40,  51  und  besonders  noch  dartzu:ruinu:1hu  40,  107. 

u  für  üe^  iu^  üifuszen  39,  34;  gut  (=  güete)  39,  6^\  fugen 

40,  138;  gebuszen  40,  64;  tufel  39,  44,  \0%\  fuwer  39,  117; 
sture: fuwer  40,  30;  nun  {=  niun)  39,  21;  stuwer  40,  107; 
crutze  40,  155;  sunder  39,  54,  58;  sunde  39,  74 :  lunde  39, 
100;  stucken  40,  118;  für  39,  106,  *  117,  118;  40,  76  u.  a. 
dazu  der  beweisende  Reim  hulde :  sunde  40,  164,  der  in  Hngo*s 
Gedichten  kein  Analogen  hat. 

0  für  oö  :  lose  39,  44 ;  frolich  3Ö,  47 ;  zurstoren  39,  65. 

i  für  e  :  meris  39,  76;  40,  66,  96;  uszerweUis  40,  67. 
Auch  Hugo  gebraucht  i  für  ^,  aber  in  ganz  anderer  Weise,  dar- 
über in  Abh.  IV. 

i  für  ie  (MG.  §  73,  m)\  licht  39,  28,  34;  üt  39,  11; 
lichter  39,  33;  40,  66;  liplich  39,  45;  üb  39,  96,  108;  gs- 
dinet  40,  146;  dann  UU  40,  116;  hing :  entphing  40,  165  (MG. 
§  340).  Daneben  begegnet  einigemal  ie  für  i  :  hiemeUseh  39,  23 ; 
Uemels  39,  36;  40,  1;  yet  39,  112  (ycÄ<  39,  129),  die  wohl 
zu  tilgen  sind,  wie  der  Reim  vil :  ziel  40,  145  und  die  Verse 
39,  23,  69,  wo  der  Rhythmus  himel  statt  hiemel  fordert,  anzu- 


9  Von  der  Bezeichnnng  der  Länge  ist  abzusehen. 


cxmi 

deuten  scheinen.  Anders  mag  es  sich  verhalten  bei  beschrieben 
40,48;  wieder  AO,  84;  diesen  40,  116;  vgl.  darüber  Rinzel,  «der 
Janker  nnd  der  treue  Heinrich  *  p.  20.  Charakteristisch  für  das  Md. 
sind  die 

M  für  «  im  Präfix  zer :  zurstoren  39,  65;  zurbrach  40,  118; 
zurstoszen  40,   122  (MG.  §  52,  Lexer  IH,    1060)  —  ferner  die 

0  fftr  w  und  ü  :  ander  39,  120;  onderscheit  40,  13;  fcom- 
mer  40,  62;  sonn  39,  33;  sanes  39,  128;  40,  51;  gewonn  AO, 
109;  off  39,  56  (ffir  u  =  ü):  vorwar  39,  92  (MG*  §  44  und 
die  analogen  Belege  bei  Kinzel  a.  a.  0.  p.  20). 

t  in  die  Tiefe  gefärbt  bis  zu  u :  ummer  40,  110  und  114; 
öfters  erscheint  das  Wort  nicht  (MG.  §  52,  Lexer  IT,  1414). 

eu  für  öuifreud  39,  51;  freuden  39,  96;  40,  158;  dann 
auch  jungkfreulichem  39,  22,  125;  freulin  39,  88;  leuwen  40,  15 
(MG.  $  109).  Ebenso  steht  bei  Kinzel  a.  a.  0.  p.  21  freuden, 
erfreuwen. 

au  für  ou :  äugen  40,  150;  gelauffen  40,  132;  auch  39, 
29,  38,  71,  78,  87,  88,  90,  97;  40,  6,  11,  18,  22,  25,  29,  38, 
42  etc.;  aber  nur  far  ou,  ebenso  im  ^ Junker  u.  d.  treue  Heinrich* 
(Kinzel  p.  21). 

Aus  dem  Gonsonantismus : 

d  für  Mm  Anlaut:  gedieht  39,  1;  40,  85;  det  39,  4;  40, 
33,  108;  detest  39,  66;  detist  39,  72;  dott  39,  57;  40,  55, 
148;  dottsunden  39,  75;  drugen  39,  89;  erdruncken  39,  76; 
erdrenckt  40,  45;  drucken  40,  44;  drost  40,  159;  dieff  40,  96; 
dragen  40,  137  ;  dnres  40,  55 ;  drutz  40,  46. 

Daneben  steht  fA;^«<Äun  39,  83;  thu  39,  99,  108;  40,  111; 
gethon  40,  82,  125.  Beides  auch  bei  Kinzel  p.  22. 

ch  für  g  in  beweisenden  Reimen:  durchluchtlch : sich  39,  15; 
lach  :  manigfaxih  40,  96;  daher  auch  slach  :  gemach  40,  131  (MG. 
p.  190);  dazu  in  der  Zeile  manche  40,  12;  manchen  100;  m^n" 
eher  120.    Dasselbe  bei  Kinzel  p.  23. 

Endlich  noch^)  der  Reim  ^  (=^vlShe):me  39,  73  (derselbe 
auch  bei  Müglein,  Fab.    12,  11),   der   nach  Wagner,  Mönch   von 


*)  Die  €  für  ae,  die  Apokopen  des  n  {kyrieleiso{n)  :  fro ;  do  39,  50 ; 
volhr%ng6{n)  :  ttimme  39,  11  ;  </U«(n):  nu;  ru  40,  111,  ti(n)  :hi  114  werden 
auch  bei  md.  Denkm.  häufig  hervorgehoben ;  Tgl.  Wagner  (MOnch  y.  H.)  p.  2  und 
23.    Aach  der  Beim  t:6i  39,  28  ist  in  dieser  Zeit  nicht  auffaUend  (KG.  %Q^\. 


CXIJV 

Heilbroon  ^QF.  XV,  19)  md.  ist.  Aosseidem  TgL  Ao  (:  cb)  40» 
36;  seihe) : ffe$chee  40,  151  and  hoeu  4C>,  58. 

Es  tat  meioer  Meinang  keinen  erhebliehen  Eintng,  wenn 
einzelne  Formen  in  dieser  Zeit  auch  in  andern  Dialekten  za 
finden  rind;  denn  sie  stützt  sidi  auf  die  grosse  Somme  derselben, 
welche  bei  so  geringer  Verszahl  in  einem  nicht  md.  Denkmal 
kaom  wird  nachgewiesen  werden  können.  Manche  wird  überdies 
noch  der  Schreiber,  den  ich  wie  auch  meine  VcM^anger  für  einen 
Alemannen  halte'),  beseitigt  haben;  so  lasst  sich  direct  zeigen, 
wie  er  Umlaatzeichen  gegen  das  Or.  einsetzte,  39,  45  z.  B. 
steht  schon  (Ady.)  :  krön  (corona);  40,  42  schreibt  er  9ü$z 
(=  sus);  39,  65  zürstoren  o.  a.;  besonders  beachtenswert  ist  der 
Schnörkel  über  dem  u  in  atruchen  40,  128,  wo  an  ein  struochm 
oder  strueehen  nicht  zu  denken,  and  der  deswegen  als  der  D-Strich 
der  jungem  Correntschrift  za  erklären  ist,  welche  damit  das  u  (als  u) 
Yom  n  anterscheidet  (vgl.  darüber  Wölker,  Franko  Stadtdialekt,  m 
PB.  Beitr.  IV,  25,  and  Weizsäcker,  deatsdie  Beichstagsacte,  EinL 
p.  76).  So  wird  es  sich  aach  in  andern  Fällen  yerhalten,  and 
wenn  40,  107  die  Reime  darUu :  rü :  nü :  (hu  erscheinen,  so  wird 
man  neben  den  vielen  andern  u  =  tio  der  Hs.  nidit  ein  guzruo: 
nuoithv,  sondern  vielmehr  einen  Beleg  für  ru:nu  za  oonstatieren 
haben,  zamal  in  der  Zeile  überall  nu  za  erblidLen  ist.  Für 
die  kurzen  ü  hat  schon  Weinhold,  aaf  den  Beim  hulde  sumde 
40,  164  gestützt,  u  gesetzt. 

Nr.  39  and  40  in  die  Sprache  irgend  einer  md.  Hs.  des  14. 
oder  15.  Jahrhunderts  umzuschreiben,  wird  mir  niemand  zumuten. 


1)  Was  sich  leicht  erklärt,  da  der  Cod.  jedenfalls  in  den  Händen  Ton 
Hogo*s  Nachkommen  war,  welche  von  ihm  anch  die  Bregenzer  Besitzungen 
geerbt  hatten. 


IV.  SPEACHE. 

^Zwischen  meiner  Darstellung  des  Mittel-  und  Neuhoch- 
deutschen wird  eine  Lücke  empfindlich  sein ;  manigfaltige  Ueber- 
gänge  und  Abstufungen  hätten  sich  aus  den  Schriften  des  rier- 
zehnten  so  wie  der  drei  folgenden  Jahrhunderte  sammeln  und 
erläutern  lassen  .  .  .  Die  Schriftsteller  dieser  Zwischenzeit  Ter- 
grobem  stufenweise  die  frühere  Sprachregel  und  überlassen  sich 
sorglos  den  Einmischungen  landschaftlicher  gemeiner  Mundart; 
oft  weiss  man  nicht,  ob  ihre  Besonderheit  von  der  alten  reinen 
Sprache  her  übrig  geblieben  oder  aas  dem  Gebiete  des  Volks- 
dialektes  eingedrungen  ist.  Genügende  Darstellungen  solcher 
Besonderheiten  würden  weitläufüge  Anstalten  und  Erörterungen 
▼erlangen.  Vielleicht  dass  andere  nach  und  nach  die  gar  nicht 
nnanziehende  Arbeit  Tornehmen,  ich  meine,  alle  Grammatikalien 
jeder  herrorragenden  Masse    sorgfältiger  Prüfung  wert  halten'^. 

Deutsche  Gramm.  1*,  X — Xf. 

Diese  Worte  Jakob  Grimms  stellte  ich  als  Motto  voran,  weil 
sie  karz  und  klar  den  Standpunkt  bezeichnen,  welcher  in  der  fol- 
genden Abhandlang  einzanehmen  ist:  die  sprachlichen  Erscheinun- 
gen unseres  Denkmals  sind  zu  befragen  nach  ihrer  Stellung  zwischen 
dem  Mittel-  und  Neuhochdeutschen  einerseits  und  zur  Mundart  des 
Dichters  andrerseits.  In  beiden  Fällen  also  bleibt  das  gute  Mittel- 
hochdeutsch Ausgangspunkt  der  Untersuchung. 

Jede  neue  Sprachperiode  beginnt  mit  einer  Verrückung  der 
Quantität,  so  auch  der  Uebergang  vom  Mittel-  zum  Neuhoch- 
deutschen :  hochbetonte  kurze  Stammsilben  werden  in  Folge  der 
Acoentuierung  lang,  was  sich  durch  Längung  des  die  Wurzel 
schliessenden  Ck)nsonanten  oder  durch  Dehnung  der  alten  Vocal- 
ktlrze  bewerkstelligt^). 


A)  Grimm,  Gr.  I*,  14  f.;  Scherer,  GDS.*  76  f.;  Bückert,  Geschichte  der 
nhd.  Schriftspr.  I,  200  ff.,  und  Koberstein :  Ueber  die  Sprache  Suchenwirts  I,  12 
und  20;  neuerdings  hat  Seemüller  in  der  Zs.  für  Osterreichische  Gymnasien 
XXXI,  327  ff.  eingehend  darüber  gehandelt. 

Wackernell,  Montfort.  \^ 


CXLVI 

Die  Längung  der  Consonanten  erscheint  bei  Hago  schon 
vielfach  gegen  mhd.  Gebrauch,  am  häufigsten  die  von  f,  welches 
zaerst  in  die  neue  Entwicklung  eintrat  [im  Wolfd.  D  z.  B.  begegnet 
nur  t;  vgl.  DHB.IV,  Einl.XI,  ebenso  bei  Heinz.  (Pfeiffer  ML.  509)]: 
Htten :  vermitten  2,  IT '.bitten  21,  19;  erlitten  12,  2A: gestritten  28, 
696  :  zerritten  33,  12;  geritten  2,  97  ;  gelitten  4,  163;  verbotten 
19,  26;Jcrotten  28,  121;  potten  4,  134;  gottes  4,  181;  göttUch 
4,  54,  141;  abgötten  24,  39;  gott  3,  1;  12,  19;  14,  2;  ettlich  5, 
249;  vatter  4,  102;  14,  l;Aö«  24,  10;  hetäet  15,  15;  haU(e) 
15,  85;  18,  13.  —  Weiter  grappen  2,  142;  truffeni  5,  67; 
frummen  28,  83;  38,  84,  88  :  «^mm^n  38,  79;  schammen : 
lammen  2,  65;  nammen  18,  95;  m'mm  14,  40.;  38,  148;  sinn 
18,  145;  sollen  27,  42;  28,  332;  31,  191;  soll  15,  7?  «ö7Ä(jä 
17,  50;  nachtgall  15,  166;  28,  632  u.  a.  —  Auch  nach 
langem  Yocal  kann  Gemination  des  Consonanten  eintreten,  be- 
sonders bei/*),  s  und  ^,  so  in  straffen  :  geschaffen  30,  67;  wdffen  : 
gescUaffen  15,  4;  schlaffen  32,  100;  38,  104.;  Zcfo^en  35,  26; 
^rre/m  2,  137;  |V2/en  16,  49;  strdff  18,  151;  ö/  1,  5  u.  ofu 
lassen  28,  b6b:  Strassen  28,  222,  230;  33,  6;  35,  28;  (gwissen:) 
verbissen  15,  lb4  :  bissen  18,  132  u.  a.  schozz  2,  20;  ma;2^^ 
2,  107;  gruezz  3,  1 ;  gruozz  6,  1  etc.;  seltener  bei  t: statt  12, 
12  oder  p :  wappen  2,  141. 

Die  Dehnung  des  Vocals  hat  Hugo  nodi  nirgend  nach 
nhd.  Weise  bezeichnet;  dass  sie  aber  gleichwohl  schon  vielfach 
eingetreten  ist,  ergibt  sich  aus  den  Reimen  zwischen  langem  und 
kurzem  VocaP). 

a :  d  vor  n  in  gewan :  wdn  1,  14 ;  gan :  bestdn  2,  79 ;  pan :  hdn 
2,  Ol;  an:  hdn  3,  41;   10,  4;  kan  (=kam):hdn  4»  85;  tan: 


^)  Kann  auch  zusammenhängen  mit  der  geschärften  Aussprache  dieses 
/  im  alemannischen  and  in  den  verwandten  Dialekten,  Tgl.  Hunziker,  Aar- 
gauer  Wörterbuch  (1877)  LXVIU  f.  Es  ist  irrig,  wenn  man  in  der  Doppel- 
consonanz  nur  das  Zeichen  für  die  Kürze  des  Yorausgehenden  Yocals  erblicken 
wiU,  Tgl.  Liliencron,  historische  Volkslieder  II,  Einl.  YI,  Yll ;  Uhland,  alte 
hoch-  und  niederdeutsche  Volkslieder  T.  Bd.,  II  Teil,  p.  994.  Aber  ofen :  ^ 
loffen  4,  193;  kof:lof  5,  307;  wappen :  grappen  2,  141  u.  a.  werden  auch 
bei    Hugo  die  Yocalkürzung  bezeichnen. 

')  Ich  stelle  hier  sämmtliche  Reime  mit  Terschiedener  YocalquantitAt, 
auch  die  einsilbigen,  zusammen,  um  nicht  noch  einmal  darauf  zurückkommen 
zu  müssen ;  Weinhold  (AG.  p.  34  u.  ö.)  verwendet  übrigens  mit  Becht  aueh  die 
letztern  als  Belege  für  die  Dehnung  früherer  Kürzen. 


€samx 

hestdn  5,  78;  man:ldn  5,  91  :  hdn  5,  102;  daran  ihdn  5,  323; 
gram  :  hin  14,  37;  anipldn  16,  5;  gmän :  Idn  17,  46;  man: 
getdn  25,  b^ihdn  25,  110;  kan  :  atdn  25,  187;  aniheatdn  S& 
165  and  im  coosoaaHtisch  angenanen  Reime  han  :  hdt  3,  33. 

vor  r  in  war  :  cldr  16,  37;  schar  \zwdr  18,  177. 

vor  g  und/  in  getragen ;  wdgen  5, 7  5 ;  geschaffen :  strdffen  30, 66. 

e:^  vor  n  in  (;?aWn  (Dat.)  :  schin  2,  127;  ftm.'«2n  (€««e)  13, 
b:din  15,  119;  18,  162  :  (n  (Acc)  5,  376;  daMn  :  «cÄ^n  18,  6; 
hin  :  scMn  18,  21  :  stn  18,  25. 

Die  componierten  -rM  und  -/l!c&  werden  im  Reime  verkürzt : 
sich  :  loblich  2,  95  :  glich  4,  184;  micft  :  wilUklich  1,  88:^u«^/ioi& 
18,  6  :  gentzlich  31,  46;  ef/cA  :  man22(;%  14,  44;  ich  :  eweMich 
25,  29;  zweifelhaft  sind  ewenklich :  himelrich  4,  157;  tugentlich: 
glich  3,  l^ignadenrich  2,  46  a.  a.;  auch  seldenrichen :  ewenklichen 
4,  169;  riehen :  sicherlichen  13,  36;  auf  Länge  reimen  wichen  (InH): 
hostberlichen  28,  b2b :  gewaltddicJien  31,  69  (vgl.  Jänicke,  DHB. 
IV,  Einl.  VII;  altd.  Stud.  p.  58,  und  Weinhold,  MG.  6  16). 

vor  b  in  siben :  schtben  4,  75. 

vor  SS  (z)  in  gewissen :  verbissen   15,  154 ;  ftmeti  18,  130. 

«;^  vor  r  in  ner :  Sr  24, 142 ;  34,  13 ;  nerttunverkirl  27, 57.  — 
herriir  15,  142;  27,  177  neben  herr:mer  (mare)  22^  Sl :  swer 
(Praes.  Ind.)  32,  14 :  verr  28,  253,  vgl.  Zupitza,  Virginal  (DHB. 
V)  p.  14,  und  Weinhold,  MG.  S  64.  werren  (=  ic;em) :  kSren 
7,  18;  wi?rw;rfrm  15,  28;  18,  53;  25,  117;  28,  89;  34,  54: 
verkSren  28,  438  (vgl.  Anm.  zur  Stelle) ;  sweren  :  iren  33,  2 : 
verkiren  35,  14;  m^re  (mare) :  ire  18,  222;  dann  wieder  herre:Sre 
28,  721;  herren:m4ren  20,  13;  32,  2,  85,  158  neben  herren: 
werren  5,  223,  249;  28,  IGbiverren  27,  234;  28,  361,  665.  — 
versten:Mrsten  38,  53. 

vor  Ain  zeheniUhen  31,  165.  Von  ungleicher  Quantität  sind 
auch  die 

e  ;  ae  vor  r  in  marter  CswSr  27,  206  :  fecAf^r  5,  383. 

vor  h  in  geschlecht :  ^cA^  (=  o^A^e)  33,  145. 

u  :  ü  vor  /  in  gruff :  hinüff  12,   13. 

0  :  6  vor  r  in  or< ;  geMrt  2,  123 ;  wort :  ^rAor^  2,  139.  ^— 
verloren  :  ^^r«w  4,  153;  33,  141. 

vor  n  in  davon  :  Salamdn  33,  26 ;  kon  *)  ;  zelön  8,  1 1. 


^)  Ich  habe  kon  nach  Jänicke  (Zs  f.  d.  A.  17,  506  und  altd.  &t>\iA,  ^^\ 


oxLvm 

vor  m  in  komen  :  bomen  (=^  boumen)  5,  95  (vgl.  p.  155). 

vor  ch  in  doch  :  hoch  30,  53.  Hieher  gehören  auch  die  dia- 
lektischen 

a  :  0  vor  nm  an  (Adv.)  :  schön  17,  53,  ebenso  wie  die 

0  :  ä  vor  n  in  kon  :  hän  13,  9;  davon  :  getan  18,  11. 
0  :  d  steht  also  nur  vor  n  wie  im  Wolfdietrich  D;  vgl.  Jänicke 
DHB.  IV,  Ein].  VIL 

Von  den  angefahrten  Reimen  bezeugen  besonders  die  zwei- 
silbigen mit  offener  Paen  ultima  wie  wer^fh^  zehen^  siben^  verloren, 
komen  etc.  die  eingetretene  Längnng  des  Yocals  in  der  Beden- 
tangssilbe gegen  mhd.  Gebrauch  (vgl.  Jänicke  DHB.  IV,  Eml.  XI; 
Kummer  zu  Herrand  2,  315). 

Ein  anderer  Beweis  dafür  ist  aus  der  Metrik  zu  holen :  zwei- 
silbig stumpfe  Reime  sind  klingend  geworden  wie  die  mit  nrsprüng- 
lich  langer  Paenultima.  So  werden  im  Liede  Nr.  6  vergeben : 
leben  10,  sehen :  besehehen  39  ebenso  klingend  gebraucht  wie 
sunnen  :  zerunnen  2,  muote  :  guote  6,  wenkhen  :  gedenkhen  18, 
logen  :  Sgen  31,  gemessen  :  vergessen  35. 

Es  genügt  hier  vorläufig,  diese  neue  Erscheinung  nachgewiesen 
zu  haben;  näJheres  darüber  bei  der  MetriL 

Die  Länge  des  betonten,  ursprünglich  kurzen  Stammvocals 
ist  noch  nirgend  nach  nhd.  Weise  dem  Auge  sichtbar  gemacht^) 
und  erhellt  nur  daraus,  dass  ihm  nun  die  Wirkungen  des  kur- 
zen Vocals  entzogen,  die  des  langen  beigelegt  werden  (Grimm, 
Gramm.  P,  213). 

„Das  Verblassen  der  Ableitungs-  und  Flexionsvocale  beruht 
auf  ihrer  Tonschwäche,  auf  ihrem  Piano,  resp.  auf  dem  Forte  der 
Wurzelsilbe  •  (Scherer  GDS.'-^  76  f.  und  88).  So  förderte  die 
Tonstärke  der  Bedeutungssilbe  die  Ausbreitung  von  Apokope 
undSynkope.  Hugo  gebraucht  die  erstere  in  weitem  Um£Einge: 
(ich)  sag:  tag  2,  47;   10,  2;   18,  135;  28,  631;  29,  84;  tag 


als  Kürze  angesetzt;  für  die  Zeit  Eeinfrids  und  Staufenbergs  ist  sie  sicher, 
aber  in  der  Hugo*s  scheint  bereits  Dehnung  eingetreten  zn  sein,  denn  er  reimt 
es  beidemal  nur  auf  langen  Vocal,  ebenso  das  Netz  auf  Rom  5391  ,  iuon 
9137,  lön  9265,  stdn  10212  und  nur  9523  Skufdarvon;  in  der  heutigen  Aas- 
sprache nur  kön,  ko. 

^)  Das  geschah  sehr  langsam  und  vielfach  auch  gar  nicht.  Wir  schreiben 
z.  B.   heute  noch   nicht  leesen   oder   lehsen,   obgleich    wir  so  sprechen     (Tgl. 
darüber  Seemüller  a.  a.  0.). 


GXLIX 

(Dat)  :  lag  25,  1 ;  got  (Dat) :  apot  26,  57 ;  gebot  (Gen.  PL)  ;  got 
28,  641. 

gehott  (Dat.)  :  gott  1,  16;  27,  187;  30,  40;  38,  159;  spott 
(Dat.):  gott  28,  729:  gott  (Dat)  3,  f)4;  «ed  (Aca):  foid  (Dat)  3, 
17 ;  gedrän :  schön  (Adv.)  3,  29 ;  rind  (Dat.) :  feind  4, 95 ;  minn :  sinn 
(Nom.)  4,  141;  5,  215.  —  il  (Dat)  :  pM  4,  11  und  angesicht 
(Dat.)  :  eniüicht  A,  181    sind  zweifelhaft   (vgl.  Äbh.  V).  Ai :  hdn 

4,  185;    wdW   (Acc.):    baCd   (Adv.)  5,   63;  vorcA^ :  v^worcA« 

5,  127;  drdtihdt  5,  141;  gephandiUmd  (Dat.)  5,  239;  ve«<: 
^w<  (Gen.  PI.)  23,  41;  puoss  :  muoss  5,  27b:gruoss  17,  25;  rdt 
(Dat.)  :  Ad^  5,  280;  miet :  scUet  5,  351;  schön  (Adv.)  :  Zon  15, 
112;  28,  289,  633  :  trön  25,  179;  Orient :  benent  16,  2:sent 
23,  24;  guot  (Dat.)  :  mwof  (Aoc.)  15,  22;  ßisz  {Da,t):msz 
(albus)  16,  21;  rieh  (D^t.)  :  tugentUch  17,  37;  w/ie^  :  hrieg 
18,  61;  ewd;«(jA«w*  18,  117;  sitt  :  nitt  18,  141;  ^'oM  (Dat) 
isold  18,  242;  muo«  (D^t.)  :  guot  20,  18  :  Wwo«  27,  202; 
ßiss  (Dat)  :  t«;w«  21,  15;  23,  19  ;  ussgang  (Dat.) :  anefang  22, 
23 ;  huot :  ^«mwo^  23,  32  :  pluot  28,  684  :  guot  29 ,  86,  102 ; 
30,  97,  109;  31,  249;  32,  18;  33,  117;  grimer  24,  98; 
list  (Dat)  :  ist  24,  113;  list  (Nom.  PI.)  :  bist  27,  22;  üb  (Dat): 
«i^'ft  25,  89,  151;  37,  53;  bluot:huot  (Dat)  30,  106;  sach: 
ach  26,  37;  27,  117;  33,  122;  sinn  (Gen.  Fl)  iMniginn  27, 
158;  leid  (Dat) : /römtfcrf«  28,  382;  swer  (J)a,t.)  :  marter  27, 
206;  «^^n  (Plur.) ;  erschein  28,  5;  gemach  (Dat) :  tooA  28,  54; 
schimpf  (Dat)  igeUmpf  28,  170;  flrmi  (Adv.) :  ^r^mi  28,  637  :  en- 
bem  29,  97;  sei  :  mer  28,  214;  ewangeUst  (Gen.  PL)  :  ist 
28,  524;  tocA  (Dat):(^)  sach  28,  569;  (wA)  leist :  geist  28, 
677;  ^rÄi  (Dat.)  :  Idn  31,  37,  105;  woü  (Praet)  iMangolt  31, 
181;  krön: Ion  31,  225;  (ecA)  «raoA<:macA«  32,  151;  huldige- 
duld  33,  34;  (icA)  «rii> ;  w;«^  36,  13;  lieb  (Dat.)  :  dieb  38,  30. 
Das  ist  eine  grosse  Zahl  zum  Teile  sehr  starker  Apokopen,  wovon 
noch  mehrere  wie  strass  :  mäss  6,  365;  behend  :  end  4,  167; 
Sünder  :  du  geber  21  y  166  u.  dgl.,  die  nach  Hugo's  Metrik  auch 
klingend  gewesen  sein  könnten,  weggeblieben  sind. 

Sparsamer  und  vorsichtiger  aber  war  er  beim  Gebrauche  der 
Synkopen  im  Reime.  Es  können  angeführt  werden:  fluJcht :  ge- 
drukt  5,  41;  schamptiampt  5,  361;  verhangt :  schand  15,  68; 
Orient :  benent  16,  2;  ernst  :  gemst  18,  18;  28,  589;  33,  14; 
hopt:brobt  25,   199  (27,    10  höbet :  berobet);  unverhert :  nert 


GL 

27,  57 ;  sagst  :  mögt  28,  413  (neben  magef) ;  fürgesetzt :  ^fate^ 
31,  17;  auch  saphim  :  spim  28,  461,  wo  aber  klingender  Reim 
nicht  unmöglich  wäre.  Häufiger  und  schwerer  sind  die  Synkopen 
innerhalb  der  Zeile;  näheres  darüber  bei  der  Metrik. 

Die  letzte  Frage,  welche  sich  an  die  Quantitätsänderungen 
knüpft,  ist  die  nach  den  Längezeichen.  Sie  ohne  weiteres 
nach  mhd.  Gebrauche  zu  setzen,  wird  nach  dem,  was  wir  gehört, 
unmöglich;  Weinhold  hat  sie  daher  ganz  abgetan:  »die  Bezeich- 
nung deif  Längen  habe  ich  für  unstatthaft  bei  einem  Schriftwerke 
dieser  Zeit  gehalten*  (a.  a.  0.  164).  Aber  auch  hier  kann  nur 
die  üeberlieferung  entscheiden:  alle'  drei  Schreiber  A,  B  und  C 
gebrauchen  sie,  was  kaum  der  Fall  sein  würde,  wenn  sie  im  Ori- 
ginale ganz  gefehlt  hätten;  daizu  lassen  Wörter  wie  Se  (ehe)  17,  3; 
Se  (Sub8t.):wf^  25,  37,  71,  101;  Ser  15,?  144;  deiner  1,  55; 
zeU  2,  40;  trdwrig  2,  24;  trdwren  2,  36;  schryen  15,  4;  \m«^- 
fel  18y  202;  ^  28,  138;  kostherUtchm  28,  57  u.  a.  auf  die 
ursprünglichen  ^,  ^r,  diner^  zity  trärig  . . .  schliessen.  Auch  in 
den  Bregenzer  Urkunden  Hugo's  werden  sie  noch  gebraucht,  vgl. 
z  B.  m  der  ürk.  G  bei  Bergmann  (Sitz.  Ber.  IX,  846  f)  rdU  K 
gUy  jdr  (consequent),  jdre^  wdrem,  wtse. 

In  keinem  Falle  also  werden  die  überlieferten  Längezeichen 
ganz  yernachlässigt  werden  dürfen ;  aber  offen  bleibt  die  Frage,  in 
welchem  Umfange  sie  anzuwenden  seien.  Die  Schreiber  gebrauchen 
sie  ohne  Oonsequenz  und  in  ganz  verschiedenem  Masse  ^).  Ich  be- 
gnügte mich  damit,  bei  der  Üeberlieferung  stehen  zu  bleiben^). 
So  begegnen  im  Texte  freilich  stn  {esse)  und  Wn,  bald  dn  {dM)t 
bald  ani  oder  Reime  wie  wdffen  \  gescUaffen  15,  4;  'sdmen: 
amen  26,  42  u.  a.  Aber  vielleicht  ist  gerade'  dieses  Durcheinander 
für  die  Uebergangsperi6de  charakteristisch.    Zeigen  doch  Reime  wie 


^)  A  schreibt  das  Lftnifezeithen  auch  über  WOrter,  wo  lie  das  Hhd. 
nicht  kannte,  Tgl.  p.  117;  bei  <i  in  düreh  1,  11;  k&nii  11,  20;  iiündzgnikmd 
3,  62;  früm  5,  114.  stünden : fünden  2,  23;  iünnen :  zerünnen  6,  2;  kümer 
10,  26  kann  das  Hftuptehen  auch  das  Schriftzeichen  sein,  das  znr  Unter- 
scheidung des  u  Tom  li  rerwendet  wurde.  (Tgl.  Weizsäcker,  Deutsch.  Reichstags- 
acte,  Vörw.  p.  76,  und  Abb.  III,  p.  144). 

*)  W&re  es  rieUeicht  angezeigter  gewesen,  alle  jene  Wörter,  die  dnmal 
mit  Lftngezeichen  erscheinen,  durchweg  mit  demselben  zu  rerbinden  ?  Doch  kftme 
auch  dieser  Grundsatz  durch  Reime  wie  körnen :  bömen ,  wappen :  grdppen^ 
lauen :  tehldfen  u.  a.  ins  Gedränge ;  Tgl.  auch  TJhland,  alte  hoch-  und  nieder* 
äeutache  Yolksl.  I,  2,  987  und  988. 


dl 

strafen :  geschaffen  30,  66,   wie  altes  und  neaes  Spraobmaterial 
neben  einander  venrendet  wird. 

L  Toeaüsmns. 

a.  Die  einfachen  Yocale  mit  ihren  Umlaaten^). 

a.  Der  Umfang  des  a  wird  beschränkt  dnrch  seinen  Umlaut  e. 
Schwanken  zwischen  beiden  begegnet  häufig  (vgl.  Weinholds  A6. 
S  10,  aber  dazu  noch  Birliuger,  die  alemannische  Sprache^)  p.  50) : 
betrachte  :  machte  (Dat.)  32,  33  neben  ende  :  hende  (Dat)  4,  173; 
im  Versinnern  :  mwaUch  14,  43;  menlich  17,  24.  mang  24,  20; 
31,  60;  mm^  7,  28;  18,  66.  enher  (ancora)  13,  12;  ankel  24, 
112.  —  eüü  15,  16;  27,  11;  ellweg  27,  142;  allweg  25,  113; 
eUe  ding  25,  83  (M6.  p.  28),  meist  alle,  niemals  ein  allü.  Auf- 
fallend ist  der  Umlaut  in  ritterecheft  (Nom.  Sing.) :  hreft  (Dat.  Sing.) 
2,  28;  Prof  Heinzel  erblickte  darin  analogische  Flexionsbildung, 
was  die  Form  in  die  Declination  verweist 

a  för  mhd.  e  in  unbetonten  Silben  :  crietanlicher  29,  165; 
crista^  5,  104,  106,  126;  28,  149,  514;  29,  114  (wobei  an  m- 
stiamiB  zu  denken);  ausserdem  ital  16,  19,  43;  hindan  24,  95  (zu 
ahd.  ttaly  hintana),  wo  die  Mundart  den  alten  Vocal  bewahrt  hat. 
Das  a  in  bariüen  2,  87;  28,  558;  paginen  29,  146  erklärt  die 
mundartliche  offene  Aussprache  des  e  (AG.  S  10).  Ein  Reimbeleg 
steht  den  angezählten  Formen  nicht  zur  Seite,  gleichwohl  können 
sie  dem  Original  zugeschrieben  werden;  denn  sie  finden  sich  auch 
im  Reinfrid,  wo  sie  Bartsch  mit  Unrecht  tilgte  (vgl.  Jänicke,  Zs. 
f.  d.  A.  17,  506),  im  B.  d.  Rügen :  crisfan  324,  1009,  und  häufig 
in  dem  unserm  Dichter  zeitlich  und  örtlich  nahe  stehenden  «des 
Teufels  JUetz"  :  hindan  719,  1135,  1539;  crietan  1000,  1452; 
cristanUcher  2623;  Unnan  :  gan  2101;  bagina  5939;  ital  9735. 
Unechtes  a  für  ^  in  ecUacht  (=  slM)  :  macht  (Nom.  S.) 
15,  66  (diesen  Beleg  hat  auch  die  AG.  p.  16)  neben  dem  gebräuch- 
lichen ecUeht  (;  recht)  29,  95. 


*)  Es  schien  am  einfachston  und  meinem  Zwecke  wohl  entsprechend,  in 
der  Anordnung  der  Yocale  und  Consonanten  Weinholds  mittelhochdeutscher 
Gramm,  zu  folgen;  nur  habe  ich  die  langen  Yocale  zu  den  kurzen  gestellt, 
Tgl.  Boediger  im  Anz.  f.  d.  A.  YI. 

*)  leb  gebraaofa6  weiterhin  dafilr  die  Abkürzung  BirU  A8. 


GLn 

Das  a  für  o  in  Saiamon  11,  22;  15,  64;  24,  37;  27, 121; 
33,  26  wird  aas  vocalisoher  ADgleichung  zu  erklären  sein. 

Kurzes  und  langes  a  warde  verdumpft  und  auf  o,  o,  6  (=  ou) 
gereimt: 

a  :  0  in  i«;ard  ;  hört  18,  70;  tc^ar^m  :  porten  28,  194,  394*). 

a  :  ^  in  an  (Adv.)  :  schön  17,  53. 

^  :  0  in  getan  :  davon  18,  9;  Jiän  :  feon  13,  9. 

d:6  in  ^Z^n  :  schon  18,  13;  Z^n  :  schön  20,  45;  <!fo» :  schon 
28,  197,  397;  getan  :  Ion  25,  145,  197;  bestdn  :  Salamön  11,  22; 
«tfAon  :  972^n  12,  4  :  gestdn  14,  9  :  bestdn  31,  59. 

^  :  0  (=  ou)  Idn  :  fron  (=  ^owm)  31,  37,  105;  hdnitrön 
17, 29;  24,  1.  Diese  Reime  also  nur  vor  n  und  vielleicht  auoh  vor  r: 
sie  bezeichnen  den  zwischen  a  und  o  stehenden  Mittellaut  a;  daher 
setzt  unsere  Hs.  in  den  Reimen  noch  nicht  das  o,  welches  in  der 
rohern  Geschäftsspraohe  schon  häufig  ist,  sondern  hält  für  das 
Auge  wenigstens  noch  den  ursprünglichen  Yocal  fest:  „a  ist  auf 
dem  Wege  zu  o  ** ;  eine  Ausnahme  macht  nur  gedrön :  schon  3,  29, 
das  aber  nach  den  andern  Fällen  zu  behandeln  sein  wird.  Auoh  in 
der  Zeile  bleibt  a  erhalten  ausser  einigen  won  {=  w(m\  welche 
bei  A  nur  zweimal,  etwas  öfter  bei  B  zu  finden  sind^). 

e.  Der  Unterschied  zwischen  e  und  ^  wird  nicht  beachtet: 
weit :  kelt  19,  25  :  ungezelt  2,  44;  west :  vest  28,  534. 

Aehnlich  wie  a  zum  Umlaut  e  so  verhält  sich  ^  zu  i;  es 
begegnen  die  Doppelformen  heger  :  daher  28 ,  626 ;  hegir  :  mir 
24,  134;  28,  256;  gir  :  mir  5,  359;  27,  8;  aber  nur  hil/e  25, 
27,  38,  60  und  scheff  13,  2,  10. 

Neue  e  entstanden  durch  Schwächung  oder  vocalische  Assimi- 
lation in  unbetonten  Silben,  und  zwar 

für  i  in  Orelus  15,  95;  Serenen  33,  24; 

für  ü  in  verguot  18,  205  (dasselbe  bei  Boner  25,  60);  ver- 

nichtie)  28,  674;  29,  11;  32,  150; 


^)  Yielleicht  könnte  man  bei  diesen  Beimen  auch  umgekehrt  an  die 
Aussprache  des  o  =  a  denken,  ja  die  A6.  führt  p.  16  aus  Montf.  wart : 
hört  18,  70  geradezu  als  Beleg  dafür  an.  Doch  ist  das  jedenfalls  sehr  zwei- 
felhaft :  aus  Hugo*s  alem.  Urkunden  habe  ich  keinen  Beleg  dafür  rerzeichnet, 
auch  die  Reime  Sachsenheims  (bei  Martin  p.  40   ff.)  zeigen  nichts  derartiges. 

*)  Danach  ist  der  Reim  gHön :  lön^  welchen  die  MO.  p.  70  aus  Hugo  an- 
führt, zu  berichtigen  (die  Hs.  zeigt  getan)  und  in  der  AG.  p.  27  die  Bemer- 
knn^,  dass  bei  Montf.  durchgehends  won  stehe,  zu  streichen. 


oun 

mr  u  in  Titterei  15,  160;  18.  200; 

für  a  in  der  Gomposition  nietnen  (:  schUemen)  27,  114,  sonst 

durchweg  nieman\ 

für  ei  in  enander  27,  35;  31,  57;  33,  118  (dasselbe  im  Netz 
1541  a.  ö.)  and  in  dem  schon  häufiger  gewordenen  Pehem  5,  239 
(bei  Suchenwirt  u.  a.  noch  oft  Beheim). 

Die  grösste  Ausbreitung  gewann  e  dadurch,  dass  es  für  die 
iu  der  Endungen  eintrat,  was  bei  Hugo  schon  meist  geschehen  ist 
{die  :  Me  26,  17),  so  dass  ich  nur  die  Fälle  mit  den  altem  Endun- 
gen aufzuzählen  brauche:  du  4,  182;  5,  18,  256;  18,  53;  28, 
469,  482,  609,  614;  ferner  die  Adjectiva  :  zaa^tü  frow  1,  39; 
sueaeü  wort  5,  313;  ellü  hfingrich  15,  16;  selgü  wih  24,  69; 
ellü  Tcurhst  27,  11;  edl%  etoltzi  mögt  28,  413  (vgl.  die  Anmer- 
kung zu  4,  182). 

Endlich  erscheint  e  unorganisch  am  Wortende  (Birl.  AS.  p. 
53)  in  wihe  (Nom.  PI):  Hhe  (Dat  S.)  38,  34;  heiU  (Acc.  S.): 
teile  37,  49;  ze  guoteimuote  (Acc.)  6,  26;  vür  nichte :  achUchte 
29,  2;  32,  150.  Auch  das  Wiederhervortreten  der  alten  Form 
vnere  (mare):Sre  18,  222  kann  damit  zusammenhängen. 

Der  Umlaut  von  d  war  ae;  doch  zeigt  sich  dafür  im  Alem. 
e  (=  i)  als  Folge  der  geschlossenen  Aussprache  des  ae  (vgl.  AG. 
S  35  und  39,  dann  Pfeiffer  in  der  Einleitung  zu  Boner  p.  XI  und 
Bergmann  zu  den  Montforter  Urkunden  im  Arch.  f.  österr.  Gesch. 
I  Bd.,  TV  Hft,  p.  72),  welches  auch  in  unserer  Hs.  häufig  ist  und 
von  den  Reimen  ecTU  (==  aehte) :  geschlechfSS^  145;  mcMrter :  swer 
27,  206  :  tichter  5,  383  belegt  wird.  Weinhold  hat  e  für  ae  bei 
Hago  durchgeführt,  worin  ich  ihm  daher  gefolgt  bin. 

e  entstand  durch  Contraction  :^«nd[  (=  gebend)  2,  89;  38, 
72  (vgl.  dazu  die  beweisenden  Reime  gen  :  Zwen  Netz  8015  :  ver- 
nen  Halbs.  im  LB.  I^  1 109,  14);  gen  (=  gegen)  1, 68,  74,  88 ;  15, 
122  und  oft,  aber  niemals  gein  wie  in  Nr.  39  und  40.  Die  Länge 
dieser  e  ist  zweifelhaft;  vgl.  Sommer  zu  Flore  141  und  dazu  Ja- 
nicke  zu  Reinfrid  (Zs.  f.  d.  A.  17,  506)  und  altd.  Stud.  59.  — 
Die  AG.  S  38  citiert  aus  Montfort  ze  nend  (=  nemend)  13,  31, 
demzufolge  auch  nen  7,  13  hieher  gehören  würde;  doch  liegt  hier 
wohl  eher  apokopierter  Infinitiv  vor,  wie  die  AG.  $  203  nen  ja 
auch  nochmals  als  solchen  anführt 

L    Für  f.  steht  e   in  Arietoüles  (wie  damals  allgemein  %^* 


schrieben  wurde)  15,  72;  24,  49;  33,  29;  38,  45  und  in  bla- 
Smerm  2,  129. 

i  für  a  in  visimente  2,  125  (dasselbe  LS.  78,  76),  wohl 
durch  Yocalische  Assimilation  wie  im  letztgenannten. 

Auffallend  ist  «für  ^  in  niemer  mir  (=  m^)  :  dir  11,  8, 
das  die  Grammatiken  nicht  belegen.  Sollte  einfach  ungenauer  Reim 
angenommen  werden,  oder  an  dialekt.  Vorgang  zu  denken  sein?  Un- 
möglich wäre  dieser  nicht.  Darf  man  nämlich  das  e  in  mir :  dir 
als  gedehnt  betrachten,  was  vor  r  (AG.  S  40)  leicht  möglich  und 
durch  Bchir  :  dir  Maget  Krone  31^,  130^,  134^  gerechtfertigt  ist,  so 
finden  sich  im  Bair.  und  Md.  Analogien  von  ^  für  ^  (BG.  S  52,  MG. 
p.  40  und  68),  das  somit  auch  für  das  Alem.  anzunehmen  wäre,  wie 
diese  Dialekte  ja  auch  andere  seltene  Formen  gemein  haben.  Dazu 
kommt,  dass  Hunziker  fQr  die  Aargauer  Mundart  ein  gedehntes  i 
belegt,  das  wie  ^  gesprochen  wird  ( Aarg.  Wb.  XXXIV  und  XXXII). 
Beachtenswert  scheint  mir  dann  noch  ein  dir  (==  der  Dat  S. 
Fem),  welches  Pfannenschmid  (in  BirL  Alemannia  IV,  210  und 
V,  100)  aus  einer  alem.  (eis.)  ürk.  belegt,  und  ein  er  (=  ir)  in 
Mag.  Krone  125^  (ed.  Zingerle,  Sitz.  Ber.  47,  501). 

Das  Mhd.  gebrauchte  die  Adj.  Suff,  -^c  und  -ic  neben  ein- 
ander (Lachmann  zu  Iwein  651),  Hugo  meist  ig^  das  allein  auch 
im  Reime  belegt  ist  almechtig  :  sig  4,  41« 

i  (i)  für  ie  in  diner  23,  12;  dinst  19,  1 ;  23,  1 ;  26,  1 ;  34,  I ; 
36,  1 1 ;  37,  8  u.  ö.,  dazu  der  Reim  Mm :  dim  (=  dieme)  3,  2, 
welchen  die  AG.  $  40  aus  Montf.  citiert;  dann  ecMr  10,  3;  tivel 
5,  288 ;  24,  80,  128 ;  papir  4,  27 ;  mnOich  25,  48 ,  dazu  der 
Reim  subtil :  pappir  (=  papier)  28,  595  (vgl.  Mart.  tivel :  zwtfel 
226,  103;  Maget  Krone  ecMriir  26»:  mV  83»  u.  a.).  Daneben 
stehen  in  der  Hs.  die  gewöhnlichen  Formen  nicht  weniger  oft:  die- 
nör23,  41;  dienst  2,  53;  4,  54;  üevel  24,  132;  vientUchm  25, 
14  etc.,  ja  auch  ie  fQr  i  in  zier  :  hgier  17,  9  (AG.  S  63). 

Ueber  i  in  den  Endungssilben  wie  muessistj  lepti  etc.  und 
über  i  durch  Zusammenziehung  in  litxzit  2^  39;  3,  52  etc.  vgl. 
die  Conjugation ,  über  die  Fem.  liehi^  gueii  und  die  i  für  eu  der 
Endungen  die  Declination. 

0.  Das  0  des  Adjectivsuffixes  -oht  hat  sich  rein  erhalten  in 
röselochten  25,  8. 

0  fär  a  in  Absolon  24,  45;  33,  22  durch  Assimil.  a;Q  die 
Jet^,  W26  jSafamof^  iiad  msimente  an  die  erste  Silbe  angleichen. 


GLY 

6  für  u  zeigt  die  Hs.  in  fromen  14,  5;  frommen  38,  77, 
84,  88.  Aber  die  Reime  Ihesum:  fr  um  6,  IVi ;  frommen :  stum- 
men 38,  79  und  der  Mangel  eines  defrartigen  o  bei  A  beweisen, 
dass  sie  nur  den  Schreibern  B  und  G  angehören,  und  dass  die  in 
AG.  S  24  aus  Montf.  citieiten  Belege  allesammt  zu  streichen  sind. 
Üeber  o  fQr  u  in  komen  vgl.  die  Gonjugation. 

Altes*  d  hat  sich  erhalten  in  nüntzgoeten  23,  40. 

Charakteristik  für  Hug&*s  Dialekt  sind  die  6  für  ou,  welche 
durch  offen  \  geloffen  4,  193;  komen  ibomen  5,  95;  hofilof 
27,  173;  tröfi  (=■  troum)  -.schön  28,  221,  281;  31,  1  :  I6n  25, 
201;  dann  durch  trSn  (=  troum)  :län  31,  37,  105;  hän  17,  29; 
^4, 1  bewiesen  werden.  Häufig  ist  das  Längezeichen  darüber  gesetzt: 
Sgen  :  lögen  3,  1;  6,  31;  frötven  :  schöwen  5,  295  eta,  während 
es  anderwärts  fehlt,  so  dass  man  zweifeln  kann,  ob  o  oder  ö  anzu- 
nehmen sei;  denn  dass  auch  Yocalkürzung  (vgl.  Wilmanns,  Walther 
p.  53)  eingetreten  ist,  bezeugeü  Verse  wie  2,  74;  24,  46,  auch 
loffxkoff  5,  307;  geloffen:  offen  4,  193  scheinen  darauf  hin- 
zudeuten; vgl.  pl.  146,  Anm.  1. 

5.  Was  den  Umlaut  von  o  betrifft,  so  wechseln  auch  hier 
nmgelautete  mf£  nicht  umgelauteten  Yoimen  \  göltUchem  4,  54; 
gotaich  5,  381;  27,  175;  sölich  5,  224;  7,  3;  18,  72;  soUck 
2,  107 ;  5,'^99,  227.  üeber  wölt,  könte,  möchte,  sölte  neben  woU, 
solte  etc.  siehe  die  Gonjugation. 

ö  für  e  (auch  S)  in  schöpher  4,  if)6;  13,  41;  27,  69; 
frömder  (schon  alt)  23,  43;  25,  68;  31,  IS;  frömdi  6,  38; 
niösching  31,  98;  zwölf  4,  92,  134;  28,  509;  erlöschen  13,  54; 
enischöpfet  25,  12  und  be*)nders  böachtehswert  in  dort  (d^ref, 
rfÄ^,  das  Lexer  I,  454  erst  xkd  rtW  aus  dem  Ring  belegt)  5,  171; 
15,  38;  27,  127;  28.  520,  728;  30,  8;  31,  256,  erg.  die  Belege 
in  AG.  $  28  durch  die  in  Sommers  Flore  zu  1451;  dann  im  Netz 
4259,  9244;  bei  Laufb.  723,  2  dort:  gehört -.zerstört.  Alle  diese 
ö  stehen  also  in  Position,    s.  Hunziker,   Aarg.  Wb.,   Einl.   p.  39. 

Nach  AG.  $  27  hätte  Hugo  auch  ö  für  «  geschrieben  :  ge- 
drömert  ist  als  Beleg  angeführt.  Doch  der  Reim  gedrömert :  be- 
kümbert  38,  81  und  der  Mangel  dieses  ö  bei  A  und  B  beweisen, 
dass  es  vom  Schreiber  G  stammt  und  zu  tilgen  ist. 

Der  Umlaut  des  ö  ist  nicht  überall  durchgedrungen  :  gehört 
(Praes.) :orf  2,  123;  don  ((Jen.  Fl): schon  (Adv.)  28,  13;  dagegen 
schön  (Adj.):  dön  (Acc.  Fl.)  25,  17;  33,  24.  In  der  Zää^  K^lvalw 


C!LVI 

1,45;  36,  3,  28  a.  a  neben   höchster  1,  90;  34,  30;  grössUeh 
23,  24  neben  grossUch  28,  258. 

Ein  anderes  ö  (oe)  entspricht  dem  öu  wie  6  dem  out.  Be- 
weisende Reime  daför  sind  fröd :  öd  (Adv.)  27,  141 :  öd  (A^y.) 
28,  277  (derselbe  Reim  im  Netz  2390)  :  schnöd  (Adj.)  28,  430, 
650.  Andere  Reime  tröwenifröwen  9,  28:  höwen  20,  51  u.  s.  w. 
In  der  Zeile:  /röd  durchweg,  löf  (Nom.  PI.)  31,  118;  löber  11, 
41,  auch  glöbig  27,  221.  Dieses  ö  kann  ebenso  kurz  sein  wie 
das  0  ans  ou. 

fi.  Weinhöld  verzeichnete  in  A6.  S  31  ans  Montfort  den  be- 
merkenswerten Reim  fürsten  :  üursten  24,  25,  der  sich  15,  96 
fürsten : getiursten  wiederholt;  dazu  kommt  sünd:friund  15,  36; 
smügen  (;=  smiegen) :  geziugen  4,  133^).  Reime  dieser  Art  sind 
häufiger,  als  die  AG.  S  31  mit  den  beiden  alleinstehenden  aus 
Mart  und  Montf.  vermuten  lässt;  ich  verzeichne  fürste :  tiurste 
Wolfd.  D  553;  enfzünt : /rinnt  LS.  251,  337,  351;  hündi/riunt 
Altsw.  100,  4;  103,  12.  AusLaufb. /nwn^-««nd737,  43;  Mur: 
für  724,2;  Netz /wr :  da/&r  3231 ;  Hur:herför  47A4;  üurstmi 
fürsten  7241,  7575;  erg.  dazu  noch  die  in  der  Virginal  von 
Zupitza  (DHB.  V,  15),  die  von  Pfeiffer  aus  Heinzelin  (p.  149  zu 
5,  5),  von  Jänicke  in  Zs.  16,  477  und  die  von  Martin  aus  Sachsen- 
heim (p.  40),  von  Zarncke  aus  Brant  (p.  277)  gesammelten  Belege. 

ü  für  t  in  grünen  6,  18  (ähnlich  steht  im  Netz  8168  rülri). 

ü  für  ie  (in  AG.  $  32,  86  und  119  unbelegt):  smügen  ige- 
Zügen  4,  133  (wie  im  Netz  ver}>üte{n)  :  UU  3221),  dann  in 
nümer  4,  131;  17,  25.  In  den  beiden  letzteren  Fällen  kann  ü  auch 
für  i  stehen  wegen  nimer  32,  99 ;  Idmd :  imer  29,  70  :  nimer 
18,  175,  wie  nüt  (=  niut,  niht)  4,  39;  5,  47,  328  und  öfker 
neben  nit  und  nicht  Dazu  stimmt  der  Reim  hücMß)  :  donner- 
plihch  38,  25;  vgl.  damit  wizze  :  verdrüzze  Virg.  262,  3;  bei 
Sachsenh.  hürt :  wirt  M.  365;  brüst  ilist  Sl.  211,  35;  überizwiber 
M.  317  (Martin  p.  42);  im  Netz  sündilind  557:  gesmnd  660: 
fint  951;   gUik  :  strik   2446   und  Sünden  :  binden  11960^). 


M  Diesen  Reimen  gemäss  ist  auch  die  Schreibung  des  tu  ss  Ü  in  der 
Hs.  und  in  den  al.  Montf.  Urkunden  (vgl.  zu  letzteren  Bergmann,  Arch.  I,  lY 
Heft,  p.  74)  und  der  gemäss  die  meines  Textes. 

*)  £s  ist  daher  nicht  gerechtfertigt,  die  ü :  t :  I  als  speo.  elsftssisch  maa- 
zugeben,  noch  weniger,  sie  als  Beweismaterial  für  die  eis.  Heimat  zu  gehraa- 
cheD,  wie  es  wiederholt  geschehen  ist. 


OLvn 

n.  Für  ü  =  iu  citiert  die  AG.  S  47  aas  Montf.  die  Reime 
nuwen :  gepruwen  5,  203;  nuw  :  zifhelrufw  5,  347,  die  aber  za 
streichen  sind,  da  die  Hs.  ie :  ie  zeigt;  eher  könnten  daffir  truren: 
creatvren  16,  58;  hüwen  :  getrüwen  3,  22  :  h^wen  (Dat.  PI.)  33, 
107 ;  38,  131 ;  gepuwen :  ruwm  28,  50  angeführt  werden  (vgl. 
die  Anmerkung  zu  2,  81). 

y  gebraucht  Hugo  nur  bei  einigen  Eigennamen^),  in  allen 
andern  Fällen  werden  sie  den  Schreibern  zuzuweisen  sein,  darauf 
deuten  1)  Wörter  wie  däby  14,  35;  schryen  15,  4;  ptcd  16,  43 
u.  y.  a.  2)  der  Umstand,  dass  die  meisten  y  in  ey  (=  i)  und  ay 
(=  ei)  erscheinen,  wo  Hugo  noch  die  mhd.  Yocale  bewahrt,  und 
3)  dass  der  Gebrauch  derselben  mit  den  Schreibern  wechselt,  wie 
das  Abb.  III,  115  dargetan  wurde. 

^  b.  Diphthonge. 

ei  erscheint  für  ae  in  weien  (=  wayen) :  meien  19,  30  (nach 
AG.  S  58).  Dahin  wird  auch  der  Reim  hsl  (haeV) :  teil  28,  6Ö5 
zu  erklären  sein,  vgl.  Martina  6,  55  selicmeilic;  44,  33  weient: 
spreient, 

ai.  Die  ai  fßr  mhd.  ei  in  der  Hs.  werden  von  den  bairischen 
Schreibern  kommen  (vgl.  Abb.  III,  139),  so  dass  Hugo  diesen 
Diphthong  gar  nicht  gebrauchte. 

an«  Desgleichen  schrieb  Hugo  auch  nicht  an,  den  Steigenings- 
diphthong  der  U-Glasse,  wohl  aber  das  unechte  au  für  d  (AG. 
S  52),  das  in  alem.  Schriften  dieser  Zeit  und  in  Hugo*s  vorarlberger 
Urkunden  häufig  ist.  Wenn  der  Cod.  Pal.  nur  den  einzigen^)  Be- 
leg raut  34,  37  bewahrt  hat,  so  ist  daraus  nur  wieder  die  ver- 
derbliche Hand  der  Schreiber  zu  erkennen.     Dasselbe  gilt  für 

OU,  das  nur  in  glauben  4,  106  erhalten  blieb.  Wie  aus 
Sachsenheim,  dem  Netz,  den  vorarlberger  Urkunden  u.  a.  alem. 
Schriften  dieser  Zeit  zu  schliessen  ist,  stand  ou  im  Originale  öfter, 
wofür  die  Schreiber  a/u  setzten,  wie  häufig  für  6  =  ou.  Aber  da 
es  für  die  ou  keinen  Reimbeleg  gibt,  war  es  unmöglich,   sie   aus 


^)  W&hrend  Sachsenheim  in  Martins  Text  diese  y  für  i  nnd  t  auch 
anderweits  schon  häufig  zeigt;  aber  er  dichtete  ein  halbes  Jahrhundert  später 
und  hat  liele  andere  Yerrohungen,  die  dem  Montforter  noch  fremd  sind.  In 
dem  Hugo  näher  stehenden  Netz  sind  sie  schon  seltener. 

*)  Danach  ist  die  Hugo  betreffende  Angabe  in  AG.  §  52  zu  rectificieren. 


den  bair.  au  anszalösen,  es  mosste  dafür  überall  o  (p)  geschriebeD 
werden,  welches  doroh  mehrere  Reime  bewiesen  ist  (ygL  p.  155). 

ne.  Der  Umlaut  von  lU)  wird  in  der  Hs.  als  ü  oder  u  oder 
ue^\  nie  mehr  üe  oder  iie  geschrieben  und  ist  wie  die  meisten  anderen 
Umlaute  nicht  überall  durchgedrungen,  das  beweisen  die  Reime 
fuogen  (Inf.)  ;  kluogen  (Adj.)  38,  45;  ruomen  (Inf.):  bluomm 
(Dat.  PI.)  28,  30.  Zweifelhaft  bleibt  das  handschriftliche  v/üt 
(Praes.) :  mayen  blüt  (Nom.  S.)  35,  2^. 

no  für  mhd.  ü  steht  vereinzelt  in  nuo  20,  36  (vgl.  AG.  S  144X 
das  auch  in  Hugo*s  Breg.  Urk.  vom  9/10.  1405  erscheint. 

2.  (!on8onaiitinD& 

Die  erste  Frage  ist  hier:  gilt  bei  Hugo  noch  das  mhd.  Aus- 
lautgesetz, nach  welchem  die  Tennis  für  die  Media  eintritt  und 
nicht  verdoppelter  Gonsonant  ausser  vor  Vocalen  steht?  In  der  Hs. 
begegnen:  lebend  6,  32;  leid  3,  17;  tag  8,  21;  stand  17,  3; 
U^b  6,  25  u.  a.  neben  lebent  (Part.)  17,  1;  leit  28,  180;  tßt 
25,  12;  diep  25,  62  u.  a.,  was  zum  Schlüsse  verführen  Uf^nnte, 
dass  die  jüngeren  Formen  nur  von  den  Schreibern  herrühren,  Hugo 
aber  noch  den  alten  Gebrauch  festgehalten  habe.  So  ähnlich  scheint 
Weinhold  gedacht  zu  haben,  wenn  er  in  seiner  Textrecension  oon- 
sequent  die  mhd.  Tenuis  eincorrigierte.  Aber  die  Entscheidung  moss 
wieder  aus  dem  Reimregister  geholt  werden«  Es  begegnen  erJeand 
(Part.)  :  hand  (Dat.)  2,  137;  eid  (Aca) :  leid  (Dat.)  3,  17;  Ic^nd 
(Nom.  S.)  irind  (Dat)  4,  95;  wald  (Acc):  bald  (Adv.)  5,  63; 
gephand  (Part.) :  land  (Dat.)  5,  239 ;  gold  (Dat.) :  aold  (Acc.)  18, 
242;  geduld  (Aca)  :  AuW  (Nom.)  33,  34.  —  gerechte  üeb 
(Nom.  S.):  dieb  (Nom.)  18,  81;  Ueb  (Da,t.)  idieb  (Nom.)  38,  30.  — 
tag  (Nom.):i(?A  sag  2,  47;  10,  1  u.  a. 

Alle  diese  Reime  beweisen,  dass  Hugo  schon  die  Media  ge- 
brauchte und  die  nhd.  Schreibung  der  Hs.  stehen  zu  bleiben  habe. 
Noch  andere  Gründe  treten  dafiir  ein.  Hätte  der  alte  Gebrauch  noch 
fortgelebt,  würden  auch  Reime  zwischen  p  :b;k:g  (z.  B.  ein  noc : 
slac  Hart.  33,  105  etc.)  begegnen,  was  aber  nicht  der  Fall,  denn 
werkh:perkh  11,  25;  starkchisarch  15,  75  dürfen  nicht  hieher- 


^)  Dass  die  Schreibung  ue  nnd  uo  neben  ^,  ie,  (^  in  dieser  Hb.  des 
15.  Jahrhunderts  noch  begegnet,  ist  bemerkenswert;  Tgl.  Zamoke,  Ghaltenipel 
('m  den  Abhandl.  der  sächs.  Oesellsch.)  YII,  412. 


(9^ 

bezogen  werden  (vgl.  p.  169).  Die  Media  beweisea  endlich  die 
alem.  Urkunden  und  poet.  Denkmäler  dieser  und  vielfiush  schon 
yiel  früherer  ZeiL  Bei  Heinzelin  z.  B.  ding  (Gen.  PI.) :  jungeling 
(Nom.  S.):rin$r  (Dat)  Joh.  70. 

Demgemäss  begegnet  auch  verdoppelter  Gonsonant  im  Aas- 
laut mvitm  (Dat.) :  sinn  (Nom.)  4,  141;  5,  245;.^o^  (Dat):  ^o- 
hott  28,  137;  goU  (=  gottes) : apoU  (Dat.)  28,  501;  9poU  (Dat): 
goU  (Dat.)  3,  54  u.  a. 

a.  Lippenconsonanten. 

h.  b  SSly  p  in  JSarcifal  5,  386 ;  15,  99.  Dagegen  Pardfal 
5,  70,  159. 

b  ist  dnreh  Aogleichung  an  das  vorhergehende  homorgape  m 
versdiwunden  in  kumer  10,  26  (neben  kumber  15,  45;  34,  16) 
wie  schon  früher  in  8tum(m)en  2,  77.  Charakteristisch  d^r 
ist  der  Reim  gedriimert:  bekümbert  38,  81,  was  einem  be^ 
hümert  gleichkommt  Vgl.  dazu  Mag.  Krön,  kumer  120^,  135^ 
drum  143^;  im  Spiegel  kamen  :  stum(b)en  149,  27;  mmer: 
kum{b)er  157,  38  (und  andere  bei  Martin,  Sacbsh.  p.  44);  Laufb. 
771,  2  lam{b) :  0am:kam;  Netz  um(b):8tum  6307,  7542  :o(m- 
cilium  2957,  wie  in  den  vorarlb.  Urk.  die  um,  umm  neben  umb 
häafiger  werden. 

p  ist  Uebergangslaut  von  labialem  zu  dentalem  Verschluss 
(Scherer  GDS^.  158,  Anm.  1;  MG.  $  145)  in  kumpt  4,  16;  5,  öS, 
166;  6,  8,  26;  7,  6;  33,  112  u.  ö.;  nimpt  10,  18;  28,  205, 
372;  33,  63;  ampt  5,  275,  361;  schampt  5,  362;  nemptz  29,  146; 
timpten  :  grimpten  4,  25;  sampt  32,  10  —  zwischen  m  und  8  in 
Sampson  11,  23. 

p  für  5  im  Anlaute  (A6.  §  148)  begegnet  häufig,  vor  a: 
pabe$t  (aus  papas^  aber  Mhd.   regelmässig  bdbest  MG.   S  147) 

5,  205;  pan  2,  92;  wiltpan  7,  11;  paginen  29,  146;  paHllen 
28,  558  —  vor  ixpirt  4,  24;  pilUn  19,  4;  27,  63;  32,  167; 
35,  3;  picht  38,  176;  piUen  32,  39;  pispel  5,  387;  pitt  27, 
161;  28,  665,  725,  733;  33,  176  —  vor  expeate  5,  17;  pelg 
28,  61;  Perfier  5,  94;  peearung  5,  376;  pebeet  5,  195;  pender 

6,  17;  peU  4,  130;  32,  155;  Pehem  5,  239;  p^rfcA  11,  26 
—  vor  0  :  potschaft  28,  260;  36,  9;  potten  25,  42;  wolgeporen 
20,  1;  gepoU  38,  159,  163,  179  —  vor  öipösen  38,  79  —  vor 
uipuwst  28,  292;  pmot  31,  83;  puwen  32,  36;  33,  8,  ^l^  105; 


OLX 

38,  129  —  vor  uoipuoas  4,  22;  5,  275;  38,  176;  puoze  5,  191; 
puol  36,  28. 

Auch  vor  Consonanten  und  zwar  vor  r:  prangen  4,  180; 
pracht  5,  114;  geprüwen  5,  204;  prot  18,  165;  Pregentz  31, 
185;  prinnende  38,  65,  70;  pruggen  38,  144  —  vor  l  ipluot 
4,  52,  146;  5,  104;  donnerpUkch  38,  27:  tritt  also  nur  vor  r 
und  2,  vor  ersterem  häufiger  auf,  wodurch  Weinholds  Ausspruch 
(AG.  p.  113)  bestätigt  wird,  üeber  die  Erklärung  dieser  »weichem. 
Tenuis  oder  härtern  Media«  vgl.  Scherer  GDS^.  140  ff.,  wo 
auch  die  nähere  Literatur  darüber  zu  finden  ist 

p  für  6  im  Inlaute  vor  s  oder  t  und  ausgefallenem  Vocal: 
hept  {=  Jiebei)  5,  18;  18,  174;  hoptprelaten  5j  211;  hoptibrobt 
25,  199;  hüpsch  18,  199;  29,  1;  lepti  7,  24;  lept  b,  90; 
gelept  10,  7;  bepat  5,  189;  29,  150;  bapst  5,  214;  glüpt- 
brüchig  {=  gelübede-)  2A,  77;  Uept  24,  130;  hopt  5,  122;  25, 
14,  192. 

ph  und  pf  wechseln;  doch  haben  es  die  Verderbnisse  der 
Schreiber  unmöglich  gemacht,  das  ursprüngliche  Verhältnis  zu  er- 
kennen (vgl.  Abh.  IIT,  p.  115).  Auch  im  Netz  wechseln  ph  and 
p/,  doch  so,  dass  ph  das  Uebergewicht  hat. 

t,  V.  Aehnlich  verhält  es  sich  mit  dem  Wechsel  zwischen  /  und 
V.  B  bevorzugt/,  A  vigevangen  4,  179;  g fangen  36,  2.  an«- 
vang  4,  1;  anefang  22,  21.  graven  2,  100;  grafen  25,  77. 
tievel  7,  12,  33;  üefel  25,  98,  101;  26,  24. 

/  für  /  in  hofnung  2,  105.  —  /  durch  Assimilation  in 
hoffart  29,  99;  38,  115;  unhoffertig  25,  103,  aber  25,  29 
hochfertig. 

m 

w  wird  auslautend  apokopiert  in  ruo(w):fruo  11,  1:^mo  25* 
81, 12\;nü(w):gamahül^\ö;  ungetrü(w)lich:grülichbyS3S,  Diese 
Beime  beweisen  auch,  dass  die  Schreiber  gegen  das  Orig.  w  ange- 
setzt haben.  Dasselbe  geschah  in  nüw :  rüw  5,  347 ;  trüw  7,  15 ; 
trewinew  9,  4;  bldwigräw  16,  17,  denen  wieder  die  richtig  er- 
haltenen Äigrä  38,  37;  stroidro  18,  229  gegenüber  stehen. 

Beachtenswert  ist  der  Reim  buoleniruowen  3,  65;  denn  die 
AG.  S  166  belegt  auch  wirklichen  Wechsel   zwischen   l  und  w. 

m.  Ueber  dentalen  Nasal  für  labialen  siehe  ti.  m  flir  n 
in  timpten  (=  Unten) :  grimpten  4,  25,  welches  bereits  AG.  p. 
131  aus  Montf.  belegte;  auch  von  nennen  (nemnen)  ist  noch  m 
erhalten  für  das  gebräuchliche  n :  nemptz  29,  146. 


*  CLXI 

m  für  6  durch  Angleichang  in  silmen  2,  132;  3,  6;  31,  25. 
Ebenso  m  ffir  n  vor  p  in  cHsiam  pluote  5,  104,  ähnlich  wie 
Baim  brecJhen,  bim  (=  bin)  mir  bei  Seiler,  Basl.  Mundart  p.  217, 
und  in  andern  Dialekten. 

b.  Zungenlaute. 

t,  d«  Abfall  von  t  in  rechtuonden  18,  149  (sonst  recht  tuan 
24, 94);  guotet  4,  62;  Jwpsünden  24,  33.  —  Häufig  ist  die  Apokope 
des  t  (resp.  d)  im  Auslaut.  Schon  AG.  §  177  hat  aus  Montf.  den 
Beleg  grvsen :  tueen  18,  257  angeführt  Dazu  ergänze  Üben  (Part): 
begeben  5,  229;  lacTien  (Part.) :  ^^macAm  31,  173,  178;  beha$ 
(Part.) :  usa  29,  50;  gevider  (Part)  :  wider  2,  84;  ssen  (alt)  21, 
11 ;  hilf  (=  Ulft)  7,  3;  dunkh  (=  durikht)  5,  68;  geechütz  (Part) 
9,  16;  hop  2b f  14.  In  diesen  Fällen  haben  die  Schreiber  die  über- 
lieferten Formen  bewahrt,  in  andern  werden  sie,  wie  aus  den  an- 
geführten zu  sohliessen  ist,  completiert  haben:  24,  61  JBemiwerndj 
wo  das  d  (=  t)  des  Particips  ebenso  apokopiert  gewesen  sein  kann 
wie  in  den  beiden  obigen  Beispielen,  zumal  noch  hdnigand  13,  21 
beweist,  dass  B  eigenmächtig  d  ergänzte;  weltlich igicht  5,  259  stellt 
sich  zu  hilf  7,  3 ,  zu  pßig  (=  pßigt)  in  Lassb.  LS.  26,  9  und 
Ug  (=  ligt)  :  sig  M.  Pas».  3353  (AG.  §  177),  wie  tag: mögt  27, 
171  zu  Aop  und  zu  Laufb.  abim^gt  789,  8.  —  29,  9  steht  mich: 
vemicht  (=vür  nicM);  für  nich  bringt  Lexer  II,  83  einen  Beleg, 
einen  andern  AG.  S  177,  einen  weitem  finde  ich  im  Ambr.  LB. 
97,  56,  vgl.  dazu  auch  Altsw.  66,  14  mich  :  nicht^).  Es  bleiben 
somit,  abgesehen  von  den  Praet  und  Part  (darüber  bei  der  Conjug.), 
nur  noch  gro88:tr68t  18, 185;  27,  197, 205;  lasex vaat  24,  133;  da- 
mit vgl.  Id8:tr68{t)  im  Wolfd.  D  (Jänioke  DHB.  IV,  Einl.  p.  8); 
ga8{t)iwa8\  allermei8(t):weiz;  gun8{t):un8  in  AG.  $  177. 

t  assimiliert  in  hinuffigruff  12,  13  (vgl.  Birl.  AS.  p.  127). 
Unechtes  t  für  got.  th  in  tach  1,  29;  28,  56,  569,  585; 
^uken  28,  340;  tonr  28,  586;  tröwen  9,  31  (aber  18,  231  dr^; 
betatet  28,  450,  459,  465,  589;  30, 14;  btütz  24,  120.  C  schreibt 
38,  27  donry  76  bedewt  (vgl.  Abh.  III,  p.  119),  vermag  aber  da- 
mit gegen  das  übereinstimmende  Zeugnis  von  A  und  B  nicht  auf- 
zukommen, da  auch  in  der  Mart  45,  85;  63,  99;  77,  25;  97,  1 


^)  In  nnserer  Hs.  stand  ansserdem  noch  zweimal  nich  18,  52 ;  28«  317, 
welches  erst  Tom  Benovator  zu  nicht  corrigiert  worden  ist  (vgl.  p.  126). 
Wackernell,  Montfort.  \\ 


CLxn 

u.  ö.,  Moer.  464,  im  Netz  1137,  1970,  2272,  2564  u.  ö.  betUtm 
belegt  wird. 

Dem  Yerschwiaden  von  echtem  t  gegenüber  steht  der  Antritt 
von  unorganischem  (Birl.  AS.  129)  in  darmocht  5,  156;  15,  18, 
43;  18,  134,  201;  27;  12,  20;  28,  660,  712;  30,  8;  38,  160  — 
{n)iendert  31,  110,  142;  32,  27  —  adamast  28,  QO^iglast  18, 
138;  28,  557  —  sust  24,  102;  27,  194  :  lust  15,  90;  27, 104, 
147  —  wiUnuBt  5,  68.  —  Aber  die  unechten  t  in  gliikt{=ge' 
lücke)  22,  19;  26,  17,  57  etc.  stammen  vom  Schreiber  B  (vgl. 
Abh.  in,  p.  115);  daher  ist  der  in  A6.  p.  141  aus  Montfort  an- 
geführte Beleg  zu  streichen. 

t  aus  d  verhärtet  in  glüptbrüchig  24,  77;  mortjo  5,  201; 
umgekehrt  ist  df  für  f  häufig  nach  Liquiden,  dann  in  Uidiseltkeid 
4,  81  neben  leidigrechtiheit  5,  221 ;  eid  :  drivaltiheit  27,  25  u.a. 

d  wird  oft  ausgeworfen  ivinst  27,  81  ;  vintb^  349  eto.  (vgl 
Conjug.);  di  entsteht  nur  durch  Synkope :  vindf,  schadt;  dt=  t  oder 
d  wie  bei  Sachsenh.  (z.B. Moer.  aldter  266,  verdt  389,  schiedt  5164 
gxmdt  6068  etc.),  im  Netz  {endteren  10887^  u.  a.)  und  in  den  alem. 
Urk.  begegnen  in  der  Hs.  nicht. 

z,  s.  Die  Zungen&ikativa  ;?,  zz  hat  Laut  und  Zeichen  von  «,  88, 
dasiwas  2,  75;33,  21,  25,  22:gra8  33,  19;  mm : 6^Aw«  29,  50 : 
hu8  33,  53;  fii88  :  tagewi8  37,  36;  dann  iüi8t :  fli8t  1,  8;  wei8en : 
neuen  25,  161;  ro88en  :  be8lo88en  31,  150;  auch  gro88  :  trost 
18,  185;  27,  197;  la88  :  va8t  24,  133;  lei8ten  :  gehei88en  28,  374: 
verhei88en  29,  17,  77  (A6.  S  189  hat  nur  stumpfe  Reime,  vgl.  altd. 
Stud.  59).  Demgemäss  erscheinen  auch  in  der  Zeile  8  ^==  z.  Am 
häufigsten  bleibt  z  in  daz,  Nr.  5  z.  B.  hat  21  daz,  3  dz  und  31 
das.  Je  jünger  die  Gedichte,  um  so  weniger  z  und  zz^  wofür  «,  8Z 
und  88  hervortreten  :  u8  3,  70;  ba8  15,  32;  m«^  1,  3;  13,  23;  U8Z 
3,  28;  wi88  5,  35;  wisz  1,  8;  grS88  4,  99;  18,  185;  gro8Z  2,  69; 
15,  13.  Daneben  auch  zzischozz  2,  20;  mazz  2,  107;  gruezz 
3,  1 ;  liezz  5,  289  u.  a.  Im  allgemeinen  lässt  sich  folgende  Regel 
erkennen:  im  Inlaut  nach  kurzem  Yocal  m,  nach  langem  «,  öfter 
aber  88  und  sz;  im  Auslaut  nach  kurzem  Yocal  8  (stets  als  Zeichen 
des  Neutrums),  nach  langem  88  und  8z:  im  ganzen  also  die  Grund- 
züge der  nhd.  Schreibung. 

Hartes  z  hat  sich  erhalten,  im  Anlaute  ganz  rein,  im  In-  und 

Auslaute  mit   vorgesetztem  ^,   wie   es   fi*üher  nach  kurzem  Yocal 

gebräuchlich  war:  gcuntzem   1,   10;   tantzm  29,   17;  wurtzen: 


GLXfll 

hurtssen  28,  20;  hertz4  1,8;  Pregentz  31,  185:  das  ist  conse- 
quent  durchgeführt^),  vgl,  Abh.  III,  114. 

8  bleibt  8 ,  seltener  wird  dafür  8Z  und  88  geschrieben  :  8U88 
27«  68;  8U8Z  2,  106;  öfter  aber  erscheint  «^  in  mue«^^  24,  110, 
111;  muoszt  (MG.  p.  165)  24,  28  etc.,  wo  sich  also  wieder  die 
Tihd.  Orthographie  festsetjst.  Nicht  begegnet  bei  Hugo  die  Schreibung 
Z8^  88Z^  kein  z  für  8  vor  Voc,  also  kein  dez  (=  de8\  waz  (=  w<i8\ 
die  sonst  in  dieser  Zeit  nicht  selten  sind.  —  Das  8  (von  80)  in  «te^er, 
8wiej  8wa  etc.  ist  durchweg  verschwunden. 

88  für  8C  in  Fr(mci88€n  29,  154. 

8  nach  t  wird  z  gesprochen,  daher  machiz  4,  139 ;  abentz  8,  1 ; 
nimptz  10,  18;  nemptz  29,  146;  verldtz  6,  165;  woltentz  4, 
144;  werdmtz  4,  148;  lagmtz  24,  56;  mugentz  5,  360;  24,  72; 
möchtinfz  15,  56;  ^of^  4,  137;  26,  14;  niefe  5,  47,  328;  mVA^/ 
5,  36;  27,  40;  32,  55;  muotz^)  31,  190.  Vgl  zu  den  wenigen 
Belegen  in  AG.  (p.  154)  Pfeiffer,  Heinz,  p.  149;  Zamcke,  Brant 
p.  281;  Netz  gotzigehotz  2030,  amptz  1860,  aptz  4708,  niMz  327, 
wvrftz  9490,  Tcunnentz  9534 ;  auch  in  den  alem.  Montf.  Urkunden 
begegnen  sie  sehr  oft,  s.  z.  B.  Arch.  I,  3,  110  iMtpoltZj  gotzhu8  etc. 

Die  anlautenden  Verbindungen  «p,  8Wy  st^  sl^  8m^  8n  palata- 
lisieren  8  zu  seh.  Doch  wird  Weinholds  Urteil  (AG.  $  190):  »diese 
unschöne  Trübung  des  verbundenen  8  ist  für  das  13.  Jhd.  zum 
Teil,  für  das  14.  Jhd.  als  völlig  durchgedrungen  anzunehmen  ** 
(ähnlich  Birl.  AS.  p.  137),  zu  rectificieren  sein;  denn  in  unserer  Hs. 
haben  sich  (im  15.  Jhd.)  zwei  Dritteile  reiner  Verbindungen  erhalten: 

sw:  swebt  12,  15;  32,  32;  8wer  5,  129;  27,  55;  28,  392; 
38,  142;  versweren  31,  121;  33,  4;  8wert  18,  157;  25,  166; 
8mgen  16,  46;  18,  280;  24,  102;  ver8wigen  32,  76;  8wartz 
31,  94;  snmeren  5,  302;  ver8wunden  28,  176;  8weren  35,  16; 
Swartzwald  33,  11. 

8l:  8lechte  3,  71;  8lechter  4,  44;  8lachte  1,  11;  4,  34;  5, 
351;  8lic7hm  8,  2;  be8lo88m  1,  66;  5,  143;  27,  28;  31,  152; 
zer8lagen  13,  5. 


*)  In  Urkunden  Hngo's  begegnet  das  I  auch  schon  im  Anlaute >Qnd  bei  wei- 
chem z^  z.  B.  in  der  vom  12.  Aug.  1417:  tzyten,  tzyt,  dartzuo,  betzalty  datz  eto. 

*)  Also  bei  incliniertem  wie  flex.  8,  Bei  hdiz  6,  121;  soltz  18,  158; 
htütz  24,  120;  tuotz  28,  495;  tetz  37,  36  u.  a.  kann  man  zweifeln,  ob  das 
z  Ton  ind.  ez  geblieben  oder  Ton  t  bewirkt  ist,  yiel  wahrscheinlicher  letztere«, 
da  Hugo  schon  durchweg  es  schreibt. 


OLXIV 

8m  :  smertzen  4,  14;  16,  44;  26,  43;  27,  80;  38,  4;  33, 
87;  ameh  14,  11;  smügen  4,  133;  unversmogm  4,  159;  16, 
27;  33,  125;  amiegm  5,  306;  smaragden  18,  139;  28,  456; 
smacM  28,  20;  geameltzet  28,  545  (diese  Verbiadung  erhielt  ihre 
Reinheit  am  längsten  Birl.  AS.  p.  136). 

mimeU  4,  124,  164;  5,  58,  226;  27,  38;  smUer  4,  11; 
9ne  2,  35. 

8t  and  8p  sind  durchweg  rein  geblieben^). 

8t  mx  ft  in  vemunstihunst  4,  67;  5,  181;  17,  6;  27,  9, 
21,  %%:}>run8t  30,  94;  38,  153;  aber  nur  im  Reime  und  anch 
hier  kunftivemunft  8,  1;  im  Versinnern  vemrmft  17,  19;  18, 
130;  80,  109  n.  a.  (MG.  S  142). 

seh  für  8  und  88  in  rüdisch  14,  23  und  möscMng  31,  98. 

1.  Ueber  Ausfall  des  l  durch  Mouillierung  in  soln^  wein  vgl. 
Conjug.  —  Berührungen  und  Wechsel  zwischen  l  und  r  sind  im 
Alem.  häufig  (Birl.  AS.  p.  88,  AG.  S  194),  und  daher  Reime 
zwischen  beiden  beachtenswert.  Bei  Hugo  merisel  18,  201;  28, 
214;  wdrigräl  28,  389;  zwarigrdl  28,  205,  213,  425;  pappir: 
subtil  28,595;  dann  werfen:helfen  13,  10,  28;  15,  80;  24, 110  — 
und  in  SufFixen  himel :  nimer  18,  173 :  em^*  29,  70;  vakel : 
wahcher  38,  65  —  auch  ankel  24,  112  neben  enker  13,  12.  Vgl. 
dazu  wdr:  Virgindl;  einander  iwandel  (Zupitza  DHB.  V,  p.  16); 
Halbs.  wadeliaber  LB.  I^,  1111,  28  und  33.     Dasselbe  gilt  von 

2;n  in  sinizil  1,  5  (vgl.  aber  Anm.  zu  1,  1);  Mn:8in:wü  9, 
11;  in  Suffixen  zoheliohen  2,  121;  regel:  wegen  29,  154;  Handel: 
banden  18,  86;  spiegel :  betriegen  28,  602;  vgl.  Netz  geben: 
swebel  1518,  1751,  9267,  12167;  senden :  bendel  10424.  Fast 
in  allen  Dialekten  ist  auch  Wechsel  zwischen  n  und  l  nachgewie- 
sen, 8.  MG.  $  193,  194,  200;  AG.  194»);  BG.  158. 

Auf  Neigung  zu  Assimilation  des  Id  zu  II  beruht  der  Reim 
pilden:  willen  32,  37,  welche  in  wiUmist  (==  wildn.  =  wiltn.) 
5,  68  vollends  durchgeführt  ist. 

r  verschwand  vor  l  in  weit  (:  gelt)  1,  18;  5,  93  und  durch- 
weg, während  noch  der  Initialenmaler  auf  dem  Spruchbande  vor 
Nr.  29   werlt  schrieb;   ferner  in  den  CJompos.  widered  4,    120; 

^)  rdtteht  29,  129  wird  aus  AG.  p.  155  zu  streichen  sein,  da  es  wie 
8chet8cht  31,  7  nur  bei  B  begegnet. 

*)  Das  Ton  Weinhold  für  das  Alem.  nachgewiesene  wemtlich  kann  ich  auch 
aas  einer  Konstanzer  ürk.  Tom  27/2.  1417  (Archi?  I,  III  Hft,  p.  154)  belegen. 


GLXV 

zerunnen  6,  4;  15,   163  {zerrirmm  15,  12).    üeber  r  für  «  in 
Verliesen  s.  die  GonJDgation. 

n.  Unorganisch  ist  n  in  utikünsch  14,  34;  25,  29;  29,  99; 
cmcmUsten  28,  458;  in  ewenklieh  4,  157,  170;  12,  6;  13,  40; 
25,  30,  34,  40,  66,  74;  28,  353,  644  (MG.  S  198);  dann  in 
nun  (=  nü)  4,  80;  5,  76;  8,  11;  9,  1;  22,  35,  wofür  AG.  p. 
293  nnr  zwei  Belege  aus  Dietr.  und  Brant  bietet;  erg.  dazu  nun: 
8tm  Wolfd.  D  X,  4  und  die  andern  Nachweise,  welche  Jftnicke 
zu  X,  4,  1  gesammelt,  wozu  ich  anfüge  :  nun  Hätzl.  I,  15,  44, 
65;  83,  20;  Halbs.  (LB.  I*)  1118,  12;  Laufb.  704, 1,  2;  708,  9; 
761,  4;  763,  7  und  meist;  Netz  135,  231,  234,  1047,  1473; 
Moer.  116,  123,  484,  522,  1532,  2804  und  bei  Sachsh.  noch  oft 

Auf  nasalem  Verklingen  von  n  beruhen  si :  mtn  18,  181 ; 
bi ;  sin  {esse)  29,  117  (=  m^,  «T);  ferner  eine:  weine  (Inf.)  7,  2; 
liege  :  ziehe  (Inf.)  zu  29,  137;  dawider  :  gelider  (Dat.  PL)  25, 
100  (s.  Declin.);  auch  sunneiwwnden  (Dat.  PI.)  13,  52.  Vgl.  dazu 
im  Wolfd.  D.  (DHB.  IV,  Einl.  p.  8  und  10)  dri.stn;  si:mtn:din; 
Stangen :  lange ;  gebraten :  gedrdte.  Im  Reinfr.  verborgen :  sorge 
4491;  zergangen :  wange  3843,  3891  (Jänicke,  Zs.  f.  d.  A.  17, 
512).  In  d.  Mag.  Krone  hin:iüüsti;  ISren  (Dat.  Pl):m^re  (bei  Zing. 
496).  Bei  Halbs.  cronen  (Dat.  PI): schone  (LB.  I*)  997,  9;  be- 
schaffen  (Pa,rt.) :  pf äffe  1108,  14;  Laufb,  schon  :  Jericho  740, 
11;  mannen  (Dat.  PI.)  :  Avme  (N.  S.)  719,  9;  wiben :  übe  739, 
2 ;  Sünden  (D.  F\,):]einde  739,  10;  herreniverre  763,  4.  Im  Netz 
si  :  pin  11873;  ges'winde  :  kinden  8426;  drangen  (Part.)  :  junge 
mS;  gotte :  geboUe{n)  (Part.)  1047,  13369;  hütm  (Dat.  PI.)  : 
lüte  11061;  siechte :  knechten  11339;  affe:pfaffen  11729  neben 
zahlreichen  apokopierten  n  des  Infinitivs.  Ich  bin  hier  mit  den 
Belegen  etwas  freigebig  gewesen;  allein  es  handelte  sich  nicht  nur 
darum,  die  apokopierten  n  bei  Hugo  zu  sichern,  sondern  auch  darum, 
eine  Ansicht  der  MG.  (p.  178),  welche  auch  andere  teilen,  dass 
ntolich  die  Alemannen  die  Reime  e  :  en  auf  den  Infinitiv  be- 
schränken, zu  rectificieren. 

Hier  werden  auch  noch  nen  7,  13  (s.  p.  153,  unter  e)  und 
die  durch  Correctur  gewonnenen  kon  8,  13;  13,  9  (s.  p.  147,  Anm. 
1)  zu  verzeichnen  sein. 

Bei  nu  (=z  nün^  niuwan)  28,  28;  29,  37  könnte  der  Ver- 
lust  des  n  vielleicht  auch  durch  Verwechslung  mit  nu  erklfirt  wer- 
den,   üeber  Apok.  des  n  in  wengU^  helsU  etc.  s«  die  Decliaatlon« 


OLXYI 

n  für  m  im  Auslaut :  k<m  (=  kam)  :  han  4,  85  [dieselbe 
Form  ist  auch  bei  Hadl.  2,  10,  2  (vgl.  EttmüUer  z.  St),  in  der  Mart 
33,  55;  bei  Heinz.  ML.  2231;  Boner  21,  60;  in  der  Moei:.  529 
reimbelegt];  tron  (=  troum)  :  scMn  28,  221,  281;  31,  l  :M»  31, 
37,  105  :  Mn  25,  201  :  hdn  17,  29;  24,  1  [vgl.  troun :  soun 
Reinfr.  368;  ruonituon  Mart.  1,  21;  Pfeiffer  zu  Heinz.  ML. 
135;  Jänicke,  Wolfd.  Dp.  7;  altd.  Stud.  p.  57];  kon  (=  kom{en): 
Ion  8,  13  :  hdn  13,  9;  nen  7,  13;  auob  in  Suff,  dien  i  preldten 
5,  212;  be8en:we8en  30,  36  (MG.  $  198,  AG.  p.  173).  Bei 
hbesam :  an  28,  533;  gram  :  hdn  14,  37  kann  demnaoli  gleich- 
fieills  lobescm  und  gran  geschrieben  werden,  welche  Hadl.  lobe^ 
san  (:  an)  13,  4,  4;  Mart.  (:  ran)  96,  54;  Staufb.  (iheatdn)  814; 
Hadl.  gra/n  {:  man :  hdn)  47,  27;  LS.  (:  an)  243,  169;  Moer. 
126,  Netz  7979  durch  Reime  belegen. 

n  :  m  vor  t  in  end  :  9chemt  (auch  schemd  möglich)  18,  117. 
Vgl.  damit  mmt:  kint  Staufb.  823  und  B.  d.  Rügen  575;  aa/nd» 
(==  samt)  :  lande  Wolfd.  D  IX,  172  (Jänicke,  DHB.  IV,  EinL  p. 
10  und  besonders  Zs.  f.  d.  A.  16,  477);  Mart  vemint :  kint  137, 
9;  LS.  blint :  nimt  178,  865;  Boner  nint :  kint  63,  9  :  besint 
99,  51  :  eint  Nachr.  23  und  die  übrigen  mt :  nt  (bei  Schönbaoh, 
Zs.  f.  d.  Ph.  VI,  253) ;  Laufb.  vemint :  kint  760,  5;  Netz  schämt: 
hand  8216;  verachemt  i  geachent  13305;  gefrümtisünd  9785. 
Ueber  n  =  m  in  kunst^  kunt  von  kamen  s.  die  Gonjugation. 

Auch  in  der  Gemination  reimen  die  beiden  Nasale  stimme: 
hünniginne  25,  133.  Vgl.  damit  Wolfd.  D  VH,  9b  gimme :  sinne 
(DHB.  lY,  10);  LS.  minn  :  gimm  244,  224;  banner  :  kammer 
202,  273;  Netz  temmen  :  erkennen  2963;  strummen  :  sunnen 
11398.    Ebenso  reimen 

nn  und  ng^  denn  ng  ist  in  allen  Dialekten  gutturaler  Nasal 
und  einlautig  (w)  (vgl.  Wülker  in  PB.  Beitr.  IV,  34 ;  Seiler,  BasL 
Mundart  217)  :  bkenn  :  leng  23,  25;  mannen  :  zergangen  29,  54; 
sinnen  :  gedingen  28,  450  —  und  wirklicher  Wechsel  in  gesunnen 
(=  gesungen)  :  zerunnen  15,  161;  vgl.  dazu  Netz  6619  springen: 
endrinnen;  LS.  221,  1  wunn:jung;  Laufb.  789,  5  küniginne  : 
vollbringen. 

Die  in  den  drei  letzten  Absätzen  angeführten  Reime  belegt 
AG.  nicht,  während  MG.  $  198  sie  den  Baiern  zuweist  Aehnlich 
wie  ng  verhält  sich  nd;  daher  die  Reime 

ng :  nd  (welche  MG.  $  201    nur   fflr  das  Md.   nachweist)  • 


CLXvn 

verhangt :  schomd  15,  68;  hwifig  :  grwnd  28,  709;  30,  33;  mme- 
lir^en  :  vinden  1,  72;  hela/ngen  :  v^r^tond^  28,  662;  zergcmgeiM 
branden  31,  190;  ^/an^rn  :  (ont^m  36,  2;  jung  i  absprang  i 
hunt  Qcund  möglicli)  9,  32  (vgl.  Boner  anegende  (=  -genge) :  «ndtf 
Vorr.  1;  ding  :  «W  22,  51;  55,  61;  92,  19,  55)  —  und 

nn  :  nd  (MG.  $  201)  wunden :  «t^nn«  13,  52 ;  zerinnen :  t/tn- 
(2^  15,  12;  mannen :  banden  18,  118;  25,  193:  acJhonden  37, 
59;  ^««unnen  :  wunder  15,  47;  «unnrn  :  wunder  30,  62  (vgl. 
Halbs.  entrunnen  :  «Kunden  1115,  13)  —  und  wirkliche  Assimi- 
lation in  unnen  (=  unden)  2,  122;  vgl.  dazu  inwennig  Moer.  93, 
die  unn  (=  und)  in  den  al.  Montf.  Urk. ;  pJhennen  (:  ^fe^ntiw)  LS. 
28,  505  und  einige  andere  Belege  in  AG.  $  204. 

Umgekehrt,  aber  ebenso  erklärlich,  ist  die  « Dissimilation*  von 
nn  zu  nd  (nach  Martin,  Saphsh.  p.  45)  in  minder  (=  minner  32, 64) 
22, 39 ;  mindern  2, 51  u.  ö.,  wie  hinder :  minder  Mart  280, 63 ;  gün- 
den  (=  gwnnen)  in  Hugo's  al.  Urk.  vom  27./3.  1422 ;  htinden  Moer. 
364;  donder  im  Metz  6368,  nnd  im  heutigen  Dial.  mander  n.  dgl.  m. 

Reime  zwischen  mm  und  ng^  welche  MG.  §  198  und  201  nur 
im  Bair.  und  Md.  kennt,  erscheinen  auch  bei  Hugo  nicht,  wohl 
aber  ein  mb  :  ng  in  umbe  :  ordenunge  30,  10. 

Oben  war  von  den  Reimen  und  dem  Wechsel  zwischen  r  und 
l  und  zwischen  l  und  n  die  Rede;  demnach  kommen  auch  solche 
zwischen  n  und  r  nicht  ganz  unerwartet,  denn  das  mathematische 
Gesetz:  .sind  zwei  Grössen  einer  dritten  gleich,  s6  sind  sie  auch 
unter  einander  gleich*  gilt  in  gewissem  Sinne  auch  bei  sprach- 
lichen Erscheinungen,  wie  sich  soeben  wieder  bei  den  Nasalverbin- 
dungen gezeigt  hat.*  Es  reimen  winden  :  Jdnder  13,  6 ;  besunnen : 
wunder  15,  47 ;  zergangen  :  anger  15,  57 ;  behalten  :  alter  24, 
82;  25,  115,  175;  guoten  :  muoter  27,  186;  bratm  :  ndter  28, 
121 ;  sunnen  :  wunder  30,  62;  walten  :  alter  31,  189;  moflrkeheni 
starJccher  32,  25,  also  in  der  zweiten  Silbe  kling.  Reinie  (v^l. 
dazu  Mart  83, 1  beider :  leiden ;  256, 1 7  auch  gewan :  gar;  Netz  2541 
ebrecher  :  rechen;  13122  minder  :  winden;  12676  kaiser  :  waisen; 
2813  lernen: gemer). —  Wirkl.  Wechsel :aZ^ew  (=alter):behatten26^ 
18;  Zünden  (=  Zunder): gebunden S9^ 29  und  im  Versinnem  truffeni 
(von  truferie)  5, 67,  was  bezeugt,  dass  wir  es  mit  einem  mundartlichen 
Vorgang  zu  tun  haben,  den  ich  auch  anderwärts  nachweisen  kann. 
Schon  Birl.  AS.  p.  98  bietet  einen  Beleg:  « Wechsel  zwischen 
r  und  n  ist  in  der  alten  Aussprache  von  JBa/vensburg  zu  erkennen  * . 


CLXvin 

Im  Spiegel  steht  leicJimi  (=^leicJierte)  181,  27,  also  dieselbe  Form 
wie  Hugo's  truffeni  (vgl.  Martins  Anm.  zum  Temp.  105  nnd  erg. 
dazu  laicJhiny  Jes.  106).  Auch  in  Webers  Oswald  26,  195  piehaney 
(:  8ymaney\  welches  in  der  Mart.  82,  11  ursprünglicber  hieggerie 
lautet.  In  al.  Urkunden  des  14  und  15.  Jhds.  begegnen  häufig 
Sangans^  Sanngans^  Sa/negana  für  Swrgana^  Sarrgcms  und  Sa/re- 
gans,  z.  B.  ürk.  vom  9./1. 1388  (Arch.  I,  p.  121),  vom  6./12.  1389 
(Arch.  I,  p.  136,  138)  n.  a.;  auch  noch  in  Tsohudi*s  Ghron.  Helv. 
wechseln  Sangans  und  Sargana  I,  494,  498  u.  ö.  Femer  belegt 
Birlinger  in  der  Alemannia  III,  276  aus  Bürster  zweimal  geschnatien 
119,  138  neben  drei  geschrauen  (geschreyen)  27,  115,  170  — 
und  Seiler,  Basl.  Mundart  p.  231,  niemer  (=  niemen\  äner  (= 
j^nen).  Diese  Belege,  die  sich  mehren  lassen  werden,  genügen  vor- 
läufig, um  darzutun,  dass  der  Wechsel  der  Liquiden  r-2,  l-n^  m-n 
(MG.  $  142)  durch  ein  neues  Glied  n~r  zu  ergänzen  ist.  Sollte  ich 
für  diesen  Lautvorgang  eine  Erklärung  suchen,  so  würde  ich  daran 
denken,  dass  r,  welches  sonst  nach  Vocalen  im  Süddeutschen  ge- 
wöhnlich guttural,  hier  dental  lautete  und  so  dem  n  homorgan  wurde. 

c.  Gaumenoonsonanten. 

g  wechselt  mit  j  in  tueje  24,  107;  iuegi  18,  28  (vgl.  p.  179); 
mit  A  in  ^üg  1, 16,  dazu  der  Reim  liegen:  ziehen  29, 137  (AG.  p.  182). 

gg  für  mhd.  k  in  ergger  (mittllat.  arcora)  28,  509;  linggen  4, 
175;  weiter  für  fcfc,  ch  in  Eggen  7,  28;  Eggenot  15,  96;  ruggen 
15,  3;  88,  142;  pmggen  38,  144;  egg  2,  123;  glöggli  8,  8; 
gloggen  16,  53;  heggen  16,  50;  vgl.  Pfeiffer  zu.Heinzelin  ML.  709. 

C,  k.  c  im  An-  und  Inlaut  ist  im  raschen  Verschwinden  be- 
griffen. Hugo  zeigt  es  nur  mehr  bei  liclagen  7,  2;  18,  1;  claffb^ 
254;  duog  14,  23;  24,  30;  27,  22;  28,  245,  460;  31,  81,  139; 
33,  29;  36,  1;  cZ^  4,  30;  5,  26;  21,  9;  30,  75;  clarheit  28, 
422;  30,  63;  closter  29,  26;  clag  4,  69;  28,  366;  clegUch  4, 
180;  25,  16;  clein  5,  43;  claffer  28,  109;  clagen  28,  354;  36,  21 
(daneben  auch  hluog  2, 16 ;  Iclusen  2,  21  u.  a.)  —  und  einigemal  vor 
r  in  Fremdw.  cristenheit  5, 228, 240;  cristan  5,  104, 106;  28,  451, 
514,  29,  165  etc.  oreatur  18,  61,  28,  306;  crisoUtuB  28,  462. 

Wo   im   Auslaute  nicht    schon    die  nhd.   Media  eingetreten 

ist,  wurde  c  auch  hier  von  h  verdrängt,  so  begegnen  hhmk  :  gedank 

5,  45;  trank :  gedank  14,  31;  loik  31,  41.     Desgleichen  trat  fc 

/iir  c,  ^  in  die  Zusammensetzungen   mit  -Uch :  wiUekUch  1,   88 ; 


GLXIX 

4,  145;  ßüsklich  6,  24;  mrdeklich  3,  31;  senfteklich  5,  86; 
zergcvrücUch  27,  118;  28,  378;  29,  34,  94;  31,  206;  33,  98; 
38,  138;  üppklieh  29,  113;  ivuneklich  37,  60;  vesteklich  38,  145; 
gwalteklichen  31,  69;  eiuenklichA,  157,  170;  12,  6;  13,  40  (vgl. 
p.  165);  gewaltklich  33,  30;  menklich  33,  15,  auch  in  ieklicher  30, 
19,  22;  31, 255.  Brant  hat  c  nur  mehr  in  Fremdw.  (Zamckep.  282). 

Die  Gutturalgemination  steht  vereinzelt  in  blikkm  16,  38; 
atrihken  16,  40;  28,  151;  zukkermess  38,  2,  ebenso  vereinzelt 
in  den  al.  Montf.  Urkunden  und  im  Netz.  Ein  ck  begegnet  bei  Hugo 
nicht,  dafür  durchweg  nur  einfaches  fc,  wenn  nicht  Aspiration  einge- 
treten ist,  z.  B.  glüh  1,  61;  geschikt  2,  9;  5,  46. 

ch,  kh.  lieber  die  grosse  Ausbreitung  der  Gaumenaspirata  im 
Alem.  vgl.  AG.  %  219,  Birl.  AS.  p.  108  und  118.  In  unserer  Hs. 
begegnet:  urchünd  4,  149;  33,  134;  chund  38,  47,  chuolet  37, 
14;  Chan  33,  160;  36,  21;  38,  99,  136;  cheiner  35,  5;  chein  38, 
22, 25,  127  (=fc«n,  nur  zweimal  d{e)hein  4,  86;  38,  14);  cUuogm 
38,  98;  chomen  38,  54;  cJiam  38,  46  (möglicherweise  durch  w 
beeinflusst);  anzufügen  ist  vielleicht  auch  noch  churfürsten  5,  229 ; 
chör  33,  137;  37,  20  (aber  15,  123  kören).  —  werch  2,  59;  4, 
HO,  112;  28,  237,  241,  247,  6S0;  32,  31;  werchen  29,  167; 
züch9y  11,  25,  36;  8ma4sht  28,  20;  dann  auch  scMach  29,  45 
(ch  =  c  =  g). 

Viel  häufiger  zeigt  sich  die  Aspirata  noch  in  der  Schreibung 
kh  und  keh,  sowohl  nach  Yocalen  wie  Consonanten.  Dass  damit 
die  Aspiration  von  k  gemeint  sei,  ist  zweifellos  (Birl.  AS.  p.  118). 
Bei  Hugo  zeigt  sich  charakteristische  Schreibung  in  den  Reimen 
perkh  :  werkh  11,  25  (werch  wurde  soeben  belegt),  noch  deutlicher 
in  st(xrkch:sarch  15,  76  [so  steht  auch  in  der  Mart.  sarch  :  storch 
168,  29 ikarch  284,  5;  Laufb.  sarch: arch  (=  Arche)  735,  6];  fer- 
ner in  hüch{s):donnerplikchSS^2b  und  wohl  auch  erkikh(t):  sicher^ 
Uch  1,  1  (s.  Anm.  z.  St.);  vgl.  dazu  nihte :  erkichte  Mart  229,  103; 
bedacht :  gemacht  Mag.  Krone  141^  und  AG.  S  224.  Viele  von  den 
zahlreichen  Belegen  in  der  Zeile  wurden  schon  in  Abh.  III,  p.  114 
aufgezählt,  worauf  ich  hier  verweise.  Zwischen  der  Schreibung  kh 
(bei  A)  und  kch  (bei  B)  ist  kein  anderer  Unterschied  als  etwa 
zwischen  ht  und  cht  in  niht  und  nicht  Der  Grund  dieser  Er- 
scheinung ist  in  der  velaren  Aussprache  des  k  zu  erblicken :  die 
Alemannen  wie  die  verwandten  Dialekte  der  Schweizer  «spre- 
chen  das  k  hochdeutscher  WOrter  durchschultUIcik  ^k   k^m^V:^^ 


OLXX 

(AG.  $  219;  Winteler,  Kerenzer  Mundart  p.  11)«  and  die  JA  und 
kch  sind  die  entsprechenden  Zeichen  dafür  (Scherer  GDS^.  p.  136). 
Freilich  hat  man  sie  in  Ausgaben  ganz  abgetan  und  die  Hss.  will- 
kürlich nach  mhd.  oder  nhd.  Gebrauche  normalisiert;  solches  Ver- 
fahren hätte  eine  wohlbegründete  Eigentümlichkeit  unseres  Denk- 
mals zerstört.  Man  wird  aus  den  vorausgegangenen  Blättern  er- 
kannt haben,  wie  die  jetzige  Schreibweise  überhaupt  vielfiioh  der- 
jenigen vor  der  mhd.  Zeit  ähnlich  wird;  und  so  ist  es  für  unsem 
Fall  charakteristisch  genug,  dass  sich  in  jenem  altern  Alem.  diese 
kh  und  kch  finden,  bis  sie  Notker  und  seine  Schule  unter  dem 
Einflüsse  des  Fränkischen  mit  k  und  ch  vertauschten. 

ch,  h.  ch  wird  für  mhd.  h  der  «  vulgären  Aussprache  gemäss*  ge- 
schrieben: verlieh  24, 137  neben  ameh  14, 11,  dazu  der  Reim  gehrech 
:  9peh  28,  29  —  besonders  vor  f,  der  Ausnahmen  sind  nur  wenige : 
hdcht :  vervaht  28,  241;  recht :  sieht  28,  233;  29,  93;  31,  42, 
50,  93;  beechiht  15,  155;  24,  119;  32,  35;  mehUg  4,  167* 
Nach  l  erscheint  noch  hin  enpfalh  25, 178;  enpfäh  35, 29;  er^folhen 
19,  21;  34,  29.  Zu  weihe  28,  358;  sölh  32,  39;  sölher  28, 
349  vgl.  MG.  p.  202. 

h  für  gemeingebräuchliches  eh  (AG.  $  235)  steht  dann  in  ver- 
ziheniwiJien  (=wte7ien)  27,  170;  ruhe  9,  18  (==  ruche  und  rtihe 
Adj.  Acc.  PL;  vgl.  Paul,  Beitr.  VI,  559).  bsehah  24,  122,  sonst 
nur  beschach 

Gänzlicher  Verlust  des  h  (=  ch  und  h)  in  weler^  (=  wel' 
'  ehern)  5,  214  (ebenso  Netz  2422,  2837  u.  o.;  Mag.  Krone  101»>); 
und  neben  nicJU :  zitoversicht  2,  67  etc.  reimt  fdt :  mit  24,  117 : 
Sit  17,  18;  18,  33;  sitt :  nitt  18,  141  :  itt  5,  242  (vgl.  Wolfd,  D, 
DHB  IV,  8;  Virg.  DHB.V,  16;  Braut  p.  282).  Neben  dem  gemein- 
gebräuchlichen noch  2,  72 ;  5,  349  u.  durchweg  steht  26,  22  ver- 
einzelt nOy  das  gleichfalls  dem  Dichter  angehören  könnte,  denn  bei 
Heinz,  begegnen  analoge  Formen  oft  (vgl.  Pfeiffer  zu  ML.  122), 
ebenso  bei  Hadl.  (9,  1,  11  u.  a.),  Reinfr.  (2151  u.  o.)  in  Lassb. 
LS.  (37,  38),  in  der  Mart  (vgl.  AG.  $  236),  bei  Brant  (p.  282), 
und  dem  heutigen  al.  Dialekt  ist  no  geläufig. 

h  im  Anlaut  wird  apokopiert :  istori  38,  52  (vgL  AG.  p. 
195  und  erg.  dazu  Erkules  Moer.  5927;  anttverchm(M  Netz  12954), 
wobei  vielleicht  an  italienischen  Einfluss  zu  denken  ist 

h  als  Trennungszeichen  (Gr.  I^  89)  inJhesus  5, 113  (s.  Anniuz. 
St.);  13,  \9,  welches  in  dieser  spätem  Zeit  fast  allgemein gewordea  u 


CLXXI 

j  lebt  fort  in  der  Gemination  von  nn^  rr^  II  (Gr.  l\  123): 
wenn  (v.  wdnjan)  2,  28;  5,  1;  18,  48,  185;  38,  8;  werren 
(v.  warjan):herrm  5,  223,  249;  28,  \Qbiherm  7,  18.  ge- 
wellet :  ffeseüet  5,  195  —  fallt  ab  in  enen  {=  jenen)  5,  261. 

Zu  den  bisher  erörterten  consonantisch  angenauen  Reimen, 
welche  (zum  grössten  Teile  wenigstens)  dialektisch  genannt  werden 
können,  tritt  noch  ein  ansehnlicher  Rest,  bei  dem  mundartlicher 
Einfluss  zweifelhafter  oder  ganz  ausgeschlossen  ist  Häufig  wechseln 
m   den  Reimen  die  tönenden  Verschlusslaute. 

d:  g  in  gnad  :  wäg  28,  445;  red  :  leg  38,  101.  reden :  legen 
31,  162;  Ueden :  betriegen  31,  177;  liden  :  verewigen  32,  74; 
sieden  :  Uegen  28,  98. 

dibiagab: gnad  18,  97,  161;  24,  137;  27,  193,  198;  28, 
673,  689;  abibad  28,  114;  gnade:  gäbe  30,  102;  gnaden: 
gaben  27,  65;  28,  685;  32,  146;  33,  166;  38,  154,  173;  miden: 
echriben  20,  17  :  triben  22,  14;  30,  90  :  wiben  25,  43;  31,  6; 
versehmden  i  unben  26,  58;  Uden:  wiben  28,  117;  38,  13. 

b  :  g  m  hndb  :  sag  5,  87;  ab  i  sag  31,  10:hag  34,  23;  geb: 
weg  32,  126;  verg^en  i  wegen  18,  94;  Üben:  wegen  18,  134; 
29,  65;  pflegen:  geben  25,  53;  heben:  legen  28,  118;  eben: 
wegen  29,  157;  oben  :  betrogen  24,  17  :  gebogen  28,  10;  beliben: 
ewigen  28,  26;  Ueiben  :  betriegen  37,  1 ;  Jiaben  :  gesehlagen  28, 
142;  graben  :  sMagen  28,  77  :  sagen  28,  278;  geloben  :  logen 
28,  514 :  ogm  32,  94. 

Es  muss  aber  henr<»rgehoben  werden,  dass  Birl.  AS.  p.  114, 
129  und  143,  teilweise  auch  AG.  §  155  wirklichen  Wechsel  zwi- 
sciien  J,  6,  g  bellen.  Reime  dieser  Art  sind  im  Alem.  und  in 
andern  Dialekten  <)  haofig;  vgl.  Wolfd.  D  (DHB.  lY,  p.  8),  Virg. 
(DHB.  V,  16),  Boner  (bei  Schönbach  in  der  Zs.  f.  d.  Ph.  VI, 
253) ;  dann  in  der  Hart  grubil :  geschrudil  10,  13 ;  wege :  rede  85, 
95 ;  Mag.  Krone  Isgen :  reben  42^ :  leben  1 12%  gelouben :  lougen  97^ 
gehabt  igemgi  5*;  bei  Halbs.  geben  :  segen  1108,  18;  sehwigen  : 
bliben  1115,  lOzgetriben  1119,  2;  wagen:laden  1116,  29;  im 
LS.  geben :  mfem  244,  243;  haben  :geslagen  245,  205  n.  a. ;  Laufb. 
gelouben  :  aufien  708,  9 ;  gegeben  :  segen  709,  6 ;  loben  :  gezogen 


0  niWMJ  s.  B^  «m  Bodi  „senan  reimender  Dichter«^  (?)  bindet  h  \  g  (B^um 
€ßi  SB  Vftfr.  ^  MG.  §  148. 


cLxxn 

739,  11;  740,  13;  im  Netz  schaden: vertragen  4622 rcia^en  10577; 
reden  :  eben  1994;  beliben  :  üden  12404;  clag  :  hob  2735;  haben: 
gesaffen  793,  923,  1522  :  tagen  805;  geben  :  pflegen  3227,  4020, 
4353  :  ic^e^m  3901  u.  s.  w.  (im  ganzen  53  Belege).  Saohsenheim 
meidet  sie,  ebenso  Brant. 

Leichter  sind  die  Fälle,  wenn  der  Media  r  voraasgeht: 

rb  :  rd  in  stirb  :  wird  28,   717;  30,  101;  verderben  :  erden 

1,  46;  22,  28;  24,  72;  31,  228;  35,  8  :  werden  27,  164;   29, 

143;  sterben :  erden  18,  108;  24,  43,   47,  120;  25,   123,  177, 

196;  27,  128;  28,  218,  306,  357;  33,  40,  90;  38,  40 :  werden 

27,  100,  225;  28,  321,  621;  29,  64;  33,  5;  35,  30;  38,  119; 
werben  :  erden  27,  42;  verdorben  :  orden  29,  151,  155  :  worden 

28,  507.  • 

Auch  Boner  weist  einen  solchen  Reim  auf  (Schönb.  a.  a.  0.), 
17  das  Netz,  darunter  auch  rg  :  r&,  rg  :  rd;  ebenso  LS.  261,  19 
verborgen:  orden^  welche  bei  Hugo  nicht  vorkommen. 

Das  eine  Reimwort  hat  einen  Gonsonant  mehr  als  das  andere  : 

sorgen  :  wolgeporen  20,  1 ;  magt :  sagst  28,  413  (vgl.  aber 
p.  173);  pUkch  :  büchs  38,  25.  —  sil:wS  24,  86  (vgl.  Laufb. 
ysrahel :  abrahe  763,  b\  zil :  sy  794,  Nachg.);  zwär:grä  20,  26; 
24,  50.  —  leisten  :  heissen  28,  874;  29,  17,  77. 

Die  Reimwörter  haben  verschiedene  Gonsonanten. 

t:  p  in  nit :  rip  27  j  125;  mb  (wip  ?)  ;  lit  18,  146  (auch 
bei  Boner  und  im  Wolfd.  D);  vgl.  MG.  p.  128. 

n:  tin  kan  :  hat  3,  33.  —  glesten  :  heftet  28,  554  (dazu  Netz 
erkennen  :  verbrennet  685;  lachen  :  machet  9486). 

s  :  g  m  wisen  :  nigen  24,  37. 

ch:  ff  in  machen  :  geschaffen  27,  192;  30,  11,  27,  39;  35, 
23 :  beschaffen  33,  158.  Vgl.  dazu  drei  ft :  ht  im  Reinfrid  (Jänioke, 
Zs.  f.  d.  A.  17,  512;  MG.  $  142  und  Zusätze  zu  p.  200),  ein  cht: 
ft  und  buch  :  ti/  59,  51;  hof:  noch  75,  11  bei  Boner  (Schönbach 
a.  a.  0.);  ferner  LS.  191,  167  giech:Ueff;  LB.  P,  973,  5  wa- 
chen :  Nidenoffen;  Netz  2210,  2306  schlecht :  behefty  4075  ge- 
rieht :  geschrift. 

ch :  SS  {zz)  in  brechen :  gemessen  31,  65  (Mart.  spräche :  maze 
280,  93).  —  tz  :  st  in  setzen  :  besten  18,  269. 

seh  :  st  in  heechen :  besten  28,   314  (Brant  reseh  :  lest  84). 

kch  :  tt  vielleicht  in  bUkchen  :  sitten  :  vermitfen:  büten  21,  10. 
/f :  st  in  gehefftet :  glesten  28,  554. 


GLKXni 

ff  ".  88  in  schlaffen  :  lassen  35,  26;  straffen  :  mässen  31,  110 
und  vielleicht  in  offen  :  beslossen  :  verdrossen  13,  56. 
SS  :  tt  in  angeschossen  :  ^o^^^ii  28,  509. 

8.  (ieBjiigatioB. 

Zu  den  grössten  Umgestaltangen,  welche  die  Gonjagation  der 
Zeitwörter  anf  dem  Wege  vom  Mhd.  zum  Nhd.  erlitten  hat,  gehört 
der  Wechsel  der  singalaren  mit  den  pluralen  Stämmen.  Bei  Hugo 
tauchen  bereits  Spuren  davon  auf:  sehen  zeigt  20,  9  als  Präs.  Ind. 
ich  seh  (AG.  p.  320);  Verliesen  hat  im  Praet.  Ind.  S.  den  Stamm- 
schlusscons.  des  Plur.:  verlor  11,  24;  24,  26,  44  (vgl.  Jänicke  zu 
Wolfd.  60,  4;  Zarncke  zu  Brant  p.  280).  Dialektisch  ist  das  Praet. 
luff  5,  64,  dazu  das  Part,  geloffen  (:  offen)  4,  193  (vgl.  AG.  p.  332, 
wozu  luff  Mag.  Krone  100*  ergänzt  werden  kann).  Auch  die  vielge- 
staltigen Flexionssilben  bringen  Zeugnisse  vorgeschrittener  Sprach- 
beschaflfenheit  sowohl  wie  dialektischer  Färbung.  Ich  fasse  die  st. 
und  sw.  Conjugation  zusammen. 

Praesens. 

Ind.  Sing.  I  Pers.  -«,  das  Hugo  nicht  nur  nach  kurzen, 
sondern  auch  nach  langen  Silben  abwirft  (MG.  $  350):  bitt  31, 
253;  sich  31,  119;  tracht  (:  macht)  32,  151;  ^lfün8ch  37,  49; 
%^  8,  9;  raut  34, 37  und  auffallend  häufig,  so  dass  die  apokopierten 
Formen  die  Regel  bilden^). 

Neben  -^  findet  sich  auch  die  dialektische  Endung  -en  (AG. 
S  339)  :  warnen  3,  58;  varen  17,  28;  danken  27 y  65;  34,  5; 
merken  38,  35. 

n  Pers.  -est:  bekennest  5,  132;  machest  27,  83;  doch  ist 
der  Themavocal  nach  Kürze  und  Länge  meist  ausgefallen :  hebst  32, 
45;  siehst  10,  4;  liebst  18,  102;  behaltst  22,  31;  bhuetst  27,  100; 
vindst  28,  135;  bindst  29,  92  —  zugleich  mit  dem  Schlusscons.  des 
Stanunes,  wenn  er  dental  ist:  vinst  27,  81;  beschlüst  35,  20. 
Ekthlipsis  :  gist  (=  gibest)  3,  15;  4,  61 ;  27,  73,  200;  31,  23.  — 
g  wird  palatal  und  zu  ivalist  (==  ligest)  28,  304;  seist  (=  sagest) 
29,  57,  73.  —  Bei  sagst :  m^gt  28,   413  ist  es  möglich,   dass 


^)  Selbstyerst&ndlich  im  reconstmierten  Texte,  wo  die  Fehler  der  Schreiber 
beseitigt  sind;  nur  dieser  konnte  zn  den  Abbandinngen  benützt  werden. 


ursprünglicli  sagt :  magt  stand  und  wir  hier  einen  neuen  Beleg 
hätten  für  die  Bildung  der  11  durch  t  (AG.  §  362,  340). 

III  Pers.  -et  Der  Themavocal  erscheint  häufiger  als  in  der 
I  und  II  P.,  auch  nach  kurzer  Silbe:  hrehet  21,  6;  ergihet  27, 
72;  wiget29>,^l\  nimet  28,  492,  519.  dunkhet  11,  18;  rüwet 
4,  71;  leidet  6,  12;  zürnet  6,  21;  hil/et  15,  43;  27,  23,  Da- 
neben die  Synkopen  veU  28,  548;  gelobt^  glicht  28,  508;   hilft 

17,  11;  ruefft  28,  517  u.a.  Beachtenswert  sind  die  Formen  schadt 
6,  38;  28,  588;  vindt  16,  19;  18,  26;  22,  23;  24,  96;  31, 
126;  33,  111,  113,  164;  ziindt  18,  229;  endt  26,  54;  redt  18,  6[; 
27,  91;  38,  86,  wo  also  der  Lingualis  des  Stammes  neben  dem  der 
Endung  stehen  bleibt.  Auch  in  der  Hätzl.  erscheint  11,  27  endt; 
13, 74  redt;  24, 70  meldt;  25, 24  zündt;  26, 31  vindt  etc.;  in  Hugo's 
Breg.  Urk.  von  Nov.  1415  (vgl.  Ausz.  in  Abh.  I,  p.  54)  redt;  ürk. 
23./1.  1386  beredt  2mal;  im  Netz  sendt  6522,  das  aber  meist,  wie 
andere  al.  Dichter,  den  Stammling  verhärtet:  ncLchrett  1974;  schaU 
3201, 6088,  8714;  Laufb.  entrett:  bett  763,  7,  wie  z.  B.  Suchenwirt 
unter  den  bair.  Dichtern.  Die  MG.  $  351,  378  und  AG.  S  341,  362 
haben  diese  beiden  allerdings  selteneren  Formen  nicht  belegt.  —  Da- 
neben zeigt  unsere  Hs.  auch  vint  5,  349,  353;  emphint  5,  311, 
welche  in  den  Grammatiken  a.  a.  0.  vorgesehen  sind.  —  Ekthlipsis: 
git  i=gibet)  5,  32;   14,  3;  18,  244;   19,  3;  20,  48;  22,  29; 

23,  3;  24,  103;  25,  198;  26,  15;  28,  291,  559,  567;  29,  7,  37; 
31,  84;  35,  19;  37,  31.  —  g  wird  palatal  und  zu  i  in  Ut  (=  liget) 

18,  120;  27,  174,  199;  29,  87  :  zit  2,  39;  3,  52;  10,  29;  15, 
3:wib  18,  148.  treit  {^traget)  28,  513  :  geschibikeit  2,  64. 
seit  {=  saget)  8,  17;  18,  137;  30,  23:  leid  11,  28.  leit  {=  le- 
get) :  treit  5,  341  :  gseit  18,  151. 

Auch  der  Flexionsconsonant-^  wird  abgeworfen  in  hilf  7,  3 
(vgl.  oben  p.  161  und  AG.  §  177  und  341);  daher  ist  gicht: 
weltlich  5,  259  (wie  im  Netz  lacht:  sprach  12910;  scho'ibtihb 
752;  bei  Braut  ruck:  druckt  111, 64;  sich:  spricht  112, 7)  nicht  ohne 
weiteres  als  ungenauer  Reim  zu  nehmen,  da  im  Or.  gich  gestanden 
haben  kann;  vind: gesind  Netz  2530  kann  gleichfalls  hieher  gehören. 
Häufiger  begegnet  Abwurf  von  ->^,  oder  wahrscheinlicher  ^,  zugleich 
mit  dem  Themavocal  in  lingualen  Stämmen  schwacher  Yerba :  ticht 
[=  tich{te)t  oder  ticht{et)]  :  bricht  5,  339 ;  wuet :  guet  3,  81  :  ^r^ 
muet  18,  45  :  bluet  35,  27.  furcht  5,  265;   huet  20,  45;  btat 

24,  120;  behuet  29,  108;  lust  33,  88. 


CLXXV 

Plur.  I  Pers.-^:  behalten  28,  431;  puwen  33,  8.  Die  schon 
frühe  gebrfiachliche  Apokope  des  -en  vor  dem  Pronomen  begegnet 
auch  hier  noch  :  muff  wir  8,  16;  söü  wir  28,  497  (vgl.  Kober- 
stein,  Suchw.  III,  $  9).  Unechtes  -t  (d)  schliesst  sich  an  -en  (AG. 
S  M2) :  bekennent  5,  145;  wonent  27,  107;  8eHmt52j  52;  ver- 
stand 30,  97;  wiseent  32,  54  und  sehr  häufig  in  den  Hilfszeit- 
wörtern, die  ich  unten  gesondert  behandle. 

II  Pers.  -ety  welches  dieselben  Schicksale  erleidet  wie  das  der 
III Pers.  Sing,  behuet  (=behuetet)  etc.;  a,\icihvindt  32, 125.  Daneben 
zeigen  sich  die  vorzüglich  im  Alem.  beliebten  nasalierten  Formen 
auf  -ent  und  -end  (AG.  S  342,  367) :  wisent  5,  366;  nement  26,  8; 
gewinnent  26,  17;  varent  28,  219;  ratent  28,  233,  333;  schla- 
hmt  29,  49;  measent  29,  50;  jehmt  29,  97;  machmt  38,  67; 
gend  (=  gebend)  2,  89  . .  und  -ew:  gebaren  (:  varen)  26,  22;  ver- 
gessen (:  essen)  26,  47;  werden  26,  48;  wünschen  28,  736. 

ni  Pers.-m^:  %jirWnschent  4, 1 83 ;  singent  16, 9 . .  und  -end :  gend 
38,  72.  Andrerseits  begegnet  auch  die  nhd.  Form  -m  in  und  ausser 
dem  Reime  (MG.  p.  342) :  gaffen  (:  äffen)  25,  22 ;  erJdken  (:  totfe- 
cJhen)  38,  18;  grisen  (:  wisen)  38,  71 ;  werden  (:  sterben)  38,  117; 
raten  26,  59;  glesten  28,  556;  daher  auch  30,  49  gahen  {}  ge- 
nahen) und  13,  23  ga/n  (:  hdn).  lieber  die  Formen  der  Hilfszw.  vgl. 
daselbst.  Diesen  -en  stehen  41  -ent  gegenüber.  Derselbe  Wechsel 
ist  auch  in  gleichzeitigen  al.  Urkunden  zu  finden;  ein  charakteri- 
stisches Beispiel  gibt  Moor  (Cod.  dipl.  IV,  Nr.  201):  welche  uns 
irrent^  vorhaben  und  bekriegend  (s.  Auszug  in  Abb.  I,  p.  41); 
während  Boner  in  der  III  PI.  schon  durchweg  -en  (vgl.  Schönbaoh 
a.  a.  0.  254),  Brant  noch  -ent  neben  -en  gebraucht. 

Imp.  Die  11  Pers.  Sing,  hat  Verstärkung  durch  das  Suffix-a 
(vgl.  Wilmanns,  Walther  49,  45)  in  morda(jo)  5,  343;  weka 
37,  1.  Im  übrigen  gilt  hier  dasselbe  wie  im  Praes.  Ind.  In  der 
n  Pers.  PI.  erscheinen  die  -ent,  und  zwar  noch  häufiger  als  dort: 
besiUent  4,  170;  gedenkent  16,  70;  33,  84;  huetent  26,  53,  58 
(aber  26,  23  huet)  u.  a.  —  neben  -end:  varend  4, 195  und  -m  spre- 
chen 26,  44. 

Conj.  I  und  III  Pers.  -e,  II  -est  Die  Apokopen  und  Synkopen 
des  stummen  und  schwachen  e  sind  ähnlich  gehalten  wie  die  in  den 
gleichkommenden  Endungen  des  Ind.  Bemerkenswert  aber  ist  das 
dialektische  Thema  -i.  1  Pers.  h^ffti  13,  13.  —  II  Pers.  fragist 
3.  73;  belibist  28,  76,  407;  werdist  28,  647  —  in  Pers.  gebt  3,  74. 


CLXXVI 

Plur.  II  Pers.  auf-fw^:  urümchint  28,  728;  höHnt  28.  734. 
III  Pers.  8eMnt  18,  44;  leffint  25,  81;  Tmeünt  25,  195,  also 
zugleich  mit  epithetisohem  -t  Diese  i  sind  um  so  beachtenswerter, 
weil  sie  Hugo  nur  im  Gonjunotiv  gebraucht:  sollte  hier  etwa  eine 
Nachwirkung  der  Potentialsuffixe,  zu  erkennen  sein  (vgl.  p.  184)? 

Part,  mit  abgeworfenem  -t :  leben  (:  begehen)  5,  229;  lachen 
(:  gemachen)  31,  175,  180  und  daher  auch  Bern  :  wem(^d)  24,  61 
(vgl.  p.  161).  Ebenso  wirft  Mag.  Krone  besonders  im  Part,  t  gern 
ab :  schmecken^  reden  u.  a.  bei  Zing.  a.  a.  0.  506. 

Inf.  -en^  das  ^ber  manigfacher  Zerstörung  anheim  gefallen 
ist.  n  verschwand  in  weine  (:  eine)  7,  2 ;  ziehe  (:  liege)  29,  137 ; 
8i(n)  (:  bi)  29,  117;  die  ganze  Infinitivendung  in  nen  =  nem(en) 
(AG.  p.  172,  MG.  p.  345)  7,  13;  kon  =  kom(en)  :  ISn  8,  13  : 
hdn  13,  9  (vgl.  oben  p.  165).  Die  bairischen  Schreiber  setzten 
meist  die  volle  Infinitivendung,  wie  das  auch  anderwärts  nachzu- 
weisen ist;  vgl.  darüber  Wagner,  Mönch  v.  Heilsbronn  p.  6  und 
24;  Jänicke,  Zs.  f.  d.  A.  17,  512.  —  Der  flectierte  Infinitiv  zeigt 
nur  einfaches  n  (bittens  13,  60;  irrens  28,  293)  und  eingescho- 
benes d  in  ze  nend  (=  nemende) :  wend  13,  31 ;  bernde  (:  wemde) 
28,  448,  680;  30,  48. 

Praeteritum. 

Von  den  Endungen  des  Sing.  st.  Yerba  bemerke  ich  nur,  dass 
auch  hier  das  tonlose  -e  der  II  Pers.  apokopiert  wird*)  :  du  geber 
(:  Sünder)  27,  168;  in  der  II  Conj.  steht  32,  44  liest :  widerdriess 
vgl.  p.  181). 

Seh w.  Verb a.  Der  Glassenvocal  ist  nirgends  mehr  vorhan- 
den,  selbst   das  Thema  des  Praet.   ist  meist  geschwunden,   nur 


^)  Beachtenswerte  Formen  für  die  II  Pers.  Praet.  bieten  Nr.  39  nnd  40 : 
als  du  ane  se  {:  getehe)  40,  151;  daneben  schon  die  jüngere  Analogiebil- 
dung nach  dem  Conjunctiv  mit  der  Endung  -es^  und  Ewar  in  Ewei  Beispielen 
verliheti  39,  82 ;  vergabst  39,  80,  die  den  ganzen  Weg  dieser  Neubildong 
▼eraugenscheinlichen :  im  ersten  Beispiele  hängt  sich  das  conjunctiTische  •«#< 
noch  an  den  alten  Conjunctivstamm,  im  zweiten  aber  erscheint  schon  der  In« 
dicativstamm  und  damit  die  nhd.  Form.  Das  ist  also  ein  neues  Zeugnis  für 
das  geringere  Alter  dieser  Gedichte.  —  Eine  andere  Bildung  der  11  Pers.  durch  -I 
in  benempt  40,  156  hat  schon  Weinhold  in  der  AG.  p.  340  angemerkt,  das  nun 
freilich  dort  Eu  tilgen  ist ;  wofür  aber  Tielleicht  das  in  Hugo's  Gedichten  gani  Ter- 
einzelt  stehende  wert  {wa^re)  4,  95  gesetzt  werden  kann,  welches  Ton  BirL  AS. 
p.  195  nachgewiesen  wird  und  im  Text  besser  ungetilgt  geblieben  w&re. 


CLXXvn 

lachtet  12,  4;  macJhet  11,  25;  25,  120;  naJiet  28,  36;  dienet 
28,  341;  femer  begegnet  Apokope  der  Endung  nnd  Synkope  des 
Themavocals  zugleich  mit  dem  Verluste  des  letzten  Stammoonso- 
nanten,  wenn  er  dental  ist  (MG.  p.  357) :  bereit  (=  bereitete^  be-^ 
reitte)  2,  113;  ac?U  19,  32;  stifft  25,  156;  tSt  25,  160;  verricM 
32,  83.  Sogar  das  t  des  Praeteritalsuffixes  gieng  verloren  in  dimkh 
(=  dunhhete^  dunjchte)  5,  68 ;  vgl.  dazu  des  forch  ich  Mag.  Krone 
144*^  und  dem  entsprechend  auch  die  forch  144^  zu  forch  144^ 
und  oben  p.  161.  —  Auch  hier  wird  g  palatal  und  zu  i  in  leit 
(^legete)  25,  158;  seit  (=  sagete)  31,  182;  38,  96. 

Von  den  Endungen  des  Plur.  Ind.  st.  u.  schw.  Verba  sind 
hervorzuheben  die  n  Pers.  auf  -en  :  walten  (:  halten)  5,  231  und 
die  III  auf  -mt :  lagmt  24,  56;  28,  81;  wurdent  24,  60  (32, 
120  wurden)    — 

Von  denen  des  Oonj.  die  II  Pers.  auf  -istinemist  28,  132; 
umrdist  28,  251,  252,  435;  die  III  auf  -i  :  lepti  7,  24;  meinti 
28,  280;  zalti  28,  712;  38,  160;  dienH  29,  95;  31,  95;  38, 
187.  Im  Plur.  die  I  Pers.  möcht  wir  32,  55;  die  II  auf  -en: 
hielten  29,  83;  die  III  a,üf  int :  dieniint  15,  16  neben  -ent :  schri-- 
bent  4,  29   (vgl.   dazu  noch   die  einzelnen  Verba   p.   178 — 184). 

Also  auch  im  Praeteritum  stellte  sich  heraus,  dass  Hugo  the* 
matisches  i  nur  im  Gonjunctiv  gebrauchte. 

Part.  Das  Praefix  ge-  fehlt  häufig  (vgl.  dazu  MG.  p.  347): 
ftmden  3,  42;  geben  5,  24;  17,  22;  18,  129;  25,  54;  28,  268, 
700;  34,  49;  35,  33  (25,  19  aber  gegeben);  komen  5,  95;  28, 
215,  427;  29,  6;  32,  130;  gössen  5,  144;  brdcht  6,  19;  15, 
151;  18,  250;  24,  4;  32,  116;  worden  33,  69;  auflfallender  in 
tän  37,  2  und  wahrscheinlich  auch  36,  9. 

Der  Umlaut  und  Rückumlaut  in  den  langsilbigen  schw.  Verben 
ist  im  allgemeinen  noch  dem  Mhd.  gemäss  gebraucht :  genant 
(:  diamant)  28,  603 ,  genennft  (:  bekennet)  5,  303 ;  gephand  (:  land) 
5,  240,  geblendet  :  gepfendet  28,  414.  Aber  die  Synkope  des 
Endungs-  e  brachte  Verwirrung :  ghört:  betört  2,  57;  benent  (;  Orient) 
16,  4,  was  allmählich  zur  gänzlichen  Vergessenheit  der  alten  Ge- 
setze führen  musste  :  angezundt  38,  31. 

Der  Flexionsconsonant  wird  abgeworfen  :  betrachte{t)  :  machte 
32,  33;  verfuere{i)  :  schnxAere  38,  114;  betrachte  :  achte  15, 
150.  Diese  Participialform  wird  auch  durch  die  Montf.  Urkunden 
gesichert,  so  steht  in  der  vom  8/4.  1363  (Arch.  I,  Hft.  ITL^  ft?k\\ 

Waokernell,  Montfort.  V^ 


die  (die  ingedgel)  gehenke  hant  Linguale  Släinme  haben  neben 
ihrer  vollan  Form  auch  wieder  vocalische  und  consonaatisehe  Syn- 
kope :  bereit  (:  underscJmt)  4»  171;  ungep/ecfU  (:  almecht)  27, 
26;  geticht  (ischlicht)  31,  26;  38,  185;  gt^ruht  (:  nicht)  33, 
146;  im  Yerse  igeächt  18,  193;  24,  9;  31,  UT;  gehuet  28, 
426.;  besteter  (=  bestatteter)  29,  1 42.  Man  könnte  zweifeln,  ob 
das  t  des  Stammes  oder  der  Endang  abgeworfen  wird,  doch  wei- 
geret (=  gere{de)t  31,  139)  spricht  fär  das  erstere.  Dass  aber 
auch  der  Gonson.  des  Part.-  Sufil  abgeworfen  wird,  beweist  noch  be- 
hus  (:  uss)  29,  52  (vgl.  da2Hi  Mag  Krone  erlos(t)  igrös  101*,  auch 
Sigen.  zerbr(is(t) :  gras  DHB  V,  32) ;  gevider  (:  herudder)  2,  84 ; 
geschütz  9,  16  (vgl.  dazu  ergetz  (J?d^ti,)isetz  Sachsh.  Temp.  321); 
danach  sind  auch  die  Beime  gebuesst :  unsuess  22,  13;  30,  89; 
gedacht  mach  24,  93  zu  beurteilen;  zu  letzterem  vergleiche  noch 
das  genannte  Praet..  dunkh,  dann  die  Part,  bei  Boner  gewan 
(igesfän)  10,  27 ;  bedach(t) :  beschach  87,  43  (Scbönbach,  Zs.  f.  d. 
Ph.  VI,  253  und  259)  und  im  Spieg.  enzück(t) :  dügk  156,  20.  Ist 
meine  Vermutung  zu  1 ,  1  richtig,  gehört  auch  erhikh{t) :  sicherlieh 
hieher. 

Vocalisation  dies  g  in  geleitigiUkeii  5,  2\iidrivaltikeit  28, 
481  igseit  29,  80;  gseitileit  (Adj.)  4,  135;  30,  98  :  leit  (=  leget) 
18,  149;  angleit  25,  20. 

EMnige  schwache  Verba.  erscheinen  im  U  Part  mit  starken 
Formen:  gemachen  (:  wachen)  28,  462  (:  sacken)  31,  133  (ilacJhen) 
31,  151,  180;  36,  19  (:  geschaffen)  30,  9,  25;  gedrän  {:  schon) 
3,  29  (vgl  dazu  Pfeiflfer,  Heinz.  p.l42,  Anm.  654);  behusen 
(:  klusen)  2,  21 ;  gepuwen  (:  ruwen)  28, 50,  s.  auch  638  *).  Danach  ist 
AG.  §  376,  I  zu  ergänze.  Auch  im  Versinnera  begegnen  gleichen 
18,  8;  gepuwen  18,  73;  28,  53  u..  ö.;  gemachen  31,  183  neben 
gemachet  31,  162.  Für  geheftet  (:  glesten)  28,  554  köante  gleich- 
falls gehefften  gestanden  haben,  das  im  Dialekte  heute  noch  lebt 

4.  Einzelne  Y(ffba. 

Eine  Reihe  von  Verben,  zunächst  die  auxil.,  sind,  hiei  Hugo 
wie  in  den  gleichzeitigen  alem.  Urkunden  und  Dichtern,  (über  erstere 
siehe  Bergmann,  Arch.  I,  IV  Heft,  71  ff.)  besonders  reich  an  wech- 


')  In  jSt,  40,  64  steht  gehuozen  als  II  Partioip. 


selnden  Formen,  die  ick  daher  einzeln  in  ähnlicher  Weise  zusammen- 
stelle, wie  es  Zarncke  bei  Brant  (p.  285,  286)  getan  hat. 

tnon.  Inf.  tuoh  4,  )31;  25,  155,  daneben  getuon  18,  190. 

Praes.  Ind.  Sing,  regelmässig,  in  der  11  Pers.  nur  tuott 
5,  286;  15,  121  etc.  —  Plur,  I  Pers.  tuon  (lauon)  33,  46;  aber 
meist  tuand  5,  140;  28,  371,  464,  653  etc.  II  tuond  24,  136;  29; 
123.  m  tuont  5,  250,  322;  16,  57  und  tuond  3,  72;  26,  60 
(7mal). 

Conj.  III  Pers.  tuej  9,  33;  tueje  24,  107;  htege  18,  23; 
tueffi  18,  28;  daneben  fuo  29,  20;  34,  47;  38,  43.  —  Plur.  I 
und  II  Pers.  tuond  18,  60;  29,  120.  m  tuegint  25,  44  (4mal): 

tmp.  Sing.  II  regelmässig  nur  tue  2,  83 ;  5,  363  u.  a.  II  Plur. 
tuond  18,  36;  29,  98. 

Praet.  Ind.  Sing.  I  und  HI  Pers.  tet  18,  251;  24.  31  (8mal); 
tett  6,  10,  108;  15,  77;  25,  64  (21  mal),  auch  ini  Reim  er- 
scheint  UttipeÜ  3^,  153;  in  der  lU  PliDt".  täten  15,  69  und  tdtent 
hi  12,  111. 

Conj.  Sing-  J  und  Itf  tet  2,  36;  5,  219;  16,  46.  II  teti^ 
28,  237,  247,  250.  IH  Plur.  teüM  28,  89. 

Part,  getan  4,  84;  18,  9  u.  ö.  nebfen  tdn  37,  2;  auch  36,  9 
(vgl.  p.  177). 

sin.  Inf.  weaen  {: gelesen)  5,  205;  24,  59;  28,  75  (igene^ 
am)  28,  108,  131;  auch  iö  der  Zle.  weä^  5,  209;  14;  17;  29, 
107.  Daneben  8in{\  difi)  14,  39;  geein  {}dtn)  4,  20;  gnii:  (lai^hin) 
28,  428  und  mit  nasalefii  Vi)cal  si   (:  hi)   29,   1 17  (vgl.  p.  165). 

Praes.  Indi  Sing,  hat  nur  gewöhnliche  Formen.  —  Plur.  II 
rind  4,  190;  5,  364;  32,  128  (8mal);  IH  sint  2V,  67;  28,  538 
652  und'  sind  3,  29;  24,  133  (6mal). 

Conj.  i  und  lU  nur  si  (:  hi)  5,  1 ;  32,  137  :  fri  5,  170. 
Plur.  V  eigen  27,  184  neben  sien  31,  195;  33,  43.  II  aim 
28,  735 ;  sigint  5,  229.  ni  sijjint  27,  32. 

Imp.  II  Sing,  bis  1,  32;  3,  38  und  durchweg.  II  Plur.  sind2^i 
10,  21;  29,  116  und  sint  24,  135. 

Praet.  Indi  Sing.  I  und  IH  was  (igras)  5,  55  und  durchweg, 
nocli  nie  war  wie  etwa  v&rlor  (p.  173),  auch  noch  bei  Brant 
immer  nur  wds  (Äarncke  p.  280*).  11  wer  oder  wert  (vgl.  p.  176^ 
Anm.  1)  4,  95.  —  Plur.  III  wa/rent  5,  9;  15,  98;  26,  b,  T 
(difial),  flft)er  kein  waren. 

Conj.  Sing.  I  wer^.,  7;  19,   30.     II  weHst  28,  2&2i\  ^^^ 


CSLXXX 

89.  in  were  25,  97;  weri  31,  82,  sonst  wer  1,  37;  8,  14  u.  a.  — 
Plur.  I  weren  32,  115;   werint  5,  236;  13,  20,  55.  III  werint 

4,  186;  28,  68;  werind  31,  18;  weren  4,  25;  37,  58.   Part, 
nur  gewesen  {:  lesen)  28,  169,   kein  gesin. 

haben.  Inf.  haben:  graben  18,  bl  :  geschlagen  28,  142; 
häufiger  erscheint  die  contrahierte  Form  hänikan  4,   119  :  man 

5,  10 1  ;  daran  5,  323,  auch  geMn  :  gdn  28,  433. 

Praes.  Ind.  Sing.  I  hdnian  3,  41  ibestan  34,  46  (16  Fälle) 
neben  hob  18,  51;  31,  161;  33,  102;  38,  56,  64.    11  nur  hdst 

4,  9,  45  und  oft.  III  Mt  (:  spät)  4,  129  und  durchweg.  —  Plur.  I 
hand  15,  2;  28,  210;  haben  28,  212,  426,  430,  650;  hahent 
28,  216.  II  han  (:  stän)  32,  122;  händ  5,  240;  26,  5,  07; 
38,  114;  habent  20,  40.  III  hdnd  4,  136,  146;  5,  301;  13,  5; 
28,  182  (18mal);  habent  24,  91;  27,  46;  29,  138. 

Der  Conj.  zeigt  nur  volle  Formen  (MG.  p.  369)  :  Sing,  hab 
3,  59;  29,  161  etc.  — Plur.  I  habint  18,  172.  IH  habint  26,  83. 

Imp.  Sing,  regelmässig.  —  Plur.  n  hand  18,  205,  211;  26, 
6;  29,  88  u.  a.,  habent  16,  8;  29,  105,  114. 

Praet.  Ind.  Sing.  I  und  III  hat  25,  159;  halt  5,  136;  15, 
85;  18,  13;  25,  19  (17mal),  daneben  hett  (imett)  19,  29.  hett 

5,  14;  24,   10;  25,  52  (14mal).  —  Plur.  II  hettent  5,  238.  HI 
hetten  32,  118,  134. 

Gonj.  Sing.  I  und  IH  het  18,  252,  meist  hett  1,  48;  6,  5;  33, 
20  (24mal).  H  hetHst  15,  15;  28,  417,  622  (8mal).  m  hetH  28, 
145.  —  Plur.  n  hettint  5,  230,  235;  31,  43. 

Part,  ghabt  (das  hhabt  des  heutigen  Dialekts)  4,  83  und 
durch  den  Uebertritt  in  die  I  schw.  Gonjugation  gehabt  25,  111; 
ghicbt  18,  93,  also  nur  bei  B,  aber  die  Form  ist  auch  in  den  alem. 
Urkunden  zu  belegen,  so  bei  Vanotti  p.  147;  im  Arch.  I,  HI,  p. 
151;  ebenso  im  LS.  28,  34;  bei  Boner  im  Reim  gehebt :  gelebt 
48,  3  (Schönbach,  Zs.  f.  d.  Ph.  VI,  254),  derselbe  im  Netz  4208, 
7358. 

Iftzen.  Inf  lassen :  Strassen  28,  222,  230;  33,  6 :  scUaffen 
35,  26;  daneben  häufiger  die  contrahierte  Form  Idnigewan  17,  46: 
hdn  18,  107  :  aergdn  18,  258  :  stdn  31,  74  (vgl.  dazu  die  Rei- 
me d :  6,  d :  ou  p.  152).  35,  26,  28  stehen  Idn  und  lassen  in 
derselben  Strophe. 

Praes.  Ind.  Sing.  I  Idn  5,  105;  18,  55  :  man  5,  91;  dagegen 
/ms  2,  78;  9,  35;  34,  56.  HI  nur  Idt  (:  hdt)  18,  243;  4*  17; 


OLXXXI 

5,  165   u.   ö.  11   ld8t  9,   20   (Conj.?)  —  Plur.   I  Und   18,  52. 
lassen  28,  565.  II  Idnd  31,  74.  III  Und  5,  296. 

Iinp.  Sing.  II  U  1,  73;  3,  69;  4,  89  (lOmal)  neben  laaa 
15,  23;  19,  13,  21  (12mal);  erldaz  (imasz)  28,  293  und  lazz 
3,  23;  4,  74  (7mal).  Plur.  II  land  29,  112;  31,  40. 

Praet.  Ind.  Sing.  I  und  IE  lie  14,  27:  hie  10,  7.  Conj; 
I,  III  liees  5,  244;  7,  20  (11  mal);  üezz  5,  289.  II  lieszt  30,  44; 
Uest :  ividerdriess  32,  44,  also  vielleicht  liess^  das  wäre  die  Bil- 
•dung  der  11  Pers.  durch  («>  (AG.  §  347).  liessist  28,  248. 

Part,  glaaaen  :  Strassen  3 1 ,  34. 

g&n  hat  nur  Formen  von  gd^  keine  von  gS:  III  Sing,  gät 
(ispät)  2,  61  (;r<«0  5,  167-  HI  Plur..  ^an  (:  hän)  13,  23 
u.  a.  —  Die  erweiterte  Stammform  begegnet  bloss  im  Conjunotiv  und 
Imperativ  Sing;^aw^  3,  43;  25,  15,49,  149;  28,  661;  20,  13. 
aber  im  Plur.  gänd  4,  169. 

Im  Praeteritum  erscheint  die  jüngere  nach  vie^  Me  ge- 
bildete Form  (MG.  p.  325)  in  gie  (:  vie)  2,  3 ;  13,  53  neben  gieng 
25,  1,  190,  199;  28,  1,  33  (Umal).  Part,  nur  (umb)gangen 
{:  umbvcmgen)  4,  40;  27,  159  (:  anger)  15,  57  etc. 

stftn.  Auch  hier  meidet  Hugo  die  sonst  sehr  verbreitete  Ne- 
benform stSn  durchweg.  Inf.  stän  (:  hän)  5,  258;  38,  109;  gestdn 
14, 9.  (ich) stän  6, 31 ;  III Pers. stät  (irät)  3, 76;  statt  12, 12;  Imr 
stand  5,  150;  30,  97;  III  Plur.  stand  28,  516.  Nur  süt  16,  42 
macht  die  einzige  Ausnahme,  ist  aber  zweifellos  zu  streichen:  das 
beweist  die  sonstige  Schreibung  von  B,  das  übereinstimmende  Zeugnis 
von  A  und  G,  das  beweisen  die  Reime. 

Vom  secundären  Stamm  stant  ist  gebildet  ich  stand  38, 
145  und  das  Part,  gestanden  (:  banden)  29,  90  und  immer,  nie- 
mals gestdn.    Praet.  stuond  32,  154  (durchweg). 

mngen.  Paes.  Ind.  Sing  I  und  III  mag  (:  tag)  5,  84, 
274  etc.  II  macht  2,  81,  108;  3,  40  . . .  daneben  aber  auch 
machet  38,  6.  —  Plur.  I  mug  wir  8,  16;  mugen  wir  18,  60; 
mugent  28,  218,  273,  654;  33,  64.  11  mugent  26,  7.  III  mugent 
5,  360;  11,  39  u.  ö. 

Conj.  I  und  IH  mug  5,  102;  13,  14;  18,  98;  31,  50  (nie- 
mals müg).  II  mugist  28,  242.  —  Plur.  I  mügen  32,  51;  mugent 
22,  11;  30,  87  (Ind.?).  HI  mugent  13,  7;  mugint  26,  50. 

Praeteritum.  Die  altern  Formen  mit  a  sind  bereits  gänz- 
lich verschwunden  und  dafür  die  auf  o  eingetreten  (AG.  i^.  ^Q%»\« 


Auoh  der  .Umlaut  im  Oonj  ist  mit  wenigen  Ausnahmen  durchge- 
drungen ;mocÄ<:  2,  38,  137;  7,  25;  28,  500,  neben  39  Fällen  mit 
ö;  11,  23  steht  vereinzelt  möcht  im  Ind.,  wird  also  A  gehören. 
Conj.  Sing.  II  möchtist  25,  187;  28,  276.  —  Plur.  I  möcht  wir 
32,  55;  III  möchänt  15,  56;  18,  104. 

soln.  Im  Praesens  Sing,  ist  o  herrschend : «oZ  3,  16,  34; 
eolt  l,  33;  3,  45  u.  ö.;  im  Plural  /r  sult  2,  65  und  umge- 
lautet ir  Hdt  32,  105.  In  der  II  Pers.  Plur.  entsteht  durch 
Mouillierung  und  Synkope  (MG.  S  144)  axiahsond  18,  59,  212; 

26,  33,  46;  29,  68,  99  (19mal). 

Im  Conjunctiv  sitzt  der  Umlaut  fest :  soll  15,  117;  31,  115, 
116.  Plur.  wir  söllint  18,  57.  Auch  in  den  Indicativ  ist  der  Um- 
laut eingedrungen :  «d'ZZ  15,  7;  soll  wir  28,  497;  eöUen  wir  28, 
332,456,612;  31,  191;  ai  söllent  27,  41;  einigemal  kann  man 
freilich  zweifeln,  ob  der  Ind.  oder  Conj.  anzunehmen  sei  In  Hugo's 
Malefizordnung  von  1415  steht  gleichfalls  wir  sollen  als  Indicativ. 
Die  angefiihrten  Beispiele  belegen  zugleich  auch  die  Doppelung  des 
l  in  ein-  und  zweisilbigen  Formen  (MG.  p.  387). 

Das  Praet.  zeigt  wieder  o  und  ö  sowohl  im  Ind.  wie  Conj. 
wechselnd :  «o2d  {:gold)  2,  9;  solte  24,  108;  soU  6,  15;  20,  17, 

27.  sölt  2,  129;  15,  156;  20,  49;  28,  140;  29,  137;  (du)  söl- 
tist  28,  310;  30,  69.  ir  soltent  5,  224,  233.  si  söltint  18,  197; 
soltint  28,  86. 

kunnen.  Praes.  Sing,  regelmässig;  über  ch=^k  in  chan 
vgl  p.  169.  Plur.  II  ir  kunnent  2,  50;  16,  74.  III  hufmmt  16, 
40;  38,  10.  in  Conj.  kunnint  27,  33. 

Praet.  Ind.  zeigt  Formen  auf  o  und  u:  kond  2,  72;  15,  95; 
24,  8,  35.  -  kund  5,  8 ;  chund  38,  4? ;  si  künden  28,  172. 
Im  Conj.  ist  der  Umlaut  häufiger,  als  AG.  p.  399  erwarten  lässt. 
kund  30,  57;  aber  künde  3,  5;  kmid  24,  109;  31,  216,  219; 
37,  35  —  könd  2,  31;  5,  175;  31,  122. 

mfle^en«  Praes.  Ind.  Sing,  regelmässig;  I  und  III  muoss 
und  muosz  wechselnd,  II  nur  muost  Im  Plur.  ist  uo  noch  häufiger 
als  ue^  wodurch  Weinholds  Ansicht  AG.  p.  401  bestätigt  wird: 
I  muossent  15,  134;  33,  5,  40;  muossen  27,  227.  III  mtiossen 

15,  131;  26,  40;  muossent  15,  133  —  muess^t  4,  180. 
Conj.  Sing.  I  und  UI  muesse  21,  1;  27,  236;  muess  5,  16; 

16,  76;  muesz  20,  15.  II  muessist  3,  32.  —  Plur.  I  tnuessen 


CLXXXIII 

18,  160,  204;  34,  51;  35,  35;  38,  39  neben  muosaeni  22i  12; 
30,  88  (Ind.  ?). 

Praet.  Ind.  Sing.  I  und  III  muoszt  15,  78,  94;  24,  28. 
muost  24,  47.  Plur.  HI  muoeztm  28,  112,  115,  119,  122.  — 
Oonj.  Sing.  I  und  III  mueset  11,  15.  muest  1,  47;  5,  129;  27, 
194,  am  öftesten  aber  mueszt  15,  147;  24^  110,  111;  30,  44. 
II  mu48ztist  28,  621. 

wizzen.  Inf.  wissen  31,  39.  Praes.  Ind  Sing.  I  and  III 
wei^s  (:  heiss)  20,  5;  6,  32;  18,  17,  265  und  weisz  (:  hreisz) 
1,  64;  9,  9;  28,  254.  II  nur  weist.  Plur.  I  wissmit  33,  42.  — 
Imp.  II  wissent  13,  ^6.  Gonj.  Sing.  III  wiss  31,  128.  Plur.  III 
wissint  27,  24. 

Im  Praet.  ist  der  Ind.  durch  den  Beim  wiszte  {lUste)  15, 
71  und  der  Oonj.  durch  west  (ivest)  28,  f>36  belegt  Daneben 
erscheint  im  Oonj.  wiszt  18,  20;  33,  16;  wiszH  18,  263. 

wellen.  Praes.  Ind.  Sing,  regelmässig,  II  nur  wilt  1,  86, 
90;  22,  1.  Im  Plur.  erscheinen  wieder  die  verkürzten  Formen  wie 
bei  «win  :  II  wend  29,  51,  81,  100;  38,  80.  III  tuend  18,  150 
neben  weUent  32,  96.  Der  Conj.  hat  nur  eil  und  III  Sing. 
well  (ihell)  18,  79  w  ungevell)  18,  237;  38,  125  (auch  9ittal  in 
der  Zeile).  II  wellest  38,  163;  wellist  28,  438;  29,  41 ;  34,  40*). 
Plur.  I  wellen  21  y  100.  11  wellint  26,  6;  29,  127. 

Praet.  Ind.  oiwolt  (:  solt)  3,  13;  wollest  17,  18;  Plur.  II 
woltnt  4,  192.  III  woltent  4,  144  und  waltend  2,  101.  Der 
Gonj.  zeigt  drei  Formen;  am  häufigsten  sind  die  mit  e:  well  (:  un- 
gezelt)  2,  43  i^^kelt)  19,  27  und  llmal  in  der  Zeile.  Daneben 
die  auf  oiwolt  (:  Mangolt)  31,  181  und  9mal  in  der  Zeile.  Dann 
die  auf  ö  :  wölt  18,  31 ;  20,  51 ;  29,  133;  34,  33.  wölH  18,  207. 
Man  kann  zweifeln,  ob  dieses  ö  der  Umlaut  von  o  oder  die  Ver* 
tiefung  von  ^  ist,  wahrscheinlich  das  erstere  wie  bei  soln^  dessen 
Formen  überhaupt  auf  die  Conjugation  von  wellen  Einfluss  genom- 
men zu  haben  scheinen. 

komen.  Inf.  kamen  (:  vernomen)  4«  89,  daneben  hon  {\ldn) 
8,  13  (;  Mn)   13,  9  (vgl.  p.  147.  Atom.  1,  p.  166  und  176). 

Praes.  Ind.  Smg.  II  kunst  28,  648.  III  kumpt  4,  16;  5» 
58,  166  (9mal,  vgl.  p.  159),  daneben  humt  20,  36  und  kunt  3, 


<)  Td  Nr.  a9  nnd  40  erscheint  o:  woltt  39,  64;  40,  50,  111;  40,  149  ; 
im  M4.  iiild  eb«n  die  Formeii  mit  o  die  gewöhnlichen  (MG.  p,  400). 


OLXXXIV 

8;  6,  22;  15,  24,  127;  27,-94  (Sinai).  —  Imp.  chum  38,  156; 
kum  25,  87;  33,  168  (5mal).  Zu  diesen  häufigen  Formen  mit 
u  treten  noch  kämet  (III  Ind.)  32,  10;  du  komiat  (Conj.)  28,  61S, 
welche  jedoch  Misstrauen  erregen,  da  sie  selten  sind  und  nur  beim 
Schreiber  B  erscheinen,  dem  oben  (p.  155)  auch  andere  falsche 
0  &lX  u  nachgewiesen  wurden ;  andrerseits  sprechen  aber  viele  ana- 
loge Belege  für  ihre  Echtheit,  so  begegnen  sie  im  Wolfd.  D  (Jä- 
nioke  p.  7),  sehr  häufig  im  Netz:  273,  362,  375  k(>mpt\  3399 
kompt :  versompt  u.  a.  neben  kumend  492,  kumm  529,  531  etc.; 
ja  auch  in  Hugo's  Bregenzer  Urkunde  vom  9./10.  1405  steht 
kompU  so  dass  die  Formen  stehen  zu  lassen  und  als  Beleg  zu 
nehmen  sind  für  eine  Beobachtung,  die  sich  vielfach  schon  aufge- 
drängt haben  wird,  dass  nämlich  Hugo  in  seinen  spätem  Gedichten 
Formen  gebraucht,  die  er  in  den  früheren  mied ;  besonders  gilt  das 
bei  jenen,  welche  im  Nhd.  herrschend  geworden  sind. 

Praet  Die  reimbelegte  Form  lautet  ka/n  (n  =  m,  vgl.  p. 
166) :  Aan  4,  85,  daneben  in  der  Zeile  kam  5,  70  u.  ö.;  cJiam 
38,  46;  5,  139  aber  kam  (vgl.  Lexer  I,  1668).  Im  Conj.  nur 
kern  2,  30,  54  u.  ö. 

dnnken  zeigt  imPraeteritum  Indicativ  dxmkh  (=  dimkhte^ 
vgl.  p.  177)  5,  68;  dünkte  25,  28;  im  Conjunctiv  düchte  18, 
56  (MG.  p.  362)  und  dunkt  33,  32. 

beginnen.  Praet.  begund  28,  35.  Häufiger  begegnet  bei  Hugo 
die  sonst  seltenere  Nebenform  (MG.  §  389)  hegond  2,  37 ;  hgond 
28,  49,  314;  30,  59. 

Diese  Verba  liefern  ganze  Musterkarten  wechselnder  Formen 
alten,  neuen  und  dialektischen  Gepräges;  eines  aber  ist  noch  be- 
sonders hervorzuheben,  dass  nämlich  auch  hier,  von  ein  paar  zwei- 
felhaften Fällen  abgesehen,  das  thematische  i  nur  im  Conjunctiv 
erscheint  und  zwar  sowohl  in  der  Gegenwart  als  auch  in  der  Ver- 
gangenheit. Im  Praeteritum  beweist  i  das  Fortleben  des  ahd.  Binde- 
vocals;  im  Praesens  aber  ist  es  kaum  der  Nachklang  des  alten  Po- 
tentialsuffixes, das  schon  ahd.  zu  i  geworden,  vielmehr  der  Endring- 
ling  aus  dem  Conjunctiv  des  Praeteritums,  wie  umgekehrt  die  En- 
dung ^ent  aus  dem  Praes.  Ind.  in  den  Indicativ  und  Conjunctiv 
des  Praet.  übergetreten  ist.  Hugo  steht  mit  diesem  Gebrauche 
nicht  isoliert;  bedeutende  Ansätze  dazu  vor  ihm  machte  Heinzelin, 
und  auch  nach  ihm  lebt  diese  Unterscheidung  zwischen  Indicativ  und 
Conjunctiv  noch  fort,  so  z.  B.  bei  Zwingli  und  Tschudi  (vgl.  Pfeiffer  zu 


CSLXXXV 

Heinz.  ML.  425),  ebenso  haftet  sie  heute  noch  in  der  Schweiz 
(vgl.  Sohweizer-Sidler  in  Kuhns  Zs.  XUl,  384)  und  in  Vorarlberg, 
besonders  um  Feldkirch. 

5.  Sediiati«!. 

a.    Substantiv a. 

Sing.  M  a  s  c.  und  N  e  u  t  r.  Nora,  ohne  Flexion  —  Gen.  es.  Hugo 
synkopiert  e  nach  kurzer  wie  langer  Silbe  :  gotz  4,  137;  2ö,  14; 
wider  gelte  1,  21;  dbentz  8, 1;  muote  14,43  neben  gotee  etc.  —  oder 
lässt  e  stehen  und  wirft  a  ab  in  unstetes  muote  (:  huote  Acc.)  26,  25 ; 
mms  muote  {:  guote  Dat.  Sing.)  25,  167;  auch  des  lüfte  (igufte 
Dat.)  5,  25,  wie  aus  dem  hsl.  luft :  guft  herzustellen  sein  wird 
(solche  Genitive  belegt  AG.  p.  413  nicht  und  p.  423  nur  mit 
einem  Beispiele,  ebenso  MG.  p.  425  nicht,  p.  419  mit  einem  Bei- 
spiele) —  oder  lässt  den  Stamm  ganz  flexionslos:  eins  steten 
muot  {xhuot  Dat.)  5,  357;  dines  trüwen  rät  (:  Mt)  3,  77; 
süntlichs  fürkoffen  (:  raffen  Inf.)  5,  271;  des  bittern  mer  {lich 
swer)  13,  1  (MG.  p.  426  citiert  dies  Beispiel,  aber  irrtümlich  als 
mer: her);  des  liden  (:  miden)  13,  42;  mins  stoltzen  üb  {:  wib 
Nom.)  25,  35;  die  almecJitikeü  goit  (:  spott)  28,  501;  33,  81; 
des  Mmelrich  (:  gelich)  28,  613;  eines' gnedigen  ergetzen  {:  setzen) 
34,  6.  Daneben  erscheint  das  Gen.  -»  dreimal  gegen  den  Reim: 
von  gnaden  gots  (:  dn  spät)  19,  14;  dins  guote  (:  muot  Acc.) 
28,  326 ;  eins  selgen  Ubens  (:  geben)  30,  69,  wo  aber,  da  wir 
wissen,  dass  die  Schreiber,  besonders  B,  öfters  gegen  das  Original 
verkürzte  Formen  completierten ,  ohne  Schwierigkeit  reiner  Reim 
hergestellt  werden  könnte,  zumal  diese  Genitive  auch  bei  andern 
alem.  Dichtem  und  in  Urkunden  begegnen.  Schon  die  AG.  führt 
p.  413  und  423  etliche  Belege  an,  wozu  ich  erg.  :  aus  Netz  des 
guoten  tag  (:lag)  862,  dins  schMes  Hb  (:  wip)  2220;  Brant  des 
buoch  (:  suoch)  110»,  2  und  öfter  (vgl.  Zamcke  282i>);  in  der 
Lindauer  Urkunde  vom  30./6.  1375  (Arch.  I,  3,  112—115)  steht 
consequent  im  Gen.  nur  des  eirb  (==  erbes).  —  Die  Flexionslosig- 
keit  bei  inins  vater  sei  27,  209  wie  sins  bruoder  in  Hugo*s  Urk. 
vom  2773.  1422  (vgl.  Auszug  in  Abh.  I,  76)  hat  nichts  beson- 
deres, obgleich  jetzt  auch  in  diesen  Patronym.  wieder  das  Gen.  -s 
häufiger  zu  werden  beginnt. 


ölxxxvt 

•  Der  Dativ  hat  e  :  muote  :  gnote  6,  6,  das  aber  nicht  nur 
iiach  kurzer,  sondern  auoh  nach  lang^  Silbe  unbedenklicli  abge- 
worfen wird  :  ze  unmuot  7,  13;  uff  wäg  13,  1  eta  (s.  p.  149).  — 
Im  Accus.  Neutr.  hat  ein  alter  ^'a-Stamm  e  erhalten:  mere  (:Sre 
Gen.)  18,  224.  Unechtes  4  in  heüe  {:  ze  teile)  37,  49;  auch /^r 
nickte  29,  2;  32,  150  (s.  p.  153),  ebenso  im  Masc.  :  den  muote 
(:  ze  guote)  6,  28  und  wahrscheinlich  auch  hdre  22,  24  (vgl. 
Abh.  V,  p.  202). 

Das  Femin.  zeigt  durch  alle  Oasus  sowohl  die  vollen  als 
apok.  Formen,  die  letztem  häufiger  :  varw  5,  59 ;  mdzz  6,  35 ; 
saeh  7,  3;  eümm  16,  13;  fröd  (DdX)  13,  9. 

Auffallend  ist  die  analogische  Flexionsbildung  in  ritterscheft 
(Nom  Sing.)  :  hreft  (Dat.  S.)  2,  28  (s.  p.  151),  ebenso  der  Gen. 
auf-«  :  uff  strassee  pan'  2,  92;  durch  er  des  gruff  12,  14;  vgl 
dazu  Reinfr.  vorhtes  zitier  10093,  aumder  vorhtes  haz  10305. 
Jänicke  dachte  (Zs.  f  d.  A.  17,  508)  an  wirklichen  Geschlechts- 
Wechsel,  ebenso  Lexer  (im  Wb.),  und  hrdhtes  :  dhtes  Reinfr.  3752 
mit  den  in  AG.  §  274  —  276  beigebrachten  Belegen  gab  fQr 
diese  Ansicht  die  nötige  Unterstützung;  wahrscheinlicher  aber  ist 
es  doch,  in  den  beiden  Fällen  aus  Hugo  und  Reinfr.  den  Ansatz  zu 
den  nhd.  Gompositionen  wie  «Liebeswahn  ^  „  Flammeswut **  u«  dgl. 
(vgl.  Jeitteles,  nhd.  Wortbildung  90flF.)  zu  erblicken;  bei  Hugo  freilich 
steht  sogar  des  strasees,  aber  des  wird  durch  den  Rhythmus  negiert. 

Der  Plural  der  Masc.  und  Fem.  hat  nichts  auffieillendes.  In 
allen  Casus  kann  -e  beibehalten  oder  apokopiert  werden,  doch  haben 
bei  den  Masc.  die  apokopierten,  bei  den  Fem.  die  vollen  Formen 
das  Uebergewicht  Der  Nom.  und  Aca  Plur.  der  Neutra  ist 
nach  der  Regel  ohne  Flexionsendung,  aber  unechtes  e  (AG.  p.  424) 
steht  in  die  wihe  :  Übe  (Dat  Sing )  38,  36  und  in  die  rosse  (Acc.) 
2,  112.  Seltener  wird  der  Plural  durch  das  Stammelement -^ 
gebildet :  Wörter  28,  236;  im  Gen.  der  pender  6,  17;  der  löber 
11,  41.  Auch  im  Dat.  hUttem  38,  13,  30;  hüsem  34,  44  neben 
den  häufigem  wihen  25,  143;  lieden  31,  177  etc. 

Besonders  hervorzuheben  ist,  dass  auch  im  Dat.  PI.  -n  und  -en 
abgeworfen  wird  (p.  165) :  mit  gelider  (:  dawider)  25,  100;  mit  ris 
von  bomen  5,  96 ;  wib  und  och  den  mannen  1 8,  246 ;  sunne : 
wunden  13,  52;  daher  wird  auch  30,  93  :  got  hat  uns  geben^  wib 
und  man  (:  daran)  anzufahren  sein,  da  dem  Montforter  in  dieser 
yarbjndung  sonst  wiben  und  mannen  geläufig  ist  z.  B.   18,  118. 


CLXXXYH 

Im  zuerst  und  aus  13,  52  aufgeführten  Falle  hat  der  Schreiber  frei- 
lich wieder  n  angesetzt  und  den  Reim  verdorben,  und  AG.  belegt  die 
Apokope  nicht ;  vgl.  aber  bei  Sachsenheim  mit  kostlich  claider  M 
643,  mit  madster  M.  975,  mit  Arisai^  wepner  1401;  mit  süben 
sail  1179,  zuo  baidm  tail  2539,  von  zwerg  {'.herg)  3804,  uf 
bergen  und  in  tal  T.  386,  ein  wib  und  mannen  M.  737  (Martin 
zu  643);  Netz  allen  kind(£n)  :  sind  (sunt)  12523  u.  a.;  Brant  mit 
sechsz  füeaz  110*,  129;  mit  stein  (Plur.)  42^  (Zarncke  p.  282). 
Eigene  Behandlm\g  verlangen  die  Nomina  mit  voc.  Decl.  (nicht 
consonanitißQher,  vgl.  darüber  Heinzel,  altn.  Endsilben  403  ff.),  welche 
von  Adjectiven  hergeleitet  sind  und  Eigenschaften  bezeich- 
uen.  Im  Gemeindeutschen  sind  sie  zu  dieser  Zeit  schon  lange  in 
die  A-Classe  der  st.  Fem.  übergetreten,  während  Hugo  noch  eine 
Reihe  alter  Formen  bewahrt  hat,  so  dass  sich  daraus  die  ganze 
Declination  des  Singulars  zusammenstellen  lässt.  Nom.  Üebi  15, 
41;  18,  53,  74,  78,  266;  19,  7;  20,  39;  38,  46;  sch&ni  18, 
115;  grössi  28,  605.  —  Gen.  liebi  18,  90;  wirdi  28,  712.  — 
Dat.  mitü  21,  21;  röti  5,  41;  liebi  18,  '87;  19,  15;  34, 
2;  36,  12,  16;  schönt  18,  109;  28,  411;  gueti  26,  54  —  Acc. 
gueti  3,  34;  liebi  18,  105;  28,  590;  lengi  18,  236;  26,  15; 
27,  116;  31,  63,  246;  ivirdi  27,  14;  30,  60.  Daneben  er-, 
scheinen  auch  hier  wieder  die  starken  Apok.«oA^n  10,  16;  28,414 
u.  a,  welche  MG.  p.  439  nur  dem  bair.  Dialekt  zuschreibt. 

Deminutiva  bildet  Hugo  durch  -elihelsel  21,  12;  hüsel 
25,  2;  durch  -lin  :  töchterlin  5,  11;  fuessUn  21,  27;  stüiUn  23, 
39;  kindUn  32,  ^0,  und  mit  Apokope  des  n  die  dialektischen 
minneliedli  3,  8;  ephelli  3,  27;  wengli  5,  36;  mündli  5,  40; 
16,  33;  zenli  5,  42;  16,  35;  helsli  5,  45;  nekli  5,  4b;glöggli 
8,  8;  bluemli  16,  17,  21;  bnewli  16,  37;  büchU  21,  22;  nar- 
renschuecMi  28,  380;  vögelli  29,  13,  aber  keinen  Fall  im  Reime; 
doch  sind  Reime  dieser  Art  überhaupt  selten.  Boner  z.  B.  hat  nur 
einen  (Schönbach,  Zs,  f.  d.  Ph.  VI,  253),  ebenso  die  Virginal 
(Zupitza,  Einl.  p.   16),  Flore  sechs  (Sommer  zu  1321). 

Häufig  zeigen  die  Substantiva  Schwanken  zwischen  starker 
und  schwacher  Flexion,  besonders  treten  die  Feminina  auf  e  gern 
in  die  schw.  Declination  über. 

Masculina.   rim  (stm.*)  31,  158    darzuo  die  rimen  mes- 


')  Di9_  Jße^cluiaiig  in  den  KUmmom  ist  aus  Lexer  genommen. 


CLXxxvm 

sen,  stam  (stm.)  2,  19  in  irs  hertzen  stammen  {:  flammen  Dat 
^  PI);  18,  62  in  mangem  stammten  (:  ammien  Dat.  S.)- 

Feminina,  erde  (stswf.)  5,  342  in  die  erden  leit;  11,  17 
uff  erden  (:  sterben  18, 106';  25,  195  (vgl.  p.  172)  zffwerden  32, 29: 
verderben  1,  46 ;  dagegen  ist  es  st  in  36,  15;  37,  9  etc.  —  froede 
(stswf.)  7,  5  nit  f roden  bringt.  Jdüs  (stswf.)  2,  21  in  mines 
hertzen  klusen  (:  behtisen).  mdze  (stf.)  21,  28  uss  der  mdssen  s. 
auch  31,  110;  aber  28,  295  vss  diner  sinne  mobsz  (:  erldsz). 
ruowe  (stf.)  18,  22  heü  si  zwar  nicht  ruowen  viL  schände  (stswf.) 
29, 40  0  pfuch  der  grossen  schänden  (:  landen),  stde  (stswf.)  22,  40 
zmsser  siden  (:  liden),  strdze  (stswf.)  28,  224  du  buwst  ein  irre 
Strassen  (:  abelassen)^  dasselbe  aaoh  31,  36;  dagegen  ist  es  4,  92 
stark  :  das  dti  zwölf  strasze  machtest  (vgl.  darüber  Sommer  zu 
Flore  2961).  summe  (stswf.)  8,  20  vor  der  sunnen.  wi{e)ge  (swstf.) 
28,  320  in  einer  wiegen  (:  betriegen);  aber  18,  63  in  einer  wieg 
(:  krieg),  veder  (stswf.)  4,  30  die  vedren  (Nom.  Plur.). 

b.  Adjeotiva. 

Der  Nom.  und  Aco.  der  st.  Masoul.  begegnet  flexionslos :  ein 
sölich  sin  14,  29;  min  willig  dinst  26,  1 ;  die  trueg  kein  solichen 
helt  5,  99  —  neben  den  synkopierten  einn  suessen  don  16,  29; 
einn  steten  muot  18,  113;  minn  wiüen  19,  22;  20,  21.  Auch 
in  der  schw.  DecL  wird  -en  abgeworfen  :  durch  dinen  herten  willig 
tot  12,  23. 

Der  Gren  kann  e  synkopieren :  mins  8,  14;  eins  14,  44  —  der 
Dat  die  ganze  Endung  sikiwetiefiimit  gMlich  sinne  25,  140; 
u^s  ewig  n6t  32,  112. 

Nom.  Sing,  der  st.  Femin.  -/w,  das  nur  in  wenigen  Fällen  er- 
halten blieb  (vgl.  p.  153),  dafür  erscheint  aber  auch  i  :  liebi  dim 
3,  4;  gerechü  sit  13,  56;  grossi  buoss  18,  196;  ich  armi  (sub- 
stantivisch) 25,  45;  wolgerdtni  S  28,  300;  edlü^  stoltzi  tragt 
28,  413;  gerechH  ler  28,  439  —  häufiger  jedoch  «,  das  apokopiert 
werden  kann:  kein  schlichte  29,  4;  gross  sünde  24,  127.  — 
selig  zit  3,  50;  gross  wunn  29,  53. 

Im  Nom.  und  Acc  Sing,  des  Neutr.  durchweg  es  (vgl.  p.  162), 
nie  mehr  ez,  das  ebenfalls  apokopiert  werden  kann :  ein  suess  ge- 
dön  29,  3;  ein  wankel  wib  25,  36;  ein  biderb  wib  37,  9,  55. 
Im  Nom.  und  Acc.  Plural  des  Neutr.  erscheinen  wieder  die  i  =  iu  wie 
im  Nom.  Sing,   des  Femininoms  :  suessi  wort  24,  5f  98;  stwrki 


GLXXXIX 

mer  28,  111;  guoü  buoch  29,  91;  liebi  wort  29,  3;  speM  wort 
31,  26;  in  geaehendi  ogen  5,  266;  32,  94. 

Ueberblicken  wir  die  i  in  der  Nominalflexion,  so  ergibt  sich, 
dass  sie  Hngo  auch  hier  wie  bei  der  Gonjagation  in  ganz  bestimm- 
ten, charakteristischen  Fällen  gebraucht:  bei  den  Deminutiven  auf 
"1%  bei  den  Substantiven  nach  managt  und  für  die  Adjectiven- 
dung-m  :  also  überall  nur  da,  wo  ein  alter  I-laut  zu  Grunde  liegt  ^). 
Das  ist  wichtig  genug;  denn  dadurch  wird  nun  ohne  weiteres  ausge- 
schlossen, bei  Hugo  von  einer  « mundartlichen  Färbung  des  irratio- 
nalen e'^^  oder  einer  „Verdünnung  des  e  za  i*^  zu  sprechen,  wie 
man  gewohnt  war.  Die  Beobachtung  ist  sicher,  das  zeigt  sich  noch 
besonders  deutlich  im  Nom.  und  Aco.  Sing,  der  femin.  Adjective : 
wäre  i  nur  die  «mundartliche  Färbung  des  Endungs-^",  warum  er- 
schiene es  dann  nur  im  Nom.  und  nicht  auch  im  Acc,  wie  es  bei 
den  Nentris  in  beiden  Casus  erscheint? 


^)  Die   einsige  Ansnahme   macht   zeniehH  28,   323;    33,   7,  vo  falsche 
Analogie,  Tielleicht  anch  AssimilatioD  gewirkt  haben  kann. 


V.  METRIK. 

^Wie  für  die  ▼issenseÜaftlicfae  Behandlung  delr  Sprachge- 
schichte dieses  Zeitraums  bis  jetzt  so  gut  wie  gar  nichts  ge- 
schehen ist,  so  liegt  auch  noch  die  Greschichte  der  Veränderungen, 
welche  in  ihm  die  alten  metrischen  Formen  erlitten  haben,  völlig 
im  argen.  Man  wird  hier  gleichfalls  erst  den  Vers-  und  Rei'm- 
gebrauch  vieler  einzelneU  Dichter,  so  wie  die  Art,  wie  sie  in 
unstrophischen  Gedichten  die  Zeilen  an  einandergereiht,  in  strophi- 
schen zu  wiederkehrenden  Gliedern  zusammengefasst  haben,  er- 
forschen müssen,  bevor  man  zu  allg^meinern  £rgebnissen  ge- 
langen kann ;  und  diese  werden  sich  dann  gewiss  wieder  sehr 
mannigfaltig  von  einer  noch  immer  anerkennenswerten  Hohe  der 
Kunstübung  bis  zur  äussersten  Tiefe  des  rohen  Handwerks  ab- 
stufen^. Koberstein  LG.  I^  281,  2. 

1.  AUgemeines. 

Wie  bei  der  Sprache,  so  bleibt  auch  bei  der  Metrik  das  Mhd. 
Ausgangspunkt  der  Untersuchung;  aber  nur  Ausgangspunkt,  nicht 
Regulativ  :  denn  wie  die  erstere  sich  vielfach  geändert  hat,  so  wird 
es  auch  bei  der  letztern    geschehen    sein.     Und   dass  Hugo   selbst 
Fehlerhaftigkeiten  seiner  Verse  entschuldigt,   kann  nur  noch  mehr 
zur  Vorsicht  mahnen;  zeigt  andrerseits  aber  auch,  dass  er  die  da- 
maligen technischen  Kunstregeln  kannte  :  wie  wäre   er  sich    sonst 
seiner  Fehler,  welche  vorzüglich  der  Zeitmangel  verursachte  (31, 157), 
bewusst  gewesen?     Ferner  ergaben    die   beiden   vorausgegangenen 
Abhandlungen,   dass  die  Verderbnisse   der  Schreiber  sich  nirgends 
zu  weitergehenden    Umgestaltungen  versteigen,  sondern   nur   durch 
Flüchtigkeiten  und  ihre  verschiedene  Mundart  herbeigeführt  werden. 
Das  ebnet  der  Kritik   den  Boden.     Es   handelt  sich   also  darum, 
die  metrischen  Gesetze  Hugo's  zu  finden  und  die  Mittel  zu  fixieren, 
welche  die  Ueberlieferung  bietet,   um  jene  Verse,   welche  dagegen 
Verstössen  und  verdorben  sind,  in   ihre  wahrscheinliche  Ursprung- 


liehe  Gestalt  zurückzuführen :  es  sind  Apokope,  Synkope,  Ekthlipsis, 
Inclination  und  Contraotion. 

Die  Apokopen  ergaben  sich  in  ihrem  ganzen  Um&nge  schon 
aus  den  Reimen  (Abh.  IV,  p.  149),  so  dass  hi^  genügt,  darauf  zu 
Terweisen. 

Erhaltene  und  durdi  den  Rhythnras  gesicherte  Synkopen: 
vor  8  in  eins   8,   9;  25,  130;   mins  8,  14;  sina    15,  97;  dinä 

17,  16.  wngelimpfs  18,  127;  lange  28,  335;  gotz  30,  60;  mmta 
31,  217.  behältst  22,  31;  bindet  29,  92  (vgl.  Abh.  IV,  p.  173  fif. 
und  185  ff.)  —  vom  allr  24,  16;  einr  25,  184;  28,  71;  dinr 
10,  7;  14,  28;  23,  15;   miwr  16,  46  —  vor  n  :  eina  5,  233; 

18,  221;  wenn  19,  22;  20*  21;  gelagenn  32,  98.  —  Dann  in 
Jieilgen  18,  163;  küng  30,  33;  römschen  17,  37;  dran  28,  586; 
meng  7,  28;  16,  25;  menklich  33,  15;  nachtgaü  15,  166; 
ßissklich  6,  24;  gewaliklich  33,  30,  weswegen  29,  113  ohne 
Anstand  üppklich  gebessert  werden  konnte,  zumal  solche  Härten 
auch  in  den  al.  ürk.  erscheinen  :  Arch.  I,  III,  p.  133  (23./6.  1388) 
ledklich;  p.  137  (6./9.  1389)  ewkUcJi,  flisskUch;  dazu  Netz  7715» 
7716  uppkUch 

Besonders  stark  sind  die  Synk.  in  den  Vorsilben,  ge^  vor  l : 
gümpf  10,  31;  glich  23,  31  auch  1,  60;  4,  160,  33,  127  u.  ö.; 
glust  18,  125;  24,  134,  vor  n:gntu>g  IS,  149,  vor  r :  gr echte 
27,  88  u.  ö.,  vor  w  :  gwiasen  15,  154;  23,  9;  gwirt  29,  172, 
vor  sigschrift  4,  90;  gsach  18,  103;.  23,  30;  getaU  \%  4; 
35,  3^  vor  t:gticht  1>^,  IS9,  Yorfigfid  25,  23.  —  be^  vor  gibgier 
17,  9;  24,  134;  bgond  28,  49,  314;  30,  59,  vor  k  :  ftfcam  16, 
1;  bkent  16,  73;  17,  20;  18,  148  u.  ö.;  bkenn  23,  27,  vor 
h  :  bhalten  15,  141,  vor-«  :  bschUessent  23,  16 ^  26,  12;  bschiht 
15,  155;  bschah  24,  122  und  selbst  vor  f,  d  :  btütz  24,  120; 
bdör/t  20,  20.  Ueberblickt  man  die  letztern  Synkopen,  so  zeigt 
aicfa^  dass  die  härtesten  derselben  sich=  nur  beim  Sobreiber  B  finden, 
was  Misstrauen  gegen  sie  erweckt,  welches  dadurch  nur  gesteigert 
werden  kann,  dass.derselbe  auch  22,  31  wahrscheinlich  gegen  seine 
Vorlage  bhaltst  gekürzt  hat;  dazu  kommt  nooh,  dass  die  schwersten 
Fälle  in  der  ersten  Hebung  stehen.  Weinhold  hat  daher,  vielleicht 
nicht  unrecht  getan,  wenn  er  16,  1  lieber  zweisilbigen  Auftact 
{mir  bekam)  als  das  übeilief^te  bkasn  in  den  Text  setzte;  in 
keinem^  Falle  aber  darf  man  bei  der  Textoonstruotaon  die  in  der 
Hs.  gezogenen  Grenzen  überschreiten» 


cxcn 

Ekthlipsis  (MG.  144)  :  sfm  {-=^  sineme)  1,  17;  29,  160; 
cUm  30,  43;  mim  18,  262;  eim  6,  23;  28,  188;  ffUt,  Hat,  säst, 
treit,  seit  u.  dgl.  m.  (Abh.  IV,  173  ff.). 

Proclisis  :  von  ze  in  zUeb  25,  61,  des  Artikels  dhant  18, 
157;  dwelt  27,  36. 

Enolisis  von  es  (ez)  :  magsb^QS;  hdtz  5,  121 ;  hands  13,  5; 
hoste  28,  129  —  von  si  (sie)  :  woltentz  4,  144;  werdentz  4,  148; 
mrs  18,  172;  lagente  24,  56;  wass  21,  24;  habs  37,  52  — 
von  dem  :  am  11,  29;  15,  75  etc.  —  von  daz  :  anz  II,  31;  widere 
31,  42. 

Contraotionr^Ä«  15,  1;   17,  51;  dast26j  84;  zem  16,  70. 

Es  sind  also  lauter  Mittel,  welche  schon  im  guten  Mhd.  ge- 
bräuchlich waren,  und  nur  der  Umfang  derselben,  besonders  der 
tSyn-  und  Apokopen,  hat  sich  erweitert,  was  teilweise  mit  der 
sprachlichen  Veränderung  zusammenhängt  (vgl.  Abh.  IV,  148). 

Bei  der  weitem  Untersuchung  über  Hugo's  Metrik  stelle  ich  ge- 
wöhnlich die  Lieder  voraus,  weil  sie  sorgfältiger  gebaut  sind:  diese 
wird  Hugo  auch  zunächst  im  Auge  gehabt  haben,  wenn  er  31, 25  sich 
vom  Priester  anrufen  lässt :  du  hast  mit  silmen,  rim,en  cluog  gojr 
spehi  wort  getickt  Ihnen  lasse  ich  die  correcteren  Reden  in 
Reimpaaren  (Nr.  1,  2,  4,  5,  14,  25)  und  in  der  vierzeiligen  Strophe 
(16,  17)  und  diesen  die  übrigen  Reden  und  Briefe  folgen« 

«Der  Vers  wird  nach  Hebungen  gemessen **,  lautete  die  alte 
Regel;  der  Hebung  kann,  muss  aber  nicht  eine  Senkung  folgen: 
Idnc^  schdrfy  gr&z^  brüt  Iw.  599  ist  ein  tadelloser  Vers.  Man 
weiss,  wie  in  der  folgenden  Zeit  die  Senkung  nicht  nur  in  der 
Lyrik,  sondern  auch  im  Epos  grössere  Beachtung  fond  und  sich 
allmählich  das  neue  Gesetz  der  Silbenzählung  ausbildete, 
welches  im  14.  Jahrhundert  wiederholt  als  Richtmass  der  Dichter 
betont  wird.  Bekannt  sind  die  beiden  Stellen  bei  Hesler  (Bartsch» 
Germ.  I,  194  ff.)  und  Jeroschin  (Pfeiffer,  Beitr.  zur  Gesch.  der 
md.  Sprache  und  Liter,  p.  37) ;  vgl.  ferner  Suchenwirt  21,  5  der 
ich  zu  lichten  hwa  gedmht .  .  .  der  silben  zall,  der  chunsten 
grünt;  Hugo  2,  132  der  silmen  zal^  der  stunden  zil  der  mag 
ich  nit  gewalien. 

Die   Doppelseitigkeit    dieses  G-esetzes   der   Siibenzählung   ist 

leicht  zu   erkennen:  jeder  richtige   mhd.   Vers   mit  Hebung   und 

Senkung  entsprach  ihm,  aber  ebenso  auch  eine  Zeile  wie  anfdng. 


CXCIII 

mittA  und  auch  das  4nd  (Sachs)  oder  in  teuffls  gstallt  dJn 
altin  anficht  (Ayrer) ;  nnd  doch  liegt  da«zwischen  der  grosse 
Sprung  von  jener  guten  zur  verdorbensten  Verszeit.  Das  charakte- 
ristische Merkmal  ruht  in  einem  anderen  Gesetze,  welches  das  der 
Silbenzählung  begleitet ;  je  nachdem  die  Dichter  dieser  üebergangs- 
zeit  dasselbe  beachten  oder  nicht,  scheiden  sie  sich  in  zwei  Gruppen, 
deren  erstere  noch  zu  den  mhd.  Dichtern  hinauf,  deren  letztere  zu 
den  Meistersängern  hinabweist.  Den  Meistersängern  sind  alle 
Silben  gleichwertig,  jede  kann  in  der  Hebung  oder  Senkung  stehen: 
sie  messen  nicht  mehr,  zählen  nur  — während  die  andern 
neben  der  Zählung  auch  noch  die  Silben  unterscheiden  und  von 
Länge  und  Kürze  sprechen.  Hier  ist  der  Punkt,  wo  alle  Dichter 
des  14.  und   der  folgenden  Jhde.  zuerst  angefasst  werden  müssen. 

Dass  Hugo  zu  den  bessern  gehört,  ergibt  schon  sein  eigener 
Ausspruch  in  der  angeführten  Stelle  (2,  132),  welche  für  seine  und 
seiner  Zeitgenossen  Dichtungsweise  bemerkenswert  ist:  der  stunden 
zil  kann  nur  auf  Zeit-,  also  Länge-  und  Eürzemessung  deuten, 
was  15,  163  ist  daran  icht  zerunnen  die  leng^  die  hürtz  direct 
bezeugt.  Dass  aber  Länge  und  Kürze  nicht  nach  der  grammati- 
schen Quantität  der  Silben,  sondern  nach  der  Wortbetonung  ge- 
schätzt wurde,  ist  vorauszusetzen,  denn  zur  Quantitätsmessung  fehlte 
jeder  Anhaltspunkt :  über  Hugo's  Grab  war  schon  lange  Moos  ge- 
wachsen, als  sie  die  Humanisten  zu  übler  Stunde  in  Deutschland 
importierten ;  nur  in  vereinzelten  Fällen  hatte  die  gramm.  Quantität 
auch  im  Mhd.  Bedeutung,  vor  allem  im  zweisilbig  stumpfen  Heime 
und  bei  der  entsprechenden  Verschleifung  in  der  Zeile,  die  ich  zu- 
nächst behandeln  will. 

In  Abh.  ly,  p.  147  wurde  nachgewiesen,  dass  zweisilbige  Reime 
mit  kurzer  Paenultima  klingend  gebraucht  werden  wie  die  mit 
langer.  Hier  müssen  die  andern  Fälle  zusammengestellt,  muss  der 
Umfang  bestimmt  werden,  in  dem  dasselbe  geschehen  ist  ^).  Die 
Verse  6,  10,  39  brachten  oben  aus  der  Metrik  den  Beweis  für 
die  neue  Dehnung  kurzer  Bedeutungssilben;  vergleicht  man  femer 
16,  65 — 68  mit  den  umliegenden  Strophen,  so  ergibt  sich  gleich- 
falls,  dass  beschuhen  :  jehen   ebenso    klingend   stehen   wie  besten : 


*)  Die  Reden  und  Briefe  mit  Titurelstrophen  lasse  ich  yorläufig  ausser 
Acht,  da  sie  für  diese  Beobachtung  zu  wenig  sichere  Anhaltspunkte  bieten, 
wie  sich  später  zeigen  wird. 

Waokerne  11,  Montfort.  ^^ 


CXOIV 

ffestm  70,  vertrihm  :  schiben  74  etc.;  dasselbe  zeigen  alle  drei- 
mal gehobenen  Verse  mit  kurzer  Reimpaenultima  neben  viermal 
gehobenen;  es   sind  folgende  Fälle:  der   gedehnte  Stammvocal   ist 

e  in  leben  :  vergeben  5,  363;  6,  10;  25,  127  :  eben  29,  129: 
gegeben  25,  181;  eben  :  geben  6^  23;  pflegen  :  geben  25,  53; 
pJUegen  ;  engegen  5,  261;  regel  :  wegen  29,  154;  verjehen : 
eehen  5,  33;  sehen :  bescheiden  6,  39  :  brehen  16,  34;  beschehen: 
jehen  16,  66.    Der  Stammvocal  ist 

a  in  sagen  :  dagen  5,  175:  tragen  37,  17  —  oder 

0  in  Zobel :  o6ew  2,  121 ;  toben  :  loben  5,  15  —  oder 

e  in  herwider  :  gevider  2,  83;  beliben  (Part.)  :  vsgeschiben  5, 
65  und  o/rtiTcel :  stihel  4,  9  —  oder 

u  in  tugent  :  jugent  4,  77.  Dazu  kommen  noch  die  Reime 
zwischen  kurzem  und  langem  Vocal  in  der  dreimal  gehobenen  Zeile : 
auf    i  in  schiben :  siben  4,  75  —  auf 

0  in  toren  :  verloren  4,   153;  komen  :  bdmen  5,  95  —  auf 

e  in  i&^m  :  Sren  25,  117  :  fe^rm  7,  18.  Es  sind  also  im 
ganzen  47  Fälle,  von  denen  die  meisten  auf  e  und,  auf  den  Aus- 
laut der  Stammsilbe  gesehen,  auf  h  oder  einen  tönenden  Oonsonan- 
ten  fallen,  nur  einmal  steht  k;  vgl.  dazu  Wiimanns'  Zusammen- 
stellung der  ähnlichen  Reime  aus  der  Virginal  (Zs.  f.  d.  A.  XV, 
295  fif.),  welche  dasselbe  Ergebnis  liefert. 

Den  aufgezählten  Reimen  gegenüber  stehen  aber  die  Strophen 
und  Reime,  welche  das  Fortleben  der  mhd.  Regel  beweisen  wollen. 
In  17,  21—24,  25-28;  16,  25—28  erscheinen  geben  :  leben, 
sagen  :  wagen,  gebogen  :  versmogen  in  mhd.  Weise  als  zweisilbig 
stumpf;  dafür  sprechen  auch  alle  andern  viermal  gehobenen  Verse 
mit  kurzer  Reimpaenultima  neben  denen  mit  einsilbigem  Stumpf- 
reim. Im  ganzen  sind  folgende  Fälle  zu  verzeichnen :  der  Stamm- 
vocal ist 

e  in  geben  :  leben  4,  49,  57 ;  5,  229;  17,  14,  22;  22,  9;  25, 
19,  157;  29,  10,  34,  94.  —  leben :  eben  5,  131  -.widerstreben 
5,  267.  -  leben  :  underwegen  29,  65;  eben  :  wegen  29,  157.  — 
phlegen  :  segen  2,  89.  -  gesehen  :  jehen  5,  133;  29,  22  x  be- 
schehen 5,  137;  29,  53;  bschehen  :  jehen  4,  125.  —  gelesen: 
gewesen  29,  89  :  wesen  5,  205.  —  Der  Stammvocal  ist 

a  in  sagen  :  tagen  5,  385  :  wagen  17,  26; 

0  in  komen :  vemomen  4,  89;  5,  129;  29,  6.  —  gebogen  : 
tmversmogen  4,  159;  16,  25; 


OXÖV 

i  in  usBgeecMbm  :  beliben  (Pr.)  5,  49.  —  da/widef  :  gelidßr 
25,  99.  —  Umeliimer  29,  70.  Das  sind  also  .66  Fälle;  die 
ineisten  wieder  bei  e,  gar  keiner  bei  u,  freilich  sind  solche  Reime 
überhaupt  seltener. 

Die  aufgezählten  Reime  führen  zur  Annahme,  dass  das  mhd. 
Gesetz  fortlebt  und  dass  die  Wörter  mit  ursprünglich  kurzer  Stamm- 
silbe von  denen  mit  ursprünglich  langer  noch  quantitativ,  viel- 
leicht auch  qualitativ  verschieden  seien;  doch  wird  die  Sicherheit 
dieses  Schlusses  von  einer  andern  Erscheinung  durchkreuzt.  In  der 
Strophe  17,  13 — 16  erscheinen  die  klingenden  Reime  verleiten : 
bereiten  ebenso  in  der  viermal  gehobenen  ^eile  wie  gegeben :  Üben. 
Solch  vierhebige  Verse  mit  echtem  klingenden   Reime  sind  —  auf 

e  :  gedevikhen  :  eenicen  4,  35 ;  senden  :  wenden  5,  381  :  nen^ 
den  29,  113.  verderben  :  sterben  4,  15  :  werden  29,  l4l.  leiten  i 
besten  5,  165;  gessen  :  messen  29,  25  —  auf 

a  :  gallen  :  umbwallen  29 ,  161 ;  vcdlen  :  ballen  29 ,  169 ; 
behalten  :  walten  29 ,  173.  sacken  :  waxihen  29 ,  125  :  macheh 
29,  178.  gestanden  :  banden  29,  90  —  auf 

0  :  Orden  :  verdorben  29,  149,  153  :  Äorrf^  29,  165.  unr 
verdrossen  :  vergossen  4,  145   —  auf 

i :  beliben :  schiben  (Inf.)  5,  79.  timpten :  gerimpten  4,  25  —  auf 

ie\ ziehe: liege  29,  137  —  auf 

ei :  verleiten :  bereiten  11  y  13.  —  leisten :  verHeissen  29,  17,  77. 

Auch  die  Reime  mit  kurzem  und  langem  Yoc.  oder  geniin. 
Gons.  in  der  viermal  gehobenen  Zeile  gehören  hieher  :  getragen : 
wägen  5,  75;  iren  :  weren  25,  117 ;  Jherren  :  werren  5,  223,  249  : 
im  ganzen  50  Fälle. 

Wo  bleibt  nun  die  Gewähr,  dass  in  den  vierhebigen  Verseo 
mit  kurzer  Paenultima  zweisilbig  stumpfer  Keim  fortlebe,  wenn  auch 
die  alten  klingenden  unter  denselben  Bedingungen  erscheinen  ?  Frei- 
lich stehen  diesen  50  Belegen  394  klingende  Reime  nach  ailter 
Weise  in  der  dreihebieen  Zeile  gegenüber. 

Allein  auch  sie  lassen  aus  den  vierhebigen  Versen  mi£  (mhd.) 
kurzer  Reimpaenultimä  nicht  so  ganz  ohne  Resierve  auf  das  Foiileben 
der  alten  Kürze  schliessen,  wie  die  dreihebigen  für  die  eingetretene 
Längung.  Doch  tritt  hier  die  Verschleifhng  in  der  2eile  ergfilm^nä 
ein:  auch  noch  bei  Hugo  werden  kurze  Stammsilben,  denen  ein- 
facher Gonsonant  und  unbetonies  e  (resj[l.  i)  folgeiä,  m  ißi  Hebcmg 
versohleift  :  edel  gestdm  2,  12,  frowe  m  74»  solieher  107  ;  5,  99 ; 


CSXCVI 

ffeachriben  mit  4,  26;  oder  in  4,  78;  Üben  dn  4,  173;  nemen  uf 
5,  83;  Bolichen  5,  99;  gweaen  ein  5,  388;  haaen  gevdngen  7, 
29;  wider  ze  8,  13;  gsehenden  11,  38;  maget  die  12,  25;  iiibel 
bewdr  12,  26;  söHcher  13,  32;  eiten  bedenken  14,  16;  habint 
got  25,  83;  vögelli  29,  13;  globen  und  29,  174;  homist  her/n 
28,  618  etc  Hier  zeigt  sich  also  gleichfalls  der  Fortbestand  der 
kürzen  betonten  Stammsilbe  und  des  mhd.  Gesetzes. 

Es  erübrigt  nun,  die  bei  Hugo  gemachten  Beobachtungen  mit 
der  Metrik  seiner  Vorgänger  und  Zeitgenossen  zu  vergleichen,   um 
wo  möglich  allgemeinere  Resultate  zu  gewinnen. 
r  ^     Beispiele  für    den    klingenden    Gebrauch  zweisilbig  stumpfer 
Reime  finden  sich  auch   in  guter  mhd.  Zeit,   doch   nur   vereinzelt 
und  ausnahmsweise;   vgl.  Koberstein  LG.^  285;    Grimm,   Gr.  I^, 
459;  Kummer  zu  Wildonie  315.    Der  eigentliche  Beginn  derselben 
fallt  in  die  Uebergangsperiode  und  ist  das  Kennzeichen  der  neuen 
Stufe  in  der  Sprachentwicklung  (s.  Abh.  IV,  p.  146).     Schon  bei 
Fleck  wie  bei  Heinrich  v.  Türlein  lässt  eine  nicht  unbedeu- 
tende Anzahl  von  Reimpaaren  vermuten,  dass  sie  zwei  verschleif- 
bare  Silben  für  den  klingenden  Vers  brauchen  (Sommer  zu  Flore 
43).     Dasselbe  ist  sicher  im  Wolfdietrich   D    (Jänicke,   Einl. 
p.  10).     Viel  häufiger  begegnen   solche  nhd.  Reime  in  der  Vir- 
ginal,  es  sind  257  Fälle,  während  in  den  übrigen  noch  die  mhd. 
Regel  fortlebt  (Wilmanns,  Zs.  f.  d.  A.  XV,  296).  In  der  Martina 
stehen  die  nhd.  klingenden  zu  den  mhd.  stumpfen  wie  c.  1  :  12  (sie 
mehren  sich  besonders  in  der  zweiten  Hälfte);  Staufenberg  hat  7 
klingende  (Jänicke  zu  233)   neben  35  stumpfen,   Hadlaub  aber 
72  klingende  zu  nur  7  stumpfen,  in  der  Zeile  jedoch  noch  viele  Ver- 
schleifungen.     lieber   den   grossen   Umfong  der   nhd.  Dehnung   bei 
Jeroschin  vgl.  Pfeiffer  p.  38  und  Bartsch,   Germania  I,    201; 
doch  können  Verse  wie  1,  265   so  wü  ich  hundin  dn  dem  dr/ten^ 
wt  urlöugit  vnd  geetriten  etc.  auch  bei   ihm  noch  für  den  mhd. 
Gebrauch  sprechen.    Bei  Hadamar  sind  alle  Reime  klingend  ge- 
worden, und  nur  in  der  Zeile  ist  das  mhd.  Gesetz  bei  der  Ver- 
sohleifung   noch   ersichtlich  :  293,   2   abnemender  minn  buddere; 
208,  7  tegelichen;  302,  2   volkomenz^  ich  habe  5  Fälle  verzeich- 
net^), während  bei  dem  spätem  Verfasser  des  Gedichtes  auf  Lud - 


^)  Der  neue  Herausgeber  Agt  (Ein!,  p.  32) :  ^wie  Hadamar  überall  und 


OXOVII 

wigden  Baier  dasselbe  im  Reim  and  Vers  noch  yorhandea  ist 
(vgl.  Stejskal,    Hadamar  p.  34  f.).     Bei  Bon  er  habe  ich  keinen 
einzigen  verschleifbaren  Reim  in  einem  dreihebigen  Verse  gefanden, 
er  hält  sich  noch  durchweg  an  die  alte  Norm,  und  auch  bei  Su- 
chenwirt überwiegt  die  mhd.  Reimweise  über  die  nhd.  bedeutend 
(Koberstein  I,  12);  beide  brauchen  auch  die  Verschleifung  in  der 
Zeile  uneingeschränkt   BeiHalbsuter  (s.  altd.  Stud.  60)  stellen 
sich  10   nhd.   klingende   zu    8  zweisilbig   stumpfen,    während  bei 
Hugo  das  Verhältnis  umgekehrt  steht,  und  die  alten  zu  den  neuen 
sich  wie  a  3:2  verhalten.   In  den  unechten  Gedichten  39  und 
40  stehen  3  Paar  verschleifbare  im  vierhebigen  Vers  gegen  18  echt 
klingende  im  ebenso  oftmal  gehobenen,  so  dass  das  Fortleben  der 
Verschleifung  nur  mehr  in  der  Zeile  sicher  ist.    Beim  Mönch  von 
Salzburg  (ed.  Ampferer)  sind  die  Verse  mit  kurzer  Reimpaenul- 
tima  immer  so  oftmal  gehoben  wie  die  mit  langer.     So  begegnen 
im  lauda  Syon^   im  pange  Ungua  und  im  stabat  mater  28  alt-' 
klingende  Reimbindungen  neben   7  mit   kurzer  Paenultima  und  4 
mit  verschiedener  Quantität :  alle  sind  gleichmässig  viermal  gehoben. 
Im  veni   Creator   und   ave  Maria   sind   alle   zweisilbigen  Reime, 
gleichgültig,  ob  sie  kurze  oder  lauge  Stammsilben  haben,  dreimal  ge- 
hoben :  die  alt-  und  neuklingenden  waren  ihm  also  offenbar  gleich- 
wertig; in  der  Zeile  aber  gebraucht  er  Verschleifung.    Genau  auf 
demselben  Standpunkt  steht  auch  Laufenberg  ^),   nur   sind  bei 
ihm  auch   die  Verschleifungen  im  Gontexte  noch  seltener   gewor- 
den.    Das  Netz  gebraucht  zweisilbe  Reime  in  drei-,  vier-  und 
auch  mehrhebigen  wilden  Versen,  mögen  sie  nun  kurze  oder  lange 
Paenultima  haben;   im  Contexte  aber  wird  noch  Verschleifung  zu 
erkennen  sein ,  denn  damit  werden   sich  Verse   wie    1096   damA 
man  Swig  Üben  sol  g{e)w{nnen^    1171    du  sprichst  ^   du   habest 
mirs  dll  gendnt^  2939  mr  Ugent  den  höuptem  in  den  6ren  etc. 
am  natürlichsten  lesen  lassen.  —  Sachsenheim  hat  in  den  Ge- 


alles auf  die  Spitze  treibt  so  auch  dieses.  Ein  Minimum  ron  Ausnahmen  ab- 
gerechnet,  begegnen  uns  bei  ihm  nirgends  mehr,  weder  im  Reime  noch  inner- 
halb des  Verses,  zwei  Silben,  die  durch  SilbeuTerschleifung  zu  einer  einsilbigen 
geworden  wären^.  Stejskal  gibt  leider  kein  Zahlenrerhältnis  an,  ich  fand  5 
Verschleifungen  in  der  ZeUe,  aber  keine  im  Beime. 

*)  Hier  wie  immer,  wo  ich  Laufenberg  nenne,  sind  selbstrerständlich  seine 
Lieder  gemeint,  welche  seit  dem  Untergange  der  alten  Strassburger  Bibliothek 
meist  nur  mehr  im  II  Bande  ron  Wackernagels  Kirchenlied  erhalten  sind.  • 


oxovm 

dichten  mit  vierhebigen  Zeilen  nnr  11  versohleifbare,  die  aber  keine 
Gewähr  geben  für  den  Fortbestand  der  alten  Regel,  da  aach  die 
echt  klingenden  nnr  im  vier-,  nie  mehr  im  dreihebigen  Verse  er- 
soheinen;  im  gold.  Tempel  ferner  sind  aegel :  regel  61,  model : 
roddWb^  zedeln: wedeln  119,  wehen: achwehen  \2b^we8en:zesen 
139,  hrehen  :  spehen  303,  voUohen  :  tohen  357  :  ohen  663,  sagen : 
tagen  361,  ehen  :  Uhen  367,  regen  :  gelegen  585  :  pflegen  910, 
sagen  X  getragen  615,  889,  wider  mider  679,  871,  Jiahenihuoch^ 
stahen  709,  segen :  underwegen  759  nnr  in  dreihebigen  Versen 
wie  die  echt  klingenden  neben  einsilbig  stampfen  in  der  drei-  und 
▼ierhebigen  Zeile.  Im  Gontexte  aber  ist  die  mbd.  Versc^leifong 
noch  sicher,  wenn  anch  sehr  selten  geworden. 

Bei  Brant  endlich  hat  jede  Verscbleifnng  im  Reipe  sowohl 
wie  in  der  Zeile  angehört:  er  misst  nicht  mehr,  zählt  nur  die 
Silben  ohne  Rücksicht  auf  Quantität  oder  Wortbetonnng  (vgl 
Zamcke  p.  289). 

Ich  habe  diese  Belege  ans  einer  vollständigeren  Sanamlung, 
die  ich  zu  einem  andern  Zwecke  benützen  will,  ausgelesen;  sie 
sind  hoffentlich  ausgiebig  genug,  um  damit  den  ganzen  Lauf  dieser 
neuen  Entwicklung  verfolgen  zu  können.  Es  ergeben  sich  folgende 
Resultate: 

1)  Sie  steht  io  Verbindung  mit  der  neuen  Sprachentwicklung; 
das  Grehör  und  die  alten  metrischen  Traditioneo  durpbkreuzten  sich: 
wie  in  der  Aussprache  die  nun  gedehnten  Stammsilben  mit  den 
alten  langen  zusammenfielen,  so  wurden  sie  auch  in  der  Schreibung 
mit  einander  vermengt 

2)  Die  neue  Bewegpng  reicht  mit  ihreq  ersten  Anfangen  weit 
in  die  mhd.  ZeU^  hini^of;  i)i.r  eigentlicher  Beginn  aber  fällt  in  die 
zweite  Hälfte  des  13.  Jhds.,  wo  die  alte  strenge  Metrik,  welche 
d^  neuen  Att  entgegen  war,  zu  erpiatten  und  den  Widerstand  zu 
versagen  beginnt:  dal^er  ist  es  bezeichnend,  dass  diese  neul^oc^deut- 
schen  Reime   zuerst   in   volksmässigen  Dichtungen  am   häufigsten 

auftreten. 

3)  Das  neue  Gresetz  selbst  ist  nur  eine  Vereinfochung  des 
alten,  eine  Ausgleichung  der  Verschleifungsregel  im  Versinnem  mit 
der  des  Reimes.  Im  Mhd.  hiess  es:  kurze  Stammsilben  mit  fol- 
gendem einfachen  Gonsönanten  und  unbetonten  e  müssen  im 
Bfjwet  können  im  V^se  versclfleift  werden  —  jetzt  aber:  sie 
können   im  Versinnem   wie  im  Reime  verschleift  werden  oder 


GXCJX 

nicht  Das  ist  also  genau  die  Mittelstellung  zwischen  Mhd.,  wo  sie 
i.  R.  n  u  r  stumpf,  und  Nhd.,  wo  sie  n  u  r  klingend  sein  dürfen,  und 
stimmt  zum  Gesammtoharakter  der  Verskunst  dieser  Epigonenzeit, 
in  welchem    dem   Mhd.  gegenüber    die   Einförmigkeit  hervortritt. 

4)  Die  beiden  folgenden  Besultate  sind  negativer  Art.  Man 
hat  die  neue  Reimweise  mit  Vorliebe  zur  Zeitbestimmung  verwertet, 
indem  man  schloss:  dieser  Dichter  beachtet  den  mhd.  Brauch 
weniger  als  jener  und  ist  daher  jünger  oder  umgekehrt  Alle  diese 
Schlüsse  sind  unbegründet:  Hadlaub  könnte  ein  Zeitgenosse  Halb- 
suters  sein,  Boner  vor  Hadlaub  und  Hadamar  hinter  dem  Mont- 
forter  stehen.  Bestimmungen  dieser  Art  sind  nur  den  äussersten 
Grenzen  nach  gerechtfertigt:  Hadlaub  kann  nicht  in  die  erste  Hälfte 
des  13.  Jhds.,  ebenso  Hadamar  nicht  in  die  Mitte  desselben  (1253 
Ins  1277  weite  ihn  Mone  setzen),  Stanfenberg  nicht  hinter  Sach- 
senheim gehören  etc. 

5)  Ebenso  unhaltbar  sind  die  Schlüsse  von  dem  ümfieing  der 
neuen  Reimart  auf  irgend  eine  Heimat  des  Dichters.  Hadamar 
freilich  konnte  auf  den  Gedanken  bringen,  dass  sie  im  Bair.  früher 
und  häufiger  als  anderswo  zu  finden  wäre;  aber  ihm  steht  der 
einige  Decennien  ältere  Hadlaub  an  der  Seite  und  der  ebenso  viele 
Decennien  jüngere  Suchenwirt  gegenüber.  Die  Dichter  dieser  Ueber- 
gangszeit  stimmen  nur  darin  Überein,  dass  sie  mehr  oder  weniger 
die  neue  Entwicklung  bezeugen;  im  Umfange  derselben  aber  waltet 
freie  Snbjectivität,  je  nachdem  der  einzelne  mehr  dem  Gehöre  oder 
den  an  den  altern  Meistern  gelernten  Regeln  nachgab;  daher  ist 
Snohenwirt,  dessen  Versbau  sich  überhaupt  noch  ziemlich  genau 
an  den  mhd.  ansohliesst  (Kob.  I,  3 — 5),  einer  der  massigsten, 
der  Montf.  besser  als  Halbs.;  Hadl.  einer  der  schlechtesten  wie 
in  der  Betonung;  Ausnahmen  gibt  es  auch  hier  z.  B.  Boner;  aber 
im  allgemeinen  fand  ich  die  Beobachtung  bestätigt. 

6)  Das  unter  3  aufgestellte  Gesetz  dauert  bis  gegen  das  erste 
Viertel  des  15.  Jhds.;  von  hier  an  erst  geht  es  rasch  und  ohne 
Ausnahme  dem  Nhd.  entgegen.  Bei  Laufb.,  in  dem  Netz  und  der 
Moer.  haftet  die  Verschleifung  der  Stammsilben  wahrscheinlich  nur 
noch  innerhalb  des  Verses,  nicht  mehr  im  Reime;  vier  Decennien 
spater  ist  sie  anS' Vers  und  Reim  vollständig  v^sch wunden:  Brant 
braucht  sie  wfider  da  noch  dort  In  dei:  ZeUe  scheint  sie  über^ 
haupt  fester  gesessen  zu  sein^  was  besondew-  ans  Hadamar^  dum 
auch,  aus  Netz,  Mönch,  Lanfb.,  Sachsenh«  zui  erkennen«  ist;,  fk^ilich 


cc 

dürfen  wir  nioht  vergessen,  dass  uns  für  die  zweisilbigen  Reime 
mit  kurzer  Paenultima  früher  der  Massstab  verloren  geht  und 
zwar  durch  den  Zusammenstoss  derselben  mit  den  echt  klingen- 
den in  der  vierhebigen  Zeile. 

Die  Verlängerung  der  klingenden  Verse  um  eine  Hebung  be- 
gegnet schon  in  sehr  früher  Zeit,  vgl.  MS.  Denkm.  32,  74;  33, 
124;  35,  10;  Lichtenstein,  fiilh.  v.  Oberge  p.  113;  Lachmann  zu 
Iwein  772,  142,  zu  Wolfrum  p.  14;  Sonmier  zu  Flore  121;  Kummer, 
Herrand  p.  7 ;  aber  sie  war  vereinzelt  und  ausnahmsweise  (Kober- 
stein  LG.   I^  286).    Auch   hier  steht  der  eigentliche  Beginn  mit 
der  neuen  Spracbentwicklung  im  Zusammenhange ;  denn  Tonstärke 
in   den  Bedeutungssilben  hat  das  Verblassen  der   Flexions-  und 
Ableitungsilben  auch  bis  zur  gänzlichen  Verstummung  im  Gefolge. 
Gleichwohl  erschemt   die  nhd.  Längung   und   diese  Beimart   nicht 
in   übereinstimmendem  Gebrauche;    Dichter,   welche  jene   haben, 
verwenden  keine  überhebigen  klingenden  Verse  und  umgekehrt.   So 
begegnen   bei  Hein  zolin   keine   verschleifbaren  Reime   klingend, 
wohl  aber  18  Fälle  überhebiger  kl.  Verse  (vgl.  Pfeiffer  zu  ML.  75)  ; 
in  der  Martina   aber   die   nhd.  gelängten  Reime  und  die  über- 
hebigen  kling.  Verse   c.   in   demselben  Umfange;   Boner  meidet, 
wie  wir  sahen,  die  Längung  verschleifbarer  Reime,  ebenso  die  über- 
hebigen klingenden  Verse,   deren   ich,    von  ein  paar  zweifelhaften 
Fällen,  wo  durch  doppelten  Auftact,  Verschleifung  u.  dgl.  zu  helfen 
ist,  abgesehen,   nur   zwei   gezählt   habe.     Dagegen   erscheint   bei 
Hadlaub,  Staufenberg,   Hadamar   die  Längung,  aber  kein 
überhebiger  kl.  Vers,  während  Heinrich  von  Neustadt  deren 
eine  bedeutende  Anzahl  aufweist,    die   nhd.  Längung  jedoch   zum 
wenigsten  noch  sehr  zweifelhaft   lässt  (vgl.  Strobl,   Einl.   p.    10); 
zu   ihm  gesellt   sich  Lamprecht   von  Regensburg,   der   die 
überhebigen  klingenden  mit  grosser  Vorliebe  (im  Francisc.  450,  in  der 
Syon   482   Fälle)   verwendet  (vgl.  Weinholds  Ausgabe  p.  21  ff.). 
Jeroschin  hat  die  überhebigen  kling.  Reime  wie   die  Längung 
ohne  Rückhalt   (vgl.  Bartsch,    Genn.  I,  199),   während   sie   der 
wahrscheinlich  jüngere  Hesler  meidet. 

Diese  Zusammenstellung  wird  lehren,  dass  man  bei  einem 
Dichter  dieser  üebergangszeit ,  der  überhebige  kling.  Verse  ver- 
wendet, nicht  von  einer  .  eigenartigen  Manier  *  sprechen  darf,  viel- 
mehr darin  die  hervortretenden  Ansätze  einer  neuen  Entwicklung 
zu  erblicken  habe,  auf  welche  einige  gar  nicht,  andere  nur  zögernd 


Od 

und  wieder  andere  sogleich  und  ohne  Bedenken  eingehen,  ähnlich 
wie  das  bei  der  nhd.  Längung  und  bei  neuen  Bildungen  fast  immer 
der  Fall  ist;  denn  eine  ^ reine  Entwicklung^,  die  oontinuierlich  mit 
den  Jahren  zu-  oder  abnimmt»  existiert  gewöhnlich  nur  in  theore- 
tischen Köpfen.  Erst  seit  dem  ersten  Viertel  des  15.  Jhds.  geht 
sie  rasch  ihrem  Ausgangspunkte  zu,  in  weldiem  wir  Braut  er- 
blicken, dem  das  Gesetz  galt:  »alle  Verse,  seien  sie  stumpf 
pder  klingend,  haben  gleichviel  (bei  ihm  vier)  Hebun- 
gen« (Zarncke  p.  288). 

Auch  Hugo  ist  auf  dem  Wege  zu  diesem  Gesetze,  doch  von 
dessen  Ausgangspunkte  noch  beträchtlich  entfernt :  es  stellen  sich  50 
langstämmige,  66  kurzstänmiige  zweisilbige  Reime  in  der  viermal  ge- 
hobenen Zeile  zu  394  echt  klingenden  in  der  dreimal  gehobenen. 
Viel  weiter  gehen  schon  die  unechten  Gedichte  Nr.  39  und 
40,  die  21  Paar  langstämmige,  3  Paar  kurzstämmige  zweisilbige 
Keime  in  der  vierhebigen  und  nur  3  echt  klingende  in  der:dreimal  ge- 
hobenen Zeile  haben,  während  beim  Tei ebner,  der  hierin  seinen 
Zeitgenossen  voraneilt,  klingende  Reime  in  der  vierhebigen  Zeile 
die  Regel  bilden  (Pfeiffer,  Germ.  I,  377)  *),  und  Sachsenheim 
in  der  Möerin^)  allen  Versen  mit  zweisilbigen  Reimen,  haben  sie 
kurze  oder  lange  Paenultima,  vier  Hebungen  gibt  ebenso  wie  denen 
mit  einsilbig  stumpfen.  Teichner  steht  also  schon  dem  Standpunkte 
Brants  nahe,  Sachsenheim  in  der  Moerin  hat  ihn  erreicht. 

Auch  der  oben  angedeutete  Zusammenhang  dieser  Erscheinung 
mit  der  neuen  Spraohentwicklung  zeigt  sich  bei  Braut  am  deut- 
lichsten :  ihm  ist  es  gleichgültig,  ob  er  2^  :  Sr  reimt  oder  Ure : 
Sre^  gesprochen  hat  er  das  erstere,  daher  setzt  er  auch  geradezu 
Uriere  37,  23;   meriere   16,   79   wie  spa/renigam  39,    1  eta 

Noch  bleibt  eine  dritte  Versart  zu  behandeln :  die  dreihebigen 
Zeilen  mit  stumpfen  Reimen,  welche  nach  dem  Mhd.  vierhebig  sein 
sollten.    Sie  begegnen  zunächst  da,  wo  in  zwei  correspondierenden 


*)  Dass  er  dreimal  gehobene  klingende  Verse  gar  nicht  mehr  kenne,  wie 
Pfeiffer  a.  a.  0.  meinte,  ist  nicht  ganz  richtig,  aber  es  sind  seltene  Ausnahmen. 

')  Der  Tempel  und  die  übrigen  Gedichte  entziehen  sich  in  diesem  Punkte 
dor  DiscussioD,  weil  sie  in  der  dreihebigen  Zeile  sehr  viele  oinsilbigstumpfe 
neben  klingenden  Reimen  haben,  so  dass  auch  hier  Gleichhebigkeit  für  beide 
bestünde ;  doch  begegnen  auch  noch  stumpfe  Heime  in  der  yierheb.  Zeile,  womit 
der  sichere  Anhaltspunkt  rorloren  geht. 


ocn 

Reimen  ein  unbetontes  «  apokopiert  worden  ist:  ler:er  1,  80; 
minn  :  brirm  t,  54;  nUssetet :  het  1,  58;  Wid :  send  25,  41,  75 
etc.  Dass  diese  Verstnmmelang  aber  nur  den  Schreibern  zur  Last 
fällt,  zeigen  jene  FUle,  wo  in  den  entsprechenden  Versen  die  vollen 
Formen  erhalten  blieben  (besonders  bei  Ä),  so  1,  48  guete :  behuete^ 
dasselbe  auch  1,  70;  guete :  ungemuete  2,  33,  49;  muoteiJmote 
25,  25  :  gtu>ie  25,  167  u.  a. ;  dann  vorzOglich  die  singbaren  Lie- 
der Nr.  6  ond  7,  wo  der  Schreiber  in  der  ersten  Strophe  muote : 
guote  6,  8  richtig  bewahrt,  in  den  correspondierenden  Zeilen  6,  22» 
24  aber  ste^:  bei  gekürzt  hat,  die  gleichfalls  klingend  sein  müssen, 
ebenso  wie  wem :  ^n  7,  2  n.  a.  —  Reime  dieser  Art  können  also 
sicher  klingend  gemacht  werden. 

Etwas  zweifelhafter  sind  die  Fälle,  wo  die  grammatikalisch 
volle  Form  des  einen  Reimwortes  den  Anschlnss  eines  unechten  e 
ii»  andern  verlangt:  hre/t  {DaX.) : rüter^cJieft  2,  28;  gott  (Dat.): 
spptt  2,  55;  5,  371;  hitz  :  ditz  2,  71;  ü  (Dat.) ;  pMl  4,  10,  an- 
gencht  (Dat.)  :  enwickt  181,  rieh  :  gUch  (Adv.)  18^ ;  im  :  aüm 
(D.)  5,  189';  ban  (D.)  :  man  29,  150,  t6t :  not  (D.)  105;  daMn: 
#tn  (D.)  25,  9;  weit  (D.)  igelt  25,  111,  169.  Auch  diese  Reime 
kikinen  im  Or.  klingend  gewesen  sein;  denn  alem.  Dichter  wie  Reinfir., 
Lanfb.,  Sachsenh.  u.  a.  behelfen  sich  in  ähnlichen  Fällen  sehr  häufig 
mit  einem  unechten  e\  mit  demselben  Mittel  hat  Koberstein  auch 
bei  Suchenwirt  (I,  16)  den  Stumpfreim  dreihebiger  Verse  getilgt;  das 
tFiobtigste  fQr  uns  aber  ist,  dass  die  Hs.  selbst  noch  Belege  bietet, 
nach  denen  Hugo  durch  solche  e  klingende  Reime  machte:  29,  2; 
32,  150  steht  nichte  (Acc.) :  schlichte ;  37,  49  heile  (A ) :  teile  (D.) ; 
38,  34  libe  (D.)  :  wibe  (N.  PL),  und  6,  26  ist  sicher  ze  guote  : 
muote  (N.)  zu  bessern,  das  der  Schreiber  wieder  zu  guot :  muot 
verstümmelt  hat;  auch  22,  22  stand  wahrscheinlich  furware :  hdre^ 
6sk  alle  enti^rechenden  Zeilen  der  übrigen  Strophen  kling.  Reime 
haben.  Die  zuerst  aufgezählten  Verse  können  also  gegenüber  den  zu- 
letzt genannten,  nicht  im  mindesten  beweisen,  dass  Hugo  in  seinen  Lie- 
dern und  Reimpaaren  dreihebige  stumpfe  Verse  für  vierheb.  gebraucht 
habe.  Nach*  Abzug  derselben  bleiben  nur  mehr  zorn  :  verlorn  4, 
289;  gel :  enel  5,  59;  m^nevr  :  tenur  16,  10;  hose  :  basa  29^ 
134;  vemimet :  hunst  4,  67.  —  Aber  zoren  :  verloren  wäre  bei 
der  häufig  gewordenen.  Dehnung  der  Stammi^ilbe  nicht  zu  beanstan- 
de» leUst^r^.ist  4,  153  uqd^339  141  i^,tSren:verloren,mr\i]iQk  be- 
legt   gel :  enel  5«  59  könnten  fleotiert  gewesen,  sein;  schreibt  man 


CGHI 

16,  10;  29,  184  0  undf,  beseitigt  16,  12  daroh  eteUeher  die 
Synkope  und  setzt  4,  67  die  Artikel  ein  oder  beseitigt  die  Apo- 
kopen,  so  lassen  sich  auch  diese  Verse  als  vierhobig  ansehen,  nur 
hat  je  der  eine  auf  der  ersten  Silbe,  welche  ein  eigenes  Wort  ist, 
Hebung  und  Senkung,  was  bei  Hugo  und  andern  gleichzeitigen 
Dichtem  auch  sonst  vorkommt,  wie  ich  alsbald  zeigen  werde.  Im 
erstem  Falle  wäre  überdies  auch  mmsti/re  :  tmure  (von  menaiwra : 
tmore)  möglich.  Allein  selbst  wenn  diese  Verse  als  nnoorrigierbar 
angesehen  werden,  vermögen  sie  nicht  über  Hugo*s  metrisches 
Princip  bei  den  nicht  seltenen  Fehlern,  die  ihm  dagegen  passieren, 
einen  sicheren  Aufschlnss  zu  geben.  Wie  häufig  z.  B.  erscheinen 
diese  dreihebig  stumpfen  Verse  doch  im  gold.  Tempel  Sachsenheims, 
wo  sie  zweifellos  im  Principe  des  Dichters  standen,  während  sie 
sich  auch  bei  ihm  in  Gredichten  mit  der  eigentlichen  vierhebigen 
Zeile,  wie  in  der  Grasmetze,  nur  als  spätere  Verderbnisse 
der  Schreiber  heraussteUen  (vgl.  Martin,  Ausg.  p.  34). 

Die  Beden  und  Briefe  mit  den  Htureistrophen  haJben  ihre 
eigenen  Regeln  und  Freiheiten  und  verlangen  daher  in  diesen  Puok-' 
ten  eine  gesonderte  Behandlung,   die  ich  später  versuchen  werde. 

t  Khytkmiis. 

a.  Auftact. 

Einsilbiger.  Die  guten  mhd.  Dichter  hatten  an  dem  Auftact 
ein  feines  technisches  Motiv,  womit  sie  den  Inhalt  des  Verses  und 
dessen  Zusammenhang  mit  dem  vorai^isigebenden  zu  plastificieren 
suchten  (Wilmanns,  Walther  p.  39  ff.).  Der  kunstloseren  Zeit 
Hugo*s  ist  diese  Feinheit  grösstenteils  abhanden  gekommen:  sie 
befindet  sich  auf  dem  Wege  zu  starrem  Mechanismus,  zu  durchweg 
jambischen  oder  trochäischen  Versep.  Bei  Hugo  fehlt  der  Auftact 
in  Nr.  6  ein-,  in  Nr.  7  zwei-,  in  Nr.  8  zwei-,  in  Nr.  9  fünf-, 
in  Nr.  10  ein-,  in  Nr.  11  dreimal;  Nr.  12  hat  durchweg  Auftact. 
In  Nr.  13  fehlt  er  sechs-,  in  Nr.  22  zwei-,  in  Nr.  29  neunzehn-, 
in  Nr.  37  einmal :  es  fallen  somit  in  seinen  Lie4ern  auf  569  Verse 
42  auftactlose  (das  macht  ein  Verhältnis  wie.  c.  13:  1);  in  den 
Reden  Nr.  1,  2,  4,  5,    14,   16^    17,  25  aaf  1191  Verse  168  (c. 

*)  Die  Fttlle  in  Nr.  29  können  ansserdem  noch  uidiuri  erklärt  werden, 
da  die«  Gedicht  auch  Titnrelstrophen  enthftlt,  wie  wir  seilen  werden. 


OCIV 

7  :  1)  und  in  den  übrigen  Beden  und  Briefen  auf  2899  Verse 
284  auftactlose  (c.  13  :  1),  was  das  Durchschnittsverhältnis  11:1 
ergibt  —  In  Lamprechts  v.  Regensburg  (ed.  Webhold  p.  21  flf.) 
Franciscns  fehlt  der  Auftact  in  100  Versen  28maly  Syon  32mal, 
das  gibt  das  Verhältnis  4:1.  —  Bei  Boner  zählte  ich  in  46 B2 
Versen  785  auftactlose,  also  das  Verhältnis  c.  7  :  1  —  bei  Su- 
chenwirt in  19  Reden  mit  4378  Versen  438  auftactlose,  also  das 
Verh.  c.  10  :  1  *).  —  Bei  Sachsenheim  fallen  auf  die  160  Verse 
von  Jesus  der  Arzt  nur  3  und  in  der  Moerin  auf  je  1000  nur 
2  auftactlose,  und  selbst  hier  ist  bei  einigen  Gonectur  möglich 
(vgl.  auch  Martin,  Ausg.  p.  38). 

Aus  den  angeführten  Daten  ist  erkennbar,  wie  man  einem 
neuen  Gesetze  entgegensteuert''^),  das  bei  B ran t  vollständig  durch- 
geführt erscheint  und  lautet:  der  Auftact  ist  durchweg  ge- 
boten (Zarncke  p.  289).  Auch  hier  ist  es  wieder  Sachsenheim, 
der  bereits  am  äussersten  Endpunkte  und  Brant  nahesteht^ 

Das  mhd.  Gesetz,  dem  noch  Ausläufer  wie  Mamer  nachge- 
strebt (vgl.  Strauch  p.  64  ff.),  dass  nämlich  der  Auftact  durch  den 
vorausgegangenen  stumpfen  oder  klingenden  Versschluss  beeinflusst 
werde,  ist  jetzt  selbstverständlich  verschwunden;  allein  auch  das 
andere,  dass  die  correspondierenden  Verse  in  den  Stollen  und  Ab- 
gesängen  der  Lieder  im  Auftacte  sich  entsprechen  müssen,  wird 
sehr  oft  nicht  beachtet. 

Der  Auftact  sollte  auf  einer  weniger  betonten  Silbe  stehen 
als  die  folgende  Hebung.  Diese  Regel  wird  gleichfalls  häufig  ver- 
letzt: hett  ich  6,  5;  frowt  «/  8,  6;  trüw  M  9,  24;  wend  ^  29, 
f)l,  tuond  ir  120,  wöltich  133;  wizz  dda  1,  23;  pflog  «/2,  17; 
gruen  tat  16,  43,  hUr  ich  68,  und  noch  öfter  begegnen  solche 
Fälle  in  den  übrigen  Reden   und   Briefen.      Auch    andere  gleioh- 

^)  Demnach  war  Pfeiffers  Beobachtung  (Germania  I,  378),  dass  Snchen- 
Wirts  Gedichte  ^fast  ausschliesslich  jambische  Verse ,  Verse  mit  einsilbigem 
Auftact  enthalten^,  nicht  ganz  richtig.  Auf  ein  paar  Dutzend  Verse  mehr  oder 
weniger  kommt  es  bei  solehen  Zählungen  allerdings  nicht  an;  aber  jener 
Aussprach  lässt  doch  viel  seltener  fehlenden  Auftact  erwarten.  Ich  griff  bei 
meiner  Zählung  Gedichte  aus  der  Mitte,  yon  Nr.  5—27  heraus,  fand  aber  auch 
in  andern  das  angegebene  Verhältnis  im  allgemeinen  bestätigt. 

*)  Der  Ausnahmen  sind  nicht  riele;  Teichner  freilich  spielt  auch 
beim  Auftact  wie  in  seinem  Leben  so  oft  den  Sonderling,  er  hat  das  Ver- 
hältnis gerade  umgekehrt:  es  treffen  bei  ihm  c.  10  Verse  ohne  Auftact  auf 
Je  2  mit  Auftact  (ygl.  auch  Pfeiffer,  Germ.  I,  378). 


ocv 

zeitige  Dichter  sind  darin  nicht  genauer  als  Hugo.  Suchenw.  z.  B.  recht 
dla  28,  152;  sold  ^  28,  172;  slach  ir  28,  301  etc.  Oswald  (Sitz. 
Ber.  64,  p.  672)  üef  üt  15,  7  a.  a.  (s.  noch  unter  Betonung). 

Mehrsilbiger  Auftact.  —  Zweisilbiger  zeigt  sich  in 
6,  2  derni  gesdipp^  28  d<M  hekrSnkety  40  so  vervdeht;  8,  13 
und  gedacht,  IS  da  beschuht;  11,  44  ir  gebärd;  13,  27  wan 
gewdre,  52  wol  mit  amen^  56  sin  gerdchü;  22, 39  in  die  ISnffi.  So- 
mit sind  in  den  340  Versen  der  früheren  singbaren  Lieder  10  Fälle  ^\ 
von  denen  jedoch  mehrere  oorrigierbar  wären,  so  ffstüpp,  ffware 
grechti  nach  den  p.  191  ans  der  Hs.  gesammelten  Synkopen.  Aber 
die  andern  entziehen  sich  der  Gorreotur  und  schützen  auch  diese, 
so  dass  zweisilbiger  Auftact  bei  Hugo  gesichert  ist,  was  die  andern 
Lieder  und  Reden  bestätigen.  Ich  stelle  die  Fälle  zusammen  und 
ordne  sie  nach  den  im  Auftacte  stehenden  Silben. 

1)  Zur  leichtesten  Art  gehören:  da  ist  5,  149;  28,  489, 
536;  die  in  5,  354;  so  ist  24,  94;  27,  171;  30,  64;  37,  37;  do 
enp/aUh  25,  124,  178;  wa  ich  4,  86;  die  ich  27,  202;  wie 
ieklicher  30,  22  u.  a.,  welche  als  einfacher  Auftact  zu  lesen  sind. 

2)  Im  Auftact  steht  ein  einsilbiges  Wort  und  eine  Vorsilbe, 
die  letztere  ist  ge-  in  ich  gedacht  2,  6,  30^  44,  108;  25,  10; 
5,  16,  74,  80;  da  ged^nkent  33,  84;  38,  87;  sin  gebSrd  3,  52; 
daz  geruht  4,  164;  mitt  gewdlt  5,  333;  36,  18;  ir  gewdlt  32, 
92,  108;  sin  geruht  5,  328,  die  gerechten  5,  375;  18,  90;  das 
gerechten  31,  229;  sin  gerechtes  15,  81;  mit  gerechten  18,  133; 
zuo  gerechten  25,  57;  bis  gelruw  14,  41;  so  gevSlt  Vli  38;  der 
ger^chUkeit  32,  14;  din  ger.  38,  165;  es  gerä't  18,  124;  min 
getruwen  19,  1,  bis  getruw  23;  von  gedenken  19,  29;  mit  ge^ 
d Alken  28,  274;  si  gevdt  21,  28;  itss  gesv/nden  24,  23;  so  ge-^ 
wfnnent  25,  82;  und  gewAinent  26,  17;  die  geschHft  28,  83; 
und  gestüonden  28,  173;   ich  gelob  29,  41;   30,  32;   din  gebot 

32,  27;  wer  gelobt  32,  137,  der  gel.  138;  denn  gep4wen  33,  50; 
des  getdr  35,  16;  im  gefiel  36,  15;  ir  gestdlt  37,  60;  sin  geVukch 
38,  108.  Zu  den  einsilbigen  Wörtern  beziehe  ich  auch  die  comp, 
ww,  vss  etc.,  also  ungelöb  4,  133 ;  ungerechter  25,  65 ;  ungetrret 

33,  122;  ussgenomen  19,  \Q\  wolgerdt  31,  139;  angezu^idt  38, 
31.  — Die  Vorsilbe   ist  be-:  und  bereit  2,  113;   ich  bekenn  4, 


^)  10,  29  käme  wann  all  in  den  Anftact,  aber  die  ganze  Zeile  ist  yer- 
dorben  und  sinnlos. 


CCVI 

55;  80  hOc^wn  15,  49;  m  bedirf  18,  271,  d$r  hed,  230;  wad  be- 
hJuet  15,  154;  34,  13;  vnd  bescMrm  17,  23;  inich  betrog  25,  92; 
du  beUbiBt  28,  76,  136,  die  betutent  465;  und  begSrent  29,  102,  ao 
behüet  108;  der  bedMkt  31,  90;  das  besohiht  32,  35;  da  behiet 
34,  26;  d/u  beschlust  85,  20  —  ist  ver-i  und  verlor  24,  44;  num 
verdient  29,  166  —  oder  en-  :  fcA.  enpMlh  35,  29,  als  Neg.  icA 
enw^BB  29,  33;  c(;A  ertm^  29,  153. 

8)  Im  Anftact  stehen  zwei  einsilbige  Wörter:  ob  michs  1,  59 ; 
aU  durch  8,  87;  an  dir  3,  47,  es  ai  65;  15,  117;  ist  ze  4,  2; 
tef<Mr  McA  4,  6,  und  mich  4,  106,  ;ruo  der  175;  ^uo  (2^  28, 
Yl\\  er  ist  bj  266;  ^^  (2em  5,  253;  me  das  5,  369;  mt  bis 
14,  28;  mi^  der  15,  166;  te^o«  te^oZ  17,  55;  wann  wer  18,  223; 

32,  40;  wer  ich  18,  257;  wan  ich  19,  14,  16;  in  die  22,  39; 
von  mir-  23,  41;  m  der  24,  123;  tmd  ;?uo  25,  78;  das  si 
27,  24;  28,  378;  31,  206;  das  es  27,  14,  daz  an  27,  98,  das 
iit  150;  28,  408;  29,  142;  32,  47;  und  durch  27,  206,  von  dm 
218;  wann  er  28,  48,  vor  dem  49,  das  du  242,  un^;g^  das  260, 
UP«m  M  369,  wer  des  508,  da«  ^666,  731,  durch  die  670, 
icfcd  durch  724;  toon  e«  29,  149;  wan  du  30,  37;  der  sieh 
dOi  68;  d^  ist  31,  63;  d^  d^  33,  72;  mit  dem  31,  69,  in 
den  142,  a29  ob    153;  m  d^m  31,  209,  das  mir  255;   an  der 

33,  51,  füan  ^  69;  das  ich  38,  33,  das  sind  116,  tmd  durcft 
150,  cm  des  189.  —  Die  beiden  einsilbigen  Wörter  sind  oompo- 
niert:  also  3,  21;  28,  33,  203;  36,  17;  davon  26,  49;  28, 
325,  eren  15,  93.  — ^  Nodi  sind  einige  härtere  Fälle  zu  ver- 
zeichnen :  a)  das  erste  Wort  ist  schwerer  :  solt  ich  29,  65  (oder  viel- 
leicht Titareizeile)  —  b)  das  zweite  in  ich  wolt  3,  24;  ich  län 
(oder  broben  zn  schreiben)  5,  105;  er  solt  5,  268,  doch  tuot  161; 
der  Witt  (oder  gwar)  5,  341;  da  tuot  (oder  sichs)  24,  116; 
und  hau  25,  117,  ich  heU  153;  17,  49;  wer  wolt  38,  13;  und 
tribt  5,  305  (oder  und  zu  streichen). 

4)  Das  eweiU  Wort  im  Aoftaot  ist  der  erste  Teil  eines  Com- 
positums,  dm  den  Hochton  an  die  nächste  Silbe  abgegeben  hat 
das  unrecht  4,  132;  ir  churfursien  5,  229;  sin  alm^cht  14,  22 
und  antumrt  18,  234;  din  gsunih^t  19,  9;  din  wipUch  23,  4 
den  abgotten  24,  39;  wnhoffdrüg  25,  103;  das  mertäl  29,  38 
des  unrechten  29,  111;  die  mamdichen  38,  61,  die  muotrühen  69, 
mit  gotUchen  173. 

5)  Der  zweisilbige  Anftact  steht  in  einem  Worte:  widerg^lts 


C3cvn 

1,  21;  oder  6,  61,  78;  18,  226,  248;  28,  130,  294;  29,  26;  30, 
62^  wo  die  Silben  verscbleifbar  sind,  dAss6lb6  vieHeicht  aucb  in 
Titi()m^ü  18,  200;  ArisiöHles  15,  72;  24,  49*  Für  Karohia 
15,  76  würde  man  KarUa  (wie  die  Hs.  7,  24  überliefert),  für 
üwer  4,  191;  16,  72;  18,  49;  26,  29,  57;  29,  35  d.  öfter  ür 
setzen  können.  Neben  ir  soltfent  5,  233  bleiben  nur  nocb  ein  paar 
schwere  Fälle  (fast  alle  in  Nr.  5):  sehlahent  26,  41;  tuse^t  5,  157, 
mofngea  319  (s.  Anm.  z  St.),  prieater  350,  Bardfdl  386;  Absolön 
24,  45,  amatzdten  28,  553,  die  wobl  als  Fehler  Anzusehen  sind, 
wie  schon  ihre  Vereinzelung  andeutet;  denn  aus  der  ganzen  Zu- 
sammenstellung ergibt  sich,  dass  Hugo  im  zweiedlbigen  Auftaote  ge- 
wöhnlich nur  Praefixe,  Partikeln,  Pronomiiia,  Artikel,  s^  im  Praes« 
und  einige  andere  Hilfsverba  (doch  die  letztem  viel  sparsamer), 
dann  Composita ,  wo  der  Hoditon  überhaupt  häufig  versohobeii 
wird,  und  verschleifbare  Wörter  gebraucht. 

Ganz  anders  liegen  die  Dinge  bei  o  gott  4,  45 ;  o  magt  19j 
59;  0  wip  38,  113;  weka  37,  l;  fro  Welt  29,  178^  welAe  wie 
nu  hin  18,  269;  o  gerechter  38,  161  sehr  am  Platze  siiiid,  da  sie 
im  Ausrufe  stehen  und  somit  bezeugen,  dass  Hugd  den  doppelten 
Auftact  auch  als  technisches  Motiv  verwendet;  ich  sprach  kann 
gleich&lls  hiehergestellt  werden,  welches  5,  135;  28,  158,  253  u.  ö. 
den  Vers  einleitet  und  die  directe  Rede  hervorhebt ,  ebenso  grefinn 
MMt  28,  374,  wo  der  Titel  unbetont  bleibt,  um  den  Eigenamen 
stärker  hervortreten  zu  lassen. 

Dreisilbiger  Auftact:  3,  4  du  bist  in  KrUnem  (oder 
mim  und  zweisilbiger  Auftact);  5,  93  und  hdn  me  hrd/t  (oder 
dennz),  2^^  wenn  wil  evirnh  (oder  utnibz^  vgl.  Anm.  z.St),  290  der 
daa  unrdcht  (oder  ders)^  388  daz  er  ist,  (oder  ist  enclitisch); 
33,  141  und  da  hekSmnent  (oder  bkennent).  Die  Wahl  der  Silben 
entspricht  wieder  ganz  der  im  zweisilbigen  Auftaote. 

Auch  hier  erscheint  ausserdem  dreisilbiger  Auftact  im  Aus- 
rufe. Nach  Weinholds  Abteilung  von  Nr.  1,  1—7  «n  dich  ge^ 
dSnkhen  (vgl.  aber  Anm.  z.  St.),  dann  18,  45  o  miU  ir  r^n  und 
21,  1  «0  wol  dem  tdg^  2  do  ich  ansdeh 

Es  bleibt  nun  zu  untersuchen,  ob  und  wie  weit  Hugo  in  diesem 
Gebrauche  des  mehrsilbigen  Auftactes  der  Metrik  der  vorausge- 
gangenen und  seiner  Zeit  entspricht. 

Hart  mA  n  n  gebraucht  zweisilbigen  Atiftaot.  Im  arm.  Heinrich : 
80  er  aller  111,  mit  gedMtigem    140,  in  ein  ISben  83,   so  wir 


oovin 

dller  96,  und  ein  müot  1150»  ai  der  wMte  1210,  ich  wil  iu 
1340,  iwer  ride  1132,  gotss  wüle  1286,  ja  auch  wtiser  »ueze  108, 
s.aach  110,  dnen  m^sterASl;  imiwein  sogar  :ot«cA  swuor  ^2929, 
auch  aluoe  {me  5033,  dd  sluoc  4r  6775  (Lachm.  zu  Iw.  2170).  — 
Fleck,  Flore:  do  gehd't  400,  der  enwirt  52,  durch  ir  man- 
ne» 430,  und  si  vuoren  845,  daz  iht  h^zzera  1577,  wem  mit 
frouden  1754,  wan  do  g6t  2259,  diu  mir  iemer  2634,  daz  nie 
hunic  2739,  auch  daz  hdnt  /r  S209,  wil  er  wtsen  11;  so  vor 
ich  2674,  wilt(i  no'ch  5708.  —  Stricker:  ze  den  Melm  Karl 
3901,  oh  mir  {wer  3903,  daz  ich  {uch  3904,  icA  wil  ddz  3902, 
oft  ieclfcher  Dan.  14^  ^m  unmd'ze  65*;  rf^n  wrfcänrfe  K.  6132, 
ir  apgöt  826,  wnd  wn/rowd^  7218,  daz  urtM  9677 ;  «V  herh4rge 
Amis  1676,  dm  t/^eV* götJL.  360,  wr  «mZ  brachen  1606,  nw  wZ  ^A 
97,  wie  wiltä!  1374,  (ia^  mtio«  /r  Dan.  20^,  «o  fcund  /cA  24*,  des 
wolt  in  26%  80  well  iz  27*^;  auch  dorfte  mdn  K.  449,  mwo^m 
waten  1482  u.  a.,  sehr  häufig  er  erprach,  die  directe  Rede  einlei- 
tend (Bartsch  p.  71).  —  Lichtenstein:  si  gep/utet  48,  14;  ich 
enmöht  13,  26;  er  enphulhe  607,  28;  und  enphtenge  608,  31, 
att  ir  mdn  609,  1 1,  und  ez  iemcm  612,  2,  d^z  ai  aüocht  612,  30; 
wider  ^inen  12,  7;  dan  verhölniu  600,  18  und  noch  schwerere, 
vgl.  auch  Kummer  (Herrand  p.  50),  der  37  Fälle  gesammelt  hat.  -  - 
Herrand:  ai  enddcte  2,  302;  er  gedenket  4,  292;  in  der  kuchen 
3,  349;  wider  züo  3,  250;  oder  stt  3,  371;  und  iemdn  1,  19; 
daz  man  dndera  4,  217;  alaö  muoate  3,  456.  In  den  volks- 
mässigen  Erzählungen  wird  der  mehrsilbige  Auftact  im  weite- 
sten Umfisinge  gebraucht,  vgl.  Jänicke  DHB.  UI,  Einl.  p.  6 1 ;  Zupitza 
DHB.  V,  Einl.  p.  18;  in  Wolfd.  D  z.  B.  sogar  ai  waem  kömen 
40,  2;  die  wdrn  tiner  153,  3;  von  Kunainöpel  62^  1;  undwtat 
m  555,  1.  —  Jung.  Titurel  (aus  Zarnckes  Text  im  Gral- 
tempel): diu  belebet  524,  18,  4;  er  beddrf  1,  2;  ir  gezierde 
28,  4;  daz  geachdch  90,  4;  wan  er  mdnec  980,  53;  üf  den 
müfren  (p.  458  flf.)  72,  1 ;  und  mit  aunder  103,  1 ;  ala  ein  rSe 
76,  2;  von  eindnder  979,  45;  stn  viiztuom  989,  117;  über  dl 
438,  11;  gotea  Sre  463,  87;  oroUi  450,  48;  disiu  zierde  460, 
79;  gUekiit  980,  51  hmder  iegltchm  983,  72. 

Walt  her  hat  in  den  Liedern  einen  einzigen,  drei  in  den 
Sprüchen :  ir  dew^derz  50,  6 ;  ai  beaüoche  48,  32 ;  do  verachten 
80,  62;  ai  begönden  82,  11  (s.  Wilm.  p.  47).  —  Mar n er  keinen.  — 
Auch  Konrad  meidet  ihn.  —  Sonnenburg  (ed.  0.  Zingerle)  ge- 


CCIX 

braucht  ihn  Id  ein  paar  Fällen:  mit  gewdn  3,  24;  dem  geWre 
4,  315;  der  gehiür  4,  322;  er  hehdget  4,  301.  —  Sanecke: 
wa  gesdch  III,  8,  1.  —  Hadlaub;  in  getdrste  I,  4,  l;  do  ge^ 
dd^chte  VI,  1,  2. 

Heinrich  von  Neustadt:  den  pegvnde  205,  die  du 
afheat  716,  du  geUuhest  4113,  unt  der  rüter  18449,  an  ir  drme 
GZ.  1662,  und  die  pfdffen  2439,  daz  soltü  Ap.  1978,  unt 
man  ^4750,  ez  wart  tm  19254,  do  gap  4t  18657,  den  git 
mdn  20442.  fünfzic  töuaent  2014,  maere  wurden  11255  (Strobl 
p.  22).  —  Hadamar  hätte  nach  seinem  neuen  Herausgeber  (Stejs- 
kal)  keine  zweisilbigen  Auftacte  gebraucht;  allein  diu  geeehrift 
von  dllen  huochen  144,  3;  er  ist  ungewza^  er  kdbert  mit  ge- 
vdere  454,  4 ;  und  ein  Sren  htetdere  298,  2 ;  an  gememez  wüt 
mac  mdn  in  ouch  wol  hetzen  All ^  7 ;  an  ger^hHcWchem  örden  419, 
3;  tegeWchen^  ^  min  hirze  mteste  erbrachen  208,  7,  auch  p.  146, 
1,  5  oder  dher  g4be  mir  daz  h4rz  zum  Itbe;  101,  5  Triuwe 
dir  hegät  untölt  an  keinen  sacken  werden  mit  zweisilbigem  ver- 
schleif-  und  unverschleifbaren  Auftacte  am  natürlichsten  zu  lesen  sein. 

Bon  er:    er   bekor  4,  12;    ez   bescMcht   8,  29;   vor  gewdlt 

8,  46;  der  gedd'chte  13,  12;  er  begönde  20,  39;  ez  gezimt  21, 

5;   er  begrdif  17,  7;   er  verlor  60,  29;   in  den  hönig  12,  51; 

mit  dem  dndem  20,  38;  mit  dem  vuoze  50,  42;  der  tat  adelig 

22,  4;  daz  ein  wtg  22,  8;  cZa  von  ir  23,  26;  do  der  kanig  24, 

25;  üf  ir  höubte  41,  26;  und  erachüt  48,  83;  ein  unadeld  41, 

76;    diu  Unldchen  48,  32;    ein  beachmter  53,  60;    stn  gehume 

56,  44;  waz  die  vuez  60,  11;  daz  min  4in  62,  50;  iwer  atimme 

18,  20;  oder  w4r  61,  22;   oder  gieng  76,  6;   oder  Mt  76,  9; 

gebent  mir  72,  27 ;  under  4inen  18,  2.  —  aag  an  5,  32;  er  aprach 

49,  47;  aprach  er  72,  46  u.  ö.  gebraucht  auch  Boner  in  der  direo- 
ten  Rede  als  zweisilbigen  Auftact. 

Nicht  geringeren  Umfang  hat  der  zweisilbige  Auftact  bei 
Teichner:  daz  vergicht  LS.  53,  107;  der  beachöw  65,  124; 
und  vergdch  58, 1 18 ;  daz  er  under  57, 27 ;  unbezwungen  58, 121 ; 
mein  geprist  Hätzl  28,  10;  wenn  im  ddz  LS.  63, 94;  da  mdt  häfn 
64,  38;  ob  ez  icht  65,  2;  den  wil  ir  67,  73;  aUo  ungelich  (?)  60, 
11;  ^  wolt  in  61,  28;  Jiett  er  icht  61,  40;  oder  aprichen  53, 
144;  oder  din  bl^  111;  58,  114;  wider  ddz  65,  65;  under 
öugen  52,  58;  braechten  ima  58,   70  (vgl.  noch  Karaj.  p.  154). 

Auch  Suchenwirt  hat  ihn:  er  erwirdet  9,  45;  von  geatdin 

Wackernell,  Montfort.  \^ 


ccx 

25,  38;  der  geschieht  10,  186;  durch  Mcerzam  (oder  i  öonso- 
nantisch  zu  lesen)  15,  139;  daz  ich  d&hAl^  898;  wer  entzundt 
46,  92;  ir  hwtpdnt  25,  218;  gra  waz  im  22,  10;  da  mag 
dich  42,  99;  überwarfen  8,  104;  über  ^inen  14,  108;  mamg 
^del  15,  142;  wnd^  dllen  18,  171;  lecherUichen  25,  28;  J.Zfo- 
adnder  38,  277.  —  Suchenwirt  leitet  direct  zu  Montfort  über; 
beide  haben  sich  gekannt,  und  Hugo  hat  dessen  Versbau  als  mu- 
sterhaft gepriesen. 

Die  vorausgegangene  Zusammenstellung,  bei  der  es  nicht  not- 
wendig war,  alle  zweisilbigen  Auftacte  aufzuzählen,  ergibt,  dass 
die  Silbenarten,  die  verschleif-  wie  unverschleifbaren,  die  leichtern 
wie  die  schwerem,  welche  Hugo  im  zweisilbigen  Auftacte  gebraucht, 
in  ihrem  ganzen  Umfange  auch  bei  andern  Dichtern  zu  belegen  sind, 
und  zwar  die  erstem  öfter,  die  letztem  seltener  und  mehr  ausnahms- 
weise. Aber  ich  muss  noch  ein  paar  Schritte  weiter  gehen,  um  zu 
sehen,  ob  etwa  auch  allgemeinere  Schlüsse  über  die  Entwicklung 
des  zweisilbigen  Auftactes  zu  erreichen  sind. 

Hugo  gebraucht  ihn  unbedenklich  auch  in  den  Liedern.  Der 
M9nch  von  Salzburg  ebenso:  du  bed^est  Am^f,  8,  1;  weder 
ehidin  32,  11;  söl(e)ich  fr^d  Wack.  KL.  II,  557,  5;  wann  es  an 
(wannsf)  549,  4;  hilf  das  uns  (im  Aufruf)  553,  2;  gib  götlich  556, 
1 ;  wie  fillMch  575,  4;  wer  der  siben  556,  1;  das  er  dann  557,  4; 
und  auch  seinen  563,  7;  warm  czu  dir  575,  3;  und  da/r  zuo 
565,  8;  da^  du  dich  566,  1;  du  demuetigs  584,  5;  pys  gegriesset 
584,  11  u.  a. 

In  den  unechten  Liedern  Nr.  39  und  40:  nu  wü  ich 
39,  10,  und  geschdch  48,  bisz  uns  armen  54,  als  du  dMst  72, 
der  verlihest  82,  wann  sie  mich  102;  uns  beschribet  40,  29, 
m  dem  6ffen  36,  tmrf  erdr^ncket  45,  o  herr^  vdtter  (im  Anmfe) 
57,  bisz  wir  unser  64,  und  erwMen  65,  und  verlihen  69,  den 
di  dich  79 ,  so  geUid  83,  also  hdt  1 13 ,  das  ich  sölichs  140, 
mit  den  dugen  150. 

Aus  den  Liedern  Heinrichs  von  Laufenberg:  und  ge^ 
p^ren  740,  20;  den  geboren  756,  1;  er  begM  776,  12;  über 
dUe  776,  9;  und  beschnitten  713,  1;  dis  ist  ddz  711,  8;  Maria^ 
hilf  mir  739,  14;  Jesu^h/rtzen  740,  8  (beide  stehen  im  Anmfe)  ; 
dUne  Mnt  711,  16;  nun  hin^  hdb  (im  Ausrufe)  739,  25;  ausz 
dir  ist  geporen  740,  12;  von  der  wwxzen  776,  9;  dye  sol 
^i^cKch  740f  19;   das  du  jiinkfraw  740,  20;    Eve  ßuech  740, 


GCXI 

23;  sind  er  dSch  min  740,  32;   Aristoüles  11 4:^  6;  ye  me  ^h 
gedenk  776,  10. 

In  den  157  Versen  Heinrichs  von  Würtemberg:  ober 
alle  p.  9,  8;  als  getruwer  11,  14.  —  Im  Volksliede  ist  er 
so  allgemein,  dass  ich  gar  keine  Belege  beizabringen  brauche. 

Sachsenheim  hat  in  der  Moerin  nur  künig  A'rtus  504, 
ich  gedducht  576,  manig  wilder  708,  das  doch  mü  1297,  das  nie 
wärt  2005 ;  im  Liede  Jesus  ich  besorg  ^). 

Bei  Brant  endlich  ist  der  zweisilbige  Auftact  ganz  ver-^ 
schwunden. 

Diese  Belege  werden  vorläufig  ausreichen,  um  damit  den  Le- 
benslauf des  zweisilbigen  Auftactes  zu  skizzieren.  Das  eine  ist  nun 
beim  ersten  Ueberblick  klar:  er  hat  in  der  spätem  Zeit  grössere 
Ausbreitung  erlangt    Aber  wodurch? 

In  der  mhd.  Epik  herrschte  der  zweisilbige  Auftact  in  weitem 
Umfange  und  pflanzte  sich  hier  uneingeschränkt  auch  durch  das 
14.  und  15.  Jhd.  fort.  Die  Minnesänger  aber  mieden  ihn  (vgl. 
Wilmanns,  Walther  47;  Schneider,  deutsche  Verskunst  p.  135); 
ebenso  noch  die  Lyriker  ober  der  Mitte  des  13.  bis  in  die  ersten 
Decennien  des  14.  Jhds.  hinein.  Die  angeführten  Fälle  aus  Had- 
laub  z.  B.  sind  so  leicht  und  so  selten,  dass  Bartsch  sie  ganz 
tilgte;  dasselbe  Verfahren  konnte  er  (in  seinen  LD.)  auch  bei  den 
andern  Lyrikern  festhalten,  welche  bis  über  das  erste  Viertel  des 
14.  Jhds.  hinaufreichen.  Nun  kommt  die  Blütezeit  der  eigentlichen 
Didaktik,  welche  in  Boner,  Teichner,  Suchenwirt  ihre  vorzüglichsten 
Vertreter  besitzt.  Wie  die  Didaktik  mit  der  Epik  vielfach  Ein- 
kleidung und  Form  gemein  hat,  so  gebraucht  sie  auch  den  zwei- 
silbigen Auftact  in  vollem  Umfange.  Die  Didaktik  durchdringt  die| 
ganze  Kunstrichtung  dieser  Zeit,  die  Lyrik  nicht  weniger  als  die 
Epik,  und  so  ist  es  nur  zu  natürlich,  dass  sie  mit  den  inhalt- 
lichen auch  formelle  Elemente  an  die  erstere  abgibt.  —  Der  zwei- 
silbige Auftact  kam  von  der  Epik  in  die  Lyrik ^),  und  die  Didak- 


^)  Der  Tempel  nnd  Spiegel  Uaben  am  einige  Fälle  mehr  (sie  stehen  bei 
Martin  p.  38),  doch  machen  die  anter  einander  geworfenen  Yersarten  diese  Ge- 
dichte auch  hierin  unrerlässlich. 

')  £s  versteht  sich  von  selbst,  dass  nun  nicht  jeder  Lyriker  zweisilbigen 
Anftact  haben  mnsste,  ebenso  wenig  wie  früher  und  jetzt  jeder  Epiker  oder 
Didaktiker.  —  Beim  Absingen  der  Lieder  Uessen  sich  die  bald  überschüssigen, 
bald  mangelnden  Silben  in  einer  Yerszeile  leicht  ausgleichen^  dott  dnx,^  kol* 


CÖXll 

tiker  waren  die  hauptsächliclisten  Vermittler;  das  ergibt  sicli  aus 
seiner  Greschiohte  und  für  ans  noch  besonders  aas  Hago's  Ver- 
hältnis zu  Suchenwirt. 

Er  floriert  nun  in  allen  drei  Dichtungsgattungen,  bis  das  Prin- 
cip  der  blossen  Silbenzählung  zur  Alleinherrschaft  gelangt  und  ihm 
ein  jähes  Ende  bereitet:  bei  Brant  hat  er  aufgehört,  bei  Sachsen- 
heim, der  Brant  auch  hier  wieder  am  nächsten  steht,  finden  sich 
nur  zwei  Belege  mit  einiger  Sicherheit;  denn  hünig^  mam^ sind  nicht 
nur  verschleifbar,  sondern  wohl  auch  einsilbig  zu  schreiben  wie  1201 
minr  für  das  hsl.  miner;  gedacht  könnte  vielleicht  ohne  Vorsilbe, 
besorg  syncopiert  gewesen  sein  *).  Im  Volksliede  aber  dringt  das 
>y  Gesetz  der  Silbenzählung  nicht  durch,  und  lebt  daher  auch  der  zweii- 
silbige  Auftact  fort. 

Dreisilbigen  Auftact, hat  weder  Boner,  Teichner  noch 
Suchenwirt,  und  auch  Hugo  bietet  in  seinen  Liedern  nicht  einen 
einzigen  Fall;  er  erscheint  nur  in  den  langen  Reden  Nr.  5,  31, 
33,  38  und  in  einem  überhaupt  verwilderten  Verse  des  Briefes 
Nr.  3,  und  zwar  noch  ganz  in  der  Weise,  wie  ihn  Benecke  zu  Iwein 
3752  bestimmt  hat:  ,die  mittelste  unter  den  drei  Silben  ist  höher  " 
betont  als  die  übrigen  und  doch  bedeutend  tiefer  als  die  erste  He- 
bung*. Andere  Vorgänger  Hugo*s  brauchen  oft  viel  schwerere 
Fälle,  z.  B.  Iw.  8ie  hietent  sich  2170;  Heinrich  von  Neustadt  Ap. 
8ol  mtnem  unseligen  2475;  Staufenberg  ze  Stoufenb^rg  171.  In 
den  oben  (p.  207)  aufgezählten  Versen  könnte  aber  mit  den  von 
der  Hs.  gebotenen  Mitteln  der  dreisilbige  Auftact  in  zweisilbigen 
corrigiert  werden,  so  dass  es  sehr  zweifelhaft  ist,  ob  ihn  Hugo 
überhaupt  gebrauchte.  Nur  in  den  beiden  ersten  Versen  von  Nr.  21 
ist  er  sicher,  aber  in  technischer  Verwendung  zum  Ausrufe. 

b.  Hebung  und  Senkung. 

Ich  fixiere  zunächst  wieder  die  Tatsachen,  vergleiche  sie  dann 
mit  der  Metrik  anderer  Vorgänger  und  Zeitgenossen  Hugo's,  um 
dadurch  das  Substrat  für  allgemeinere  Schlüsse  zu  gewinnen. 


ISsnng  einer  Note  in  kleinere  Tactteile,  hier  dnrch  Schleifung  der  Noten:  in 
ähnlicher  Weise  behalf  sich  die  Composition  anch,  wenn  in  einem  7erse  eine 
Senkung  fehlte,  die  im  correspondierenden  vorhanden  war.  Dieser  Mittel  be- 
dienen sich  die  Yolkssänger  anch  heute  noch. 

^)  So  darf  man  schliessen,  weil  der  zweisilbige  Auftact  eben  sehr  selten 
ist  und  vom  Dichter  gemieden  wird;    anders  wäre  es  bei  einem  Dichter,    der 
jlin  ohne  Bedenken  znlässt. 


ocxin 

1)  Die  Senkung  fehlt  innerhalb  eines  einfachen  oder  zusara- 
noiengesetzten  Wortes.  Nach  der  ersten  Hebung:  drgSr  geddnkh 
4,  142  u.  a.  (s.  p.  240);  KHemhüt  24,  53;  diso  18,  66;  vmoänr 
delber  27,  64;  büochatdben  28,  547  —  nach  der  zweiten: 
m^nschSn  verdarben  4,  15 ;  ffndd^n  beschi'n  5,  379,  wo,  wie  in  dem 
zuerst  genannten  Falle,  dein  e  in  der  Hebung  das  einer  unbetonten 
Vorsilbe  folgt  (vgl.  unter  Betonung  p.  240);  dann  ntemdn  4^,  35 ; 
mdnltchem  24,  92;  vientUchen  25,  14;  ndtdurftig  27,  176;  dh 
muosen  29,  115;  erbdrmh^tzikeit  38,  1S\ ;  jürikfröwen  32,  90 
(im  ganzen  12  Fälle)  —  vor  der  letzten  Hebung:  mdrtSr 
(isw^r)  27,  206;  cldff^  {:mer)  28,  109  (10  Fälle,  siehe  unter 
Reim);  bei  KdMs  7,  24  wird  Kdrolus  zu  schreiben  sein,  das 
15,  76  überliefert  ist;  wMich  (igicht)  5,  259;  mdnlM  (;  dich) 
14,  43;  guetUch  (:  m^h)  18,  6;  härmt äl  21,  18;  'Schund  4, 
149;  33,  134;  Tcznthät  5,  89;  drm^t  29,  145  (im  ganzen 
24  Fälle);  hieher  gehören  noch  r^cht  tüon  4,  131;  25,  155; 
drm  mdn  4, 56;/Sr  trdgen  18, 3,  welche  auch  zusammengeschrieben 
vorkommen  wie  5,  271  furkoffen. 

2)  Die  Senkung  fehlt  zwischen  zwei  Wörtern.  Die  erste 
Silbe  des  Verses  ist  ein  einsilbiges  Wort  und  trägt  Hebung  und 
Senkung:  nüt  hd'n  gehalten  4,  79;  Z'&cht  und  beach^idenheit 
1,  76;  dSn  gruesz  mir  3,  75;  drm  'und  och  27,  231;  wie  war 
daz  4,  119;  tuond  tr  dabi  29,  120;  daher  auch  d^s  w^re  2, 
131  u.  a.  (vgl.  die  Anm.  z.  St.).  —  In  Fällen  wie  der  kraft  d^r  5, 
102;  die  gänd  vor  8,  20;  das  kind  tat  32,  89  u.  a.  kann  man 
zweifeln,  ob  die  Senkung  nach  der  ersten  Hebung  fehlt  und  Anf- 
tact  steht  oder,  ob  der  Artikel  betont  ist,  was  bei  Hugo  auch  sonst 
vorkommt  (vgl.  Betonung).  —  Nach  der  zweiten  Hebung  fehlt 
die  Senkung  in  guetikät  söl  3,  16;  uppik^t  tat  28,  344;  s^U- 
hdt  tuot  28,  448,  wo  aber  der  Artikel  {die)  nach  dem  Substantiv 
eingesetzt  werden  könnte,  wofür  die  Hs.  zahlreiche  Belege  bietet.  — 
14,  23  häb  cMogen  wird  Tiabe  zu  schreiben  sein,  das  z.  B.  Kitt. 
26,  29  belegt;  ausserdem  Mld  Mt  5,  76;  hä*t  ^  den  4,  42; 
drz  Sachen  32,  139;  gruoss  g^n  den  38,  88  (8  Fälle)  —  nach 
der  dritten  in  truog  mdn  28,  200,  400  u.  ö.  —  Die  letzte 
Senkung  fehlt  in  ger^chtik^it  gött  33,  81;  pin  hd'n  4,  185;  wtb 
gdfn  25,  69;  hie  atd'n  28,  186,  386;  jdr  Üben  4,  57;  jd'r  dlt 
33,  9 ;  rd't  g^ben  4,  58  :  also  besonders  da,  wo  die  beiden  Wörter 
durch  den  Begriff  eng  verbunden  sind  und  fast  einem  Compositum 


OOXIV 

nahe  kommen  wie  die  drei  letzten  Belege  unter  1),  wodurch  sich 
auch  bei  Hugo  Haupts  Beobachtung  (zu  Engelh.  p.  226)  bestätigt. 

Im  ganzen  fehlt  demnach  die  Senkung  nicht  häufig  (in  den 
Liedern  Nr.  6,  9,  10,  11,  12,  13  und  37  gar  nie,  in  7  und  8 
vielleicht,  sicher  aber  in  Nr.  22  und  29),  am  öftesten  innerhalb 
eines  einfachen  oder  componierten  Wortes,  seltener  zwischen  zwei 
Wörtern  und  hier  zunächst  nach  der  ersten  Hebung.  Auf  einige 
Fälle  Hesse  sich  auch  Wilmanns'  Theorie  der  ,  consonantischen 
Senkung*  anwenden  (Zs.  f.  d.  Gymn.  Wesen  1870,  p.  593),  be- 
sonders leicht  ist  arm  mit  Hebung  und  Senkung  4,  55;  27,  231 
(vgl.  dazu  Schmidt,  zur  Gesch.  d.  indogermanischen  Vocalism.  H, 
373).   Niemals  fehlen  in  einem  Verse  zwei  solche  Senkungen. 

Der  hier  bei  Hugo  constatierte  Gebrauch  stimmt  zu  dem  an- 
derer Vorgänger  und  Zeitgenossen.  Dichter  wie  Gottfried  und 
Konrad  gestatteten  sich  auch  in  epischen  Gedichten  die  fehlende 
Senkung  selten  und  beschränkten  sie  meist  auf  wenige  Fälle  inner- 
halb eines  Wortes  wie  farstUche^  hüWch^  pf^ntnge  u.  dgl.  (vgl. 
Zs.  f.  d.  A.  16,  402  und  Haupt  zu  Engelh.  366);  andere  gleichzeitige 
und  nachfolgende  Dichter  erreichten  nicht  diese  Genauigkeit,  sie 
lassen  die  Senkung  auch  wieder  zwischen  zwei  Wörtern  fehlen,  so 
z.  B.  Wolfd.  B  (Jänicke  DHB.  IH,  60),  aber,  von  Eigennamen 
abgesehen,  nie  mehr  als  einmal  im  Verse;  dasselbe  gilt  von  Rein- 
frid  (vgLZs.  f.  d.A.  17,  508)  undLichtenstein  (Knorr  p.  66flF.). 
Der  Stricker  jedoch  lässt  wieder  zwei  und  auch  alle  Senkungen 
im  Verse  fehlen  (Bartsch,  Karl  p.  69).  Beim  Wildonier  fehlt  die 
Senkung  nur  einmal  i.  V.,  meist  in  Wörtern  wie  frthdit  etc. ;  aber 
auch  9wä*  diu  wdl  std't  1,  10;  unde  g6t  Mte  gelogen  3,  516  (u.  a. 
bei  Kummer  p.  9)  oder  ndch  phtnoßt^  der  kSiser  gie^  auch  ein 
einsilbiges  Wort  trägt  die  erste  Hebung  und  Senkung :  ditz  mdere 
w6n  er  nie  2,  43;  d&n  v6n  dem  Sinen  hte  2,  115  u.  a.  Aehnlich 
im  j.  Titxxi^X  i  smdehe  unde  drmuöt  (bei  Zarncke)  436,  8; 
gruntvhte  438,  12 ;  mdrwunder  453,  55 ;  kunatrfchen  464,  89  — 
oder  diu  kwnst  Mt  dd  vdele  464,  90;  auch  die  erste  Silbe  hat 
Hebung  und  Senkung:  göltvdrwe  450,  47  u.  a. 

Von  spätem  Dichtern,  welche  in  einem  Verse  mehrmal  die 
Senkung  fehlen  lassen,  kenne  ich  Heinrich  von  Neustadt 
(vgl.  Strobl  p.  12)  und  Lamprecht  v.  Regensburg  (vgl. 
Weinhold  p.  21  ff.);  der  letztere  hat  sogar  drei  Verse  ohne  jede 
Senkung.    Der  erstere  stimmt  aber  darin  mit  Hugo  überein,  dass 


ooxv 

er  jene  Fälle  liebt,  wo  ein  einsilbiges  Wort  die  erste  Hebung  und 
Senkung  trägt  (mehr  als  SOmal).  Das  ist  auch  bei  Teichner  nidit 
selten,  z.B.  LS.  60,  15  und  in  Nr.  68  zweimal.  BeiHadamar 
ist  fehlende  Senkung  eine  seltene  Ausnahme,  Stejskal  stellt  sie 
(p.  29)  ganz  in  Abrede;  allein  man  spricht  i  ie  mir  vfnt^  ü  mir 
ir&a  189,  4,  wie  der  kritische  Text  zeigt,  lässt  die  Senkung  fehlen, 
daher  auch  veraiSn  und  auch  kwnnen  491,  6;  doch  suü  irz 
furhaz  nteman  sagen  538,  7  und  noch  ein  paar  ähnliche  Verse. 
Bei  Bon  er  fehlt  die  Senkung  wieder  häufig,  zumeist  in  spon-* 
däischen  Zusammensetzungen:  torwdrt  9,  41;  bdnwdrt  9,  42;  v^t- 
mü's  15,  15  —  dann  verdünfft  (i  got)  22,  62;  gebärii  geltch 
33,  12;  schouw^n  begdn  39,  1;  ph^nmnge  76,  27;  r^ht^  (iheimr 
UchSr)  9,  39;  dS  wdrt  nicht  IdngSr  gespdrt  51,  26;  oder  vrmnt 
mfn  37,  3 ;  grundeWs  gär  Einl.  6 ;  wdz  man  in  aSit  48,  104 ; 
doch  stehen  diese  letztem  in  grosser  Minderzahl  Auch  Suche  n- 
wirt  hat  weitaus  die  meisten  Fälle  in  spondäischen  Zusammen- 
setzungen, welche  überwiegend  auf  Eigennamen  fallen:  A'lbr^cht 
7,  239;  Hdinräch  8,  123;  Ulr^ich  11,  310;  13,  226;  HSrd^gen 

12,  135;  lAdwzgh  15,  107  etc.  —  neben  achSrmschüt  5,  57, 
hSrschdft  13,  127;  furhaz  29,  180  und  so  oft,  fi&st  ausschliess- 
lich zwischen  dritter  und  vierter  Hebung,  ausserdem  noch  wMAchen 

13,  131;  tzüchtige  24,  188;  jderzge  45,  54;  riknder  (:  chlagewder) 
23,  42.  Am  seltensten  ger^chtikdit  vrdgt  fürwdz  24,  299;  wdrt 
mdnihvdlt  38,  40.  In  Sachsen  hei  ms  Moerin  ist  fehlende 
Senkung  nur  mehr  in  spondäischen  Zusammensetzungen  sicher  und 
auch  hier  selten,  ebenso  in  seinen  andern  Gredichten  mit  vier  He- 
bungen (Martin  p.  35  und  36).  Bei  Braut  folgt  der  Hebung 
regelmässig  die  Senkung. 

Es  stellt  sich  also  heraus,  dass  Hugo*s  Gebrauch  nirgends 
gegen  die  Metrik  seiner  Zeit  verstösst;  auch  der  Gang  der  fehlen- 
den Senkung  wird  den  Hauptztigen  nach  zu  erkennen  sein.  Gott- 
fried, Konrad  u.  a.  strengere  Zeitgenossen  beschränkten  sie  auf 
bestimmte  Fälle,  wo  sie  innere  Berechtigung  hatte,  auf  die  Spondäen ; 
hier  erscheint  sie  auch  später  am  häufigsten  und  hielt  sich  am 
längsten.  Im  Epos  und  in  didaktischen  Gedichten  dehnte  sie  sich 
aber  auch  auf  andere  Fälle  aus  und  drang  selbst,  wenn  auch  nur 
in  bescheidenem  Masse,  in  die  Lyrik  ein,  wo  sie  die  mhd.  Kunst- 
poesie völlig  abgetan  hatte;  zu  den  Belegen  aus  Hugo  vgl.  Mönch 
von   Salzburg    (Ampferer)  :  in   d6^  gedachnüsa   a^in   (4hebig 


OCXVI 

trochäisch)  11,  5,  3;  dSn  thron  der  trtnitdte  20,  5,  2;  fr^  als 
vü  der  wicht  Idwset  11,  6,  5;  wAn  wirt  chrütes  phiet  röt  14,  4, 
3;  muet^r  des  dingepörn  (4hebig  troch.)  19,  2,  3;  dllea  trdsth 
erlöste  20,  4,  5.  Der  spätere  Laufenberg  ist  schon  viel  ent* 
halt^mer:  ich  fand,  wenn  ich  nichts  übersehen,  nur  drei  Spondäen 
wie  wdrhdit  711,  7.  Im  unechten  Gedichte  Nr.  39  steht  nur 
durchluchtich  {isich)  15  und  in  Nr.  40  heschrühen  dn  mdnchen 
enden  48.  —  Sachsenheim  hat  im  Liede  Jesus  der  Arzt  keinen, 
denn  die  zwei  Fälle,  welche  die  Hs.  bietet,  sind  leicht  zu  emendieren 
(vgl.  Martin  p.  36).  —  Die  blosse  Silbenzählung  hat  die  fehlende 
Senkung  überall  beseitigt.  Ich  brauche  nicht  erst  darauf  hinzu- 
weisen, dass  die  Geschichte  der  fehlenden  Senkung  wieder  der- 
jenigen des  zweisilbigen  Auftactes  analog  ist. 

Noch  eine  andere  Beobachtung  habe  ich  gemacht.  Durch  die 
fehlende  Senkung  wird  dem  Verse  eine  Silbe  entzogen;  daher  lag 
es  für  Dichter  dieser  Zeit  nahe,  besonders  in  diesem  Falle  nicht 
auch  noch  den  Auftact  wegzulassen,  sondern  durch  denselben  die 
fehlende  Silbe  zu  ergänzen.  Die  Verse,  wo  ein  einsilbiges  Wort 
die  Stelle  des  ersten  Fusses  vertritt,  nehmen  sich  von  selbst  aus. 
In  den  3694  Versen  Hugo's  erscheinen  85  mit  fehlender  Senkung 
und  nur  9  davon  ohne  Auftact,  darunter  ist  4,  35,  wo  ein  gar  einzu- 
schalten, Hugo*s  Sprachgebrauche  ganz  gemäss  wäre;  die  übrigen 
beginnen  mit  einem  zweisilbigen  trochäischen  Worte ;  ^ines  4,  149 ; 
33,  134;  ptttent  27,  233;  mörder  28,  93,  Mzer  97,  lügner  109; 
in  Nr.  38  kommen  auch  sonst  wilde  Verse  vor.  —  In  5779  Versen 
Suchenwirts  (in  24  Gedichten  aus  Nr.  5 — 38)  sind  42  mit 
fehlender  Senkung,  darunter  nur  3  (18,  234  ist  rante  zu  lesen), 
in  denen  auch  der  Auftact  fehlt:  25,  157  dltzehdnt\  29,  40  Hol- 
lant,  wo  also  wieder  zweisilbige  trochäische  Wörter  stehen,  die  der 
Dichter  nicht  hätte  beseitigen  können,  ohne  den  ganzen  Vers  zu 
verwerfen;  ausserdem  nur  noch  18,  488  v6n  der  stdt  tze  KdUys, 
In  den  6081  Versen  der  Mo  er  in  sind  15  ohne  Senkung,  da- 
runter aber  keiner,  dem  auch  der  Auftact  fehlt. 

In  solchen  Versen  vermisst  man  den  Auftact  also  nicht  öfter, 
ja  nicht  einmal  so  oft,  als  ihn  etwa  mhd.  Lyriker  in  Strophen 
weglassen,  wo  ihn  die  correspondierenden  Zeilen  verlangen,  so  dass 
man  daraus  bei  genaueren  Dichtern  ebenso  einen  kritischen  Anhalts- 
punkt bei  der  Textrecension  gewinnen  kann  wie  bei  jenen. 

Ganz   andere  Beurteilung  verlangen  die  fehlenden  Senkungen 


coxvn 

der  folgenden  Art,  welche  bezeugen,  dass  auoli  noch  bei  Hugo  wie 
in  der  guten  alten  Weise  das  Fehlen  der  Senkung  als  technisches 
Motiv  verwendet  wird.  Das  steht  im  Einklang  mit  der  Erfahrung, 
die.  wir  beim  zweisilbigen  Auftact  gemacht  haben.  Bestimmte  Ge- 
sichtspunkte treten  dabei  leitend  hervor. 

1)  Zwischen  zwei  Ausdrücken  fehlt  das  Bindewort,  was  in 
der  Rede  durch  die  Pause,  in  der  Schrift  durch  des  Comma,  in  der 
Metrik  durch  die  fehlende  Senkung  hervorgehoben  werden  kann. 
Beweis  dafür  sind  Verse  wie  äU  W6,  ffrda^  v^dren  cld'r  4,  30; 
nu  hin  ichß^isch,  b^in  und  pluot  4,  52;  ausserdem  vgl.  noch  hicht^ 
ruw  und  4,  22;  Ueh^  ^ben  und  5,  43;  bluemli  g^l^  brun  und 
16,  21;  Ueb^  Uid  oder  27,  80;  r(J^  gruen  und  28,  21;  achon^ 
st^rk  noch  28,  382;  gnddy  Swikeit  33,  35;  hoffart^  z6i*n^  hdss 
und  38,  115;  pfchty  ruw  und  38,  176. 

2)  Beim  üebergang  von  der  indirecten  zur  directen  Rede  ent- 
steht eine  Pause,  welche  wir  durch  ein  Kolon  markiereq,  der  Dich- 
ter aber  durch  fehlende  Senkung  bezeichnen  kann:  ich  sprach: 
„fro'we  gnddenrich  2,  46;  vgl.  auch  2,  67;  ich  sprach:  ^hSrr^  ich 
5,  91;  ich  »prdch:  J{eber  frund  28,  161 ;  vgl.  auch  28,  185,  233, 
235,  253,  385,  625  u.  ö.  —  oder  dasselbe  in  anderer  Form:  er 
eprdch  zuo  mir:  ^Ueber  kndb  5,  87  etc. 

3)  Eine  Interjection  oder  ein  anderes  einsilbiges  Wort  steht 
im  Ausrufe;  durch  die  starke  Betonung  dieses  Wortes  entsteht 
eine  Pause,  welche  eine  Senkung  vertritt;  in  der  Schrift  bezeichnen 
wir  sie  durch  ein  Comma:  ja,  hielte  is  sich  4ben\  29,  157;  das 
si  wzssint,  Mrr^  wSr  du  gMtzlich  b/st\  27,  24;  cdmdchtig  got^ 
tuo  mir  kumber  stülenl  38,  172;  o  h^lger  g^sf,  tuo  mir  gndde 
m^ren!  32,  160  —  oder  die  Pause  und  fehlende  Senkung  tritt 
da  ein,  wo  die  Stimme  zum  Ausrufe  ansetzt:  küm,h^lger^)  g^tst 
behend  27,  3. 

4)  Nicht  weniger  charakteristisch  ist  der  vierte  Fall:  zwei 
kleine  antithetische  Sätze  (auch  in  verkürzter  Gestalt)  werden  ohne 
Conjunction  einander  gegenübergestellt  und  durch  eine  Pause  ge- 
trennt, wo  wir  ein  Comma  oder  auch  einen  Teilungsstrich  anbringen : 
frod  du  hdst  —  truren  ist  vergessen  15,  27;  auch  wenn  die 
Conjunction  steht,  wird  der  Gegensatz  noch  durch  eine  Pause  her- 
vorgehoben: hie  hdst  du  16b  —  und  dort  Swig  frunt  15,  38; 


*)  heiliger  in  meinem  Text  ist  ein  Druckfehler. 


coxvm 

es  tüegi  w6l  -  oder  wi  18,  28,  vgl  auch  24,  107;  29,  20;  38, 
43 ;  Uft^  kurtz  —  öder  läng  30y  20;  es  si  fruo  —  öder  spd't 
18,  147,  vgl.  noch  22,  27;  24,  83,  87;  25,  97;  26,  3  etc. 

5)  Gleichfalls  gerechtfertigt  ist  das  Fehlen  der  Senkung,  wenn 
ein  dass-Satz  an  seinen  Hauptsatz  anknüpft:  wer  wöl  heddcht^ 
das  er  stoben  müoss  33,  77. 

Je  häufiger  solche  Fälle  erscheinen,  um  so  stärker  wird  das 
Zeugnis,  dass  auch  bei  Hugo  und,  wie  sich  gleich  herausstellen  soll, 
bei  allen  bessern  Vorgängern  und  Zeitgenossen  noch  eine  höhere 
Auffassung  der  Metrik  sich  geltend  machte.  Stricker,  Karl  4276 
v^lf,  hSrc  nnt  tdl  (Bartsch  p.  70).  Lichtenstein  guot  sptse^ 
mA  finde  wfn  290,  28;  dtse  h/e^  j4ne  dort  64,  31;  hMe  Uep^ 
morgen  Mt  287,  31;  st  stn  junc  öder  alt  251,  10;  min  wfzen 
schilt^  ddz  ich  nie  u.  a.  —  Wildonie  döm^  nhzel^  mdnic 
dst  2,  151;  ddmh  wir  tu;  gd't  hin  für  3,  265;  er  sprach:  Uebe 
fröuwe  mfn  2,  349.  —  Heinzelin  ML.  züchte  schäm  vnde 
triuwe  75;  sprich  :  Minne  in  mfnem  harzen  1033.  —  Titurel 
(Zarncke)  hund  in  JSrusalfm;  gr&z  noch  hlSine  447,  39;  (Hahn) 
tAme^  höus^  ^rker  1563.  —  Selbst  Hadamar  hat  einen  guten 
Beleg  ma^  spricht:  „ie  mSr  v^'n^  ie  mir  ^ren  189,  4.  —  Bob  er 
si  schrSi  :  ,  Vrmendrü/t  48,  28 ;  si  sprach :  « trvft  gespile  mtn 
15,  41;  er  sprach:  ^Uubiu  22,  11;  got,  h^rl  wie  ist  mir  be- 
schuhen 31,  20;  ie  wärt  geböm!  arme  gediet  43,  75;  si  st  denn 
guot  öder  sH/r  E.  28,  ez  st  denn  jung  öder  alt  58.  —  LS.  denn 
guot^  sdl  öder  lib  27,  53.  —  Suchenwirt  scham^  tr^  und 
beschSidenh&t  6,  123;  getr4w^  wdrhaft  ünde  wSs  7,  58.;  durch 
ärm^  satten  vnde  pdin  9,  211;  trew^  milt^  mdnhait  ünde  schäm 
13,  180;  Mdtz  und  Trier,  Choln,  Mdintz  29,  43;  getr^,  chüen^ 
milt  und  weis  bei  Friess,  Sitz.  Ber.  88,  p.  114;  nur  mörda! 
sehAvz !  stich  und  slachl  10,  190;  g^rn^  vrdw  !  so  sprach  ich 
23,  122;  daz  spricht :  unser  18,  280;  sprach:  „mSrlccht  und 
23,  33;  sUchtleich  ndin^  sUchÜeich  jd  19,  68;  si  sein  arm  öder 
reich  38,  294.  —  Teichner  LS.  fuchs,  wölf  und  och  b^r  53,  5 ; 
stdiner^  grisz,  grdsz  und  lob  68,  77.  —  Mönch  von  Salz- 
burg höh,  tieffy  vinster,  witt  und  ^  KL.  II,  556,  1;  darczu 
wird  (dignitas),  krdft  geswören  (Ampferer)  14, 6,  3;  dö  geschäch  — 
A?A  in  acht  ibid.  20,  6,  6.  —  Hätzlerin  hertz,  synn,  müot 
und  mSin  geddnck  14,  59;  geluck^  sald,  frad  und  müot  U,  34, 
34;  Uib,  synn,  müot  und  guot  H,  41,  21;  o  jünger  mdn!  sich 


OGXIX 

an  mich  30,  1 ;  tag  und  nacht  —  apdtt  und  fruo  II,  12,  21  — 
und  selbst  noch  bei  Sachsenheim:  imTeav^Xdwrzuo  gib  rdutt^ 
hylff  und  atwr  7 ;  im  Liede  Jes.  nun  achdwend  {etz^  w4r  ich  Mn 
113.    Bei  Brant  haben  sie  aufgehört. 

In  dieser  Sammlang  sind  also  alle  Kategorien  vertreten,  welche 
ich  oben  bei  Hngo  aufstellte,  aber  auch  keine  neuen  hinzuge- 
kommen; nur  die  unter  4)  angeführte  Ist  vielleicht  dahin  zu  erwei- 
tern ,  dass  statt  eines  dass  -  Satzes  auch  Relativ  -  oder  andere 
Nebensätze  mit  fehlender  Senkung  an  ihren  Hauptsatz  angeknüpft 
werden  können,  ebenso  wie  zwei  coordinierte  Sätze  ohne  Conjunc- 
tion.  Weiter  ergibt  sich,  dass  dieses  Motiv,  mögen  auch  einzelne 
Dichter  sein,  darunter  selbst  Lanfenherg,  denen  es  abhanden  ge- 
kommen, vom  Mhd.  bis  in  die  zweite  Hälfte  des  16.  Jhds.  nie  in 
Vergessenheit  geraten,  bis  es  vom  Principe  der  ausschliesslichen 
Silbenzählung  wie  andere  mhd.  Ueberkommnlsse  beseitigt  worden  ist 

Was  daraus  flir  die  Verssoansion  und  Textkritik  zu  gewinnen 
ist,  liegt  auf  der  Hand:  in  einem  Verse  wie  er  sprach:  ^ lieber  eta 
darf  nicht  versetzte  Betonung  ^  sprach  angenommen,  dorn  n^zzd 
mdnic  dst  (bei Herrand)  darf  nicht  als  „ Anomalie''  erklärt  werden;  in 
einem  Verse  wie  wa/n  Anen  h^lm,  schilt  und  sp^  (Lichtst)  braucht  es 
keine  ^  consonan tische  Senkung ''(Wilmanns),  noch  weniger  ein  unde; 
ebenso  darf  in  dann  wir  tu;  gd't  hin  für  (Herrand)  nicht  danne 
eincorrigiert  werden;  und  ein  Vers  wie  der  blöze  sprach:  ^herr^ 
friunt  mfn  (ibid.  3,  321)  ist  erst  ganz  unmöglich  etc.  (vgl.  audi 
die  Anm.  zu  5,  43  und  15,  27). 

Hebung  und  Senkung  müssen  einsilbig  sein;  Aus- 
nahmen waren  nur  in  bestimmten  Fällen  und  auch  hier  nur  f&r 
das  Auge,  nicht  für  das  Ohr  vorhanden,  denn  beim  Singen  oder 
Lesen  wurde  immer  durch  Elision,  Synalöphe,  Synaeresis 
die  Einsilbigkeit  hergestellt.  Ueber  diese  Punkte  wird  gewöhnlich 
in  Ausgaben  ausführlich  gehandelt;  ich  kann  daher  rasch  daran 
vorübergehen,  indem  ich  nur  Belege  anführe,  die  für  sich  selbst 
sprechen  werden. 

1)  Auf  der  Hebung,  dabt  ie  unrecht  4,  47;  bz  ir  beliben 
5,  50;  du  icht  der  fwrsten  5,  132;  so  ist  si  kUin  21,  21;  sz 
userUsen  28,  171 ;  so  unser  hSrtz  begert  28,  209;  d4  es  ge- 
hassen  31,  29;  du  ie  gewesen  32,  26;  du  es  beschlössen  36,  6; 


coxx 

4,  114  wirb  also  ich  sterbjtmff  (oder  als  zu  schreiben?);  dd  eins 
sieht  in  die  swanen  (oder  dsunnenf)  30,  62. 

2)  Auf  der  Senkung,  rid  die  ich  davor  2,  57;  hurtz  so 
ists  ztphelrü  5,  848;  erwach  so  ist  si  18,  7;  liehi  ist  gross  19,  7; 
^re  und  guot  25,  119;  ^re  ist  w6l  38,  132;  gndd  bi  im  h^n 
27,  99;  bist  du  erstorben  28,  699;  meinst  du  uss  uns  29,  32; 
w^n  du  es  Ueszt  30,  44;  hast  du  uns  ^igetm  30,  85;  gtst  du 
in  riehen  31,  23;  nicht  me  erlangen  31,   219;  gula   und   git 

38,  113. 

Von  der  Ver Schleifung  auf  der  Hebung  war  schon  oben 
(p.  195)  die  Rede;  auch  Verschleifungen  auf  der  Senkung  begegnen: 
der  Gonsonant  schliesst  die  erste  SWhe  in  örden  er  hdb  29^  161; 
hSrtzen  erjciken  38,  18  —  oder  beginnt  die  zweite:  schdrpfe  ge- 
eicht 5,  29;  w6l  ze  bedenken  15,  39;  nichte  gemachen  30,  39; 
w6l  ze  besorgen  33,  82;  b^de  behdet  36,  20;  öfter  aber  werden 
sie  durch  Syn-  oder  Apokope  beseitigt  (s.  p.  191). 

Besonders  hervorzuheben  sind  die  Fälle,  wo  ein  i  der  End- 
silben in  der  Verschleifung  steht:  liebi  zerfyrSnnen  5,  62;  seligen 
2,  40;  25,  165;  38,  13;  heiligen  4,  77;  5,  206;  gesäiget  4,  157; 
mächtigen  6,  277;  guetiger  14,  36;  dwßligen  29,  145;  Ewiger 
32,  25;  aüm^ehtiger  33,  174;  daher  auch  Aristotiles  33,  29. 
Beginnt  ein  solch  verschleifbares  Wort  den  Vers ,  ist  zweifache 
Lesung  möglich,  z.  B.  18,  169  Swiger  oder  ewiger.  Ueber  die 
Verschleifung  vor  stumpfem  Versausgange  später. 

In  den  kritischen  Texten  strengerer  mhd.  Dichter  findet  sich 
gewöhnlich  -eg  (vgl.  Lachmaun  zu  Iw.  65 1 ;  Haupt  zu  Engelh. 
2647;  Zarncke  zu  Nibel.^  LHI).  Doch  lässt  Zarncke  im  Titurel 
(Graltempel,  s.  Abh.  d.  sächs.  Gesellsch.  VH,  508)  die  -ig  der 
Hss.  auch  in  der  Verschleifung  stehen;  dasselbe  ist  bei  spätem 
Dichtern  um  so  berechtigter,  da  die  ig^  Formen  die  andern  mehr 
und  mehr  verdrängen  (vgl.  Abh.  IV,  154).  Sie  sind  denn  auch  bei 
den  meisten  nachzuweisen,  z.  B.  beim  Mönch  v.  Salzburg  (Ampferer) 
wirdigen  14,  5,  2;  hMigen  10,  3,  2;  7,  3;  12,  10,  10;  p^chtiger 
(KL.)  555,  3;  nydigen  565,  5;  dinigen  565,  8;  beiLaufb.  wirdiger 
739,  1;  hMigen  740,  14;  776,  4  etc.;  Dyocletian  äniges  1453 
wirdiger  etc.  und  so  bei  andern. 

Ebenso  verhält  es  sich,  wenn  der  Artikel  oder  das  Pron.  pers. 
in  der  Verschleifung  steht,  wo  man  gewöhnlich  geschwächten  Vooal 
schneh  [die  ==^  de^  daz  =  dez^  sie  =^  se  etc.).   Zarncke  lässt  im  Titu- 


COXXI 

rel  dd  9ich  diu  geiv^he  489,  15;  ddrt  die  gestdbten  462,  85;  chinde 
si  508,  13  etc.  Bei  Hugo  kommen  in  Betracht:  ^e  die  23,  3; 
19,  3;  sdch  die  ze  Üben  31,  221;  ich  die  geh6tt  13,  21;  verhdft 
die  ger^chtikeit  5,  221;  huoch  die  geachriben  24,  125;  giet  die 
gerdchten  27,  200  (so  ist  im  Texte  za  lassen),  auch  25,  80  wird 
es  am  besten  sein  et  die  gerdchikeit  zu  corrigieren ;  ferner  Jidt  si  ge~ 
pruwen  5,  204;  daher  kann  auch  16,  43  /et  ei  geeimt;  18,  8  hä't 
ei  geliehen  gelesen  werden.  Es  ist  eine  seltene  Ausnahme,  wenn 
auch  noch  bei  einem  dieser  spätem  Dichter  dez  (=  daz)y  se  (=  sie) 
eta  begegnen,  so  bei  Heinrich  v.  Neust  (vgl.  Strobl,  p.  15). 

Für  das  allgemeine  ergeben  die  angeführten  Belege  eine  zu- 
nehmende Neigung,  die  Verschleifung  über  die  geschwächten  (ton- 
losen oder  stummen)  e  hinaus  auf  andere  Yocale  auszubreiten;  es 
ist  keine  Aufhebung,  nur  eine  Ausweitung  des  mhd.  Yerschleifungs- 
gesetzes.  Aber  Hugo*s  Gedichte  zeigen  ausserdem  noch  eine  grosse 
Anzahl  zweisilbiger  Senkungen,  welche  unmöglich  nach  der  alten 
Weise  verschleift  werden  kOnnen,  z.  B.  4,  100  ei  wda  din  müoter 
und  doch  ein  mdgt;  5,  145  wir  bekSnnent  eins  dndem  Tatzen 
nicht :  das  einemal  stünde  e  und  u  mit  einfacher,  das  anderemal 
e  und  ei  mit  doppelter  Gonsonanz  in  der  Verschleifung;  das  setzt 
einen  wesentlich  andern  Standpunkt  voraus,  der  sich  aber  gleich- 
wohl aus  dem  ursprünglichen  entwickelt  haben  kann.  Ich  will 
zunächst  die  hiehergehörigen  Fälle  sammeln  und  sie  nach  den  in 
der  Senkung  stehenden  Silben  in  Gruppen  ordnen. 

1)  In  der  doppelten  Senkung  steht  eine  Biegungssilbe  und  ein 
einsilbiges  Wort  mit  vocalischem  oder  consonantischem  Anlaut, 
oder  eine  Biegungssilbe  und  ein  Praefix.  —  Aus  den  singbaren 
Liedern: 

29,  13  lass  vögeUi  sorgen  und  gdng  zuo  mir 
29,  82  es  wirt  ilch  geruwen  am  jüngsten  tag 
29,  89  ich  wand^  du  wSrist  ein  rüter  gwesen.  — 
13,  18  do  wären  wir  nach  versunken 
29,  177  nu  helf  uns  goty  des  bedii/rfen  wir  w6L     Aus  den 
Briefen  und  Reden: 

3,  4  du  bist  in  minem  hSrtzen  ein  sdnUch  liebi  dim 
3,  28  gewachsen  usz  dtner  brüst  (vielleicht  dinr) 

3,  58  ich  wdmen  in  susz  daran 

4,  155  denn  mit  dem  rechten  und  limb  sin  schuld 

5,  145  wir  bek^nent  eins  ändern  hertzen  nicJU 


ooxxn 

5,  223  nu  dar  ir  Tcilng  ir  forsten  ir  harren  (ähnlich  229) 
5,  235  ze  himg;  wnd  Mttint  ir  dds  getan 
5,  375  die  gerechten  h^lfent  ime  eündem  hin 
15,  116  muoss  stoben  wnd  Me  vollenden 
20,  10  vor  allen  dangen  uff  A*den 
24,  18  dann  mit  wtben  und  giUkeit 
24,  123  in  der  dlten  wnd-  in  der  nüwen  ^  (oder   es   ist  das 
zweite  in  zu  streichen) 

26,  63     das  mdchent  ir  vdlschen  iükch 

27,  28     all  sach  haatu  heaUssen  in  dinr  akmicht 

28,  110  den  wolt  man  zungen  ahachniden 
28,  165  hie  inn  sind  fursten  und  ^del  herren 
28,  232  du  wirist  uff  rechter  Strassen 

28,  245  er  sprach :  din  tickten  wnd  cluoge  wort 

30,  42     aUr  sdchen  in  Mmel  und  uff  erden 

31,  162  gemachet  Ueder  und  riden 
33,  147  die  ungerechten  in  4wig  echt 
38,  23     si  scMessent  in  mdnnes  gmuete. 

2,  59     mitt  Worten  da  mdn  der  werch  nicht  pMigt 
4,  186  ddtmit  si  wirint  des  grtchtes  an 

4,  125  die  vor  vil  tusent  jdren  sind  hsch^hen 

5,  329  davon  verstand  und  horent  m^n  muot 
18,  156  si  Hand  beztjurmgen  der  tirsfen  Hb 
24,  15     vor  hopts'inden  du  mich  bewahr 

26,  65     nu  mMcent  mirm  rd't  gwr  eben 

27,  227  und  gedachten  wir^  wSr  wir  muossen  werden 

28,  53     si  was  gep^iwen  mit  gdntzem  flisz 

28,  293  er  sprach:  ^dins  irrens  du  mich  erldsz 

28,  332  des  sollen  wir  w6l  getrüwen   (dasselbe   28,   456, 

612  und  31,  191 ;  soll  wir  wäre  möglich) 

28,  435  si  sprach:  y^du  urdrdist  licht  v6n  mir  gdn 

28,  457  inwendig  an  den  m'&ren  so  sind  die  stein  (oder  so 

zu  streichen) 

28,  587  es  ist  gep'Awen  fiJir  dlle  not 

2^,  647  das  du  nicht  wirdist  der  ttvel  spot 

28,  736  und  wünschen  mir  in  der  mess  das  ewig  wesen 

31,  10    die  fdrwen  gen  frdwen  gemessen 

31,  18    ich  wandy  si  wMnd  din  dbgot  gwesen 

3)f  22    und  b4rlen  gen  frdwen  gemessen 


ooxxm 

31,  94     bi  swdrtzer  varw  iuot  mcm  msa  bekennen 

31,  191  des  sollen  wir  g6t  Idn  walten  (vgl.  28,  332) 

32,  172  durch  im  willen  tuo  mm  mit  gnaden  walten 

33,  50     denn  gepüioen  von  hdltz  und  strö 
33,  150  der  gerechten  mit  gndden  walten 

38,  39  in  eren  muessen  wir  w^den  grd  (dasselbe  18,  204) 

38,  111  got  vor  allen  dingen  lieb  hofn 

31,  158  han  zschdffen  darzuo  die  rimen  messen.  — 
15,  134  sid  wir  nu  müossent  bekennen  (oder  bhennen) 
18,  226  oder  hat  sich  4ren  verwegen 

24,  90     da  ms  man  wSrdent  betrögen  mit 

27,  9      wer  aller  machen  vemunst 

28,  438  ob  du  dich  w^ltist  verkSm 

32,  118  di  einen  willen  hatten  getäln  (dasselbe  134) 
Hieber  stelle  ich  auch  4,  9  du  hast  vil  böser  artäcel 

2)  Statt  der  Biegangssilbe  stebt  eine  Ableitungssilbe,  welcher 
wieder  ein  einsilbiges  Wort  oder  ein  Praefix  folgt: 
6,  3       aller  zwffel  ist  mfr  unkunt 

29,  18    kein  schdppel  getrdg  ich  niemer  me 

10,  1  ich  fragt  ein  wdchter  ob  ds  wer  tag^  wo  incliniert 
werden  könnte,  was  aber  von  der  Melodie  nicht  unterstützt  würde ; 
ebenso  verhält  es  sich  mit  11,  1  mich  straft  ein  wdchter  des  mdr-- 
gens  fruo  (während  wachter  1 1,  7 ;  24,  1  u.  ö.  im  Versanfange 
mit  schwebender  Betonung  oder  in  die  zweisilbige  Senkung  gelesen 
werden  kann,  vgl.  Betonung  p.  238) 

4,  100  si  was  dm  muoter  und  doch  ein  magt 

4,  130  pett  und  almdosen  ist  d4nn  ze  spdt 

5,  357  einr  guoten  gwissen  eins  steten  muot 
5,  373  solt  under  uns  n(eman  grecht  bestdn 

18,  170  ein  rechtes  dUer  uff  4rden  hie 

18,  243  oder  alles,  das  si  Mnder  ir  lä't 

28,  117  ebr^cher  bi  s^lgen  wiben 

28,  716  das  aU  din  Shgel  nie  möchten  werden  innen 

33,  6       ynd  alles  hinder  uns  Idssen 

38,  40  ein  rechtes  alter  in  gottes  willen  sterben, 

15,  92  Tschinachtildnder  tet  warben 

17,  21  0  lieber  4ngel,  nu  hiiet  der  sei 

31,  102  sprach  der  pr^ester  mit  sinnen 

35,  32  din  rechtes  alter  damdch  in  eren  sterben. 


COXXIV 

In  27,  225  es  ist  nicht  anders  dc^dn   denn  sterben     und 
in  30,  95  davon  ist  er  unschuldig  daran    wird  nach  28,  586 
dran  zu  schreiben  sein. 

5,  40     ir  mündli  Ueplich  entsprungen 
5,  370  so  sind  die  guoten  dlweg  bereit  (durch  die  Correctur 
breit  würden  zwei  verschiedene  Wörter   verwechselt,   welche  auch 
der  Dialekt  auseinander  hält) 

5,  387  ich  hän  in  nun  ze  pzspel  gezüt 
18,  216  si  hatt  ein  dpfel  gebrochen 
27,  21     wan  aller  ^gel  vernv/nst 
31,  142  in  den  rimen  tendert  vergessen 

3)  In  der  zweisilbigen  Senkung  steht  ein  einsilbiges  Wort  und 
ein  Praefix,  die  beide  auch  zusammengesetzt  sein  können: 

29,  177  nu  helf  uns  g6t  des  bedv/rfen  wir  wol 
2,  103  min  muot  was  fri  mit  gedingen  guot 
5,  228  die  cristenh^it  es  verwisen  tuot 

2,  143  ei*  vd'chtz  mit  geblüemten  worten  an 

5,  285  es  solt  ein  hdrr  doch  gedenken 

5,  333  mitt  gewalt  an  r^cht  ungeirilich  (möglich,  aber  nicht 
wahrscheinlich  ist,  dass  in  den  letztern  Fällen  die  Vorsilbe  abge- 
worfen war;  gblüemten  zu  schreiben,  gienge  jedoch  nicht  an ;  ähn- 
lich verhält  es  sich  in 

27,  20     wie  hich  man  geddnht,  so  bist   du  dannocht  oben 

27,  109  wan  weltlich  fröd  und  dll  ir  gebSr 

28,  504  und  möcht  sich  s^r  mit  gedenken  da  versünden 
13,  21     das  ich  die  gebött  ie  gebröchen  hdn, 

4)  Die  zweisilbige  Senkung  fallt  auf  zwei  unbetonte  Silben 
desselben  Wortes: 

13,  24     ich  eilender  und  vil  a/rmer  (oder  ich  ell^der) 

15,  64  wa  ist  küng  Sdlamons  mdcht  (kaum  zweisilbiger 
Anftact  und  versetzte  Betonung) 

16,  128  döw  ^surgite*^  wirt  gesprochen 

30,  31  und  doch  kein  iigenschxift  d'n  dich  ist 

25,  34  des  muoss  ich  SwerJclich  Uden;  ebenso  wird  ^enk- 
lieh  28,  353  und  644  verwendet,  wofür  vielleicht  ewklich  gesetzt 
werden  dürfte,  welches  zwar  nicht  in  der  Hs.,  aber  in  der  alem.  Ur- 
kunde vom  10/4.  1386  (Arch.  I,  III,  128)  belegt  ist;  ebenso  läge 
bei  blüejender  1,  25;  18,  188;  34,  23  die  Correctur  nahe, 
aber  die  Hs    zeigt  nur   diese  Form   (vgl.  auch  Anm.  zu  1,  25). 


ooxxv 

5)  In  der  zweisilbigen  Senkung  stehen  endlich  zwei  einsilbige 
Wörter : 

10,  2  er  sprach  zuo  mir :  „für  wdr  ich  dir  adff  (auf  jeder 
Silbe  steht  eine  Note) 

31,  227  damit  verdient  man  daz  Avig  Um;  kann  aber  manz 
geschrieben  werden,  ebenso  wie  in 

18,  11  do  ich  erwacht f  do  wä$  ei  davon  die  Inolination  waee 
zulässig  ist,  vgl.  die  Anm.  z.  St. 

32,  129  der  sin  noch  bÄt,  er  ist  doch  gehom  {ist  enclit?) 
24,  63  an  kreften  was  er  der  w4md.    Hier  fuge  ich  auch  an 

28,  481  die  tum  sind  ein  figißr  der  dr'ivdWkeit 

Wenn  es  auftrifft,  dass  in  einem  solchen  Verse  auch  die  Sen- 
kung  fehlt,  kann  man  zweifeln,  ob  zweisilbige  Senkung  oder  Ton- 
yersetzung anzunehmen  sei,  z.  B. 

28,  160  ich  muoss  lAder  hie  vdmen  s{n;  doch  halte  ich 
ersteres  für  wahrscheinlicher,  lieber  einige  andere  zweifelhafte  Verse 
handle  ich  in  den  Anmerkungen. 

Mögen  von  den  angeführten  Belegen  auch  mehr,  als  ich  an- 
gedeutet, zu  corrigieren  sein^),  so  bleibt  doch  immer  noch  eine  sehr 
grosse  Anzahl  solcher  zurück,  welche  durch  die  in  der  Hs.  gebotenen 
Mittel  nicht  zu  beseitigen  sind,  oder  wie  will  man  die  Synkopen 
helfnt,  dingn^  muotr^  zungn^  herin  etc.  aus  der  Ueberlieferung  recht- 
fertigen? Und  diese  muss  doch  stets  massgebend  bleiben,  besonders 
wenn  sie  dem  Or.  so  nahe  steht,  wie  die  unsrige;  ein  dinr^  sinr^ 
aus  wird  niemand  damit  vergleichen  wollen,  und  wirklich  analoge 
Kürzungen  begegnen  bei  keinem  der  drei  Schreiber  (selbst  bei  A  nicht, 
der  sonst  doch  so  viele  ursprüngliche  Formen  auch  gegen  seinen 
Dialekt  stehen  liess),  was  aber  sicher  der  Fall  sein  würde,  wenn 
sie  in  ihrer  Vorlage  vorhanden  gewesen  wären,  da  der  bair.  Dialekt 
in  diesem  Punkte  bekanntlich  noch  weiter  geht  als  der  alemannische: 
wie  viele  Synkopen  haben  sie  z.B.  im  Wortanlaute  [hhuet^  bkcmi  etc. 
vgl.  p.  191)  bewahrt,  ja  vielleicht  gegen  das  Or.  geschrieben!  Und 
endlich,  auf  welche  Weise  könnten  Senkungen  wie  bek^nent  eins; 
{endert  vergessen  etc.  einsilbig  geschrieben  werden  ? 

Die  angeführten  Belege  zu  beseitigen,  ist  also  nicht  möglich, 
und  es  bleibt  die  Frage :  wie  sind  sie  zu  erklären  ? 


>)  Die  Fälle,  in  denen  Correctnr  wahrscheinlich  ist,  bleiben  in  dei 
folgenden  ünteTsnchnng  selbstreTständlich  weg. 

Wacker nell,  Montfort.  15 


OGXXVI 

Icli  habe  oben  (p.  196)  constatiert,  dass  in  der  Zeit  Hago*s 
die  mhd.  Verschleifang  aaf  der  Hebung  noch  fortlebte :  haben  got^ 
ffSBcJtriben  mit  eta  Gleichzeitig  aber  breitete  sich  die  Dehnung  der 
Stammsilben  immer  weiter  aus  (ibid.  194  ff.),  also  auch  häberiy  g^ 
schrtben.  Es  konnte  nun  einem  solchen  Dichter  leicht  unterkommen, 
dass  er  ein  Wort  mit  echter  langer  Stammsilbe  wie  gwifel  in  der^ 
selben  Weise  wie  haben  behandelte,  und  so  wflrde  ein  Teil  der  oben 
angeführten  durch  unechte  Ausbreitung  der  Y  er  Schlei- 
fung auf  der  Hebung  zu  erklären  sein.  EJs  könnten  hie- 
her  gehören:  gefirüuvoen^  werist^  warenj  jaren,  hörent,  gepvfwofi, 
muren^  eren^  böaer^  zwifel,  mben^  ewenklich. 

Die  Accentuierung  der  Bedeutungssilbe  hatte  auch  Consonanz- 
gemination  zur  Folge  (vgl.  Abb.  IV,  146):  göt^  und  götter 
standen  auf  gleicher  Linie;  daher  konnte  auch  gegen  diese  Seite 
hin  unechte  Ausdehnung  statthaben:  hefiint^ heiten^)^  welUst^  göUen^ 
wiUen^  schappel  n.  a.  könnten  hieher  bezogen  werden. 

Damit  würde  also  ein  Teil  der  abnormen  Yerse  erklärt,  nicht 
aber  die  grössere  Zahl;  denn  bei  behetmenty  berlen^  iendert  etc. 
kann  von  Yerschleifhng  auf  der  Hebung  keine  Rede  sein:  sie  müssea 
ihre  Lösung  auf  anderem  Wege  finden  und  zwar  durch  unechte 
Ausdehnung  der  Yerschleifung  auf  der  Senkung,  die 
siöh  schon  oben  (p.  ^21)  in  den  ersten  Anfängen  zeigte,  indem 
fBr  das  eine  der  beiden  unbetonten  e  auch  ein  i  des  Pronomens, 
einer  Endung  oder  Ableitungssilbe  etc.  eintreten  darfbe.  Ein  Wort 
me  s^gite  Ibf  128  nun  ffthrt  direot  zu  Formen  wie  ArietötileSy 
heiligen  etc.  zurück,  ebenso  zeigt  ein  Yers  wie  13,  21  dae  (ch 
die  gebött  ie  gebröchen  h(tn,  wie  die  echte  Yerschleifung  zur  un* 
echten  verleiten  konnte. 

Ein  Ueberblick  über  die  obigen  Tabellen  ergibt  die  Regel  die* 
ser  erweiterten  Yerschleifungslicenz^),  zu  weicher  die  frühere  wie 
dne  Vorstufe  erscheint:  nur  in  der  einen  der  beiden  Silben 
ist  nnbetontes  e  notwendig,  der  Vocal  der  andern  kann  nicht  nur 
e  oder  I,  sondern  beliebig  sein,  muss  aber  einem  unbetonten  Praeix 


*)  Wo  die  Hs.  daneben  aach  noob  die  Formen  mit  dem  einfachen  Con- 
sonanten  zeigt,  konnton  im  Texte  diese  eingesetzt  werden. 

')  Als  Licenz  -wird  es  zu  fassen  sein,  denn  es  ist  kaum  Zafall ,  dass 
diese  zweisilbigen  Senkungen  in  den  singbaren  Liedern  rerhältnismässig  seltener 
dnd  als  in  den  Briefen  nnd  Reden,  ganz  so  wie  die  Oinen  gegenftberstehenden 
fehlenden  Senkungen. 


CßKXVH 

oder  einsilbigen  Worte  angeboren.  Je.  naeh  der  Consonanz,  weldie 
die  beiden  Vooale  (resp.  Voc.  und  Diphth.)  in  der  zweisilbigen  Sen- 
kung trennt,  können  Kategorien  gemacht  werden. 

1)  Die  Einfachheit  der  Consonanz  ist  noch  festgehalten.  Hier 
elrsjoheinen  die  Biegnngs-  und  Ableitungssilben  "en  und  -er  neben 
folgenden  vocalisch  anlautenden  einsilbigen  Wörtern :  und  8mfbl, 
tma  Smal»  uff  2mal,  in  4mal,  ir  2mal9  usz^  UU  dh  ob^  ie,  ein 
je  Imal. 

2)  Man  ist  noch  einen  Schritt  weiter  gegangen  und  hat  auch 
^ie  Einfachheit  der  Consonanz  aufgegeben,  indem  entweder  die 
Biegongs-  oder  Ableitungssilbe  mit  doppelter  Consonanz  schliesst, 
das  einsilbige  Wort  oder  Praefix  vocalisch  beginnt  —  oder  die  Gon- 
sonanten  beider  Silben  zusammenstossen ;  es  kommen  also  drei 
Finnen  vor:  machent  ir  26,  63;  schiessent  in  38,  23  —  oder 
hetzvmngen  der  18,  156;  gedeckten  mr  27,  227  —  oder  endlich 
werdent  betrogen. 

Von  Praefixen  begegnen  ge^-  (3mal),  6e-  (2mal),  vör-  (4mal); 
von  einsilbigen  Wörtern  esy  des^  der  (2mal),  wir  (3mal),  du,  «V, 
meV,  ims,  m,  eins,  mit  (2mal),  dar  (Smal),  day  gen  (2mal),  m«, 
nuy  bi;  schwerer  sind  mtn^  tet,  lieby  lichte  va/rw.  Die  dazu  ge- 
hörigen Biegungs-  oder  Ableitungssilben  aber  haben  auch  hier  wie 
bei  der  vorangehenden  Classe  immer  ein  unbetontes  ^,  nur  zweimal 
erscheint  dial.  i  (=  mhd.  e) :  in  wurdist  28,  4:36  niid  Uferdiet 
28,  647. 

Es  bleiben  nur  mehr  Ueplich  entspnmgen  5,  40;  wo»  4fr  der 
24,  63 ;  b^t  er  ist  32,  129 ;  fig^  der  drivdliiheit  28,  481,  wso  <n 
ent  und  der  die  Stelle  eines  unbetonten  e  vertreten;  ausserdem  mmit 
für  war  ich  dir  10,  2  und  Sdlaman  15»  64«  Im  eiistarmi  Falle  er- 
leichtert die  Glei<Aihe]t  der  beiden  Vooale  in  beiden  Silbend«»  rasebem 
Hinweggleiten  über  dieselben,  im  letzteren  steht  ein  Eigenoam^ 
und  Eigennamen  geniessen  wie  die  Fremdwörteri  überhaupt  gi^isaeni 
Freiheiten,  selbst  im  Reime;  Hesler  h^t  dtts  in  seiner  Metrik  no0b 
ausdrücklich  hervor! 

Vergleicht  man  nan  diese  zweisilbigen  Senknogen  mit  jen^Oi 
welche  sich  oben  (p.  226)  aus  unechter  Verscblei£i]iig  anf  dar  Qdr 
bung  erklären  Hessen,  so  sieht  man,  dass  dieselben  ebenso  gut  zu 
den  hier  behandelten  gehören  können : .  also  gepuwen  am,  werist 
ein  —  oder  gepuwen  am,  uferiei  ein  etc.,  so  dass  die  erstere  Er- 
klärung zwar   möglich  ist,   aber   keine   Sicherheit  hat,    und  man 

16» 


ccxxvin 

besser  tan  wird,  bei  der  letzteren  zn  bleiben,  welche  auf  alle  Fälle 
anwendbar,  bei  den  meisten  allein  zulässig  ist,  wozu  noch  kommt, 
dass  die  Hebung  seit  jeher  sorgfältiger  behandelt  wurde  als  die  Sen« 
kung,  welcher  auch  andere  Licenzen  gestattet  sind. 

Die  zweisilbigen  Senkungen  sind  also  zu  erklären  durch 
unechte  Yerschleifung  ^)  in  der  Senkung,  und  zwar 
stehen  in  derselben  zwei  unbetonte  Silben  eines  Wortes  (sdrgitef 
Aristöiiles)  —  oder  es  steht  eine  unbetonte  Schluss-  neben  einer 
unbetonten  Anfangssilbe  oder  einem  einsilbigen  Worte  von  geringe- 
rem Gewichte  —  oder  es  stehen  endlich,  und  das  ist  am  seltensten, 
zwei  einsilbige  Wörter  von  geringem  Gewichte.  Fast  durchweg  aber 
hat  wenigstens  eine  der  beiden  Silben  ein  unbetontes  «,  das  auch 
durch  dial.  i  (=  mhd.  e)  vertreten  sein  kann.  Das  geringe  Ge- 
wicht der  beiden  Silben  gestattet  ein  rasches  Hinweglesen  über 
dieselben,  besonders  wird  das  unbetonte  e  der  völligen  Stumm- 
heit nahe  gekommen  sein  ähnlich  wie  bei  der  alten  echten  Yer- 
schleifang.  Ob  dabei  aber  gar  nichts  vom  Daktylus  gefühlt  wurde, 
bleibt  sehr  fraglich;  daher  sprach  ich  auch  nicht  von  , doppel- 
ter *^,  sondern  nur  von  „  zweisilbiger  Senkung  *,  was  in  jedem  Falle 
richtig  ist. 

Ich  will  nun  wieder,  was  hier  besonders  notwendig,  Hugo*s 
Metrik  mit  der  anderer  Vorgänger  und  Zeitgenossen  in  Vergleich 
bringen.  Fände  sich  bei  ihnen  nichts  analoges,  so  wären  alle  an- 
geführten Verse  nur  als  Fehler  gegen  die  Metrik  seiner  Zeit  an- 
zusehen. 

Zunächst  kommt  für  die  ältere  Zeit  eine  Schrift  von  A.  Ame- 
lung  in  Betracht  (Studien  zur  vergleichenden  Metrik,  Dorpat  1871), 
welcher  bei  einigen  md.  Gedichten  des  12.  Jahrhunderts  einen 
ähnlichen  Gebrauch  zweisilbiger  Senkungen  nachgewiesen  hat,  nur 
sind  diese  noch  häufiger,  härter  und  ungeschlachter;  aber  das 
Princip  bleibt  trotzdem  das  gleiche.  Dieser  Abhandlung  verdanke 
ich  die  erste  Anregung,  auch  Hugo  und  seine  Zeitgenossen  darauf 
hin   zu   untersuchen;   denn   man  weiss,   wie   in   der  Sprache   und 


^)  Ich  wählte  diese  Bezeichnung,  um  damit  den  Unterschied  nnd  histo- 
rischen Znsammenhang  Ton  der  im  Mhd.  erlaubten  auszudrucken;  der  Name 
ist  übrigens  nur  nebensftehHch. 


OGXXIX 

Metrik  manche  Erscheinangen  der  vormhd.  Zeit  in  der  naohmbd. 
wiederkehren  ^). 

Daran  reihen  sioh  die  Untersnchnngen,  welche  Bartsch  bei 
Stricker  (Karl,  Einl.  p.  64 — 69)  angestellt  hat,  der  sie  fast 
ganz  in  derselben  Weise  nnd  in  demselben  Umfange  gebraucht 
wie  Hugo:  drmgen  in  v^ste  K.  1453»  zestöeren  im  dUe  1787, 
Sunden  iht  stoben  1306,  wd'ren  unz  an  12171.  —  muessen 
bendmen  939,  fitraten  geboten  1855,  dndern  erkdnte  5656;  kAaer 
H  sSre  3494;  wären  der  kristen  5353,  Uezen  eieh  n{ht  9819, 
hfdoben  sichdnlbSO^müoeendich  dlle%2Qßjgewdefen  ein  a(tf8509, 
Pregiwunda  di(e)  kuneginne  8761;  brdoder  Marzüle  11165.  — 
scMezent  der  (=  dcur)  züo  659 ;  wSllent  sin  niht  9009 ;  hfmdert  ver- 
gölten Erz.  11,  61.  —  fliehende  8468;  brinnenden  9360;  v/nse- 
riu  4844,  dnderhalb  9912  JeriXsalem  1427.  —  enb&t  er  iu  11075, 
w^c  in  die  Erz.  4,  140;  ber^t  in  mit  D.  4%  sprdch  so  gebhUch 
Ab.  69,  69. 

Bei  Lichtenstein  275,  9  steht  ir  beider  tjöst  da  geriet 
also;  Lachmann  setzte  also  über  dS  kein  Längezeiohen  tud  accep- 
tierte  demnach  die  unechte  Verschleifung  (vgl.  Knorr  p.  54,  Anm.).  — 
Im  Titurel  (nach  Zamckes  Text  im  Gralt) 

542,  2     den  tAnpel  in  Sdlvaterre 

450,  48  daz  oug  nie  kund  erkiesen  ir  4mbesli€hen 

461,  82  kristen  glauben  künden  und  krütes  ammet 

506,  7     noch  bdzzer  in  mfnem  muote 
508,  14  dd  muesten  auch  mdrgariien. 

976,  24  ist  dd  bV  da  enzwischen  ein  wüdiu  heide  (Priest.  Job.) 

977,  30  sint  diu  öugen  und  n^ment  zomes  stimme 

978,  36  ab  den  borgen  ein  ränse 

540,  53  ir  bilde  ergozzen  wie  si  sölden  gebiXren 

507,  11  mit  bilden  sam*z  ie  mitten  geschehende  waere 
468,  103  ms  wd'ren  die  pörten  gehöret 

450,  48  die  zugen  d^bent  und  morgen 

508,  16  dir  ze  lobe  gote  gäben  fHirr  Agen;  und  auch 
976,  24  dem  selben  lande  lit  und  ddm  paradfse,  was  sich 

zu  Hugo*s  Sdlamon  vergleicht. 

Bei  Boner    7,  10  vor  dem  richter  und  sprdch  also  (idö) 

19,  37  noch  b4zzer  ist  d4rs  behalten  kan 

^)  Er  nahm  den  Yersban  mit  zweisilbigen  Senkungen  allerdings  als  ein 
besonderes  Kennzeichen  jener  md.  Poesie  in  Ansprach  (p.  25). 


60,  2    tmder  vHundeti  aU  üh  tu  9ag.  — 
53,  11  wer  ir  ges/ndes  ze  mdrgte  kam 
47,  73  v(m  dm  Ueren  vsr^zz&n  gar 
47,  107  d6  ri  daz  grSze  wtinder  gesä'n 
57,  101  mit  boesen  wfhen  d&r  Mrze  stdt 
70,  41  weüe  die  achdllen  daz  dirnkt  mich  gttot 
76,  16  wer  im  begegnet  der  wärt  gewar 
26,  83  wer  flnder  zwein  böeeen  nemen  eol 
68,  50  Uegens,  tr^egena  si  nte  verdrSz 
32,  24  uneer  vordem  häntz  ötiek  gstdn 
25,  33  dS  Jupiter  dSn  geechrei  vernan. 
Teichnef  LS.  52,  26  und  trdii  ze  Aseh  %md  trinken  her 
53,  74  ttnd  wolt  emäichena  \md  Uegene  vam 
53,  d9  m^g  gesm^eken  als  ander  zit 
53,  147  dem  wör  ewigen  otn  Mel  phUckt 
56,  65  nu  vint  man  laider  eilten  ain  niinnen 

56,  101  aber  e^tzen  ain  ander  bot 

57,  52  daz  die  annen  /rieten  und  frzen 

58,  36  dar  umb  »traf  in  zwischen  üch  bdiden 
58,  35  ob  din  bruder  ist  4nbeschaiden 

67,  121  und  fuerten  in  'Af  ine  ienier  Üben 

68,  3    das  ob  allen  dingen  ist  ewar 

68,  59  blumen  brachen  und  suUen  buwen 

68,  63  das  Mmelrieh  in  wilden  uf  strdszen 

69,  3     der  ain  rdemer  ist  gutter  wib 

Hätzl.  II,  28,  74  zu  der  hirchen  und  von  dem  ehor,  — 
So  ist  diese  Kategorie  sehr  zahlreich  vertreten,  spärlich  dagegen 
jene,  wo  andh  die  Einfachheit  der  Gons^nanz  zwischen  deQ>  beiden 
Silben  in  der  Senkung  aufgehoben  ist: 

64|  5    so  ye  nacher  dem  himelrieh 
68,  14  wie  doch  mdnger  ged^hekt  und  sprichst  — 
und  einen  Fall,  wo  zwei  einsilbige  Wörter  in  der  Senkung  stehen, 
habe  ich  in  sdnön  GFediohten  bei  Lassberg  und  in  der  Hätzl.  nicht 
getroffen. 

Suchen wirt  7,  114  der  chwnig  raxih  sein  prdder  (üs6(:vro) 
21f  89    die  ist  gevdUen  ein  stiegen  ab 
23«  7       dar  4nder  ein  pninne  der  waz  ehalt 
24,  102  der  dnger  in  liechter  varbe  schaw 
32,  4      vnden  iffen  und  oben  hol 


OOXXKl 

-— Jf.l-      --     ^ 

36,  39    Ufer  da  gotM  mdrt^  wnirt        , 

36,  86     mit  willen  imd  w4richen  paide 

37,  71     an  einander  wueeten  ale6  (ifro) 
41,  1449  eein  mdrter  und  die  sein  leiden 
41,  423  di  menig  der  4ngel  in  gitee  chraft 
41,  958  er  vater  und  muoter  an  dller  etat. 

38,  377  Allexdnder  wie  g4m  ich  woU 

41,  503  di  minest  under  den  företinn  {:  ainn). 
Bei  linder  den  41,  1146;  tzwiechen  den  18t  87;  tzwüchen  die 
18,  311;  Uezzen  die  37,  15  %  welche  Koberstein  (qoaest,  U,  4)  anr 
führt,  könnte  auch  schwebende  Betonung  angenommen  werden. 
22,  206  eunder  eldffen  mit  r4d  vertriben 
37,  28     auf  aekcher  w4rffen  den  edmen 
37,  13     die  fursten  die  hdben  tzuwereicht  (oder  Ut  etwa 

die  zu  streichen?) 
37,  51     wir  w^Uen  daz  Üben  frischleich  wagen 
46,  133  wann  ich  auf  guoten  gedthge  paw. — Aber  Verse  wie 
37,  15     Uezzen  die  st^t  an  einander  nichti 
30,  31     n  chitnd  auch  nteman  derw^chen  (wohl  niemm  zu 
schreiben)  sind  auch  hier  so  selten,  dass  die  Ueberlieferung  immer 
erst  genau  zu  prüfen  ist,  bevor  sie  acceptiert  werden.     Suchenwirt 
leitet  auf  Mo nt fort  über. 

In  den  unechten  Credichten  Nr.  39  und  40 
39,  52     die  sie  da  hdtten  on  linderecheit 

sie  wer  erdrvnchen  in  mdris  unden 
und  geschach  daz  sicher  on  aus  belangen 
den,  die  nit  wilten  an  bitten  Bei 
0  wtrdger  apöstel  sani  Jacob 
hast  du  den  allen  vergaben  ir  sunde 
39,  105  0  werde  müter  der  cristenheit 

sie  sol  uns  oristen  bh4ten  vor  Uyd 
und  durch  din  m'äter  die  r^ne  meyt 
und  nit  zurstdren  das  wir  dir  legt 

0  9)Qa)l>tis  tamea  exexnplis  non  adnameranda  sant ;  gsvangen  von  20, 
25;  enpfängm  für  13,  200;  «npfiengen  ndeh  25,  146;  singen  dd  11,  40; 
gierigen  zuo  (quae  genuina  lectio  esse  Tidetur  pro  singen  it*o)  45,  31;  ge- 
wünnen  von  18,  239,  quam  bis  onmibns  locls  syUabam  -en  prorsas  abiici 
liceat^.  Kob«  qaest.  II,  4.  Naeb  nn  and  ng  alio  konnte  mCIglkber  Weise  -en 
ancb  apokopi^rt  werden. 


39, 

76 

39, 

48 

40. 

31 

40, 

75 

39, 

98 

39, 

10 

39, 

26 

40, 

59 

39, 

65 

ooxxxn 

39,  70    de9  las  mich  gnüenfen  herr  JMsu  Orist 

39,  112  Mlff  doB  wir  yt  werden  verUm 

39,  129  das  wir  yeht  werden  der  Mlle  gebom 

40,  13    und  hat  gewdaszen  ndt  dnderscheit 
39,  128  ach  werde  fr&cht  der  barmh^tzigheit 

39,  104  das  hÜ  ich  dich  d4rch  din  gotlich  mywn^  wo  also 
zwei  einsilbige  Wörter  in  der  Senkung  stehen,  deren  keines  ein  «, 
beide  aber  den  gleichen  Vocal  haben,  was  das  rasche  Hinweggehen 
erleichtert  wie  in  Hngo*s  /ör  war  ich  dir  sag  (p.  227) 
In  der  Hat  zierin  11,  288  dem  gea^len  ain  ealig  stmd 

23,  29     ires  hSrtzen  ain  tdbemackel 

29,  87     mit  ringen^  Hchten  tmd  cldffen 

15,  73,  77  mit  weissen  armen  umbfdngen  und  oft. 

14,  37     ich  Wächter  verhund  mm  aber  dir 

15,  12  sy  beschr^yen  mich  /tir  ain  dieb 
15,  19  guot  Wächter  mit  heller  stymme 
116,  37  mein  otogen  mochten  nit  wäinen 

127,  120(Mnscatplaot)  in  meinem  hSrtzen  verschUssen. 
Im  Dyocletian  des  Hans  von  Bühel  (ed.  Keller) 
19  des  wart  der  h4yser  in  hSrtzen  fro 
379  so  mochtent  ir  w6l  von  gottes  gnaden 
540  das  besser  ist,  das  wir  sterben 
1078  über  die  hränchen  und  über  die  armen 
3082  generen  sicher  on  äUe  dol  — 

7  eins  römschen  künges  töchter  sy  was 
46  das  wdlUnt  durch  göt  mir  fahren  lan 
203  ich  wil  den  hnaben  Uren  das  bdste 
332  und  süessent  sy  'Ander  die  stallen  gar 
540  denn  das  wir  lässent  den  hnäben  verderben 
3058  min  liebes  hint  wir  wollent  dich  bitten  eta,  und  auch 
28  die  schöne  fr6w  als  der  morgen  stern. 
Beim  Mönch  von  Salzburg 

EX.  555,  3     dy  Uczten  salben  am,  linss  nicht  spar 
592,  5     daz  der  sunnen  ist  nähentbare 
Ampf.  p.  31,  31  der  mich  läider  oft  hat  petrogen  (von  Stayn- 
berger,  oder  war  dieser  nur  der  Schreiber?) 
10,  6    der  hirtten  schSpfer  von  höcher  art 
19,  2    was  dy  müeter  geb^nedictet 
KL.  567,  3    und  unser  fleisch  dem  selben  verhiang 


ocxxxm 

578»  2  Uebe  mietet  vim  'äne  nicht  weiche 

583,  8  noch  4nder  dem  hymmel  g{e)leicht  sich  dir 

584,  7  erpdwen  wart  nye  hain  eal  so  sch,on 
592,  2  got  den  Ersten  der  hSylig  aphd 
592,  4  daz  in  vSsferzeit  An  luceme 

592,  8     das  wir  selig  den  Salden  dein 
Bei  Laufenberg  sind  sie  schon  wieder  sehr  selten  geworden 
776,  6,  10  für  alle  wv/nder  ist  wunder  daz 
n^f  6,  12  uns  armen  sSndem  erhdrmd  und  müt 
776,  8,  8     und  wahsest  frow  ie  nuwer  und  nuwer  und 

noch  ein  paar  ähnliche  Fälle. 
740,  14        all  enget  pr^en  din  l6b  so  schon 
740,  35        und  JhSsu  dem  zarten  kindlein  dein  — 
Bei  Sachsenheim   sind   sie  dem   gänzlichen  Verschwinden 
nahe:   , wirkliche   Doppelsenkungen*),   die   nicht   durch  Synkopen 
sich  beseitigen  Hessen*  —  sagt  Martin   (Ausg.   p.   38)  —  „sind 
muoter  der  129,  October^   November  417.*     Dazu  können  noch 
ein  paar  Fälle  ergänzt  werden: 

Jesus     148     sant  Bdrbera  jii/nßfrow  raine  magt 

75     lemete  m^er  auf  dinem  schmderstuol 
107     unnd  vil  der  hdimlichen  büocher  lasz 
Moerin  3426  ars  mSmorat^a  haist  ain  hunst 
4611  aglaster  mag  ir  sprangen  nit  lön 
Sleigert.  250, 14  vil  tdesser  dan  hönig  seyn 

Moer.  1386  das  Sdlomon  /n  der  alten  ee  (also  derselbe 
Eigenname  in  der  zweisilbigen  Senkung  wie  bei  Hugo  15,  64). 
Sehr  bezeichnend  ist  noch  Moer.  4499  den  lAczifer  {n  der  kröne 
truog^  wo  die  Hs.  A,  um  die  Verschleifnng  zu  erleichtern,  haczefer 
schrieb. 

Mit  dem  Durchdringen  der  ausschliesslichen  Silbenzählung 
werden  auch  die  zweisilbigen  Senkungen  ganz  beseitigt,  und  nur 
im  Volksliede  leben  sie  auch  späterhin  noch  uneingeschränkt  fort. 
Es  wird  aus  diesen  Nachweisen  evident  geworden  sein,  dass 
Hugo's  zweisilbige  Senkungen  nicht  Fehler  sind,  sondern  in  die  Metrik 
seiner  Zeit  gehören,  die  man,  mit  ein  paar  rühmlichen  Ausnahmen, 
regelmässig  verkannt,  weil  man  sie  eben  niemals  in  weiterem  Um- 


*)  „Doppelsenkongen^  wollen  wir  Toisichtahalbei  nicht  lagen,    sondern 
^zweisilbige  Senkungen^,  Tgl.  oben  p.  228. 


ocxxxw 

fange  natersnoht ;  hat.  Aach  die  allgemeiiie  EDtwic^lung  dieser 
zweiailbjgen  Senkungen  wird  siob  erkenn^  lassen.  Sie  sind  bereits 
vor  der  mbd.  Zeit  zn  finden;  den  von  Amelong  bebuidelten  Ge- 
dichten kann  noch  manches  andere  an  die  Seite  gestellt  werden 
z.  B.  die  Litanei,  bei  welcher  Roediger  (Zs,  f.  d.  A.  19,  288  ff.) 
durch  Syn-  und  Apokopen  einen  Rhythmus  zu  Stande  zn  bringen 
suchte^  aUdn  die  fuhren  oft  zu  schrecklichen  Härten,  sind  gegen 
die  Ueb  er  lieferung  und  vermögen  doch  nicht,  «alle  Verse  auf 
das  richtige  Mass*  zn  bringen;  ein  gzemt  (g  ^=  gi  ^=  g^)  218i  14; 
gh^t  227,41;  232, 15;  vr^n&tf  216,  20,  vrschiesen  438;  vrddmpnen 
446  etc.  ist  ohne  hsl.  Gewähr  doch  nicht  zu  wagen.  Besser  wird 
man  die  Verse  mit  zweisilbigen  Senkungen  lesen,  wobei  auch  die 
Hauptsache,  die  Ueberlieferung,  gerettet  wird.  Also  z.  B. 
216»  20  dctz  8i  von  dem  hdrzefti  vertrihe  algar 
221,  29  wA  habe  tmr  einen  bSzzem  gidzngen 

231,  7     unt  truoch  dar  tinder  verholne 

232,  15  'dnaer  gihdt  erhöre 

233,  4     daz  wir  nieht  wSrden  verawölhen 
438         daz  m  daz  leben  S  wölten  verchüsen 
446         do  ei  nUt  luge  wölten  verddmpnen  oder 

218,  14  ze  eprechin  dei  uta/rt  dA  dir  gezSment  etc.  Alle 
dort  vorkommendeii  Fälle  sind  nicht  so  schwer  und  lassen  sich 
viel  leichter  in  der  angedeuteten  Weise  lesen  als  die  bei  Amelung. 

Die  nach  feiner  Begrenzung  strebenden  strengeren  Dichter  der 
höfischen  Zeit  legten  sie  ab,  aber  kaum  in  jener  Allgemeinheit, 
welche  die  normalisierten  Texte  zeigen;  nur  in  ganz  bestinunten 
Fällep  waren  auch  bei  ihnen  zweisilbige  verschleifbare  Senkungen 
gestattet  (s.  oben  p.  219  f,).  Diese  Licenz  dehnten  ih^e  Nach*- 
folger  zu  den  oben  behandelten  unechten  zweisilbigen  Senk,  aus,  wie 
de,  ihrem  geringeren  Können  entsprechend,  auch  andere  metiisohe 
Regeln  ^vergröberten^  und  zwar  gebrauchen  sie  besonders  diejenigei;^ 
von  ihnen  häufiger,  welche  auch  sonst  der  Volkspoesie  näher  ste^ 
hen^).  Nachdem  ersten  Viertel  des  15»  Jahrhunderts  heginnen  sie 
wieder  abzunehmen;  aJber  nicht  deswegen,  weil  man  nun  zur  kuost* 


^)  AehnUche  zweisilbige  Senknng  begeguen  auch  im  EogUschen  des  1^ 

and  15.  Jlids.  bei  Tolkstümlichen  Dichtern ;  vgl.  z.  B.  Thomas  of  Erceldonne  : 

ivyll  of  m4^  selbst  wörthe  of  this  nörthe  (s.  Brandl  in  seiner  Ausgabe  p.  45y; 

dazu  hSvei^  W«  ihöu  88^  tindKr  hir  hHte  72,,  wUrp  fo  6^  29^  poman  and 

p/äye  270. 


(XSSSXY 

ToUeriD  Weise  des  Mhd.  zorüokkehrtai  soodera  aar,  weil  eine  neae 
Aomrtang  alle  ftodem  überwuohert»  indem  nun  auch  die  Wortbe- 
tonung aufgegeben  und  jede  Silbe,  sei  sie  kurz  oder  lang,  Bedeu- 
ioogs-  oder  Flexionsailbe,  hebungsfahig  wurde.  Damit  verschwand 
«och  die  Not,  zwei  unbetonte  Silben  zwischen  zwei  betonten  Be- 
deutungssilbeuy  welche  früher  die  Hebungen  zu  tragen  hatten,  in 
lue  Senkung  zu  drängen,  da  nun  auch  die  zweite  der  unbetonten 
die  Hebung  und  die  letzte  betonte  die  Senkung  tragen  konnte; 
z.  B.  fmShechm  verwmft  wurde  zu  mischen  Vernunft. 

In  den  Literaturgeschichten  ist  nicht  selten  die  Rede  von 
«Beimprosa*,  und  dabei  handelt  es  sich,  was  noch  besonders  her- 
Torzuheben,  meist  um  volkstümliche  Dichtungen.  Man  versuche 
daran  die  Regel  von  den  zweisilbigen  Senkungen  und  dem  mehr- 
silbigen Auftact,  und  manche  davon  wird  lesbar  werden ;  selbst  bei 
^em  so  ungestalten  Metriker  wie  Vintler  wird  man  zum  grössern 
Teile  damit  auskommen,  an  manchen  Stellen  wird  der  Ueberlieferung 
nachzuhelfen  sein.  —  Bartsch  hat  bei  Strickers  Versen 

wiirfen  die  schilte  zen  ruchen 
und  huoben  sich  über  die  brücken  Karl    1499 
kunstmassige  Verwendung  der   zweisilbigen  Senkung  zu  erkennen 
geglaubt;   das  ist   wohl  leicht  möglich,   und   ein  Vers   aus  Hugo 
(im  eifervollen  Hilfrufe) 

nu  Mlf  uns  göt  des  bedürfen  wir  w6U  !29,  177 
könnte  gleichfalls  angezogen  werden.  Aber  ich  habe  doch  starke 
Zweifel  daran;  denn  in  diesem  Falle  würden  sich  auch  hier,  wie 
oben  (p.  217)  bei  der  fehlenden  Senkung,  bestimmte  Kategorien 
herausstellen  lassen;  ich  versuchte  es  bei  den  meisten  Dichtem, 
welche  zweisilbige  Senkungen  gebrauchen,  aber  ohne  Resultat  und 
komme  über  die  Annahme  einer  poetischen  Licenz,  wie  es  das 
ihnen  gegenüberstehende  Fehlen  der  Senkung  oder  die  alte  Ver- 
Schleifung  gewesen,  nicht  hinaus. 

Wer  meiner  bisherigen  Darstellung  gefolgt  ist,  wird  es  be- 
gründet find^,  dass  ich  erst  jetzt  über  Hugo's  Betonungsweise  im 
besondern  handle.  Die  Betonung  eines  und  desselben  Verses  kann  bei 
zwei  Dichtern  (bei  Hugo  und  Braut  z.  B.)  sehr  verschieden  sein: 
sie  ist   nicht  aus  sich  selbst  wie   etwa  der  Auftaot,   sondern   aus 


CCXXXVI 

den  andern  metrischen  Gesetzen,  welche  vorher  festgestellt  sein 
müssen»  zn  beurteilen.  Hago*s  Yers  6,  3  z.  B.  wnrde  so  gelesen : 
aU^  zwif^  ist  mir  tmktint  nnd  28,  547  dem  entsprechend:  die 
lydochstab^  lohUch  erhaben.  Wann  ist  nun  diese  Betonnng  rich- 
tig? Die  Antwort  kann  nicht  zweifelhaft  sein:  wenn  Hugo  bloss  Bilr 
benzählt.  —  Und  wann  tut  er  das?  Wenn  er  so  betont.  Das  ist 
der  verborgene  Girkel,  in  dem  man  sich  gewöhnlich  herumtreibt; 
und  den  einzigen  Ausweg  sucht  man  nur  in  der  Beobachtung,  ob 
der  correspondierende  Vers  die  gleiche  Anzahl  der  Silben  hat.  Bei 
6,  3;  28,  547  wäre  das  der  Fall,  und  die  zweimal  versetzte  Be- 
tonung stünde  demnach  ausser  Zweifel.  Allein  dieses  Kriterium 
ist  nur  aus  Missverständnis  gebildet  worden  und  hat  in  den  meisten 
Fällen  nicht  die  geringste  Beweiskraft.  Es  ist  bekannt,  wie  die  Dich- 
ter des  14.  Jahrhunders  vom  Silbenzählen  sprechen  (s.  p.  192).  Das 
deutete  man  nun  dahin,  dass  es  ihr  Gesetz  gewesen  sei,  den  corre- 
spondierenden  Versen  die  gleiche  Silbenzahl  zuzuteilen,  wie  es  die 
Meistersanger  des  16.  Jahrhunderts,  welche  besonders  die  Ent- 
stehung dieser  Ansicht  veranlasst,  wirklich  getan  haben.  Allein 
es  wurde  schon  oben  (p.  193)  darauf  hingewiesen,  welch  grosser 
Unterschied  zwischen  den  beiden  Arten  der  Silbenzähler  bestehe. 
Die  Dichter  des  14.  Jahrhunderts  fassen  « Silbenzählen*  in  einem 
ganz  andern  Sinne,  das  beweisen  ihre  metrischen  Gesetze  und  nicht 
weniger  ihre  eigenen  Mitteilungen,  besonders  die  ausführlichen  von 
Hesler  und  Jeroschin  (vgl.  Bartsch,  Germ.  I,  194  ff.).  Daraus  er- 
gibt sich,  dass  sie  stets  nur  von  der  Silbenzahl  des  Verses  über« 
haupt  sprechen:  der  richtig  gebaute  Vers  kann  6  bis  8,  9  und 
ausnahmsweise  auch  10  (Hesler)  Silben^)  haben.  Das  ist  allgemein  zu 
verstehen:  ^es  dürfen  neben  allzulangen  nicht  allzukurze  Verse  in 
einem  Gedichte  vorkommen,  ausserhalb  der  von  dem  Dichter  gesteck- 
ten Grenzen*  (s. Bartsch  199).  Aber  es  findet  sich  keine  Andeutung 
davon,  dass  je  zwei  mit  einander  reimende  Verse  auch 
gleiche  Silbenzahl  haben  müssen,  und  eine  solche  müsste 
vorhanden  sein,  wenn  sie  Vorschrift  der  Dichter  gewesen  wäre,  da 
darin  eben  das  Hauptmerkmal  ihrer  Versmessung  läge :  wie  scharf 
betonen  doch  beide  z.  B.  die  notwendige  Gleichheit  der  Reime! 
Mit  ihren  Auseinandersetzungen  stimmt  auch  ihr  praktisches 


^)  Das  gilt  fOr  Tierhebige  Yvn^^  bei   andern  ist  die  Regel   dem  ent< 
sjorechend  umzusetzen. 


ccxxxvn 

VerfiEihren:  der  eine  Vers  hat  nicht  selten  einsilbigen  oder  auch 
zweisilbigen  Auftact,  der  andere  keinen;  dem  einen  fehlt  die  Sen- 
kung, die  im  andern  vorhanden  ist  n.  dgl.  m.  —  Dass  nun  die  corre-* 
spendierenden  Verse  dennoch  sehr  häufig  die  gleiche  Silbenzahl 
haben,  hängt  nicht  damit  zusammen,  sondern  erklärt  sich  aus  dem 
Streben,  die  Senkungen,  wo  es  angieng,  regelmässig  zu  setzen;  aber 
es  war  kein  Verstoss  gegen  ihre  Metrik  wie  bei  den  Silbenzählern 
des  16.  Jahrhunderts,  wenn  es  nicht  geschah:  die  Gleichheit  der 
Silbeuzahl  war  eben  nicht  Gesetz,  und  das  müsste  sie  gewesen 
sein,  wenn  sie  das  Kriterium  bilden  sollte  für  die  Betonungsweise, 
welche  die  ganze  spätere  von  der  früheren  Versmessung  unter- 
scheidet. 

Wenn  also  die  oben  angeführten  Verse  Hugo*s  6,  3;  28,  547 
aus  ebenso  viel  Silben  bestehen  wie  die  mitreimenden  6,  1  und 
28,  545,  so  ist  dadurch  nicht  im  mindesten  bewiesen,  dass  sie  so 
zu  betonen  sind,  wie  sie  es  wurden,  d.  h.  dass  Hugo  Silbenzähler 
in  der  Art  Brants  gewesen  sei.  Daher  musste  die  Untersuchung 
der  andern  metrischen  Gesetze  vorausgehen,  welche  auch  in  diesem 
Punkte  entscheiden  und  keinen  Zweifel  darüber  lassen,  dass  jene 
Verse  nicht  so  zu  betonen  seien.  Um  die  Voraussetzungen  zu  ge- 
winnen, welche  eingetroffen  sein  müssen,  damit  ein  Dichter  zu  den 
eigentlichen  Silbenzählern  gerechnet  werden  darf,  brauche  ich  hier 
nur  die  oben  gewonnenen  Detailresultate  zu  subsumieren.  Es  muss 

1)  Die  nhd.  Längung  der  betonten  mhd.  kurzen  Stammsilben 
vollständig  durchgedrungen  sein  und  die  Verschleifung  auf  der  Hebung 
aufgehört  haben.  So  lange  das  nicht  der  Fall  ist,  können  zwei  Verse 
mit  gleichviel  Hebungen  und  Senkungen  doch  ungleich  viel  Silben 
haben,  wenn  in  dem  einen  zwei  Silben  zu  verschleifen  sind  (s.  p. 
198).  Diesen  Punkt  hat  schon  Koberstein  LG.^  283  betont. 

2)  Muss  der  Auftact  streng  geregelt,  entweder  überall  vor- 
handen oder  überall  entfernt  sein,  sonst  können  nicht  alle  Verse 
gleichviel  Silben  haben.  Braut  z.  B.  hat  durchweg  Auftact:  er 
ist  eben  eigentlicher  Silbenzähler  (s.  p.  204). 

3)  Der  mehrsilbige  Auftact  muss  aufgehört  haben,  das  braucht 
keine  weitere  Erläuterung  mehr  (s.  p.  211  f.). 

4)  Die  Senkung  darf  nicht  mehr  fehlen,  und  insbesonders 
darf  das  Fehlen  derselben  nicht  als  technisches  Motiv  verwendet 
werden,  wie  ich  oben  (p.  217  ff)  bei  Hugo  und  andern  nachge- 
wiesen habe;    denn   das  allein  schon  ist  der  schlagendste  Beweis, 


ocxxxvin 

dass  ein  solcher  Dichter  noch  misst  und  sogar  di«  Paasen  knisst,' 
welche  in  küQstreohter  Rede  entstehen,  während  iet  andere  mir 
starres  mechanisches  Zählen  handhabt. 

5)  Ebenso  wenig  darf  die  Senkung  zweisilbig  sein,  sonst  wür- 
den sich  immer  wieder  Verse  finden,  welche  gegen  die  gesetzHbhe 
Zahl  verstiessen  (s.  p.  234  f.). 

Das  sind  die  Probiersteine  für  diese  spätem  Dichter.  Wo 
diese  Bedingungen  erfüllt  sind,  erscheint  ununterbrochener  Wechsel 
zwischen  einsilbiger  Hebung  und  Senkung,  erhält  man  erat  da« 
Recht,  von  Jamben  und  Trochäen  zu  sprechen. 

Ich  kann  nun  kurz  sein.  Ist  vorerst  nachgewiesen,  dass  Hag(> 
zweisilbige  Senkungen  gebraucht,  dann  ist  6,  3  nur  so  zu  betooeli: 
dller  zwifel  ist  mfr  unhdnt^  ebenso  wie  28,  547  nur:  diebuoch- 
stdben  lohUch  erhaben^  wenn  festgesetzt  ist,  dass  die  mhd.  Ver« 
Schleifung  noch  fortlebt  und  die  Senkung  fehlen  kann.  Damit  eit^ 
ledigen  sich  auch  alle  andern  Verse,  welche  zu  unrichtiger  Be* 
tonung  verführen  könnten  oder  wirklich  verfährt  haben;  also  33» 
150  der  gerechten  mit  gndden  wdlten  nicht  gSrecJU^^  wie  man 
gelesen  hat;  5,  259  nicht  gastlich  gSricht  iind  welü/ch;  iaoA 
viel  weniger  ^s  tueg{  wol  öder  wi  18,  28,  ja  vielleicht  auch  nioM 
einmal  /cA  hört  süese  homdon  28,  60  etc. 

Dass  bei  Hugo  und  seinen  Zeitgenossen  a«ch  einzelne  Fälle 
von  ungenauer  Betonung  begegnen,  hat  nichts  auffallendes,  da  das 
schon  bei  allen  altern  Dichtern,  selbst  den  formgewandtesten,  mehr 
oder  weniger  nachgewiesen  werden  kann. 

Am  Öftesten  ist  versetzte  Betonung  im  Anfange  des  Verses 
(schwebende  Betonung):  din^  14,  26;  wachtdr  10,  25;  11,  7,  31; 
prieatSr  15,  110;  HeUn  24,  21,  Hectör  25,  David  29,  Bamr 
sön  41;  guot^  25,  108;  well^  27,  100;  soltM  28,  86;  mö- 
acMng  31,  98;  unsA-  31,  184,  33,  7;  jung^  88,  10;  prinn^t 
38,  70  u.  a.  Oft  kann  man  zwischen  schwebender  Betonung  und 
zweisilbiger  Senkung  zweifeln:  schriber  und  4,  29;  bürger  tind 
5,  321;  mben  und  18,  118;  jamer  und  27,  128;  oren  und 
28,  114;  seien  wnä  29,  71 ;  vatter  und  29,  105  (auch  vater)\  lieber 
gesdl  29,  9  (auch  lüber  ge^ll);  sunder  mit  3,  63;  Wächter  ieh 
37,  17  etc.  Zamcke  liest  im  Titurel  505,  2  i^zen  noch  Amen^  nicht 
üz^ ;  dasselbe  wird  auch  bei  Hugo  vorzuziehen  sein. 

Solche  schwebende  Betonungen  begegnen  bei  den  besten  M« 
Aschen  Dichtem,  bei  Walther  z.  B.:  WidiMr  51,  2;  heitM  51, 


CCXXXIX 

148;  nngdt  81,  9;  zwisch^  94,  2  u.  a.  (Wilmanns  p.  46).  Bei 
Htigo*8  Zeitgenossen  sind  sie  so  hftafig,  dass  loh  keine  Beispiele 
anJEsozählen  brauche.  Schwere  ist  der  überladene  erste  Fass  in  5, 
233  ir  soVtent  (vereinzelt  in  einer  Rede) ;  vgl.  aber  Lachmann  zu 
Iwein  309,  zur  Klage  1895,  1653,  2145  und  Zarncke,  Nib.  p.  57, 
wo  analoge  Fälle  angeführt  werden,  welche  nicht  leichter  sind. 

üeber  die  Betonung  der  etu/ffe  4,  178 ;  clegUche  25,  50  etc. 
Tgl.  Hanpt  zu  Engelh.  2647.  Bei  eins  züchHffen  3,  51 ;  in  göttr 
Ueher  4,  141 ;  mit  hoptaiindm  24,  33  und  fthnüohen  ist  zwei&che 
Lesung  möglich. 

Ausserdem  begegnet  ungeaaifte  Betonung  sowohl  im  Anfang  als 
im  Innern  des  Verses,  doch  meist  nur  in  spondftischen  Zusammen- 
Setzungen,  wo  sie  auch  am  wenigsten  anstössig  ist:  flussrüh  28,  5 ; 
unmwt  27,  172;  tmr^cM4,  165;  imttjudrt  18,  23,  40;  ellSndm 
{:  senden  15,  1A3  :  p/enden)  21  j  178;  \ochf4rüg  imd  v/tüounsch 
25,  29;  vgl.  auch  29,  99;  tmehsdl  28,  271;  mcunMit  33,  61; 
junkfr6w  38,  47 ;  potsehdft  28,  260  eta  Auch  solche  Fälle  sind 
bei  altem  Dichtern  häufig,  bei  Walther  z.  B. :  hSehv^tM  88,  94 ; 
wolv&h  88,  105;  emAnge  89,  5;  ba^rmunge  89,  164t  ellSnde  45,  5 
(vgl.  Wilmanns  p.  46,  Lachmann  zu  Iw.  1918  und  Zarncke,  Nib. 
p.  55);  ankuurt  aucb  Konrad  (BEaupt  zu  Engelh.   716)   eto.  — 

Vorsilben  werden  betont:  ge^  in  g^oii  5,  193;  giwaüJt  32, 
124;  5,  264  (vgl.  Anm.  -zur  St.);  gitan  31,  180;  g4dMU  28,  312 ; 
gihjort  29,  74.  he-  in  hiwwtl  13,  51.  ver-  in  verstand  80,  97; 
vir  dient  29,  166.  ent~  m  ihtbüt  20,  2.  Auch  das  ist  bd  Dichtem 
des  13.  Jhds.  nachzuweisen :  Lichtenstein  ^reicht  619«  17;  bidörft 
659,  17  etc.;  Stricker  virrdta^re^  virdampmeeey  g4triuUche\ 
Freud.  27,  19  gdwin  u.  a.;  «bei  den  von  ausländischen  Stämmen  ab* 
geleiteten  oder  nach  ihrer  Analogie  gebildeten  Verben  war  die  Be- 
tonung von  ge-  fast  die  gewöhnliche*.  Fremdwörter  and  Namen 
geniessen  überhaupt  und  auch  bei  der  Betonung  grössere  Freiheit 
(Lachmann  zu  Iw.  137):/^w*  28,  511,  572;  KtvripjUs  (erste  He- 
bung) magnue  15,  76;  Btirk  Mangölt  (:woU)  31,  163.  Selbst  ein 
Meister  der  Technik  wie  Konrad  gestattete  coch  einen  Vem  wie  trir 
ein  PHer  ^d  Paulis  (Haupt  zu  Engelh.  444). 

ESne  andere  Form  ungenauer  Betonung,  dfe  aber  gleiehfitlls 
schon  bei  mhd.  Dichtern  oft  vorkommt,  ist,  wenn  in  der  Hebung  der 
Artikel,  ein  Pronomen  u.  dgl,  in  der  Senkung  aber  ein  schweres 
Wort  steht:  d^  weit  5,  138;  die  muote  28,  352;  de  tme  25, 


OOXL 

200 ;  /n  er  4,  83 ;  d4r  mocht  1 1, 23 ;  d{e  händ  18, 140  a.  a.  Oefters 
könnte  durch  leichte  Gorrectur  (Beseitigung  einer  Syn-  oder  Apokope) 
eine  bessere  Betonung  erzielt  werden,  z.  B.  1,  37  es  wSre^  40  du 
v6lge  etc. 

Auch  der  Tiefton  einer  Ableitungssilbe  wird^  noch  beachtet 
und  kann  die  Hebung  tragen  (Gesetz  der  absteigenden  Betonung), 
das  beweisen  Reime  wie  sv/nd^  (:  du  gebSr)  27,  166;  tichtSr 
(:  Bwer)  27,  233  u.  a.,  vgl.  unter  Reime  p.  244.  Aehnlich  wird 
in  ein  paar  vereinzelten  Fällen  auch  die  Biegnngssilbe  gebraucht: 
mMscMn  verdarben  4,  15;  gnädin  heschfn  5,  379  t  also  wenn 
die  vorausgehende  Silbe,  die  gleichfalls  eine  Hebung  trägt,  lang  ist 
und  die  folgende  Senkung  ein  unbetontes  e  hat  ^).  Daher  kann 
auch  4,  142  drg4r  geddnkh;  14,  33  s/nnen  und  guotSm  geddfJo 
gelesen  werden;  5,  162  ist  wahrscheinlich  leidigen  wnde;  25,  161 
schirmet  wüwen  und  weisen;  28,  501  die  alm^chtkeit  göt  zu 
schreiben;  anders  ist  es  4,  72;  wo  zehen  kurze  Stammsilbe  hat,  doch 
könnte  es  vielleicht  auf  der  Hebung  verschleift  werden,  so  dass  wa 
Hebung  und  Senkung  trägt,  vgl.  A.  z.  St.  Allein  auch  wenn  die  letztem 
Verse  mit  versetzter  Betonung  zu  lesen,  so  sind  es  doch  nur  ver- 
einzelte Ausnahmen,  welche  gleichfalls  bei  Dichtern  des  13.  Jahr- 
hunderts ihre  Analogien  finden;  vgl.  z.  B.  Lichtenstein,  Herrand 
(Kummer  p   50  ff.),  Flore  (Sommer  zu  572,  1466)  u.  a. 

Seiner  Betonung  nach  könnte  Hugo  um  ein  Jahrhundert  früher 
gedichtet  haben;  Hadlaub  z.  B.  oder  Boner  erlauben  sich  viel  mehr 
Unregelmässigkeiten:  es  ergeben  sich  auch  in  diesem  Punkte  ähn- 
liche Kreuzungen  wie  bei  der  nhd.  Dehnung  und  bei  den  überhe- 
bigen klingenden  Versen  (p.  196 — 201).  Im  allgemeinen  aber 
halten  auch  seine  Zeitgenossen  den  mhd.  Standpunkt  fest.  Schneller 
geht  der  Verfall  der  Betonung  erst  wieder  nach  den  ersten  De- 
cennien  des  15.  Jahrhunderts,  also  bei  jenen  Dichtern,  von  wel- 
chen wir  oben  sahen,  dass  sie  auch  in  den  andern  charakteristischen 
Merkmalen  sich  den  Silbenzählern  nähern,  bei  Sachsenheim  z.  B. 
werden  Betonungen  wie  dort  priest^r  Johdn ;  trdmmetSr  (:  m^),  die 
herdöt  und  Meng;  frdmm  echnb^rimir  etc.  viel  häufiger  als  es 
blossen  Ausnahmen  geziemt.  In  demselben  Masse,  in  welchem  die 
Freiheit  des  Anftacts,  die  Verscheifung  in  Beim  und  Vers,  die  feh- 
lenden Senkungen  eta  abnehmen,  nimmt  der  silbenzählende  gegen- 


*)  Solche  Falle  sind  besonders  bei  Boner  hänfig. 


CCXLI 

über  dem  aaoh  noch  betonenden  Versbau  zu.  Und  das  ist  nur  na- 
türlich; denn  wo  ist  jemals  ein  neaes  Gesetz  entstanden,  das  nicht 
im  Zerfalle  des  alten  seine  Vorbereitung  gehabt  hätte?  —  Die  ent- 
schiedenen Volkslieder  aber  sind  niemals  zur  ausschliesslichen  Sil- 
benzählung gekommen  und  bleiben  auch  später  noch  der  alten 
Betonung  treuer:  ihnen  gebührt  ein  Teil  des  Verdienstes,  das  mau 
auf  Opitz,  den  Reformator  einer  natürlicheren  Betonung  in  der  kunst- 
mässigen  Dichtung,  gehäuft  hat 

4.  Hiätns»  letzte  Senkong. 

Hiatus.  Der  Zusammenstoss  zweier  Vocale  am  Ende  und 
Anfange  zweier  Wörter  wird  unbedenklich  gestattet:  zuo  üch 
18,  198;  dabi  ein  18,  254;  si  an  28,  471;  hie  all  16,  65; 
wolgerätni  6  28,  300.  Solche  Fälle  sind  häufig  und  nicht  auf- 
fallend. —  Beide  Vocale  sind  gleich:  du  was  24,  144;  ephelli 
ich  3,  27;  dabi  ir  5,  21;  17,  19;  bi  im  5,  242;  bi  in 
5,  251;  liebi  ist  18,  53;  dabi  ich  9,  13;  13,  14  u.  a.  — 
Der  Artikel  die  mit  voc.  Anlaut:  die  S  25,  37;  die  ist  16,  4; 
17,  39. 

Davon  zu  sondern  ist  der  Hiatus  im  engem  Sinne,  der  Zu- 
sammenstoss eines  kurzen  e  mit  voc.  Anlaut  (Haupt  zu  Engelh. 
716);  auch  dieser  ist  nicht  selten:  hdge  und  9,  18;  gedenk  ze  dller 
3,  62;  sdch  ze  ünmuot  7,  13;  widerk^e  ist  15,  32;  beide  Voc.  sind 
e:md88  ze  ^saen  14,  31;  ze  Mnaishein  23,  37;  hielte  ia  29, 
157  u.  a.  ~  Konrad  z.  B.  würde  sich  derartige  Verse  nicht  erlaubt 
haben;  allein  zum  Teile  schon  früheren,  namentlich  aber  den  spä- 
tem Dichtern  sind  solche  Feinheiten  abhanden  gekommen. 

Aehnlich  verhält  es  sich  mit  dem  Gebrauche  der  letzten  Sen- 
kung vor  stumpfem  Versschlusse,  wo  strenge  mhd.  Dichter  sich 
grosse  Beschränkungen  auferlegten,  welche  die  spätem  wenig  mehr 
beachten.  Herrand  z.  B.  geht  ,von  allen  metrischen  Regeln  am 
weitesten  in  der  Freiheit  der  letzten  Senkung*  (Kummer  p.  19). 
Und  wenn  man  erst  die  negativen  Instanzen  in  Betracht  zöge,  was 
bei  einem  Beweise  immer  unumgänglich  ist,  und  finden  würde,  dass 
er  etwa  in  der  vorletzten  Senkung,  wo  die  folgende  Hebung  ein 
einsilbiges  Wort  ist,  keine  wesentlich  andere  Constellation  zeigt  als 
in  der  letzten,  so  läge  darin  der  Beweis,  dass  der  Dichter  für  die 
letzte  Senkung  keine  anderen  Regeln  hatte  als  für  die  übrigen. 

Waokernell,  Montfort.  16 


CCXLII 

Das  ist  bei  den  spätern  Dichtem  meistenteils  der  Fall :  es  begeg-* 
nen   dieselben  Kürzungen,    dieselben  Verschleifungen,   Gonsobanten 
etc.     Ich  will  für  Hugo  nur  einige  Beispiele  anführen :  ghaht  hdfn 
4,  83;   ewigs  Uit  5,   202,  222;   ahentz  Icunft  8,  1;   dins  güots 
28,    326;   sinr   hdnd  f),    121;    alls  gdt   26,  11.  —  ein   mdgt 
4,  100;  ung'ükh  st  5,  169;  unglüJc  Mt  24,  81;  wer  tag  10,  1; 
sünd  gdn   13,  23;  got  (Dat.)  schib  15,  31;  denn  guot  32,  11; 
sag  mir  28,  161;    an   zdl  25,    129;   an    n^d'ss   25,  183  u.  a.; 
von  und^  umh  etc.    ganz  abgesehen,  während  strenge  Dichter  sich 
selbst  jene    Kürzungen    versagten,    welche   schon   im   allgemeinen 
Sprachgebrauche   anerkannt    waren   wie  mi7,  für,  an,  im  etc.  — 
Sogar   zweisilbige  Senkungen    begegnen   vor   der   letzten    stampfen 
Hebung:  menschen  vernunst  27,  9,  engel  vernunst  21;  Kinder  ir 
Mt  18,  243;  bedürfen  wir  wöl  29,  177. 

Bei  solchen  Verhältnissen  ist  man  natürlich  nicht  mehr  be-* 
rechtigt,  der  letzten  Senkung  wegen  die  Ueberlieferung  zu  ändern 
und  etwa  bei  sSligen  2,  40;  10,  33;  11,  27;  alm^chtiger  28,  705 
die  Verschleifung  wegzuschaffen,  noch  weniger  2,  48  unt  für  ynd  zu 
schreiben  u.  dgl.  Nur  25,  37  habe  ich  corrigiert,  denn  die  i  ist 
eine  schreckliche  Härte,  die  ich  auch  dem  Moutforter  nicht  zutraue, 
da  sie  leicht  zu  beseitigen  war. 

Nicht  besser  als  Hugo  sind  auch  andere  Dichter  dieser  Zeit, 
Sachsenheim  z.  B.  hat  unglüdo  zuo  M.  274,  imglück  wöl  289,  wn- 
trüw  v6l  752,  junckfrow  zdrt  883,  dann  vü  922,  ain  Sihdnd 
1200,  2472,  denn  vÜ  1954,^  dick  kürcz  2324,  oun  zörn  3178, 
wer  sünd  4156;  Bolensch  hdid2bll,  minrstrduss  2870,  Eckhartz 
wds  3873,  warn  zw4n  4563,  mcmg  stim  4884,  ungetoufft  tür 
5763  etc.  Ich  erspare  mir  die  weiteren  Nachweise,  denn  e^  ist 
schon  ohne  dieselben  glaublich,  dass  diese  Metriker  keinen  Sinn 
hatten  für  ein  solches  Beiwerk  feinster  Durchbildung. 

5.  Reim. 

Die  vocalisch  und  consonantisch  unreinen  Reime,  welche  für 
die  Sprache  eines  Dichters  bekanntlich  lehrreicher  sind  als  die 
reinen,  mussten  schon  in  Abh.  IV  verwertet  werden.  Sie  sind  im 
Durchschnitte  nicht  in  der  Weise  unrein  wie  etwa  jdie  Assonanzen 
der  ahd.  Zeit,  sondern  durch  Hugo's  Aussprache,  welche  für  ihn  wie 
in  dieser  Zeit,  wo  die  Dialekte  stärker  in  die  Schriftsprache  eindrin- 


I 


COXLIII 

gen«  überhaupt  massgebend  war,  erklärt.  Die  io  Folge  dessen  vielftich 
veränderte  Orthographie  trug  gleichfalls  bei,  die  mhd.  Gonsequenz 
and  Sauberkeit  der  Formen  und  Reime  za  zerstören.  Wer  die 
sprachliche  Abhandlang  überblickt,  dem  tritt  im  Vooalismas  wie 
Gonsonantismus  besonders  die  starke  Neigung  zum  Wechsel  homor- 
ganer  Lautverbrodungen,  zu  Assimilationen,  Schwächangen,  Gon- 
tractionen,  zu  vocalisohen  und  oonsonantischen  Apokopen  und 
Synkopen  entgegen.  Die  Erklärung  dafür  liegt  vorzüglich  in  der 
raschen  Aussprache  der  Alemannen.  Schon  Hugo  von  Trimberg 
sagte,  dass  die  r eintüte  ir  rede  verdruckent;  und  mit  Recht  be~ 
tont  Zarncke  (Braut  p.  288),  dass  »der  schwäbisch-schweizerische 
Dialekt  alle  Worte,  fast  wie  die  englische  Sprache,  zusammenge- 
drängt, abgestumpft  und  getrübt  hatte  *'.  Das  gilt  von  den  Vor- 
arlbergern  noch  besonders,  deren  Sprachschnelle  mit  zu  ihren 
charakteristischen  Eigentümlichkeiten  gehört. 

Ueber  die  Reimstellungen  in  den  Liedern  handle  ich  beim 
Strophenbau.  Ausserdem  begegnen  nur  Reimpaare  und  gekreuzte^) 
Reime  in  den  Strophen  der  Reden  und  Briefe ;  Mittelreime  standen 
vielleicht  am  Beginne  von  Nr.   l  (vgl.  Anm.  zu  1,  1 — 7). 

Dreisilbige  Reime  finden  sich  30,  1  swebende  :  gebende^  sonst 
nur  stumpfe  und  zweisilbig  klingende,  welche  in  der  vierzeiligen 
Strophe  gewöhnlich  mit  einander  wechseln,  also  a,  v^b;  a,  wb  — 
oder  ^a,  b;  ^a,  b;  doch  sind  Ausnahmen  nicht  selten,  in  denen 
entweder  alle  vier  stumpf  oder  klingend  sind.  Auch  in  den  Reim- 
paaren wechseln  sie,  doch  ganz  willkürlich ;  beachtenswert  aber  ist 
die  Zunahme  der  stumpfen,  welche  sich  zu  den  klingenden  wie  c. 
11  :  5  verhalten.  Bei  Sachsenheim  und  Braut  sind  die  letztem 
hoch  seltener  geworden. 

Der  stumpfe  Reim  ruht  auf  einer  hochbetonten  Silbe;  allein 
auch  Ableitungssilben  können  dafür  verwendet  werden,  wenn  ihnen 
eine  schwächer  bet.  Silbe  vorangeht,  z.  B.  ewenhlzch :  {ch,  hichtig^r  : 
8w4r  etc.  In  mehrsilbigen  Wörtern  aber,  wo  die  Bildungssilbe  sich 
unmittelbar  an  die  hochbetonte  Stammsilbe  anlehnt,  können  beide 
mit  einander  einen  klingenden  Reim  bilden :  müoter  :  guoter  27, 
210;  alm^chtig  :  fürtr^chtig  1,  52;  28,  485;  demuetig :  güetig 
25,  103;  drivdlüg  :  gewaltig  5,  117;  ungetrulich  :  grulich  5,  333 
u.  a.  —  oder  aber  der  Tiefton  der  Ableitungssilbe  wird  noch  stark 


^)  Schon  Suehenvirt  braucht  den  Ansdruck  ehreutzweis  dichten  43,  72. 


CCXLIV 

genug  gefühlt,  um  sie  für  die  letzte  Hebung  zu  verwenden,  so  er- 
scheinen alm^chtig  (:  aig)  4,  41;  durchluchifg  :  inbriinaUg  4,  139; 
w^UUch  (:  gich£)  o,  259;  mdnlich  (:  dzch)  14,  43;  guetltch  (;  mich) 
18,  6;  gintzUch  (:  mtch)  31,  46;  güeil'ch  {:  frvdenrich)  36,  22; 
guldin  (:  schzn)  28,  541;  «wwrf^r  {}  geUr)  27,  166  (:  «w;^)  28, 
618;  mdrt4r  {:  sw^)  27,  206;  tühUr  (:  «w^r)  27,  233;  verrdtir 
(:  5«;^)  28,  93 ;  vdUcMr  (:  «w^r)  28,  97 ;  cldff^r  (:  m^r)  28, 
109 ;  mdrt^r  :  Uch*^r  f),  383.  In  allen  diesen  Fällen  also  ist  die 
vorausgehende  Stammsilbe  lang  (vgl.  p.  240);  niemals  erscheint 
eine  blosse  Biegunsrssilbe,  niemals  eine  Betonung  wie  die  muof^r^ 
die  »alnh^r  u  dgl. ^),  die  den  blossen  Siibenzählern  geläufig  ist  und 
vereinzelt  bei  schlechten  Versmessern  auch  schon  früher  begegnet, 
besonders  bei  Hadlaub. 

ft.  Strophenban. 

a.  Lieder. 

Nr.  6  ist  ein  Liebeslied  von  drei  Strophen;  jede  hat  vier 
vierzeilige  Gesätze,  deren  letztes  den  Kehrreim  bildet.  Die  Reime 
kreuzen  sich  und  sind  abwechselnd  stumpf  und  klingend:  a,  vb, 
a,  ^b ;  das  zweite  Gesätz  hat  zwei  Waisen.  Die  Zeilen  mit  stum- 
pfen Reimen  haben  vier,  die  mit  klingenden  drei  Hebungen;  im 
Kehrreime  stehen  bloss  stumpfe  Reime. 

Das  Liebeslied  Nr.  7  besteht  aus  drei  zwölfzeiligen  Strophen, 
in  denen  Dreiteiligkeit  herrscht.  Stollen  und  Abgesang  sind  gleich 
gebaut,  letzterer  bildet  Kehrreim.  Der  Vers  ist  der  alte  viermal 
gehobene.  Die  geradzahligen  Zeilen  jeder  Strophe  reimen  paarweis 
und  klingend,  die  andern  haben  reimlosen  stumpfen  Ausgang.  Die 
beiden  Stollen  sind  durch  kein  Reimband  verbunden  und  heben 
sich  dem  Inhalte  nach  vom  Abgesange  scharf  ab. 

Nr.  8  ist  eine  Tagweise  mit  drei  dreiteiligen  Strophen,  deren 
jede  sieben  viermal  gehobene  Verse  hat  nach  dem  Schema 


1)  elUnden  (=  ali  Idnii)  :  sendsn  15,  143  :  wenden  28,  671 ;  33,  175 
kann  nicht  hieh^rgesetzt  Verden,  denn  diese  Betonung  war  bei  den  meisten 
Dichtem  die  gewöhnliche. 


CCXLV 


w4 

a 

«4 

b 

w4 

a 

w4 

b 

.  w4 

0 

^ 

a(d) 

v4 

c 

Die  Reime  sind  also  durchweg  einsilbig  stumpf,  nur  der  in 
Vers  20  macht  eine  Ausnahme.  Der  zweite  Beim  des  Abgesanges, 
der  denselben  mit  den  beiden  Stollen  künstlich  verbindet,  findet 
sich  wirklich  nur  in  der  zweiten  Strophe,  die  beiden  andern  zeigen 
eine  Waise. 

Nr.  9,  ein  Minnelied,  dreiteilig.  Die  beiden  dreizeiligen  Stollen 
sind  durch  ein  Reimband  mit  einander  verbunden.  Der  Abgesang 
hat  acht  Zeilen  und  zerfällt  in  zwei  gleiche  Teile,  deren  letzter 
einen  Kehrreim  bildet.     Schema       w4        a 

v4        a 
v3       wb 


^4 

0 

»4 

c 

v3 

vb 

w4 

d 

v4 

d 

w4 

d 

w3 

w« 

w4 

f 

^4 

f 

v4 

f 

w3 

wg  (in  der  zweiten  Strophe 

könnte  man  das  künstlichere  aab  |  ccb  ||  ddde  |  Sfe  annehmen). 

Nr.  10,  ein  moralisierendes  Wächterlied  mit  drei  Strophen 
aus  je  vier  Gesätzen.  Jedes  Oesätz  besteht  aus  drei  Versen  mit 
stumpfem  Schluss :  die  ersten  zwei  haben  vier  Hebungen  und  reimen 
paarweis,  die  dritte  hat  drei  Hebungen  und  ist  meist  reimlos. 

Nr.  1 1  ist  wieder  wie  auch  Nr.  12  ein  Wächterlied,  hat  drei 
Strophen,  jede  derselben  fünf  Gesätze,  gebaut  wie  die  in  Nr.  10. 


OOXLVI 

Nr.  12  hat  ebenfalls  drei  Strophen  mit  je  drei  dreizeiligen 
Gesätzen.  Die  stumpfreimenden  Verse  haben  vier,  die  dritte,  sechste 
und  neunte  Zeile  je  fünf  Hebungen  und  klingenden  reimlosen 
Ausgang.  Genau  beachtet  wird  dieses  Schema  jedoch  nur  in  der 
ersten  Strophe,  in  der  zweiten  hat  der  12.  und  15.  Vers  fünf 
Hebungen,  der  18.  dagegen  nur  drei:  Hugo  kommt  allmählich 
in  das  ihm  geläufigere  Versmass  der  beiden  vorausgegangenen 
Lieder  hinein,  so  dass  in  allen  drei  Gesätzen  der  dritten  Strophe 
jede  Schlusszeile  nur  drei  Hebungen  hat. 

Das  beabsichtigte  Schema  von  Nr.  13,  einem  geistlichen  Liede, 
ist  nicht  sicher  zu  ermitteln,  da  jede  der  drei  zwanzigzeiligen 
Strophen  verschiedene  Reimstellung  hat:  ' 

1)  a,  vb,   a,  vb;  c,  wd,  c,  v^d;   e,  wf,  e,  v.'f;  g,  vh,  i,  ^h,  k; 
vi,  m,  wl, 

2)  a,  vb,  a,   vb;  c,  vd,  c,  vd;  e,  vd  (?);  f,  g,  f,  g;  h,  vi, 
k,  vi,  1,  vi, 

3)  a,  vb,  a,  vb;  c,  vd,  e;  vf,  g,  wf,  g;  wh,  i,  vh,  k;  vm  (?), 
n,  vm,  0,  vm. 

Der  Vers  ist  vierhebig  bei  stumpfem,  dreihebig  bei  klingendem 
Ausgange. 

Die  moralisierenden  Lieder  Nr.  22  und  29  verwenden  nur  die 
gewöhnlichen  vierzeiligen  Strophen,  deren  das  erstere  zwei,  das 
letztere  vier  zu  einer  Liedstrophe  componiert 

Aehnlich  werden  in  Nr.  37  vier  vierzeilige  Strophen  durch 
die  Melodie  zu  einer  verbunden,  doch  ist  jede  vierte  Zeile  um 
einen  Fuss  verkürzt  und  jede  zweite  und  vierte  eine  Waise. 

Das  waren  die  singbaren  Lieder  Hugo's.  Sehen  wir  von 
Nr.  22,  29  und  37  ab,  welche  nur  einfache  Strophen  zu  einer  zu- 
sammengesetzten verbinden,  so  haben  alle  andern  Lieder  Hugo's 
nur  drei  Strophen.  Wichtig  wird  das  durch  eine  Aeusserung 
der  Liniburger  Chronik,  welche  berichtet,  dass  im  Jahre  1 360  eine 
Abänderung  in  der  deutschen  Liederpoesie  erfolgt  sei:  bis  dahin 
habe  man  lange  Lieder  gesungen  mit  fünf  oder  sechs  Gesätzen; 
in  jenem  Jahre  aber  seien  von  den  Meistern  neue  Lieder  mit  drei 
Gesätzen  gemacht  worden  (Kob.  LG.^  290).  Man  hat  bei  dieser 
Stelle  verschiedene  Erklärungen  versucht,  deren  einfachste  sie  so 
deutet,  dass  von  jener  Z-eit  an  die  dreistrophigen  Lieder  in  Gebrauch 
gekommen.  Sie  reicht,  wie  man  sieht,  bei  Hugo  vollkommen  aus; 
nur  darf  man  den  Ausspruch  des  Chronisten  nicht  zu  strict  fassen. 


ccxLvn 

als  hätte  er  sagen  wollen,  dass  früher  keine  Lieder  mit  drei  Strophen 
und  nach  1360  nur  solche  gedichtet  worden  seien,  sondern  mehr 
allgemein:  früher  sang  man  vorzüglich  längere,  und  jetzt  liebten 
die  Meister  besonders  dreistrophige  Gedichte.  Nachrichten  der 
Chroniken  sind  ja  meist  mit  solcher  Keserve  zu  nehmen^).  Wie 
man  zu  diesem  Brauche  kommen  konnte,  scheint  mir  leicht  er- 
klärlich: es  wurde  eben  die  alte  Dreiteiligkeit  der  Strophe 
auf  das  ganze  Gedicht  ausgedehnt. 

Von  den  einfachen  volkstümlichen  Weisen  Hugo's  sticht  der 
Strophenbau  der  beiden  unechten  Gedichte  Nr.  39  und  40  ab. 
Nr.  39  ist  ein  M^rienlied  mit  fünf  dreiteiligen  Strophen;  jeder  der 
beiden  Stollen  hat  9,  der  Abgesang  8  vierhebige  Verse.  Stumpfe 
und  klingende  Reime  wechseln  ohne  bestimmte  Regel,  ihre  Stellung 
ist  folgende  abab  cdcd  e 

fgfg  hihi  e 
klkl  mmmn  (e?). 
Zweifelhaft  ist,  wie  es  der  Dichter  mit  dem  letzten  Versaus- 
gange meinte:  nach  der  I,  II  und  letzten  Strophe  könnte  er  als 
Korn  gefasst  werden,  nach  der  III,  IV  und  letzten  auch  mit  dem 
Schlussreim  der  Stollen  correspondieren ;  39,  122  ist  in  jedem  Falle 
fehlerhaft. 

Nr.  40  ist  ein  Kreuzlied  aus  sechs  dreiteiligen  Strophen  mit  28 
vierhebigen  Versen.  Stumpfe  und  klingende  Reime  wechseln  regel- 
los und  stellen  sich  nach  dem  Schema 

abab  cdcd  e 
fgfg     hihi  8 
klkl  mnmmm  n. 
Das  ganze  künstliche  Schema  zeigt  sich  bei  richtiger  Textrecensioo 
correct  durchgeführt. 

b.  Reden  und  Briefe. 
Den  Liedern   zunächst   steht  Nr.   21  mit  drei   Strophen  :  die 
erste  mit  7,  die  zweite  mit  12,  die  dritte  mit  10  Versen,  welohd 
wahrscheinlich  folgende  Reimstellung  haben: 

*)  Schon  das  klingt  absonderlich,  dass  der  Chronist  für  den  neuen  Brauch 
ein  bestimmtes  Jahr  ansetzt;  es  liegt  dabei  wohl  die  Vermutung  nahe,  dass 
in  diesem  Jahre  etwa  eine  grössere  Festlichkeit  o.  dgl.  stattgefunden ,  auf 
welcher  ein  hervorragender  Sänger  unter  dem  Beifall  dex  übrigen  diesen  Ge- 
dichtbau als  den  besten  gptpriesen  habe.  Und  jschon  das  würde  Toraussetzen, 
dass  er  auch  früher  bekannt  gewesen,  aber  nur  nicht  die  Allgemeinheit  be- 
sessen habe,  die  er  nachher  erlangte. 


ccxLvm 

1)  aabcbdb 

2)  aÄb(?)cob  eebflfb 

3)  abbo  ddo  eec. 

Die  erste  Strophe  hat  vierhebige  stampfe  Verse,  auch  in  der  zweiten 
and  dritten  sind  nur  b  und  o  dreihebig  and  klingend.  Um  die 
Lebhaftigkeit  des  Ansrafes  za  erhöhen,  hat  der  Dichter  die  beiden 
ersten  Verse  durch  dreisilbigen  Auftact  und  eine  überzählige  He- 
bung verstärkt  (vgl.  oben  p.  212  und  Lachmann  zu  Iwein  2165). 

Das  Lehrgedicht  Nr.  14  zerfällt  in  zwei  gleich  grosse  Teile  von 
je  22  Versen.  Stampfe  und  klingende  Verschlösse  wechseln  ohne 
Regel.  Die  erste  Hälfte  hat  die  Hs.  noch  in  drei  Strophen  auf- 
geteilt, deren  erste  vier  (a  ^b  a  vb),  zweite  neun  (a  b  a  c  o  wd 
e  e^f),  dritte  ebenfalls  neun  (a  a^b  c  cv^/d  e  e^f  (b?)  Verse  um- 
fasst;  die  zweite  Strophe  ordnet  a  vb  a  v^b  o  vd  e  vd  f  vg  f  vg, 
dann  folgen  Reimpaare  bis  zum  Schlüsse,  von  denen  nur  41  und 
42  klingend  sind. 

Die  202  Verse  von  Nr.  25  sind  regelmässige  Reimpaare  und 
nach  dem  Inhalte  in  vier  Abschnitte  geteilt  (vgl.  Abh.  H,  p,  94)* 
Auch  Nr.  1,  2,  4,  5  haben  Reimpaärfe,  Nr,  16  und  17  vierzeilige 
Strophen  mit  gekreuzten  Reimen.  Um  die  vierzeil.  Strophen  der 
übrigen  Briefe  und  Reden  zu  verstehen,  ist  es  nötig,  vorerst  die 
Titurel Strophe  in  der  bei  Hugo  eigfentümlichen  Ausbildung  zu 
untersuchen,  und  zwar  handelt  es  sich  dabei  nicht  so  sehr  um  ihre 
Beschreibung,  welche  schon  früher  z.  B.  von  v.  d.  Hagen  (Grerm.  VH, 
337)  gegeben  wurde,  als  vielmehr  um  den  Nachweis  ihrer  all- 
mählichen Entwicklung,  durch  den  sie  erst  zu  richtiger  Beurteilung 
gelangen  kann. 

Die  Entstehung  und  Entwicklung  der  Titurelstrophe  hat  ihre 
eigene  Geschichte.  Bezüglich  der  ersteren  ist  zu  verweisen  auf  Lach- 
mann, Abh.  der  Berl.  Ak.  1835  und  zu  Wolfram  XXVHI;  Bartsch, 
Germ.  H,  263;  Martin,  Kudrun  VI,  VII;  Scherer,  deutsch.  Stad. 
I,  3;  Stejskal,  Hadamar  XXVI  S.  Es  ist  auffallend,  dass  fast 
jeder  Dichter  die  Titurelstrophe  mehr  öder  weniger  umgestaltete. 
Ihre  ursprüngliche  Form,  in  welcher  sie  Wolfram  gebrauchte,  war 

r    r    r    ^ 

a 


a 

b 

II b, 

wobei  die  erste,  zweite  und  vierte  Zeile  im  ersten  Versteile  aaeh 


r    r    f 
r    t    r 


CCXLIX 

stumpfen  Ausgang  haben  konnten.  So  fand  sie  der  von  Sohar- 
fenberg,  welcher  eine  weitgreifende  Aenderang  daran  vornahm, 
indem  er  in  den  beiden  ersten  Versen  Gäsurreime 
einführte.  Wurden  nun  die  Zeilen,  wie  es  üblich  war,  nach  den 
Reimen  abgesetzt,  erschien  die  Strophe  in  einer  völlig  andern  Ge- 
stalt :  sie  hatte  sieben  Zeilen  mit  sechs  stumpfen  oder  klingenden 
Beimen,  von  denen  die  ersten  vier  sich  kreuzten,  die  zwei  letzten 
eine  Waise  umschlossen.  So  verwendet  sie  auch  Hadamar,  nur 
hat  er  durchweg  klingende  Reime.    Ich  brauche  ein  Beispiel: 

Swie  minne  ein  anevdhen 

8t  fröuden  aller  meiste^ 

doch  rdte  ich  nicht  vergdhen 

sich  allen  den,  den  ich  nu  triuwe  leiste,  — 

8wer  im  durch  minne  ein  liep  ze  fröuden  kieee^ 

der  warte  S  wol  und  achouwe^ 

daz  er  sin  beste  zit  iht  da  Verliese  (ed.  Stejskal  2)* 
Der  erste  Anblick  einer  solchen  Strophe  zeigt  ihre  wunde 
Stelle:  die  letzten  drei  Verse  haben  mit  den  vier  ersten  keine  tech- 
nische Verbindung,  vielmehr  bebt  sie  schon  die  verschiedene  Beim- 
Stellung  von  den  vorausgehenden  ab;  es  war  Gefahr  vorhanden» 
dass  die  beiden  verschiedenen  Teile  gänzlich  auseinander  fallen  und 
selbständig  würden.  Das  ist  nun  tatsächlich  eingetreten,  wie  sich 
aus  Hugo*s  Gedichten  beweisen  lässt:  er  kenntkeine  sieben- 
zeilige  Titurelstrophe  mehr;  bei  ihm  darf  man  auch  nicht 
von  den  beiden  Teilen,  sondern  nur  von  zwei  Arten  der  Titurel- 
strophe sprechen,  welche  von  einander  ganz  unabhängig  sind.  Ich 
bezeichne  daher  die  erste  mit  TI ,  die  andere  mit  T^I.  Die 
Strophe  15,  46—49  ist  Tl ,  die  darauffolgende  15,  50—52  T^ . 
Man  könnte  hier  daran  denken,  dass  sie  nur  der  Schreiber  von 
einander  getrennt  habe,  wenn  nicht  schon  die  drei  unmittelbar  vor- 
anstehenden Strophen  das  Gegenteil  bewiesen:  15,  35 — 38  ist  Tl; 
15,  39-42  wieder  Ti;  15,  43—45  TU.  Tl  konnte  also  ohne 
T^I  zweimal  hinter  einander  stehen,  wie  auch  15,  12 — 20  T^ 
ohneT^  sich  dreimal  wiederholt.  Es  war  daher  sehr  irrig,  wenn  meine 
Vorgänger  Hugo's  Titurelstrophe  mit  der  alten  massen  und  die- 
selbe in  Nr.  15  siebenzeilig  zu  machen  suchten  (s.  Anm.zuNr.  15).  So 
musste  Hugo  freilich  zu  einem  scheusslichen  Versemacher  werden*)! 


*)  Weinbold  z.  B.  nrteilte  über  Nr.  16:  ^indem  ich    kleinere  Yer^ekea 


OOL 

TI  steht  der  gewöhnlichen  vierzeiligen  Strophe  sehr  nahe,  nur 
der  letzte  Vers  ist  verlängert,  was  aber  auch  schon  in  früherer 
Zeit  vorkam  (vgl.  Grimm,  Meisterg.  p.  41 ;  auch  Wilmanns,  Walth. 
p.  35).  Hugo  lässt  daher  beide  beliebig  mit  einander  wechseln.  In 
Nr.  15  z.  B.  steht  1 — 4  eine  tadellose  vierzeilige  unter  folgenden 
Titurelstrophen ;  in  Nr.  26  eine  Ti  (21 — 24)  unter  vierzeiligen; 
vgl.  ferner  Nr.  3,  1  *),  5,  9,  21,  45;  18,  53;  20,  21,  33;  26, 
21,  33,  61;  27,  9,  17,  21,  25,  49,  57,  81,  113;  28,  25, 
37,  65,  101  etc.:  im  ganzen  sind  187  Tl- 

T^I  hat,  wie  wir  gesehen,  in  ihrer  eigentlichen  Form  drei 
Zeilen  (vgl.  15,  12,  43,  57,  96  etc.),  hielt  sich  aber  nicht  in  dieser 
Gestalt,  sondern  wurde  noch  einen  Schritt  weiter  gebracht  und 
zwar  genau  in  der  Richtung,  welche  die  frühere  Entwicklung  der 
Titurelstropbe  genommen  hatte:  indem  in  dem  ersten  Langverse  ein 
Reim  eingesetzt  wurde,  welcher  die  Waise  in  dem  zweiten  entfernte : 

15,  50  wem  all  ir  >edch  ||  das  {at  zergdnklich  Üben 
und  tat  och  nicht  wart  dch: 
ein  wtl  ein  frud  —  darnach  kane  truren  geben. 
Wird  die  Strophe  wieder  nach  den  Reimen  geschrieben,    so  ist  sie 
vierzeilig,   wie   sie  auch  meist  erscheint   und  mit  Tl    und   der  ge- 
wöhnlichen vierzeiligen  Strophe  wechselt  (in  Nr   20   stehen  z.  B. 
vier  TI  ,  zwei   T^I    und   sieben  gewöhnliche   vierzeilige  Strophea 
neben  einander),  ja  auch  in  ihrer  dreizeiligen  Form  kann  sie  den- 
selben Wechsel  eingehen,  vgl.  32,   37 — 39.     Diese.  Mischung  be- 
gegnet  in  den   meisten  Briefen  und   Reden  ausser  in  Nr.  16  und 
17.    Wenn  man  sich  das  gegenwärtig  hält,   wird   man   die  zwei- 
und   fünf  hebigen  Verse   nicht  mehr  als  vom  Dichter   » willkürlich 
verkürzte   oder   verlängerte  Kurzverse*  ansehen,  sondern  darin  die 
charakteristischen  Zeilen  der  Titurelstrophen   erkennen  und  Hugo's 
Versmessung  etwas  besser  beurteilen. 

T'I  unterscheidet  sich  vor  allem  von  Tl  durch  die  erste  Zeile 
mit  zwei  Hebungen ;  die  zweite  beginnt,  wie  aus  dem  Schema  ohne 


Terschweige,  führe  ich  aaf,  dass  in  den  Sfcr.  6,  10,  11,  12,  15,  16,  17,  19,  20,  22 
beide  Teile  einander  gleichgebant  sind,  dass  Str.  7,  8,  9  die  erste  und  zweite 
H&lfte  in  umgekehrter  Ordnung  stehen,  dass  in  Str.  21  zwar  die  Hauptsache 
gewahrt,  aber  die  Tier  Reime  der  ersten  Abteilung  gleich  und  stumpf  sind. 
Dem  ganzen  ist  dann  noch  eine  halbe  Strophe  als  Schluss  angehängt^.  — 
Schon  dieser  letztere  Umstand  hätte  etwas  lehren  können. 
^  Icli  citierenut  die  erste  Zeile  der  Strophe, 


COLI 

^weiteres  evident  ist,  immer  mit  Auftaot,  es  müsste  denn  die  vor- 
ausgehende mit  klingendem  Reime  geschlossen  haben;  vgl.  3,  13» 
81;  18,  49,  277;  20,  5,  37;  27,  57,  117,  185,  193;  28,  317, 
349,  645,  673,  705;  30,  29,  33;  31,  153,  157;  32,  44,  145, 
169;  33,  17,  109;  84,  17;  35,  9,  25,  29;  38,  17,  37,  41, 
93,  113,  141,  153,  157,  161,  165,  177;  35,  5;  38,  81  etc.; 
nnter  allen  84  T^^  begegnen  nur  vier  Ausnahmen  in  laxeren  Reden: 
28,  269,  657 ;  32,  157 ;  38,  85.  Selten  ist  es,  dass  der  charak- 
teristische Vers  von  TiMn  der  zweiten  Zeile  erscheint  (vgl.  27,  133; 
31,  129,  169,  257;  38,  25),  wie  andrerseits  auch  der  charak- 
teristische Vers  von  TI  aus  der  letzten  in  eine  frühere  Zeile  über- 
gehen kann  (vgl.  28,  457,  577,  625;  30,  61;  28,  489;  äl,  181); 
doch  wird  diese  Freiheit  erst  in  den  spätem  Reden  und  Briefen 
gestattet 

Die  Keime  können  in  TI  und  T^l  alle  stumpf  oder  klingend 
sein,  gewöhnlich  aber  sucht  Hugo  zwei  stumpfe  mit  zwei  klingen- 
den zu  kreuzen.  In  diesen  Gedichten  erlaubt  er  sich  auch  die 
dreihebigen  stumpfen  Verse,  welche  er  in  den  Liedern  und  in  den 
Reden  mit  den  Reimpaaren  und  den  alten  vierzeiligen  Strophen  mied 
(Abb.  V,  p.  202  f ).  Damit  verschwinden  aber  auch  die  Anhalts- 
punkte für  die  Beobachtung,  wie  weit  in  diesen  Versen  die  nbd, 
Dehnung  der  mhd.  kurzen  Stammsilben  vorgeschritten  sei  (Abb.  V, 
193 — 201);  denn  in  28,  49 — 52  z.  B.  können  sehen  :  apehm 
zweisilbig  klingend  (vgl.  28,  37 — 40)  oder  sweisilbig  stumpf  sein 
(vgl.  28,  21 — 24,  101 — 104).  Dreihebige  Verse  mit  vierhebigen 
bindet  er  auch  hier  nicht,  und  die  wenigen  Ausnahmen  sind  ent- 
weder als  Fehler  der  Schreiber  zu  emendieren  oder  als  Versehen 
des  Dichters  zu  betrachten;  ich  werde  sie  in  den  Anmerkungen 
berücksichtigen. 

Dass  Hugo  auch  in  seinen  epischen  Reden  zwischen  einem 
strengeren  und  freieren  Metrum  unterscheidet,  wie  sich  hier  her- 
ausstellt, ist  noch  besonders  hervorzuheben;  denn  darin  trifft  er 
niit  andern  Dichtern  zusammen:  Lichtenstein  z.  B.  erlaubt  sich 
im  FB.  Freiheiten,  welche  er  im  FD.  nicht  zulässt,  ebenso  Heinrich 
von  Neustadt  in  GZ.  mehr  als  im  Ap.,  und  Sachsenheim  meidet 
in  der  Moerin  den  dreihebigen  stumpfen  Vers,  welchen  er  im  Spie- 
gel, Tempel  etc.  ohne  Rückhalt  gebraucht. 

Mehr  als  Abnormalitäten  anzusehen  sind  die  T^^ ,  in  welchen 
der  vierte  Vers  verkürzt  ist  [aber  dann   immer   nur  auf  so  viel 


ccLn 

Hebungen,  als  der  oorrespondierende  zeigt,  s.  18,  81»  121,  229, 
273),  —  und  die  Tl  ,  in  denen  umgekehrt  der  vierte  Vers  6  He- 
bungen hat  (15,  141;  26,  25;  30,  76;  31,  180;  32,  64;  36, 
25).  Verse  der  letzteren  Art  begegnen  auch  in  Strophen,  welche 
von  einzelnen  Hss.  Hadamar  zugeschrieben  werden  (s.  bei  Stejskal 
p.  144  ff.),  ebenso  in  Püterichs  Ehrenbrief;  sie  erinnern  lebhaft 
an  den  Grundsatz,  welchen  Hesler  1448  ausgesprochen  hat:  swd 
der  sin  was  sS  gelegen^  daz  ich  rächt  mochte  üz  hrengen^  ich 
enmüste  den  rim  (=  den  Vers)  Ungen^  s6  was  bezzer  gesprochen 
lerne  rim^  da/n  sin  zubrochen  (Germ.  I,  196).  Ganz  verwildert 
sind  die  Verse  von  Ti  in  28,  712;  38,  160,  168. 

Die  von  Hugo  gebrauchten,  soeben  in  ihrer  Entstehung  nach- 
gewiesenen Titurelstrophen  sind,  das  ist  evident,  keine  Verrohung, 
sondern  eine  beabsichtigte  Umbildung  der  ursprünglichen;  in  der 
Hand  eines  geschickten  Dichters  konnten  sie  bedeutende  poetische 
Wirkung  erzielen.  Das  legt  die  Frage  vor,  ob  sie  Hugo  zuzu- 
schreiben sind,  oder  ob  er  sie  bei  einem  anderen  Vorgänger  be- 
reits so  vorgefunden  habe.  Das  erstere  scheint  nicht  viel  Wahr- 
scheinlichkeit zu  haben;  denn  wer  will  diesem  reimverlegenen 
Manne  zumuten,  dass  er  die  sechs  Reime  der  alten  Titnrelstrophe 
um  zwei  vermehrte?  Aber  auch  das  letztere  ist  nicht  nachzuweisen; 
doch  darf  man  nicht  vergessen,  welch  grosser  Teil  von  den  Pro- 
ducten  jener  Zeit  uns  noch  unbekannt  sein  wird,  ja  selbst  die  eine 
oder  andere  der  vielen  Bearbeitungen  des  j.  l'it.  konnte  in  dieser 
Weise  umgestaltet  gewesen  sein.  Die  Frage  bleibt  also  leider 
offen  stehen,  und  ich  kann  nur  darauf  hindeuten,  dass  in  den  Volks- 
liedern nicht  selten  Strophen  begegnen,  welche  mit  Hugo*s  Titurel- 
strophen übereinstimmen: 

Ambr.  LB.  120,  17    des  brvnnens  des  trinck  ich  nÜ 

er  hdt  mich  6fft  betrögen: 
was  m/r  mein  feines  lieb  hat  Z'dgesdgt^ 
ist  ganz  und  gdr  erlögen, 
Ambr.  LB.  106,  21    er  zwingt  mich  diso   sdhr  mit  seiner  gut^ 

dartimb  so  wü  ich  trdgen 

diesn  sömerldng  ein  friy  gemuty 

ein  kr^ufzlein  grüne. 

Die  erste  Strophe   könnte  T'  ,  die   zweite  TU  sein.    Eine  directe 

Gewähr,  dass  darin  der  Einfluss  der  Titunlstr.  zu  erkennen  sei,  liegt 

nhht  vor;  aber  möglich  ist  es,  darum  habe  ich  darauf  hingewiesen. 


VL  POETIK. 

Es  war  anfänglich  meine  Absicht,  auch  die  Poetik  Hngo*s  and 
seiner  Zeitgenossen  ausführlich  zu  behandeln.  Allein  das  Material 
ist  sehr  ausgedehnt,  und  ich  will  endlich  auch  einmal  zu  Ende 
kommen,  muss  mich  also  hier  mit  einer  Skizze  begnügen,  zu  der  noch 
zu  vergleichen  ist,  was  ich  in  Abh.  II,  80 — 100  über  Hugo*s 
Darstellungsweise  vom  Gesichtspunkte  seiner  Persönlichkeit  aus 
gesagt  habe. 

Hugo  selbst  teilt,  wie  wir  bereits  gehört,  seine  Dichtungen 
ein  in  Reden,  Briefe  und  Lieder  (31,  165 — 176). 

Reden,  rede  als  Kunstausdruck  begegnet  schon  frühe  (s.  Wa- 
ckernagel, LG.'^  183)  und  bezeichnet  Gedichte  erzählenden  oder 
didaktischen  Inhaltes,  meist  in  Reimprosa  abgefasst,  welche  ge- 
lese^n  und  gesagt,  gegenüber  den  Liedern,  welche  gesungen 
wurden.  Jedes  epische  Gedicht  konnte  in  seinen  Teilen  oder  als 
ganzes  eine  Rede  genannt  werden.  Diese  Auffassung  lebt  auch  in 
Hugo's  Zeit  fort;  zugleich  aber  erhielt  das  Wort  noch  einen  enge- 
ren Begriff  zur  Bezeichnung  einer  bestimmten  Gedichtgattung,  welche 
jetzt  neben  den  Liedern  ebenso  allgemein  war  wie  im  Mhd.  die 
Spruchdichtung,  mit  der  sie  historischen  Zusammenhang  besitzt, 
was  ich  nachzuweisen  versuchen  will. 

Die  Sprüche  standen  in  der  Mitte  zwischen  reiner  Lyrik  und 
Epik,  im  Uebergange  von  der  Arie  in  das  Recitativ.  Sie  bewegten 
sich  auf  ethischem  und  politischem  Boden:  ergiengen  sich  in  Be- 
trachtungen, erteilten  Lehren  und  Ermahnungen,  schilderten  Ge- 
genstände, behandelten  die  Lebensverhältnisse  des  Dichters,  der 
Gesellschaft,  des  Staates  und  der  Kirche. '  Dieselbe  Domaine  be- 
herrschten auch  die  Reden,  nur  hat  das  didaktische  und  epische 
Element  noch  grössere  Breite  gewonnen,  wodurch  die  Erzählungs- 
und Redeform  noch  stärker  hervortritt.  Die  Reden  sind  länger, 
detailreicher,  tatsächlicher  geworden  als  die  Sprüche,  indem  sie  die 


CCLIV 

Erzählangen,  die  früher  kaum  angedeutet  und  oft  nur  durch  eine 
Anspielung  hereingezogen  wurden,  breit  ausführen,  häufig  mit  Ein- 
leitung und  Schluss  versehen,  mit  Handlungen  und  detaillierten  Na- 
turschilderungen durchweben  und  in  verschiedene  Einkleidungen, 
besonders  allegorische,  einhüllen^). 

Der  Form  nach  unterschieden  sich  die  Sprüche  von  den  Lie- 
dern zunächst  durch  kunstloseren  Bau :  hier  hörte  zuerst  die  Drei- 
teiligkeit auf;  schon  Waither  baute  mehr  als  die  Hälfte  seiner 
Sprüche  ohne  dieselbe,  ja  einige  in  blossen  Reimpaaren,  der  alten 
Form  der  Erzählung^);  sodann  bestanden  die  Sprüche  hauptsächlich 
nur  aus  einer  Strophe.  Aber  dieses  letztere  Merkmal  begann 
man  bereits  am  Ende  des  13.  und  Beginn  desl  14.  Jahrhunderts 
&llen  zu  lassen;  schon  Frauenlob  und  seine  Nachfolger  hatten 
j  Sprüche  von  3,  5  und  mehr  Strophen;  die  zunehmende  Red- 
seligkeit legte  sich  in  diesem  Punkte  fernerhin  keine  Beschränkung 
mehr  auf.  Somit  sind  wir  auch  in  formeller  Hinsicht  durch  die 
Sprüche  zu  den  Reden  hinabgeführt  worden. 

Aber  auch  im  Namen  selbst  liegt  der  Zusammenhang  zwischen 
beiden,  die  qualitative  Gleichheit  und  die  quantitative  Verschieden- 
heit ausgedrückt:  Spruch  —  Rede.  So  lange  der  Spruch  eiu- 
strophig  war,  genügte  ihm  sein  Name,  der  zu  eng  und  zur  «Rede* 
wurde  mit  der  wachsenden  Zahl  der  Strophen. 

Wenn  also  die  Dichter  am  Ende  des  14.  Jhds.,  wenn  Teich- 
ner, Suchenwirt,  Hugo  und  andere  Zeitgenossen  neben  den  Liedern 
an  Stelle  der  früheren  Sprüche  nur  „Reden*  haben  und  hervor- 
heben, darf  man  dann  sagen,  dass  die  Dichtungsgattung  der  Sprüche 
zu  Grunde  gegangen  sei  ?  Haben  diese  nicht  vielmehr  nur  dem  all- 
gemeinen Charakter  der  spätem  Dichtung  gemäss  ihre  Gestalt  ver- 
ändert und  sich  in  Reden  verebbet?  Es  ist  daher  sehr  bezeichnend, 
wenn  auch  jetzt  noch  für  die  veränderte  Gestalt  der  alten  Gattung 
vereinzelt  der  alte  Name  neben  dem  neuen  auftaucht:  so  nennt  z.  B. 
Rosenblüt  didaktisch-erzählende  Gedichte  derselben  Art  bald  Reden 
bald  Sprüche. 

Diese  Dichtungsgattung  war  im  14.  und  15.  Jhd.  sehr  beliebt^ 
denn  sie  passte  mit  ihrer  einfachen    leicht  bezwingbaren  Form,   in 


^j  Meist  ist  es  ein  Abenteuer  auf  einem  einsamen  Gange,  ein  Zasammen- 
treffen,  ein  Gespräch  mit  allegorischen  Personen  (Nr.  28,  29),  dann  aber  auch 
ein  Traum,  eine  Vision  (Nr.  25,  31)  u.  dgl. 

*)  In  L.  8,  4;  8,  28;  9,  16  ist  nur  die  letzte  Zeile  verdoppelt. 


CCLV 

der  sich  alles  unterbringen  Hess,  zu  den  schwächlichen  Dichtem 
dieser  Periode.  Von  Hugo's  Producten  gehört  der  grössere  Teil, 
von  Suchenwirt  das  meiste,  was  er  gedichtet,  von  Teichner  alles 
dahin. 

Der  metrischen  Form  nach  zerfallen  Hugo*s  Reden  in  solche 
mit  Reimpaaren  (Nr.  1,  2,  4,  5,  25),  in  solche  mit  vierzeiligen 
(Nr.  15,  16,  17,  18,  20,  24  etc.)  und  in  solche  mit  noch  mehr- 
zeiligen,  aber  nicht  dreiteiligen  Strophen  (Nr.  14  und  21).  üeber 
diese  Formen  im  besonderen  wurde  schon  Abh.  V,  247  flf.  gehan- 
delt. —  Dem  Inhalte  und  ihrer  Tendenz  nach  lassen  sich  die  Re- 
den einteilen  in  geistliche  und  weltliche;  freilich  greifen  beide 
Gattungen  vielfach  in  einander,  so  dass  die  Entscheidung  oft  zweifel- 
haft ist.  Zu  den  ersteren  rechne  ich  Nr.  4,  14,  15,  24,  25,  26,  27, 
30,  32,  33,  die  übrigen  zu  den  weltlichen,  von  welchen  Nr.  2  und 
der  erste  Teil  von  Nr.  5  noch  besonders  hervorzuheben  sind ;  denn 
sie  gehören  zu  der  Memoirendichtung,  den  Anfangen  der  Autobio- 
graphien, welche  in  der  französischen  Dichtung  besonders  von  den 
Troubadours,  in  der  deutschen  von  Lichtenstein  und  nach  Hugo 
von  Oswald  v.  Wolkenstein  und  Michael  Beheim  gepflegt  wurden. 

Briefe.  Vergleiche  darüber  Wackernagel  LG.^  346,  352, 
375.  Es  gibt  zwei  Arten:  didaktische  und  Minnebriefe.  Hugo 
pflegte  nur  die  letzteren,  welche  mit  den  absterbenden  Minneliedern 
in  Verbindung  stehen  und  besonders  seit  dem  14.  Jhd.  häufiger  wur- 
den. Während  nämlich  in  dieser  Zeit  die  Sangesfähigkeit  und  damit 
auch  die  Sangesfreude  sank,  nahm  die  Schreibübung  und  Schreiblust 
in  demselben  Masse  zu.  Statt  der  Geliebten  ein  Lied  zu  singen, 
zog  man  es  vor,  ihr  einen  Brief  zu  schreiben.  Hugo  selbst  gibt 
ein  merkwürdiges  Beispiel  in  3,  5  ff.,  wo  er  zur  Geliebten  sagt: 
und  künde  sich  din  guete  ua  hluogen  silme^  richten^  ich  weit  nach 
mim  gemuete  diner  trüw  ein  minneliedli  tichten;  so  aber 
lässt  er  es  bei  einem  Briefe  bewenden,  der  in  Nr.  3  tatsächlich 
vorhanden  ist.  Es  versteht  sich  nun  von  selbst,  dass  solche  Briefe 
einen  grossen  Teil  ihres  Inhaltes  mit  den  Liedern  teilen  und  gleich- 
falls der  Minnepoesie  angehören:  hier  finden  sich  neben  sonstigen 
Betrachtungen  noch  die  alten  Liebesfreuden  und  Liebesklagen,  noch 
viele  ,  Blumen  des  Minneliedes  *,  wie  ühland  (Sehr.  V,  268)  sich 
ausgedrückt  hat,  so  dass  sie  als  Nachwirkung  des  verhallenden 
Minnesanges  zu  betrachten  sind.  Hug'os  Briefe  sind  3,  19,  23, 
34,   35,    36,    sämmtliche    in   vierzeiligen   Strophen,  vgl.  Abh.  V, 


CCLVI 

248  ff.  Die  Briefform  besitzen  ansserdem  noch  Nr.  20  and  26.  Das 
erstere  Gedicht  ist  geradezu  ein  Antwortschreiben  auf  einen  Brief 
seiner  Frau  (41,  42),  das  letztere  hat  mehr  moralisierenden  Gha* 
rakter  nnd  mit  den  eigentlichen  Briefen  nur  den  Eingang  gemein. 
Dass  aber  beide  vom  Dichter  zu  den  Reden  gezählt  worden,  lehrt 
seine  eigene  Einteilung  der  Gedichte  (31,  165 — 176). 

Lieder.  Sie  zerfallen  in  Tanzlieder  (Nr.  6,  7,  8,  9),  in  morali- 
sierende -(Nr.  13,  22,  29)  und  Taglieder  (Nr.  8,  10,  11,  12,  37). 

Die  erstem  teilf'n  noch  den  Gegenstand  und  die  mehrteilige 
Strophenform  (V,  244  f.)  mit  dem  alten  Minneliede.  Der  Dichter 
wirbt  um  die  Gunst  der  Geliebten,  preist  seine  Dienstleistung,  Liebe 
und  Treue,  beschwört  sie  um  Gegenliebe  und  Begünstigung.  Nur  ein 
starker  Zug  zum  realistischen  gegenüber  dem  früheren  überspannten 
Idealismus  tritt  hervor  und  deutet  dt'n  üebergang  zur  Volks- 
poesie an. 

Dagegen  sind  die  moralisierenden  Lieder  ganz  das  Produot 
dieser  neuen  lehrhaften  Zeit.  Nr.  1.^  gemahnt  an  den  geistlichen 
Kirchengesang  (Wackernagel  LG.^  •'^^2),  aber  nur  in  den  beiden 
ersten  Strophen;  die  dritte  verliert  sich  in  Polemik,  und  was  sie 
noch  mit  den  Liedern  verbindet,' ist  rfnr  die  liedmässige  Strophen- 
form. In  Nr.  22  nnd  29  geht  auch  diese  verloren ;  denn  die  dort 
componierten  vierzeilia;en  Strophen  (V,  246)  verwendet  Hugo  auch 
für  rein  epische  Didaxis,  so  dass,  wenn  uns  nicht  die  Noten  die 
Intention  des  Dichters  anzeigten,  wir  beide  Producte  unbedenklich 
zu  den  Reden  zählen  würden,  ja  das  letztere  noch  zu  einer  be- 
stimmten Gattung  dieser  Art,  zum  Streitgedichte  oder  der 
Tenzone*),  in  welcher  man  eine  Vorstufe  des  Drama's  zu  erblicken 
geneigt  ist.  Der  Dichter  stellt  sich  nämlich  der  objectiv  erfassten 
Personification  „Frau  Welt*  gegenüber,  die  er  in  wechselnder  Rede 
bekämpft.  Dass  er  schliesslich  die  Welt  besiegt,  der  Streit  also 
Fortschritt  und  Abschluss  gewinnt,  verstärkt  das  dramatische  Ele- 
ment in  diesem  Gedichte. 

Taglied.  Bei  Hugo  sind  beide  Gattungen  des  Tagliedes 
{tagwtse^  wie  er  es  selbst  nennt)  vertreten:  die  weltlichen  in  Nr.  8 
nnd  37,  die  geistlichen  in  Nr.  10,  11  und  12. 

Nr.  8  entbehrt  jedes  dramatischen  Elementes,  welches  beson- 


^)  Vgl.  aach  die  erste  Hälfte  von  Nr.  31,  dann  Teichners  ^daz  got  m 
cdUn  saehen  si^  und  Sachenwirts  y,von  der  Liebin  und  d^  Sehonin^. 


CGLVn 

ders  darch   die  Zwiegespräche   zwischen   den  Liebenden   und    dem 
Wächter  oder  der  Liebenden  unter  einander  in  diese  Gattung  kam 
und  seit  dem  13.  Jhd.  selten  fehlte;    vgl.  Bartsch,   über  die  ro- 
manischen  und   deutschen   Tagelieder   (Album   des   liter.  Yer.   in 
Nürnberg  1865)  p.  25.     Es  ist  rein  episch,  in  Form  eines  Selbst- 
gespräches erzählend,  also  ganz  zu  dem  alten  volksmässigen  Tone 
zurückgekommen,   der   in   den   ersten   Liedern    dieser  Gattung   zu 
vernehmen  ist:   in  ähnlicher  Weise  wie  etwa  Guiraut  Requier  in 
seiner  .Serena*  (bei  Bartsch  p.  14)  sehnt  sich  der  Dichter  nach 
der  Ankunft  des  Abends,    wo   ihn  die  Geliebte  empfängt.     Keine 
Andeutung   von  Wechselreden    oder  andern  Geschehnissen:    Hugo 
fixiert  nur  die  beiden  poetischen  Endpunkte   der  Liebesnacht,   die 
Ankunft  am  Abend,  wo  sie  ihn  erfreut,  den  Abschied  am  Morgen, 
wenn  das  Avemariaglöcklein    läutet,  das  Wächterhom   ertönt   und 
die  Morgensterne  sich  erheben;   daneben   streut   er   nur  noch   die 
Andeutung  ein,   dass  alles  züchtig  zugegangen   sei«    Der  Wächter 
wird  mit  keinem  Worte  erwähnt,  man  hört  ihn  sein  Hörn  blasen, 
wie  den  Messner  seine  Glocke  läuten:  nichts  um  damit  die  beiden 
Liebenden  zu  warnen,  sondern  nur,  weil  das  seines  Amtes  ist.  Und 
darin  zeigt  sich  wieder  Hugo*s  Naturwabrheit,  der  reale  Zug  seiner 
Dichtung;  denn  der  Wächter  war  in  den  meisten  Fällen  sicher  mar 
blosse  poetische  Fiction,  die  nicht  einmal  viel  innere  Wahrscheio- 
liebkeit  hatte,    was  schon  Dichter   wie  Steinmar   und  Lichtenstein 
erkannten  (s.  Bartsch   41).     Da  offenbart  sich   neuerdings  Huga*8 
Verwandtschaft  mit  der  volksmässigen  Dichtung*). 

Auch  dadurch  weist  Hugo  auf  die  älteste  Gestalt  dieses  Genre'a 
zurück,  dass  er  in  die  letzte  Zeile  des  Liedes  das  Wort  ,,tag^ 
(provenzalisch  alba,  Bartsch  p.  3)  einflicht,  wodurch  der  Charft&ter 
des  Gedichtes  als  Taglied  auch  noch  formell  scharf  hervorgehoben 
wird;  Man  könnte  das  in  Nr.  8  vielleicht  für  Zufall  haltenv  wenn 
nicht  auch  das  andere  weltliche  und  das  erste  und  zweite  geist* 
liehe  Taglied  tag  oder  tagt  in  der  letzten  Zeile  hätten. 


^)  Im  eigPDtlichen  Tolksmässigeo  Tagliede  kommt  def  Wächter  nicht  yor. 
Natürlich:  denn  was  sollte  der  Wächter  auf  dem  Giebel  des  bürgerlichen  oder 
bäuerlichen  Hauses ;  er  müsste  denn  seine  Rolle  an  den  Nachtwächter  abgeben. 
Wenn  er  gleichwohl  ab  und  zu  begegnet,  so  erblicken  wir  darin  ein  Element, 
-«reiches  stä  der  Runst^ehtung  fü  die  Yolks^oesie  gekommeifi  ist,  -Wie  ja  solcl^e 
Einflüfsse  auch  sonst  nachzuweiseii  sind  und  nacbzuireisen  sein  irerdfltt,  äo  lange 
die  einzelnen  Stände  nicht  streng  abgekastet  sind. 

Wackerneil,  Hontfort.  17 


ccLvm 

In  Nr.  37  ist  zwar  der  Wächter  vorhanden,  aber  nur  zur 
Staffage,  zur  Anrede  des  Dichters;  er  selbst  spricht  nicht  und  han- 
delt nicht.  Das  Product  ist  sch^rächer  als  Nr.  8,  ist  weder  Fisch 
noch  Fleisch,  ein  todtgeborenes  Kind,  dem  die  erste  Lebensbedin- 
gung fehlt:  es  ist  nicht  an  Hugo*s  Greliebte,  sondern  an  seine  Frau 
gerichtet  Damit  entfällt  gerade  das,  was  in  dieser  Gattung  fesselte 
und  dichterisches  Interesse  beanspruchte:  die  sehnsüchtige  Erwar- 
tung am  Abende  und  besonders  der  Abschied  am  Morgen.  Bei 
seiner  Frau  kann  er  bleiben  oder  gehen,  das  ist  uns  einerlei,  ebenso 
auch,  ob  die  beiden  Eheleute  vom  Wächter  oder  Kammerdiener 
geweckt  werden  oder  allein  erwachen;  nirgends  ist  hier  mehr  ein 
packender  Punkt.  Das  hat  Hugo  wohl  selbst  gefühlt  und  daher 
das  leere  Gedicht  durch  das  Lob  seiner  Frau  und  dann  der  Weiber 
überhaupt,  welche  bei  Tag  und  Nacht  der  Männer  Leid  vertreiben 
und  Mut  erhöhen,  auszufüllen  gesucht;  dazwischen  mischt  er  die 
Klagen,  dass  ihm  das  Dichten,  besonders  das  weltliche,  nicht 
mehr  von  Statten  gehe,  ferner  die  Bitten  an  Gott  um  sein  eigenes 
und  seiner  Frau  Wohlergehen  und  andere  Lappen,  welche  er  von 
seinen  früheren  Gedichten  undique  decerpit. 

Nr.  11,  10,  12  (nach  der  chfohdlogischen  Ordnung,  s,  Abh. 
in,  135)  sind  geistliche  Taglibder.  Bei  Hugo  kann  man  sehen,  wie 
die  geistlichen  Taglieder  mit  den  weltlichen  im  Zusammenhange  ste- 
hen. Nr.  11,  das  nach  dem  weltlichen  Nr.  8  enstanden  ist,  nimmt  eine 
Mittelstellung  ein;  der  Wächter  erscheint  in  zweifacher  Gestalt: 
er  ist  noch  der  Schützer  der  Liebesnächte,  hat  noch  die  Aufgabe, 
beim  Morgengrauen  die  seligen  vnb  zu  wecken,  damit  sie  vor  böser 
klaff  er  zunge  bewahrt  bleiben;  daneben  ist  er  aber  auch  schon 
der  Warner,  der  den  Dichter  von  seinem  weltlichen  Tun  und  Dich- 
ten abzuhalten  sucht  Der  Hauptnachdruck  liegt  hier  noch  auf 
dem  Preis  der  Frauen,  und  was  das  Product  mit  den  geistlichen 
Liedern  dieser  Gattung  verbindet,  ist  nur  die  Allgemeinheit  der 
Situation  und  der  Eingangs  angeschlagene  moralisierende  Ton. 

Erst  die  zwei  folgenden  Taglieder  sind  ganz  geistlichen  Cha- 
rakters. Der  Wächter  wird  eine  rein  allegorische  Figur,  ist  der 
Gewissensrat,  der  personificierte  Schutzengel,  der  nicht  Frauen  weckt, 
sondern  den  Dichter  aus  seiner  weltlichen  Gesinnung,  damit  er 
einen  gottgefälligeren  Lebenswandel  beginne,  wozu  es  höchste  Zeit 
sei.  Auch  Tag  und  Nacht  sind  symbolisch  gedeutet  für  des  Men- 
schen Leben  und  Sterben.     Von  den  Frauen   ist   gar   keine  Rede 


OCLJX 

mehr,  nur  von  Bekehrung,  von  Welt  und  Ewigkeit,  von  Gtottes 
Grösse,  Strenge  und  Güte.  Sehr  hezeichnend  schliesst  Nr.  12  mit 
einem  Gebete:  das  Taglied  ist  zum  Taggebete  geworden. 

Vereinzelte  losgebröckelte  Elemente  des  Tagliedes  sind  auch 
m  die  übrigen  Reden  eingedrungen;  so  beginnt  Nr.  24  mit  dem 
Anruf  an  den  Wächter,  und  der  Eingang  von  Nr.  15  gleicht  ganz 
dem  eines  geistlichen  Tagliedes. 

Das  waren  Hugo*s  Dichtungsgattungen.  Man  wird  erkannt 
haben,  wie  sie  vielfach  in  einander  fliessen  und  oft  nur  mehr  durch 
rein  äussere  mechanische  Merkmale  unterscheidbar  sind.  Das  ist 
charakteristisch  für  ihn  wie  für  seine  ganze  Zeit;  denn  das  erste 
Exiterium  RLr  den  Eunstgeschmack  bietet  immer  die  Behandlung/ 
der  Form,  der  Form  im  höheren  Sinne,  welche  ihrer  Natur  nach! 
abhängig  ist  vom  Stoffe  und  Gehalte  der  Dichtung,  aus  dem  sie 
hervorwachsen  soll,  wie  die  Gestalt  der  Pflanzen  aus  ihrem  Reime 
und  ihren  innern  Lebenstrieben.  Wo  sie  in  Reinheit  erscheint, 
verkündet  sie  Blüte,  wo  sie  zerfällt,  dass  der  Poesie  das  Leben 
entschwindet. 

Die  guten  mhd.  Dichter  haben  streng  zwischen  lyrischen  und 
epischen  Stoffen  unterschieden,  haben  ans  dem  epischen  Yolksge- 
sang  des  12.  Jhds.  Tfie  aus  einem  zweilappigen  Keimansatze  die 
reine  höfische  Lyrik  und  Epik  hervorgebildet.  Aber  der  Dichter, 
denen  dieses  gelang,  sind  nicht  viele,  und  noch  vor  der  ersten 
Hälfte  des  13.  Jhds.  macht  sich  bei  Dichter  und  Publikum  wieder 
ein  verderbter  Geschmack  geltend,  beginnen  die  beiden  Dichtungs- 
arten neuerdings  in  einander  zu  greifen.  Zuerst  wurde  das  natür- 
lich in  der  Lyrik  bemerkbar,  welche  man  zum  Epischen  kehrte. 
Schon  Marner  klagt,  dass  man  statt  seiner  Lieder  lieber  nach  Er- 
zählungen greife  (XV,  14 — 16;  Strai^ch  p.  34),  während  bereits 
die  s.  g.  höfische  Dorfpoesie  in  grösserem  Massstabe  den  epischen 
Ton  in  die  Lyrik  mischte.  Der  grösste  Teil  des  Uebels  aber 
kam  von  der  über  alle  Dichtungsgattungen,  auch  über  die  Lyrik 
mehr  und  mehr  hereindringenden  Didaxis,  welche  ihrem  Ursprünge' 
und  Wesen  nach  der  Epik  näher  steht  als  der  Lyrik,  in  so 
fern  als  sie  die  Wahrheiten  und  Lehren  wie  objective  Tatsachen 
erfasst,  darstellt  und  andern  mitteilt.  Wie  deutlich  zeigt  sich 
ihr  verderblicher  Einfluss  z.  B.  in  Hugo's  Gedicht  Nr.  13,  wo 
er  vom  echt  lyrisch  empfundenen  zum  bloss  gedachten ,  zur  Lehr- 


OGLX 

hafti^eit  übergeht  und  sich  ia  der  letzten  Strophe  in  eine  ge- 
khrt«  Polemik  verirrt,  welche  in  einer  epischen  Rede  mehr  am 
Platze  wäre  als  in  diesem  Uede.  Aach  Nr.  22  will  der  Dichter 
als  Lied  betrachtet  wissen,  obgleich  nichts  daran  lyrisch«  vielmehr 
das  ganze  didaktisch  gelehrt  und  seinem  Gehalte  nach  ebenso  eine 
Bede  ist  wie  Nr.  14  oder  26,  zn  denen  es  ein  Seitenstück  bildet 
Nicht  geringer  ist  die  Greschmacksverirrung  in  Nr.  29,  wie  wir 
gesehen  haben.  Diese  Prodncte  beweisen  also,  wie  sehr  ihm  die 
künstlerische  Harmonie  zwischen  Inhalt  und  Form  abhanden  ge- 
kommen ist. 

Wie  bei  Hugo  so  ist  es  anch  bei  den  meisten  andern  Zeit- 
genossen nnd  Nachfolgern:  sie  vermischen  in  ihren  Liedern  allge- 
maoh  die  lyrischen,  wirklich  sangbaren  Teile  mit  grössern  Stücken 
von  lehrhaftem,  rednerischem  nnd  erzählendem  Inhalte,  nnd  wir 
begreifen  nnn,  wie  es  dem  jämmerlichen  Beheim  einfallen  konnte 
zn  seinem  Bache  von  den  Wienern  eine  Melodie  zn  machen,  da- 
mit man  e$  lesen  taag  als  einen  sprach  oder  singen  als  ein  lietl 

Nach  dem  gesagten  überrascht  es  auch  nicht  mehr,  wenn  wir 
umgekehrt  die  Reden  stark  mit  lyrischen  Elementen  versetzt  fin- 
den, Nr.  1  ist  eines  der  snbjectivsten  nnd  liedmässigsten  Gedichte 
Hagor*8,  und  nnr  die  erzählende  Form  der  Reimpaare  beweist,  dass 
er  das  nicht  erkannt  und  es  zu  den  Reden  gerechnet  hat.  Ebenso 
ist  Nr.  16,  wo  die  Beschreibungen  meist  die  eigene  Ergriffenheit, 
die  Bewegung  des  Innern,  des  Dichters  Empfindungen  und  Ge- 
danken, die  er  für  sich  aasspricht,  reflectieren,  viel  mehr  lyrisch 
und  stimmungsvoll  als  die  componierte  Predigt  in  Nr.  22  oder 
der  singbare  Kampf  gegen  die  Frau  Welt  (Nr.  29)  in  der  gleichen 
metrischen  Form.  Dasselbe  gilt  für  Nr.  21  n.  a.  —  So  werden 
di»  9 Reden''  ein  Gemisch  von  lyrischen,  dialogischen,  erzählenden 
nad  lehrhaften  Bestandteilen,  und  nichts  ist  hinwiederum  bezeich- 
nender fiir  den  poetischen  Standpunkt  dieser  Zeit,  als  dass  gerade 
diese  Gattang,  welche  zwischen  reiner  Lyrik  und  Epik  gestaltlos 
ift  der  Mitte  liegt,  am  meisten  gepflegt  wurde. 


rafer 


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,  Graf  TO       Hedwig. 

t  circa  12 
fin  Ton  Li 


Guta. 


Ägn  e 


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GEDICHTE. 


I. 


A. 


.n  dich  gedenkhen  hat  erkikht    ;  Fol.  1 

das  leben  inia 

uss  aller  pin, 

trut  keiserin! 
5  min  muot,  min  sin 

uff  endes  zil 

dient^dir  sicherlichen. 

wisz  och,  das  mich  daz  hertze  wist 

und  sich  tegelichen  flist 
10  mitt  gantzem  muot  der  sinne  min, 

das  ich  durch  keiner  slachte  pin 

vergesse  miner  trüwen. 

es  tuot  mich  niemer  rüwen 

gantze  trüw  an  argen  wan, 
15  wan  ich  nie  lieber  lieb  gewan. 

das  züg  ich  an  den  werden  gott,  .   * 

dses  ich  doch  tuon  nach  sim  gebott, 

hän  ich  dich  lieb  für  alljdis  weit. 

frow,  des  gib  mir  widergelt, 
20  das  ich  für  war  werd  innen 

widergelts  mit  lieben  sinnen, 

mitt  trüwen  und  mit  eren. 

wizz,  das  sich  sicher  meren 

min  steti  tuot  von  tag  ze  tag. 
25  frow,  du  bist  min  bluejender  hag, 

entsprossen  in  mim   hertzen. 

du  kanst  mir  wenden  smertzen 

für  alles,  das  ich  ie  gesach. 

zartes  bild,  ein  obetaoh 
30  suoch  du  dir  nach  lere. 

frow,  huet  diner  ere, 

Zeile  2,  3,  4  u.  6,  7  hat  die  Hs.  zusammengeschrieben.  4  kayserin. 
5  mut.  8  auch,  dz  hertze.  9  teglichen  fleist.  11  kainer.  12  meiner 
trewen.  13  rewen.  14  Gantz  trew.  19  Fraw.  20  Innen.  22  fcrewen. 
24  stetikait  von.  25  Fraw.  blüyender.  26  minem.  28  ye.  29  ain. 
30  Such.  1er.      31    Fraw.  eer. 


\ 


^ 


—     4     — 

bis  stet  an  alles  wenken. 

du  solt  daran  gedenken, 

das  er  nieman  vergelten  mag: 
.   35  wer  alles,  das  der  helle  tag 

überschinet,  sicherlich, 

es  wer  doch  unmügelich,  # 

das  sie  mit  vergolten  wer. 

zartü  frow  so  tagentber, 
40  du  volg  miner  lere ; 

sicherlich  frow  Ere 

die  muosz  dich  überkrönen. 

für  alles  vogeldönen,  Fol.  1^ 

gich  ich  din  lieplich  sinne. 
45  min  höchste  künneginne 

weltlich  uf  diser  erden, 

min  hertz  daz  muest  verderben, 

hett  ich  nit  din  guete. 

vor  ungelükh  behuete 
50  gott  dich  durch  sin  trinitat! 

sin  kraft  doch  niemer  ende  hat 

und  ist  och  gar  almechtig. 

min  hertz  das  ist  fürtrechtig 

nach  diner  suessen  minne: 
55  in  diner  guet  ich  brinne 

mit  ernest  und  mit  stetem  muot. 

Zwar  ich  gesach  doch  nie  kein  guot, 

darumb  ich  missetete; 

ob  michs  all  die  weit  dann  bete, 
,  60  das  wer  mir  gliches  als  ein  wind. 

min  glük,  min  heil,  min  seiden  kind, 

du  bist  ze  tröst  erkoren  mir. 

das  sag  ich  sicherlichen  dir, 

das  du  mir  bist,  das  nieman  weisz: 
65  das  firmament,  der  zirkelkreisz 

37  mugiich.     38  sy  nit  yergolten.      39  tugentbär.     40  meiner  1er. 

41  fraw  eer.      44   Gich  (?).  dein.  sinn.      45   Mein,  küneginn.    46  auf. 

47  Mein.    48  Dein.    50  sein.    52  auch,    54  deiner,  minn.    55  deiner,  hrinn. 

56  ernst.     57  kain.     58  missetet.      59  bet.      60  glaichs.  ain.     61  mein 

alJe  drei  mal.  hail.      62  erkorn.      ^4  waisz.      65  zirkelkraisz. 


—    5    — 

der  bat  dich  umbeslossen. 

frow,  bis  unverdrossen 

gen  gott  des  ersten  morgens  frao; 

dem  sprich  mit  gantzer  demaot  zuo 
70  und  bitt  in  durch  sin  guete, 

das  er  dich  wol  behuete 

vor  grossem  misselingen. 

darnach  so  1ä  dich  vinden 

gen  der  weit  mit  schimpfe'; 
75  da  suoch  du  fröd  mit  glimpfe, 

Zucht  und  bescheidenheit, 

so  wirt  din  lob  unmassen  breit, 
du  werdes  wib,  mins  hertzen  schrin, 
du  rechte  muotes  kikerin 
80  mins  hertzen  und  minr  sinne ! 
frov  Er,  die  rechte  minne 
hat  mich  usz  dir  geschossen, 
min  hertz  das  ist  verslossen 
mit  trüwen  und  mit  stetikeit, 
85  zarte  frow,  bin  ich  bereit, 
wilt  du  mich  icht  versuochen, 
ald  wes  du  wilt  geruochen 
gen  mir,  das  tuon  ich  willeklich. 

du  macht  och  wol  versuochen  mich, 
90  wie  dikh  du  wilt,  min  höchster  hört! 


II. 


w, 


er  aventür  wil  hören,  Fol.  2 

und  wil  in  nit  betören, 
wie  es  mir  in  der  jugent  gie: 
ein  selig  wib  mich  umbe  vie 
5  mitt  ir  suessen  minne. 
ich  gedacht  in  minem  sinne: 

70  sein.  74  schimpf.  75  gelimpf.  76  beschaydenhait.  77  brait. 
78  weib.  79  mutes.  80  Meins.  meinr  simi.  81  Fraw  eer.  recht 
minn.  82  ausz.  83  Mein.  84  trewen.  stetikait.  85  fraw.  berait. 
87   wes  wilt  du.      89   auch.      90   mein. 

4.   Ain.  weib.  umb  yie.      5   mimi.      6   meinem  sinn. 


-     6     - 

dafür  weit  ich  nit  keiser  sin! 

nu  was  das  liebe  frowelin 

geschikt  als  es  von  rechte  sold. 
10  ir  lieb  nem  ich  für  alles  gold, 

ir  angesicht,  min  sannen  sch!n, 

als  edel  gestein  von  Arabin 

das  möcht  ir  nit  geliehen. 

ir  Wandel  tett  mich  riehen, 
15  den  si  wiplich  an  ir  traog: 

weidenlich  hübsch  unde  kluog 

pflag  si  mit  gnoten  sitten, 

untrüwen  gar  vermitten 

in  irs  hertzen  stammen. 
20  si  schozz  mit  füres  flammen 

in  mines  hertzen  klusen. 

gen  Senenberg  behusen 

ward  ich  do  ze  stunden 

trürig  gentzlich  fanden 
25  and  in  grossen  sorgen  da: 

Amor  vincit  omnia, 

vieng  mich  mit  gantzer  kreft. 

ich  wen,  das  ritterscheft 

an  wer  als  gar  nie  niderlag. 
30  ich  gedächt:  kem  mir  der  seiden  tag, 

das  ich  könd  erwerben 

vor  mines  todes  sterben 

der  fröwea  huld,  ir  guete, 

so  wer  mir  ungemaete 
35  zergangen  als  der  sne, 

mir  tet  kein  trüren  we. 

darnach  begond  ich  sinnen, 

mocht  ich  sie  bringen  innen, 

wie  es  mir  an  mim  hertzen  lit. 
40  ich  kam  zuo  einer  seligen  zit 

gegangen  zao  der  frowen; 

ich  wolt  da  gerne  schowen, 

7  kaiser.      8  lieb.    •  9  recht.      1 2  gestain.  arabin.     1 5  weiplich.  Ir. 
16    Waidenlich.    und.         17    sy.  18    Vntrewen.  22    senenberg. 

24    Trawrig.  25    und    fehlt.         28    wen.  36    kain    trawren. 

38  sjr,      39  meim,  leit.     40  kern,  ainer.  zeit.     42  gem. 


—    7    —  • 

wie  mir  min  red  gelükhen  weit. 

ich  gedächt:  ir  guct  ist  ungezelt, 
45  si  vervächt  mirs  tugentlich. 

ich  sprach:  »fröwe  gnadenrich, 

vernemet  mich,  was  ich  ü  sag.  Fol.  2^ 

es  ist  mer  dann  jär  und  tag, 

zwang  mich  üwer  guete. 
50  ir  kunnent  mir  ungrauete 

mindern  und  och  raeren; 

darnach  wolt  ich  mich  keren, 

das  ich  in  üwerm  dienst  weit  sin, 

so  kern  ich  gar  us  grosser  pin.* 
55  si  sprach:  »zuo  minem  gott! 

es  dunket  mich  ein  spott 

die  red,  die  ich  davor  mir  hän  ghört. 

dik  wib  und  man  wirt  betört 

mitt  Worten,  da  man  der  werch  nicht  phligt. 
60  wie  gar  man  es  so  ringe  wigt, 

damit  die  weit  nu  umbe  gat: 

liegen,  triegen  fruo  und  spät, 

das  heissent  si  geschibikeit. 

phuch  der  von  adel  wäppen  treit! 
65  ir  sult  üch  sin  iemer  schammen, 

wann  es  tuot  an  gewissen  lammen*. 

ich  sprach:  »fröw,  des  tuon  ich  nicht*! 

erschrokhen  was  min  zuoversicht, 

daz  macht  an  mir  der  ernest  grösz: 
70  die  röt  mir  under  die  ögen  schosz, 

das  macht  des  bluotes  hitz. 

ich  kond  noch  das  noch  ditz 

und  stiesz  och  an  den  Worten  min. 

damit  erkant  die  frowe  so  vin 
75  den  ernest,  der  mir  nahe  was. 

si  sprach:  „gesell,  ich  merkh  wol,  das 

45  Sy.  46  fro  gnadenreich.  47  Vernempt.  ew.  49  ewer. 
50  vngemüte.  51  auch.  54  aus.  55  zu.  56  dunkt.  ain.  57  gehört. 
58  weib.  betört.  59  werich.  60  ring.  61  umb  gät.  63  hais- 
sent  sy  geschibikait.  64  trait.  65  lichs.  yem'.  69  ernst.  72  doch 
das.     73   auch.      75   ernst. 


~     8     — 

du  wilt  zeim  stummen  werden. 

ich  lass  dich  nit  uf  erden, 

du  solt  in  minem  dienst  bestan, 
80  wann  ich  dir  d€s  mit  eren  gan,  , 

daruflP  macht  du  wol  büwen.  ^ 

des  lob  ich  dir  mit  truwen, 

und  tuo  mir  das  herwider. " 

hiemit  da  ward  gevider 
85  trüwe  stet  mit  hohem  muot: 

»werlich  din  lieb  sich  meren  tuot 

als  durch  den  barillen  die  gesicht. 

nu  ist  als  min  leid  euwicht: 

frow,  ir  gend  mir  üwern  segen, 
90  wann  ich  wil  rechter  triiwen  phlegen, 

was  ich  üch  verheissen  hän.* 

hin  huob  ich  mich  uf  des  strasses  pan. 

darnach  was  es  wol  jar  und  tag, 

das  ich  nie  rechter  ruowe  phlag 
95  von  rechtem  senen  hinder  sich» 

zuo  einem  hof,  was  lobelich, 

kam  ich  geritten  in  das  land, 

da  ich  die  wolgemuoten  vand 

und  ritterschaft  ein  michel  teil, 
100  graven,  frien,  herren  geil, 

die  woltend  tribeu  ritterspil,  Fol.  3 

turnieren,  stechen  zuo  dem  zil. 

min  muot  was  fri  mit  gediegen  guot, 

als  noch  vil  manig  ritter  tuot, 
105  den  hofnung  nert  und  zuoversicht: 

susz  wer  die  minn  vil  gar  enwicht. 

in  solicher  mazz  was  ich  och  da. 

ich  gedacht:  wie  macht  du  werden  grä? 

in  kurtzen  jaren  bschioht  sin  nicht; 
110  wenn  dich  die  minneklich  an  sieht, 

77  zu  ainem.      78  auf.     89   In.      80   gan.     81   darauff.  buwen. 

82  trewen.        85  Trew.        87  barillen  tut.        88    laid.        89  Fraw. 

1)1    euch  verhaisscn.      92   auf.      93  was  ich.       94  ruwe.      96  ainem. 

loblich.         97    In.         99    ain.    tail.         100    fryen.    gail.         103    fi:y. 

J07  auch,      109   Z>eschicht. 


—    9     — 

so  bist  du  alles  leides  bar. 

hieuiit  zoch  man  die  rosse  dar 

uad  bereit,  als  es  gewoalich  ist, 

gar  meisterlich  nach  meisters  list: 
115  die  rozz  gar  wol  gezieret, 

mit  dekben  durch  florieret, 

daruf  mang  schilt  gar  rieh  erschein 

von  sechs  varwen  sunder  ein 

(an  zwo  so  mag  nit  wäppen  sin). 
120  dri  varwe  mach  ich  zwifalt  schin 

von  härm  und  von  zobel 

unnen  und  och  oben, 

in  schiltes  rant,  in  egg,  in  ort, 

kele  dik  darin  gehört, 
125  als  es  die  visimente  lert, 

gar  meisterlich  darin  gekert. 

mang  schilt  gab  von  golde  schin, 

Silber  wisz  was  och  darin. 

sölt  ichs  als  blasinieren, 
130  die  Wappen  also  zieren, 

des  were  mir  ze  vil: 

der  silmen  zal,  der  stunden  zil 

der  mag  ich  nit  gewalten, 

in  minem  sinn  behalten; 
135  darzuo  gehört  der  Suochenwirt, 

der  dik  mit  red  als  nahe  schirt, 

man  mocht  es  griffen  mit  der  band. 
'  er  ist  in  mangem  laud  erkand, 

das  sag  ich  üch  mit  einem  wort: 
140  er  ist  der  best,  den  ich  ie  ghort 

von  gott  und  von  den  wappen. 

da  tribt  er  keine  gräppen, 
\  er  vächtz  mit  gebluemten  Worten  an, 

des  ich  doch  leider  nit  enkan! 


111  laides  bar.  113  berait.  114  maisterlich.  maisters.  115  rozz. 
117  darauf  manig.  erschain.  118  ain,  120  Drey  yarw.  122  oben 
SDel.  124  kel.  125  uisunent.  126  maisterlich.  127  manig.  128  weisz. 
auch.  131  wer.  135  suchenwirt.  139ainem.  140  gehört.  142  kaine. 
144  laider. 


—     10     - 

111. 


G 


Ott  gruezz  diu  lieben  ögen, 

din  mund  und  och  din  birn! 

ich  stän  sin  äne  lögen: 

du  bist  in  minem  hertzen  ein  senlich  liebi  dirn.     Fol.  3^ 

5  Und  künde  sich  din  guete 
US  kluogen  silmen  richten, 
ich  weit  nach  mim  gemuete 
diner  trüw  ein  minneliedli  tichten. 

Din  sehen  gab  mir  ze  stüre 
10  in  mines  hertzen  grund, 
din  scharphen  blikh  gehüre 
band  mir  sinn  und  muot  in  rechter  lieb  enzunt. 

Ich  wand,  ich  wolt 
nach  diner  minn  verbrinnen. 
15  du  gist  mir  fröden  riehen  solt, 
din  guetikeit  sol  des  werden  innen. 

Als  lieb  zergät  mit  leid 
weltlich  uf  diser  erden 
(sprich  ich  uf  minen  eid), 
20  es  mag  nit  anders  werden. 

Also  bin  ich  nit  gescheiden, 

des  wil  ich  got  getrüwen. 

nieman  lazz  mich  dir  leiden. 

ich  wolt  uf  din  stetikeit  einn  hohen  turn  büwen. 

25  0  lieplich  zart,  du  suesse, 
mins  hertzen  fröd  und  lust! 
zwei  ephelli  ich  gruesse, 
gewachsen  usz  diner  brüst. 

2  auch.  4  In.  ain.  5  gut.  7  meim  gemüt.  8  trew  ain.  9  stür. 
11  gehür.  12  hand  fehlt.  13  dritte  und  vierte  Strophe  zu- 
sammengeschrieben. 14  deiner.  15  geist.  reichen.  16  guetikait. 
17  laid.  18  auf.  10  auf  meinen  eid.  21  geschaiden.  22  ge- 
trawen.  23  Niemand.  layden.  24  auf  dein  stetikait  ainen.  bawen. 
25   süss.      26  Meins.   -  27  Zway  äphelli.  griiss.      28   deiner. 


—    11   — 

Die  sind  gar  wol  gedran 
30  und  stand  ital  eben, 

gar  wirdeklich  und  schön: 
in  seiden  muessist  leben! 

Fürbas  ich  nit  reden  kan, 
als  ich  din  gueti  loben  sol; 
35  gott  der  mich  geschaffen  hat, 
der  weisz  min  gedenken  wol. 

Hab  guoten  muot,  min  lieber  buol, 
bis  fri  vor  allem  truren, 
setz  mich  uf  der  fröden  stuol: 
40  uff  mich  so  macht  du  muren. 

Was  ich  dir  ie  verheissen  hän, 
das  hast  du  also  funden? 
glük  gang  dich  mitteinander  an, 
des  wünsch  ich  dir  ze  stunden. 

45  Du  solt  in  dinem  schriben 
mich  furbas  nit  me  nennen 
(an  dir  wil  ich  stet  beliben): 
Geschrift  und  schriber  kan  ich  wol  kennen. 

Der  schriber  ist  dins  handeis 
50  (gott  geb  im  selig  zit), 
eins  züchtigen  wandeis, 
sin-geberd  gar  eben  lit. 

Wil  er  darzuo  verswigen  sin, 
so  hat  er  gnäd  von  gott; 
55  wann  nachred  bringet  grosse  pin 
und  wirt  eins  selber  ze  spott. 

Ich  weisz  von  im  nit  denn  guot.  Fol.  4 

ich  warnen  in  susz  daran, 
daz  er  sich  hab  in  rechter  huot, 
.    60  wann  ich  im  guotes  gan. 

29  gedrön.  34  als  ich  fehlt.  36  waisz.  38  fry.  trawren. 
39  auf.  41  ye  v'haissen.  45  deinem  schreiben.  46  nennen. 
47  beleiben,       49  Schreiber,  deins.       51    Ains.       56  ains.      57  waisz. 


—     12     — 

Eins  tuo  nit  vergessen, 
daran  gedenk  ze  aller  stund, 
sunder  mit  sitten  messen: 
nieman  offen  dines  hertzen  grund; 

65  Es  si  dcb  denn  dim  getrüwen  buolen 
ald  dinem  bichtiger, 
>  so  beli^st  dest  bas  in  ruowen: 

von  red  kunt  grosse  swer. 

Du  la  dir  nieman  tichten, 
70  scbrib  us  dins  hertzen  grund 
siechte  wort  mit  trüwen  richten, 
die  tuond  mich  sicher  gsund. 

Du  fragist  denn  den  schriber  glich, 
das  er  dir  gebi  rät: 
75  den  gruesz  mir  tugentlioh, 
sin  wis  im  wol  anstat. 

Got  dank  dir  dines  trüwen  rät, 
dabi  ich  wol  bekenne, 
das  din  hertz  ein  senen  hat, 
80  das  ich  doch  trüwe  nenne. 

Mich  dunkht  din  guet 

die  hab  nach  mir  ein  liden. 

min  hertz  nach  diner  guete  wuet, 

ze  widergelte  wil  es  dich  nit  miden. 

85  Das  macht  din  wiplich  geber, 
die  ist  gar  schon  gemessen 
(es  ist  äne  alls  gever). 
0  tuo  min  nit  vergessen! 


61     Ains.        64    deins.        65   sy  dinem    getrewn.         66   deinem. 

70   Schreib  aus  deines.       72  tund.  gesund.        73  schreib'.        76   Sein 

weis.       77  trewn.     78  daby.  bekenn.       79  dein.  ain.     80  trewe  nenn. 

82  ain.      83  Mein.      84  widergelt.     84  dein  weiplich.     87  an  alles. 

88  mein. 


-     13    — 

IV. 


Ai 


.Her  wisheit  aoevang 

ist  ze  braefen  an  dem  ussgang 

an  mannen  und  an  wiben. 

wer  möcht  in  fröden  bliben, 
5  solt  mans  als  bedenkhen, 

was  sich  tuot  ze  Sünden  senkhen? 

Y  gitikeit,  du  bitter  hört! 

du  stuftest  mein,  du  stifftest  mort 

und  hast  vil  böser  artikel: 
10  der  sei  ein  böser  stikel 

bist  du  mit  sneller  il. 

ach  giftig  böser  phtl 

in  aller  menschen  hertzen! 

du  bruefest  jamersmertzen, 
1 5  aller  menschen  verderben ; 

davon  so  kumpt  ewig  sterben, 

wer  sich  darinn  lät  vinden, 

in  sölicher  sach  erblinden. 

ach  herr  gott,  durch  die  guete  din  Fol.  4^ 

20  (an  sünd  so  mag  ich  hart  gesin) 

hilf  mir  zuo  einem  guoten  end: 

bicht,  rüw  und  puoss  mir  send! 

an  dich  ward  nie  noch  niemer  wirt, 

als  guot  US  diner  gotheit  pirt. 
25  weren  alle  wasser  timpten, 

darus  geschriben  mit  worten  grimpten ; 

der  fürin  himel  papir  fin, 

alles  mergries  subtil  schin 

schriber,  und  schribent  tusent  jar; 
30  als  lob,  gras  vedren  dar: 
nieman  möcht  es  volschriben, 
die  hoch,  die  tieflf  durchtriben, 
die  breit,  die  leng  durohgründen. 
mit  keiner  slachte  fünden 

1  weishait.  2  aussgang.  3  weihen.  4  beleiben.  7  Yy  geitikait. 
8  main.  10  ain.  11  yl.  12  phlil.  14  Jamer  smertzen.  19  herre. 
21  zu  aineni.  22  rew.  puss.  24  aus.  gothait.  25  eile.  26  Daraus. 
29  tausent.    31  volschreibn.    32  durchDreibn.    33  brait.    34  kainer  slacht. 


—     14    — 

35  mag  es  nieinan  gedenkhen. 

nieman  sol  sich  darin  senken : 

gott  was  ie  und  iemer  ist, 

daz  ist  ze  clär  allr  menschen  list, 

nüt  hat  in  unibvangen. 
40  er  hat  es  als  umbgangen, 

davon  heist  er  aluiechtig. 

an  zwifel  hat  er  den  sig, 

des  glöb  ich  och  und  blib  dabi: 

ein  slechter  glob  ist  wandeis  fri. 
45  0  gott,  waz  hast  da  ze  dankhen  mir! 

sei,  recht  Vernunft  hän  ich  von  dir. 

hau  ich  dabi  ie  unrecht  getan, 

da  bist  du  gar  unschuldig  an: 

minn   eigen  willen  hast  mir  geben, 
50  damit  so  mag  ich  also  leben, 

das  ich  tuon  übel  oder  guot. 

nu  bipr  ich  fleisch,  bein  und  pluot, 

daz  züht  den  elementen  nach, 

zuo  göttlichem  dienst  ist  im  nit  gäch. 
55  ich  bekenn:  ich  bin  ein  arm  man, 

an  dich  so  mag  ich  nit  bestan. 

und  solt  ich  tusent  jar  leben, 

du  muost  mir  hilf  und  rät  geben, 

sol  ich  din  huld  erwerben, 
60  susz  muest  ich  gar  verderben. 

was  du  mir  gist,  das  gib  ich  dir: 

kein  guotet  tuon  ich  selb  von  mir. 

ach  gott,  durch  dine  trüwe 

gib  minem  hertzen  rüwe 
65  und  hilf  mir  minem  höbet, 

das  es  nit  werd  berobet 

sinn  und  och  vernunst. 

gib  mir  gerechte  kunst, 

damit  ich  clag  min  missetat, 

37  je.     38  aller.    41  haist.    43  auch,  belib  daby.    44  Ain.  glaub, 
fry.     45  wz.     47   daby  ye.      49   aigen.      52   flaisch  bain.      53  zühet. 
55  ain  arm.         58   must.       61    geist.        62  Kain.       63   deine    trew. 
64  meinem,   rew.      66   beraubet.      67   auch. 


—     15     — 

70  die  miQ  üb  begangen  hat. 

mich  rüwet  äne  allen  spott, 

wa  ich  der  zehen  gebott 

ie  keins  häU' gebrochen: 

0  gott,  lazz  angerochen! 
75  genad  tuo  gen  mir  schiben,  Fol.  5 

wä  ich  die  gaben  siben, 

des  heiligen  geistes  tugent 

in  alter  oder  in  jugent 

nitt  hän  gehalten. 
80  des  tuot  nan  rawe  walten, 

und  ist  mir  och  von  hertzen  leid, 

wa  ich  die  acht  selikeid 

in  wird  und  in  er  nicht  ghabt  hän 

und  daruf  gantz  min  flizz  getan. 
85  all  sünd,  und  wa  ie  sünd  von  kan, 

wa  ich  der  dehein  begangen  han, 

Starkher  gott,  das  rüwet  mich; 

din  erbeuned  an  mich  sich 

und  la  mir  die  ze  statten  komen, 
90  wan  ich  han  in  der  gsohrift  vernomen, 

das  du  Moyses  mit  sim  her 

zwölf  strasze  machtest  durch  das  mer: 

nu  hilf  mir  uss  der  sünd^n  ruot. 

ich  man  dich  an  dtn  tugent  guot, 
95  die  da  geschach,  da  du  wer  kind 

vor  esel  und  gehomem  rind, 

die  muoter  din  gar  guetlioh  phlag: 

der  menschheit  erschein  der  seiden  tag, 

din  demuot  gross,  als  Lucas  sagt 
100  si  was  din  muoter  und  doch  ein  magt 

an  alle  meil,  daz  glob  ich  wol. 

got  vatter,  ich  dich  loben  soll; 

70  leib.  71  an.  73Tekain8.  77  hailigengaistes.  7aiii.  80  rew. 
81  auch,  von  fehlt,  laid.  82  selikaid.  83  grehabt.  84  darauf, 
mein  fleizz.  85  ye.  86  dehain.  88  erbermd  91  iDoyttes.  steinem. 
92  strasz.  93  auss.  95  wert.  97  dein.  98  mensohhait  ersohain. 
09   Dein,    lucas.      100   Sv.  ain.      101   all  mail.      102   Ich. 


—     16    — 

TOD  diner  gnad  han  ich  den  sii\ 

(lib  und  guot  muoss  als  dahin). 
105  wer  mich  daran  wolt  wenden 

und  mich  an  dem  glouben  phenden: 

ich  glob  gar  starkh,  da  bhalt  mich  bi; 

all  dine  wort  sind  wandeis  tri. 

eins  ich  in  grossen  sorgen  bin: 
110  glob  an  werch  ist  halber  sin, 

damit  so  mag  ich  nit  bestän, 

ich  muoss  ie  werch  ze  dem  globen  han. 

daz  weiss  ich  wol:  got  hab  min  gwalt; 

ich  wirb  also,  ich  sterb  jung  od  alt, 
115  daz  macht  min  eigen  wille. 

gott,  mich  vor  sünden  stille: 

ich  man  dich  an  din  trinitat, 

din  marter  uns  erlöset  hat. 

wie  war  daz  nieman  kan, 
120  kein  widered  doch  gen  dir  hän 

vor  gericht  am  jüngsten  tag. 

dem  ist  also,  das  ich  üch  sag: 

all  profetien  werdent  kunt 

gar  snell  getan  allr  menschen  munt, 
125  die  vor  vil  tusent  jaren  sind  bschehen. 

all  weit  muosz  in  der  warheit  jehen, 

daz  es  dann  als  geschehen  ist. 

da  hilfet  weder  kunst  noch  list: 

wer  sich  vor  nit  gefilrdert  hat,  Fol.  5^ 

130  pett  und  almuosen  ist  denn  ze  spät, 

und  hilft  och  nümer  recht  tuon; 

das  unrecht  hat  weder  frid  noch  suon, 

ungelob  der  muosz  sich  smügen. 

zwölf  potten  sind  gezügen 
135  in  all  die  weit  —  si  lieb  od  leit  — 

da  händ  sie  ie  die  warheit  gseit. 

103  deiner.  1 04  Leib.  107  glaub,  behalt,  by.  108  Alle  deine,  fry. 
109  Ains.  110  Glaub.  112  ye.  zu.  113  Dz  waiss.  gewalt. 
114  oder.  115  aigen.  wiU.  116  still.  120  Kain.  124  all'.  125  be- 
sohehn.  126  musz.  warhait.  128  hilfelt.  131  hilfet  auch  nüma. 
134   gezeugn.       135    sy.   oder   lait.       136   sy  ye.   warhait  gesait. 


—    17    — 


nach  gotz  gcibott,  als  ich  yernam', 

der  heilig  geist  do  zuo  in  kam 

und  maohtz  als  gar  durchlüchtig : 
140  Ar  hertz  daz  ward  inbrünstig 

in  göttlicher  lieb  und  minn; 

kein  arger  gedankh  noch  sinn 

mocht  si  nit  me  berueten. 

daz  recht  daz  woltentz  fueren 
145  ^ar  willeklich  und  unverdrossen, 

des  händ  si  ir  plaot  vergossen 

hie  und  da  in  mengem  land. 

gezügen  werdentz  da  zehand; 

eines  wirt^ein  urbhünd: 
150  iedes  mensch  des  andern  sünd 

bekent  und  sine  missetät, 

als  die  es  selb  begangen  hat. 

da  sehent  wis  und  tören, 

das  nieman  wirt  verloren, 
155  denn  mit  dem  rechten  und  nmb  sin  schuld. 

wer  nu  hat  des  schöphers  huld, 

der  ist  geseliget  ewenklich: 

zelön  wirt  im  das  himelrich. 

nu  sitzt  der  herr  gar  unversmogen 
160  glichs  als  uf  eim  regenbogen, 

und  zuo  denselben  stünden 

zeigt  er  sin  fünf  wunden, 

die  er  umb  uns  gelitten  hat. 

daz  gericht  ist  snell  und  bschicht  vil  drat, 
165  wann  das  unrecht  stat  blosz  an  wer. 

des  sieht  denn  zuo  als  himmelsch  her. 

nu  spricht  der  mehtig  küng  behend 

(sin  ie,  sin  iemer  ist  an  end): 

«gänd  her  ir  seldenrichen, 
170  besitzent  ewenklichen    ' 


138  hailig  gaist.^-sm  In.  140  Inbrünstig.  142  Kain.  143  sy. 
145  und  fehlt.  146  Der.  sy.  148  Gezeugn.  149  Ains.  ain. 
150  Yedes.  151  sein.  158  Im.  160  Gleichs.  auf  aim.  161  zu. 
162  Zaigt.  sein.      164  Dz.  beschicht.      166  zu."    168  ye. 

Wackemell,  Montfort.  ^2i 


—     18     — 

das  riche,  das  üch  ist  bereit. 

die  fröd  hat  keinen  underscheit, 

wann  ewigs  leben  an  ende 

zuo  miner  zeswen  hende.** 
175  zuo  der  linggen  siten  stat  ein  schar, 

die  sind  vor  schrikhen  hellevar, 

vor  grossem  jämer  unde  not, 

das  si  der  ewige  tod 

mit  irm  willen  hat  gevangen; 
180  des  rauessent  si  cleglich  prangen 

vor  gottes  angesicht 

(ir  pett  dti  ist  enwicht) 

und  wünschent  über  sich,  Fol.  6 

berg  si  dekent  glich, 
185  und  weltint  noch  mer  pin  hän, 

damit  si  werint  des  grichtes  an; 

wan  sie  sehent  wol  und  we 

und  jamer  in  der  sünden  se. 

nu  spricht  der  herr  mit  zorn: 
190  »wolhin  ir  sind  verlorn! 

üwer  sünd  tuot  üch  verfluochen: 

ir  woltent  nie  gesuochen 

min  rieh,  und  stuond  doch  offen, 

davon  sind  ir  geloffen. 
195  des  varend  hin  behende 

in  iemer  we  an  iende!" 


V. 

Ich  wenne,  daz  nieman  nu  si, 

im  wen  ein  anvechtunge  bi, 
das  sich  doch  zühet  wider  got: 
unrecht  tuon  das  ist  ein  spot 

171  rieh,  berait.  172  kainen  vnderschait.  173  end.  174  Zu. 
hend.  175  zud\  ain.  177  und.  178  sy.  ewig.  179  Irni.  180  und 
184  sy.  186  sy.  gerichtz.  187  Won.  188  In.  189  herre.  191  p:wer. 
euch.      193   reich.      195   behend.      196  yenier.  end. 

1   wenn.^  sy.      2  ain.  anyechtung  by.     4  ain. 


—     19    — 

5  und  nimpt  nit  guoten  ende. 

in  jugent  fruo  bebende 

zwang  raicb  ocb  ein  liden, 

das  kund  rain  bertz  verscbniden: 

das  warent  selig  frowen, 
10  die  tett  icb  gernö  scbowen, 

und  darzuo  liebe  töcbterlin, 

die  tätent  minem  hertzen  pin, 

ein  wil  lieb,  die  andern  leid. 

der  Wechsel  bett  vil  underscbeid. 
15  so  spracb  man,  icb  weit  toben. 

icb  gedächt,  ich  muess  ie  loben 

mitt  Worten,  so  ich  peste  kan. 

biemit  hept  sich  du  red  an: 

ir  bar  bruef  ich  für  siden, 
20  ir  guet  ist  bert  ze  miden, 

dabi  ir  liebe  tinne 

geschikhet  näc}i  der  minne 

in  rechter  breit  und  eben; 

darunder  so  bat  geben 
25  der  element  des  luft, 

gemacht  mit  clärem  guft, 

zwei  ogen  wol  geschikhet, 

darinn  ist  mit  verblikhet 

ein  scharpfe  gesiebt  und  guetlich 
30  (das  töcbterlin  daz  sieht  lieplich}, 

und  sind  doch  nit  von  füre. 

das  git  si  mir  ze  stüre; 

des  muosz  ich  üch  verjehen : 

heisz  macht  mir  ir  sehen. 
35  ir  wengli  wis8  nach  berlen  art, 

darinn  ist  sicher  nichtz  gespart: 

sangwineus,  das  edel  bluot,  Fol.  6^' 

die  rot  sich  in  die  wisse  tuot, 

subtil  gar  schön  gedrungen; 

5   end.      6   behend.      7   auch  ain  lyden.      9  frawn.      10   schawn. 
13   Ain.   laid.  14   vnderschaid.        16   ye.        17    pest.        20   myden. 

21    Baby   Ir.  tinn.      22   minn.      23   brait.      26   Gemachet.      27   Zway. 
29   Ain.      31   für.      ä2   sy.  stur.      34  Haisz.  Ir.      35    weyss. 


—     20     — 

40  ir  mündli  lieplich  entsprungen 

in  rechter  rubins  röti  flukht, 

ir  zenli  schon  dann  gedrukt, 

lieb,  eben  und  dabi  dein, 

wisz  recht  als  ein  helfenbein; 
45  ir  helsli  runt,  ir  nekli  blank, 

ir  lib  geschikt  nach  wünsch  gedank, 

daran  was  nütz:  vergessen. 

frö  Venus  het  gemessen 

mitt  einem  zirkel  ussgeschiben 
50  rechte  lidmäzz  bi  ir  beliben.   — 

der  loflP  werte  mich  fürwär 

vierdehalbs  und  drissig  jär; 

der  was  ich  alt  an  allen  spot, 

do  gedacht  ich  erst  an  got. 
55  was  trugnüss  in  der  weite  was, 

daz  glich  ich  zeineni  gruenen  gras: 

der  anevang  ist  hübsch  und  vin, 

lalde  so  kumpt  snell  darin 

ein  swartze  varw  und  gel, 
CO  daz  ist  de^  tod  so  snel, 

oder  aber  trugnüss  und  wankelmuot, 

das  och  die  liebi  zertrennen  tuot. 

das  bedacht  ich  snell  und  bald.  < 

vor  unmuot  luflP  ich  in  ein  wald 
65  und  wolt  da  sin  beliben, 

die  weit  han  usgeschiben. 

vor  ir  unstet  und  truflfeni, 

dunkh  ich  mich  in  der  willnust  fri. 

ich  lag  unlange  dozemäl, 
70  do  kam  der  held  her  Parcifal 

geschlichen  heimlich  durch  den  tan. 

ich  sach  in  mit  sorgen  an, 

daz  macht  sin  leng,  sin  kreftig  lib. 

43  daby  clain.     44  Weisz.  ain  helfenbain.      45   Ir.      48   venus. 

40  ainem.      52  by  Ir.      51  laufF.      52  Vierdhalbs.     53  spotfc.      55  wcU. 

50    glichh.    zu    aine.      57   anuang.      58  Bald.      59   Ain.      Gl    wankl- 

müt.      62  auch,  lieby.      64  ain.      66  habn.  ausgeschibn.     67   truftny. 

es  fry.      69  uülang.      71   haimlich. 


—     21     — 

ich  gedacht:  das  ist  ein  selig  wib, 
75  die  den  held  hat  getragen. 

sol  ich  nun  min  leben  wagen, 

sol  ich  sinr  kunft  hie  bestan 

oder  sol  ich  fliehen  in  den  tan? 

min  muot  der  riet  mir  beliben: 
80  ich  gedacht  mich  davon  nit  ze  schiben, 

und  wil  bestan  der  aventür. 

gott  ze  hilf  und  och  ze  stür 

wil  ich  nemen  uf  disen  tag: 

kein  sach  mir  nit  geschaden  mag. 
85  der  held  der  grueszt  mich  tugentlich. 

ich  sprach:  »gnäd,  herr!*  —  gar  senfteklich  — 

er  sprach  zuo  mir:  »lieber  knab, 

nu  merkh  die  wort,  die  ich  dir  sag, 

und  tuo  mir  kund  die  kintheit. 
90  wie  lept  man  in  den  landen  breit?" 
*  ich  sprach:  »herr,  ich  bin  ein  man 

(für  war  ich  üch  wissen  lan)  Fol.  7 

und  hän  me  kraft  denn  daz  merteil  der  weit.** 

er  sprach  zuo  mir:  „dast  Ferner  gelt, 
95  sind  ir  darzuo  komen; 

ich  weit  mit  ris  von  bomen 

der  held  wol  hundert  binden.** 

ich  sprach:  »man  mags  nit  vinden 

kein  wib,  die  trueg  kein  solichen  helt,  ^ 

100  daz  leben  wer  ir  abgezelt. 

darzuo  so  vindt  man  keinen  man., 

der  kraft  der  natur  mug  hän.** 

er  sprach  zuo  mir  in  guote : 

»bist  du  von  cristam  pluote?*  — 
105  »ich  lan  mich  des  nit  beroben, 

ich  hän  ie  cristan  globen: 

min  gott  ist  von  einr  magt  geborn, 

daz  tett  den  tiefein  sicher  zorn ; 

74  ain.  82  auch.  83  auf.  84  Kain.  87  zu.  80  tob.  kintliait. 
00  braib.  Ol  am.  03  dz  raertaü.  04  Ei  sprach  zu.  dz  i^t  perner.  00  reis. 
00  Kain  beidemal.  101  rindet,  kainen.  103  zu.  In  gut.  104  Cri- 
sbam  plüt.     105  beraubu.      106  ye.  glaubu.     107  ainer. 


-     22     — 

do  ward  ir  gwalt  zerbrochen: 
110  vil  inanig  tusent  wochen 

latent  si  den  grechten  leid. 

daz  understoond  die  selig  meid 

initt  irem  kind  Jhesom. 

daz  pracht  den  grechten  grosze  fruin, 
115  daz  sich  hernach  gar  wol  erfand: 

er  band  den  tiefel  mit  sinr  hand 

und  ist  darzuo  drivaltig: 

gott  vater,  gott  sun  gewaltig, 

der  heilig  geist  ein  gottheit  ist. 
120  sant  Johans  ewangelist 

der  hätz  geschriben  mit  sinr  hand, 

des  setz  ich  üch  min  hopt  ze  phand, 

darumb  so  wil  ich  sterben, 

min  sei  mag  nit  verderben." 
125  er  sprach  zuo  mir:  »hab  guoten  muot: 

zwar  ich  tot  kein  cristan  pluot 

an  schuld,  davon  bis  äne  vorcht.  • 

damit  hett  ich  min  sei  verworcht, 

ich  muest  sin  gar  swer  widerkomen 
130  gen  gott,  daz  hän  ich  wol  vernomen. 

er  sprach  zuo  mir:  „uu  merk  gar  eben: 

bekennest  .du  icht^  der  Fürsten  leben, 

hast  du  die  weit  icht  recht  gesehen? 

des  solt  du  mir  hie  verjehen.* 
135  ich  sprach:  »ja  herr,  ich  sag  ü  für  war: 

ich  hatt  der  tag  min  viertzehn  jar, 

sid  hän  ich  wunders  vil  gesehen. 

was  plagen  der  weit  ist  beschehen, 

ich  glob,  es  kom  von  sünden, 
140  wir  tuond  es  als  nit  gründen: 

mang  sach  die  sich  vergangen  hat, 

des  ist  vergessen  gar  ze  drät; 

109  gewalt.  111  sy.  gerechten  laid.  112  maid.  114  Dz.  gerechten 
grosz.  115  Dz.  116  seiner.  118  vatter  Gott.  119  hailig  Gaist. 
ain  gotthait.  121  seinr.  122  euch.  124  Mein.  125  zu.  126  kain. 
127  bisan.  131  zu.  135  ew.  136  viertzehen.  139  glaub. 
140   tund.     also.      141   Manig. 


—     23     — 

viel  snnd'ist  vor  uns  bslossen, 

vor  gott  als  us  gössen. 
145  wir  bekennent  eins  andern  hertzen  nicht, 

dadurch  gott  gar  luter  sieht: 

er  weisz  och  all  gedankhen, 

durch  muren  und  durch  blankhen  Fol.  7^ 

da  ist  vor  im  nicht  verborgen. 
150  wir  stand  billich  in  sorgen. 

so  spricht  oft  ein  tumber  man: 

wes  gät  den  muej  und  arbeit  art? 

er  hatz  doch  zwar  verdienet  nicht. 

wer  weisz  ab,  warumb  es  beschicht? 
155  si  lang  ald  kurtz  vergessen, 

gott  kann  es  dannocht  messen: 

tusent  jar  ist  im  ein  angesicht, 

derselben  sach  verstau  wir  nicht.* 

do  sprach  der  held  her  Parcifal: 
160  „der  rede  hast  du  war  ze  mal; 

doch  tuot  gott  ettwenn  die  sinen 

leidigen  und  pinen, 

das  tuot  er  als  umb  die  geschieht, 

daz  si  sin  vergessen  nicht, 
165  und  verlätz  doch  nit  am  lesten, 

so  kumpt  es  in  zuo  dem  besten. 

wem  all  sin  sach  nach  wünsche  gät 

an  arbeit,  der  sol  haben  rät, 

ob  es  glükh  oder  unglükh  si; 
170  er  mag  also  nit  wesen  fri, 

es  muoss.hie  oder  dort  zergän: 

zwei  himeMch  mag  nieman  hän*. 

do  sprach  der  held  zuo  mir  behend: 

„gib  mir  der  ersten  frag  ein  end!* 
175  ich  sprach:  »und  könd  ichs  sagen, 

ich  weit  nit  lenger  dagen: 

143  beslössen.  144  au-;.  145  ainr.  147  waisz  auch.  151  aiu. 
152  niiiy.  arbait.  154  waisz  ab\  155  Sy.  157  Täusciit.  aiu. 
159  paicüal.  IßO  red.  162  Laydigeu.  164  ^y.  166  zu. 
167  wuusch.  168  arbait.  169  sy.  170  fry.  171  muss. 
172  Zway.     173  zu.     174  ain.      175  ich  es. 


—    24    — 

die  weit  ist  so  gar  verirret, 

mitt  menger  sacb  bewirret; 

doch  sag  ichs,  so  ich  beste  kaa. 
180  gott  rueff  ich  ze  hilfe  an, 

daz  er  mir  gebe  die  vernunst, 

daz  ich  mit  sinn  und  och  mit  kunst 

sag  üch  von  wib  und  och  von  man. 

nu  heb  ich  mit  dem  höchsten  an: 
185  gott  gab  uns  hie  uf  erden 

den  hohen  und  den  werden 

sant  Petern  hie  ze  tröste, 

daz  er  von  sünden  löste, 

und  ander  bepst  nach  im, 
190  wer  mit  rechter  stim, 

mit  rüw  und  puozze  für  in  kem, 

daz  es  im  alle  sünd  benem. 

das  gebott  ist  zerbrochen, 

mitt  valsch  ietz  vast  betrochen: 
195  zwen  pebest  sind  gewellet> 

der  tiefel  hat  gesellet 

werlich  sich  zuo  dem  einen. 

die  bösen  und  dunreinen 

die  händ  erdächt  die  valschen  wal, 
200  den  wirt  zelön  der  ewig  val. 

0  mortjo  über  die  gitikeit! 

si  stifFtet  jamer,  ewigs  leit 

das  ian  si  vil  wol  nüwen.  Fol.  8 

die  sach  die  hat  si«geprüwen, 
205  und  sol  doch  nur  ein  pabest  wesen! 

wer  hat  die  heiligen  warheit  glesen? 

das  got  selb  hat  gesprochen, 

das  hat  der  git  zerbrochen! 

min  red  sol  wesen  niemau  zom: 
210  der  sach  wirt  nieman  nie  verlorn, 

177  Ter  Irret.  178  mänger.  179  best.  180  hilf.  181  geb- 
182  auch.  183  weib.  185  geb.  auf.  187  petern.  tro.t.  188  löst- 
189  Bepst.  Im.  191  püzz.  In.  192  all.  194  yetz.  195  pebst- 
197  zu.  ainen.  198  die  vnrainen.  201  geitikait.  202  Sy.  lait.  203  u- 
204    sy.      205   ain  pabst.      206   hailigen  warhait  gelesen.      208   geit. 


—    25    — 

dann  grosse  hoptprelaten : 

die  blasent  iren  äten 

ZQo  der  sach  durch  gitikeit. 

welem  bapst  wirt  zuo  geleit 
215  umb  gab  und  nit  in  rechter  minn, 

daz  in  wiszt  anders  nit  sin  sinn, 

wann.daz  er  rechter  habest  si, 

der  mag  da  wol  beliben  bi; 

tet  er  es  aber  umb  gab  od  guot, 
220  zwar  der  hat  ein  bösen  muot: 

der  verkoft  die  grechtikeit, 

das  wirt  sinr  sei  ein  ewigs  leid. 

nu  dar  ir  küng,  ir  Fürsten,  ir  herren! 

ir  soltent  sölich  unrecht  werren 
225  mitt  üwer  macht  behende, 

das  es  nem  snell  ein  ende, 

wann  solich  zweiung  ist  nit  guot; 

die  cristenheit  es  verwisen  tuot. 

ir  churfürsten,  ir  sigint  tod  od  leben, 
230  hettint  ir  üch  des  begeben, 

das  ir  einn  kiiaben  walten, 

das  tuot  das  recht  nicht  halten! 

ir  soltent  gwelt  han  einn  gstanden  man, 

den  türsten,  den  man  vinden  kan, 
235  ze  küng;  und  hettint  ir  das  getan, 

so  werint  wir  der  zweiung  an, 

und  wer  die  cristenheit  wol  bhuot. 

ir  hettent  da  nicht  wisen  muot 

mit  üwerm  küng  von  Pehem  land. 
240  ir  band  die  cristenheit  gephand 

an  recht,  an  fürstlich  zucht  und  sitt, 

der  wont  gar  wenig  bi  im  itt. 

213  Zu.  geitikait.  214  Bapst.  zugelait.  217  Bapst  sy. 
218  by.  219  od'  umb  gut.  220  aiu.  221  verkauft,  gerechtikait. 
222  aiii.  laid.  225  ewcr.  behend.  226  aiii  end.  227  zwäyuiig. 
228  cristenhait.  229  Churfilrstn  Ir.  od\  230  Ir  euch,  über  des  steht 
nit    eingeschrieben.         231     ainn.  2 3 3     geweit,    aingestandeiu 

236    zwayung.        237   cristenhait.  behüt.        239   ew'm  kiinig.  pehem. 
240    cristenhait.        242  by.    ytt. 


—  ^6     — 

wenn  wil  er  umb  daz  keisertuoin  werben? 

er  liess  die  weit  verderben, 
245  e  das  er  keui  von  Präge! 

das  ist  ein  grosse  plage. 

die  red  ist  alle  leider  war, 

daz  sag  ich  ücb  sieber  zwar. 

so  leben t  ettlicb  fürsten  herren, 
250  die  tuont  sich  des  rechten  werren: 

ist  bi  in  ein  biderman, 

den  setzent  da  die  schelk  hindan 

gen  dem  herren  und  verliegent  in 

mitt  valsclier  claif  —    nu  merkh  den  sin  — 
255  und  sprechen t:  „herr,  nu  melt  mich  nicht, 

du  red  von  rechter  tröw  gechicht,  Fol  8*^ 

die  ich  zuo  üwern  gnaden  hän.'* 

wie  sol  ein  biderman  bestän  ? 

geistlich  gericht  und  weltlich 
260  an  zwifel  des  einander  gicht: 

hör  enen  teil  engegen, 

wilt  du  des  rechten  pblegen. 

so  ist  der  herr  also  gemuot: 

sim  gewalt  er  denn  geloben  tuot 
265  und  furcht  in  gliches  als  ein  kind, 

er  ist  in  gesehendi  ogen  blind; 

uude  gult  es  im  das  leben, 

er  solt  dem  unrechten  widerstreben. 

so  phlegent  priester  simoni, 
270  darzuo  sint  si  nicht  wuochers  fri 

und^  süntliohs  fürkofFen. 

etlicher  wirt  noch  roflfen 

sich  selber  an  dem  jüngsten  tag, 

sin  schätz  im  nit  gehelfen  mag. 
275  ie  höher  ampt,  ie  grosser  puoss: 

wer  es  verdient,  ers  liden  muoss. 

243  kais*tüm.  245  Ee.  prag.  246  ain.  plag.  247  laider. 
250  tunt.  251  by  In  ain.  256  rechter  trew.  257  zu  ew'n. 
258  ain  bydermaii.  259  Gaistlich.  261  enen  tail.  262  globcn. 
265  gleich,  ain.  266  äugen.  267  Und.  269  Sinioui.  270  sy.  fry. 
271  fürkauffen.     272  rauflfen.     275  Ye  beidemal.     276  er  es  lyden. 


-~27    - 

die  mechttfsen  herreo  waestent  zvär 

die  ricterBchaft  (dost  sicher  war); 

wer  loik  tribt  und  pheniag  hat, 
280  der  ist  gewaltig  an  dem  rät; 

beschidikeit  bat  ietz  den  val, 

die  weit  verwueetet  Sberal. 

zwar  es  ist  kein  wiser  maot, 

der  mit  wissen  nnreoht  tnot. 
285  es  solt  ein  herr  doch  gedenken: 

tuost  da  din  zungen  lenken 

dnrch  miuen  willen  wider  rei'ht, 
~  zwar  du  bist  des  tivets  knecht; 

nnd  liezz  sich  an  den  man  nit  vil, 
290  der  das  unrecht  zem  rechten  bringen  wil.* 

Do  sprach  der  held  us  friem  mnot: 

nzwär  das  dunket  mich  nit  gaot, 

der  loff  ist  all  ze  berte. 

sag  an:  wie  hat  geverte 
295  ritterBchaft  und  fröwen? 

wie  länd  si  sich  sohftwen?* 

ich  sprach :  ,  der  lof  ist  mengerlei : 

ettlich  minner  band  geschrei, 

mitt  schrien  tnon  si  weien 
300  als  esel  in  dem  meien, 

und  händ  doch  weder  zncht  noch  schäm; 

mitt  bösen  swueren  gottes  nam 

vor  frowen  wirt  genennet; 

sich  selber  nit  bekennet, 
305  und  tribt  lotters  wis  mit  liegen; 

zucht  die  mooBZ  sich  smiegen, 

das  ist  gen  frowen  vast  der  loff. 

mit  liegen  so  beschicht  mang  kot^ 

279  loyk.  278  Rittecschatt  das  ist.  281  Boschidikait. 
yetz.  282  kain.  285  ain.  287  raiii.  widerredit.  290  un- 
recht KU  dem.  291  aus  fryem,  293  lituff.  liert.  294  gcvert. 
296  sy.  297  lauf,  mengerlay.  298  gescliroy  299  scliryc  \.  tuun 
=i    fehlt,   wayen.         300   Mayen.         307   t'rawen.      :H)H   inaiiig. 


—  ^28     — 

daz  hernach  tuot  gerüwen. 
310  jamer  tuot  sich  nüwen, 

so  man  emphint  der  lotterheit, 

damit  bschicht  maniger  frowen  leit; 

wan  suessü  wort  an  steten  muot  Fol.  9 

*  wib  und  man  betriegen  tuot-. 
315  ritterschaft  phligt  wuoohers  nam; 

daz  wer  ettwenn  gewesen  schäm. 

iederman  tuot  trachten 

umb  guot  und  wil  nit  achten 

manges  priesters  wis  und  lere, 
S20  darzuo  des  adels  ere.  _ 

bürger  und  och  gebüren 

die  tuont  mit  wuocher  muren. 

nieman  wil  doch  sehen  daran, 

das  all  sach  muoss  ende  hau 
325  uflf  diser  weit  mit  jämers  pin: 

was  man  verdient,  (es  muosz  ie  sin) 

gott  kan  es  vil  wol  messen, 

sin  gericht  tuot  nütz  vergessen. 

davon  verstand  und  hörent  min  muot: 
330  es  ist  och  menges  wuocherguot, 

was  unrecht  wirt  gewunnen 

(das  ist  nit  wol  besunnen) 

mitt  gewalt,  an  recht  ungetrülich, 

das  ist  der  sele  grülich 
335  und  tuot  si  ser  versenkhen. 

die  weit  die  solt  gedenkhen 

und  solt  nit  tragen  nid  noch  hasz, 

so  wer  uns  allen  dester  basz. 

wer  mit  der  kluogen  loik  ticht, 
340  den  lüten  das  ir  abe  bricht, 

der  wirt  wol  gewar,  so  man  in  treit, 

gar  kleglich  in  die  erden  leit. 

310  tut.  311  lotterhait.  312  beschicht.  lait.  313  Won. 
315  Wuchers.  317  Yederman.  ,319  1er.  320  er.  321.  auch. 
322  tunt.  324  muss  end.  J326  musz  ye.  330  auch  mengs. 
333  uügetruwlich.  334  sei.  335  sy.  337  nyd.  339  klugli  loyk. 
340  ab.      341   In  trait.      342  lait. 


-    29    — 

8 

valch  gericht  i  st  mordajo, 

der  selben  sei  wirt  selten  frö. 
345  wer  sich  daran  nit  stossen  wil, 

(die  red  ist  lange  und  ir  vil) 

der  möcht  noch  gleben  jamer  nü; 

wirt  im  ze  kurtz  so  ists  ziphelrü, 

noch  vint  man  mangen  biderman, 
350  priester  und  och  leien  wolgetan, 

der  durch  keiner  slachte  miet 

von  sei  noch  eren  nit  schiet; 

so  vint  man  noch  meng  wiplich  wib, 

die  in  eren  haltet  Iren  lib, 
355  der  tuot  si  nit  vergessen 

und  kan  wol  trüwe  messen: 

einr  guoten  gwissen,  eins  steten  niuot, 

gott  hab  die  selben  vast  in  huot, 

des  wünsch  ich.  in  mit  gantzer  gir, 
360  das  mugentz  wol  geloben  mir.* 

0  priesterschaft,  du  werdes  ampt! 

wer  dich  mit  keinn  geverden  schampt, 

dem  tuo  es  got  vergeben; 

wann  ir  sind  unser  leben 
365  uff  erden  hie  der  grechten  sträss, 

ir  wisent  uns  die  rechten  mass.    • 

ich  glob,  und  wer  nit  priesterschaft, 

der  tiefel  wurde  sigehaft 

me  das  merteil  an  der  cristenheit. 
370  so  sind  die  guoten  alweg  bereit  Foj^  gb 

mitt  ruoffen  hin  zuo  gott 

es  ist  an  allen  spott, 

solt  under  uns  nieman  grecht  bestan, 

die  weite  würd  licht  under  gän: 
375  die  gerechten  helfent  uns  Sündern  hin 

343  morda  io.  346  lang.  347  geleben.  nüw.  348  ist  es. 
rüw.  349  byderman.  350  auch  layen.  351  kainer  slacht.  355  sj. 
356  trew.  357  Ainr.  gewissen  ains.  360  gelaubn.  362  kainen. 
364  ünsz\  365  gerechten.  368  wurd  sighaft.  369  mertail.  cristenhait. 
370  berait.      371    zu.      373  gerecht.     374  woU. 


—    30    — 

uff  pesßrang.  als,  ach  gott,  nim  in 
und  hör  mich  bas,  wann  ich  dirs  sag: 
hilf  das  mich  der  seiden  tag 
in  dinen  gnaden  beschin 
380  des  heiigen  geistes  gaben  din, 
din  gottliche  kraft  tuo  senden, 
bös  begir  tuo  an  mir  wenden, 
durch  all  din  werden  marter 
erbarm  dich  über  den  tichter. 

385  Nu  wil  ich  üch  die  warheit  sagen : 
Barcifal  ist  tod  vor  mengen  tagen; 
ich  hän  in  nun  ze  pispel  gezelt, 
daz  er  ist  gwesen  ein  ritter  uss  erweit. 


VI. 


Mt 


in  dienst  und  gruozz  me  tusent  stunt, 

denn  gestüpp  ist  in  der  sunnen! 

aller  zwifel  ist  mir  unkunt, 

unmuot  ist  mir  zerunnen. 
5  Hett  ich  din  huld  (ich  furcht  din  zorn), 

so  wer  mir  wol  ze  muote. 

lazz  ab  du  lieber  engel  vin, 

es  kumpt  dir  noch  ze  guote. 

Sich  an  min  rüw,  nim  von  mir  puoss, 
10  durch  gott  tuo  mir  vergeben:  ' 

wenn  ich  verlür  din  wiplich  gruoss, 

so  leidet  mir  das  leben. 
Rep.  Mitt  willen  fro  des  bin  ich  zwar, 

wann  ich  sich  an  dir  itel  recht; 
15  und  seit  ich  leben  tusent  jär, 

so  bin  ich  doch  din  eigen  knecht. 

380  haiigen  gaistes.  381  gottlich.  382  an.  385  euch, 
war  halt.      388   gewesen  ain. 

1  tausent.  9  rew.  puss.  1 1  wiplich  zucht.  1 2  laidet. 
1 6   aigen. 


—     31     ^ 

17  Das  ich  der  pender  ie  gedacht 

mitt  grünen  sunder  wenkhen, 

daz  hat  mir  oft  ein  rüwe  bracht 
20  mitt  mengerlei  gedenkhen. 

Der  vatter  zürnet  dik  dem  kind, 

das  kunt  von  trüwen  stete,  Fol.   10 

das  er  eim  andern  nit  entuot, 

der  in  es  flissklich  bete. 
25  Wa  mir  ist  lieb,  da  ist  mir  leit: 

was  ir  kumpt  nit  ze  guote 

an  Hb,  an  er,  an  wirdikeit, 

das  bekrenket  mir  den  muote. 
Rep    Mit  willen  fro  etc. 

30  Ich  bin  dir  doch  mit  trüwen  bi 

und  stän  des  äne  logen; 

ich  weiss  ir  ietz  nit  lebend  fri, 

die  bas  gevall  minn  ogen: 

Din  wiplich  zucht  und  och  diu  schäm 
35  du  hast  die  mäzz  gemessen; 

und  hett  ich  aller  weite  fröd, 

ich  kan  din  nit  vergessen. 

Die  frömdi  schadt  den  steten  nicht, 

wie  man  tuot  selten  sehen ; 
40  so  vervacht  geheim  gen  wankel  nicht, 

das  ist  och  dik  beschehen. 
Rep.  Mitt  willen  fro  des  bin  ich. 


vir. 

VV  es  ziehst  du  mich,  min  liebster  buol, 
mitt  clagen  sunder  weine? 

17    ye.  19    ain    ruw.  20    meogerlay.        22   trewen    stet. 

23  aira.  24  fleissklich  beb.  25  Was  mir  lait.  26  Was  im.  gut.  27  leib, 
wirdikait.  28  bekrenkt.  müt.  30  trewn  by.  32  waiss.  yetz.  fry. 
36   weit.      38   icht.      40   gehaira.      42   fraw. 

No.  7  beginnt  ohne  Absatz  und  Initiale,  als  wäre  es  nur  eine 
neue  Strophe  des  vorausgegangenen  Liedes.  Links  am  Rande  steht 
mit  roter  Tinte:   »ander  liet*.      2   wain. 


—     32    — 

sölich  sach  die  hilf  mich  nit, 
gen  dir  so  stätf  ich  eine. 
5  Din  unmuot  mir  nit  fröden  bringt, 
davon  so  kurapt  mir  truren; 
gen  dir  so  bin  ich  zwivels  an, 
uff  dich  so  wolt  ich  müren. 
Rep.  Wol  hin  lazz  loffen  all  ze  wald 
10  Untrüw  mit  irem  seile: 

in  unsern  wiltpan  hört  si  nit, 
wolhin  dem  tiefel  zteile! 

Wer  wil  all  sach  ze  unmuot  n^n, 
der  muoss  mit  willen  alten. 
15  din  wiplich  zucht  mit  gantzer  trü 
die  solt  du  mir  behalten. 
Dabi  so  hab  ein  guoten  muot, 
darzuo  so  wil  ich  keren; 
zwar  und  kern  der  Türken  her, 
20  ich  Hess  mirs  nieman  werren. 
Rep.  Wolhin  lazz  loffen  etc. 

Ich  wil  ie  haben  guoten  muot; 
wer  kan  all  red  verbieten? 
und  lepti  noch  küng  Karins, 
25  er  mocht  sich  zornes  nieten, 
E  er  all  red  zem  rechten  brecht» 
es  hat  sich  zverr  vergangen: 
meng  man  ruerat  sich  Eggen  nun 
er  hat  nie  hasen  gevangen. 
Rep.  30  Wol  hin  lazz  loffen  all  ze  wald 
untrüw  mit  irem  seile:     - 
in  unsern  wiltpan  hört  si  nit, 
wolhin  dem  tiefel  zteile! 


4    ain.        6    trauren.        8    R.  vorgeschrieben,    das    zu   9   gehört. 

9   Wer  bin.       10   Viitrew.   saile.      11  sy.      12   zetaile.      15  Ain.  tiiiw. 

17   Daby.   ain.        19   tuikgen   berr.        22   ye.       24    karhis.        2G   Ec. 

zu  dem.      27   zeuerr.      28  eggen.      30   Wer  bin.  lauften.      31  Vntrew. 

Irem  saile,       32  sy,      33  R  vorgesetzt,  ze  taile. 


—  as  — 

vm. 


l 


Ich  fr5w  mich  gen  des  abentz  kunft  Fol.  10^ 

der  nacht,  wenn  si  her  suchen  tnot. 
Das  machet  als  ir  lieb  yemnnft, 
davon  so  han  ich  hohen  mnot, 
5  Das  ich  ir  gaet  solt  sehen  an: 
frowt  si  mich  nit  die  rein,  die  zart, 
so  wer  ich  gar  ein  hümin  man. 

Ein  glöggli  man  erklenket  süss, 
darnach  hör  ich  eins  hornes  don; 
10  Ein  halsen  und  ein  liepHoh  koss 
das  wirt  uns  beiden  nun  zeldn. 
Wann  scheiden  daz  tnot  also  we: 
und  gedecht  ich  nit  hinwider  ze  kon, 
so  wer  mins  senens  dester  me. 

15  Mitt  züchten  schön  gar  &n  gever, 

dabi  so  mug  wir  wol  bestän ; 

Seit  ieman  davon  andre  mer, 

da  beschicht  uns  gar  unguetlioh  an. 

Venus  und  och  Jupiter 
20  die  gänd  vor  der  sunnen : 

damit  so  vert  der  tag  daher. 


ES. 


E. 


ist  mir  nun  besohehen  zwir: 
was  min  nit  wil,  das  liebet  mir, 
des  holtz  han  ich  ein  gigen. 
Was  ich  ir  sag  von  miner  trü, 
5  das  ich  si  stet  am  anvang  nü. 

Der    ersten    Strophe    ist    die    Melodie     beigeschriel^ii.        2    sy. 
6  mit  die  beginnt  eine  neue  Zeile,  rain.    7  ain.    8  4in.     9  ains. 
10  Ain   beidemal.        11   baiden.      12  schaiden  dz.      13  zekoment. 
15  fehlt  Absatz.     16  Dabj.     17  Sait  jeman.  adre. 
3  ain.     4  trew.     6  sy.  ain  anyang  new. 

WaokemeU,  UtmOixii  % 


—     84    — 

gen  mir  so  tuot  si  swigen. 
Nu  wer  ich  doch  ein  gsell  im  spil 
und  wer  ir  vierstunt  noch  als  vil,  Fol.  11 

so  weisz  doch  nieman,  wen  si  wil, 
10  das  selb  das  tuot  mich  fröwen. 
Rep.  Züch  ab  die  seil,  la  loflfen  hin, 
ze  jagen  han  ich  guoten  sin, 
dabi  ich  och  belihen  wil: 
uns  möcht  noch  wol  gelingen. 

15  Du  fries  tier,  nu  huet  der  ban, 

vor  seil  geschütz,  wan  man  wol  kan 
-  gar  lekerlich  verbinden 

Hage  und  och  ruhe  dorn; 

kunst  und  witz  ist  gar  verlorn, 
20  last  du  dich  darinn  vinden. 

Ich  jag  gar  fürstlich  über  land, 

birssen  ist  mir  nit  bekant, 

darzuo  so  bin  ich  nit  gewant: 

Trüw  ist  vor  allen  dingen. 
Rep.  25  Züch  ab  die  seil  etc. 

Ich  jag  mit  Willen  über  laut, 
nachtgruoben  sint  mir  nit  bekant, 
der  tag  der  tuot  mich  fröwen. 
Trüwen  hetz  ich  uf  die  vart, 
30  Wunn  der  wirt  och  nit  gespart, 
ich  acht  uff  niemans  tröwen. 
Gsell,  huet  der  vert,  daz  tier  ist  jung, 
das  es  tuej  keinen  abesprung, 
umb  jagen  ist  im  öch  nit  kunt; 
35  darnach  so  lass  ich  Harren. 
Rep.  Züch  ab  die  seil  etc. 


6  sy.  7  ain  gesell.  8  Ir.  9  waisz.  sy.  11  sali.  12  Daby. 
15  fryes.  16  sali.  17  lekerlichen.  18  auch.  21  lag.  24  Trew. 
25  sali.  26  willen.  27  Nachtgniben.  29  auf.  31  auff.  32  Ge- 
sell,  dz,  jung.      33  tüy  kainen  absprang.      35   harren.      36   sail. 


—    86    — 


X. 


l 


Lch  fragt  ein  wachtef,  ob  es  wer  tag. 
er  sprach  zuo  mir:  «für  war  ich  dir  sag, 
es  nahet  schir  hinzuo. 
Wes  siehst  du  nit  dich  selber  an? 
5  an  dir  ich  zwar  gemerkhet  han: 
du  hast  uff  mitten  tag 
Dinr  zit  gelept  uff  erden  hie; 
da  bist  doch  noch,  als  ich  dich  lie  — 
wenn  wilt  du  abe  län?  Fol.  ll*»  . 

10  Gen  dir  so  gat  die  vinster  nacht: 
sich  uff  mit  sinn,  hab  herberg  acht: 
all  sach  die  muosz  zergän!" 

Der  Wächter  sprach :  ,  uff  erden  hie 

din  sach  ist  nit,  des  sag  ich  wie: 
15  din  sei  muoss  ewig  sin; 

Schön  und  kraft  muosz  gar  zergän, 

bi  sinnen  macht  du  nit  bestftn, 

der  tod  der  nimptz  dahin. 

Ruoff  an  den  herren  aller  macht, 
20  dabi  so  hab  stnr  muoter  acht, 

so  hast  du  kluogen  sin. 

Zwelf  Sternen  si  ze  kröne  hat 

und  sitzt  bim  sun,  ir  majestät, 

die  muoter  maget  her!' 

25  «Wächter,  din  straffmi  merkh  ich  wol, 

davon  ich  grossen -kumer  dol, 

und  kan  nit  abel&n. 

Durch  gott  wekh  niioh  ze  rechter  ät, 

wann  all  min  sacih  an  mich  gwissen  4it: 
30  da  muosz  Qrist  helfen  zuo, 

Sol  ich  bi  keinem  glimpf  bestftn, 

damit  ich  mag  sin  hulde  hän. 

Erste  Strophe  mit  Melodie.  1  ain.  wöre.  2  zu.  12  musz. 
14  Die  sach.  17  By.  20  Dabj.  setoer  muter.  21  sin.  22  Zwelif. 
sy.      23  hy  dem.  maiestat     29  gewissen.     30  csn^i.     ^\  \rj  >fc»l\»«w^. 


—  ^36 


gott  geb  ans  seligen  tag! 
Des  helf  mir,  magt  an  alle  meil, 
35  das  ich  werd  miner  sünden  beii. 
von  Orient  es  tagt. 


XI. 


Ml 


lieh  straft  ein  wachter  des  morgens  ßno. 

er  sprach:  »wenn  wilt  du  haben  rao, 

din  singen  abelän?  Fol.  12 

Lieder  tichten  tuo  nit  mer, 
5  (das  rät  ich  dir  bi  miner  er) 

davon  man  tantzen  tuot.' 

, Wachter,  des  wil  ich  volgen  dir: 

der  lied  geticht  ich  niemer  mir, 

des  solt  du  sicher  sin. 
10  Süss  muoss  ich  loben  selge  wib, 

die  sind  der  weit  doch  leid  vertrib, 

ach  gott,  wie  lieb  und  zart! 
i  Ich  weit,  wer  frowen  übel  Sprech, 

das  man  in  durch  die  Zungen  stech, 
15  das  laster  muesst  er  hän! 

Wachter  nu  merkh,  was  da  beschach: 

was  ich  uff  erden  ie  gesach, 

das  dunkhet  mich  ein  wind 

Gen  zarter  lieber  frowen  gunst; 
20  da  hilfet  weder  sinn  noch  kunst, 

das  ist  beweret  wol: 

David  und  och  Salamon^ 

Sampson  der  mocht  nit  ,bestän, 

der  schönst  verlor  den  lib: 
25  Das  machet  als  der  frowen  werkh, 

ein  juncfrow  reit  der  künsten  perkh. 

34  mail.     35  hau. 

Erste  Strophe  mit  Melodie.        1   ain.        2  ruw.         4  tu.      5  by« 

6   tut.      10  weib.      11   laid    yertreib.      15   musst.        16    ohne  Absatz. 

Über      den     drei    ersten    Worten    dieser    Zeile    ist    der     Anfang    der 

Melodie    wiederholt.        17    auff.    ye.        18    dunkht.    ain.        22    auch. 

23  möcht.      24  leib.      26   Ain.  rait. 


-^  37    - 

nu  dar  ir  seligen  wib! 
Wer  von  den  frowen  schemlioh  seit, 
das  wirt  im  noch  am  lesten  leid: 
30  si  gat  ein  laster  an. 

Wächter,  sich  uf  anz  firmament:  Fol.  12^ 

er  gät  daher  von  Orient, 

ich  hör  der  vogel  sang. 

Durch  gott  wek  alle  selge  wib, 
35  ir  er  behuet,  irn  stoltzen  lib 

vor  böser  klaiffer  zung. 

Die  minner  die  da  raomser  sind, 

die  sind  in  gsehenden  ogen  blind: 

si  magent  nit  bestän. 
40  Was  ich  von  rosen  ie  gesach, 

all  bluomen  vin,  der  löber  tach, 

das  dankhet  mich  ein  schimpf 

Gen  zarten  lieben  töchterlin: 

ir  geberd  sind  guot,  die  blik  sint  idn  — 
45  gott  geb  in  selgen  tag!* 


XU. 


S. 


hg  an,  Wächter,  wie  was  es  tag, 
do  himel  und  erd  nit  emphlag 
planeten  zwar  and  och  die  elementen? 
9  Da  lachtet  weder  sann  noch  man, 
5  gott  was  in  der  majestat  vil  schön 
gewaltig  ie  and  ist  noch  ewenklichen: 
Gott  ist  das  wort,  das  wort  ist  gott, 
damit  gemacht  an  allen  spott 
all  sach  vil  schön  nach  irer  eigenschefte. ' 

1 0  „  Gott  ist  ein  herr  allr  eigenscheft, 
gemachet  alls  mit  stner  kreft. 

27  weib.  28  sait.  29  Im.  laid.  30  Sy.  ain.  31  auf  andz* 
32   Orient.      34  weib.      35   letb.      38  gesehnde.      39   Sy.      42  ain. 

Erste  Strophe  mit  Melodie.  3  auch.  5  wz.  maiestat.  6  ye. 
9   aigenschefte.      10   ohne  Absatz,  ain.  aller  aigenscheft«      II  ^V\fo<^. 


-     38    — 

sag  an:  waruf  statt  erde  uade  wasser*?  — 
„Als  hoch  hinab,  als  hoch  hinuff,     '  Fol.  13 

und  wenn  man  kern  durch  erdes  gruff, 
15  es  swebt  enbor:  got  kan  es  vil  wol  halten. 
All  creatur  tuot  loben  got 
in  ir  geschepft  nach  sim  gebot; 
der  mensch  der  tuot  doch  Sünden!* 

Gott  vatter,  herr  mit  diner  macht 
20  hab  min  in  dinen  gnaden  acht, 

tuo  dich  gen  mir  erbarmen. 

Behuet  mich  vor  der  helle  not 

durch  dinen  herten  willig  tdt, 

den  du  doch  hast  erlitten, 
li5  Und  durch  die  maget,  die  dich  gebar: 

min  sei,  min  lib  vor  übel  bewar  — 

ich  ger  genad,  nit  rechtes! 


i 


xni. 


^oh  var  uff  wag  des  bitteru  mer, 

min  scheff  ist  mir  endrunnen 

der  Unschuld  (des  ich  sicher  swer), 

das  hän  ich  wol  besunnen: 
5  die  wellen  hands  zerslagen  hin 

mit  herten  sturmes  winden, 

das  mugent  wol  die  sünde  sin. 

nu  merkent,  liebe  kinder: 

sol  ich  mit  fröd  ze  lande  kon,  Fol.  13^ 

19  sant  Peters  scheff  muoss  helfen: 

rüw  und  buoss  die  muoss  ich  hau, 

sol  ich  den  enker  werfen, 
r    damit  ich  heffti  uff  den  grünt, 
j    dabi  ich  mug  beliben. 
15  die  marnerin  muoss  bi  mir  sin,     '\ 

1 2  warauf.  erd  und.  1 3  hinauff.  1 7  gebott.  1  9  ohne 
Absatz.       20   und   23  deinen.      26   Mein   beidemal. 

Erste  Strophe  mit  Melodie.  2  Ain  scheff.  5  hand  und  s  eincorri- 
giert.  9  komen.  1 0  helffen.  1 2  werffen.-*  1  3  auff.  1 4  Dabey.  beleiben. 
Iß   hjr. 


—    39    — 

sol  ich  ze  laude  schiben, 
die  uns  doch  vor  geholfen  hat  : 
do  waren  wir  nach  versunken, 
und  wer  der  edel  Jhesus  Crist, 
20  wir  werint  all  ertrunken. 

Das  ich  die  gebott  ie  gebrochen  hau, 

des  si  got  erbarmer, 

daruss  doch  alle  todsünd  gan. 

ich  eilender  und  vil  armer! 
25  sid  ich  nu  got  erzürnet  hau, 

so  kan  mir  nieman  ghelfen, 

wan  geware  bicht  die  muoss  ich  bstan; 

darzuo  so  sol  ich  werfen 

rüw  und  buoss  uss  hertzen  grund: 
30  ich  hoff,  es  muoss  mich  helfen. 

got  weiss  all  sach  wol  uff  ze  nend 

in  sölicher  mäss,  und  es  beschiht; 

das  das  ieman  anders  wend, 

des  sin  wer  vil  gar  enwicht. 
35  got  ist  ein  herr  und  nieman  mer, 

das  wissent  sicherlichen, 

er  hab  och  dann  gewalt  yon  im, 

die  armen  und  die  riehen:  Fol.   14 

sin  kraft  was  ie  und  iemer  ist, 
40  behalt  uns  ewenklichen! 

Wer  spricht,  das  got  ein  schöpfer  si 
der  sünd  und  och  des  liden, 
dem  wonet  grosse  torheit  bi, 
wan  seid  die  muoss  in  miden. 
45  er  hat  uns  geben  eigenn  muot: 
das  himelrich  stät  offen, 
was  ungelüks  der  weit  ie  bschach, 

16  Scheiben.  19  ihesus  crist.  22  sey.  23  Darauss.  gand.  26  ge- 
helflfen.  27  Won.  beicht.  bestän.  28  Dartzuo.  werffen:  helffen.  31  waiss, 
auff.  32  sölliclier.  33  iemant.  35  ain.  niemant.  36  sicher leichen. 
37  auch.  Im.  38  reichen.  39  Sein  krafft.  40  ewenkleichen. 
41  ain.  sey.  42  auch,  leiden.  43  torhait  bey.  44  Won.  45  aigen. 
46    hiraelreich.      47   beschach. 


—     40    — 

zwar  das  kam  von  Sünden; 
und  reit  das  einr  von  Even  her, 

50  so  tuot  es  sich  doch  gründen, 
got  ist  ans  hold,  das  bewart  er 
wol  mit  sinen  tieflfen  wunden : 
für  uns  er  an  die  marter  gie, 
erlöschen  tett  die  sunne; 

55  wir  werint  ewenklichen  tot, 
sin  gerecht!  sit  stuond  offen; 
sin  götlich  kraft  die  gab  uns,  daz 
er  hat  vor  uns  nit  bschlossen. 
0  magt,  ein  lieb  der  drivaltikeit, 

60  bis  bittens  unverdrossen. 


XIV. 

1-iin  vatter  sinem  sune  riet: 
dien  gott  vor  allen  dingen; 
er  git  dir  selderiche  miet, 
dir  kan  nit  misselingen. 

5  Der  frumen  solt  du  haben  acht, 
mit  züchten  solt  du  frölich  sin 
bi  tag  unde  och  bi  nacht, 
all  priester  solt  du  haben  schon, 
den  frowen  solt  du  bi  gestan. 
10  huet  dich  vor  argen  Worten: 

nicht  smeh  wib,  noch  priesterschaft, 
so  bist»  du  vor  got  tugenthaft, 
din  lob  das  tuot  sich  höhen. 

Sun,  huet  dich  vor  gehem  zorn, 
15  wan  damit  ist  dikch  er  verlorn, 
tuo  es  mit  siten  bedenken, 
der  buoben  wis  solt  wesen  gram, 

49  rait.  ainr.  euen.  52  seinen.  56  Sein.  seit.  57  Sein,  göt- 
leich    krafft.  dz.   58  beslossen.      59  ain.  drivaitikait. 

1  Ain.  seinem  sun.  3  geit.  seidereiche.  5  fromen.  6  fröleich 
sein.  7  By  beide  m-a  L  und  auch.  9  frawn.  by.  1 1  weih.  priesterschaflPb. 
12  tugenthafft,      13  Dem.      15  Won.  eei.     16  sitten.      17   weys. 


—    41    — 

wan  da  ist  weder  zaoht  noch  soham, 
und  fuegt  och  keinem  herren; 
20  bist  du  ein  herr,  das  hast  von  got, 
dem  sag  des  lob  an  allen  spot: 
sin  alroeoht  tuot  dioh  bedenken. 

Nit  bis  rüdisch,  hab  cluogen  sin, 

huet  dich  vor  argem  tmren,  Fol.  14^ 

25  daran  so  hast  du  guoten  gwin. 

dine  wort  solt  du  muren, 

das  man  dich  vind,  als  man  dioh  lie, 

dinr  red  solt  nit  vergessen;    • 

wan  liegen  ist  ein  sölich  sin, 
30  es  kan  wol  unglükch  messen. 

hab  mass  ze  essen  und  ze  trank, 

solt  du  langwirig  bliben 

t)i  sinnen  und  guotem  gedank, 

von  unkünsch  tuodich  schiben. 
35  bis  gruossam,  dabi  tugenthaft, 

bis  gnetiger  red,  bis  manhaft, 

den  fründen  hold,  den  vinden  gram; 

in  allen  dingen  solt  mass  hftn, 

gerechtes  grichtes  solt  du  sin, 
40  nicht  nimm  guot  für  ere  din. 

bis  getrüw  vor  allen  dingen, 

(davon  la  dich  nicht  dringen) 

eins  steten  muots  und  manlioh: 

recht  tuon  setz  allweg  für  dich. 


Wol 


XV. 


uff  und  wach,  est  an  der  zit, 
wir  band  ze  lang  geschlaffen: 
min  tag  mir  uff  dem  ruggen  lit, 
des  möcht  ich  schrien  wäffen! 

18  Won.  Werder.  19  auch  kainem.  20  ain.  21  spott.  22  Sein* 
23  kein  Absatz.  25  gewin.  26  Deine.  29  Won.  ain.  dO  ungelükoh* 
32  bleiben.  33By.  34scheiben.  35daby.tugenthafflb:  manhaflt.  37 freun- 
den, yeinden.    39  gerichtes.  sein.    40  dein.    41  getrew.    43  Ains.  manleioh. 

1  auff.  wachest,  zeit.     3  Mein.  eraS.  \m!(>.     ^  ^6i^t^«^« 


-   ^42    — 

5  Sich  uff  mit  sinn  and  tuo  die  weit  bekennen: 
wenn  der  sohimpf  am  besten  ist, 
so  spricht  die  witz,  es  soll  sich  allweg  trennen. 

All  sach  die  nacht  dem  ende 
(an  ewikeit  doch  got); 
10  ich  wen,  das  ieman  wende 

bepstlich  gericht,  noch  keiserlich  gebot. 

Davon  so  la  dir  süntlich  begir  zerrinnen; 
wan  weltlich  fröd  ward  nie  so  grosz, 
es  Hess  sich  an  dem  lesten  trarig  vinden. 

'     16  Und  hettist  du  din  lieb  nach  dinem  willen  schon, 
und  das  dir  ellü  küngrich  dientint 
mit  Zepter  und  mit  krön; 

Dannocht  so  macht  du  sterben  nit  gesteigen: 
es  hulf  dich  an  dem  lesten  nu, 
20  als  ob  es  tet  ein  tor  mit  vingerzeigen. 

Daran  solt  du  gedenken, 

und  hab  ein  guoten  muot; 

din  sei  lass  nieman  krenken,  Fol.  15 

wan  sicherlich  es  kunt  dir  nu  ze  guot; 

25  Wann  wenn  du  wirst  die  sach  nach  sinnen  messen, 
so  ist  dir  nicht  me  ach:  "^ 

fröd  du  hast  —  truren  ist  vergessen! 

Davon  so  gunn  mir  eren 
an  sei  und  och  an  Hb, 
30  und  lass  dirs  nieman  weren: 
all  din  hoffnung  zuo  got  schib! 

5   auff.      8   end.      9  ewikait.       10  iemant  wend.      11  Bepstleich. 

kaiserleicb.       12   süntleich.        13  Won  weltleich.         15   dein,  deinem. 

16  ellü  küngreich.     17  kröne,  e  durchstrichen.     18  gestaigen.    19  hulff. 

20  ain.  zaigen.      22  ain.      23  Dein.      24  Won  sicherleich.      27  fröd 

die.       29  auch,  leih,      30  niemant.     31   dein,  scheib. 


—    43    — 

Ein  widerkere  ist  noch  bas  ze  messen 

von  Sachen,  die  man  gerne  taot, 

dann  ob  man  wer  in  einer  klosen  gsessen. 

35  Ker  frölich  von  den  sachen, 
huet  dich  vor  todes  sünd, 
so  macht  da  frölich  lachen: 
hie  hast  du  lob  nnd  dort  ewig  fründ. 

Natürlich  wol  ze  bedenken, 
40  din  hertz  das  si  in  liden; 
wil  dich  dann  liebi  krenken, 
mit  senen  gar  das  gmnete  din  verschmden; 

Dannocht  so  hilfet  got  eim  grechten  willen: 
wa  er  des  grundes  innen  wirt, 
45  da  kan  er  schnell  dem  menschen  knmber  stillen. 

Ich  han  die  weit  gemessen, 

ob  ich  es  hän  besannen: 

hän  ich  da  icht  vergessen. 

so  bekenn  ichs  doch:  das  danket  mich  ein  wander. 

50  Wan  all  ir  sach  das  ist  zerganklich  leben, 
and  ist  och  nicht  wan  ach : 
ein  wil  ein  fröd  —  darnach  kans  traren  geben! 

Ich  han  gar  vil  gehöret 
von  ritterschaft  and  frowen, 
55  das  doch  den  muot  enböret: 

wib  and  man  die  möchtintz  gerne  sohowen. 

Und  ist  och  als  bi  kartzer  zit  zergangen, 

von  den  und  ichs  gehöret  hän, 

die  sind  davon  —  ab  ist  der  fröden  anger! 

60  Wa  ist  küng  Davids  macht? 
sin  werdes  edels  tichten? 

32  Ain.  i^iderker.  33  gern.  34  ainer.  gesessen.  35  und 
37  fröleich.  39  Natürleich.  40  Dein.  sy.  leiden.  42  g6müte  dein. 
43  hilffet.  äim  gerechten.  49  dunkt.  ain.  50  Won.  zergankleich. 
51  auch.  won.  52  Ain  weyl  ain.  54  ritterschafft.  56  Weib.  g*n. 
57    auch.    bey.    zeit.     60  dauids.     61   Sevü. 


-    44    — 

des  bat  na  nieman  acht; 

naoh  sinen  bnochen  tuont  sich  dwisen  richten. 

Wa  ist  küng  Salamons  macht? 
65  mit  wisheit  tet  er  wander; 
er  tet  im  selber  schlacht: 
in  schmächt  der  minne  zunder. 

Das  er  sim  glast  ze  verr  verhangt, 
das  taten  wibes  liste; 
70  das  was  sinr  wisheit  grosse  sohand, 
wie  wol  er  das  na  wiszte. 

Aristotiles,  der  wis, 
(in  künsten  bi  den  besten) 
er  bawt  och  uff  ein  is, 
75  der  tod  der  nam  in  och  am  testen. 

Karolus  magnas,  der  starkch, 
(mit  vechten  tett  er  wunder) 
er  muoszt  in  todes  sarch, 
die  zit  die  bracht  in  ander. 

80  Und  mocht  in  nit  gehelfen  Fol.  15^ 

sin  gerechtes  edels  richten, 
der  tod  der  tet  in  werfen, 
davon  so  maoss  ich  dise  zit  vernichten. 

Küng  Artus  milt  und  her, 
85   hatt  ritterschaft  und  frowen, 
den  bot  er  zucht  und  ir: 
in  sinem  hof  da  mocht  man  wander  schowen 

Von  allem  last, 
den  ieman  mag  erdenken, 
90  und  was  doch  als  umbsust: 

der  tod  der  tet  den  hof  an  fröden  krenken. 

63  seinen,  dieweysen.    65  weyshait.    66  Im.    68  sein.     69  weibes. 

70   seiner  weyshait.       72    weys.       73  bey.       74  auch    auff  ain    eys. 

75  auch.   7  9  zeit.   SOmöchtgehelflfen:  werflfen.    81  Sein.   83|zeit.   84artus. 

Sä  ritterschafft.  87  seinem»    88  und  89  zusammengeschrieben.    89  iemant. 


—    45    — 

Tschinachtilander  tet  werben, 
(eren  wolt  in  nie  bennegen) 
davon  so  muoszt  er  sterben: 
95  das  kond  im  hertzog  Orelus  wol  fuegen. 

Eggenot  der  schluog  den  selben  forsten, 

das  tet  er  nm  sins  fründes  t6t; 

und  warent  beid  an  manheit  die  getürsten. 

Barcifal,  der  edel, 
100  (sin  manheit  ich  na  blueme:) 
er  stuond  an  grales  zedel, 
davon  ich  witz  und  manheit  von  im  rueme. 

Wan  er  hoob  sich  mit  dem  gräl 
gen  India  behende: 
105  er  vorcht  der  Sünden  quäl; 

ich  wen,  kein  wis^r  in  dammbe  pfende. 

Das  land  das  ist  genennet 
Inder  India 

(die  sind  davon  getrennet), 
110  priester  Johan  so  heiszt  der  herre  da. 

Da  sass  er  bi  den  besten 

an  sünd  mit  ere  schon, 

davon  mnoss  ich  in  gesten 

hie  das  lob  und  dort  ein  ewig  Ion. 

115  All  creatur  uff  erden 

muoss  sterben  und  hie  Tollenden; 

es  st  ald  es  soll  noch  werden, 

der  tot  der  lät  sich  nieman  dammb  pfenden. 

Tot,  ich  weiss  den  meister  din! 
120  sin  gebott  das  muost  du  halten. 


93  jn.  95  jm.  97  seins.  98  bald,  manheit.  100  Sein  man- 
hait.  blüm.  102  manhait.  jm  rüm.  103  Won.  104  yndia  behend. 
106  kain  weyser.  darumb  pfend.  108  In  der  yndia.  109  sünd. 
110  haiszt.  111  by.  114  ain.  116  auff.  117  Es  es  (sie!)  sey 
118    niemant.      119   waiss.  maister  dein.       120  und  \*L\  ^^aka.. 


—    46     - 

sin  willen  tuost  du  leisten  hin 

äff  diser  weit  gen  jungen  und  gen  alten. 

Der  künig  ob  nun  kören 
der  kan  des  vil  wol  walten: 
125  (die  red  sol  nieman  tören) 

all  sach  tuot  er  mit  siner  macht  uff  halten. 

Es  kunt  och  noch  die  zit, 
das  »surgite*  wirt  gesprochen 
in  all  die  weite  wit: 
130  ^die  toten  uff^!  da  ist  nicht  lenger  sochen. 

Der  ist  ein  herr,  dem  toten  muossen  wachen. 
-  von  demselben  dos 
muossent  elementen  vier  erkrachen. 

Sid  wir  nu  muossent  bekennen, 
135  das  got  ist  ie  der  wernde,  Fol.  16 

kein  anvang  an  im  nennen: 
er  was  och  ie  und  ist  der  seiden  bernde. 

Solt  ich  sin  lob  durchgründen, 
des  mag  ich  nicht  gewalten, 
140  e  so  wolt  ich  zünden 

mit  is  an  sehne  ein  für  und  das  in  wasser  bhalten. 

Almechtig  got,  min  herr, 
erbarm  dich  über  mich  eilenden 
durch  diner  muoter  er: 
145  blcht,  rüw  und  buoss  tuo  mir  am  lesten  senden. 

An  dines  geistes  guete 

so  mueszt  ich  gar  verderben; 

ich  furcht  der  Sünden  gluete: 

drivaltig  got,  bhuet  mich  vor  ewig  sterben. 

121  laisten.  122  Auff.  123  küng.  126  seiner,  auff.  127  auch .  zeit. 
129  weit.  weit.  310  auff.  131  ain.  132  und  133  zusammengeschrieben. 
136  kain.  jm.  137  auch.  138  sein.  140  Ee.  141  mit  und  beginnt 
neue  Zeile,  ys.  ain  fewr.  142  mein.  144  deiner,  eer.  145  rew. 
Mit  tuo  beginnt  neue  Zeile.       146   deines  gaistes.       149    behüt. 


—    47    ~ 

150  Die  sach  hän  ich  betrachte, 
der  weit  ze  rimen  bracht: 
(got  hab  mich  in  dinr  achte) 
ich  häns  gar  recht  bedächt. 

Und  behuet  dich  got,  bis  einer  gaoten  gwissen, 
155  wan  ettlich  sach  bschiht  niemer  me 

mit  gotes  hilf,  nnd  sölt  ichs  hertz  verbissen» 

Ich  hän  ein  baoch  gelesen, 
aller  tütsch  ein  blaom, 
(das  mag  nicht  anders  wesen) 
160  genant  Titterei  ist  es  sunder  niom. 

Darnach  hän  ich  gesannen, 

die  rimen  och  gemessen ; 

ist  daran  icht  zemnnen 

die  leng,  die  kürtz,  od  hän  ich  ichts  vergessen: 

165  So  singt  der  goch 

mit  der  nachtgall  in  dem  meien, 

also  ticht  ich  och  — 

tuon  ich  recht,  ich  tantz  den  rechten  reien! 


xvi. 

-Dlir  bkam  ein  gsell  am  meien  tag 
und  bracht  mir  laft  von  Orient 
mit  botschaft  lieb  (das  ich  üoh  sag): 
die  red  die  ist  mit  last  benent. 

5  Yil  sach  die  vacht  mit  graenem  an, 
damit  die  weit  sich  neren  taot, 

der  mei  mit  fröden  äff  den  plan,  P'ol.  16^^ 

davon  so  habent  hohen  muot. 

150  betracht.  151  reimen.  152  deiner  acht.  154  mit  bisineue 
Zeile,  ainer.  155  Won  ettleich.  156  gots.  hüff.  157  Ain.  158tewsch 
ain.  160  mit  ist  neue  Zeile.  162  reimen  auch.  164  mit  oder 
neue  Zeile,  oder,  ich  fehlt.  165  gaucb.  166  mayen.  167  auch. 
168  mit  ich  neue  Zeile,  rayen. 

1    ain.  mayen.      2   lufft.      3   botscbajQPb.  euch.      7  may  auff« 


—    48    — 

Die  vogel  singent  liberal 
10  qnint  nnd  qnart  mensur 

mit  mangem  saessen  lieben  schal, 
etlicher  halt  tennr. 

Octaf  die  stimm  erhellen  tnot 
in  wald  und  uff  gevilde 
15  mang  vogel  fri  gar  hoch  gemaot, 
sin  fliegen  das  ist  wilde. 

Meng  bluemli  röt  nnd  blä  in  blä 
gar  lieplich  sind  entsprangen, 
dabi  so  vindt  man  ital  grä, 
20  graen  ist  darin  gedrungen. 

Bluemli  gel,  brun  und  wisz 
gar  lieplich  sind  entsprossen, 
der  mei  mit  allem  sinem  flisz, 
mit  tow  sind  si  begossen. 

25  Meng  blatt  gekrispelt  und  gebogen, 
hin  und  her  gezindelt, 
uff  mengem  holtz  gar  unversmogen, 
etlichs  ist  gewindelt. 

Dafiir  hört  ich  einn  suessen  don 
30  uss  frowen  mund  erhellen, 
das  geb  mir  frödenrichen  lön 
für  vogel  und  für  schellen. 

Ir  mündli  röt  für  bluomen  schin 
ist  lieplich  an  ze  sehen, 
35  ir  zenli  wiss  und  dabi  vin 
die  sieht  man  ussher  breben. 

12    Etleicher.         14    auff.      15  |jManig.  ffrey.       16   Sein  fleigen. 

17  in  blaw.    18  liepleich.    19  Dabey.  ytal  graw.     21   weysz.   22  liep- 

leich.      23  may.  seinem  fleysz.      24   taw.  sy.      27  auff.      28    Etleichs. 

29  ain.        30   Auss.        31    frödenreichen.        33  schein.      34  liepleich. 

35  zenly  weiss,   daby   rein.      36   aussher. 


-"^49    -^ 

Ir  brewli  brun  bi  ogen  dar 
mit  scharpfen  lieben  blikken, 
der  selben  bluomen  nem  ich  war, 
40  die  kunnent  hertzen  strikken. 

Ir  bar  ist  gel  fdr  blnomen  schin, 
bla  stat  in  irem  hertzen; 
gruen  ist  si  gsnnd  und  ital  vin, 
das  kan  wol  wenden  smertzen. 

45  Es  möcht  licht  sin,  ich  red  ze  vil 
(minr  sei  tet  bas  ein  swigen): 
ich  lob  die  wib  für  selten  spil, 
für  harpfen  und  für  gigen. 

Orgellen  don  und  pfiffen  schal, 
50  beggen  lut  erhellen, 

das  hat  gen  frowen  doch  kein  wal 
als  russen  gegen  schellen; 

Busnnen  schal  und  gloggen  klang 
es  ist  als  gaot  nicht  ze  hören 
55  and  darzuo  aller  vogelsang  — 
es  mag  nicht  muot  enbören, 

Als  tuont  die  wib  uff  erden  hie 
vor  allen  oreaturen: 
lieber  ding  gesach  ich  nie, 
60  si  sind  zwar  guot  für  truren. 

Wer  schelkcht  die  wib  und  übel  spricht, 
es  Wirt  in  noch  gerüwen, 
(ein  zeichen,  das  er  ist  ein  wicht) 
sin  unglükch  wirt  sich  nüwen: 

37  brewli  brawn  hy  äugen.  41  schein.  42  Blaw  stet. 
43  sy  gesund,  ytal  yein.  45  leicht  sein.  46  Meinr.  ain  sfwejgen. 
47  weyb.  saiten.  48  geigen.  49  pfeiffer.  50  Boggen  laut. 
51  frawn.  kain.  52raussen.  54  hörn.  55  dartzuo.  56  enbOrn.  57weib 
auff.  60  trawren.  61  weib.  62  geiewen.  63  Ain.zaichen.  ain. 
64   Sein  vngelükch.  newn. 

WackemelL  Montfort.  V 


—    50     - 

65  Verdorben  hie,  all  eren  bloss 
(es  ist  doch  dikch  beschehen), 
der  frowen  wirt  er  selten  gnöss, 
hör  ich  die  wisen  jehen.  Fol.   17 

Ir  werden  wib  und  töchterlin, 
70  gedenkent  min  zem  besten, 
got  hab  üch  in  den  halden  sin; 
üwer  lob  wil  ich  ie  gesten. 

Ir  bkent  mich  nicht,  ich  bkenn  üch  wol: 
ir  kunnent  leid  vertriben. 
75  die  selgen  wib  sint  tngent  vol, 
gläkch  mness  zno  üch  schiben! 


xyiL 

Liebent  scheiden  das  tnot  we, 

noch  wirser  dann  ein  senfter  tod. 
min  ogen  die  stand  glich  als  e, 
des  ist  min  bertz  in  grosser  not. 

5  Gewissen  hat  ein  krieg  mit  im, 
darzno  so  hilfet  die  vernanst; 
ob  ich  mich  nn  vaste  grim, 
mich  hilfet  weder  sinn  noch  kanst. 

Y  hertz,  lass  ab  din  valschen  bgier! 
10  din  übermnot  der  ist  ein  mist: 
wen  ich  stirb,  es  hilft  kein  zier, 
du  wirst  fal  in  kurtzer  frist. 

Und  woltest  mir  die  sei  verleiten, 
die  mir  got  ewig  bat  gegeben; 
15  sin  kraft  wil  ich  ze  hilf  bereiten, 
dins  willen  wil  ich  nicht  me  leben. 

65  ald  eren.  67  gen6s8.  68  weysenieheD.  69  fehlt  Absatz,  weib. 
töcbterlein.  70  mein.  71  euch.  sein.  73  euch.  74  laid  yeitreyben. 
75   weib.      76  euch  Scheiben. 

1  schaiden.  2  ain  senffter.  3  Mein  äugen,  gleich.  ^.  4  mein. 
5ain.  jm.  6  u.  8  hilffet.  7  rast.  9  dein.  10  Dein.  ain.  11  hilfft  kain. 
1 2  fawL    .  1 3  verlaifcen.      1 5   Sein  krafft.  hilff  beraiten.      1 6  Deins, 


—    51    — 

Da  runst  mir  in  das  höbet  min; 
gewissen  tuot  sin  werlich  nit» 
Vernunft  wil  bi  ir  sin, 
20  die  bkent  gar  wol  din  bösen  sit. 

0  lieber  engel,  nn  hnet  der  sei 
(du  bist  mir  doch  ze  hneter  geben) 
und  beschirm  mich  vor  der  Bünden  qnel, 
damit  mir  verd  das  ewig  leben. 

25  Nümer  tnon  ist  grosse  bnoss, 
han  ich  gehört  den  lüten  sagen; 
mit  willen  gib  ich  dir  den  gnioss 
nnd  varen  äff  der  fröden  wagen. 

Was  ich  ie  vor  getichtet  hftki 
30  den  frowen  nnd  den  töchterlin, 
das  ist  beschehen  in  eim  tron 
gen  der  liebsten  frowen  min,     . 

Der  eigen  diener  ich  wil  sin: 
ir  lob  das  Intet  ttal  wol, 
35  das  bmef  ich  für  des  meien  schin, 
ir  guete  macht  mich  fröden  vol. 

Hett  ich  die  wal  im  römschen  rieh, 
so  gevelt  si  mir  am  besten : 
ir  guete  die  ist  tugentlich, 
40  davon  muoss  ich  A  gesten. 

Das  macht  ir  wiplich  zucht  nnd  sit,  Fol.  17^ 

das  kan  ich  an  ir  bmefen  wol; 
wan  trüw  nnd  stet  die  wont  ir  mit, 
davon  ichs  billich  loben  sol. 

45  Ach  got,  wie  gar  lieb  ist  si  mir 
an  wenken  unde  abel&n: 

17  mein.  18  Sein  werleioh.  19  by.  sein.  20  dein.  sitt. 
25  Nüma.  26  lewten.  28  rarn  auff.  30  firawen.  töchterlein. 
31  aim.  32  frawen  mein.  33  aigen.  sein.  34  lautet  ytied.  35  mayen 
schein.  36  gut.  37jm.Tele^.  38  sy.  39  tugenÜMdi.  40  87*  41  w«p- 
lich.  sitt.     43  Won  trew.     44  büleioh..    45  sy.     46  und. 


—    52    — 

ir  angesicht  ich  kam  enbir, 
wan  ich  nie  lieber  lieb  gewan. 

Ich  hett  nicht  gedacht,  das  kurtze  zit 
50  söllich  senen  iemer  tet. 
est  wander  in  der  weite  wit, 
wan  all  min  sach  ist  abgemet 

Untz  an  ir  gaet,  die  graenet  schon 
an  zwifel  in  dem  hertzen  min. 
55  was  wol  wil,  das  vacht  bi  ziten  an: 
mit  eren  maess  si  selig  sin! 


XVIII. 

■üett  ich  ein  richter,  ich  wolt  clagen 
über  den  liebsten  buolen  min 
and  gaeteklichen  für  tragen: 
si  macht  mir  senen,  heimlich  pin. 

5  Wenn  ich  entschlafP,  so  sich  ich  iren  schin, 
and  redt  als  schon' and  gaetlich; 
wenn  ich  erwach,  so  ist  si  dahin: 
a  laog,  wie  hat  si  gleichen  mich! 

Eins  häts  mir  kartzlich  getan: 
10  ich  wand,  si  leg  am  arme  min; 
do  ich  erwacht,  do  was  si  davon 
geflohen  von  mir  hin. 

Min  küssi  hatt  ich  ghalsen  schon, 
ich  wand,  ich  hett  si  selber  da. 
15  wil  si  mich  Schimpfes  nicht  erlän, 
ich  glob,  ich  werd  von  senen  grä. 

48  Won.  49  zeit.  50  SöUeicb.  61  weit  weit.  52  Won. 
mein.      54  zweyfel.  mein.      55   bey  zeiten.      56  eeren.  sy.  sein. 

1  ain.  2  mein.  3  gütekleichen.  4  Sy.  haimleich  pein.  5  jm 
schein.  6  gütleich.  7  u.  8  sy.  8  gelaichen.  9  Ains.  kurtzleich.  10  sy. 
ßD  dem.       11    sy.       13  Mein,  gebalsen.       14  u.   15  sy.  ^    16  glaub 


—     53     — 

Ich  weiss  nicht,  wie  ich  leben  sol; 
uf  minen  eid!  mir  ist  doch  ernst, 
das  ich  so  grosses  senen  dol. 
20  von  ir  so  wiszt  ich  aller  gernst,  Fol.  18 

Ob  si  mir  wer,  als  ich  ir  bin, 
so  hett  si  zwar  nicht  ruowen  vil; 
des  tuege  mir  antwurte   schin, 
wan  mich  des  wol  benuegen  wil. 

25  Ist  si  mir  nn,  als  ich  ir  bin, 
der  trüwen  vindt  man  selten  me; 
wan  ich  doch  stete  wil  sin, 
es  tuegi  wol  oder  we. 

Seh  ich  all  frowen  vor  mir  stan, 
30  junkfrowen  und  die  töchterlin, 
ich  wölt  kein  ander  für  üch  hän, 
das  sag  ich  bi  den  eren  min. 

Ein  trüw  hilft  an  die  andern  nit, 
davon  hett  ich  ein  antwurt  gern; 
35  ich  man  üch  wiplich  zncht  und  sit, 
durch  got  so  tuond  mich  eins  gewem 

Und  sagt  mir,  wie  üch  gen  mir  si: 
und  wer  üch  halben  weg  als  mir, 
so  wer  ich  aller  sorgen  fri, 
40  wann  ich  der  antwurt  ungern  enbir. 

Ich  bin  üch  doch  als  senlich  hold, 
das  ich  mag  haben  kein  gemach; 
ir  liebt  mir  zwar  für  alles  gold, 
das  sehint  gens  in  einem  bach. 

17  waiss.  18  Auf  meinen  aid.  21  u.  22  sy.  23  tüg.  ant- 
wurt. 24  Won.  25  sy.  26  trewen.  27  Won.  stöt.  sein. 
29  frawn.  30  junkfrawen.  töchterlein.  31  kain.  euch.  32  bey. 
mein.  33  Ain  trew.  hilfft.  nicht.  34  ain.  35  euch  weipleich.  sitt. 
36  ains.  37  euch.  sy.  38  euch.  39  fry.  41  euch,  senleich. 
42   kain.      44  ainem. 


—    54    — 

45  0  iiiilt,  ir  rein,  ür  suess  gemuet 
zuo  allen  gnoten  dingen; 
min  hertz  doch  nach  üch  wuet 
von  rechter  lieb,  idk  wenn,  es  well  zerspringen! 

Über  wiplich  zucht 
50  die  mag  das  wol  bekennen; 
von  üch  so  hab  ich  keine  flacht: 
wir  sind  nicht  wis,  land  wir  das  ieman  trennen- 

Du  liebi  ist  mit  eren 
und  lessig  vast  gen  got; 
55  ich  län  mirs  nieman  wereh, 

wann  wer  das  tet,  das  düchte  mich  ein  spot 

Wir  söllintz  graben 
mit  trüwen  in  die  hertzen: 
also  sond  irs  och  haben^ 
60  und  tnond  wir  das,  so  mngen  wir  flrdlidi  tKsbertzen 

All  creatnr  hat  lieb  an  krieg, 
lieb  in  mangem  stammen; 
ein  kind  in  einer  wieg 
fröwt  sich  siner  ammen. 

65  Also  ist  lieb  gar  vil 
in  menge  masz  gemessen, 
des  ich  doch  zwar  nicht  sagen  wil, 
ich  ward  sin  halbs  vergessen. 

Von  lieb  ist  alle  sach  beschehen: 
70  das  got  ze  menschen  ward, 

das  wil  ich  mit  der  warheit  jehen; 
lieb  ist  ein  sölicher  hört! 

Gepüwen  and  gesprochen 
hat  liebi  als  volbracht, 

45  jr  rain ewer.  47  Mein.  euch.  48  Rechter.  M  i  t  ich  ne ue  Z  ei  le. 
49  weipleich.  51  euch.  kain.  52  weys.  iemant.  55  niemant. 
56  dewehte,  ain  spott.  58  trewen.  59  auch.  60  mit  so  neue 
Z^ile.  fröldch.  63  Ain.  ainer.  64  seiner.  68  sein.  69  all. 
Ti   warbait  iehen.     72  ain  söleicher.     73  Gepawn. 


—    55    —        . 

75  an  zorn  —  das  heiszt  gerochen  — 
da  wirt  lieb  nicht  gedacht. 

Ze  himel  und  ze  hell 
ist  liebi  mit  dem  rechten; 
das  merkche,  wer  da  well, 
80  danimb  sol  nieman  rechten.  Fol.  18^ 

Wann  gerechte  lieb 
die  wont  in  himels  kören; 
ungerechte  lieb  die  ist  ein  dieb, 
die  weit  die  tuot  si  tören 

85  Und  senkt  si  in  der  helle  grant 
mit  iemer  werenden  banden; 
das  wirt  der  valschen  liebi  knnt, 
das  ist  ein  herter  handel. 

6ot  man  darumb  loben  sol 
90  die  gerechter  liebi  walten; 

wan  unrecht  tuon  grät  niemer  wol 
den  jungen  noch  den  alten. 

Han  ich  ie  unrecht  lieb  ghebt  hi, 
herr  got,  tuo  mir  vergeben 
95  durch  diner  höchsten  nammen  dri; 
halt  mich  bi  rechten  wegen, 

Das  ich  behalt  diu  götlich  gnad, 
diu  hulde  mug'^erwerben; 
gib  mir  dins  heiigen  geistes  gab, 
100  bhuet  mich  vor  ewig  sterben. 

Nu  dar,  min  fröd,  min  wunn,  min  heil, 
mir  liebst  vor  allen  wiben! 
vier  meister  gsach  ich  nie  so  geil, 
die  möchtint  das  voll  schriben, 

75  haiszt.  77  bymel.  79  merkcb.  80  Diemant.  82  hymels 
körn.  83  ain.  84  sy  törn.  85  sy.  88  ain.  91  Won.  gerat. 
93  liebi  gehebt,  hie  fehlt.  95  deiner,  dry.  96  by.  97  dein 
götleich  genad.  98  Dein  huld.  99  deins  haiigen  gaistes.  100  Be> 
hüt.  101  mein  alle  dreimal,  hau.  102  weihen.  103  maister. 
gail.      104  schreiben. 


—    56     — 

105  Die  liebi  die  ich  zao  ücb  hän 
weltlich  uflf  diser  erden; 
davon  so  wil  ich  niemer  län, 
also  so  wil  ich  sterben. 

Was  ich  von  schöni  ie  getichtet  hän, 
HD  mit  kluogen  rimen  gmessen, 
damit  so  mag  kein  frow  bestan, 
und  tuot  si  eins  vergessen: 

Und  hat  si  nit  einn  steten  muot, 
got  lieb  und  och  ir  ere, 
115  ir  schöni  tuot  ir  niemer  guot, 
irs  lasters  wirt  dest  mere, 

Und  nimpt  am  alter  spötlich  end 
wiben  und  och  den  mannen; 
wer  sich  nicht  böser  sachen  dchemt, 
120  der  lit  in  herten  banden. 

Wer  nicht  well  stein, 
der  hab  nicht  diebes  genge; 
die  rede  wil  ich  niemer  heln: 
es  gerät  nicht  wol  die  lenge. 

125  Wer  sinem  glast  nach  volgen  wil, 
natürlich  als  es  ist  geborn, 
sins  ungelimpfs  wurd  gar,  ze  vil, 
sin  sei  die  wurd  darumb  verlorn. 

Davon  hat  got  dem  menschen  geben 
130  Vernunft  und  och  gewissen: 

dem  bösen  sol  man  widerstreben, 
sin  hertz  das  sol  eins  bissen      " 

Mit  gerechten  dingen  nacht  und  tag 
und  frölich  dannocht  leben. 

105   euch.       106  Weltleich  auff.        110  gemessen.  111   kain 

fraw.       112   sy  ains.       113   sy.  ain.      114  auch  ir  eer.  116  dester 

mer.  =       117  spötleich.        118   Weihen,  auch.        120  leit.  123  red. 

125   seinem.      126  Natewrleich.      127   Seins.      128   Sein.  130  ver- 

Dunfft.  auch,     3  32   Sein.  ains.     134  fröleich. 


_\67    - 

135  es  ist  vil  war,  das  ich  üoh  sag: 
huet  dich  vor  bösen  wegen! 

Man  seit  vil  kraft  von  edelm  gestein: 
krisolitus  und  adamast, 
smaragden  gruen  nnd  dabi  rein, 
140  karfunkel  die  händ  lieehten  glast. 

Als  edel  gestein  das  ist  doch  nitt  ,,   Fol.   19 

für  ein  selig,  biderb  wib; 

das  macht  ir  ür,  ir  zncht,  ir  sitt, 

das  ist  eins  mannes  leid  vertrib. 

145  Je  klaeger  sinn  ein  man  doch  hat, 

dest  bas  halt  er  ein  biderb  wib:  ^ 

es  si  fruo  oder  sp&t, 

er  bkent  die  er,  die  an  ir  Ht. 

Rechtaonden  lüten  ist  gnnog  gseit, 
150  die  bösen  wend  kein  gnots  verstan; 
und  der  all  straff  an  si  leit, 
so  wil  doch  kein  seid  in  si  g&n. 

Wer  wil  mich  für  einn  narren  hän»  .      ^ 

ob  ich  hän  lieb  ein  biderb  wib? 
155  sid  macht  noch  witz  nicht  modbt  bestän,  > 

si  band  bezwungen  der  türsten  lib, 

Die  swert  in  dhand  ie  händ  genomen.    ., 
wie  soltz  mir  toren  denn  ergan? 
ich  werd  von  einr  och  fiberkomen: 
160  mit  eren  muessen  wir  best&n! 

6ot  vatter,  herr,  durch  all  din  gnad 
und  durch  die  magt,  die  muoter  din, 
gib  uns  dins  heiigen  geistes  gab 
und  hilf  uns  hie  uff  erden  hin 

135  euch.  137  sait.  krafft.  gestain.  1 88  Krysolitiis.  139  daby  raiiu 
141  gestain.  142  ain.  weib.  144  ains.  laid  T*treib.  145  und 
146  ain.  1 46  weib.  147  sey.  148  eer.  jr.  leit.  149  lauten,  giösait.  1 50  kieAh. 
151  sey  lait.  152  kain.  sy.  153  ain.  154  aät.  wtdib.  156  Sy, 
tewTsten  leib.  157  Swert.  159  ainr  auch.  161  u.  162  dein.  163  de|n9 
haiigen  gaistes.      164  hilff.  äoff. 


—    68     — 

165  UdcL  gib  uns  unser  teglich  prot, 
din  will  der  werd  an  ans  volbraoht; 
behnet  uns  vor  der  helle  not: 
din  menscheit  hat  nie  sünd  gedacht 

Ewiger  got,  na  gib  uns  beiden 
170  ein  rechtes  alter  uff  erden  hie. 

all  sünd  mness  uns  vor  sterben  leiden, 
als  ob  wirs  habint  begangen  nie. 

0  starker  got,  ein  herr  der  bimel, 

all  Sachen  hept  du  maebt  enbor; 

175  an  dich  ward  -nie  und  wirt  och  nimer, 

kein  sünd  ist  dnr  beschlossen  vor; 

All  sach  die  ist  dir  offen  zueftr: 
ich  han  och  lieb,  das  weist  da  wol: 
0  hilf  ans  an  der  fröden  schar! 
180  din  gnad  ich  dammb  bitten  sol 

Mhr  ist  glich  gen  dem  bnolen  wax 
als  einem  kranke«,  siechen  mai^ 
der  went,  das  ieman  wirser  A 
dann  im;  das  hanget  mir  och  ao; 

185  Ich  wenn,  xnin  JtrAw  si  also  0K>sj^ 
das  si  mirs  nidit  vergelten  mag, 
and  hftn  zao  ir  doch  allen  trdst: 
si  ist  min  ros,  min  blaejender  hag! 

Ich  hän  der  weit  geächtet  vil, 
190  das  wil  ich  niemer  me  getaon: 
all  sach  die  stät  bis  uff  ein  zil  — 
herr  got,  gib  uns  din  ewig  suon! 

Han  ich  geticht  ie  wider  dich 
der  weit  ze  lust  mit  liebem  gruoss, 

165  tegleicb.  166  Dein.  168  Dein  m^tsohait.  169  baiden. 
170  Ains.  auff.  1  71  laiden.  173  ain.  hymel.  174  dein.  175  auch 
niemer.  176  Kain.  178  auch,  waist.  179  bilff.  180  Dein.  181  gleich, 
mein.  182  ainem.  183  iemant.  se^.  184  jm.  auch.  185  mein 
trew  sey.  186  und  188  sj.  188  mein  beidemaL  blüyend*. 
191  auff  SAD,     192  dein.     193  Wan;  aber  H  roroorrigiert.  getichtet* 


—    59    — 

195  din  götlich  gnad  doch  daran  uoh: 
nicht  me  tnon  ist  grossi  baosa. 

Frow,  söltint  du  die  lieder  sin 
nach  willen,  den  ich  zno  üch  hän, 
kein  gticht  ward  nie  als  hüpsch  und  vin, 
200  Titterei  möcht  dabi  nicht  gestän. 

Der  will  ist  gross  nnd  dannocht  mer, 

das  ist  ftn  allen  zwifel  da.    - 

herr  got,  behnet  nns  lib  nnd  sei:  Fol.  19^ 

in  eren  mnessen  wir  werden  gra. 

205  Frow,  hand  vergnot,  das  ist  das  lest, 
(der  weit  geticht  ich  niemer  mer) 
nnd  wölti  got,  wer  es  das  best, 
des  wer  wol  wert  üwer  wiplich  er! 

Ich  rät  üch  mit  trüwen,  dast  daz  best, 
210  nnd  allen  selgen  wiben: 

hand  steten  muot,  das  ist  das  lest, 
dabi  sond  ir  beliben; 

Wan  nnsteten,  wankein  muot 
das  hat  got  dikch  gerochen: 
215  es  kam  frow  Even  nicht  ze  gnot, 
si  hatt  ein  apfel  gebrochen. 

Da  wibes  bild  geheissen  wirt 
frow  Dichtlnndei  nnd  Wankelmnot, 
die  vnt  in  niemer  selde  birt, 
220  ir  ere  sind  gar  nnbehnot. 

Davon  schetz  ich  einn  steten  maot 
ein  grnntfest  wol  der  ere, 
wann  wer  den  hat,  der  ist  wol  behuot, 
nnd  faer  er  über  mere. 

195  Dein  götleioh.  197  Fraw.  sein.  198  euch.  199  Kain. 
yein.  200  daby.  202  zweyfel.  203  leib.  205  Fraw.  208  ewer 
weipleioh.  209  euch,  trewn  das  ist  dz.  210  weihen.  212  Daby. 
beleiben.  213  Won.  215  fraw  euen.  216  ain.  217  weibes.  ge- 
haissen.  218  Fraw  Dicbtlunday.  wankelmüt.  219  weis.  220  er« 
221    ain.      222   Ain. 


—    60    — 

225  Wem  er  nioht  liebt,  der  ist  nicht  wis 
oder  hat  sich  eren  verwegen; 
wer  gerne  gat  uff  helem  is, 
der  tuot  nicht  wisheit  pflegen. 

Wer  zündt  bi  stro, 
230  der  bedarf  wol  steter  sinne, 
(das  red  ich  gar  an  argen  drö) 
das  es  im  nioht  verbrinne. 

Welch  frow  all  red  nff  nemen  wil 
und  antwnrt  darüber  geben, 
235  si  macht  ir  selb  ein  narrenspil, 
sol  si  kein  lengi  leben. 

Wer  sei  und  er  behalten  well, 
der  hab  got  lieb  in  hertzen; 
dem  widerfert  kein  ungevell, 
240  das  ist  an  alles  schertzen. 

Was  all  die  weit  uff  erden  hat 
von  silber  und  von  gold 
oder  alles,  das  si  hiuder  ir  tat, 
das  git  nicht  rechten  sold; 

245  Denn  nach  sterben  ein  guot  wort 
wib  und  och  den  mannen, 
das  schetz  ich  für  den  höchsten  hört, 
das  ist  gar  unverbannen. 

Die  weit  die  hat  in  grossen  spott 
250  unstetikeit  und  liegen  brächt: 
Judas  tet  verraten  gott, 
ein  steter  muot  hetz  nie  gedacht. 

Wer  steten  muot  in  hertzen  hat 
und  hat  dabi  ein  gwissen  guot, 

225  ere.  weis.     227  gem.  auff.  eys.-    228  weyshait.     229  bey. 

230    bedarff.    sinn.        232    verbrimi.        233    fraw.    auff.        235    ain. 

236  sey  kain.    239  kain.    241  auff.    243  sy.  jr.     244  geit.     245  ain. 

246   weib.  auch.    249  Die  weit  die  hat  ynsietikait  ||  In  grossen  spott 

und  lyden  brächt      252  Aiii.     254  daby.  ain. 


-     61     — 

255  die  selben  got  doch  meiner  gelät, 
wann  sei  nnd  er  ist  vol  behnot 

Wer  ich  wis,  mir  möcht  ab  sterben  grasen, 
wann  all  weltlich  sach  die  mnosz  zergän: 
so  ist  vor  mir  tod  als  mang  hundert  tnsen, 
260  davon  wil  ich  von  sorgen  lan 

Und  leben  recht  mit  der  weit  dahin, 
mim  bnolen  bin  ich  !tal  hold; 
und  wiszti  si  dann  recht  min  sin, 
si  liebt  mir  zwar  f&r  alles  gold! 

265  Ich  weiss  nicht,  wie  ich  leben  sol,  Fol.  20 

das  mir  die  liebi  tuot  so  we,  # 

davon  ich  grossen  kumber  dol, 
so  ist  mins  senens  dester  me. 

Nu  hin!  ich  getrüw  ir  zwar  des  besten, 
270  das  ist  min  ernst  ftn  allen  spot: 

si  bedarf  mir  me  keinn  bfirgen  setzen, 
ir  er  behuet  der  ewig  got! 

All  bluomen  vin, 
was  wurtzen  hat  und  holtz, 
275  dafür  nem  ich  den  buolen  min, 
*  si  dunkchet  mich  so  stoltz. 

Ich  hört  ir  guet 
fdr  harpfen  und  fQr  gigen, 
das  geb  mir  sicher  hochgemuet 
280  ir  angesicht  —  fürbas  wil  ich  nu  swigen! 


XEX. 

JUin  getrüwen  dinst  mit  gwissen  guot, 
darzuo  mit  gantzem  willen! 

257  weis,  grawsen.  258  weltleich.  259  manig.  Mit  hundert  be- 
ginnt neue  Zeile,  tawsen.  262  Meim.  ytal.  263  sey.  mein. 
264  Sey.  265  waiss.  268  meins.  269  getraw.  270  mein,  spott. 
271  Sy  bedarff.  kain.    273  rein.    275  mein.     278  geigen.    280  sweygen. 

1   Mein  getrewen.  gewissen.     2  Dartzuo. 


—    62    — 

din  er  die  git  mir  hohen  inaot, 
din  gstalt  tuot  in  mich  piilen. 

5  Geformt  als  in  einn  gamahü 
wachst  da  in  minem  hertzen; 
die  liebi  ist  gross  und  ist  doch  nö, 
ich  reds  an  alles  schertzen. 

Din  gsantheit  an  er,  an  lib,  an  gnot 
10  das  hört  ich  allzit  gern  von  dir, 
und  geb  mir  sicher  hohen  muot 
und  möcbt  nicht  liebers  bschehen  mir. 

Ach  lass  mich  wissen,  wie  du  macht, 
wan  ich  bin  gesund  von  gnaden  gots; 
15  hab  min  in  diner  liebi  acht, 

wan  ich  stan  gerecht  an  allen  spot 

Da  solt  werlich  an  zwifel  sin, 
das  ich  nicht  liebers  hau  dann  dich; 
ussgenomen  got,  süss  bin  ich  din: 
20  din  wiplich  zucht  doch  daran  sich 

Und  lass  mich  dir  enpfolhen  sio, 
sich  an  minn  willen,  der  ist  gantz; 
bis  getrüw  und  stet  und  dabi  vin 
und  spring  mit  fröden  an  den  tantz. 

25  Gemacht  und  geben  in  grosser  kelt,  Fol.  20^ 

verbotten  was  da  switzen; 
ob  des  ieman  wundem  weit, 
min  hertz  das  tet  sich  hitzen 

Von  gedenken,  die  ich  nach  ir  hett, 
30  ich  wand,  ich  wer  im  meien; 

der  sehne  was  mir  ein  suesser  mett, 
ich  acht  nicht  windes  weien. 


3  Dein  ere.  geit.  4  Dein.  5  (tiiü  6  meinem.  7  nüw. 
9  fehlt  Absatz.  Dein  gesunthait.  leib.  10  allzeit.  12  bescheh^i. 
14  Won.  15  mein,  deiner.  16  Won.  17  werleich.  zweyfel  sein. 
19  Aassgenome,  dein.  20  Dein  weiplich.  21  sein.  22  mein.  23getrew. 
dahy  rein.    27  iemant.    28  Mein.    30  jm.  mayen.     31  ain.     32  weyen. 


—    63    — 

XX. 

lier  edeln,  wolgeporen 

enbüt  ich  min  willig  hent! 

von  trüw  bin  ich  in  sorgen, 

wann  rechte  liebe  hat  min  hertz  versent, 

5  Das  ich  nicht  weiss, 

wie  sol  ich  mich  nu  halten: 

da  machst  mir  kalt,  da  machst  mir  heiss, 

miden  dich  das  tnot  mich  sicher  alten. 

Ich  seh  din  seiden  tugent 
10  vor  allen  dingen  nff  erden, 
darzao  din  werden  jugent: 
in  diser  zit  mag  mir  nicht  liebers  werden, 

Usgenomen  got,  den  herren, 
der  ist  da  gen  nicht  ze  messen: 
15  gelükche  muesz  er  ans  na  meren, 
wan  dinr  gaet  kan  ich  nicht  vergessen. 

Solt  ich  min  trüw  voll  schriben, 
als  mir  na  ist  ze  maot, 
(vil  sach  die  maoss  ich  miden) 
20  ich  bdörft  vier  schriber  guot 

Davon  so  nimm  minn  willen 

mit  trüwen  äne  wenken, 

da  kanst  mir  kamber  stillen: 

min  hertz  das  taot  kein  anders  nicht  gedenken, 

25  Denn  stet  an  dir  beliben 
an  allen  zwifel  zw&r; 
solt  ichs  die  lengi  triben, 
so  möcht  ich  werden  grd. 

1  wolgeporn.  2  Enbewt.  mein  willig  dinst.  3  trew.  4  lieK 
mein.  5  waiss.  7  haiss.  8  Meiden.  9  dein.  10  auff.  11  Dartouo 
dein.  12  zeit.  13  Ausgenomen.  15  Geluckch.  16  W^n  deinr. 
17  mein  6rew.  schreibn.  19  meyden.  20  bdörffib.  schmber.  21  meii« 
22   trewen.      24  Mein.  kain.     25  beleiben.      26  zweyfel.     27  treiben. 


.  -     64     - 

Von  senlich  gross  belangen, 
30  das  ich  doch  hän  nach  dir: 
min  hertz  das  hast  gevangen, 
des  solt  du  globen  mir. 

Des  solt  du  mich  lan  gniessen; 
sich  an  min  steten  muot 
35  und  la  dichs  nicht  verdriessen, 

wann  sicherlich,  es  kamt  dir  nuo  ze  gaot. 

Du  solt  min  trü 
mit  rechter  stete  gelten, 
so  wirt  die  liebi  teglich  nü, 
40  und  habent  lob,  des  mag  üch  nieman  schelten. 

Din  trüw  han  ich  verstanden  wol, 

als  du  mir  schribst  dinn  steten  muot,  Fol.  21 

des  ich  dir  sicher  danken  sol: 

vor  wankel  bin  ich  wol  behuot. 

45  Min  bürg  der  huet  min  sicher  schon, 
darzuo  han  ich  ein  gwissen  guot; 
von  dir  so  wil  ich  niemer  län, 
din  er  die  git  mir  hohen  muot 

Sölt  mich  ein  söntlich  sach  nu  fröwen 
50  als  ein  reines  seligs  leben, 

so  wölt  ich  zwar  im  winter  höwen 

und  hett  die  sinn  ze  wesohen  geben.  ^ 


XXI. 

uo  wol  dem  tag,  die  nacht  die  muesse  selig  sin, 
do  ich  an  sach  die  zarten,  lieben  frowen  min! 

29  senleich.  31  Mein.  32  gelauben.  33  michgeniessenlan.  34  mein. 
36  sicherleich.  nü.  37  mein.  trew.  39  tegleich  new.  40  euch 
niemant.  41  Mein;  aber  d  yorcorrigiert.  trew.  42  schreibst  dein. 
45  Mein  beidemal.  46  Dartzuo.  ain.  48  Dein.  geit.  49  ain 
süntleich.      50  ain  rains.      51   weint*. 

1    sein.      2  frawn  mein. 


—    65    — 

ich  lob  die  zit  und  och  die  stand, 
do  si  mir  ward  ze  teil. 
5  ich  lob  im  rosenvarwen  mund, 
der  brehet  als  das  abent  rdt: 
ir  guet  die  hat  mich  angezunt. 

Ich  lob  ir  har  gar  wol  gevar, 

ir  claren  ogea  nimm  ich  war 
10  mit  scharpfen  lieben  blikchen; 

ich  lob  ir  zen  für  helfenbein, 

ir  helsel  runt  und  nicht  ze  klein: 

si  ist  mit  guoten  sitten. 

ich  lob  ir  brüst  für  berlen  wiss 
15  in  rechter  gross  nach  allem  fliss, 

untrüw  ist  da  vermitten; 

ir  achslen  gsenkt  ein  klein  ze  tal, 

darzno  so  sind  si  harmval: 

ir  guet  die  sol  ich  bitten. 

20  Ich  lob  ir  siten  die  sind  lang, 
and  in  der  mitti  so  ist  si  klein; 
ir  büchli  lieb  and  dabi  rein, 
der  brün  ist  nicht  vergessen, 
wass  haben  sol,  das  hat  si  zwar 

25  und  velt  das  nicht  als  umb  ein  här : 
nach  wünsch  ist  si  gemessen, 
hochristig,  smal  ir  fnesslin  hol: 
si  gevelt  mir  uss  der  mässen  wol, 
an  ir  ist  nichts  vergessen. 


XXII. 

Trow,  wilt  du  wissen,  was  es  ist  Fol.  21^ 

glükch,  er  und  gaot  uff  erden, 

3  zeit  auch.  4  sy.  tail.  8  jr.  9  äugen.  1 1  hel£fenbain.  12  klain. 
1 4  Absatz,  weiss.  1 5  fleiss.  1 6  Vntrew.  1 7  gesenkt  ain  klaia.  18  Dartzuo. 
20  Seiten.  21  sey  klain.  22  bewchli.  dabey  rain.  23  brewn. 
24  Absatz,  sy.      25   ain.      26   sy.      27  füsslein.      28   Sy.  auss. 

Erste  Strophe  mit  Melodie.      1   Fraw.      2  äuff. 

Wackemell,  Montfort.  v^ 


—     66     — 

das  sag  ich  dir  in  kurtzer  frist, 
des  soll  du  innen  werden: 
5  got  ist  din  glökch,  din  er,  din  guot, 
des  tuot  er  alles  walten; 
hast  du  dich  selber  denn^n  huot, 
so  macht  in  eren  alten. 

Got  hat  uns  eigen  willen  geben 
10  uff  erden  hie  ze  werben; 

wir  mugent  aber  also  leben, 

wir  muossent  ewig  sterben: 

und  wirt  uff  erden  dik  'gebuesst, 

wer  üppig  löff  ttiot  tribeny 
15  und  wirt  im  alter  gar  uüsaess,  ' 

davon  solt  mans  vermiden 

Und  stet  an  grechten  'dachen  k'i'n, 
sich  frölich  dabi  halten: 
glök  und  seid  das  gä^t  dir  in, 
20  und  macht  in  wirden  alten; 
wann  aller  wissheit  anefaug 
ist  götlich  vorcht  fürwar 
und  vindt  sich  an  dem  nssgang, 
das  velt  nicht  umb  ein  har. 

25  Wer  götlich  vorcht  in  hertzen  hat, 

dem  leidt  all  sünd  uff  erden: 

es  si  fruo  oder  spät, 

wie  mag  das  mensch  verdarben? 

die  vorcht  die  git  dir  steten  mnot, 
30  des  macht  du  wol  geniessen; 

dabi  behaltst  du  er  und  guot, 

des  lä  dich  nicht  verdriessen. 

Frow,  merk  die  wort  und  och  den  sin  Fol.  22 

und  tuo  darnach  gedenken 

5  das, über  as  er  corrigiert.  glükcht.  dein  beidemal.  9aigen. 
1 0  Auff.  1 3  Absatz,  auff.  1 4  treiben.  1 5  jm.  1 6  yermeiden.  1 7  gerechten, 
sein.  18  fröleich  dabey.  19  Glükt*  yn.  21  Absatz,  wejsshait.  22  göt- 
leich.  23  aussgang.  24  ain.  25  Der  und  w  vorcorrigiert. 
götleich.  26  laidet.  auff.  27  sey.  29  Absatz,  geit.  31  Dabey 
hhaltst.      33   Fraw.  auch. 


—    67    — 

35  und  bis  mir  nun,  als  ich  dir  bin: 
an  dir  wil  igh  nicht  wenken. 
frow,  wis8  für  war,  das  got  der  herr 
das  unrecht  nicht  tnot  liden 
in  die  lengi  minder,  denn  das  mer 

40  mag  werden  zwisser  siden. 


XXffl. 

JUin  willig  dinst  mit  lib  und  gnot 
das  ist  dir  alles  undertän! 
din  ere  die  git  mir  hohen  mnot, 
din  wiplich  geberd  mag  wol  best&n. 

5  Din  fröwlioh  zucht  und  och  din  soham 
das  ist  gar  hoch  ze  messen: 
und  ziert  wol  einen  edeln  stam, 
wer  sich  nicht  taot  vergessen. 

Din  götlich  vorcht,  din  gwissen  guot 
10  das  prnef  ich  fär  des  meien  schin; 
vor  wankel  bist  du  wol  behuot, 
darumb  wil  ich  din  diner  sin. 

Din  zarter  mund  rot,  rosenvar, 
mit  steten  waren  worten, 
15  dinr  claren  ogen  nimm  ich  war, 
die  bschliessent  eren  porten; 

Din  lieben  brüst  barillen  wiss 
in  rechter  gross  und  rein: 
du  bist  ein  mensch  nach  allem  fliss, 
20  in  minem  hertzen  ein. 

37  Absatz.  Fraw.     38  leiden.     40  ze  weisser  seiden. 

1  Mein.  leib.  3  Dein.  geit.  4  Bein  weipleich.  5  Bein  firOwleioh. 
auch  dein.  7  ain.  9  Bein  beidemal.  gOUeioh.  10  majen  sohdn. 
12  dein.  sein.  13  Bein.  15  Beinr.  äugen.  17  Bein,  weiss. 
18  rain.     19  ain.  fleiss.     20  meinem,  ain. 


—     68    — 

Din  hertz  das  trueg  mit  recht  ein  kroa 
mit  saphira  von  Orient, 
wan  all  din  wis  die  stät  dir  schön: 
min  hertz  sich  grösslich  nach  dir  sent. 

25  Din  stoltzer  lib  in  rechter  lepg," 
die  gross  nach  wünsch  gemessen, 
das  ich  doch  zwar  nicht  anders  bkenn: 
an  dir  ist  nichts  vergessen. 

Was  sol  ich  sagen?  es  ist  kein  schertz: 
30  ich  gsach  nie  wib  als  recht  gemuot; 
du  bist  glich  ein  wünsch  ins  hertz: 
got  hab  dich  vast  in  siner  huot. 

Gesigelt  mit  minr  rechten  trü, 
damit  ich  dir  versprochen  hän: 
35  min  lieb  ist  teglich  gen  dir  nü, 
des  macht  dich  frilich  an  mich  län. 

Gemacht  and  geben  ze  Ensishein 
nach  Crists  gebürt  drüzehenhnndert  jar, 
(in  einem  stiiblin,  das  was  klein) 
40  im  sechs  und  nüntzgosten  (das  ist  war) 

Von  mir,  dim  getrüwen  diener  vest 
mit  willen  ane  wenken. 
bis  an  sorg:  aller  frömder  gest 
der  tuon  ich  nicht  gedenken. 


XXIV.. 

Wächter,  mir  hat  getrßmt  ein  trön,  Fol.  22^ 

darnach  han  ich  gedacht, 
das  ich  ze  vil  getichtet  hän: 
darzuo  hat  lieb  mich  bracht. 

21  Dein.  Recht  ain.  23  Wod.  dein  weis.  25  Mein,  grössleicli. 
2  5  Dein .  leib.  Rechter.  2  9  kain.  3  0  weib»  3 1  gleich  ain  mensch.  3  2  seiner . 
33  meinr.  trew.  35  Mein,  tegleich.  nüw.  36  freyleioh.  37  Ensishain. 
38  crists.    drewczehn  iar.     39  ainem  :^tüblein.  wz  klain.    41  deim  getrewen. 

1   ain,   tröm,      4  Dartzuo. 


—    69    — 

5  Min  frow  wolt  haben  suessi  wort 
mit  rimen  schon  gemessen: 
den  meien  schätzt  si  für  ein  hört, 
des  kond  si  nie  vergessen. 

Darumb  han  ich  geticht  ze  vil, 
10  nach  dem  ichs  hett  gesprochen: 

min  hertz  wil  doch  nun  wie  si  wil  — 
ach  got,  lass  ungerocben 

Und  leg  mirs  zuo  dem  besten  dar! 
es  ist  beschehen  an  argen  list: 
15  vor  hoptsünden  du  mich  bewar, 
allr  Sachen  du  gewaltig  bist. 

Ein  wiser  man  wirt  hart  betrogen, 
dann  mit  wiben  und  gitikeit; 
das  mess  man  unden  und  och  oben, 
20  damit  ist  mangem  bschehen  leid. 

Helen,  die  schön  von  Kriechen, 
umb  si  ward  Troj  zerbrochen, 
uss  gesunden  vil  der  siechen, 
erschlagen  und  erstochen. 

25  Hector  mit  andern  forsten 
verlor  och  da  sin  leben; 
man  schätzt  in  für  den  türsten, 
den  bris  muoszt  man  im  geben. 

David,  der  küng  mit  tichten 
30  (daruff  was  er  gar  cluog), 
ein  frow  tet  in  entrichten: 
in  grossen  unfuog 

Kam  e^  mit  hoptsünden, 
das  macht  Uryas  wib: 

5  Mein.  6  reimen.  7mayeii.sy.ain.  8sy.  9getichtet.  11  Mein.  15haupt- 
sünden.  17  Ain  weyser.  18  weihen,  geitikait.  19  auch.  20  be- 
schehen laid.  21  kriechen.  22  sy.  troy.  23  Auss.  24  ward  vil. 
26  auch.  sein.  27  tewrsten.  28  breys.  jm  iehen.  29  küng  mich 
(sie!).    30  Darauff.    31    Ain  firaw.  jn.    33  haupsünden.    34  yryas  weib. 


-     70    - 

35  si  kond  im  an  entzünden 
sin  witz  and  och  sin  lib. 

Küng  Salamon,  den  wisen, 
ein  wib  betrog  in  och: 
den  abgötten  tett  er  nigen, 
40  do  ward  er  zeinem  goch. 

Samson,  der  sterkst  uff  erden, 
den  blant  sin  eigen  wib; 
daramb  so  tet  er  sterben, 
und  verlor  si  och  irn  Vlb. 

45  Absolon,  der  schönst  äff  erden, 
umb  frowen  kam  er  in  not, 
darumb  so  muost  er  sterben 
und  nam  einn  herten  tot. 

Aristotiles,  der  gmeit 
50  in  allen  künsten  zwar» 
ein  junkfrow  in  da  reit, 
do  er  was  worden  grä. 

Kriemhilt,  die  schön  vom  Bin, 
die  bracht  all  held  in  ndt; 
55  ze  Etzelburg  tett  es  die  vin, 
da  lagentz  alle  tot, 

Als  ich  es  hän  gelesen  Fol.  23 

und  hans  zwar  hören  sagen: 
(es  mocht  nicht  anders  wesen) 
60  si  wurdent  all  erschlagen. 

Her  Dietrich  von  Bern 
den  nert  sin  manlich  muot: 

35  Sj.  36  Sein,  auch  sein  leib.  37  salamon.  weysen. 
38  Ain  weib.  auch.  39  neygen.  40  zu  einem  gaucb.  41  auff. 
42  sein  aigen  weib.  44  sy  auch  Iren  leib.,  45  auff.  46  frawn. 
48  ain.  49  gemait.  51  Ain  Juncfraw.  rait.  53  rein.  55  etzel- 
burg. yein.  56  all.  58  hörn.  60  Sy.  61  Dietreich.  bern. 
62  sein  manleich. 


-     71     — 

an  kreften  was  er  cler  wemd, 
das  kam  im  da  ze  guot. 

65  Die  wib  die  band  der  weite 
gross  lieb  und  leid  getan: 
das  icb  si  darumb  scHel^, 
davon  so  wil  icb  lan; 

Wan  selgü  wib  mit  rechtem  muot 
70  die  bat  got  lieb  uff  erden: 
vor  wankel  sind  si  wol  bel^not, 
des  mugentz  nicht  verderben. 

Nu  dar,  her  Git!  du  hast  die  weit 
mit  mangem  mort  durchbrochen, 
75  (das  tuost  du  alles  umb  das  gek) 
erschlagen  und  erstochen. 

Glüptbrüchig  und  verreteri 
das  kanst  du  vil  w6l  macheu. 
phuch  diner  bösen  Künste!  phi, 
80  der  tivel  möcht  din  UcheA!   ' 


Du  bist  ein  sünd,  die  unglük  hät^ 
du  merst  dich  gen  dem  alter : 
es  si  fruo  oder  sps^t, 
so  tuost  du  gelt  behalten. 

85  Wen  böser  git  begriffen  hat, 
der  achtet  weder  er  noch  s61: 
es  si  fruo  od?r  spät, 
so  ist  im  nach  dem  pfenning  we. 

Die  Sachen  zwo  hau  ich  bedacht, 
90  da  wis  man  werdent  betrogen  n^it: 
vil  wanders  habent  si  vollbracht 
mit  mangem  manlichem  sit. 

63  krefften.  64  jm.  65  weib.  weit.  66  laid.  67  sy.  schelt. 
69  Won  eligü  weib.  70  auff.  71  sy.  .'73  geit.  77  Gelüpt 
brüchig,  v'retrey.  79  deiner.  DasReimwort  phi  steht  am 
Anfang  der  nächsten  Zeile.  80  Phy  der.  dein.  81  ain.  vn- 
gelük.    83  u.  87  sey.    85  geit.    90  weys.    91  sy.     92  manleichem  sitt. 


—    72    — 

Ich  han  nach  sachen  vil  gedächt: 
so  ist  recht  tuon  an  dem  besten; 
95  üppikeit  gät  hindan  nach, 
das  vindt  sich  an  dem  lesten. 

Ach  got,  sol  ich  der  irowen  min 
suessi  wort  nicht  tichten  mer?  — 
got  hab  uns  in  den  hulden  sin, 
100  behnet  uns  beiden  sei  und  6r! 

Und  wer  ein  sach,  ich  schult  die  weit, 

sust  so  wil  ich  swigen: 

si  git  am  jüngsten  böses  gelt, 

wie  suess  ist  ietz  ir  gigen. 

105  Darumb  wil  ich  nicht  tichten  me 
der  weit  ze  lust  mit  rimen  cluog, 
es  tueje  wol  oder  we: 
all  sach  die  solte  haben  fuog. 

Wer  künd  die  masz,  daz  wer  gar  guot, 
110  got  mueszt  im  darzuo  helfen; 
vor  Sünden  mueszt  er  sin  behuot, 
wolt  er  den  ankel  werfen. 

Ich  sprich  werlich,  das  ich  mit  list 
die  sach  dik  hän  gemessen: 
115  was  fröd  mit  grossen  Sünden  ist, 
da  tuot  sich  das  mensch  vergessen; 

Wan  gross  leid  volgt  den  fröden  mit 
am  jüngsten  hie  uff  erden; 

wirtz  ungebueszt  und  bschiht  des  nit,  Fol.  23^ 

120  so  btütz  ein  ewig  sterben. 

Zwar,  was  der  weit  ie  kam  ze  we, 
das  bschah  von  todes  sünden: 

95  Üppikait.  97  frawen  mein.  98  nicht  mer,  letzteres 
durchstrichen.  99  sein.  100  baiden.  101  ain.  102  sweygen. 
103  Sy  geyt.  104  yetz.  geygen.  105  mer.  106  reimen.  107  tüy. 
109  dz.  llOjmdartzuohelfFen.  111  sein.  112werfi'en.  113w§rleich. 
217  Won.  Jaid  yolget.     llSauff.  .  119  beschiht.     120  ain. 


—    78    — 

in  der  alten  und  in  der  nüwen  i 
da  tuot  es  «sich  doch  gründen. 

125  Les  eins  die  bnooh,  die  gschriben  sind 
vor  mangen  hundert  jaren: 
gross  Sünde  macht  den  menschen  blind 
(der  tivel  kan  des  varen), 

Das  es  gesichet  noch  gehört, 
130  und  liept  im  schnöde  Sachen; 

die  guoten  sinn  smd  dann  zerstört, 
des  tuot  der  tievel  lachen.^ 

Die  sünd  sind  sness  nnd  liebent  vast, 
das  machet  böser  glast  nnd  b^: 
135  sint  gnoter  gwissen  nicht  ze  lass, 
so  tnond  ir  recht,  das  globent  mir. 

Ewiger  got,  verlieh  uns  gnad 
durch  diner  muoter  gueti, 
gib  uns  dins  heiigen  geistes  gab 
140  und  sterk  uns  unser  gmueti! 

Din  Wille  werd  an  uns  volbrädit: 
behuet  uns  beiden  sei  nnd  er, 
das  wir  nicht  komen  in  Sünden  b&cht; 
mit  dinen  gnaden  du  uns  ner! 


xxy. 

ich  gieng  eins  morgens  fitio  am  tag 
in  ein  hüsel,  darinn  lag 
vil  gebeine  von  den  toten, 
die  zarten  münd,  die  roten, 
5  die  warent  gar  verblichen; 
die  stoltzen  lib  gestrichen 

123  newn  de.  125  ains.  gesehribn.  127  sünd.  129  gesiebt* 
1 30  jm  schnöd.  135  gewissen.  186glaabent.  187yerleich.  138  deiner. 
1 39  deins  haiigen  gaistes.  140  gemüte.  141  Dein  will.  142  bniden. 
144  deinen.' 

1  ains.     2  ain  hewseL     3  gebain.     6  leib. 


—    74    — 

die  warent  gar  zergangen; 

die  röselochten  wangen 

die  warent  gar  dahin. 
10  ich  gedacht  in  minem  sin: 

^owe  jamer  unde  not, 

wie  entschöpfet  uns  der  tdt*! 

in  den  gedenken  ich  entschlieff. 

ein  hopt  mir  vientlichen  rieff: 
15  „wol  uff  und  wach  und  gang  zuo  mir, 

clegliche  mer  die  sag  ich  dir: 

ich  was  ein  wib  unmässen  schön, 

man  lobt  min  stimm  für  vogel  dön; 

gott  hatt  mir  sinn  och  gnuog  gegeben: 
20  hett  ichs  angleit  zuo  rechtem  leben! 

do  was  mir  als  den  äffen, 

die  in  die  spiegel  gaffen: 

ich  gfiel  mir  selb  unma^sen  wol 

(davon  ich  ewigs  liden  dol) 
25  und  was  unstetes  muote; 

des  heiigen  geistes  huote 

schlnog  ich  von  mir  niit  sünden  gross. 

mich  dünkte  nieman  min  genöss: 

hochfertig  und  unkünsch  was  ich. 
30  ich  bin  verloren  ewenklich! 

das  hän  ich  als  mir  selb  getan: 

wes  mich  iust,  das  wolt  ich  hän,  Fol.  24 

(ich  wolt  min  Iust  nicht  miden) 

des  muoss  ich  ewenklich  liden. 
35  ich  tröste  micl^  mins  atolt^^n  Hb, 

darzuo  was  ich  ein  wankel  wib. 

hett  ich  min  lieb  glegt  an  die  e, 

so  wer  mir  nicht  als  cleglich  we. 

owe  das  ich  ie  wart  geborn! 
40  ich  bin  doch  ewenklich  verlorn: 

1 0  meinem.  1 1  iamer  und.  1 4  Ain  haup.  vientleich.  1 5  auff.  1 6  cleg- 
leiche.  17  ain  weib.  18  mein.  19  auch.  20  ich.  angeleit.  24  leiden. 
26  haiigen  gaistes.  28  dunkt  niemant  mein.  3t)  yerlom  cwenkleich. 
33  mein,  meiden.  34  ewenkleich  leiden.  35  trost.  meins.  leib. 
36  Dartzuo.  ain.  weib.    37mein.gelegt.ee.    38clegleich.    40  ewenkleich. 


-    75    — 

min  liden  ist  an  ende! 
ze  potten  ich  dich  sende 
zuo  allen  stoltzen  wiben, 
das  si  das  tuegint  miden, 
45  darumb  ich  armi  bin  verlorn. 

sag  ins  und  fürchte  nicht  irn  zorn!* 

In  grossen  sorgen  ich  entschlieff. 

das  ander  hopt  mir  yintlich  rieff: 

9W0I  uff  und  wach  und  gang  zuo  mir, 
50  clegliche  mer  die  sag  ich  dir: 

ich  was  ein  herr  gar  wol  gestalt 

von  Hb,  von  antlüt  und  hett  gwalt 

land  und  lüt  ze  pflegen; 

gott  der  hatt  mir  geben 
.    55  wisheit,  ere  undeguot: 

hett  ich  geleitet  minen  muot 

zuo  gerechten  guoten  dingen, 

so  hört  ich  engel  singen. 

des  hän  ich  leider  nicht  getan! 
60  ich  was  ein  übergitig  man: 

umb  guot  do  was  mir  nieman  zlieb, 

die  loik  treib  ich  als  ein  diep 

unde  hatt  unsteten  muot: 

das  tett  ich  alles  umb  das  guot. 
65  ungerechter  richter  der  was  ich. 

ich  bin  verloren  ewenklich! 

das  han  ich  als  mir  selb  getan: 

vil  frömder  wib  die  wolt  ich  han 

und  liess  min  elich  wib  gän; 
70  min  lust  wolt  ich  durch  nieman  län 

und  brach  tegelich  min  e, 

des  muoss  ich  haben  ewig  we. 

41  Mein  leiden,  end.  42  send.  43  weihen.  44  sy.  meiden» 
46  furcht.  48  haupt.  yeintleich.  49  auff.  50  clegleiche,  51  ain. 
52  leih,  antleut.  gewalt.  53  leut.  55  Weyshait  er  und.  56  ge- 
laitet  meinen.  59  laider.  60  ain  ühergeitig.  62  loyk  traib.  ain.  63  Vnd 
66  verlorn  ewenkleich.^  68  weih.  69  mein  eleich  weih.  70  Hein. 
71    iegleich  mein  ee. 


—    76    — 

ach  got,  das  ich  ie  wart  geborn ! 

ich  bin  doch  ewenklich  verlorn: 
75  min  liden  ist  an  ende! 

ich  dich  ze  botten  sende 

zuo  grafen,  dinen  gnossen, 

und  zuo  allen  herren  grossen 

nnd  warn  si  an  den  Sachen, 
80  das  si  die  gerech tikeit  machen 

und  Ijegint  vast  dem  rechten  zuo 

(so  gewinnent  si  die  ewig  ruo) 

und  habint  got  lieb  für  eile  ding, 

dast  aller  wisheit  urspring.  '^ 

85  In  der  red  ich  do  entschlieff. 

das  dritte  hobt  mir  guetlich  rieff: 

«wol  uff  und  wach  und  kum  zuo  mir, 

vil  guoter  sach  die  sag  ich  dir!' 

es  sprach  zuo  mir:  «ich  was  ein  wib 
90  gar  schön  von  antlüt  und  von  lib 

und  hatt  darzuo  guot  sinne. 

mich  betrog  nie  valsche  minne: 

ich  nam  got  zhilf  und  was  gar  vest 

und  schluog  da  nss  die  bösen  gest;  Fol.  24^ 

95  min  hertz  das  tet  ich  halten, 

das  es  muoszt  trüwen  walten. 

es  were  fruo  oder  spät, 

so  schluog  ich  uss  des  tiefeis  rät 

und  satzt  mich  vesteklich  dawider 
100  mit  sinnen  unde  mit  gelider. 

mit  beten  tett  ich  dem  tiefel  we, 

* 

und  hatt  gar  stet  die  heiigen  e. 
unhoffertig  und  demuetig, 
den  armen  was  ich  guetig; 
105  nid  noch  hass  hatt  ich  nicht  acht 

74  ewenkleich.  75  Mein  leiden,  end.  76  send.  77  deinen  ge- 
nossen. 79  sy.  80u.  82sy.gereclitikait.  81  Rechten.  84wey8hait.  86dritt 
haubt.  gütleich.  87  auff.  89  ain  weib.  90  antleut.  leib.  91  dartzuo. 
sinn.  92  miii.  93  ze  hilff.  94  auss.  95  Mein.  96  trewen.  97  wer. 
98  auss.  99  yestekleich.  100  und  101  betten,  tiefe.  102  haiigen  ee. 
105  Neid. 


—    77    — 

und  floch  allzit  den  bösen  bracht; 

darzuo  so  was  ich  messig, 

guoter  sach  nicht  hinlessig; 

getrüw  was  ich  mim  lieben  man, 
110  ich  wölt  keinn  andern  für  in  hän 

gehebt  in  all  der  weit. 

unrechtfertig  gelt 

das  tett  ich  allweg  fliehen, 

6d  red  die  tett  ich  schieben.  — 
115  also  tet  ich  mich  halten 

und  nam  ein  recht  alter 

und  hatt  fröd  mit  grossen  eren 

(ich  liess  mirs  nieman  weren) 

und  liess  minn  erben  ere  und  guot: 
120  das  machet  als  min  steter  muot, 

da  gab  ich  gantz  minn  willen  zuo; 

des  gab  mir  got  die  ewig  ruo.  — 

Darnach  do  tett  ich  sterben; 

do  enpfalh  man  mich  der  erden. 
125  nu  hat  mich  got  enpfangen  schön, 

genomen  in  der  himel  trön; 

da  hän  ich  ewigs  leben, 

das  hat  er  mir  gegeben: 

die  fröd  ist  gross,  daz  ist  an  zal, 
130  und  hett  eins  all  der  weite  wal, 

es  möcht  ir  nicht  erdenken: 

rotten,  Seiten  klenken, 

darzuo  der  engel  stinune; 

da  sitzt  die  küniginne, 
135  die  muoter  maget  reine, 

von  gold  und  edelm  gsteine 

ein  krön  uff  irem  höbet, 

(allr  sorgen  gar  berobet) 

da  sind  zwelf  Sternen  inne, 

106  allzeit.  107  Daftzuo.  109  Getrew.  meim.  110  kain. 
116  ain.  118  niemant.  119  meinen.  120  mein.  121  mein. 
126  hymel.  129  dz.  130  ains.  weit.  132  saiten.  133  Dartzuo. 
stim.  134  künigin.  135  rain.  136  gstain.  137  Ain.  auff. 
138   Aller,  beraubet.      139  zwelfPl  jnn. 


—     7»    — 

140  gemacht  mit  götlich  sinne  ^. 

daz  höbet  sprach:  «nu  tuo  so  wol, 

darumb  ich  dich  zwar  loben  soi: 

die  sach  sag  allen  wiben, 

das  si  sich  taegint  schiben, 
145  als  ich  frowe  hän  getan, 

so  wirt  in  och  der  ewig  Ion*! 

Von  rechten  fröden  ich  entschlieff. 

das  vierde  hopt  mir  früntlich  rieff: 

»wollaff  und  wach  und  gang  zuo  mir, 
150  recht  tuon  und  fröd  die  sag  ich  dir: 

ich  was  ein  herr  gar  stoltz  von  Hb, 

und  hett  ich  gsehen  tusent  wib, 

ich  hett  min  e  nicht  gebrochen; 

vier  jär  recht  als  zwo  wooheü 
155  verdross  mich  niemer  recht  tuon; 

ich  stifft  och  gerne  frid  und  suon. 

got  hatt  mir  sinn  ooh  gnuog  gegeben, 

die  leit  ich  au  ze  rechtem  leben: 

das  recht  hat  ich  an  massen  lieb:  Fol.  25 

160  ich  tot  die  morder  und  die  dieb 

und  schirmt  witwen  und  weisen, 

die  Hess  ich  nieman  ueisen; 

ein  rechter  richter  was  ich  zwar 

heimlich  und  och  offenbar. 
165  die  seligen  priester  hatt  ich  wert. 

ich  schirmt  das  recht  zwar  mit  dem  swert 

und  was  ein  held  mins  muote. 

das  kam  mir  dik  ze  guote 

gen  got  und  gen  der  weit. 
170  unrechtfertig  gelt 

das  tett  ich  allweg  fliehen, 

140  götleich  sinn.  141  Dz.  haubt.  143  weihen.  144  sy. 
Scheiben.  145  fraw.  146  auch.  148  yierd  haupt.  frewntleich. 
149  Wolauff.  151  ain.  leib.  152  gesehen  tausent  weih.  153  mein  ee. 
154  iar.  155  recht  fehlt,  tuon.  156  auch  gern.  157  auch,  geben. 
158  lait.  161  waisen.  162  niemant  naisen.  163  Ain.  164  haim- 
'leicb.  Auch,      167  ain.  meins. 


—    79    — 

bös  ret  die  tet  ich  schieben 

und  batt  gar  lieb  min  elich  wib: 

die  was  mir  als  min  eigen  Üb. 
175  also  tett  ich  mich  hatten 

und  nam  ein  wirdig  alter. 

darnach  do  tett  ich  sterben; 

do  enpfalh  man  mich  der  erden. 

nu  hat  mich  got  enpfangen  schon, 
180  genomen  in  der  himel  trön; 

da  han  ich  ewigs  leben, 

das  hat  er  mir  gegeben: 

die  fröd  ist  grosz,  das  ist  an  mäss, 

und  ritt  einr  all  der  weite  strass, 
185  e  man  es  möcht  betichten, 

mit  schriben  usgerichten, 

du  möchtist  zweintzig  jar  hie  stän, 

e  ich  dirs  gesagen  kan. 

als  gross  ist  fröd  und  wunne*.  — 
190  do  gieng  erst  uff  die  sunne, 

das  man  si  an  den  bergen  sach. 

das  hopt  gar  züchteklichen  sprach: 

,nu  sag  das  allen  mannen, 

das  si  vor  sünden  banden 
195  sich  huetint  hie  uff  erden, 

das  si  nicht  ewig  sterben, 

und  tuegint,  als  ich  han  getan, 

so  git  in  got  das  ewig  Ion''. 

ich  gieng  enweg  und  neig  dem  hopt, 
200  wan  es  was  aller  sünden  brobt.  — 

dise  rede  heiszt  der  trön. 

nu  geb  uns  gott  das  ewig  'Idn. 

amen. 


173  mein  bleich  weih.  175  mein  äigen  leib.  176  ain 
180  hymel.  184  äinr.w6lt.  186  schreiben äosgerichten.  1 B 7  zwaintzig 
iar.  189  wunn.  190'  aüff.  iunn.  191  sey.  192  haupt.  ztich teklei^hen . 
194  sy.  196  atrff.  1^6  sy.  198»geit  jn.  199  haig.  Haupt.  200  Won. 
beraubt.      201    red  haiszt. 


—    80    — 

XXVI. 

Min  willig  dinst  und  och  min  rät  Fol.  25^ 

den  schrib  ich  üch  mit  trüwen. 

es  si  fruo  oder  spät, 

so  land  üch  niemer  rüwen, 

5  Was  ir  ie  guotes  hand  getan; 
hand  sinn,  ir  wellint  meren, 
so  mugent  ir  gar  wol  bestan 
und  nement  uff  an  eren. 

Hand  götlich  lieb  für  all  dis  weit, 
10  sind  stet  mit  üwern  worten: 
es  wirt  üch  lieber  wann  alls  gelt, 
und  bschliessent  eren  porten. 

Hand  er  und  schäm  und  gwissen  guot, 
gotz  vorcht  in  üwerm  hertzen: 
15  es  git  die  lengi  guoten  muot       ^ 
und  behuet  üch  vor  ewig  smertzen, 

Und  gewinnent  glük  uff  erden  hie, 
gross  wird  in  üwerm  alten; 
so  spricht  die  weit:  „daz  ist  doch  die, 
20  die  hat  ir  er  behalten*. 

Sind  frödenrich  in  hertzen 

no  me,  denn  ir  gebaren; 

huet  üch  vor  winkelschertzen, 

wan  sicherlich,  der  tiefel  tuot  des  varen. 

25  Er  nebt  die  weit 

zuo  allen  bösen  sachen: 

1  Mein,  auch  mein  Rät.  2  schreib,  euch,  trewen.  3  sey.  4  euch, 
rewen.  8  auff.  9  Sand;  doch  h  yorcorri giert,  götleich.  10  ewern. 
11  euch,  alles.  13  gewissen.  14  ewerm.  15  geit.  16  euch. 
17  gelükt  auff.  18  ewerm.  19  dz.  21  frodenroich.  23  euch. 
24  Won  sicheiieich.    25   und   26  zusammengeschrieben. 


^^81     -^ 

dafür  so  nein  er  kein  gelt, 

niöcht  er  ein  biderb  wib  zuo  einer  törinn  raachön. 

Üwer  gsind  band  tug^ntlichen 
30  in  recbter  vorcbt  mit  mäss; 
die  armen  als  die  riehen 
die  gruessent  uff  der  sträss. 

Hocbfart  die  sond  ir  raiden 
demuetig  mit  geberen, 
35  so  mag  üch  nicht  verschniden 

die  hobetsünd,  das  wil  ich  wol  beweren. 

Wan  Lucifer  hat  nmb  die  sach 
gesunt  und  ist  gevallen, 
des  muoss  er  haben  ewig  ach 
40  und  sin  genoss  in  jamer  muossen  wallen. 

Schlahent  nid  uss  üwerm  hertzen 

und  hass,  den  bösen  sämen, 

si  bruefent  jamersmertzen : 

davor  behuet  uns  got.  —  nu  sprechen  amen. 

45  Hand  mass  zuo  üwerm  essen; 
das  sond  ir  wol  besinnen, 
das  ir  üch  nicht  vergessen 
von  keinem  trank,  daz  ir  des  werden  innen, 

Davon  sich  sinn  oder  geber 
50  mugint  icht  verkeren: 
das  wer  ein  sach  gar  swer 
und  wurd  sieb   in  dem  alter  schedlich  meren. 

Huetent  üch  vor  gehem  zorn, 
mit  gueti  endt  man  vil: 

27  kain.  28  ain.  weib.  Mit  zuo  neue  Zeile,  ainer.  29  ge- 
sind, tugentleichen.  31  reichen.  32  aufP.  33  meyden.  35  euch,  rer- 
schneiden.  36  haubtsünd.  37  und  38  Won  lucifer  hat  ymb  die 
sach  geualln.  40  sein,  iamer.  41  neyd  auss  ewerm.  43  Sy.  45  ewerm. 
47  euch.  48  kninem.  dz.  jnnen.  51  ain.  52  schedleich.  53  euch. 
WackerneU,  Montfort  ^ 


—    82    — 

'  56  es  wirt  gar  dikch  verlorn,  Fol.  26 

der  all  sach  rechen  wil. 

Üwer  glük  das  hand  von  got; 
huetent  üch  vor  bösen  wiben: 
die  raten  nicht  dann  spot, 
\60  mit  zober  gross  taond  si  die  weit  verschniden, 

Und  ist  vil  angelükch 

von  der  sach  besohehen : 

das  machent  ir  valschen  ttikch, 

das  wil  ich  wol  mit  gantzer  warheit  jehen« 

65  Na  merkent  minn  rat  gar  eben: 
min  will  ist  gen  üch  guot: 
got  muess  üch  seiden  geben 
und  darzuo  gaoten  muot! 


XXVII. 

V/sach  alir  sach,  du  bist  an  end, 
din  wesen  das  was  ie! 
kum  heiliger  geist  behend, 
hilf  mir  uff  erden  hie: 

5  Zünde  au  mit  dinem  für 
die  hobetsünd  von  mir; 
des  hilf  got  vatter,  sun  gehür, 
das  ist  mins  hertzen  gir! 

Wer  aller  menschen  vernunst 
10  beschlossen  in  ein  höbet 
und  darzuo  ellü  kunst, 
dannocht  wer  es  der  sinnen  gar  berobet 

57  glükt.  58  euch,  weihen.  59  spott.  60  zauber.  y*schneiden.  64  war- 
hait.  iehen.     65  mein.     66  Mein.  euch.     67  euch.     68  dartzno. 

1     aller.  2     Dein.  3    haiiger    gaist.  4    Hilff.    anff. 

5  Zünd.  deinem  fewr.  6  hauptsünd.  7  hilff.  gehewr.  8  meins. 
10  aia  baubet,      11    dartzuo.      12  beraubet. 


~    83    - 

In  sölicher  mass, 

das  es  möoht  die  wirdi  gots  durcbgründen : 
15  es  wer  uff  irrer  strass, 

recht  als  obs  wolt  ein  liecbt  mit  söhne  anzünden. 

Min  herr  ob  allen  dingen, 
kein  sinn  mag  dich  volloben, 
nieman  mag  es  volbringen: 
20  wie  hoch  man  gedenkt,  so  bist  da  dannocht  oben. 

Wan  aller  engel  vernunst  Fol.  26^ 

und  all  ir  claogen  list, 

die  hilfet  nicht  ir  kunst, 

das  si  wissint,  herr,  wer  da  gentzlich  bist! 

25  Wan  din  drivaltikeit 
die  ist  gar  ungepfecht; 
ich  sprichs  wol  äff  minn  eid: 
all  sach  hasta  beslossen  in  dinr  almeoht. 

Herr  got,  da  hast  all  sach  geschaffen, 
30  darzao  der  himel  tron, 
höre  ich  von  wisen  pfaffen, 
da  sigint  engel  soh6n: 

Die  kannint  dinn  willen  bekennen 
and  darzuo  dinen  muot, 
35  and  taond  sis  enander  nennen, 
damit  wirt  dwelt  behuot. 

Si  taond  dinn  willen  halten 
gar  snell  und  unverdrossen 
gen  jungen  und  gen  alten; 
40  vor  in  ist  nichtz  beschlossen. 


1 3  söleicher.  1 5  auff.  1 6  ob  es.  M  i  t  ein  neue  Zeile,  ain.  1 7  Mein. 
18  Kain.  21  Won.  23  hilffet.  24  sy.  gentzL  (sie!)  25  Won 
dein  driualtikait.  27  sprich  es  wol  auff  meinen  aid.  28  dein*. 
30  Daitzuo.  hymel.  31  hör.  weysen.  32  syglnt.  33  dein. 
34  dartzuo  deinen.      37   Sy.  dein.     39  iungen.     40  jn.      ^ 


—    84    — 

Si  sehent  in  diner  gotbeit  clär, 
was  si  na  söllent  werben 
gar  beimlich  and  nicht  offenbar: 
her  nider  äff  die  erden 

45  TuOLd  si  nach  dinem  willen, 
des  habent  si  wol  acht; 
nieman  mag  es  gestillen, 
dafär  so  hilft  kein  macht. 

Unwandelberer  gott 
50  in  allen  dinen  Sachen, 
ich  reds  an  allen  spott: 
die  heiigen  gschrift  kan  nieman  anders  gmachen; 

Wan  das  da  bist  ein  gott 
anwandelber. 
55  ich  swers  bi  dim  gebott: 

kein  sach  ist  dir  ze  ringe  noch  ze  swer. 

Du  bist  gar  anverkert 
mit  allem  dinem  wesen 
(din  götlich  gnad  ans  nert): 
.  60  din  lob  daz  wirt  vollsungen  noch  voUesen. 

Ich  zeig  dir  och  minn  willen 
und  tuon  das  mit  begir : 
guot  sach  tuost  in  mich  pillen, 
das  gib  ich  wider  dir 

65  und  danken  dinen  gnaden: 
wa  ich  han  guots  getan, 
das  sint  dins  geistes  gaben, 
süss  mueszt  ich  ellent  stan. 


41   deiner  gothait.     42  sy.      43  haimleich.     44  auff.    45  Kund; 

aber  t  Torcorrigiert.  sy,  deinem.   46  sy.    48  hilflPb  kain.    60  deinen. 

52  haiigen  gesohrifPb.  gemachen.      53  Won.  ain.    55  by  deim.    56  Kain. 

ring.      68   deinem.      59  Dein  götleich.      60  Dein.  dz.      61   zaig.    auch 

mein.      65  deinen.      66  guotes.      67   deins  gaistes. 


—     85    — 

Ein  Schöpfer  alles  gaoten 
70  hilf  armen  sünder  mir: 

du  schlechst  mit  seiden  raoten, 
der  sich  ergibet  dir; 

Du  gist  gar  seldeklichen, 
wers  tuot  an  dich  begern, 
75  den  armen  als  den  riehen 
die  tuost  du  zwar  gewem. 

Du  weist  zwar  allen  grünt 
in  aller  menschen  hertzen: 
das  ist  dir  alles  kunt, 
80  es  si  lieb,  leid  oder  smertzen. 

Da  du  denn  vinst  das  recht  Fol.  27 

und  steten  gantzen  willen, 

das  machest  alles  schlecht 

und  tuost  dem  menschen  grossen  kumber  stillen. 

85  Du  hast  uns  geben  eigen  willen 
und  darzuo  guot  vernunst; 
tuond  wir  dann  kein  bös  in  uns  billen, 
das  ist  nicht  grechte  kunst. 

Du  hast  kein  unglük  uns  beschaffen, 
90  das  ist  sicher  war; 

wer  anders  redt,  der  glicht  sich  einem  äffen, 
das  velt  nicht  umb  ein  har. 

Almechtig  gott,  ich  bekenne: 
als  recht  tuon  kunt  von  dir; 
95  (drivaltig  ich  dich  nenne) 
das  solt  du  globen  mir, 

Das  ich  gentzlich  verstau, 

daz  an  dich  nichts  guots  mag  volbracht  werden. 

69  Ain.  70  Hilff.  73  geist.  söldekleichen.  75  reichen.  77  waist. 
80  sey.  laid.  85  aigen.  86  dartzuo.  87  kain.  89  kain  yngelük. 
91  gleicht  sich  aim.  92  ain.  93  bekenn.  95  Drejualtig.  nenn. 
96  gelauben.     97  gentzleich.     98  Dz, 


-    86    — 

eins  muoss  dia  gnad  bi  im  hän: 
100  wellen  wir,  da  bhuetst  uns  vor  ewig  sterben. 

Almechtig  gott,  ich  taon  bekennen 
all  weltlich  fröd  and  last 
und  mnoss  das  für  ein  torheit  nennen: 
die  wisheit  ist  umbsast; 

105  Wan  alls  weltlich  lieb  zergät  mit  leid, 
das  ist  noch  als  beschehen: 
wir  wonent  uff  einer  wilden  heid, 
muoss  ich  mit  warheit  jehen; 

Wan  weltlich  fröd  und  all  ir  geber 
110  (so  hilfet  och  kein  guot), 

es  wirt  am  jüngsten  alles  swer 
und  bringet  unmuot. 

Ich  hän  die  weit  gesehen  wol 
und  nicht  durch  einen  schliemen 
115  (sid  ich  die  warheit  sagen  sol): 
in  die  lengi  solt  ir  achten  niemen; 

Wan  all  ir  sach 
daz  ist  zerganklich  leben, 
und  ist  doch  nicht  denn  ach, 
120  ein  wil  ein  fröd,  darnach  kans  truren  geben. 

Küng  Salamon,  der  wis, 

der  hat  zwar  recht  gesprochen: 

die  weit  buw  uff  ein  is, 

wan  all  ir  sach  die  werd  doch  hie  zerbrochen, 

99    Ains.    dein  bey  jm.  102    weltleich.        103    ain    torhait. 

104  weyshait.  105  Won.  weltleich.  laid.  107  auff  ainer.  haid. 
108  warhait  iehen..  109  Won  weltleioh.  110  hil£Pet  auch  kain. 
114  ainen.  115  warhait.  116  nieman.  117  und  118  zusammen- 
geschrieben. 117  Won.  118  dz.  zergangkleich.  119  die  zwei 
ersten  Worte  von  120  in  diese  Zeile  geschrieben.  120  Ain 
beidemal,  weil.  121  salamon.  weys.  122  hat  zwischen  der  und 
zwar  rot  eincorrigiert.     123  baw  auff  ain  eys.     124  Won. 


—    87    — 

125  Und  si  nit 

dann  üppikeit  uff  erden, 
dort  her  von  Adams  rip 
jamer  und  not  und  gät  dann  an  ein  sterben. 

Ich  han  gross  lieb  verlorn 
130  mit  sterben  hie  uff  erden: 
mich  stach  der  unmuot  dorn, 
ich  wand,  mir  möcht  doch  niemer  also  werden. 

Als  gross  hertzeleid 
ist  mir  beschehen, 
135  sprich  ich  uff  minen  eid 

und  wil  das  wol  mit  warheit  jehen. 

Wer  all  fröd  gemessen,  Fol.  27^ 

der  ich  ie  han  gepflegen, 
es  wer  gen  dem  vergessen: 
140  der  unmuot  hett  es  gentzlich  widerwegen: 

Drü  leid  an  ein  fröd 

das  ist  mir  ellweg  beschehen: 

Die  sach  die  dunkt  mich  öd, 

daz  wil  ich  wol  mit  gantzer  warheit  jehen. 

145  Ist  das  lust? 

das  kan  ich  nit  bekennen! 

dis  leben  ist  umbsust, 

die  weit  muosz  ich  das  jamertal  nennen; 

Wan  all  ir  wis  und  ir  geber 
150  das  ist  sicherlich  ein  spott 

und  wirt  am  jüngsten  alles  swer. 
vergib  mir,  werder  gott, 

125seymcht.  125u.  126  zusammengeschrieben.  126üppi- 
kait  auff.  127  adams  ripp.  128  ain.  130  auff.  133  hectzlaid. 
135  auff  meinen  aid.  136  warheit  iehen.  140  gentzleich.  141  Drew 
laid.  ain.  144  Dz.  warhait  iehen.  145  und  146  zusammen- 
geschrieben. 148  iamer  taL  149  Won.  weys.  150  sicher- 
leich  ain. 


—    88     — 

Da  ich  mich  hän  vergessen 
vor  grossem  anmuot; 

155  tuo  mirs  nach  gnaden  messen 
durch  din  vil  heiligs  bluot. 

Wan  unmuot  hat  mich  gevangen 
(ich  hatt  nicht  rechter  sinn), 
als  krefteklich  umbgangen. 
160  nu  hilf  mir,  küniginn, 

Pitt  für  mich  unsern  herren 

altissimnm,  den  werden, 

so  muoss  mir  truren  verren; 

wann  wenn  er  wil,  so  mag  ich  nicht  verderben. 

165  Muoter  und  magt,  ein  ros  der  tugent, 
ein  schilt  der  sünder, 
ich  man  dich  an  dins  kindes  jugent, 
und  als  du  in  geber: 

Pitt  für  mich,  du  reine  magt, 
170  (er  tuot  dir  nichts  verzihen): 

so  ist  mir  erschinen  der  seiden  tag, 
unmuot  muoss  vor  mir  wihen. 

Min  herr,  min  vater,  min  hus,  min  hof, 
all  min  hoffnung  lit  an  dir! 
175  din  gotlich  gnade  gen  mir  lof, 
das  ist  notdürftig  mir. 

Min  Werder  got,  min  lieber  herr, 
erbarm  dich  über  mich  eilenden: 
durch  diner  lieben  muoter  er 
180  tuo  mich  an  Sünden  pfenden. 

Ich  hän  die  weit  gewandelt  wol 
und  bkenn:  es  ist  ein  gleich ; 

156  dein,  hailigs.   157  Won.     159  kefFtekleicb.   160hilff.    165  ain. 

166   Ain.      167  deins.  iugent.      168  jn.      169  raine.      170  verzeihen. 

172  weihen.      173  Mein  durchweg,  vatter.  haus.      174  mein.  leit. 

175  Dein  gotleich  gnad.  lanff.    176  notdurfftig.    177  Mein  beidemaL 

J  79  deiner.     1 92  ain  glaich. 


—    89    — 

diu  gnad  ich  darumb  bitten  sol, 
wir  sigen  an  der  menscheit  weioh. 

185  Hilf,  Werder  gott, 

ein  Schöpfer  alles  guoten, 

das  ich  ersterb  in  dim  gebott: 

dos  bitt  ich  dich  durch  dine  liebe  muoter. 

Du  hast  uss  kranken  sachen 
190  uns  liplioh  hie  geschaffen: 
ietz  weinen  und  denn  lachen 
das  kan  die  blöde  menscheit  an  uns  machen. 

Wan  wer  din  gnad, 
sust  muest  ich  gar  verderben: 
195  gib  mir  dins  heiigen  geistes  gab, 

0  starker  got,  bhuet  mich  vor  ewig  sterben! 

Ich  opfer  dir  min  unmuot  gross  Fol.  2S 

io  din  götlich  gnad; 
an  dir  so  lit  min  gantzer  trost, 
200  du  gist  die  grechten  gab. 

Herr  gott,  erbarm  dich  über  der  frowen  sei, 
die  ich  han  in  minem  muot, 
und  hilf  ir  uss  der  wissen  quel 
durch  din  vil  heiiges  bluot. 

205  Ich  man  dich  an  din  liden  gross, 
und  durch  all  diu  werden  marter 
kum  ir  sei  mit  gnad  ze  trost 
und  nimm  si  uss  aller  swer. 

Herr  gott,  erbarm  dich  über  mins  vatter  sei 
210  und  über  miner  rauoter 

183  Dein.  184  sygen.  menschait  waioh.  185  Hilfif.  186  Ain» 
187  deim.  188  deine.  189  auss.  190  leipleich.  191  wainen- 
192 menschait.  193  Won. dein.  193  und  194  zusammengeschrieben. 
195  deins  haiigen  gaistes.  196  hehüt.  197  mein.  198  dein 
götleich.  199  leit  mein.  200  gei»t.  gerechten.  201frawn.  202  meinem. 
203  hüff  jr  auss.    weyssen.  203  dein,  haiiges.       205   dein  leiden. 

206  dein.      208   sy  auss.      209  meins.      210  meiner. 


—    90    — 

und  hilf  in  uss  der  wissen  quel, 
du  Werder  got  vil  guoter! 

Herr  got,  erbarm  dich  über  allr  der  sei, 
der  guot  ioh  han  besessen, 
215  und  hilf  in  uss  der  wissen  quel, 
tuo  ins  nach  gnaden  messen! 

Herr  got,  erbarm  dich  über  allr  der  sei, 
von  den  mir  ie  guot  ist  bschehen, 
und  hilf  in  uss  der  wissen  quel, 
220  tuo  götlich  gnad  ansehen! 

Herr  gott,  erbarm  dich  über  all  glöbig  sei, 
der  nieman  tuot  gedenken, 
und  hilf  in  uss  der  wissen  quel, 
tuo  si  mit  gnaden  trenken! 

225  Es  ist  nicht  anders  daran  denn  sterben, 
uff  erden  hie  vollenden; 
und  gedeckten  wir,  wer  wir  muossen  werden, 
es  wurd  uns  dikch  an  grossen  Sünden  wenden. 

Ich  bitt  üch  all  gelich, 
230  wer  dis  höret  lesen, 
arm  und  och  rieh 
(darumb  das  üch  gott  geb  das  ewig  wesen) 

Pittent  für  mich  tichter 
gott,  den  werden  herren, 
235  das  er  mir  helf  uss  aller  swer, 

darumb  das  üch  kumber  muesse  verren! 


211   hilff.  auss.  weissen.      213  aller.     215  hüff  jn  auss.  weissen. 

217  aller.      218  ye.  bcschehen.      219  hilff  jn  auss.  weissen.      220  göt- 

leich.      221   gelöbig.       223  hilff.  auss.  weyssen.      224  sy.     226  Auff. 

229  euch,  geleich.       231  auch  reich.       232  euch.       235  helff  auss. 

^36  euch. 


—    91     — 

xxvni. 

Ich  gieng  eins  morgens  uss  darch  aventür  Fol.  28^ 

spacieren  in  ein  walt: 

vogel  gesang  ward  mir  ze  stür, 

da  vand  ich  brunnen  kalt 

5  Flussrich  durch  wasen  und  darch  stein, 
ich  sach  vil  wilder  tier: 
der  mei  mit  fröden  da  erschein 
mitt  aller  sinr  gezier. 

Gezinnt,  gekrispelieret 
10  meng  blatt  was  gebogen, 
der  wald  was  wol  gezieret 
unden  and  och  oben: 

Von  blettern  bluomen  slaonden  schon 
ortocht,  rant  gemessen; 
15  da  bort  ich  vil  der  vogel  don, 
octaf  was  nicht  vergessen, 

Tenar  und  discantieren : 
die  langen  mass,  die  kurtzen 
hört  ich  die  vogel  zieren; 
20  ich  smacht  vil  suesser  wurtzen. 

Rot,  gruen  und  wiss 

sach  ich  die  bluomen  glesten 

und  gel  nach  allem  fliss, 

die  blawen  varwe  sohetz  ich  für  die  besten: 

s 

2  5  Stet  an  gerechten  dingen 
dabi  sol  man  beliben; 
wie  möcht  eim  misselingen? 
die  brune  varw  betütet  nu  ein  swigen. 

1    ains.    auss.    auentewr.  Mit    durch     neue    Zeile.         2  ain. 

3  stewr.      5   Flussreich,  stain.  7  may.  erschein.    8  seiner.     12  auch. 

14  Orthocht.        21    weyss.  22    gelesten.        23    fleiss.        24    varw. 

26  Dahy.  beleihen.     27  aim.  28  brawne.  betewt.  ain  Sweygen. 


j 


—    92    — 

Fröind  forin  und  gebrech 
30  sach  ich  an  blettem,  bluoinen 
wachsen  da  gar  speh: 
ich  kans  nicht  fiirbas  raomen. 

Also  gieng  ich  in  gedenken 
und  hatt  der  bluomen  acht. 
35  die  sunn  begund  sich  senken, 
es  nahet  gen  der  nacht; 

^Das  tow  begund  nu  risen, 
die  vogel  herberg  suochen, 
gen  der  nacht  sich  spisen. 
40  ich  gedacht:  wes  will  du  nu  geruoohen? 

Ich  gieng  von  statt  gar  schnell, 
das  ich  kern  uss  dem  walde; 
zuo  einem  wasser  hell 
dar  kam  ich  also  balde. 

45  Luter  nnd  was  nicht  ze  gross, 
ein  bach  in  rechter  mass; 
der  angesicht  mich  nicht  verdross, 
waun  er  ran  gen  einer  strass. 

Vor  dem  wald  bgond  ich  nu  sehen 
50  ein  veste  wol  gepuwen, 

kost  muoszt  ich  daran  spehen. 

ich  gedacht:  min  gang  sol  mich  nicht  ruwen. 

Si  was  gepuwen  mit  gantzem  flisz 
ze  wer  nnd  och  nach  gmach; 
55  darzuo  so  was  si  berlenwisz, 
ein  rotes  rubintach 

Hatt  si  gar  kostberlichen, 
die  knöpf  die  warent  schön. 

37  taw.  reysen.         39    speysen.        41   ohne  Absatz.        42  kam 

aus»,  wald.    43  ainem.    44  bald.    45  Lauter.    46   Ain.    48  Ran.  ainer. 

50   Ain  vest.  gepawen.     52  mein.  nich.    63  gepawn.  fleysz.      54  auch. 

gem&ch.    5'5  Darzuo,  sy.  weisz.    5  6  Ain.  rubein  tach.    5  7  sy.  kostberleichen. 


—  ^93    — 

uinnuot  tett  von  mir  wichen: 
60  ich  hört  suess  horndön,  Fol.  29 

Pelg  tretten  und  von  mund 
hört  ich  die  hom  erhellen, 
hin  gieng  ich  do  ze  stund, 
ich  hört  gar  lieplich  schellen: 

65  Ir  klingen  was  ze  hören 
für  alles  vogeldönen, 
es  tett  mir  muot  enbören: 
ich  wand,  es  werint  engel  uss  den  trönen. 

Hin  gieng  ich  zuo  den  porten 

70  und  batt  mich  lassen  in. 

einr  ruofFt  herab  mit  Worten : 

9 du  solt  da  vornen  sin'! 

Er  sprach:  ^und  kanst  du  lesen, 
sich  oben  an  das  tor: 
75  es  mag  hart  anders  wesen, 
du  belibist  och  davor*! 

Das  tor  was  wol  beschlagen 
mit  rotem  gold,  dem  vinen, 
mit  buochstaben  durchgraben, 
80  karfunkel  sach  ich  gar  loblich  schinen. 

Die  lagent  in  dem  gold, 
das  man  gesach  wol  zlesen 
die  geschrift  den  frummen  hold, 
das  mocht  nicht  anders  wesen. 

85  Ich  las,  das  meineid  und  die  zagen 
soltint  da  vornen  sin; 
die  wolt  man  all  verjagen, 
^  darzuo  den  töchterlin. 


59  weichen.       62  hellen.       64  liepleich.       68   auss.       70  eyn. 

71    Ainr.         72    sein.  74    eben.        76  beleibist  auch.        78  yeinen. 

80    lobleich    scheine.  82    ze    lesen.       83    geschrifft.       85   mainaid. 

86   sein.      87  veriagen.  88  Dartzuo.  töcht^rlein. 


— '  94    — 

Die  gewalt  tetint  an  Iren  eren, 
90  der  Hess  man  kein  genesen: 
das  tor  wolt  man  in  weren, 
das  mocht  nicht  anders  wesen. 

Morder  und  verreter 
die  wolt  man  all  da  töten: 
95  von  in  da  las  ioh  grosse  swer 
von  jämer  und  von  nöten. 

Ketzer  und  die  valscher, 
die  wolt  man  brennen,  sieden: 
von  in  da  las  ich  grosse  swer, 
100  daran  wil  ich  nicht  liegen. 

Bober  und  die  dieb 

die  wolt  man  höhten,  henken 

(die  hat  man  da  nicht  lieb): 

die  bösen  schelkche  wolt  man  all  ertrenken. 

105  Valsch  richter  wolt  man  liden 
(die  liess  man  nicht  genesen,) 
vierteilen  an  die  widen, 
das  mocht  nicht  anders  wesen. 

Lügner  und  die  claffer 
110  den  wolt  man  zungen  abschniden, 
von  den  da  las  ich  starki  mer: 
si  muoszten  jämer  liden. 

Valsch  urteilern  wolte  man  beschniden 
oren  und  zungen  ab, 
115  das  muoszten  si  da  liden 
und  darnach  in  ein  bad. 

£brecher  bi  selgen  wibeu 

die  wolt  man  zuo  süwen  legen, 

90  kain.  95  u.  99  jn.  101  Rauber.  102  haubten.  1 04  schelkch* 
107  Viertailen.  wydeu.  110  ahschneiden.  112  Sy.  lejden.  113  urtai- 
lem  wolt.  beschneiden.  115  sj.  leiden.  116  ain.  117  bej. 
weihen,      118   sewD, 


—  '95    — 

(das  muoszten  si  da  liden) 
120  am  morgen  fruo  mit  einem  schit  uff  heben. 

Den  wuochrern  krotten  braten  Fol.  29*^ 

(die  muoszten  si  da  essen) 
und  darzuo  einer  näter, 
wann  si  band  gots  vergessen. 

125  Ich  ruofft  uss  friem  muote: 
,tuo  uff  mir,  torwart!* 
er  sprach:  ,hab  dich  in  huote! 
ich  swers  bi  minem  hart: 

Du  hasts  nicht  als  gelesen 
130  oder  bist  ein  heilig  man; 
es  mag  hart  anders  wesen, 
du  nemist  schaden  daran.' 

Er  sprach:  ,sich  an  die  porten 
oben  an  das  tor, 
135  die  vers  vindst  du  mit  Worten: 
du  belibest  noch  davor.* 

Ich  las,   wer  brech  die  zehen  gebott, 
der  möchte  nicht  hin  tn; 
er  wurd  mit  worten  gar  ze  spott 
140  und  sölt  hie  vornen  sin.' 

Ich  las,   wer  tet  der  siben  todsünd  ein, 
der  wurd  gar  hart  geschlagen; 
verbotten  wurd  im  allgemein, 
das  laster  mueszt  er  haben. 

145  Ich  las,   wer  hetti  nid  od  hass 
und  hett  nicht  gar  vergeben, 
dem  wer  davornen  noch  vil  bas, 
es  gieng  im  an  das  leben. 

119  sj.  leydeo.  120  aiaem  scheit  auff.  122  sey.  223  dartzuo. 
ainer.  124  sy.  125  auss  freyem  muot.  126  auff.  127  huot. 
128  by  meinem.  130  ain  hailig.  136  beleibest.  138  mOcht.  eyn. 
140   sein.      141    ain.      143  allgemain.      145   neyd  oder.      148  jm. 


~    96    — 

Ich  las,  wer  sinem  ebencristan  aicht  gund 
150  eins  gaoten  als  im  selb, 

wie  hart  man  den  mit  strikken  band, 
das  er  möcht  werden  schelb. 

Eins  maeszt  all  stind  gelassen  hän 
und  niemer  me  getuon, 
155  das  möcht  an  sorg  wol  hin  in  gän, 
es  wer  ein  rechter  suon. 

Ich  las  die  vers,  die  warent  hert. 
ich  sprach:  «torwart,  ich  hör  nicht  hin  in; 
wan  also  hän  ich  nicht  ein  gvert, 
160  ich  muoss  leider  hie  vornen  sin!* 

Ich  sprach:  , lieber  fründ,  sag  mir: 
was  Wunders  ist  nu  die  sach?*. 
er  sprach:  ,das  wil  ich  sagen  dir, 
beit  ein  wil  nnd  var  gemach: 

165  Hie  inn  sind  forsten  und  edel  herren 
und  darzuo  werde  ritterschafr, 
die  tuond  sich  aller  Sünden  werren, 
vor  ziten  warent  si  manhaft. 

Och  bi  der  weit  sind  si  gewesen 
170  in  ernest  und  in  schimpf, 

zuo  den  besten  hat  man  si  userlesen: 
si  künden  fröd  und  och  gelimpf, 

Und  gestuonden  doch  dem  rechten  bi; 
das  hat  sich  nu  enpfunden: 
175  des  sind  si  aller  Sünden  fri, 
nnmuot  ist  in  verswunden. 

Ir  wisheit  hat  verstanden,  das 
bi  der  weit  ist  üppikeit. 

149  seinem  eben  Cristan.  150  Ains.  jm.  153  Ains.  156  ain. 
158  ain.  159  Won.  ain  geuert.  160  laider.  sein.  161  frewnd.  164  Bait 
ain  weil.  165  jnn.  166  dartzuo.  ritterscbafft.  168  zelten,  sy  m»n- 
hafft.  169  Auch  bey.  sy.  170  ernst.  171  sey  auserlesen.  172  Sy. 
auch,      173   bey.     J  75   sey.  frey.     177   weyshait.     178  Bey.  vppikait. 


—    97     — 

an  gottes  dinst  sind  si  nicht  lass, 
180  des  sind  si  behuet  vor  ewig  leit, 

Und  band  die  weit  geflohen  her,  Fol  30 

all  sünd  händ  si  gelassen; 
ze  gottes  dinst  stät  all  ir  ger: 
si  sind  uff  rechter  Strassen.' 

185  Ich  sprach:  ,fründ,  behuet  dich  gott, 
ich  wil  nicht  lenger  hie  stän.* 
er  sprach:  ,nu  beit  an  allen  spott, 
ich  wil  dir  nach  eim  herren  gän. 

Mich  dunkt,  bekennen  er  dich  werd: 
190  er  hat  die  weit  gewandelt  vil, 
er  was  ein  gsell  uff  diser  erd 
und  hat  och  getriben  ritterspil.* 

Ich  sprach:  «so  wil  ich  also  stän 
und  wil  din  herwider  warten, 
195  davon  so  tuo  mir  noch  im  gän 
unde  bring  in  an  die  porten.** 

Der  herr  gieng  mit  züchten  schon 
gen  mir  zuo  dem  tor; 
aller  liechter  was  er  an, 
200  dri  karfunkel  truog  man  im  vor: 

Der  glast  gab  liechten  brehenden  schin. 
er  gruoszt  mich  durch  die  porten; 
also  hiess  er  mich  got  wilkom  sin, 
zuo  mir  sprach  er  mit  worten: 

205  «Din  gevert  das  nimpt  mich  wunder  zwar; 
wer  hat  dich  her  gewiset? 
hie  inn  so  ist  der  werde  gräl, 
wir  sind  gar  wol  gespiset 

179  sy.       180  sy.  lait.        182  sy.        184  auff.       185  frewnd. 

187    bait.      188  aim.       191   ain  gesell    auff.      192  auch.      194  dein. 

195  jm.    196  Und.  jn.  200  Drey.  jm.   201  schein.    203  sem.    205  Dein. 

Mit  wunder  neue  Zeile.      206   geweyset.     207  jnn.     208  gespeyset. 

Wackemell,  Montfort«  7 


—    98    — 

Mit  allem,  so  unser  hertz  begert; 
210  des  hand  wir  gnuog  ze  standen, 
des  sind  wir  als  von  got  gewert 
nnd  haben  wol  enpfunden. 

Das  unrecht  tuon  ist  ein  verderben  zwar 
an  lib  und  och  au  sei. 
215  des  sind  wir  komen  zuo  dem  gräl 
und  habent  iemer  mer 

Wunn  und  fröd  und  noch  vil  me, 
wir  mugent  och  nicht  sterben, 
ir  varent  uff  eim  wilden  se 
220  davomen  uff  der  erden 

(Sprach  der  her  zuo  mir  gar  schon): 
wenn  wilt  du  abelassen? 
din  leben  ist  ein  rechter  trön, 
du  buwst  ein  irre  Strassen.^ 

225  Ich  hau  dich  lang  erkennet  wol: 
davon  muost  du  mich  rüwen, 
das  du  bist  also  torheit  vol, 
du  solt  dich  zwar  vemüwen. 

Ker  von  dem  leben  und  var  herin, 
230  du  muost  all  sünd  vor  lassen: 

wie  möcht  dir  iemer  bas  denn  sin? 
du  werist  uff  rechter  Strassen*. 

Ich  sprach:  ,herr,  ir  ratent  recht, 
das  wer  das  ewig  leben.*' 
235  er  sprach:  ,din  zung  ist  gar  sieht: 
du  tuost  mir  Wörter  geben. 

Tetist  du  die  werch  darzuo, 
als  du  bist  mit  den  werten, 

213  ain.  214  leib.  auch.  218  auch.  219  auff  aim.  220  auff. 
223  Dein.  ain.  224  bawst  ain  jrre.  226  rewen.  227  torhait. 
228  v'newen  229  Her,  k  vorcorrigiert.  h'ein.  231  sein.  232  auff. 
235  dein.      237  dartzuo. 


—    99    — 

so  Word  dir  dis  morgens  fruo 
240  geschlossen  uflF  die  porten.  Fol.  30^ 

Wan  red  an  werch  zwar  nicht  vervaht, 
das  du  magist  komen  herin; 
die  wil  du  bist  in  sünden  bächt, 
so  muost  davbrnen  sin  *. 

245  Er  sprach:  «din  tichten  und  cluoge  wort 
die  sind  gar  guot  ze  hören; 
tetist  du  die  werch,  so  wers  ein  hört, 
und  liessist  von  dir  stören 

All  sünd  oss  dines  hertzen  grünt 
250  und  tetists  fürbas  niemer  me: 
an  lib  an  sei  wurdist  du  gsunt 
und  wurdist  bhuot  vor  ewig  we.  * 

Ich  sprach:  »lieber  herr, 
ich  weisz  nicht,  wie  ich  mich  sol  halten; 
255  sölich  sin  ist  mir  noch  verr, 

davon  tnon  ich  in  grosser  torheit  alten: 

Wan  liplich  begir 
das  tuot  mich  grosslich  wenden.* 
er  sprach:  ,das  was  och  mir, 
260  untz  das  ich  tett  min  potschaft  mit  willen  senden 

Ze  got,  dem  werden  herren, 

gab  ich  uff  als  weltlich  leben: 

do  tett  mir  truren  verrep, 

wan  er  hat  mir  all  min  sünd  vergeben 

265  Hie  inn  ist.  nicht  denn  wol 
und  haben  ewigs  leben 
(sid  ich  dirs  sagen  sol): 
got  hat  uns  gnade  tusentvalt  me  geben, 

240  auff.  241  Won.  243  weil.  244  sein.  245  dein. 
247  ain.  249  auss  deines.  251  leib,  gesunt.  252  behüt. 
254  waiz.  255  Söleich.  256  torhait.  257  Won  leipleich. 
258  grossleich.  259  auch.  260  mein  potschafft.  262  auff.  weltleich. 
263trawren.   264  Won.  mein.  265jnn.   268  gnad*  ta\\^\v\.\s^\..  tgl^  1^\^\.^. 


—     100    — 

Denn  menschlich  sinn 
270  iemer  möcbt  erdenken; 

aller  truebsal  ist  von  ans  hin, 

unser  muot  der  bat  kein  arges  wenken. 

Wir  mngent  nicht  mer  Sünden 
mit  gedenken  noch  mit  sinnen. 
275  nieman  mag  es  durchgründen , 

das  da  sin  halbes  möcbtist  werden  innen, 

Was  grosser  fröd 
in  diser  vest  wir  haben: 
.   es  wer  ein  saoh  gar  öd, 
280  der  sichs  annem  and  meinti  dirs  ze  sagen.' 

Ich  stuond  als  in  eim  trön, 

min  maot  der  was  verirret. 

zao  mir  sprach  er  gar  schön: 

,din  sin  ist  zwar  mit  der  weit  verirret, 

285  Das  du  nicht  weist  wa  hin 
oder  wie  da  dich  solt  halten, 
als  lieb  als  ich  dir  bin, 
tao  nicht  also  in  grosser  torheit  alten.* 

Der  herr  der  sprach  zao  mir  gar  schon: 
290  ,dir  liebet  noch  die  weit: 
si  git  am  jangsten  bösen  Ion, 
da  pawst  ein  irres  velt* 

Er  sprach:  ,dins  Irrens  da  mich  erläsz, 
oder  ich  gan  von  der  porten; 
295  sag  mir  ass  diner  sinne  masz, 
bescheid  mich  des  mit  werten*. 

Er  sprach  zao  mir:  Fol.  31 

9 sag  an,  was  ist  das  liebst  äff  erden?* 

269  menschleich.      271   trübsail.      272  kain.       276  sein  halbs. 
jnnen.       277   und    278    Was    grosser    fröd    wir  haben.        279    ain. 

280  mainti.        Mit    dirs    beginnt    in     der    Hs.     neue     Zeile. 

281  aim  tr6m.       282  Mein.      284  Dein  Sin.      286  waist.     288  tor- 
hait.      291    Sej  geyt.      292  pawst  ain.      293  deins  irens.       295  auss 

deiner.     296  Besohaid.     298  auff. 


—    101    — ^ 

ich  sprach:  «das  sag  ich  dir: 
300  ein  wolgerätni  S,  da  mag  nicht  liebers  werden.' 

Er  sprach:  ,da  hast  gar  recht, 
ich  hän  dich  wol  verstanden: 
du  bist  der  firowen  kneoht 
und  list  in  anmuot  banden, 

305  Und  weist  doch  wol, 

das  alle  creatnr  mnosz  sterben 

(sid  ich  dirs  sagen  sol): 

es  ist  ein  rechtes  gleich  nff  diser  erden. 

Und  ist  din  mnot  doch  weich, 
310  and  söltist  doch  pillich  yerstftn, 
das  es  ist  ein  geleich: 
als  weltlich  lieb  mit  leid  doch  mnoss  cergAni  * 

Ich  gedacht  aber  an  min  wib, 
Yor  leid  do  bgond  ich  besehen. 
315  er  sprach:  ,dn  krenkest  dinen  Hb, 
got  tuet  all  saoh  im  besten. 

Dn  bist  nicht  wis, 
der  sin  wil  dich  betriegen; 
dn  puwst  doch  selber  nff  eb  is 
320  nnd  weinst  glich  als  ein  kind  in  einer  wiegen, 

Und  mnost  doch  selber  sterben: 

all  sach  die  mnosz  zeiglln, 

din  lib  ze  nkhti  werden, 

am  jüngsten  tag  herwider  nff  erstän. 

326  Davon  so  lass  dich  bennegen 
dinr  eren  nnd  dins  gnots 
(got  kan  all  sach  wol  (hegen) 
nnd  hab  ein  gnoten  mnot 

300  Ain.  de.  Mit  da  neue  Zeile.  303  £rawn. 
304  leist.  305  waist  306  all  creatawr.  308  ain  rechts  glaioh 
auff.  309  dein,  waich.  310  piUeich.  311  am,  gelaioh.  312  welt- 
leioh  leib.  laid.  313  mein  weib,  314  laid.  315  .deinen  leib. 
316  jm.  317  weis.  319  pawst.  auff  ain  ejs.  320  wainest  gleich, 
ain.  ainer.     322  Dein  leib.     324  aufT.     326  Deinr.  dems.     328  ain. 


-     102    — 

Wein  fürbas  umb  dio  missetat» 
330  din  Bund  die  lass  dich  rüwen. 
got  ir  sei  ze  gnaden  hat, 
des  sollen  wir  wol  getrüwen.  * 

Ich  sprach:  «ir  ratent  eben, 
ich  häns  verstanden  wol: 
335  ich  hans  längs  got  ergeben, 
sinr  gnad  ich  danken  sol; 

Und  mag  doch  nicht  gelassen, 
wenn  ich  tuon  an  si  gedenken, 
ich  si  uff  unmaot  Strassen: 
340  min  hertz  das  tuot  sich  truken  nnde  senken. 

Si  dienet  got  mit  willen 
züchtig  nnd  bescheiden, 
unfrid  tett  si  stillen, 
all  üppikeit  tett  ir  sicher  leiden. 

345  Ich  hän  vil  wib  gesehen 
bi  allen  minen  tagen: 
bris  muoss  ich  ir  jehen, 
uff  minen  eid  wil  ich  die  warheit  sagen. 

Von  sölher  jugent 
350  hän  ich  nicht  vil  gehöret 

gross  frümikeit  und  ir  tugent: 

h*  sterben  hat  mir  des  muots  vil  zerstöret 

Sölt  ich  nu  ewenklich  leben, 

so  mueszt  ich  iemer  clagen;  Fol.  31^ 

355  so  hat  mir  got  och  geben 

die  selben  sorge  muoss  ich  teglich  tragen. 


329  Wain. dein.  330  Dein. rewen.  331  jr.  332getrewen.  336  Seiner. 
338  sy.  339  ey  auff.  340  Mein.  und.  342  beschaiden.  344  üp- 
pikaifc.  laiden.  345  weih.  346  Bey.  meinen.  347  Breys.  iehen. 
348  Auff  meinen  aid .  warhait.  349  ingent.  350  gehört.  351  fhi- 
mikait.      353  ewenkleich.      355   auch.      356  sorg,  tegleich. 


—     108    - 

Das  ich  wol  weiss  min  sterben 
and  weiss  nicht  weihe  stand: 
ich  maoss  hin  in  die  erden, 
360  min  sei  von  mlnem  mond. 

Davon  ergib  iohs  goit»  dem  werden  herren, 
der  tnot  all  sach  im  besten, 
liden  maess  ir  verren, 
'  gott  nem  ir  sei  se  raowen  and  se  resten!  * 

365  Der  herr  der  sprach:  «das  hör  ich  gern, 
die  dag  ist  recht  gemessen. 
Weinens  solt  da  na  enbem, 
ir  sei  tao  nicht  vergessen; 

Wan  si  hat  sich  recht  gehalten 
370  gen  kanden  and  gen  gesten: 
(in  Sünden  taond  wir  alten) 
got  nimpt  das  mensdii  im  besten. 

Ich  hän  si  och  erkennet  wol: 
grefinn  Ment  was  si  geheissen; 
375  ir  mnot  was  eren,  togent  yöI« 
si  tett  ir  trüwe  Idsten.* 

Der  herr  sprach:  «wilt  da  noch  verBtin, 
das  die  weit  ist  ein  zerganklioh  leben^ 
da  solt  Yon  diner  torheit  lAn, 
380  die  narrenschaechli  von  dir  geben. 

Für  liplich  sterben  hilft  kern  aaoh, 
schön,  sterk  noch  Mmikeit 
tao  nff  die  ogen,  mit  sinnen  wach: 
weltlich  lieb  zergät  mit  leid.* 

385  Ich  sprach:  »frünt»  behaet  diöh  got! 
ich  wil  nicht  lenger  hie  st&n^ 

357  waiss  mein.  358  waiss.  360  Mein,  meinem.  361  mit  herren 
neue  Zeile.  363  Leiden.  367  Wainens.  369  Won.  373  auch. 
374  gehaissen.  376  trew  laiaten.  377  ain  aergaagkleidi.  379  deiner 
torhait  381  leipleich.  hilift  kain.  382  Mmikait  383  anff.  augn. 
384  Weltleich.  laid.     385  frewojh. 


—     104    — 

er  sprach:  ,nu  beit  an  allen  spot, 
ich  wil  dir  nach  einr  maget  gän. 

Die  ist  ein  jankfrow  bi  dem  gräl, 
390  die  wirt  dir  sagen  die  rechten  mer. 
was  ich  dir  sag,  das  ist  vil  war: 
din  sin  ist  noch  der  sei  gar  swer.*^ 

Ich  sprach:  , so  wil  ich  also  stan 
und  wil  din  herwider  warten, 
395  davon  so  tno  mir  nach  ir  gän 
UDde  bring  si  an  die  porten*^. 

Die  jankfrow  gieng  mit  züchten  schön 
gen  mir  zuo  dem  tor; 
aller  liechter  was  si  an, 
400  siben  karfankel  truog  man  ir  vor : 

Der  glast  gab  Hechten  brehenden  schin. 
si  graoszt  mich  durch  die  porten; 
also  hiess  si  mich  got  wilkom  sin, 
zuo  mir  sprach  si  mit  werten: 

405  „Du  bist  ein  gast  an  disem  tor, 
muoss  ich  mit  warheit  jehen; 
ich  furcht,  du  blibist  ietz  davor, 
das  ist  dir  wol  an  zesehen.' 

Ich  sach  an  das  götlich  kind: 
410  ir  antlüt  gab  sunnen  schin; 
von  ir  schöni  ward  ich  blind, 
des  stuond  ich  da  in  grosser  pin. 

Ich  sprach:  «edlü,  stoltzi  magt,  Fol.  32 

üwer  schön  hat  mich  geblendet*  — 
415  jics  ist  vil  war,  das  du  da  sagst, 
din  sünd  hat  dich  gepfendet. 

387 halt.  388 ainr magt.  389ainjunkfrawbey.   392 Dein.  394 dein. 

396  Und.  sy.   397  junkfraw.   399  sy.  401  schein.  403  sy.  wilkomen  sein. 

404  sy.     405   ain.     406  warhait  iehen.    407  beleibist.    409  götleich. 

410  antieut.  schein.    412pein.  414  Ewer  schöni.  415  sagst.  416  Dein. 


—    105    — 

Hettist  du  nicht  sünd  uff  dir, 
so  wers  dir  nicht  beschehen, 
das  solt  du  frilich  globen  mir, 
420  wil  ich  mit  warheit  jehen. 

Diu  süntliche  ogen  mugent  nicht  gesehen 

die  clarheit  unser  tugent: 

(es  ist  vor  lüten  och  beschehen) 

wir  haben  uns  von  jugent 

425  Gehuet  vor  allen  Sünden  zwar; 
davon  so  haben  wir  liechten  schin, 
des  sind  wir  komen  zuo  dem  gräl. 
keinem  menschen  mag  bas  gsin 

Denn  hie  in  diser  veste: 
430  wir  haben  nicht  wann  fröd 

und  behalten  nu  die  selgen  geste, 
die  sünd  sind  vor  uns  schnöd.*' 

Ich  sprach:  «junkfrow,  möcht  ichs  von  ücb  gehän, 
das  ich  wurd  widergesehen?* 
435  si  sprach:  »du  wurdist  licht  von  mir  gän, 
es  soi  hernach  beschehen. 

Du  muost  ie  hören  mine  wort, 
ob  du  dich  wellist  verkern. 
gereohti  1er  das  ist  ein  hört, 
440  des  sol  sich  nieman  wem. 

Ich  wil  dir  sagen  von  diser  vest, 
dabi  solt  du  bekennen, 
das  recht  tuon  ist  das  aller  best, 
all  sach  die  tuot  sich  trennen 


417  auff.  419  freyleich  gelauben.  420  warhait  iehen. 
421  Dein  suntleiche  augn.  422  clarhaifc.  423  leuten  auch. 
424  iugent.  425  sunden.  426  schein.  428  Kainem.  gesein. 
429  vest.  43-1  gest.  433  junkfraw.  euch.  335  leicht.  437  meine. 
439   ain.     442  Daby. 


—     106    — 

445  Aq  götlich  gnad 

(die  ist  zwar  iemer  wernde): 
er  wiget  mit  der  grechten  wäg, 
all  selikeit  tuot  uss  im  ze  berade. 

Die  mure  wiss  von  berlen  via 
450  betütet  guot  gedingen, 

das  kein  cristan  mensch  sol  sin, 
es  soll  darnach  vast  sinnen, 

Das  es  werd  aller  sünden  an 

mit  bichten,  bnessen,  rüwen: 

455  das  möcht  dann  frölich  herin  gän, 

des  sollen  wir  got  getrüwen. 

Inwendig  an  den  muren  so  sind  die  stein 
smaragden,  amantisten 
(betütet  kusch  und  rein), 
460  gemacht  mit  cluogen  listen. 

Die  turn  in  diser  vest  von  saphirn, 

crisolitus  gemachen, 

daran  nistent  nicht  die  spim. 

in  gottes  willen  tnond  wir  frölich  wachen. 

465  Die  betütent  stet  am  globen, 
frölich  an  nid  und  hass. 
ich  stan  sin  äne  logen, 
uns  möcht  nicht  werden  bas  Fol.  32^ 

(Sprach  du  maget  wolgetan): 
470  der  turne  der  sint  dri, 
als  gebresten  sind  si  an, 
vor  allen  sachen  fri. 

445  götleich.  448  selikait.  auss  jm.  449  mawr  weyss.  vein. 
450  Betewtet.  451  kain  cbristan.  sein.  454  beichten,  rewen. 
455  fröleich  herein.  456  getrewen.  457  mawren.  stain.  459  Be- 
tewiet  kewsch.  rain.  460  Gemachet.  461  mit  von  neue  Zeile, 
saphejrn.  463  speym.  464  fröleioh.  465  betewtent.  glauben. 
466  fröleioh.  neyd.  467  sein.  laugen.  470  tum.  drey.  471  sey. 
472  frey. 


--    107    — 

Den  turnen  mag  nieman  genabeD, 
er  si  dann  aller  Sünden  in; 
475  lierin  so  taond  wirs  nioht  enp&hen, 
eins  well  dann  gentzlioh  abel4n 

Von  allen  Sünden  iemer  me 
nnde  iederman  vergeben; 
das  ist  behnet  vor  allem  we 
480  nnd  hat  zelon  das  ewig  leben. 

Die  turn  sind  ein  figor  der  dilvaltikeit 
(sprach  du  magt  mit  sinnen), 
wünsch  wnnder  ist  daran  geleit; 

wer  möcht  des  werden  innen, 

■ 

486  Das  ir  ist  einr  almechtig 
nnd  sind  doch  nemlich  dri? 
der  sin  ist  fürtrechtig, 
vor  Wandel  dnd  si  fri. 

Da  ist  wunder  an  ze  sehen 
490  nnd  gät  doch  gereohteklichen  dar, 
wil  ich  mit  warheit  jehen: 
nnd  sin  nimet  war. 

Die  tnot  schowens  nicht  verdriesaen, 
an  sehen  tasent  jär 
495  als  ein  minut  taotz  in  erschiessen, 

das  ist  sicher  war.  , 

Der  red  der  soll  wir  hören, 
kein  mensch  mag  es  be^iaqen^ 
es  wurd  sich  selber  VSii^ 
500  nnd  mocht  des  glichen  niemer  werden  innen. 

478  turnen.  474  sey.  475  Herein.  476  Ains.  gentzleich  ablfta.  478  Und 
yederman.  480  und  hat  fehlt  4äl  ain  figawr  d* dreyualtikait. 
483  gelMt.  484  jnnea.  485  ainr.  436  nömleiGh  diey.  488  aj 
frey.  490  gerechtekleiohen.  491  warhait  iehen.  492  s^. 
498  schawens.  494  tauMnt  495  ain.  496  uolwr.  498  Kain. 
500  gleichen,  jnnen. 


—     108    — 

Die  almechtikeit  gott 

mag  nieman  gar  darchgründen, 

eins  ward  darion  ze  spott 

aod  möcht  sich  ser  mit  gedenken  da  versüuden. 

505  An  in  ist  nie  nichts  worden, 
als  gaot  hat  er  beschaffen; 
an  in  wers  als  verdorben:  / 

wer  des  nicht  gelobt  der  glicht  sich  einem  äffen. 

Zwölf  ergger  angeschossen 
510  sint  an  der  veste, 

ein  figar  der  zwelf  botten, 
die  zwar  ir  beste 

Geworben  händ  in  mange  lant 
umb  cristann  geloben: 
515  ir  lib  und  gaot  stuond  dik  ze  pfant, 
des  stand  si  äne  logen. 

Daras  so  raefft  man  tag  und  nacht: 
Vker  wider,  sünder!* 
wer  na  des  nicht  nimet  acht, 
520  es  wirt  im  dort  ze  swer. 

Die  veste  mit  vier  orten, 
das  gaot  ze  sehen  ist, 
das  sag  ich  üch  mit  werten: 
ein  figar  der  vier  ewangelist. 

525  Sie  stand  gar  kostberlichen,  Fol.  33 

ir  schriben  ist  gerecht; 
das  anrecht  maosz  da  wichen, 
wan  si  sint  gottes  knecht 

Mit  mangem  edelm  schriben 
530  band  si  mit  got  getan, 

501   almechtikait.      503  Ains.      507  jn.      508  gelaubt.  gleicht. 

ainem.        509    Zwölff.        510    vest.        511    Ain.  zwelff.        512  best. 

514  gelauben.     515  leib.     516  sy.  laugen.     517  Daraus.     520 'jm. 

521   vest.      523  euch.      524  Ain.      525   klostberleichen.      526  sclirei- 

bea.     527  weichen,     528  Won.  sy.     529  schreiben.     630  sy. 


—    109    — 

dabi  wil  ich  beliben, 
mit  gottes  hilf  bestän  — 

Sprach  die  magt  gar  lobesan: 
ein  hus  ist  in  der  vest, 
535  da  ist  wunder  wol  ze  sehen  an; 
und  wers  dann  eben  west, 

Der  mueszt  es  sicher  gerne  sehen, 
also  ist  es  gepüwen 
(wil  ich  mit  gantzer  warheit  jehen 
540  und  reds  bi  minen  trüwen): 

Sin  Rechter  glast,  sin  brehender  schin, 

es  hat  ein  bschlossen  porten 

von  Arabi  r6t  guldin 

(das  sag  ich  dir  mit  werten) : 

545  Darin  gesmeltzet  und  ergraben 
all  prophecien  zwar, 
die  buochstaben  loblich  erhaben, 
das  velt  nicht  umb  ein  här. 

Underscheid  der  prophecien 
550  mit  mangem  edelm  gestein 
sichet  man  die  kuschen  irien, 
schmaragden  gruen  und  rein, 

Amatisten,  basiaten, 
saphir  darzuo  gehefiftet, 
555  darzuo  die  granaten, 

karfunkel  lieplich  glesten; 

Grisolitus  und  adamast 
und  darzuo  die  parillen: 

531  Daby.  beleiben.  532  hilff.  533  lobesam.  534  Ain  haus. 
537  gern.  538  gepawen.  539  warbait  iehen.  540  bey  meinen 
trewen.  541  Sein  beidemal,  schein.  542  ain  besohlossan.  543  arabi. 
guidein.  545  Darein  gesmeltzt.  547  lobleicb.  548  ain.  549  Vn- 
dersohaid.  p'phecyen.  550  gestain.  551  Sicht,  kewschen  freyen. 
552  rain.        554    und    555    Dartzuo.      556  liepleich.      558   dartzuo. 


—     110    — 

das  git  alles  lieben  glast, 
560  das  sag  ich  dir  mit  willen. 

Calcidoni  und  onichel 
die  sieht  man  och  da  sehinen, 
manig  edel  gestein  gar  michel 
and  gamahü,  die  vinen. 

565  Na  lassen  wir  die  porten  sin 
(sprach  die  magt  gar  wolgetan): 
das  has  das  git  sannen  schin 

and  darander  stat  d^r  man. 

» 

Zwelf  Sternen  äff  dem  tach 
570  sint  lieplich  an  ze  schowen: 
als  sant  Johans  da  sach 
ein  figar  anser  frowen. 

Die  maget  rein  treit  si  ze  krön 
(an  alle  meil  ir  küscher  lib), 
575  des  nigent  ir  die  engel  schon: 
si  ist  ein  magt,  genant  ein  wib. 

Das  has  ist  ein  fignre  anser  frowen, 
(sprach  die  maget  mit  sinnen) 
es  ist  lieplich  an  ze  schowen, 
580  da  wirst  noch  wander  innen. 

« 

Das  ich  dir  sag  von  diser  vest,  Fol.  33^ 

das  macht  da  gerne  hören; 

wan  recht  tnon  ist  das  aller  best, 

die  sünd  lass  von  dir  stören. 

585  Das  tach  ist  röt, 

wann  sann  dran  schint,  so  glests  als  der  tonr  blikch. 

es  ist  gepawen  für  alle  not, 

das  schadt  im  wenig  als  ein  wikch. 

561  Onichel.  562  auch,  scheinen.  568  gestain.  564  reinen. 
§65  Du  lassen,  sein.  567  haus.  geit.  schein.  569  Zwelff.  auff. 
570  liepleich.  572  Ain.  frawn.  573  Trait  si  ze  krön.  ||  Die 
maget  rain  an  alle  mail  ||  Ir  kewscher  leil  (sie!)  575  neygent. 
576  ain  beidemal,  weib.  577  haus,  ain  figur.  frawn :  schawen.  580  jnnen. 
582  gern .   583  Won.   586  scheint,  tom .    587  gepawn .    5  8  8  jm.  am  (sie !) 


—   111   — 

Die  fürin  rot  betütet  grossen  ernst, 
590  unser  liebi  hin  ze  got, 

das  macht  du  hören  aller  gernst, 
es  ist  ane  allen  spott. 

Was  tugent  hat  das  hus  subtil, 
ich  kan  dirs  nicht  gesagen; 
595  und  wers  geschriben  an  pappir, 
es  trueg  zwar  nicht  ein  wagen. 

Es  ist  so  clär  an  alle  meil 
in  gottes  willen  gantz  und  gar 
und  machet  mangen  sünder  heil, 
600  des  solt  du  frilich  nemen  war. 

Der  burgberg  ist  ein  diamant, 
luter  als  ein  spiegel, 
und  ist  ein  adamast  genant, 
ich  wil  dich  nicht  betriegen: 

605  Sin  grössi,  hert,  er  ist  so  hei, 
her  uff  mag  nieman  komen, 
eim  tuo  dann  gott  sin  gnad  ze  teil 
(das  hän  ich  wol  vernomen. 

Sprach  du  maget  gar  wolgetan) 
610  mitt  bichten,  buessen,  rüwen, 
das  mag  dann  wol  uffher  gän, 
des  sollen  wir  got  getrüwen. 

Die  vest  ist  ein  figur  des  himelrich 
(sprach  du  maget  uss  fnem  muot), 
615  uff  erd  so  ist  nicht  ir  gelich, 
vor  allem  wandel  wol  behuot. 


589  fewrein.  Betewt  neue  Zeile.  592  Mit  es  beginnt  neue 
Strophe,  an.  598  haus  subteil.  596  ain.  597mail.  599haiL  600frey- 
leich.  601aindyamant.  602 Lauter. ain.  603  ain.  605  Sein. hei.  606  auff. 
607  Aim.  sein.  tail.  610  beichten,  rewen.  611  auffh^r.  612  ge- 
trewVi.      613   ain.  himelreich.      614   auss  freyein.      615   Auff.  geleich. 


—     112    — 

Da  solt  da  nach  sioDeo, 
das  da  och  komist  herin, 
so  wirst  da  fröden  innen; 
620  es  mag  nicht  anders  sin, 

Da  maesztist  ie  vor  sterben; 
hettist  da  dann  recht  getan, 
dinr  sei  maeszt  teil  hinn  werden, 
am  jüngsten  tage  frölich  afferstän.' 

625  Ich  sprach:  «junkfrow,  land  mich  gesehen, 
der  tag  der  gat  daher.* 
si  sprach:  ^das  si  beschehen 
nach  aller  dinr  beger.* 

Ich  sach  den  tag 
630  nss  firmamente  glesten 
(die  warheit  ich  üch  sag), 
die  nachtigall  sang  zwar  bi  den  besten. 

Die  jankfrow  sprach  mit  züchten  schon: 
»du  solt  got  daramb  bitten,  Fol.  34 

635  das  er  dir  geb  das  ewig  Ion, 
und  tuos  mit  wisen  sitten; 

Wan  wilt  du  selb,  got  hat  dich  gern, 
du  wirst  gar  schon  enpfangen: 
gerechter  bett  der  tuot  er  gwern, 
640  darnach  lass  dich  belangen.' 

Ich  sprach:  »junkfrow,  behuet  üch  got, 
and  gebt  mir  üwern  segen.* 
si  sprach:  «vergiss  nicht  sinr  gebot, 
gott  muess  din  ewenklich  pflegen ! 


618  auch,  herein.  619  jnnen.  620  sein.  623  Deinr.  tail. 
624  iungsten  tag  fröleich  aufferstan.  625  junkfraw.  627  sey. 
628  deiner.  630  Auss.  631  warhait.  euch.  632  nachtgall  bey. 
633  junkfraw.  636  weysen.  637  Won.  639  gewern.  641  iunk- 
fraw.  euch.      642  ewem.      643  seiner  gebott.      644  dein  ewenkleich. 


tf 


—     113     - 

645  Und  helf  dir  got 

zuo  allen  guoten  sachen, 

das  du  nicht  werdist  der  tivel  spot: 

kunst  du  herin,  so  macht  du  frölich  lachen: 

Hie  inn  ist  weder  nid  noch  hass, 
650  und  haben  ewig  fröd, 

wie  möcht  dir  iemer  werden  bas? 
all  sünd  sint  vor  uns  schnöd; 

Keines  argen  tuond  wir  nicht  gedenken, 
wir  mugent  nicht  me  sünden, 
655  an  keinem  guoten  wenken  — 
ich  kan  dirs  nicht  durchgründen 

Als  gentzlich  gar: 
unser  fröd  ist  ungemessen, 
nieman  mag  sin  nemen  war, 
660  eins  mueszt  dannocht  mit  Worten  vU  vergessen. 

Si  sprach  zuo  mir:  »nu  gang  enweg, 
du  hast  mich  wol  verstanden, 
und  huet  dich  vor  der  sünden  steg: 
herin  lass  dich  belangen. 

665  Pitt  got,  den  werden  herren, 
das  er  dir  geb  wisen  muot, 
so  muoss  dir  truren  verren 
und  wirt  noch  alles  guot. 

Herr  gott,  erbarm  dich  über  mich  eilenden 
670  durch  die  magt,  die  dich  gebar; 
bös  begir  tuo  an  mir  wenden, 
nimm  min  mit  gnaden  war; 

Wan  an  diu  gnad 

so  wer  min  sach  vernicht: 

645  helff.  645  u.  646  zusammengeschrieben.  647  spott. 
648  herein,  fröleich.  649  jnn.  neyd.  653  Kains  655  kainem. 
656  durchgrunden.  657  gentzleich.  659  sein.  660  Ains.  666  weysen. 
667  trawren.    672  u.  674  mein.     673  Wow.  de«L. 

Wackemellf  MontfoiL  ^ 


Fol.  34^ 


—     114     — 

675  gib  mir  dins  heiigen  geistes  gab, 
min  irren  weg  die  mach  mir  in  ein  schlicht. 

Got  vatter,  sun  nnd  heiiger  geist, 
ein  gott  nnd  iemer  wemde, 
hilf,  das  ich  dir  also  leist, 
680  das  mine  werch  mir  gnade  tuegint  bemde 

Gen  dir  nach  dinem  willen; 
hab  mich  in  diner  haot: 
0  tno  mir  kumber  stillen 
durch  din  vil  heiiges  pluot! 

685  Hilf  mir  zao  dinen  gnaden 
(darumb  rueff  ich  dich  an) 
mit  dines  geistes  gaben: 
so  mag  ich  wol  bestan. 

"Wan  wer  din  gnad, 
690  so  mneszt  ich  gar  verderben: 
gib  mir  din  seldenrichen  gab, 
0  starker  got,  bhaet  mich  vor  ewig  sterben! 

Ich  man  dich  an  din  wunden  röt, 
die  du  doch  hast  erlitten, 
695  and  an  dinn  herten  willig  tot: 
da  hast  für  ans  gestritten! 

Du  hast  mit  dinem  tod  erworben 
uns  Sündern  ewigs  leben; 
an  der  menscheit  bist  du  erstorben, 
700  gross  gnad  hast  du  uns  geben. 

Du  hast  an  schuld  gelitten 
für  uns  verschulten  armen, 
gnad,  ewikeit  erstritten, 
tuo  dich  gen  mir  erbarmen, 

676  deins  hailgii  gaistes.        676   Mein-jn-en.  ain.        677  haiig* 
gaist.      678  Ain.      679  Hilflf.  laist.      680  meine,  gnad.      681   deinem. 

.682  deiner.        684  dein,  haiiges.        685  Hilff.    deinen.        687  deines 

gaistes.        689  Won.  dein.        691    dein  seldenreiohen.         692  behuot. 

693dew.  695 deS.  697deinem.  698sundem.  699menschait.  703ewikait. 


—     115    — 

705  Alinechtiger  gott, 

min  herr  ob  allen  Sachen, 

wa  ich  tuon  wider  din  gebott: 

schlaff  ich  in  sünd,  o  heiss  mich  wider  wachen ! 

Ein  küng  der  küng, 
710  din  macht  ist  nngemessen; 
das  es  ieman  gründ, 

e  zald  man  als  raergries  and  ward  dannocht  diner  wirdi 

vil  vergessen. 

Wie  möcht  ich  das  betichten 
uss  minen  kranken  sinnen? 
715  mich  daruss  verrichten, 

das  all  din  engel  nie  mochten  werden  innen? 

Din  gotheit  und  din  wird 
die  ist  zwar  ungemessen: 
0  hilf  mir,  wenn  ich  stirb, 
720  das  miner  sei  gen  dir  nicht  werd  vergessen. 

Min  werder  gott,  min  herre, 
hab  mich  in  diner  hnot 
durch  diner  muoter  ere 
und  durch  all  din  heiigen  guot! 

725  Ich  tichter  pitt  üch  all, 
wer  dis  höret  lesen, 
das  ir  an  allen  schall 
mir  wünschint  glük  and  dort  das  ewig  wesen. 

Des  bitt  ich  üch  durch  gott, 
730  0  tuond  an  mich  gedenken, 
das  er  üch  behuet  vor  spott 
und  tuo  üch  all  mit  sinen  gnaden  trenken. 

706  Mein.  707  dein.  708  haiss.  709  Ain.  710  Dein. 
711  iemant..  712  wurd  fehlt,  deiner.  714  Auss  meinen.  715  da- 
rauss.  716  dein,  jnnen.  717  Dein  beidemal,  gothait.  719  hilff. 
720  meiner.  Mit  werd  neue  Zeile.  721  Mein  beidemal,  herr. 
722  deiner.  723  deiner,  er.  724  dein  haiigen.  725  euch.* 
728   gelükt.      729  und      731   euch.      732  euch,  semen. 


—     116    — 

Ich  pitt  lieh,  werde  priesterschaft, 
wa  ir  dis  höriut  lesen, 
735  das  ir  sien  so  tagenthaft 

and  wttnschen  mir  in  der  mess  das  ewig  wesen. 

Daramb  das  üoh  got  niemer  verlass .... 


XXIX. 


.F 


ro  Welt,  ir  sint  gar  hüpsch  and  schön  Fol.  35 

und  üwer  Ion  für  Dichte, 
gar  liebi  wort  und  suess  gedön  — 
als  irr,  da  ist  kein  schlichte! 

5  Wer  sich  mit  dir  bekümbern  tuot, 
der  ist  zwar  in  ein  irrgang  komen, 
and  git  am  jüngsten  bösen  muot: 
das  hän  ich  sicher  wol  vernomen*^. 

9 Lieber  gesell,  wes  ziehst  du  mich? 
10  ich  han  dir  dikch  doch  muot  gegeben, 
das  du  mich  hast  so  gar  vernicht! 
du  solt  mit  fröden  mit  mir  Jeben: 

Lass  vögelli  sorgen  und  gang  zuo  mir 
und  spring  mit  fröden  an  den  tantz, 
15  (das  wil  ich  sicher  raten  dir)  Fol  35^ 

setz  ufif  din  hupt  ein  rosenkrantz. ' 

,iDas  tantzen  hän  ich  gar  verheissen, 
kein  schappel  getrag  ich  niemer  me; 

733  euch.  priesterschaflPb.       735   seyen.  tugenthafft.      737  euch. 
Mit   737  bricht  Nr.   28  ab:   Es  fehlt  ein  Blatt. 

Die  ersten  vier  Strophen  mit  Melodie.     1    weit.    2  ewer.    4  ierr. 

kain.        5   die  fünfte  und  dreizehnte  Zeile  beginnt  mit  rotem  Anfangs- 

bucli  Stäben.        6  ain  iergang.        7    geit.        9  zeichst.        16  auff  dein 

haupt  ain.        17    von    hier    an  beginnt  jede  Strophe  abwechselnd  mit 

blauem  oder  rotem  Anfangsbuchstaben,  gar  fehlt,  verhaipen.    18  Kain. 


—        U7        — ^ 

daz  wil  ich  zwar  an  zwifel  leisten, 
20  es  tuo  mir  wol  oder  we. 

Ich  hän  die  weit  gewandelt  vil 
und  han  si  gar  wol  gesehen: 
und  ist  doch  als  ein  narrenspil, 
wil  ich  mit  gantzer  warheit  jehen.* 

25  „Und  hast  du  dann  ein  katten  gessen 
oder  wilt  du  in  ein  closter  varn? 
du  solt  die  sach  vil  anders  messen 
und  solt  dich  selber  bas  bewarn. 

Sich  mit  willen  an  die  wib, 
30  tuo  frölich  gen  mir  lachen, 

die  sind  der  weit  doch  leid  vertrib, 

meinst  du  uss  uns  ein  narrenspil  hie  machen? ' 

9 Ich  enweiss  nicht,  was  ich  machen  wil: 
die  weit  ist  ein  zerganklich  leben. 
35  üwer  antwurt  der  ist  mir  ze  vil: 
gott  tuot  die  rechten  gaben  geben; 

Die  weit  die  git  nn  triegen 

das  merteil  in  allen  landen 

mit  leichen  und  mit  liegen: 

40  0  pfuch  der  grossen  schänden!' 

»Ich  gelob,  du  wellist  werden  wild: 
wie  hast  du  dich  verkeret! 
sich  an  ein  lieplich  wiplich  bild, 
ob  sich  din  fröde  meret 

45  Schlach  truren  uss  dem  hertzen: 
wer  sol  all  sach  bedenken? 

19  Dz.  zweyfel  laisten.  22  sey.  23  ain.  24  warhait  iehen« 
25  und  26  ain.  29  weih.  30  fröleich.  31  laid  vertreib- 
32  Mainst.  auss.  ain.  33  enwaiss.  34  ain  zergangkleich.  35  Ewer* 
37  geit.  38  mertail.  39  laichen.  41  gelaub.  43  ain  liepleich 
weipleich.     44   dein.      45  trawren  auss. 


—     118     — 

tuo  lieplich  mit  mir  schertzen, 
wau  anmaot  das  tuot  krenken. 

„Ir  scblahent  bri  für  gebratens  dar 
50  und  messentz  mit  der  eilen  nss: 
wend  ir  nicht  Sterbens  nemen  war? 
dafür  ist  nieman  zwar  behus. 

loh  hän  grosz  wann  and  fröd  gesehen 
von  wiben  and  von  mannen, 
55  and  ist  in  kartzer  zit  beschehen, 
mit  sterben  als  zergangen. 


« 


„Da  seist  von  alten  meren  da 
and  wenst,  die  weit  die  well  zergän. 
von  wander  maost  da  werden  grä: 
60  da  solt  frilich  von  den  sorgen  län, 

Da  solt  frölich  hie  äff  erden  sin 
(dir  mag  nicht  anders  werden) 
mit  frowen  and  mit  töchterlin: 
nicht  sorg  äff  todes  sterben.^ 

65  „Solt  ich  nicht  bedenken  ewigs  leben, 

war  hett  ich  dann  min  sinn  getan?  Fol.  36 

so  Hess  ich  das  best  ie  nnderwegen. 
ir  sond  zwar  von  den  Worten  län; 

Wan  all  sach  die  mnoss  zergän 
70  an  got  and  die  grechten  himel, 
seien  and  engel  taond  och  bstan 
unde  geist,  das  wert  als  imer.  ^ 

„Da  seist  von  frömden  meren  hie, 
das  gehört  ich  nie  also  gantz: 

47  liepleich.  48  Won.  49  brey.  50  ein  auss.  52  behaus. 
54  weihen.  55  zeit.  57  saist.  60  freyleich.  61  fröleich.  auff. 
sein.  63  frawen.  tochterlein.  64  auff.  66  mein.  69  Won. 
70  hymel.      71   tund  auch  beätän.       72   Und  gaist.  iemer.      73  saist. 


—     119    — 

75  ich  gesaoh  seien  noch  engel  nie, 
dafür  so  nem  ich  einen  tantz. 

Wan  ich  hän  trafen  hür  verheissen, 
also  hän  iohs  angeleit, 
das  wil  ich  zwar  mit  fr5den  leisten: 
80  sterben  si  den  müsen  gseit!*^ 


n 


Fro  Welt,  wend  ir  vergessen  got, 
es  wirt  üch  gerüwen  am  jüngsten  tag; 
hielten  ir  die  zehen  gebot, 
das  wurd  üch  lieb,  als  ich  üch  sag. 

85  Sant  Michel  mit  siner  wäg 
der  wiget  übel  and  och  gnot: 
so  lit  der  tiefel  äff  der  lag, 
davon  händ  üch  in  rechter  huot.* 

glch  wand,  du  werist  ein  ritter  gwesen? 
90  wa  bist  du  nu  in  Stadium  gestanden? 
du  hast  gar  guoti  buooh  gelesen, 
du  bindst  mich  da  mit  rechten  banden. 

Ich  muoss  dir  jehen:  du  hast  recht: 
die  weit  ist  ein  zerganklich  leben. 
95  der  got  dienti,  das  wer  schlecht; 
der  tuot  die  rechten  gaben  geben.' 

,Sid  ir  mir  jehent,  das  h5r  ich  gern, 
so  tuond  och  nach  den  Worten: 
hoffart,  unkünsch  sond  ir  enbem, 
100  wend  ir  in  himels  porten. 

Nid  und  hass  das  sond  ir  län 

und  begerent  niemans  er  noch  guot; 

76  ainen.  77  Won.  trawren  hewr  rerhaissn.  78  angelait. 
79  laisten.  80  sey.  gesait.  81  weit.  82  euch  gerewn.  iungsten.  83  ge- 
holt. 84  euch  beidemal.  85  seiner.  86  auch.  87  leit.  auffl 
88   euch.  89  ain.  gewesen.        93  iehen.        94    ain  zergangkleich. 

97  iehen t.      98   auch.      101   Neyd.      102  niemantz. 


—     120    — 

mit  luessikeit  sond  ir  bestän, 
dabi  band  ücb  in  rechter  haot. 

105  Vatter  und  muoter  babent  lieb 
lebent  nnd  ocb  tot; 
ir  sond  och  wesen  niemans  dieb: 
so  behuet  üch  got  vor  not. 

Ir  sond  och  nieman  töten, 
110  an  recht  sin  bluot  vergiessen, 
des  unrechten  nieman  nöten: 
des  land  üch  als  verdriessen. 

Ir  sond  och  got  nicht  üppklich  nenden, 
üwern  ebencristan  habent  lieb, 
115  den  armen  almuosen  senden, 
nicht  sind  üwer  selbes  dieb 

Ir  sond  nicht  valsch  gezüge  sin 
und  kein  simoni  nicht  triben : 
so  wont  üch  seid  und  glüke  bi, 
120  tuend  ir  dabi  beliben. 

Üwern  sabat  sond  ir  halten 

und  darzuo  die  heiigen  6: 

so  tuend  ir  wisheit  walten;  Fol.  36^ 

wan  unrecht  tuon  daz  bringet  we. 

125  Hand  got  lieb  vor  allen  Sachen, 
da  gen  sond  ir  nichts  messen; 
ir  wellint  schlaffen  oder  wachen, 
so  tuend  sin  nicht  vergessen.*' 

„Du  rätst  mir  da  gar  eben 
130  die  zehen  gebott  ze  halten: 

103  MSssikait.  104  Daby.  euch.  106,  107  und  109  auch. 
108  und  112  euch.  110  sein.  113  auch,  vppekieich.  nemen. 
114  Ewern.  116  ewer  selbs.  117  gezewg  sein.  118  kain  symony. 
treibn.  119  euch,  gelükt  bey.  120  dahey  heleiben.  121  Ewern 
sabath.  122  darfczuo.  haiigen  ee.  123  weyshait.  1 24  Won.  dz.  1 28  sein. 
129  ratscht. 


—     121     — 

das  wer  eiu  heiligs  leben, 

das  mag  ich  hart  hie  bi  der  weit  gewalten. 

Wölt  ich  dann  in  ein  closter  vam, 
darinn  ist  nid  und  hass; 
135  davor  möcht  ich  mich  kam  bewam: 
hie  vor  ist  mir  noch  bass. 

Sölt  ich  mich  dann  zen  pfaffen  ziehen, 
die  haben t  krieg,  unküsch  and  git: 
das  ich  dir  daran  icht  liegen, 
140  du  hörst  wol  in  den  landen  wit. 

Sölt  ich  dann  zeim  einsidel  werden, 
das  ist  kein  besteter  orden: 
ich  möcht  wol  in  eim  wald  verderben, 
warufF  sol  ich  nu  horden  ? 

145  Kern  ich  in  dwilligen  armuot 
(man  nemptz  die  paginen), 
min  sei  die  wer  gar  unbehuot: 
der  tiefel  wird  si  pinen; 

Wan  es  ist  nicht  ein  gerechter  orden, 
150  die  bepst  händ  si  in  ban; 

darinn  wer  eins  zemal  verdorben, 
wib  und  och  die  man. 

Ich  enmein  hie  nicht  den  dritten  orden! 
sant  Francissen  regel; 
155  darinn  wer  eins  zwar  unverdorben, 
es  wer  uff  grechten  wegen. 

Ja,  hielte  es  sich  eben! 

unküsch  tuot  si  etwenn  betriegen : 

131  ain  liailigs.  132  bey.  133  ain.  134  neyd.  137  zuo 
den.  138  vnkewsch.  geit.  139  lieg.  140  weyt.  141  zuo  ainem 
ainsidel.  142  kain.  143  ainem.  144  warauff.  145  die  willigen. 
147  Mein.  148  sey  peinen.  149  Won.  ain.  150  sy.  151  ains. 
152  Weib.  auch.  man.  153  enmain.  154  francissen.  155  ains. 
156   auflP  gerecliten.      157  hielt.      158  Vnkewsch.  sey. 


—     122    — 

der  tiefel  ist  uff  allen  wegen 
160  mit  sim  gespenst,  er  kan  wol  leicheo,  liegen. 

Es  ist  kein  orden,  er  hab  ein  gallen, 
es  si  dann  lützel  oder  ril. 
wander  tuot  in  der  weit  ambwallen, 
das  stat  doch  nun  nntz  nff  ein  zil. 

165  Es  ist  kein  cristanlicher  orden, 
man  verdint  darinn  übel  od  guot 
toost  da  mit  gaoten  werohen  horden, 
so  bist  da  zwar  gar  wolbehaot. 

Wenst  da,  die  hell  well  äff  dich  vallen? 
170  na  ist  si  doch  ander  dir. 

taost  da  mit  gaoten  saohen  ballen, 
so  gwirt  dir  nicht,  das  glob  zwar  mir: 

Wan  wer  wirt  getofft,  der  wirt  behalten, 
hat  es  den  globen  and  taot  darnach; 
175  wan  got  taot  ie  des  rechten  walten:  Fol.  37 

der  meuscheit  ist  ze  üppkeit  gach.** 

9  Na  helf  ans  got,  des  bedarfen  wir  wol! 
fro  Welt,  ir  sind  da  äff  grechten  sachen; 
sid  ich  die  warheit  sagen  sol, 
180  so  kan  ichs  zwar  nicht  anders  machen. '^ 


XXX. 

v/b  allen  sachen  swebende, 
als  laft  taot  über  stein, 
80  bist  du,  seiden  gebende! 
vor  allen  dingen  rein 

159  auff.  160  seim.  Mit  er  neue  Zeile,  laichen.  161  kain. 
ain.  162  sey.  164  auff  ain.  165  kain  cristanleicher.  166  oder. 
169     auff.  170     sey.         172     gelaüb.  173     Won.     getauffet. 

174  gelauben.  175  Won.  176  menschait.  uppikait.  177  helff. 
bedurffen.      178  Fraw  weit,  auff  gerechten  sach.      179  warhait. 

2  lufft.  stain.     4  rain. 


—     123    — 

5  Bist  da  mit  diner  macht: 
nieman  kan  dich  volloben. 
wie  verr  ich  das  betracht, 
so  bist  da  dannocht  anbedenklich  hoch  dort  oben 

Wan  da  hast  all  sach  geschaffen 
10  mit  diner  ordenunge, 

firmament  and  speren  all  gemachen, 
wie  sich  die  rident  umbe, 

Das  kan  astronomi 
mit  Worten  wol  betüten; 
15  die  kunst  ist  vor  mir  tri: 

zwar,  wer  si  kan,  der  sol  si  billich  träten. 

Si  kan  die  zirkelmass 
ussrichten,  der  planeten  gang 
ieklichen  uff  sinr  sträss, 
20  wie  er  lofft,  kurtz  oder  lang. 

Das  kan  si  als  beweren, 
wie  ieklicher  tuot  regnieren: 
si  seit  zwar  nicht  von  meren, 
si  kan  es  wol  probieren. 

25  Die  vier  elementen  hast  du  gschaff'en, 
almechtig,  werder  gott, 
mit  Worten  als  gemachen, 
ich  reds  an  allen  spott, 

Das  du  nicht  bist 
30  ein  schöpfer  keiner  sünde, 

und  doch  kein  eigenschaft  an  dich  ist 

ich  gelob:  din  lob  kein  menschlich  sinn  nicht  gründe. 


5  deiner.  6  Niemant.  8  vnbedenkleich.  9  Won.  10  deiner. 
12  reident.  13  astronomey.  14  betewten.  15  frey.  16  sey 
beidemal,     billeich.  17     Sey.  18     Aussrichten.         19     Jegk- 

leiclien  auff  seiner.  20  laufft.  21  sey.  22  iegkleicher.  23  sait. 
25  geschaffen.  28  red  es.  30  Ain  schöpfer  kainer  sünd.  31  kaiu 
aigenschafft.      32   gelaub  dein,  kain  menschleich. 


—    124     — 

Ein  küng  der  küng, 

ein  wesen  aller  wesen:  Fol.  37^ 

35  das  din  lob  ieman  gründ, 

e  strich  man  ass  das  mer  mit  einem  besen. 

Wan  da  hast  all  saoh  geschaffen, 
almechtig,  werder  gott, 
grosz  sach  uss  nichte  gemachen. 
40  ich  swers  bi  dim  gebott, 

Das  du  bist  ein  nffenthalt 

allr  Sachen  in  himel  und  uff  erden: 

das  tuost  du  als  mit  dim  gewalt, 

wann  wenn  du  es  lieszt,  so  mueszts  ze  nichte  werden. 

45  An  anvang  und  an  end 

almechtig  bist  du,  ewig  wemde! 
din  götlich  gnad  mir  send: 
all  selikeit  tuot  uss  dir  bemde. 

Wie  doch  gedanken  gaben 
50  gar  verr  für  ogen  sehen! 
so  mag  in  nichts  genahen, 
das  wil  ich  wol  mit  gantzer  warheit  jehen. 

Wan  eins  gedenket  doch 
in  die  rechten  himmel: 
55  so  sieht  eins  nicht  einr  mile  hoch, 
im  werd  der  luft  vor  sinen  ogen  timel. 

Ich  kund  zwar  mit  gedenken 
des  glichen  nie  genahen: 
min  sin  der  bgond  sich  krenken, 
60  wenn  ich  wolt  die  wirdi  gotz  ergaben; 

33  u.  34  Ain.  35  dein,  ieman t.  36  £e.  auss.  ainem  besem. 
37  Won.  39  auss.  40  swer  es  bey  deim.  41  ain  auffenthalt. 
42  Aller,  hymel.  auff.  43  deim.  44  müszt  es.  47  Dein  götleich. 
48  selikait.  auss.  49  gahent.  50  äugen.  52  warhait  iehen. 
53  Won  ains  gedenkt.  54  hymel.  55  ains.  ainr  meyl.  56^IuflPb. 
seinen  äugen.      58  Desgleichen.      59  Mein. 


—    125    — 

Do  ward  ich  zuo  einem  kind, 

oder  mir  beschach,  als  da  eins  sieht  in  die  snnnen, 

das  wirt  von  rechter  clarheit  blind: 

so  ist  doch  dis  vil  ein  minder  wnnder. 

65  Wer  möcht  daz  liecht  recht  bedenken, 
das  all  sach  hat  geschaffen, 
der  sin  der  mueszt  sich  krenken; 
der  sich  sin  annem,  man  sölt  eins  daramb  straffen, 

Eins  wer  dann  eins  selgen  lebens 
70  in  gottes  willen  gar: 

der  heilig  geist  möcht  im  wol  geben, 
das  es  nem  eben  war 

Vil  Sache  zwar, 

das  vor  uns  Sündern  ist  verborgen, 
75  das  wurd  in  sinen  sinnen  dar, 

recht  als  die  sann  kunt  mit  schönem  liechtem  morgen. 

Sid  na  gedanken  noch  kein  kanst 
dinr  gotheit  mag  genahen, 
eins  hab  es  dann  von  dinem  gunst, 
80  das  mag  hinzuo  wol  gaben; 

Wan  all  sach  and  alles  wesen 
mag  wider  dich  nicht  gewalten, 
man  well  es  singen  oder  lesen: 
du  hast  dirs  vorbehalten. 

85  Doch  hast  du  uns  eigenn  willen  geben  Fol.  38 

ufF  erden  hie  ze  werben; 
wir  mugent  aber  also  leben, 
wir  muossent  ewig  sterben. 

• 

Und  wirt  uff  erden  dik  gebueszt, 
90  wer  üppig  löff  tuot  triben; 

61  aiDem.      62   ains.      63   clarhait.      64    ain.      65    dz.  68    sein, 

ains.      70   Ains  beidemal.      71    hailig  gaist.      73   sach.  75   seinen. 

77   kain.    78   Deiner  gothait.    79  Ains.  deinem.    81    Won.  85   aigen. 
86   Auff.      89   auff.      90   treiben. 


—    126    — 

und  wirt  im  alter  gar  unsuess, 
davon  solt  mans  vermiden. 

Wann  got  hat  nns  geben,  wib  und  man, 
fünf  sinn  und  guot  vernunst; 
95  davon  ist  er  unschuldig  daran, 
wer  kunt  in  helle  brunst. 

Wir  verstand  doch  wol  übel  und  och  guot, 
all  prophecien  sind  uns  gseit. 
wer  sich  nicht  hat  in  rechter  huot, 
100  es  wirt  im  an  dem  lesten  leit. 

Herr  gott,  ich  man  dich  an  all  diu  wird 
und  an  diu  göttlich  gnade. 
0  hilf  mir»  wenn  ich  stirb,     , 
gib  mir  din  selgen  gäbe, 

105  Bicht,  rüw  und  buoss  an  minem  end, 
din  fronlichnam,  din  heiiges  bluot 
mit  dinen  gnaden  du  mir  send 
und  hab  mich  in  diner  huot 

Sinn  und  vemunft  und  gwissen  guot, 
110  din  heiigen  geist  mir  send: 

herr  gott,  hab  mich  in  diner  huot 
an  minem  lesten  end! 

amen. 


xxxr. 


M 


ir  kam  ein  priester  fQr  im  trön 
mit  wisheit  und  mit  sitten. 

91  jm.  92  vermeiden.  93  weib.  94  Fünff.  96  heU. 
97  auch.  98  p'phecyen.  gesait.  100  jm.  lait.  101  und  102  dein. 
102  göttleich  gnad.  103  hilff.  104  dein.  gab.  105  Beicht  rew. 
meinem.  106     Dein     fronleichnam     dein     haiiges.  107     deinen. 

108  deiner.  109  vernunfft.  gewissen.  110  Dein  haiigen  gaist. 
111   dein*.     112  meinem. 

1   ain.      2  weyshait. 


—     127     — 

mit  züchten  sprach  er  zao  mir  schon: 
^du  hettist  wol  vermitten, 

5  Du  hast  gebluemte  wehe  wort 
getichtet  von  den  wiben: 
schetzst  du  die  weit  für  einen  hört, 
so  tuost  du  wisheit  miden. 

Du  hast  von  rosen  und  von  bluomen 
10  die  farwen  gen  frowen  gemessen, 

mit  liedern  und  mit  reden  ruomen  ^^*-  38 

an  in  zwar  nichts  vergessen. 

Und  hast  och  mit  gflorierten  Worten 
der  frowen  lob  furbracht 
15  mit  sinnen  uss  dins  hertzen  porten: 
wa  hast  du  nu  hin  gedächt? 

Und  hettist  du  got  nicht  fürgsetzt 
ich  wand,  si  werind  din  abgot  gwesen, 
so  hettist  du  dich  selb  zmal  gletzt, 
20  zwar  das  möcht  nicht  anders  wesen. 

Da  hast  och  edel  gestein  und  gold 
und  berlen  gen  frowen  gemessen 
(mit  Worten  gist  du  in  riehen  sold), 
an  in  zwar  nichts  vergessen. 

25  Du  hast  mit  silmen,  rimen  cluog 
gar  spehi  wort  geticht  — 
hör  uff!  die  sach  ist  nicht  din  fuog, 
es  wiszt  dich  nicht  die  schlicht. 

Warumb  hast  du  es  geheissen  schriben  an? 
30  da  möcht  wol  sünd  von  komen 

6  weiben.  7  Schßtscbt.  ainen.  8  weyshait  meiden.  10  frawn. 
13  auch,  geflorierten.  14  frawiä.  15  auss  deins.  17  fiirgesetzt. 
18  sy.  dein.  19  ze  mal  geletzt.  21  auch,  gestain.  22  frawn.  23  geist. 
reichen.  25  reime.  27  auff.  dein.  28  weyszt.  29  gehaissen 
schreiben. 


—     128    — 

beide  von  wib  und  och  von  man; 
in  minein  sin  vernomen, 

Sprach  der  priester  zuo  mir  da, 
da  hettist  das  wol  glassen: 
35  also  wirst  du  in  torheit  gra 
und  puwst  ein  irre  Strassen. '^ 

Mir  was,  ich  sprech  zuo  im  im  trön: 
min  antwurt  sond  ir  hören, 
das  wil  ich  üch  hie  wissen  län, 
40  des  land  üch  nicht  betören. 

Ich  sprach:  ^warumb  band  ir  die  loik  gschriben? 
die  kriegt  doch  gentzlich  widers  recht; 
das  hettint  ir  wol  lassen  blibeo^: 
in  minem  sin  ist  es  nicht  schiebt.' 

45  Ich  sprach:  ^die  loik  ist  erdacht 
ze  hilf  dem  rechten  gentzlich, 
das  es  werde  volbracht; 
darumb  solt  du  merken  mich: 

Als  unrecht  ist  gemessen, 
50  wie  man  mug  reden  wider  recht 
und  darinn  nichts  vergessen; 
nu  merk  die  sach,  es  wirt  noch  schiebt. 

Dawider  ist  geschriben 
das  recht  mit  cluogen  sinnen  zwar, 
55  underwegen  nichtz  bliben, 
das  velt  nicht  umb  ein  här. 

Das  miszt  man  genenander  schon, 
damit  wirt  das  recht  gewiset, 
das  es  mag  gar  wol  bestan: 
60  manig  man  in  torheit  griset. 

31    Bälde,  weib.  auch.      32  meinem.      34  gelassen.      35   torhait. 
36   pawst  ain.      37  jm.      38  Mein.      39   u.   40   euch.      41    loyk  ge- 
schriben.       42    gentzleich.        43    beliben.        44  meinem.        45   loyk. 
46   hilff.  gentzleich.    47   werd.   54  zwar  in  der  folgenden  Zeile. 
55  beliben,      56  ain.      58  geweyset.     60  torhait  greyset. 


—     129    — 

Wer  sich  nicht  wisheit  flissen  tuot 

und  tagent  vor  allen  dingen, 

der  ist  in  die  lengi  anbehaot, 

im  möcht  wol  misselingen.  Fol.  39 

65  Die  loik  ist  gemessen, 
das  recht  da  gen  gekeret: 
ein  man  der  taot  si  brechen, 
hat  er  die  knnst  geleret 

Mit  dem  rechten  gwalteklichen 
70  bricht  man  all  ir  artikel  ab: 
so  muoss  die  loik  wichen, 
es  ist  vil  war,  das  ich  dir  sag.' 

Ich  sprach:  «herr,  das  hör  ich  gern: 
ir  länd  min  gschrift  och  wol  da  atan? 
75  straff  sond  ir  gen  mir  enbern, 
als  ich  üch  wil  wissen  län. 

Die  weit  glicht  sich  der  loik  wol 
mit  mangen  frömden  Sachen 
(sid  ich  die  warheit  sagen  sol): 
80  si  kan  gross  triegen  machen 

Mit  manger  cluoger  wis, 

das  einr  geswner,  es  weri  gold: 

so  pnwt  dann  eins  nff  is: 

die  weit  git  nicht  getrüwen  sold. 

85  Das  glichet  sich  der  loik  wol, 

als  ich  üch  na  sagen  wil:  # 

wenn  ich  die  warheit  reden  sol, 
so  ist  die  weit  ein  narrenspil. 

Der  die  weit  hat  gewandelt  wol, 
90  der  bedenkt  dann  recht  daz  ewig  leben; 

61  weyszhait  fleyssen.  65  loyk.  67  Ain.  sy.  69  gewalteklei- 
chen.  71  loyk  weichen.  74  mein  geschrifft  auch.  76  euch. 
77  gleichet,  loyk.  79  warhait.  81  weys.  82  ainr,  83  pawt. 
ains  auff  eys.  84  geit.  getrewn.  85  gleicht,  loyk.  86  euch. 
87   warhait.     88  ain.     90  dz. 

Wackeraell,  Montfort  9 


—     130    ~ 

wan  si  ist  grosser  üppkeit  vol: 
got  tuot  die  rechten  gaben  geben.  * 

Der  priester  sprach:  »da  hast  da  recht: 
bi  swartzer  varw  tuot  man  wiss  bekennen. 
95  der  gote  dienti,  das  wer  sohleht; 

weltlich  sach  maoss  ich  ein  torheit  nennen. 

Wan  ein  wiser  man  bekennet  wol 
mösching  bi  göldes  glesten. 
sid  ich  die  warheit  sagen  sol, 
100  so  vindet  sich  doch  recht  tuon  an  dem  lesten. 

Der  krieg  der  si  gescheiden 
(sprach  der  priester  mit  sinnen): 
sünd  die  läss  dir  leiden, 
so  wirst  du  fröden  innen.« 

105  Mir  was,  ich  sprech  zno  im  im  tr6n: 
«herr,  ich  wil  nicht  me  tichten 
(das  wil  ich  üch  nu  wissen  län); 
ich  kan  mich  nicht  verrichten: 

Der  weit  loflf  ist  "gar  ze  vil, 
110  unrecht  hat  niendert  mässen, 
als  ich  üch  nu  sagen  wil. 
min  ret  die  tuond  mich  straffen: 

Ich  bekümber  mich  ze  verr  mit  tichten, 
(got  kan  allr  sach  wol  walten). 
^15  und  soll  min  ding  us^ricbten:  ; 

also  soll  ich  mich  halten. 

Also  wil  ich  von  tichten  län, 

(hert  löff  sind  an  den  landen)  Fol  39^ 

untz  da^  ich  sich,  wie  es  wil  gan: 
.  .  .  1.20  got  bhuet  uns  all  vor  schänden! 

91  Won.  rppikaifc.  94  Bey.  weyss.  95  got.  96  Welt- 
lejch.  ain  torhaifc.  97  Won  ain  weys\  98  bey.  99  warhait. 
100  vindt.  am.  101  sey  geschaiden.  103  laiden.  107  euch.  109  lauff. 
111   euch.    112   Mein.    114  aller.    115   mein,  aussrichten.    1^0  behüt 


—    ISI    - 

Ich  wil  kein  guots  vers^eren: 
.    könd  ich  got  lobeo,  des  faett  ich  recht; 
sin  gnad  die  tuot  nns  neren. 
herr  got,  hab  mich  als  dinen  knecht!*  ^^ 

125  Wer  merken  wil  der  ^elte  sin, 
der  vindts  in  dikeni  bäöch: 
ietzant  her  und  denne  hin, 
der  es  gern  wiss,  der  suoch. 

Der  vindet  wandelbi^r^  im, 
130  der  es  tüöt  lesen, 

als  ich  tichter  gewesen  bin. 

herre  got,  gib  mir  das  ewig  wesen! 

Min  geticht  ist  nicht  rdü  ein^n  säo&^i^ 
(herf  got,  Kafe  iam  iä  hiiot): 
135  ich  hän  es  ie  darnach  geinachen,  ^    , 

als  mir  do  was  ze  muot: 

Wan  wes  das  hertz  begei^^nd  lÄ^ 
der  mnnd  tnots  dikclk^  s^ei!r/ 
weigeret,  das  ist  ein  claoger  list, 
140  ders  tuot  mit  züchten  trägen. 

Han  ich  mich  irAt  Mta  tUcUteä 
in  den  rimen  i^tideil  f€r^^etli 
das  tue  ein  ander  sphlichten: 
ich  kan  es  nicht  als  messen. 

145  Ein  zimberman  hat  dikcU-  6in  lidiMÄf  fetlib^'^n; 
die  er  miszt  mit  sitten: 
so  hän  ich  vil  geticht  in  weiden  und  in  o^en 
und  darzuo  geritten. 

Dis  buoch  hän  ich  gemachen 
150  den  sechsten  teil  wol  zrossen; 

121  kain.  123  Sein.  124  dein.  125  weit.  126  fmdt  ^. 
127  den.  132  Herr.  133  Meid.  alüi.  137  Worii  138  dickdh. 
139  ain.  141  meinem.  142  reimen.  1*43  ain.  14ä  Ain  beitlW 
mal.  yerhawen.    147  awen.    148  dartzaö.    150  sebiiszteti  te(il.  z^ix>i^seb. 


—    132    — 

dainimb  sol  nieman  lachen, 

ob  es  ist  als  gentzlich  nioht  beslossen, 

Als  ob  ich  es  hett 
mitt  Sitten  assgemessen 
155  nnd  wer  gesessen  an  eim  bett: 

so  hett  ich  zwar  dest  minder  ichts  vergessen: 

Und  denn  gross  sachen 
han  zschaffen,  darzuo  die  rimen  messen, 
das  möcht  einn  irre  machen: 
160  ich  möchte  gar  wol  etwas  hän  vergessen. 

Wie  vil  ich  hab  mit  sinnen 

gemachet  lieder  und  reden, 

des  werdent  ir  na  innen: 

ich  wil  üchs  gentzlich  an  den  tag  hie  legen. 

165  Der  reden  sint  sibentzehen, 
das  ist  sicher  war, 
(got  geb  ans  ewigs  lehen) 
das  velt  nicht  amb  ein  här. 

Dri  briefe  vindt  och  in  dem  baoch, 
170  der  es  taot  lesen: 

ders  nicht  geloben  well,  der  saoeh.  Fol.  40 

herre  got,  gib  ans  das  ewig  wesen! 

Zehen  lieder  hän  ich  gmachen, 
als  si  hie  geschriben  stan, 
175  etlichs  frölich  and  och  lachen: 
also  maoss  als  zergan! 

Die  wisen  zao  den  Heden 
der  bän  ich  nicht  gemachen 


15^  gentzleich*  154  aussgemessen.        155  ainem.        158   ze 

schaffen  dartzuo.  reime.  159  ain  irr.  160  möcht.  163  jnnen. 
164  euchs  gentzleioh.  168  ain.  169  Frey  brief  stand  auch. 
171  gelaubn.  172  Herr.'  173  gemachen.  174  sy.  175  Etleichs 
iröleich.  auch.      177   weysen. 


—     133    — 

(ich  wil  üch  nicht  betriegen): 
180  es  hat  ein  ander  getan  firölich  und  och  lachen. 

Ob  ich  üchs  sagen  wolt, 

so  seit  ich  üchs  zwar  recht: 

die  wisen  hat  gemachen  Bürk  Mangolt, 

unser  getriiwer  knecht. 

185  Ze  Pregentz  ist  er  gsessen 
und  dient  uns  gar  schon: 
vil  wis  hat  er  gemessen 
mit  loblichem  don. 

Er  nahet  och  dem  alter, 
190  vil  muotz  ist  im  zergangen; 
des  sollen  wir  got  län  walten, 
der  behuet  uns  vor  hell  branden. 

Das  alter  tuot  uns  schaden 
an  sinn,  an  kraft,  an  muot; 
195  wir  sien  überladen: 

herr  got,  hab  uns  in  huot! 

Die  weite  die  muoss  gar  zergän: 
muotrich  und  stoltzer  lib, 
schön  und  kraft  mag  nicht  bestan; 
200  darzuo  die  werden  wib: 

Ir  schön  die  tuot  verblichen, 
muot  und  kraft  muoss  als  zergan, 
das  tuot  zwar  von  uns  schlichen: 
der  tot  der  wil  uns  nicht  län. 

205  Dabi  muoss  man  bekennen, 

das  die  weit  ist  ein  zerganklich  leben: 

179  euch.  180  ain.  froleich.  auch.  181  und  182  euchs. 
183  weysen.  bürk  mangolt.  184  getrewer.  185  pregenta.  gesessen. 
187  weys.  188  lobleichem.  189  auch.  190  jm.  192  banden. 
194  krafft.  195  seyen.  197  weit,  gar  fehlt.  198  Muotreich. 
leib.  199  krafft.  200  Dartzuo.  weib.  201  yerbLßichen.  202.  krafflb. 
203  schleichen.    204  der  fehlt.    205  Daby.     206  am  zergankleich. 


—    134    - 

t 

es  tuot  sich  als  zertrennen. 

got  taot  die  rechten  gaben  geben. 

In  dem  ein  und  viertzehii  hundert  jär 
210  bän  ich  die  red  geniacjien, 
das  ist  sicbei^lichen  war. 
minr  torheit  muoss  ich  lachen. 

Das  ich  so  vil  getichtet  hau 
von  mangerleie  sachen; 
215  davon  so  wil  ich  fürbas  län, 
ich  künd  sin  nicht  me  machen. 

Vil  mnots  ist  mir  engangen 
gen  der  weit  mit  tichten: 
ich  künd  es  nicht  me  erlangen, 
220  mich  dams  verrichten. 

0  mnot,  ein  sach  die  ze  loben  ist, 

ders  tuot  mit  wisheit  walten: 

das  sag  ich  üch  an  argen  list,  Fol.  40^ 

den  jungen  und  den  ajten. 

225  Wan  gerechter  muot  daz  ist  ein  krön 
in  himel  und  ufT  erden; 
damit  verdient  man  daz  ewig  Ion. 
ein  mensch  mag  nicht  verderoen, 


Das  gerechten  muot  in  h^^^zen  hat 
230  und  tuot  dabi  beliben: 
es  si  fruo  oder  spftt, 
glük  muoss  zuo  im  schiben. 

Muot  überwindet  me  dann  kraft 
an  mannen  und  an  wiben; 

2  0  9  ain.  yierczehun  hundert  (sio !)  i4r.  211  sicherleichen.  212  Meiner 
toTbait.  213  getioht.  214  mangerlay.  216  sein.  220  daraus.  221  ain. 
222  weyshait.  223  euch.  224  iungen.  225  Won.  dz.  ain.  226  hy- 
meL  auff.  227  dz.  228  Ain.  230  dabey  beleih».  231  sey. 
232  glükt.  jm  soheiben.     233  kraflt.     234  weihen. 


—    135    — 

235  muot  machet  lüte  sigehaft 
und  taot  gross  Sachen  triben. 

Das  als  von  kreften  nider  leg, 
das  tuot  zwar  muot  erwekenf 
muot  ist  in  keinen  sachen  treg, 
240  tuot  üb  und  guot  dar  streken. 

Wer  also  hat  einn  guoten  muot 
und  hat  dabi  einn  rechten  sin, 
der  gewinnet  er  und  guot: 
das  merkch  als  lieb  und  ich  dir  bin. 

245  Wan  wa  vil  muot  an  wisheit  ist, 
das  mag  die  lengi  nicht  bestän 
(das  sag  ich  üch  an  argen  lidt): 
es  muoss  mit  narrenspil  zergäü. 

Guoter  muot  ist  allweg  guot^ 
250  daz  möcht  ein  kind  zwar  wol  veuv««»^, 
wer  sich  dann  hat  in  rechter  hüöt^', 
das  mag  frilich  an  den  Strassen  gän^ 

Ich  bitt  üch  all  gemein, 
wer  das  buoch  höret  lesen, 
256  das  mir  ieklichs  sunder  ein    ,       / 

wünsch  gelükch  und  c(5rt  das  ewig  weseh ; 

Darumb  das  üch  got  behuet 

•  ■  ■ .  •  1 

vor  bösen  banden, 

und  sterkch  üch  all  mit  siner  guet,      .     '. 
260  das  üwer  keines  niemer  werd  ze  söhähden. 

amen. 


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235  leut  sighafft.  236  treiben.  237  krefften.  239  kainen. 
240  tuot  fehlt.  Leih.  24].  ain.  242  dabey  ,aiö^.  245  Wo«,  weys- 
liait.  247  euch.  250  Dz.  ain.  252  freyiich.t.  .2^53  0uch.  gemain. 
255  iegkleichs.  ain.  256  gelukch.  257  und  259  euch.  259  alle! 
sein*.      260  ewer  kains. 


I    t 


—    136    — 

xxxn. 

ilin  wider  heb  ioh  lichten  an  FoL  41 

mit  hilf  gots,  des  yerden  herren. 
an  dich  so  mag  ich  nicht  bestan, 
du  tuest  mir  gnade  meren 

5  Mit  diner  götelichen  kraft: 
dinn  heiigen  geist  tuo  senden, 
an  Sünden  mach  mich  sigehaft, 
bös  sach  tuo  an  mir  wenden. 

Wann  cinoger  sin  und  grechter  mnot 
10  das  komet  alles  sampt  von  dir: 
uss  dir  so  flüsset  nicht  denn  guot, 
das  sol  man  sicher  globen  mir. 

Du  bist  ein  sach  aller  saohen» 
der  gereohtikeit  ein  herr: 
15  kein  unrecht  tuost  du  machen, 
darumb  ich  sicher  swer. 

Wann  all  sach  wirt  gemessen, 
es  si  übel  oder  guot, 
darinn  zwar  nichts  vergessen. 
20  wer  sich  dann  hat  in  rechter  huot, 

Huet  sich  vor  hoffart  und  liegen 
unde  si  och  nicht  ein  dieb: 
damit  tuot  eins  den  tiefel  triegen, 
und  wirt  im  an  dem  lesteh  lieb. 

25  Ewiger  got,  du  starkoher, 
an  anefang  bist  du  ie  gewesen; 
din  gebot  hat  nindert  markchen, 
din  lob  das  wirt  vollsungen  noch  vollesen. 

2  hilff.  5  deiner  götleichen  kraffb.  6  Dein  haiigen  gaist. 
7  sighafft.  9  gerecht'*  11  Auss.  fleusset.-  12  gelaubn.  13  ain. 
14  gerechtikait  ain.  15  Kain.  18  sey.  22  Und  sey  auch.  ain. 
23  ains.     24  jm.     26  je.      27  und  28  Dein. 


—     137     — 

In  bimeln  noch  uff  erden 
30  mag  dich  nichts  voUoben, 

din  \rerch  kan  nieman  gwerden: 

ob  allen  sachen  swebst  du  dannocht  oben. 

Was  guotes  wirt  betrachte, 
und  sol  man  das  volbringen, 
35  das  beschiht  mit  diner  machte, 
es  si  puwen,  sagen  oder  singen. 

Wann  wer  dir  dient  mit  stetem  gantzem  <\inllen, 

der  hat  dir  wol  ze  danken, 

darumb  wann  sölh  sach  tuot  uss  dir  ze  pilden. 

40  Wann  wer  gen  dir  icht  wolt  messen 
oder  gen  dir  geliehen, 
der  tet  sich  ser  vergessen; 
wann  himel  und  erd  das  mueszt  doch  alles  wichen, 

Wenn  du  es  liest:  Fol.  41^ 

45  du  hebst  mit  dinr  almechte 
so  gar  an  widerdriess: 
das  ist  mir  ze  hoch  und  über  min  getreohte. 

Ein  wiser  man  möcht  lachen, 
wenn  ers  recht  tet  besinnen, 
50  das  du  kanst  also  machen, 

des  wir  doch  uiemer  mügen  werden  innen; 

Und  sehent  es  hie 
mit  ogen  an  uff  erden 
und  wissent  doch  nicht  wie: 
55  wie  möcht  wir  dann  dinr  drivalt  innen  werden? 


29  Inn  hymeln.  auflP.  31  Beine,  gewerden,  dannocht  fehlt. 
33  betrachtet.  35  deiner.  36  sey  pawn.  39  auss.  40  ich,  und  t 
eincorrigiert.  41  geleichen.  43  hymel.  weichen.  45  deiner. 
47  mein.  48  Ain  weys'.  51  jnnen.  53  äugen,  anff.  55  dein' 
dryualt  ymmer  jnnen. 


—     138    — 

Wer  zeit  die  regens  tropfen, 
die  hinfür  vallen  werden, 
die  sannen  wil  darohstopfen 
60  mit  einem  stabe  hinnff  von  der  erden, 

Der  möcht  wol  irren 

an  allen  clnogen  fänden, 

mit  sölioher  saoh  bewirren: 

noch  minner  mag  menschlich  sinn  die  gotheit  durchgründen. 

65  ]>»»  \nl  ioi^  lassen  bliben. 
wer  gelükch  han  wil  uff  erden, 
das  miPiOfi^  yoa  got  dar  sohiben : 
des  sol  man  innen  werden. 

Wann  unglük  kunt  von  Sünden 
70  und  von  verschulten  Sachen: 
das  tiMt  sich  sicher  gründen, 
ich  kans  nicht  anders  machen. 

Hett  Eva  gots  gebott  nit  gebrochen, 
die  weit  die  hett  kein  Tiden: 
75  das  waa:d  gar  ser  gerochen, 
das  mag  ich  nicit  verswigen. 

Das  widerbracht  diö  iiiägt, 
die  junkfrow  muoter  reine 
(als  sant  Matheus  sagt), 
80  mit  ireto  tindfiri  eine.  .      . 

Wol  uns,  das  si  ie  ward  geborn, 
ein  bluom  der  selikeit: 
si  verriebt  uns  grossen  zorü 
und  belrtiote  uns  vor  ewig  leit. 


66  aiti'6in  stab  hinauff.  61  jrren.  64  menschleich.  Mit  die 
nette  Zette.  gothait.  65  beleiben.  66  geläkch  haben,  auff^ 
6T  sdlkeiben.  68  jnnen.  69  yngelükt.  73  era.  74  kain  leiden. 
76  TersWeigen.  78  iunkfraw.  rain.  80  kindlein  ain.  81  sf  j^ 
82  Ain.  selikait.     83  u.  85  Sj.     84  behuot.  lait. 


—     139     — 

85  Si  truog  zware  ireu  herren 
und  aller  weite  got: 
unser  gelük  das  tet  si  meren, 
das  ist  an  allen  spot. 

Das  kind  ist  geborn 
90  von  einer  junkfrowen; 
das  tett  den  tiefein  zorn: 
ir  gewalt  der  ward  zerhowen. 

Des  sind  die  Juden  blind 
in  gesehendi  ogen: 
95  geboren  ist  das  kind, 
das  wellents  nicht  geloben. 

Si  betrügt  der  talamuot 
mit  gar  gelogenn  sachen: 

zwar  das  tuot  in  nimer  guot,  Fol.  42 

*  100  si  schlaffen  oder  si  wachen. 

All  propheoien  sind  bescheben, 
die  sach  ist  vollbracht: 
das  wil  ich  wol  mit  warheit  jehen, 
ich  häns  gar  recht  bedächt. 

105  Ir  beiden,  ir  sült  das  verstan: 
als  Grist  ward  geborn, 
umb  üwer  göter  was  e^  get&s, 
ir  gewalt  der  was  verlorn. 

Appollo  der  tett  vallen, 
HO  als  im  sant  Gregori  gebdt, 
vil  geist  in  jamer  wallen ; 
Crist  half  uns  uss  ewig  not, 

85zwarjren.    86  weit    87  gelükt.  sy.     88  spoti.     M  ainr  junk- 
frawn.        94  äugen.        95  geborn.       96  gelaubn.       97  Sy  betreu^. 
99  nymer.        100  sy  beidemal.        101   p*phecyen.       103^  warhftit 
iehen.      105   hayden.      106    crist.      107  ewer  göttep.      110  Grwgory. 
111   gaist.  iamer.     112  halff.  auss. 


—     140     — 

Mit  sinem  tod  erworben 
(hab  ich  gar  wolbedächt) : 
115  wir  weren  ewig  gstorben, 
davon  hat  er  uns  brächt. 

Und  fuor  gen  hell,  darnss  er  nam» 
die  sinen  willen  hetten  getan, 
'  als  siner  grechtkeit  wol  gezam: 
120  die  wurden  aller  sorgen  an. 

Ir  heiden,  es  sind  tiefel  gwesen, 
die  ir  da  angebettet  hau; 
das  hab  ich  in  der  warheit  glesen : 
ir  gewalt  mocht  nicht  lenger  stan. 

125  Wa  vindt  ir  me  keinn  abgot, 
der  üch  red  und  antwurt  geb? 
Crist  ist  geborn  an  allen  spot: 
ir  sind  nicht  ufiF  dem  rechten  weg. 

Der  sin  noch  beit,  er  ist  doch  geborn 
130  und  ist  vor  langen  ziten- komen 
(das  red  ich  gar  an  allen  zorn): 
er  hätz  all  uss  der  hell  genomen. 

Ich  meine  die  gerechten, 
die  sinen  willen  hetten  getan: 
135  darumb  sol  nieman  vechten, 

den  krieg  den  wil  ich  nieman  l&n. 

Wer  gelobt,  daz  got  almechtig  si, 
der  gelobt  billich  an  die  drivaltikeit, 
der  wonent  dri  sachen  bi, 
140  und  ist  ein  got  uff  minen  eid.   . 

113  seinem.  115  gestorben.  117  darauss.  nain.  118  seinen. 
119  seiner  gerechtikait.  121  haiden.  gewesen.  123  warhait  ge- 
lesen. 125  kain.  126  euch.  127  spott.  128  auff.  129  sein, 
bait.         130    zelten.         132     auss.         133     main.  134    seinen. 

137  gelaubt  dz.  sy.     138  gelaubt  billeich,  dreyualtikayt.      139  drey. 
bey.      140  ain.  auff  meinen  aid. 


—     141     — 

0  Wesen  aller  wesen, 

an  anvang  und  an  end 

(vollschriben  noch  vollesen 

mag  es  nieman):  din  götlich  gnad  mir  send! 

145  Almechtig  got, 

hilf  mir  mit  dinen  gnaden, 

das  ich  nicht  werd  der  tiefel  spot: 

kum  mir  ze  trost  mit  dines  geistes  gaben! 

Wann  an  din  macht 
150  so  wer  min  sach  vernichte; 

das  ich  mit  dinen  gnaden  tracht, 

min  irren  weg  die  oiach  mir  in  ein  schlichte. 

Ich  raeff  dich  an,  als  Adam  tett  Fol.  42^ 

(er  stuond  gen  dir  in  buosse): 
155  almechtig  got,  gwer  mich  der  pett, 
'    hilf  miner  sei  uss  böser  sünde  mosse! 

Ich  halt  dich  ein 
got  und  minen  herren, 
got  vatter,  sun  gemein, 
160  0  heiiger  geist,  tuo  mir  gnade  meren! 

Tuest  du  mir  gnade  senden, 

so  mag  mir  nichts  geschaden, 

an  keinem  guoten  wenden: 

almechtig  got,  tuo  mich  mit  gnaden  laden! 

165  Trib  von  mir  bösen  willen 
(darumb  rueff  ich  dich  an), 
guot  sach  tuo  in  mich  pillen, 
so  mag  ich  wol  bestan; 

142  Ane  aneuang.  1 43  Vollschreiben.  1 44  dein  götleich.  1 46  Hilff. 
deinen.  147  spott.  148  deines  gaistes.  149  dein.  150  mein. 
151  deinen.  152  Mein  jrren.  ain.  155  gewer.  156  Hilff  mein', 
auss.  sünd.  157  ain.  158  meinen.  159  gemain.  160  haiiger 
gaist.      161   genade.     163   kainem.     165  Treib. 


—     142     — 

Und  sich  mich  an, 
170  das  ich  si  der  behalten. 

an  all  din  heiigen  ich  dich  man: 

durch  irn  willen  tuo  min  mit  gnaden  walten. 


XXXIII. 

i/ie  weit  die  tuot  gedenken 

nach  guot  und  grossen  eren 

tuot  sich  mang  mensch  versenken 

in  jamers  pin,  daruff  möcht  n^an  wol  sweren. 

5  Und  muossent  wir  doch  sterben 
und  alles  hinder  uns  lasam, 
unser  lib  zokiiti  werden 
(ders  recht  bedecht) :  wir  puwen  irre  Strassen. 

Wer  ich  nu  tusent  jär  alt, 
10  hett  acht  hundert  strit  gestritten, 
zerstochen  gar  den  Swartzwald, 
mit  speren  hin  zerritten, 

Und  der  best  gewesen 
in  schimpf  und  och  in  ernst, 
15  für  menklich  usserlesen: 
so  wiszt  ich  aller  gernst. 

Was  hulf  mich  das? 
min  wer  doch  schier  vergessen, 

als  man  tuot  des  meien  gras.  Fol.  43 

20  der  gote  dient,  der  hett  daz  recht  gemessen. 


170  sey.      171    dein  haiigen.      173  mein. 

4    iamers    pein    darauff.         7  leib    ze    nichti.        8  pawen  Jrre. 

9    tausent.         10  streit.       11   swartzwald.       14  auch.  15  inengk- 

leich    ausserlesen.      17    hulff.      18    Mein.       19    mayen.  20  got.    dz. 


—    143    — 

Wer  ioh  als  stark^  als  Samson  was, 
und  hett  Absolons  sohöne« 
was  möcht  mich  na  gehelfen  das» 
sung  ich  Serenen  döne? 

25  Wer  ich  als  schnell,  als  Asahel  was, 
und  wer  als  wis  als  Sakmon:         '  *^ 
was  möcht  midi  nu  gehelfen  das? 
die  zit  die  nem  mich  doek  davon  1 

Wer  ich  als  eluog,  als  AfisUrtiles  was, 
30  und  hett  all  weit  gewaltklioh  ion; 
was  möcht  mich  na  gehelfen  das? 
gar  klein  dnnkts  mich  in  mtnen  limi! 

Der  half  mich  keins  fBr  sterben; 
weger  wer  mir  gottes  hold, 
35  gnad,  ewikeit  erwerben. 

herr  got,  gib  mir  recht  gedaM, 

Sid  all  sach  nu  muoiss  zergän 
hie  uff  diser  erden: 

■ 

der  tod  wil  es  durch  nieman  Iftn, 
40  wir  muossent  aRe  sterben  f 

Was  puwen  wir  dann  nff  ein  is 
und  wissent  das  f&r  w&r? 
daran  so  sien  wir  nicht  wis, 
das  velt  nicht  umb  ein  hftr! 

45  Gedechten  wir  off  ewigs  leben,, 
als  wir  uff  weltlich  Sachen  toon» 
got  tet  ans  grosse  gnade  geben, 
umb  unser  sünd  wer  es  ein  suon. 


21  samson.  22  absolons.  23  und  27  gehelifen.  24  serenen. 
25  asahel.  26  wejs.salamon.  28  zeit  29  äristotiles.  SO  gtswidtkleich  jnn. 
31  gehelffen.  32  klain  dankt,  meine.  33  hnlC  kains;  3^5  eid'ikaft. 
38  auif.  41  pawn.  aüff  äin  ejs.  43  seyen;  w«!yt.  44'  aih. 
45  auff.       46  aufT  weltleieh.      47  gnm  gnad.      48  aih; 


—     144    — 

Es  wer  dooh  besser  muren, 
50  denn  gepuwen  von  holtz  und  strd: 
an  der  not  half  es  für  truren, 
so  wer  sin  eins  gar  frd. 

Die  weit  ist  ein  glesin  hus, 
der  glantz  ist 'bald  zerbrochen, 
55  das  man  muoss  gar  schnell  daras 
nnd  in  der  erden  soeben. 

Ich  han  gross  wnnn  und  fröd  gesehen 
von  mannen  und  von  wiben, 
und  ist  in  kurtzer  zit  beschehen: 
60  der  tod  tets  anders  schiben. 

Was  hilfst  gaot,  manheit  and  witz? 
es  mnoss  doch  als  zergän: 
der  tot  der  nimpts  mit  sinem  litz, 
wir  magent  nicht  bestan. 

65  Die  sei  die  hat  ein  ewigs  wesen, 
es  si  in  übel  oder  in  gaot: 
das  hab  ich  in  der  warheit  glesen.  — 
herr  got,  hab  mich  in  diner  haot! 

Wann  an  dich  ist  nie  nicht  worden, 
70  als  gaot  hast  du  beschaffen, 
an  dich  wers  als  verdorben: 
der  des  nicht  gelobt,  der  glicht  sich  einem  äffen. 

Din  ie,  diu  iemer  wesen 

mag  nieman  zwar  bedenken,  Fol.  43^ 

75  geschriben  noch  gelesen: 

menschlich  sin  sol  sich  darin  nicht  senken. 

Wer  wol  bedecht,  das  er  sterben  muoss,  . 
und  das  got  ein  grechter  richter  ist, 

49  mauren.  50  gepawn.  51  bulfP.  trauten.  52  sein  ains. 
53  ain.  haus.  55  daraus.  58  weihen.  59  zeit.  60  scbeihen. 
61  hilffet.  manhait.  63  seinem.  65  ain.  66  sey.  67  warbait 
gelesen.  68  deiner.  72  gelaubt.  gleicht,  ainem.  73  Dein  ye. 
75  Geschreiben.      76   Menschleich.  darein.      78  ain  gerechter. 


—     145    — 

der  tet  im  selber  süoden  buoss, 
80  das  sag  ich  üch  an  argen  list; 

Wann  die  gerechtikeit  gott, 

die  ist  gar  wol  ze  besorgen 

(das  sag  ich  üch  an  allen  spott): 

da  gedenkent  an  den  abent  und  den  morgen. 

85  Mit  got  ist  nicht  ze  schertzen 
mit  ungerechten  Sachen: 
es  bruefet  jamersmertzen ; 
wenn  ichs  bedenk,  so  lust  mich  nicht  ze  lachen. 

Als  got  ein  grechter  richter  ist 
90  (das  ich  da  glob  und  wil  och  also  sterben)» 
so  sag  ich  üch  an  argen  list: 
es  wirt  als  gebueszt  dort  oder  hie  ufif  erden. 

So  tuot  och  got 
keins  guoten  nicht  vergessen 
95  (das  sag  ich  üch  kn  allen  spot): 

er  tuot  es  als  mit  siner  almecht  messen. 

All  hoffnung  und  fröd  an  got 
das  ist  ein  zerganklioh  leben 
und  ist  sicherlich  ein  spot 
100  got  tuot  die  rechten  gaben  geben. 

Ich  hän  der  weit  gedienet  vil 
und  hab  wunder  von  ir  gsehen; 
und  ist  doch  als  ein  torenspil, 
wil  ich  mit  gantzer  warheit  jehen. 

105  Wer  all  sin  sach  uff  got  tuot  puwen, 
der  hat  das  rechte  fondament, 


79  jm.  80  euch.  81  gerechtikait.  83  euch.  87  i^mer. 
89  ain  gerechter.  90  gelaub.  auch.  91  euch.  9 2  gebuetzt.  auff.  93  auch. 
94  Kains.  95  euch,  spott.  96  sein*.  97  frod.  98  ain  zergankleich. 
99  sicherleich  ain  spott.  102  gesehen.  103  ain.  104  warhait 
lehn.     105  sein.  auff.  paw  .     106  recht. 

Wackemell,  Montfort  10 


—     146     — 

das  swer  ich  zwar  bi  minen  trawen. 

wer  sioh  nach  süntlich  sachen  sent,  _ 

Der  puwt  uflf  is, 
110  darzuo  stat  er  in  sorgen; 

da  vindt  sich,  das  er  ist  nicht  wis: 

es  kumpt  doch  der  tod  nnd  wil  eim  nicht  me  borgen. 

Es  vindt  sich  als  am  jüngsten  tag, 
da  wirt  das  recht  gesprochen. 
115  es  ist  vil  war,  das  ich  üch  sag: 
als  nnrecht  wirt  gerochen, 

Übel  und  guot 

das  wirt  gegen  enander  gmessen; 
davon  händ  üch  in  rechter  huot, 
120  wann  sicherlich,  es  wirt  gar  nichts  vergessen. 

Das  recht  muoss  da  einn  fürgang  hän, 

ungeirret  aller  sach,  Fol.  44 

und  das  unrecht  undergän 

in  ewig  we  und  ach. 

125  So  sitzt  der  herr  gar  unversmogen 
angesichte  aller  weit 
glichs  als  uf  eim  regenbogen. 
da  hilfet  weder  kunst  noch  gelt: 

Das  recht  muosz  da  ein  fÜrgang  hän, 
130  nieman  mag  das  gewenden. 

all  die  weit  muoss  vor  gott  da  stän: 
also  tuot  es  sich  enden, 

Und  under  andern  Sachen 
eines  wirt  ein  urchünt: 
135  (got  tuot  mit  almeoht  machen) 
iedes  mensch  des  andern  sünd 

107  bey  mein  trawn.  108  süntleicb.  109  pawt  auff  eys.  110  Dartzuo. 
111  Das  vindt.  weys.  112  ainem.  113  iungstn.  115  euch. 
118  gemessen.  119  euch.  120  sicherleich.  121  ain.  122  ungeierret. 
125  sitz.  126  Angoicht.  127  Gleichnüst.  auf.  aim.  128  hilffet. 
129  ain.      134   Ains.     ain.      135  Yedes. 


—     147     — 

Bekennt  gar  wisseklichen, 
als  die  es  selb  bat  getan, 
so  muoss  das  unrecht  wichen 
140  und  das  recht  einn  fürgang  hän. 

Und  da  bekennent  wis  und  toren, 
das  got  ein  grechter  richter  ist, 
das  nieroan  wirt  verloren, 
dann  umb  sin  schuld  an  argen  list. 

145  Als  menschlich  geschlecht 
wirt  vor  got  gericht: 
die  ungerechten  in  ewig  echt, 
wann  all  ir  hoffnung  ist  hinfür  für  nicht. 

So  tuot  dann  gott 
150  der  gerechten  mit  gnaden  walten 
(das  sag  ich  üch  an  allen  spott): 
er  tuot  si  all  in  ewikeit  behalten. 

Was*  got  hinfiir  dann  machen  werd, 
das  kan  ich  nicht  bedenken,! 
155  in  himeln  oder  hie  ufif  erd: 

menschlich  sin  sol  sich  darin  nicht  senken. 

Gott  hat  all  sach  angesehen, 
e  das  ers  hat  beschaffen:    • 
wird  und  lob  muoss  ich  im  jehen, 
160  ich  chans  nicht  anders  machen. 

Doch  weiss  ich  wol, 

das  recht  tuon  ist  an  dem  besten: 

sid  ich  die  warheit  sagen  sol, 

so  vindt^all  sach  im  Ion  am  lesten. 

165  AUmechtig  gott,  ich  meff  dich  an, 
hilf  mir  zuo  dinen  gnaden; 

137  Bekennet,  wissekleichen.    139  weichen.    140  ain.  141  weys. 

torn.          142    ain    gerechter.         143    niemant.    verlorn.  144    sein. 

145     mensch  leich.          151     euch.          152     sy.     ewikait.  155     Inn 

hymeln.  auff.      156  Menschleich.  darein.       159  jm  iehen.  161   waiss. 
163  warhait.      164  jrn.      166   Hilff.  deinen. 

10» 


—    148    — 

an  didi  so  mag  ich  nicht  bestan: 

kam  mir  zetrost  mit  dines  geistes  gaben! 

loh  mag  nichts  gnots  volbringen 
170  an  hilf  mit  diner  maoht, 
gesagen  noch  gesingen: 
hab  min  mit  gnaden  acht! 

Erbarm  dich  über  mich  eilenden, 
allmechtiger,  werder  gott: 
175  bös  sach  tno  an  mir  wenden, 
pitt  ich  an  allen  spott. 


XXXIV. 

•Diin  dinst  mit  gantzen  trüwen!  Fol.  44^ 

vor^liebi  muoss  ich  wachen; 

min  fröd  begint  sich  nüwen: 

also  kan  got  gross  leid  ze  fröden  machen. 

5  Ich  danken  got,  dem  werden  herren, 
sines  gnedigen  ergetzen, 
wann  traren  tuot  mir  verren: 
alls  guot  tnot  er  nach  sinem  willen  setzen. 

Was  sol  ich  dir  me  schriben? 
10  ich  han  ein  gantz  bennegen, 
an  dir  zwar  stet  beliben. 
got  tno  ans  beiden  seid  and  glükche  faegen 

Und  behaet  ans  beiden  sei  nnd  er 
dnrch  siner  maoter  willen, 
15  mit  sinen  gnaden  er  ans  ner 
and  tao  ans  komber  stillen. 

168  deines  gaistes.  170  hilff.  deiner.  172  mein.  173  Derbann. 
175  mür  (sie!). 

1  Mein,  trewen.  3  Mein,  newen.  4  laid.  6  Seines.  7  trawren. 
8  Alles,  seinem.  9  schreiben.  1 0  ain.  1 1  beleiben.  1 2  baiden*  geldkch« 
13  baiden.  £r.     14  seiner.      15  seinen. 


> 


—    149    — 

Du  werdes  wib, 
ich  kan  din  nicht  vergessen, 
du  bist  mir  lieber  denn  min  lib: 
20  min  hertz  hast  du  gewalteklich  besessen. 

Davon  bis  stet  und  lass  nicht  ab, 
bis  trüw  vor  allen  dingen, 
du  zukchersuess,  min  bluejender  hag, 
so  mag  ich  frölich  singen. 

25  Solt  ich  kein  ander  gen  dir  messen 
(da  behuet  mich  got  von  himel  vor), 
so  hett  ich  mich  gar  vast  vergessen: 
beschlossen  wurde  mir  der  seiden  tor. 

Du  lass  mich  dir  enpfolhen  sin, 
30  min  lieber  buol,  min  höchster  hört! 
wann  ich  bin  sicherlichen  din, 
das  sag  ich  dir  mit  einem  wort. 

Ich  wölt  kein  ander  für  dich  han, 
des  swer  ich  dir  bi'  ritters  orden ; 
35  des  macht  dich  frilich  an  mich  lan, 
wann  also  bin  ich  bichtig  worden. 

Also  raut  ich  dir  mit  trüwen : 
hab  got  lieb  vor  allen  sachen, 
es  tuot  dich  sicher  niemer  rüwen, 
40  du  wellist  schlaffen  oder  wachen. 

Wer  götlich  vorcht  in  hertzen  hat, 
der  tuot  als  unrecht  hassen, 
es  si  fruo  oder  spät, 
in  hüsern  od  ufif  gassen. 

17  weib.  18  dein.  19  mein  leib.  20  Mem.  gewaltekleich* 
22  trew.  23  mein  blueyend*.  24  fröleich.  26  kain.  26  hymel« 
28  wurd.  29  sein.  30  Mein  beidemal.  31  sicherleichen  dein* 
32  ainem.  33  kain.  34  by.  35  freyleicb.  36  beychtig. 
37  trewu.  39  rewn.  41  götleioh.  43  sey.  44  Inii  heusern  od 
und  (sie!)  auff. 


—     150     - 

45  Gesigelt  mit  luineu  rechteu  trüweu, 
damit  ich  dir  versprochen  hän. 
ich  hoff,  es  tuo  mich  niemer  rüwen, 
ich  well  mit  gottes  hilf  bestan. 

Geben  ze  Wienen  in  der  vasten  Fol.  45 

50  nach  Grists  gebart:  viertzehenhundert  jar 
(in  seiden  muessen  wir  rasten) 
und  in  dem  andern  (das  ist  war) 

^   Von  mir  —  du  weist  wol,  wer  ich  bin: 

ich  bin  dir  hold  mit  eren, 
55  (von  gottes  gnad  hän  ich  den  sin) 
ich  lass  mirs  nieman  weren. 


XXXV. 

Min  dinst  mit  gantzem  willen, 

hertzliebster  buol  uf  erden! 

din  gstalt  taot  in  mich  pillen. 

ich  wand,  mir  sölt  zwar  nicht  me  also  werden 

5  Von  cheiner  frowen 
fürbas  hie  uff  erden, 
nu  muoss  ich  wunder  sohowen: 
min  hertz  das  wil  nach  diner  lieb  verderben. 

Wem  liebt  das  recht, 
10  das  hat  got  wol  ze  danken, 
das  ist  vor  allen  dingen  schiebt, 
din  eigen  bin  ich  zwar  an  arges  wanken. 

Hett  ich  die  wal  in  all  der  weit, 
ich  weit  dich  nicht  verkeren; 

45  meiDen.  trewn.  47  rewn.  48  hilff.  49  wien.  50  crists. 
iar.     53  waist. 

1  Mein.  2  auf.  3  Dein.  5  chainer  frawn.  6  Furbas.  auff.  7  sehawn. 
8  Mein,  deiner.     9  liebet.     12  Dein  aigen. 


—     151     — 

15  so  aem  ich  für  dich  och  kein  gelt, 
.    des  getar  ich  frilich  sweren. 

Din  stoltzer  Hb,  din  gwissen  guot 
mit  steten  waren  werten, 
din  er  die  git  mir  hohen  muot: 
20  du  beschlüst  mins  hertzen  porten. 

Ich  hän  gar  vil  ze  schaffen; 

noch  tuot  mich  trüwe  twingen, 

das  ich  muoss  briefe  machen 

diner  lieb,  darzuo  kanst  du  mich  bringen. 

25  Min  hertz  das  wuet 

und  wil  mich  nicht  lan  schlaffen. 

du  bist  min  meienbluet: 

zwar,  frow,  des  solt  du  mich  geniessen  lassen* 

Ich  enphilh  dich  gott 
30  altissimo,  dem  werden  > 

das  er  dich  behuet  vor  spott, 

din  rechtes  alter,  darnach  in  eren  sterben. 

Geschriben  und  geben 
nach  Grists  gebürt  viertzehenhundert  jär 
35  (in  seiden  muessen  wir  leben)  Fol.  45^ 

und  in  dem  andern  (das  ist  war) 

Von  mir  dim  getrüwen  diener  vest, 
des  solt  du  gar  an  zwifel  sin. 
bis  an  sorg  aller  frömden  gest, 
40   wann  ich  bin  sicherlichen  din. 


15  auch  kain.  16  freyleich.  17  Dein  beidemal,  leib,  ge- 
wissen. 19  Dein.  geit.  20  beschleust  meins.  22  trew.  23  brief. 
24  Deiner,  dartzuo.  25  Mein.  27  mein  mayeu  blüt.  28  fraw. 
32  Dein.  34cristsiar.  37  deinem  getrewn.  38  zweyfel  sein.  40  sicher- 
leichen  dein.      39    uud  40    von    fremder  Hand  nachgetragen. 


—     152    — 

XXXVI. 

ich  sohrib  dir  gerne  cluoge  wort, 
so  hast  du  min  hertz  gfangen, 
min  lieber  buol,  min  höchster  hört! 
da  hästs  in  dinen  banden. 

5  Von  gold  ein  ketten  die  ist  vin, 
damit  hast  da  es  beschlossen: 
din  eigen  wil  es  iemer  sin, 
des  ist  es  anverdrossen. 

Und  hat  mir  nüwlich  potschaft  tan, 
10  es  well  sich  von  mir  ziehen 
nnd  well  in  dinem  dinst  bestan, 
zuo  diner  liebi  fliehen. 

Und  spricht,  daz  es  kein  anders  trib, 
es  well  bi  dir  beliben, 
15  (im  gefiel  uff  erd  nie  bas  ein  wib) 
zuo  diner  liebi  schiben. 

Also  hast  du  mir  das  hertz  abtriinig  gmachen 
mit  gewalt  ö.n  alle  fÜrbot: 
ich  muoss  mins  schaden  selber  lachen. 
20  uns  beide  behuet  der  ewig  got! 

Ich  chan  mich  zwar  nicht  ab  dir  clagen, 
du  tuest  mim  hertzen  guetlich; 
so  wil  ich  ie  die  warheit  sagen: 
bi  dir  so  ist  es  frödenrich. 

25  Geben  nach  Grists  gebürt  vierzehenhundert  jär 
(das  schrib  ich  dir  mit  einem  wort) 

1  gem.  2  mein,  gefangen.  3  Mein  beidemal.  4  deinen. 
5  ain.  rein.  7  Dein  eigen,  yemer  sein.  9  newleich  potscliaffib  getan. 
11  deinem.  12  deiner.  13  dz.  kain.  treib.  14  by.  beleiben. 
15  auff.  ain  weib.  16  deiner.  Scheiben.  17  gemachen.  18  färbott. 
19  meins.  20  baide.  22  meinem,  gütleich.  23  ye.  warhait. 
24  Bey.  firMenreich.     25  crists.  iar.     26  schreib,  ainem. 


-     153    — 

und  in  dem  andern  (das  ist  war), 
min  lieber  puol,  min  höchster  hört! 


xxxvn. 


W. 


eka,  wekoh  die  zarten  lieben!  Fol.  46 

ioh  glob,  es  si  nicht  unrecht  tan ; 

ich  wil  ir  nit  betriegen: 

der  tag  der  gät  daher. 
5  Si  stat  zwar  uff  mit  eren, 

mins  hertzen  muot  erkikerinn, 

(ir  glükch  das  tuot  sich  meren) 

ze  dinst  dem  werden  gott. 

Wer  hat  uff  erd  ein  biderb  wib, 
10  der  hat  ein  seldenrichen  hört: 

ir  Zucht,  ir  er  ist  leid  vertrib.  — 

ich  hör  der  vogel  sang, 

Ich  sich  die  Sternen  schiessen : 

es  chuolet  gen  dem  morgen  fruo. 
15  mich  tuot  zwar  nicht  verdriessen: 

das  macht  ir  angesicht 

Wächter,  ich  wil  dir  sagen:  Fol.  46^ 

was  got  uff  erd  ie  gschaffen  hat, 

so  tuend  die  frowen  tragen, 
20  der  himel  chör  erfällen. 

Davon  so  lob  ich  selge  wib 

bi  tag  und  och  bi  nacht, 

die  sind  der  weit  doch  leid  vertrib: 

ich  wünsch  in  er  und  guot. 
25  Das  ich  vil  sung  von  wekchen, 

min  frow  die  stät  mit  seiden  uf, 

fro  Er  die  tuot  si  dekchen: 

28   Mein  beidemal. 

Erste  Strophe  mit  Melodie.  2  glaub,  sey.  5  auff.  6  Meins. 
7  gelükcb.  9  auff.  ain.  weib.  10  ain  seldenreicben.  11  laid  vertreib. 
18  auff.  geschaffen.  19  frawen.  20  hymel.  21  weib.  22  Bey. 
auch  by.     23  laid  Y*treib.     26  Mein  firaw.  aufl     27  Fraw  er.  sy. 


—     154    — 

si  tiircht  nicht  sunnen  schin. 
Ich  lob  minr  frowen  guete 
30  für  YOgelsankch  und  bluomen  schin: 
si  git  gar  hochgemuete, 
ir  er  ist  wol  behuot. 

Ach  Wächter,  ich  maoss  tichten 

minr  frowen  hie  ein  tagewis; 
35  und  künd  iohs  wol  ussriohten, 

ich  tetz  mit  gantzem  fliss. 

So  ist  mir  min  muot  gesunken, 

und  gät  das  weltlich  nicht  me  dar 

(mag  wol  die  jungen  dünken), 
40  und  grawet  mir  min  har. 

Si  hett  michs  wol  erlassen, 

so  sol  ich  ir  gehorsam  sin: 

in  gasten  und  ufif  Strassen 

ir  diener  bin  ich  zwar. 
45  Herr  got,  durch  dine  guete 

verlieh  uns  beiden  sinn  und  muot, 

vor  ungelükch  behuete 

uns  durch  dine  gnad. 

Ich  wünsch  minr  frowen  heile, 
50  glükch,  er  und  guot  daz  wont  ir  bi 

und  werd  ir  als  ze  teile: 

got  habs  in  siner  huot ! 

Des  swer  ich  wol  bi  minem  lib, 

das  ich  vil  sung  von  Sternen  sohin; 
55  dafür  sech  ich  ein  biderb  wib, 

die  geb  mir  hochgemuete. 

Es  wer  kein  nmot  von  mannen, 

und  weren  selge,  werde  wib: 

got  bhuet  si  all  vor  schänden! 
60  ir  gestalt  ist  wunneklich; 

28  Sy.  schein.  29  meinrfrawn.  30  Für  vogelsankch.  schein.  31Sygeit. 
34  Meiner  frawn.  ain  tagweys.  35  aussrichten,  36  fleiss.  37  mein. 
38  weltleich.  40  mein  hart.  42  sein.  43  auff.  45  deine.  46  Yerleich. 
baiden.  4^  dein.  49  meiner  frawn  haile.  50  dz.  by.  51  taile. 
52  meiner.  53  wob  by  meinem  leib.  54  schein.  55  ain.  weib.  57  kain. 
S8  weib,     59  behuet.     60  wumiekleiclv. 


—     155     — 

Des  wil  ich  sicher  wekchen. 
got  bhuet  der  werden  frowen  er, 
tuo  si  mit  gnaden  dekcheu, 
wann  es  ist  liechter  tag. 


xxxvm. 

Uot  gruess  die  lieben  vinen,  Fol.  47 

zukkersuess  mim  hertzen! 

ein  wil  tuost  du  mich  pinen, 

die  anderen  so  wendest  du  mir  smertzen. 

5  Mit  guetikeit  und  eren 
machst  du  mit  diner  tugent 
mir  inuot  in  hertzen  meren, 
das  ich  dikch  wenn,  ich  hab  noch  vil  der  jugent. 

Sid  wib  uss  alten  hertzen 
10  jungen  muot  kunnent  machen 
(es  ist  an  alles  schertzen) 
von  rechter  lieb,  so  muoss  ich  gar  vil  wachen. 

Wer  wolt  dann  gen  seligen  wiben 
dhein  creature  messen? 
15  das  möcht  ich  nicht  erliden; 

wann  sicherlich,  eins  tet  sich  ser  vergessen. 

Wib  gebeut  muot 
in  mannes  hertzen,  erkiken 
vil  me  dann  alles  guot: 
20  all  weltlich  sach  schetz  ich  gen  in  ein  wikchen. 


Die  gschoss  uss  wibes  guete 
den  mag  chein  gschoss  geliehen: 


62   behüt.  frawii.      63  sy. 

1  veinen.  1  meim.  3  Ain  weyl.  peinen.  4  andern,  wendst. 
5  gütikait.  6  deiner.  8  iugent.  9  weib  auss.  12  Rechter. 
13  weihen.  14  Dhain  creatur.  15  erleiden.  16  sicherleich  ains. 
17  Weib.  20  weltleich.  jn  ain.  21  auss  weibes.  22  chain.  ge- 
leichen. 


—     156    — 

si  schiessent  in  mannes  gmaete, 

hundert  mil  so  taond  si  znohin  soUiohen. 

25  Dahin  so  mag  chein  büchs 
nicht  gelangen 
noch  die  donerplikoh: 
Venus  hebt  die  lieb  mit  starkchen  zangen. 

Min  frow  h&t  mich  gebunden 
30  mitt  strikchen  gmacht  uss  lieb, 
angezundt  mit  minne  zünden, 
si  ist  ein  heimlich  dieb: 

Das  ich  sin  nicht  gwaltig  bin, 
si  stilt  das  hertz  mim  libe; 
35  nu  merken  den  sin: 

was  tuond  die  werden  wibe? 

Mins  hertzen  A, 
min  liebste  firow  uff  erden! 
in  eren  muessen  wir  werden  grä, 
40  ein  rechtes  alter  in  gottes  willen  sterben. 

Min  liebes  E, 

ja,  wil  ich  nicht  vergessen, 

es  tuo  mir  wol  oder  we: 

kein  creatur  tuon  ich  gen  dir  nicht  messen. 

45  Aristotiles,  den  kluogen, 

liebi  übercham  in  mit  gewalt: 
ein  junkfrow  chund  im  es  fuogen, 
do  er  was  worden  alt 


23  Sy.  gemüte.  24  meil.  sy.  sohleichen.  25  u.  26  eine 
Zeile.  25  chain.  27  donr  plikoh.  29  Mein  fraw.  30  gemacht 
auss.  32  Sy.  ain  haimleich.  33  u.  34  y  er  stellt.  33  ich  fehlt, 
sein,  gewaltig.  34  Sy.  mir.  meine  leib&.  36  weibe.  37  Meins. 
37  und  38  zusammengeschrieben.  38  Mein,  fraw  auff. 
40  Ain  Rechtes.     4  Mein.     44  Kain.      47  Ain  junkfraw. 


—    157    — 

Bi  Alexanders  ziten 
50  tett  ims  ein  stoltze  magt 
mit  einer  geisel  riten, 
als  die  istori  sagt.  ^^^'  ^'^ 

Die  wisen  und  die  bersten 
band  frowen'übercbomen, 
55  die  naben  und  die  versten: 
das  bab  icb  wol  vemomen. 

Wib  sind  lieb  in  mannes  bertzen, 
das  ist  docb  nicbt  ein  wander; 
es  ist  äne  alles  scbertzen: 
60  Inst  ist  der  minne^znnder. 

Die  mannlicben  und  die  wisen 
band  frowen  übercbomen, 
die  alten  und  die  grisen: 
das  bab  icb  wolfvernomen. 

65  Wib,  prinnende  vakel 
in  mannes  gemnete! 
ir  maobent  menigen  wakcber 
mit  üwer  gnete. 

Die  muotricben  und  die  wisen 
70  prinnent  nacb  frowen  guete, 
wann  si  von  alter  grisen, 
nocb  gends  in  bocbgemuete. 

Fules  Wasser,  süffig  boltz 
tuot  von  f&r  nicbt  brinnen: 
75  das  merkcbent,  werde  frowen  stoltz, 
was  das  bedütet,  darnacb  sond  ir  sinnen. 


49  6y.  Zeiten.  50  jms  ain.  51  ainer*]  gaisel  reiten.  52  ystoiy. 
53  weysen.  54  frawn.  57  Weib.  58  ain.  59  an.  61  man- 
leichen.  weysen.  62  frawn.  63  greysen.  65  Weib.  68  ewer. 
60  muotreichen.  weysen.  70  frawii.  71  sy.  greysen.  73  Fawl. 
sewffilg.  74  fewr.  75  werd  frawn.  76  bedewt.  77  fromen. 
77  tugentleichen. 


—     158    — 

Die  biderben  und  die  frammen 
die  gruessent  tugentlichen; 
gen  den  pösen  sond  ir  stummen, 
80  wend  ir  an  eren  riehen. 

Wer  sich  bekümbert 

mitt  üppigen  lüten, 

des  fröde  wirt  gedrümert: 

die  werden  und  die  frummen  sond  ir  mit  eren  traten. 

86  Ein  biderb  man 

redt  nicht  übel  von  wiben; 

da  gedenkchent,  werde  frowen,  an: 

tuond  üweru  gruoss  gen  den  frummen  schiben. 

Wer  nicht  muot  hat  von  wiben 
90  und  hat  si  nicht  in  eren: 
guot  lob  tuot  von  im  schiben« 
sin  unglükch  wirt  sich  meren. 

Mins  hertzen  frow 
die  kan  mir  unmuot  stören 
95  für  vogelsankch  und  meien  tow: 

seit  ich  es  gar,  erst  wurd  man  wunder  hören. 

Ich  solt  zwar  nicht  mer  tichten 
der  weit  mit  chluogen  worten: 
wer  chan  es  ussgerichten  ? 
100  wib  schliessent  uff  muot  uss  hertzen  porten! 

Die  brief,  tagwis  und  red 

hab  ich  in  guot  gemachen: 

gott  uns  ze  seiden  leg, 

ir  und  mir,  wir  schlaffen  oder  wachen. 

77    fromen.         78    tugentleichen.  80    reichen.        82    leuten. 

83  fröd.  gedrömert.  84  froinen.  trewten.  85  Ain.  86  weibii. 
87  werd  frawn.  88  ew'n.  fromen.  Scheiben.  89  weihen.  90  sy.  91  jm. 
Scheiben.  92  Sein  yngelükch.  93  Meins.  fraw.  95  Maye  taw. 
99    aussg^richten.  100    Weib.    auff.    auss.  101    tagweis.    Red. 

103  leg  ir  yn,  die  beiden  letztern  durchstrichen. 


—     159    — 

105  Wer  rechter  lieb  tuet  walten 
an  tötlich  sünd  mit  eren, 
kans  eins  also  behalten, 
sin  gelükch  das  wirt  sich  meren. 

Also  sond  ir  die  sach  verstän 
110  unde  frölich  sin  mit  eren, 

got  vor  allen  dingen  lieb  hän:  Fol.  48 

üwer  gelükch  das  wirt  sich  meren. 

0  wip,  gula  und  git, 
wes  band  ir  weit  verfuere! 
115  hoffart,  zom,  hass  und  nit: 

das  sind  siben  stükch,  der  todes  sünde  schnaere- 

Damit  vil  lüt  gevangen  werden 
mit  iemer  werenden  banden, 

das  si  doch  ewenklichen  sterben:  • 

120  0  pfuch  der  grossen  schänden! 

Doch  über  aller  leide  bach 
ist  recht  hoffnung  ein  steg, 
zwifel  ist  ein  ungemach 
und  ein  böser  weg. 

125  Wer  zwifels  überwerden  well, 
huet  sich  vor  todes  sünden: 
dem  widerfert  chein  ungevell, 
das  tuot  sich  sicher  gründen. 

Wann  wer  all  sin  sach  uff  gott  tuot  puwen 
130  und  hat  dabi  ein  gwissen  guot, 

(des  swer  ich  wol  bi  minen  truwen), 
sin  sei  und  ere  ist  wol  behuot. 

105  Rechter  liebi.  106  tötleich.  107  ains.  108  Sein  ge- 
lükch. 109  Tsten.  110  Und  fröleich  sein.  112  Ewer.  113  weip. 
geit.  114  V  füret.  115  neit.  116  stukch.  117  leufc.  119  sy. 
e^renkleichen.  121  laid.  122  Rechte,  ain.  123  Zweyfel.  ist  fehH^. 
ain.  124  ain.  125  zwyfels.  126  Der  hüt.  127  chain.  128  gründen. 
129  sein.  auff.  pawen.  130  daby  ain  gewissen.  131  by  meinen 
trawn.      132   Sein. 


—     160    — 

Die  weit  ist  wandelber 

mitt  allen  iren  Sachen; 

135  ich  reds  an  als  gever: 

mitt  warheit  chan  es  nieman  anders  machen, 

Wann  das  die  weit  ist 
ein  zerganklich  leben 
mitt  mangem  bösen  list: 
140  got  tuot  die  rechten  gaben  geben. 

0  sechszig  jär 

sind  swer  nff  minem  rnggen 

minder  drier  (das  ist  war): 

Almechtig  gott,  hilf  mir  nff  seiden  pmggen, 

145  Damff  ich  stand  gar  vesteklich 
nach  dinem  willen  gar. 
herr  gott,  gib  mir  din  ewig  rieh, 
nimm  min  mit  gnaden  war! 

Durch  diner  maoter  willen 
150  und  dnrch  all  din  heiigen  guot 
0  tao  mir  komber  stillen 
und  gib  mir  wisen  mnot, 

Sinn  und  vemunsty 
mitt  götlichen  dinen  gnaden. 
155  behnet  mich  vor  der  helle  brunst, 

chnm  mir  ze  trost  mit  dines  geistes  gaben! 

Almechtig  gott, 
din  macht  ist  nngemessen 
(ich  swers  bi  dim  gepott): 
160  e  zalti  man  als  lob   und  gras,  und  wnrd  dannocht  dinr 

wirde  vil  vergessen. 

134  jren.  135  Reds.  136  warhaifc.  138  Ain  zergankleioh. 
140  Rechten.  141  sechsizig.  142  auff  meinem  Ruggen.  143  dreyer. 
144  hilff.  auff.  145  Darauff.  restekleich.  146  deinem.  147  dein, 
reich.  148  mein.  149  deiner.  150  dein  haiigen.  152  weysen. 
154  gOÜeichen  deinen.  156  deines  gaistes.  158  Dein.  159  by 
deim.      160  laub.  deiner. 


—    161    — 

0  gerechter  gott 

an  anvang  and  kn  ende, 

wa  ich  tuon  wider  din  gepott, 

ich  rnoff  dich  an:  din  heiigen  geist  mir  sende! 

165  Din  gerechtikeit 

die  macht  mir  vil  der  sorgen ; 

wenn  ichs  bedenkch,  so  ist  mir  leid  Fol.  48^ 

die  Sünde  min,  und  hoff  doch,  da  wellest  mir  gnedekliohen 

borgen. 

Das  ich  bekenn  die  sünde  min 
170  gentzlich  nach  dinem  willen: 
mitt  diner  hilf  mag  es  wol  sin. 
almechtig  got,  tno  mir  kumber  stillen 

Mit  gotlichen  dinen  gnaden! 
hilf  mir  zno  einem  gnoten  end 
175  mitt  dines  geistes  gaben: 

picht,  riiw  and  paoss  mir  send! 

Almechtig  gott, 
gerecht  in  allen  Sachen, 
wa  ich  tuon  wider  din  gepott, 
180  schlaff  ich  in  sünd,  o  heiss  mich  wider  wachen! 

Din  erbarmhertzikeit 
die  mag  nieman  darchgründen. 
als  unrecht  sol  uns  wesen  leit, 
und  sol  nieman  daruff  siinden. 

185  Die  red  hab  ich  geticht 

nach  jOrists  gebürt  viertzehenhundert  jär 
(der  gott  dienti,  das  wer  die  schlicht) 
und  in  dem  viertzehenden,  das  ist  war; 

162  aneuang.  end.  163  dein.  164  dein  haiigen  gaist.  send. 
165  Dein  gerechtikait.  167  laid.  168  mein,  gnedekleichen.  169  mein. 
170  Gentzleich.  deinem.  171  deiner  hilff.  sein.  173  gotleichen 
deinen.  174  Hilff.  ainem.  175  deines  gaistes.  176  Feicht  rew. 
179  dein.  180  haiss.  181  Dein  erbarmhertzikait.  182  niemant. 
183  lait.      184    niemant    darauff.      185    Red.      186   christs. 

WackerneU,  Montfort.  11 


i 


—    162    - 

An  des  heiigen  herrn  sant  Uolrichs  tag 
190  hab  ich  die  red  volbracht: 

es  ist  y\\  war,  das  ich  üoh  sag, 
also  hab  ichs  bedächt. 

189   haiigen  herren«  ylreiohs.      190   Red.      191    euch. 


ANHANG. 


XXXIX. 

Jlond  ich  ein  gedieht  volbringen 

von  der  zarten  myoniglioben 

mit  allen  mynen  besten  synnen, 
*       ob  mich  der  heilig  geist  det  rychen. 
5  0  beilger  geist,  komm  mir  zn  stare, 

hilff  mir  in  mym  gesang  alda! 

kem  mir  desselben  flammen  fare, 

so  wurd  ich  zwar  in  hertzen  fro;  Fol.  49 

wann  an  des  hilff  mags  nit  bestan. 
10  Nu  wil  ich  von  ersten  heben  an, 

das  lit  mit  gsang  volbringe 

und  tun  das,  als  ich  beste  kan 

mit  myner  hellen  stymme. 

ich  lob  sie  zwar  (des  han  ich  recht), 
15  zwar  sie  ist  durchluchtich. 

ich  bin  ir  eygen  und  ir  knecht, 

in  mynen  noten  ich  sie  sich, 

so  mir  das  leben  wil  engan. 

Ich  meyn  die  susze  Maria,  Repo. 

20  die  yn  gebar  on  smertzen; 

sie  trug  in  nun  und  dryszig  wochen  da 

under  yrem  jnngkfreulichem  hertzen.  Fol.  49^ 

£rste  Strophe  mit  Melodie.  2  myniglich.  3  synen.  4  heiig. 
5  sture :  füre.  7  flamen.  9  mag  es.  1 1  gesang  YoLbringen.  1 5  durch- 
luchtich.     17  nOten.      19  süsze  maria. 

11* 


—    164    — 

die  himelisch  wyszhait  hett  sie  zu  stör, 
die  brann  70  yr  recht  sam  eyn  far, 
25  des  ist  sie  gehocht  über  alle  creatur. 
sie  sol  uns  cristea  bhuten  vor  leyd. 

Als  der  tag  darchbricht  die  nacht 

and  dut  mit  clarem  licht  durchscheinen: 

des  hat  auch  die  lieb  zart  macht, 
30   das  sie  sich  alszo  dut  vereynen 

mit  clarem  licht  durchluchtet  vyn 

mit  clarem  lib,  als  ers  wil  han, 

vil  lichter,  dann  die  sonn  mag  sin. 

zun  fuszen  stet  ir  der  licht  man 
35  nach  ordenung  der  gottlichen  gschick. 

Sie  ist  genomen  in  himels  tron 

mit  engelscher  und  loblichem  gsang; 

er  kam  ir  auch  engegen  schon,  # 

Gristus  erfüllet  yren  belang: 
40  er  fort  sie  uff  durch  alle  tron, 

da  sie  nu  by  im  sitzend  ist. 

wir  bitten  sie  und  ruffens  an, 

das  sie  uns  helff  zu  aller  frist 

und  lose  uns  von  des  tufels  strick. 
45  Ey  wie  liplich  und  so  gar  schon  Repo. 

sie  ward  alda  entphangen; 

er  gab  ir  frolich  die  ewigen  krön, 

und  geschach  daz  sicher  on  alls  belangen. 

sie  ward  erhocht  und  des  von  hertzen  fro; 
50  die  engel  sangen  kyrjeleyso, 

die  freud  was  unseglich  gar  michel  do, 

die  sie  da  betten  on  underscheit. 

0  herr  Jesu  Crist,  richter  streng, 
bisz  uns  armen  sundern  nit  zu  hart; 

55  wan  uff  das  jungst  kompt  daz  gedreng, 

23  hiemlisch.  sture :  füre :  creature  25  gehockt  über.  26  be- 
hüten. 28  dut  fehlt,  durchschinen.  32  claree.  35  geschiok. 
36  hiemels.  37  gesang.  39  erfüllet.  42  rüffens.  47  krOn.  49  des 
erhöcht.      50  kyrjeleyson.      53  herre.  crist.  strenge.     55  kommpt. 


—    166    — 

so  wir  all  muszen  off  die  feurt 

ich  man  dich  an  din  bittern  dott, 

den  du  für  all  sonder  hast  geton, 

du  helffest  uns  usz  aller  nott, 
60  das  wir  des  werden  fro  on  wan, 

wann  du  daruinb  her  komen  bist 

Du  bist  her  komen  in  solichen  dingen, 

in  gut  und  in  barmhertzigkeit, 

das  du  das  gesetz  wolst  volbringen 
65  und  nit  zurstoren  (das  wer  dir  leyt), 

da  du  dem  schecher  detest  gnaden  sohin 

amm  crutz,  da  er  sich  entphall  dir  da: 

er  gab  dir  zwar  die  sele  sin,  Fol.  50 

des'  ward  er  in  himelrych  fro: 
70   des  las  mich  gnieszen,  herr  Jhesu  Grist 

Ich  man  dich  auch  der  barmug  me, 

als  du  detist  an  Maria  da, 

da  sie  dich  bat  mit  groszem  fle, 

das  du  ir  vergehst  ir  sund  alda: 
75  sie  waz  behafft  mit  siben  dottsunden, 

sie  wer  erdruncken  in  meris  unden, 

in  jamers  baoh,  in  groszen  lunden, 

wann  du  der  auch  ein  helffer  bist 

Herr,  ich  man  dich  der  barmug  me, 
80  als  du  vergabst  der  offen  sunderinn 

mit  namen  Maria  Egiptiace, 

der  verlihest  du  din  gottlich  mynn, 

on  die  sie  nit  mocht  das  gethun: 

sie  bust  ir  sunde  hertlich  da, 
85  des  erwarb  sie  diu  göttlich  sun; 

sie  ward  des  zwar  in  hertzen  fro. 

herr,  las  mich  des  auch  werden  inn ! 

Auch,  herr,  dem  armen  <  freulin  zart, 

56  müszen.  60  fro  fehlt.  63  in  nach  und  fehlt  65  zürst-. 
67  crütz.  dir  fehlt  69  hiemelryoh.  70  genieszon.  crist  72  maria. 
75  sunde :  ynden :  landen.  77  iamers.  80  sundeijn.  81  mana  egip- 
tiace.    82  myne.     84  da,  a  aus  o  oorrigiert     87  jnne. 


—    166    — 

gein  dem  die  jaden  dragen  nyt, 
90  werst  da  ir  aaob  gewesen  hart, 

za  swer  wer  ir  gewesen  der  stiyt 

gein  dir  and  yn,  das  wisz  vorwar: 

sie  wolten  sie  versteynen. 

es  hett  sie  nit  gholffen  amb  ein  bar, 
95  wan  din  gottlicb  lib  meynen; 

des  brachst  da  sie  in  freaden  inn. 

Her,  las  micb  des  aaob  geniesszen:         Repo. 

bast  du  den  allen  vergeben  ir  sande, 

tbu  mir  das  also  erspriesszen 
100  and  wirf  mir  ab  myn  grosze  lande, 

die  sweren  sand,  die  ich  da  trag, 

wann  sie  mich  besweren  allen  tag, 

das  der  tafel  nit  dartiat^h  frag: 

das  bit  ich  dich  dareh  din  götlioh  mynn. 

105  0  werde  mater  der  cristenheit, 

du  advocat  und  farsprecherinne ! 

wenn  ans  der  tafel  wil  tan  leyt, 

tha  ans  schin,  firaw,  din  libe  mynne: 

vorste  ans  na  vor  des  tufels  list, 
110  wenn  er  kompt  mit  so  grymmes  zorn; 

dann  da  uns  zwar  des  schuldig  bist. 

hilf,  das  wir  yt  werden  verlorn, 

behut  uns,  fraw,  vor  hertzeleyt. 

Nu  byt  mit  emest  far  ans  da, 
115  wann  er  ist  als  barmhertzig  gar, 

als  er  die  Stadt  Sodoma 

ertrencken  wolt  mit  far  für  war» 

und  da  Abraham  bat  far  sie:  «herr,  las  sy  fry, 

las  ab  din  zorn  und  mach  sie  fro*. 
120  9  Abraham,  besieh,  ob  keyner  onder  in  sy, 

der  on  sund  und  schand  sy  alda: 

ich  wil  vergessen  da  myn  zorn*.  — 

Ach  werde  frucht  der  barmhertzigkeit,    Repo. 

89  luden.  94  geholffen.  96  jnne.  101  trage.  103  ti&fel.  frage. 
106  fiirsprecbeTJDe.  107  tdfel.  108  lib.  109  rorstee.  tüfeb« 
112    yet.     lia  Behiit     114  emst  für.     U7  fuwer.      118  «brahimi. 


—     167     — 

las  uQs  dir  entphollen  sin, 
125  du  fraw,  muter,  jungfrealiche  meydt! 
wann  zwar  wir  sint  gar  eygen  din; 
du  bist  dartzu  vom  vatter  erkorn , 
das  du  vorsangt  dins  sones  zorn, 
das  wir  yoht  werden  der  helle  geborn: 
130  des  hilfF  uns,  Maria,  reync  meydt! 


XL. 


D. 


Fol.  50^ 


^es  himels  vogt  und  höchster  keiser, 

las  gein  uns  ab  dyneo  zorn! 

dioh  ruffet  an  myn  stymme  heyser: 

wir  sint  nmbgeben  neben  and  fom 
5  mit  wildem  wag,  der  sere  watet 

unde  auch  mit  starcken  winden. 

wo  uns  din  gnte  nit  behütet,. 

wo  soln  wir  armen  hilffe  vinden? 

sint  du  allein  der  iMprang  bist, 
10   Usz  dem  alle  tngent  flösset, 

gnad  und  auch  barmhertzigkeil, 

des  manche  oreatar  genasazet 

und  hat  genosazen  mit  oodersoheit 

her  Tsaac  was  dem  swerdte  geben 
15  und  Daniel  siben  leuwen  dar,.  Fol.  51 

Noe  must  auch  in  elend  sweben : 

die  lost  din  barmang  alle  gar; 

alsz  lose  ans  auch,  berr  Jbesa  Grist! 

Snsanna  gar  verteilet  was 
20  zu  dem  tod.and  solde  sterben: 

din  gut  ir  halff,  das  sie  geoasz. 

auch  liesz  din  gnade  nit  verderben 

125  muter.     128  yorsunest.     130  maria. 

Mit  Melodie.  1  hiemels.  3  ruffSet.  stym.  5  sex  wütet:  behütet. 
6  Und.  7  gut.  10  flüszet :  genüsszet.  14  ysaao.  swerdt  16  müst. 
17  barmug  h'r.     18    löse,  crist  21   gut.      22  gnad. 


—     168    — 

hern  Joseph  in  Egipten  lant^ 
der  lange  zyt  gefangen  lag, 
25  din  hilffe  wardt  ym  aaoh  bekant: 
des  bisz,  herre,  na  gemant, 
und  hilff  mit  gnaden  uns  an  das  lant; 
wann  din  gewalt  ye  gnaden  phlag. 

uns  beschribet  auch  her  Daniel,  Fol  51^ 

30  wie  das  din  barmag  kam  zn  sture 

den,  die  nit  wolten  an  betten  Bei, 

dryen  kinden  in  dem  fiire, 

das  in  die  hitze  det  keyn  pin; 

die  heyszer  all  verbranten  da. 
35  des  lobten  sie  den  namen  din 

in  dem  offen  mit  gesange  ho, 

als  wir  den  noch  beschriben  bant. 

Din  barmung  anoh  zn  hilffe  kam 

hern  Jonas,  der  verborgen  was 
40  dry  tag  in  eynes  fisohes  wamm, 

das  er  gesnntlich  da  genasz. 

snsz  lost  din  milte  auch  das  here 

der  Tsrahelisoher  diet  vil  gar 

und  fürt  sie  drucken  dnroh  das  mere 
45  und  erdrencket  Pharaonis  sohar: 

snsz  wart  sin  drutz  in  leyt  gewant. 

Man  fint  dinr  barmung  vil  und  *me 

beschrieben  an  manchen  enden 

in  alter  und  in  nuwer  e. 
50  nu  wolst  uns,  herr,  den  engel  senden, 

der  Thobias  sone  behut 

vor  leyd  und  auch  vor  smertzen. 

mach  unser  end  und  walfart  gut, 

uns  auch  vor  allen  sunden  frut 
55  durch  dynen  dott  und  dures  blut, 

wann  es  ist  usz  dem  schertzen. 

23  egipten.  25  hilff.  26  h'er.  29  besohribi.  31  bei. 
32  fuwer.  33  hitz.  39  Jonas.  40  warne.  42  Süsz.  milt.  43  ys- 
rahelischer.  45  erdrenokt  pharaonia.  49  nüwer  ee.  51  thobias  bohüt. 
55  düres. 


—    169    — 

0  herr,  vatter  allr  barmhertzickeit, 

durch  din  hoen  namen  dry 

und  durch  din  muter,  di  reyne  meyt, 
^0  so  bisz  uns,  herr,  mit  hilffe  by! 

wir  Sweben  hie  uff  wildem  mer 

in  groszem  kommer  alls  drostes  bar. 

langes  leben  uns  bescher, 

bisz  wir  unser  sund  gebuszen  gar 
65  und  erwerben,  herr,  die  hulde  din. 

Maria,  lichter  meris  stem, 

bit  din  usz  erweltis  kint, 

das  er  uns  all  woU  gewern 

und  verlihen  uns  ein  seligen  wint, 
70  der  uns  leid  usz  dieser  hab 

vollent  uff  das  heiige  laut 

und  fnrbas  zu  dem  heiligen  grab, 

da  dynem  hertzen  wart  bekant 

vil  swerer  klage  und  sender  pin. 
*75  0  wirdger  apostel  sant  Jacob, 

bit  für  uns  den  werden  Gryst! 

du  hast  verdient  solch  wird  und  lob, 

das  du  macht  helffen  zu  aller  frist 

den,  di  dich  in  noten  mffen  an: 
80  nu  lose  uns  hie  usz  j&mers  band, 

las  uns  nit  lenger  hie  bestan; 

wan  unser  wallfiurt  sy  gethon, 

so  geleid  uns  mit  der  gnaden  von, 

frolich  wieder  heim  zu  land. 

85  Disz  gedichte  wart  gemacht 

in  vil  gröszem  ungemach. 

es  was  wol  umbe  mittenacht, 

da  kam  eynr  gangen  unde  sprach: 

«Stent  uff  balde,  ir  bilgerin, 
90  und  ruffent  an  den  werden  gott; 

eyn  gruszlichs  wetter  get  darin,  Fol.  52 

57  aller.  59  muter.  62  alles.  68  wöU.  70  leid.  75  wirdiger. 
76  cryst.  77  solich.  79  nöten.  80  löse,  iamers.  84  lande.  85  gedieht 
87  ymb.     88  eyn*.  und.     91   gruszlichs.  daijn. 


—     170    — 

wir  haben  hie  iu  grosser  not^. 

da  was  geriszen  auch  entzwey 

Eyn  seyl,  das  was  dick  manigfaoh, 
95  daran  der  ancker  hafft, 

der  dieff  in  meris  gründe  lach; 

grosz  wint  het  das  geschafft, 

der  anoh  den  ancker  het  gestreckt, 

der  von  rechte  was  gebogen, 
•  100  das  mich  nnd  manchen  da  ersreckt, 

das  ist  war  und  ungelogen. 

da  bettet  pfaffe  unde  ley. 

Fnrbas  sprach  derselbe  man: 

«man  wil  ein  pilgrin  machen, 
105  der  sol  zu  sant  Jacob  gan, 

das  er  uns  helff  in  diesen  sacken*. 

eyn  yeder  gab  sin  stur  dartzu, 

das  det  man  da  vil  gern. 

darnach  vil  schir  gewonn  wir  ru, 
110  des  bisz  gelobt,  herr,  nmmer  und  nu 

und  wolst  uns  furbas  gnade  thu: 

dins  drosts  mag  nymant  enbern. 

Also  hat  uns  gott  der  herr  geholffen 

(des  musz  er  ummer  globet  sin) 
115  usz  Soryer  laut  von  wildem  golffen. 

eyn  schiff  das  hilt  uns  nahe  by, 

darinn  vil  der  heyden  was, 

das  zu  stucken  da  znrbrach, 

das  ir  keyner  da  genasz, 
120  wann  eynr,  den  da  vjl  mancher  sach; 

derselb  in  unser  schiffe  kam. 

Sin  lip  was  vil  ser  zurstoszen, 

das  las  also  ich  hine  gan, 

wann  ettlich  beiden,  sin  genoszen, 
125  haut  zu  leyd  mir  vil  gethon, 

das  mich  nit  mer  verlanget  dar. 

99    recht.     102  pfaff.    104  pilgerjn.     107    stuwer     108   gerne. 
111    ^nad.     114    gelobet.     117    Parjnq.     120  eyner.     125    leyde» 


—     171     — 

manig  esel  ich  da  ryten  phlag, 

die  konden  struchen  alle  gar: 

vil  dicke  ich  uff  den  steynen  lag, 
130  ich  het  mich  nah  gefallen  lam. 

Wann  ich  dem  esel  gab  ein  slach, 

so  kam  gelauffen  der  Sarazin; 

er  sprach:  „vil  bald  hab  din  gemach*. 

vil  offt  mnst  ich  sin  marras  sin; 
135  als  dick  ich  uff  den  esel  sasz, 

als  offt  wolt  er  ein  groszen  han; 

dammb  masz  ich  yn  dragen  hasz. 

ich  docht:  wie  mag  sich  fugen  das? 

ich  han  geritten  dick  vil  basz, 
140  das  ich  solicbs  kratzens  was  erlon. 

Herr  Jhesu  Crist,  ich  man  aber  dich 

des  elends  und  der  martel  din, 

das  du  von  sunden  kerest  mich: 

las  dir  myn  sei  entphollen  sin. 
145  ich  han  gesundet  leider  vil, 

der  weit  gedinet  lange  zyt, 

das  ich  nye  bedacht  das  zil,  Fol.  52^ 

das  mir  der  dot  so  nahe  lit: 

des  wolst  mich,  herre,  blicken  an 
150  Mit  den  angen  dynr  barmhertzikeit, 

als  du  sant  Peter  ane  se, 

das  ich  gewynn  solch  ru  und  leyt 

umb  myne  sund  und  mir  gesohe, 

als  dem  schecher  da  gesohaoh, 
155  der  by  dir  an  dem  crutze  hing» 

dem  du  benempt  grosz  ungemaoh 

und  yn  miltiglioh  entphing 

zu  groszen  freuden  sunder  wan. 

Maria,  aller  sunder  drost, 
160  nu  bit  ich  dich  mit  Innigkeit! 

127  MaDige.  128  struchen.  131  slag.  132  Sarazen.  133  ge- 
mag.  141  crist.  143  du  fehlt.  147  zieL  149  Das  wölst.h*r.  150  dyner. 
151   Sant  peter.  seh.     152  solioh.     153  my.  geschee. 


—     172    — 

din  gut  Theopholum  erlost; 
na  hilff  auch  mir,  vil  reyne  meydt, 
und  las  mioh  scheiden  nit  von  hiilh, 
ich  hab  vor  dines  kindes  hnlde, 
165  die  macht  du  vil  wol  mir  gewynn, 
du  hast  die  macht  und  auch  die  sinn: 
hilff,  das  ich  gentzlich  endrinn 
der  hell  und  busze  hie  min  snnde! 

161   gut.      163  hinne :  gewynen :  endrin.     168  busz. 


ANMEEKÜNGEN. 


i. 

1 — 7.  Die  verwirrte  Abteilung  dieser  Zeilen  in  der  Hs.  hat 
die  Initiale  verarsaoht.  Weinhold  hat  1  and  2  zasanimengeschrie- 
ben,  ebenso  Bartsoh^).  Aber  mehr  Wahrscheinlichkeit  als  eine 
dieser  zwei  Abteilangen  scheint  mir  jetzt  eine  andere  zu  haben. 
Es  war  sehr  gebräuchlich,  Gedichtanf&nge  durch  Reimhäufungen 
hervorzuheben  (vgl.  Schneider,  deutsche  Verskunst  156  und  172) ; 
so  liessen  sich  auch  hier  Mittelreime  setzen: 

An  dich  ffederikhm  hat  erhikh(t) 

das  Üben  min  itsa  aUer  pin^ 

trüt  keisertn!  min  muotf  min  sin 

uff  endes  zil  dient  dir  sicherlich. 
Nun  haben  alle  Verse  ihren  Reim,  denn  die  Correctur  des 
letzten  ist  nicht  anstOssig,  da  A  auch  9,  17  leherUchen  f^T  leker- 
lieh  geschrieben  hat;  zu  erkikht  vgl.  Abh.  IV,  p.  169  und  178. 
Auch  die  Vierhebigkeit  der  Zeile  ist  hergestellt,  die  letzte  allein 
hat  eine  überzählige  Senkung;  doch  das  kommt  bei  Hugo  auch 
sonst  vor.  Nur  die  umarmende  Stellung  der  Endreime  bleibt 
noch  auffallend,  die  aber  immerhin  besser  sein  wird  als  der  vier- 
fache Reim  vor  zwei  Waisen  neben  den  andern  Unregelmässig- 
keiten der  früheren  Fassung.  Endlich  hat  diese  Abteilung  noch 
den  Vorteil,  dass  sie  der  der  Hs.  am  nächsten  steht:  danach  hätte 
der  Schreiber  nur  an  einer  einzigen  Stelle  gefehlt,  indem  er  vor 
min  muotf  statt  vor  trüt  trennte. 

lieber  fcA,  kch  vgl.  Abh.  IV,  169.  W  normalisiert  nach  mhd. 
Gebrauch;  auch  ich  wollte  ihm  atifänglich  darin  nachfolgen,  über- 


^1  Ich  bezeichne    fortan   bei   der  Yergleichnng  meines  Textes   mit  dorn 
Weinholds  und  Bartsch'  den  erstem  mit  W,  den  letztem  mit  B. 


—    174    - 

I 

zeugte  mich  aber  bald,  wie  sehr  Prof.  Heinzel  Recht  hatte,  wenn 
er  mir  riet,  sie  stehen  zu  lassen.  Ein  ck  begegnet  in  der  ganzen  Hs. 
nicht,  ausser  in  Nr.  39  und  40.  Auch  B  hält  sich  meist  an  das 
Mhd.,  schreibt  also  gedenken  1,  1;  dicke  31,  138,  gelüche  232; 
blicke  iwicke  2%^  biQ\  daneben  aber  auch  zuweilen  52tfeen  21,  12; 
31,  145  Äfc;  31,  256;  37,  7,  47,  50  geliOc-,  38,  27  p/tfc,  20  wiken^ 
(»7  waker;  37,  1  wek^  ja  auch  gedenkhen  5,  336;  dikch  38,  8 
etc.,  während  die  Hs.  in  allen  angeführten  Fällen  gleichmässig  khy 
kch  zeigt.  Wer  die  ch  in  werch  etc.  bewahrt,  muss  auch  werkh 
u.  dgl.  acceptieren. 

4.  keiserin^  ,, unbestimmt  lobend^;  das  Subst  u  Adj.  ist  in 
dieser  spätem  Zeit  allgemein,  über  den  frühern  Gebrauch  vgl.  Haupt 
zu  Engelh.  863. 

6  häuüge  Umschreibung:  ich  förcht  es  ist  meins  endes  zU 
Ambr.  LB.  101,  1*^;  det^  dein  bis  uff  meins  endes  zil  Hätzl.  II, 
41,  10;  Spieg.  117,  16;  zur  ganzen  St.  vgl.  Hätzl.  36,  5  wenn 
ich  ir  Ueb  bedencke^  so  hob  irh  fräd'n  vil ;  von  ir  will  ich  nit 
wencken  bis  uff  meins  endes  zil 

8.  W  und  B  ouch;  vgl.  jedoch  Abh.  IV,  157.  B  oonigiert 
sonst  hsl.  au  in  o  (o)  :  och  1,  52,  81)  etc,  aber  2,  128  steht  wieder 
ouch;  4,  67;  3l,  21  gar  attchf  doch  wohl  nur  aus  Versehen?  —  Die 
Hs.  bietet  dz  hertze^  wofür  daz^  welches  noch  häufig  genug  belegt 
(s.  IV,  162),  zu  setzen  ist;  denn,  wo  zwischen  zwei  Formen  die 
Wahl,  ist  immer  die  ältere  zu  nehmen,  da  sie  dem  Dichter  mehr 
entspricht  als  den  jungem  Schreibern;  daza  ist  bekannt,  dass  sieh 
daz  am  längsten  in  der  Abkürzung  erhalten  hat  (vgl.  Uhland, 
Volksl.  I,  2,  993 ;  Weizsäcker  d.  Reichst  Acte,  Eiol.  69).  B  löste 
es  hier  und  meistens  in  das  auf;  aber  25,  141;  5,  243  bldbt  dz 
stehen,  während  11,  31  das  hsl.  an  dz  zu  anz^  32,  227  man  dz 
zu  mans  wird.  —  Die  Aufeinanderfolge  von  das  und  daa  in  derselben 
Zeile  hat  nichts  auf  sich,  vgl.  z.  B.  5,  30  oder  Hugo's  Urk.  vom  27^. 
1422  (Sitz.  Ber.  IX,  853).  —  B  herze  und  so  meist  z  für  tz; 
aber  1,  14;  7,  15  gantze;  1,  80,  83  hertz;  5,  59  swarizei 
;>,  155  kwrtz;  31,  119unte,  185  Pregentz;  H8,  181  -hertzihHf^ 
1 86  viertzehn  u.  a.  Die  tz  für  hartes  z  sind  überall  zu  bewahren, 
denn  sie  unterscheiden  es  von  weichem  z  im  In-  und  Auslaut,  findea 
sich  in  allen  Schriften  dieser  Zeit  und  werden  von  unseren  Sohrm« 
bem  consequent  verwendet  (Abh.  IH,  114  und  IV,  162).  Zarncke  läasi 
sie  schon  im  Tit.,  und  Brant  hat  noch  Hugo's  Standpunkt  (p.  28 1). 


—     175    — 

9.  W  teglichen  wie  37  unmuglich.  Da  ich  im  Satze  e  oicht  in 
ausreichender  Anzahl  zur  Verfügung  hatte,  markierte  ich  sie  durch  ^. 

10.  W  und  B  mity  ebenso  vereinfachen  sie  in  gott :  gebott 
etc.  die  hsl.  tf,  welche  die  übereinstimmende  Ueberlieferung  der 
Schreiber  A,  B,  C  mit  den  Urkunden  überall  sichert.  Wir  stossen 
hier  auf  eine  prinoipielle  Frage:  woher  kommen  die  Doppeloonso- 
nanzen  in  der  nachmhd.  Zeit?  (die  Literatur  bei  Weizsäcker  und 
Strauch,  Langmann  p.  20^  Die  Erklärung  Weizsäckers,  dass  die 
Schreiber  mit  den  vielen  Consonanzdoppelungen  die  Zeilen  füllen 
wollten,  nach  denen  sie  bezahlt  wurden,  befriedigt  nicht  und  ist 
bei  einem  Gedichte,  wo  die  Zeilen  nicht  ausgeschrieben  wurden, 
unmöglich.  Mir  scheinen  Reime  wie  sit^e  :  damitte  Mart.  14,  79; 
spotte :  gehotte  109,  101  und  die  aus  Hugo  Abh.  IV,  14H,  159  ange- 
führten deutlich  genug  zu  lehren,  dass  die  Geminationen  mit  der 
neuen  Sprachentwicklung  zusammenhängen  und  innere  Berechtigung 
haben.  £s  darf  daher  nicht  gote  für  gotte^  eteVch  für  etfelich^ 
solich  für  sollich  etc.  geschrieben  werden,  wie  Weizs.  in  den  Ur- 
kunden und  B  bei  Montf.  getan  haben.  War  die  Gemination  im 
Inl.  fest  geworden,  konnte  sie  auch  im  Ausl.  erscheinen,  sobald 
das  mhd.  Auslautgesetz  seine  Geltung  verloren  hatte.  Uebrigens 
lässt  auch  B  mitunter  gott  3,  1;  13,  31;  18,  203;  13,  41 ;  27, 
209,  221;  28,  669  neben  pitt  28,  665,  72ö  u.  dgl.  m.,  ja  13,  31, 
41  steht  gott  für  das  hsl.  got^  während  er  sonst  die  tt  vpr  voc. 
und  cons.  Anlaut  des  nächsten  Wortes  streicht 

11.  W  truwen  :  ruwen^  er  setzt  überhaupt  meist  die  unum- 
gelauteten  Formen:  ein  paar  zweifelhafte  Reime  und  der  Schreiber 
A  haben  ihn  irre  geführt. 

13.  B  mmer^  er  corrigiert  überall  auf  18,  173;  29,  70  ge- 
stützt (s.  seine  Einl.  p.  12)  imer^  nimer  gegen  die  Ueberlieferung. 
Aber  jene  beiden  Reime  können  gegen  das  übereinstimmende  Zeug- 
nis von  A,  B  und  G  nicht  aufkommen,  da  iemer^  niemer  keine 
bair.  Formen  sind;  dazu  werden  die  ie  durch  die  al.  Urk.  oft  be- 
legt (vgl.  z.  B.  *die  von  23y^.  1386,  Arch.  I,  p.  134) ,  ebenso 
durch  das  unserm  Dichter  zeitlich  und  örtlich  zunächst  stehende 
Gedicht,  durch  das  Netz:  iemer  73,  97,  100,  136,  235  etc.  neben 
imer  335,  857  etc.,  wie  durch  andere  al.  Dkm.;  in  Flore  z.  B. 
ist  imer  durch  3675  bewiesen,  nichts  desto  weniger  lässt  Sommer 
iemer^  niemer  überall  stehen,  wo  keine  äussere  Veranlassung  (vgl. 
Lachm.  zu  Iw.  6670,  Haupt  zu  Er.  3255)  zur  Aenderung  vorliegt. 


—    176    — 

14.  W  gang^  so  dass  die  erste  Silbe  ohne  Not  Hebong 
und  Senkung  tragen  müsste. 

16:  ,  appelliere  an  Oott^;  zu  dem  einen  Beleg  bei  Lexer  vgL 
Dyodetian  1,  1170  und  züh»  das  an  den  werden  krist^  das 
wir  zuo  keinen  stunden  etc.;  1,  2677  das  ziihe  ich  an  den  wes'~ 
den  got^  das  ich  dir  nie  kein  lügen  seit.  Mönoh  von  Sabsb. 
(Waok.  KL.)  575,  2  ich  zeuch  michs  an  den  werden  got^  das  mir 
nye  man  ist  worden  holt.  —  W  bessert  zuJ^^  aber  kaum  mit  Recht, 
denn  auoh  ziehen :  liegen  29,  137  weist  auf  ein  ziegen  (s.  p.  1 68). 

18.  W  für  al  die  welt^  doch  ist  die  Gorrectur  nicht  zul&asig» 
da  die  Stelle  26,  9  wiederkehrt,  auch  anderwärts  häufig  zu  belegen 
ist:  vgl.  Boner  12,  11;  Moerin  3865,  5361;  HäUl.  13,  9  etc. 

18,  19  vgl  Hätzl.  86,  9  sy  lieht  mir  yefür  aU  dis  weit,  ich 
hofff  ich  vind  des  widergelt. 

21.  widergelts  Hs.,  W  dafür  din;  aber  weder  der  Inhalt  noch 
der  zweisilbig  verschleifbare  Auftact  verlangt  eine  Aenderung;  vgl. 
auoh  3,  84. 

24.  stSükait'l  steti  tuot  W,  was  mir  sehr  gelungen  scheint; 
denn  stStikait  aus  st^titüt  ist  graphisch  leicht  erklärlich,  und 
meren  tuon  findet  sich  2,  86;  37,  7.  B  macht  einen  unreinen 
Reim  eren  :  meret  und  beruft  sich  dabei  auf  geheftet  (:  glesUn) 
28,  554,  der  aber  zweifelhaft  ist  (vgl.  Abb.  IV,  178),  dazu  gehört 
Nr.  1  zu  den  correctesten,  Nr.  28  zu  den  schlanderhaftesten  Gre- 
dichten.  Zu  18 — 24  vgl.  Hätzl.  II,  12,361  nmn  lieb  ist  ungemessen, 
die  ich  gen  im  in  triven  trag^  und  meret  sich  von  tag  zu  tag 
mit  stätter  triv  on  widerker,  Tit.  1404  sin  pris  von  tag  zu  tags 
sich  ie  meret 

25.  W  bltiegender,  B  bluender,  Hs.  blüy ender,  y^^j,  nicht 
=  g;  5,  152;  24,  107  etc.  setzt  auch  B  muej^  tuej  f&r  das  hsl. 
muy,  tüy,  —  die  Synk.  bluender  hätte  niehts  besonders;  da  aber 
durchweg  nur  bluejender  belegt  ist  (18,  188;  34,  23),  teilte  ich 
mit  Rücksicht  auf  Hugo's  Metrik  Weinholds  Vorsicht. 

26.  W  minem;  vgl    1,  17,  80;   18,  262;  dann  4,  91  etc. 

29.  zartes  bild,  vgl.  29,  43 ;  Hätzl.  58,  8  zärtliches  bild.  — 
Ueber  obedach  s.  Jänicke  zu  Wolfd.  B  905,  2. 

30.  W  suech  (auch  75)  ist  ohne  jede  Gewähr.  W  ler  :sr 
(auch  40),  sinn :  kunlgin  43,  minn  :  brinn  54  etc. ;  vgl.  aber,  was 
in  Abb.  V  zu  den  dreihebigen  stumpfen  Versen  gesagt  wurde. 

31.  B  hüete,   stellt  also  Auftact  her;  aber  das  erste  Wort 


—    177    ^ 

ist  für  die  Hebg.  betont  genug,  und  der  vorausgehende  Vers  gleich- 
falls auftactlos,  was  zwar  wenig  bedeuten  will,  da  sich  die  Dichter  an 
die  Gleichmässigkeit  des  Auftactes  nicht  banden  (vgl.  Abh.y,  204); 
ob  sie  aber  gar  nicht  darauf  achteten,  ist  bei  einem  Liede  wie 
Nr.  12  oder  bei  einer  Rede  wie  Suchenw.  Nr.  23  immerhin  zu  be- 
zweifeln. Man  wird  überhaupt  oft  schwanken  können,  obAuftact  her- 
zustellen sei  oder  nicht,  ich  stimme  im  allgemeinen  mit  Weinhold.  — 
In  Mete  schreibt  B  üe^  ebenso  in  müest  47,  süessen  54;  2,  5;  ^^- 
blüemten  2,  143;  müej  5, 152,  wüestent  277,  282;  rüemser  11,37; 
behäet  18,  203,  272;  vgl.  noch  18,  204;  24,  107;  33,  87,  in 
den  meisten  andern  Fällen  aber  ue^  welches  der  gleiohmässigen 
üeberlieferung  zu  Folge  allein  berechtigt  ist  (vgl.  Abh.  IV,  158). 
34 — 38.  36  ergänzt  W  din  vor  sicherlich^  B  het;  aber  da- 
durch entsteht  zweisilb.  Auft.  und  zugleich  fehlende  Senk.  Die  Hsr 
gibt  guten  Sinn:  d.  s.  dar.  ged.,  dass  Ehre  niemand  bezahlen  kann: 
wäre  alles,  was  der  helle  Tag  überscheint,  wahrhaft  (wirklich,  nicht 
nur  scheinbar  wertvoll),  so  wäre  es  doch  unmöglich,  dass  sie  (d. 
Ehre)  damit  vergolten  wäre.  —  37  W  unmuglichy  das  B  annimmt : 
unmüglich\  allein  wer  9  tegelichen  corrigiert,  wird  auch  hier  ww- 
mügelich  zu  setzen  haben  (vgl.  auch  25,  71),  das  z.  B«  bei 
Heinr.  v.  Neust.  Ap.  3859  und  noch  bei  Laufb.  705,  \Q  {vor  got 
ist  nüt  unmügelich)  vorkommt.  —  38  mit  verg,  W,  auch  B.  (In 
meinem  Text  schreibe  «i,  ebenso  2,  38;  4,  136,  187. 

40.  W  des  statt  dw,  B  volge;  aber  37  betont  er  ^s  wer, 

41.  W  frou  (ebenso  81),  B  fro  gegen  die  Hs.;  vgl.  aber  18, 
215  fr ow  Even,  auch  B;  Moer.  474  frow  Venus  ^  ebenso  1986 
frow  Eff;  Spieg.  192,  9  frow  Er. 

42.  W  streicht  die.  —  B  hat  muoss^  Hs.  "SZ,  und  ähnliche  Ver- 
sehen öfter,  z.  B.  2,  25  groszen  B,  grossen  Hs.;  2,  78  lasz  B, 
lass  Hs.;  4,  60  muesst  B,  must  Hs.;  24,  109  mass  B,  masz  Hs.; 
24,  119  ungebuesst  B,  -bueszt  Hs.  etc. 

43.  Streiche  das  Gomma. 

44.  gich,  so  hat  auch  die  Grazer  Abschrift  und  daher  auch  W$ 
allein  die  nochmalige  GoUation  meines  gedruckten  Textes  mit  der 
Hs.  ergab  sich\  in  ähnlicher  Fügung  steht  sehen  20,  9,  u.  0.,  es 
entspricht  nemen  2,  10;  35,  15  etc.;  Freid.  (Bezzenberger)  142,  11 
ich  naeme  der  nahtegalen  sanc  für  der  süezen  harpfen  klanc, 

45.  B  höchste  9  Hs.  höchste  wie  auch  B  36,  3,  28.  —  Lies 
hü/neginne, 

Wackemell,  Montfort.  12 


—    178    — 

46.  B  weüichj  dazu  in  der  Anmerkang  der  Nachweis,  dass 
weltlich  für  waetUch  stehe.  Das  ist  richtig;  aber  etwas  ganz  an- 
deres ist  die  Frage,  ob  deswegen  im  Texte  auch  zn  ändern  sei  weP- 
Uch  erscheint  in  derHs.  niemals,  dafür  weltlich  noch  3, 18;  18,  106; 
37,  38,  also  bei  A  und  B;  da  den  Schreibern  sonst  absichtliche 
Aendemngen  dieser  Art  nicht  nachzuweisen  sind,  müsste  man  an- 
nehmen, dass  sich  beide  so  oft  bei  demselben  Worte  verschrie-' 
ben  haben,  und  das  ist  sehr  unwahrscheinlich,  vielmehr  erblicke 
ich  hier  einen  Beitrag  zu  den  von  Jänicke  (Wolfd.  D  VII,  66)  ge- 
sammelten Belegen,  welche  zeigen,  dass  in  den  spätem  Gedichten 
die  ursprünglichen  Bedeutungen  vieler  Epitheta  längst  schon  ver- 
loren gegangen,  und  diese  vielfach  zu  bedeutungslosem  Flitter  ge- 
worden sind ,  welcher  gedankenlos  oder  in  missverständlichen  Ver- 
wechslungen verbraucht  wurde.  —  W  dirre  ohne  Gewähr. 

48.  Hs.  und  W  hett^  B  het;  allein  «das  kurzvocalische  Jhatte, 
Gonj.  hette^  ist  in  alem.  Schriften  des  14.  und  15»  Jhds.  beliebt* 
MG.  p.  370,  AG.  p.  383.  —  6,  36;  17,  37;  18,  1 ;  32,  73  etc. 
lässt  auch  B  Jiett^  während  er  in  den  meisten  Fällen,  besonders 
vor  conson.  Anlaut,  het  corrigiert.  —  W  nicht  durchweg.  —  B  dine^ 
der  Auftact  ist  hier  um  so  misslicher,  weil  dadurch  ich  in  die 
Hebung  geschoben  wird. 

52.  W  OAich^  sonst  ouch. 

56.  W  em8t\  dann  stünde  aber  die  Hebg.  auf  mit  oder  Hebg 
und  Senkg.  auf  ernst;  auch  der  nächste  Vers  hat  Auftact 

57.  W  streich  doch^  wodurch  fehlende  Senkg.  oder  die  Betonung 
g^saeh  notwendig  würde. 

60.  W  glichy  wozu  ihn  wohl  5,  265  veranlasst  hat;  aber  4, 
160  steht  wie  hier  ^)  gleiche  als  adv.  Gen.,  in  dem  A  wie  öfler  e 
synkopierte  (vgl.  auch  bei  B  die  Anm.  zu  59). 

62.  W  erhom ,  s.  aber  verloren  :  t6ren  4 ,  153  etc. ,  Abh. 
IV,  147. 

64.  B  niemen.  B  hat  sich  aus  dem  alleinstehenden  Reime 
1/iiemen  :  achUemen  27,  114  den  Grundsatz  gebildet  (Einl.  p.  11), 
^niemen  durchzuführen,  und  nur  da,  wo  der  Ton  auf  der  zweiten 
Silbe  ruht,  nieman  zu  schreiben  ^.  Dasselbe  Verfahren  beobachtete 
er  auch  bei  Reinfrid.  —  Allein  was  Jänicke  damals,  bei  Reinfir.  dage- 
gen sagte  (Zs.  f.  d.  A.  1 7, 506),  gilt  auch  hier.   Wäre  ferner  Bartsch' 


^)  Id  den  Yarianten  bessere  gleiche  und  68  misstet. 


-     179    — 

Grandsatz  aach  der  Hago's  gewesen,  so  würden  sich  gewiss  ans  den 
vielen  niemen  des  Originals  einige  in  unserem  Cod.  erhalten  haben, 
wie  das  bei  den  din  neben  dein  etc.  oft  genug,  bei  ^men  aber 
nicht  der  Fall  ist;  dazu  beachten  nachweisbar  auch  andere  alem. 
Dichter  des  14.  und  15.  Jhds.  einen  solchen  Unterschied  zwischen 
Hebg.  und  Senkg.  nicht,  Boner  z.  B.  hat  Vor.  54  temmt  Aber  61^ 
24  n^man  etc.;  Netz  n/emm  459;  rUeman  82,  670,  696|  704, 
1575  eta;  Moer.  n^eman  4404  etc.;  auch  in  den  alem.  Urk.  meist 
rdeman  z.  B.  Arch.  I,  p.  137.  Nicht  anders  stehen  die  Dinge  bei 
bair.  Dichtem,  Hadam.  z.  B.  hat  nicht  nur  einmal  im  Reime  nümen^ 
sondern  oft  (Stejskal  p.  31)  und  trotzdem  in  der  Zeile  zahlreiche 
nteman  3,  4;  152,  3;*  158,  5;  165,  7;  etc.,  welche  der  Heraus- 
geber mit  Recht  bewahrt  hat  —  15,    125  Hess  auch  B  nieman. 

65,  66  gebraucht  Hugo  ein  Bild,  das  ursprünglich  wohl  nur 
für  die  Muttergottes  gemacht  worden  war.  —  W  weiz  :  kreiz^  wie 
8  mzZf  12  vergezze  etc.,  immer  nach  mhd.  Brauch;  vgl.  Abh.  IV, 
p.  162.  —  Für  zirkelkreiaz  hat  Lex.  III,  1134  nur  einen  Beleg. 

67,  68.  Aehnlioh  ermahnt  in  der  Hätzl.  U,  6,  190  eine 
Frau  ihren  Greliebten  zu  einem  frommen  Morgenanfang  ^  nachdem 
sie  ihm  zugesprochen,  sich  nicht  in  der  Schenke  finden  zu  lassen: 
{tmd  lasz  dich  nit  erfaren  fruo  in  der  tcU>erenl  ich  hört  es  un- 
geren^  so  man  mir  das  von  dir  aaitt.)  bis  aUe  tag  heraitt  des 
morgens  mit  dem  ersten^  und  hör  ze  lob  dem  hersten  mesz  lesen 
oder  singen. 

80.  W  miner. 

81.  B  streicht  eer^  was  ohne  Zweifel  den  Sinfi  bessert,  sonst 
müsste  msLufrow  Er  als  lobende  Anrede  an  die  Geliebte  fassen  oder 
auf  minne  beziehen,  was  anderswo  kaum  nachzuweisen  sein  dürfte. 

83.  W  verschlozzen^  sonst  auch  gegen  die  Hs.  beslozzen  13, 58. 

87.  W  swes  und  so  immer  swer^  swaz  etc.  (s.  dagegen  Abh. 
IV,  163). 

83—90.  Hätzl.  36,  17  ich  bin  ir  in  stäti£kait,  das  sol 
sy  wissen  zwar;  mein  dienst  die  sind  ir  ye  beraitt  LS.  244, 
313  ich  iemer  dienen  muoz  umb  Iren  rainen  milten  gruoz  ir 
bisz  an  min  endez  zil;  wie  si  gebuet  wnd  wil^  dez  bin  ieh  al 
zit  berait;  am  meisten  Aehnlichkeit  aber  hat  der  Schluss  von 
Hätzl.  Nr.  64  m,ein  hört,  nymm  war  der  iriuen  mein^  das  ich 
dein  aigens  aigen  bin  .  .  .  Juut  du  dann  zweif  eis  an  mir  icht^ 
nicht  Ictsz^  du  versuoche&t  müh^ 


—     180    — 

90  ist  ohne  Gregenreim  and  hat  auf  die  Vermutang  :g6braöht, 
dass  wenigstens  ein  Vers  fehle.     Anffallend  ist  die  reimlose  2ieile 
am  Sohlasse  jedenfalls,   am    so   mehr,   wenn   ioh  oben   den  Ein- 
gang des  Gedichtes  richtig  hergestellt  habe.  Bartsch'  Anm.  zn  89 
beweist  weder  etwas  dafär  noch  dagegen;  denn  ob  der  leere  Ranm 
dieser  Spalte  etwas   grösser   oder  kleiner,    ist  ganz   gleichgültig: 
gieng  eine  Zeile  verloren,  so  geschah  es  auf  dem  Wege  vom  Orig. 
zur  Gopie.   Freilich  hatte  B  einen  andern  Standpunkt,   da  er  den 
Cod.  Pal.  als  Original  ansah.  —  Ich  will  aber  darauf  hinweisen« 
dass  34,  30;  36,  28  der  zweite  Teil  dieses  Verses  wiederkehrt»  wo 
in  der  Flickzeile'  das  sag  (schrib)  ich  dir  mit  einem  wort  der  Gre- 
genreim liegt,  eine  Beteurung,   die  Hugo  gern  zu  solchem  Zwecke 
verwendet  (vgl   2,  139)  and  die  wohl  auch  hier  gestanden  haben 
könnte,   obgleich  sie  den  Schluss  nicht  poetischer  gemacht  hätte. 

n. 

Bergmann  bezog  (Landeskunde  von  Vorarlberg  p.  102)  die 
in  diesem  Gedichte  erzahlte  Liebeswerbung  auf  Hago*s  erste  Ge- 
mahlin. Das  lag  allerdings  nahe,  wird  aber  von  ihrem  Zusammen«- 
hange  mit  den  übrigen  Lebensverhältnissen  des  Dichters  negiert  (p. 
12  ff.);  wozu  noch  kommt,  dass  zwischen  dem  Tode  von  Marga- 
retha*s  erstem  Gemahle  und  ihrer  zweiten  Ehe  nicht  so  viel  Zeit  lag, 
dass  Hugo  jar  und  tag  herumreiten  konnte,  sich  Ritterschaft  zu 
erwerben  und  die  Welt  zu  sehen.  Das  und  die  ganze  Haltung  des 
Gedichtes  führt  von  selbst  auf  jene  Ausfahrt,  die  er  nach  5,  136 
im  14.  Lebensjahre  unternommen  hat.  Ulrich  v.  Lichtenstein  erkor 
sich  schon  im  zwölften  Jahre  seine  Frau,  der  er  dienen  wollte 
(Uhland,  Sehr.  V,  211);  Hadlaub  diente  seiner  Erwählten,  sit  dctz 
mr  beide  wären  kint ;  ähnlich  spricht  Neifen :  diu  mich  hdt  von 
kinde  her  gehimden  18,  27,  und  Marner:  ich  hin  der  si  meinet 
mit  triuwen  sit  von  minen  kintltchen  jdren  IV,  34. 

4.  B  lässt  das  hsl.  weib^  also  die  bairische  Form  des  Schrei- 
bers, ebenso  3,  65  sei;  25,  34  ewenkleich;  26,  28  weib;  28,  140; 
35,  38;  36,  7  sein;  38,  179  dein;  ferner  ain  5,  226;  schaiden 
8,  12;  rain  18,  45;  ain  28,  300,  601;  warhait  28,  491;  üppi-- 
kait  29,  176;  gemain  32,  159.  Da  auch  B  sonst  die  ei  (=-  i) 
und  ai  (==  ei)  tilgt,  und  in  den  angeführten  Fällen  nicht  der  ge- 
ringste Grund  für  ein  Ausnahmsverfahren  vorläge,  müssen  sie  wohl 
Als  Versehen  angesehen  werden.  —  B  umbeme  (vgl  110),  vielleioht 


—    181    — 

hat  er  so  gelesen;  denn  es  ist  in  der  Hs.  oft  nicht  deutlich,  ob  sie 
getrennt  oder  zusammengeschrieben  hat  Ich  merke  solche  Differen- 
zen fernerhin  nicht  mehr  an. 

11.  Besser  als  min  aunnen  achin  als  Apposition  zu  fassen, 
wird  es  vielleicht  sein,  das  vorausgehende  Gomma  zu  streichen  und 
nem  ich  herabzubeziehen. 

14.  Hs.  fett,  B  tet,  so  ändert  er  meist,  aber  in  Nr.  25  bleibt 
tett  ich  64,  113,  114,  123,  171,  175,  was  auf  die  Vermutung 
bringen  könnte,  dass  er  vor  Vocalanfang  des  nächsten  Wortes  tett 
bewahrt  habe;  allein  auch  das  kann  nicht  sein,  denn  24,  39 
schreibt  er  wieder  gegen  die  Hs.  tet  er,  24,  55  tet  es;  38,  50 
tet  ims  etc.,  ja  25,  171,  175  lässt  er  tett  ich,  das  er  gleich  dahinter 
25,  177  zu  tet  ich  oorrigiert. 

16  fehlt  eineSenkg.,  es  kann  weidenliche{n)  oder  wncfo  geschrie- 
ben werden,  letzteres  schien  das  einfachere,  ersteres  gäbe  eine  bessere 
Betonung.  Staufb.  550  die  schoene  frouwe  er  vor  im  sach  kluoc 
unde  weidenltche. 

17.  Dass  pflegen  mit  dem  Particip  statt  Infinitiv  stehe,  hat 
auch  B  angemerkt. 

22.  W  sagt  p.  134:  «es  ergibt  sich  daraus,  dass  er  (Hugo)  da- 
mals auf  Sewenherg  wohnte  •.  Aber  die  Hs.  hat  deutlich  atnenherg^ 
das  allegorisch  zu  nehmen  ist  wie  bei  Hadlaub  „Beuental^  im  Zu- 
sammenhange mit  9 Seufzenheim '^  und  , Sorgenrein*,  bei  dem  von 
Gliers» Trübenhausen*,  im  jung.  Titurel  «Freudental  undReuentaP; 
vgl.  Uhland,  ges.  Sehr.  V,  252  und  278,  der  auch  auf  unsern 
Hugo  verwies.  —  behusen  ist  am  ehesten  st.  Part  (s.  Abh.  IV, 
p.  178):  ,auf  Sehnenberg  häuslich  festgesetzt*;  auch  ein  was 
ich  könnte  vielleicht  wie  öfter  erg.  werden;  vgl.  29,  52  und  Su- 
chenw.  29,  78   da  pin  ich  wirt  und  wol  behaust, 

25.  und  fehlt  in  der  Hs.  und  bei  B,  ist  aber  ohne  Schwierigkeit 
(vgl.  2,  83;  18,  112,  113),  bessert  Zusammenhang  und  Vers. 

28.  wm  ist  in  den  Var.  zu  streichen  und  wenn  in  den  Text 
zu  setzen.  B  corrigiert  überall  wen ;  aber  alle  drei  Schreiber  über- 
liefern wenn,  vgl.  18,  48,  185;  38,  8,  dazu  den  beweisenden  Reim 
wennenierhennen  Mart.  45,  22,  AG.  $  204  und  Abh.  IV,  171. 
32.  todes  sterben,  dasselbe  auch  29,  64,  femer  im  Reinfrid 
5161,  15154,  20219;  vgl.  über  diese  Redensart  zu  Ortmt  C 
195,  4. 

35.  üeber  Schnee  und  Eis  als  Bild  der  Vergänglichkeit  vgl. 


—    182    — 

Strauch  za  Marner  XV,  237  und  0.  Zingerle  za  Sonnenbarg  IV, 
212. 

37  f.  LS.  24,  263  Syn  hertz  hegund  sich  smckm  und  dar 
nach  gedenken  mit  allen  ainen  sinnen  y  wie  er  möcht  gewinnen 
mit  gantzer  trü  iren  gunat, 

39.  B  tjüij  wird  wohl  nur  verdruckt  sein. 

46.  ^gndde^  vrowe  gndde  rieh,  genddet  mir  genaediclteh* 
redet  Lichtenstein  FD.  40,  21  seine  Geliebte  an. 

47.  B  corrigiert  üch  und  so  .immer  gegen  die  Hs.  Es  ist  nioht 
zu  erwarten,  dass  die  hsl.  Form  ü  durch  Reime  unterstützt  ist,  denn 
solche  sind  überhaupt  zu  selten;  aber  in  der  Zeile  sind  die  tu,  ü 
auch  in  späterer  Zeit  häufig,  vgl.  Mart.  32,  30,  47  etc.;  Boner  21, 
39;  23,  19;  in  einer  alem.  Hs.  des  14.  Jhds.  (Zingerle*s  Find- 
linge, Sitz.  Ber.  55,  p.  663  ff.)  begegnet  ü  30,  116,  118,  p.  669, 
43,  44,  45,  48,  51  u.  9. ;  auch  bei  bair.  Dichtern:  Herrand  2,  291 ; 
3,  303  (Kummer  p.  3);  Wolkenstein  ew  70,  1,  12  u.  ö. 

55.  ^uo  minem  gott^  unser  „bei  Gott*'. 

57.  mir  ist  auffallend  und  reizt  zum  Streichen,  vgl.  aber 
4y  65  und  Hätzl.  IJ,  27,  95   dae  ich  euch  mir  ansehen  solt 

58  ff.  Diese  Strafpredigt  der  Frau  wirft  kein  gutes  Licht  auf 
die  Liebesverhältnisse  jener  Zeit  und  stimmt  mit  den  Angaben 
anderer  Dichter:  Hadam.  533,  4  laeg  alliu  rehüu  triuwe  hie  ze 
häufen^  man  möhfe  si  mit  einem  mantel  decken;  Suchen w.  24,  283 
man  vind  ir  selten  airij  der  in  wirden  alt  und  an  der  Minn  sein 
trew  behalt 

59.  B  mit  der  Hs.  werichy  aber  es  begegnet  nur  bei  A  und  nur 
hier,  beim  Schreiber  B  und  C  nie  und  ist  dem  bair.  Dialekt  geläufiger 
als  dem  alem.  (MG.  p.  39),  bei  Suchw.  z.  B.  sind  die  werich^ 
durich  etc.  zahlreich. 

59,  60.  Suchenw.  40,  7  der  manich  mensch  mit  Sünden 
phligt  und  laider  gwr  tze  ringe  wigt 

62.  Diese  schlagreimartigen  Ausdrücke  sind  stehend  geworden  : 
liegen^  triegen  dicke  gdt  Freid.  165,  23;  liegen^  triegen  ist  ein 
eite^  dem  vil  der  werlde  volget  mite  ibid.  165,  21;  liegen^  triegen% 
smsichen  Tit.  1858;  ä/  liegen^  triegen  stdt  din  muot  Bon.  28, 
11,  bei  ihm  besonders  beliebt,  s.  33,  38;  55,  61;  63,  50;  Had. 
498,  7 ;  die  weit  ist  untrüwen  vol . .  mit  liegen^  triegen  kan  si 
wqI  Laufb.  794;  im  Netz  stelen^  liegen^  triegen  2373;  trüg :  lüg 


—    183    — 

1188  (ü  =  ie,  s.  Abh.  IV,  156).  Zum  Endreim  verwendet  bei 
Schärft).  HMS.  I,  349^ 

63  geacMhiheit  ist  bei  Lex.  nur  aas  Hugo  belegt  und  zwar 
als  „geacMbecheif^, 

65  f.  B  schämen: lamm.;  allein  der  viermal  gehobene  Vers 
ist  nicht  aufifallend,  sei  der  Reim  stumpf  oder  klmgend,  und  G-e- 
mination  des  m  gegen  mhd.  Gebrauch  begegnet  auch  beim  Schrei- 
ber B,  vgl.  Abh.  IV,  p.  146,  dann  Moer.  nammen  85,  122, 
achammlich  107  u.  a.;  Lauft),  ammen:  nammen  748,  2;  nam- 
menifiammeniachammen  737,  39,  u.  noch  a.  Hessen  sich  anführen 
bis  hinab  zu  Brants  nammen: schammen  (s.  Zarncke  p.  288).  — 
9in:\r  sollt  euch  eines  solchen  Betragens  schämen,  denn  es  ist 
a.  Gew.  lahm,  d.  h.  gewissenlos. 

70.  Schreibe  ddgen  und  vgl.  dhant  18,  157;  dwM  27,  36. 
Für  die  Inclination  vor  Vocalen  hat  die  Hs.  kein  Beispiel,  aber 
Zarncke  belegt  aus  Val.  HoUs.  diuden  (NS.  p.  290^),  ein  anderes 
bietet  Laufb.  708,  10  in  dougen. 

Zu  68 — 73  vgl.  Hadam.,  welcher  erschrickt,  als  sein  Herz  die 
rechte  Fahrt  gefunden  und  er  sie  erblicket^  mit  der  er  in  liebe  waer 
vereinet :  dar  ab  min  Herze  erschricket^  sS  daz  ich  ze  sprechen 
küme  emante  .  .  ich  stuont  aldd  verstummet  vor  schricken  eun-' 
der  sprechen  59  ff. ;  Ambr.  LB.  Nr.  76,  wo  der  Geselle  das  Fräulein 
bat,  ihn  in  ihren  Garten  zu  lassen;  als  das  geschehen,  brachte  er 
nichts  weiter  vor  als  einen  Gruss:  ich  wa/rd  Zu  einem  stumm^ 
vor  schäm  da  stund  ich  rot^  bey  allen  meinen  tagen  leid  ich  nie 
grösser  not.  Diese  ganze  Erzählung  Hugo*s  hat  typische  Motive. 
Schon  im  altem  Minnesang  findet  sich  oft,  dass  der  Dichter  in 
Gegenwart  der  Geliebten  verstummt,  vgl.  Bartsch  LD  \  Einl.  p.  11; 
ferner  Hadlaub  Nr.  16;  Heinzel.  ML.  1662  ff.;  Hadam.  60  ff.; 
Oswald  Nr.  36;  Hätzlerin  H,  6;  H,  7;  Ambr.  LB.  111,  41  ff. 
und  bis  in  unsere  Zeit  herein.  Die  immer  wiederkehrenden  Er- 
lebnisse sicherten  auch  die  Existenz  der  traditionellen  Darstellung. 

Zu  74  79  vgl.  Hätzl.  H,  7,  249  ich  hob  dich  nun  he- 
chennt^  gesell  mein^  .  .  .  hob  ich  geredt  zomicUch^  damit  hob 
ich  versuocht  dich^  ob  du  triu  und  statt  wollest  sein,  —  Will  man 
76  die  Interpunktion  nach  das  setzen,  wird  Doppelpunkt  am  be- 
sten sein. 

80.  B  warn,  ich  gegen  die  Hs.,  so  oft;  aber  gerade  oben  66 


—    184    — 

lässt  er  wconn  es;  32,  40  wcmn  wer^   während  er  32,  37  wieder 
wan  wer  oorrigiert 

81.  4^  begegnet  schon  in  Lachmanns  Text  des  Liohtenstein; 
vgl.  über  ff  Abb.  IV,  p.  146,  Anm.;  über  die  geschärfte  Aussprache 
dieser  spirantischen  Fortis  auch  Winteler,  Kerenzer  Mundart  p.  43. 
B  schreibt  uf  und  so  meist/  für  die  hsl.  ff,;  aber  5,  365;  27, 
44;  37,  9,  18  lässt  auch  er  uff  neben  üeff  4,  32;  ruoffb,  180; 
10,  19;  rueff  32,  166;  hff  5,  51;  luff  5,  64;  loffen  1,  9,  21; 
offen:  ffehffen  4,  193,  während  er  dann  wieder  5,  307  lofikof; 
30,  90  löf  eta  oorrigiert,  ja  15,  2  wird  sogar  gegen  die  Hs.  ge- 
alafen  :  wdfen ;  35,  26  lassen  :  slafen  geschrieben,  während  32, 
100;  38,  104  auch  sem  Text  slaffen;  38,  180  slaff;  30,  66 
straffen  :  geschaffen  :  31,  110  mdssen  zeigt.  Ebenso  wird  2,  137 
grifen  (Inf.)  geschrieben,  aber  16,  49  pfiffen  gelassen  u.  dgl.  m. 
Dagegen  sind  bei  ihm  die  Geminationen  in  hilff  15,  156;  bdörfft 
20,  20,  huiff  33,  51  etc.  zu  entfernen,  da  sie  hier  wie  überall  nach 
Liquiden  nur  dem  zweiten  Schreiber  angehören;  vgl.  Abh.  III,  p.  114 

bimen.  Im  Mhd.  war  die  gebräuchliche  Form  büwen^  daneben 
auch  biuwen  (vgl.  Lex.  I,  404;  Haupt  zu  Engelh.  5222).  So 
verhält  es  sich  auch  im  spätem  Alem.  buwerij  gebuwen  Mart  75, 
78;  78,  80;  99,  13;  148,  83;  158,  99;  281,  26  etc.;  ebenso 
Sachsenh.  buwt  {:  getruwi)  Temp.  627  etc.;  Laufb.  buwen  (:  ge^ 
truwen)  792,  4  etc.;  Altsw.  gebuwen  (:  nuwen)  14,  24;  20,  32 
etc.;  erbuwen  LS.  31,  9  etc.;  Netz  buwen  (: truwen)  11360: 
ruwen  10764,  11488.  In  den  alem.  Urkunden  herrscht  buwen^ 
s.  z.  B.  Aroh.  I,  p.  134  (23./6.  1388);  I,  p.  123  (24./11.  1382); 
I,  p.  136  (6.y9.  1389)  etc.;  auch  in  denen  Hugo*s  durchweg. 
Die  Hs.  zeigt  consequent  nur  buwen  ^  bawen.  —  Daneben  ge- 
brauchen einige  Dichter  auch  büwen^  gebilwen^  so  Sachsenh.  Temp. 
675,  891;  Netz  verbüwet  (igetrüwet)  10747  ;  LS.  gebuwen  (:  nü- 
wen)  37,  139  etc.,  aber  viel  seltener.  Dadurch  wird  die  Ver- 
fahrungsweise  bei  der  Textrecension  bestimmt:  wo,  wie  im  vor- 
liegenden Falle,  die  Hs.  u  :  ew  zeigt,  k  a  n  n  ie ;  ^  oorrigiert  werden, 
doch  auch  buwen  (:  truwen)^  wie  Weinhold  geschrieben,  wäre  ge- 
rechtfertigt; es  ist  aber  kein  Grund  vorhanden,  da,  wo  die  Hs. 
u  oder  aw  liest,  gegen  die  Ueberlieferung  und  die  Sprache  der 
Urkunden  ü  zu  setzen,  wie  Bartsch  getan  hat.  Wollte  man  uni- 
formieren, dürfte  nur  buwen  gewählt  werden.  Also  28,  50  nur 
ffepuwen:  rmjoen;   33,  105;  38,  129  fuwen x  truwen;  schon  der 


—    185    — 

Umstand,  dass  der  Schreiber  B  hier  gegen  seine  Gewohnheit  irawen 
nnd  ruwen  setzt,  hätte  darauf  hingewiesen,  desgleichen  lässt  das 
Langezeichen  über  getrdwen  :  bawen  3,  22  anf  das  ursprüngliche 
getruwen :  büwen  (so  ist  das  Druckversehen  in  meinem  Texte  zu 
bessern)  schliessen. 

83.  B  tue^  ebenso  3,  61,  88;  aber  5,  368  eta  tuo^  während 
die  Hs.  gleichmässig  iü  zeigt.  —  82  und  83  können  vom  Dichter  oder 
von  seiner  Geliebten  gesprochen  worden  sein. 

84,  85.  gevider  wird  als  Part  mit  apokopiertem  "t  (vgl.  Abh. 
lY,  p.  161,  178)  und  die  ganze  Stelle  als  Metapher  zu  erklären 
sein,  so  steht  auch  Tit.  1191  ir  hertze  .  .  .  wwrt  bloz  <m  freuden 
und  wol  gevidert  an  aeuftherer  sere,  noch  ähnlicher  5459  trourenf 
weinen  het  sie  mit  kraft  gevidert  (=  beflügelt). 

86.  B  corrigiert  din  zu  die;  allein  die  Hs.  gibt  einen  guten 
Sinn,  wenn  man  die  Stelle  als  directe  Rede  des  Dichters  an 
die  Geliebte  nimmt:  zuerst  hatte  sie  ihn  abgewiesen,  aber,  nach- 
dem sie  seinen  Ernst  erkannt,  ihn  sofort  in  den  Dienst  ge- 
nommen. 

87.  barille  =  berille^  hrille,  unser  »Brille*;  Tit.  1400  »aw 
der  berillus  grozzet  die  scJmft;  Hans  Sachs  (Keller  5,  286,  16) 
in  der  christall  und  der  parill  kan  ich  auch  sehen  vil  gesicht^ 
was  über  etUch  meyl  geschieht;  vgl.  Zarncke,  Graltempel  483. 
Eigentümlich  ist  die  Schreibung  berly  im  Daniel  von  Blumental 
(bei  Bartsch,  Karl  p.  27).  —  B  tuot  die  gsicht  Mir  schien  die 
Wiederholung  von  tuot  in  diesem  durch  zweisilbigen  Auftact  zuvor 
langen  Verse  anstössig,  um  so  mehr,  da  es  in  der  obern  Zeile  un- 
mittelbar darüber  steht. 

89.  Das  Segnen  war  beim  Abschiede  ein  unerlässlicher  Act, 
der  häufig  hervorgehoben  wird,  besonders  auch  bei  der  Trennung 
nach  einer  Liebesnacht;  meist  segnet  sie,  seltener  er.  Boppe  sd 
Wirt  mir  UM  von  ir  ein  morgensegen  HMS.  II,  385^.  Auch  bei 
Walther  entlässt  die  Geliebte  den  Ritter  mit  dem  Segen  (Wil- 
manns  63,  40);  bei  Mamer,  Strauch  zu  10,  14.  Hätzl.  23,  99 
also  gab  sy  im  den  segen;  115,  25  sy  gab  mir  iren  segen^ 
auch  II,  20,  133;  LS.  26,  169  und  gend  mir  üwem  segen;  Oswald 
1,  6,  21  wie  wol  mir  ward^  da  mir  die  zart  pot  yren  segen; 
Ambr.  LB.  111,  80  mit  irem  roten  munde  sie  gab  mir  den 
segen,  —  Neifen  sus  segen  ich  mich  des  morgens  mit  er,  s6  ich 
ml  üf  stän  20,  12;  Hätzl.   11,  263  ward  er  den  segen  gfebeni 


—     186    — 

25,  109  der  gesell  gab  ir  den  segen;  27,  361   da  was  beraiU 
der  tmverzaitt  zu  gesegen  die  vil  rainen. 

92.  des  ist  za  streichen  aod  dazu  Abb.  IV,  p.  186  zu 
vergleichen.    B  schreibt  richtig. 

93.  ich  für  es  erkläre  ich  mir  wieder  als  Schreibversehen, 
da  ich  in  der  Zeile  darüber  and  darunter  steht  B  blieb  bei 
der  Hs. 

94.  B  pßagj  ebenso  4,  97;  pflegen  2,  90  gegen  die  Hs^ 
sonst  lässt  auch  er  ph  (vgl  Abh.  III,   p.   115  und  IV,  p.  160). 

96.  B  zu  (H&  zü)^  auch  4,  21,  54  wieder  zu,  dann  5,  276 
mu88  (Hs.  müss)  :  puoss;  28,  200  trug  eta  —  Dieselbe  Gonstruc- 
tion  Hätzl.  9,  2  ain  za/rt  frawen^  wa^  wynnecleich. 

106.  B  8U8  und  noch  ein  paarmal,  wo  es  nicht  notwendig 
wäre.  Ich  merke  derartige  Differenzen  weiterhin  nicht  mehr  an. 

108.  Daraus  für  das  Alter  des  Gedichtes  einen  Schluss  ziehen 
zvk  wollen,  ist  ganz  haltlos,  die  Stelle  ist  rein  formelhaft  (zu  1,  46). 
Auch  Hadlaub  glaubt  nicht  altern  zu  könuen,  wenn  er  die  Q-e- 
liebte  sieht:  ich  schouwet  st  vil  manigvalt;  mich  dücht^  ich  umrde 
niemer  alt  18,  7,  1;  Oswald  ir  myniklich  schon  gestalt  macht 
mich  nit  aU  88,  2,  10.  Die  umgekehrter  Wendung  hat  dieselbe 
Form  bei  Neidhard:  der  (swaere)  schaffe  ein  ende^  saelic  wtp^ 
S  daz  min  vil  tumber  Üb  in  senden  sorgen  alte  58,  12« 

114.  Bei  B  fehlt  die  Interpunktion,  auch  das  Längezeichen 
in  ndch^  wo  B  sonst  gleichfalls  der  Hs.  folgt;  ich  lasse  auch  diese 
Dinge  fernerhin  ausser  Acht 

116,  117.  durch  florieret  ===  gebluemet  ^  gwaz  mit  Blumen 
geziert,  woför  Lex.  I,  480  einige  Belege  bietet;  hier  bat  es  allge- 
meinere  Bedeutung,  nicht  nur  mit  Blumen  [flQr(ibus)],  sondern 
schmücken  überhaupt:  die  Pferde  wurden  ganz  mit  Decken  geziert 
schilt  steht  für  Wappen  (vgl.  Vers  119),  welche  auf  die  Decken  ge- 
stickt waren,  wie  etwa  HMS.  U,  319»  des  riches  schilt  als  Reiche 
Wappen,  nicht  als  Beichsschilt  zu  übersetzen  ist. 

119  ist  Flickvers:  wenigstens  zwei  verschiedene  Farben  waren 
in  einem  Wappen  notwendig. 

122.  B  corrigiert  undem.  Warum  Angesichts  der  Reime  nninä 
die  gute  Assimilation  tilgen?  Vgl.  Abh.  IV,  167.  Ich  ergänze  dazu 
noch,  dass  Burgunn^  den  Burgunnem  etc.  eine  häufige  Schreibung 
wird;  Veit  Weber,  Sieg  bei  Märten,  gebraucht  es  auch  im  Beim 
mm  i  von  Burgynn  15,   4.    Im  Dialekte  sind  himner^  wunnar^ 


—     187    — 

anner  eto;  =<=  kinder^    tmmder^    (mder  gellUifig,    s.    ScUeioher, 
deutsch.  Sprache  209. 

B  rechtfertigt  in  emer  Anm.,  dass  er  enel  gestrichen  habe, 
was  sicher  richtig  ist;  aber  der  angezogene  Vers  28,  12  beweist 
das  nicht,  ebenso  wenig,  wie  dass  unnen  zu  unden  zu  corrigieren 
sei,  auch  dass  snel  nur  ein  müssiges  Flickwort  ist,  beweist  es 
nicht,  denn  diese  sind  bei  Hugo  viel  zu  häufig ,  wohl  aber  Hugo*s 
Metrik,  und  zwar  von  zwei  Seiten  aus:  in  von  hdrm  und  von 
zohd  {:9nd\  wie  dann  gelesen  werden  müsste,  fehlen  zwei  Sen- 
kungen, was  sich  Hugo  nicht  erlaubt  (vgl  Abh.  V,  214);  aber 
auch,  wenn  man  v6n  härm  betonen  wollte,  wäre  der  Reim  zöb^l 
unglaublich,  weil  die  betonte  Stammsilbe  nicht  lang  ist  (Abh.  V, 
240).  —  Anders  liegen  die  Dinge  bei  8cMn  4,  28,  welches  B  gleich- 
falls streicht,  dem  aber  mit  metrischen  Gründen  nicht  beizukom- 
men ist. 

120—130  gehören  in  die  Heroldsdichtung,  worin  Hugo  ohne 
Zweifel  Suchen wirt  nachahmt,  den  er  135  nennt  und  von  dem 
er  ganze  Verse  entlehnt  hat,  vgl.  z.  B.  7,  209  fL;  8,  236  ff.  — 
127  kann  manig  stehen  bleiben.  —  129  blcmnieren  =^  (Wappen) 
auslegen. 

131  ist  eine  verstümmelte  Zeile,  da  Verse  mit  3:4  Hebungen 
gegen  Hugo^s  Metrik  sind.  Ich  stellte  durch  w^re  die  richtige  An- 
zahl der  Hebungen  her;  des  trägt  Hebung  und  Senkung,  vgl.  Abh. 
V,  213;  auch  in  Flore  reicht  der  Artikel  vor  conson,  Anlaut  zur 
Hebung  und  Senkung  hin,  Sommer  zu  152«  Vielleicht  waren  ur- 
sprünglich auch  alle  Senkungen  vorhanden;  in  dem  anal.  Verse 
31,  109  steht  gar  ze  vi%  wollte  man  sich  dazu  ein  nu  o.  dgl, 
einzuschalten  erlauben,  so  wären  sie  erreicht :  des  w^$  mir  nu  gir 
ze  vü.  Doch  notwendig  Ist  das  nicht  B  lässt  13 1»  oorrigiert 
aber  sonst  auch  3:4,  «.  B.  25,  14,  55  etc.  und  mit  Recht  Er 
wird  daher  131  als  einen  fehlerhaften  Vers  des  Dichters  angesehen 
haben. 

135 — 138  sind  aus  Suchen  wirt  22,  45  ich  haizz  der  Sue-^ 
chenwirt^  der  dikch  mit  red  so  nahen  schirt^  m4xn  möckt  ez 
greifen  mit  der  haut .  .  •  dein  nam  ist  «w>  erchant  —  B.  oorri- 
giert möchte  vgl.  aber  7,  25. 

140  — 142 :  er  ist  der  beste,  den  ich  von  Gott  und  von 
den  Wappen  sprechen  gehört;  er  tut  es  nicht  mit  (unsicherem)  He- 
rumtappen (Herumsueben),  sondern  eto.  —  Hugo  rühmt  Suobv«  also 


—    178    — 

46.  B  weäichj  dazn  in  der  Anmerknog  der  Nachweis,  dass 
weltUch  fQr  waetUch  stehe.  Das  ist  richtig;  aber  etwas  ganz  an- 
deres ist  die  Frage,  ob  deswegen  im  Texte  auch  zu  ändern  sei  wet- 
lieh  erscheint  in  derHs.  niemals,  dafür  weltlich  noch  3, 18;  18,  106; 
37,  38»  also  bei  A  und  B;  da  den  Schreibern  sonst  absichtliche 
Aendemngen  dieser  Art  nicht  nachzuweisen  sind,  müsste  man  an- 
nehmen, dass  sich  beide  so  oft  bei  demselben  Worte  verschrie- 
ben haben,  und  das  ist  sehr  unwahrscheinlich,  vielmehr  erblicke 
ich  hier  einen  Beitrag  zu  den  von  Jänicke  (Wolfd.  D  VII,  66)  ge- 
sammelten Belegen,  welche  zeigen,  dass  in  den  spätem  Gedichten 
die  ursprünglichen  Bedeutungen  vieler  Epitheta  längst  schon  ver- 
loren gegangen,  und  diese  vielfach  zu  bedeutungslosem  Flitter  ge- 
worden sind ,  welcher  gedankenlos  oder  in  missverständlichen  Ver- 
wechslungen verbraucht  wurde.  —  W  dirre  ohne  Gewähr. 

48.  Hs.  und  W  ?iett,  B  het;  allein  ,das  kurzvocalische  hatte^ 
Conj.  hette,  ist  in  alem.  Schriften  des  14.  und  15.  Jhds.  beliebt* 
MG.  p.  370,  AG.  p.  383.  —  6,  36;  17,  37;  18,  1 ;  32,  73  etc. 
lässt  auch  B  hetty  während  er  in  den  meisten  Fällen,  besonders 
vor  conson.  Anlaut,  het  oorrigiert.  —  W  nicht  durchweg.  —  B  dm«, 
der  Auftact  ist  hier  um  so  misslicher,  weil  dadurch  ich  in  die 
Hebung  geschoben  wu*d. 

52.  W  (luchj  sonst  oiu:h. 

56.  W  ernst;  dann  stünde  aber  die  Hebg.  auf  mit  oder  Hebg 
und  Senkg.  auf  ernst;  auch  der  nächste  Vers  hat  Auftact. 

57.  W  streich  docA,  wodurch  fehlende  Senkg.  oder  die  Betonung 
g^saeh  notwendig  würde. 

60.  W  gliche  wozu  ihn  wohl  5,  265  veranlasst  hat;  aber  4, 
160  steht  wie  hier  ^)  gleichs  als  adv.  Gen.,  in  dem  A  wie  öfter  e 
synkopierte  (vgl.  auch  bei  B  die  Anm.  zu  59). 

62.  W erhom^  s.  di\>et  verloren  \  t6ren  4,  153  etc.,  Abh. 
IV,  147. 

64.  B  nimnen,  B  hat  sich  aus  dem  alleinstehenden  Reime 
iMemm  :  schUemen  27,  114  den  Grundsatz  gebildet  (Einl.  p.  11), 
^niemen  dorchzuföhren,  und  nur  da,  wo  der  Ton  auf  der  zweiten 
Silbe  ruht,  nieman  zu  schreiben  *.  Dasselbe  Verehren  beobachtete 
er  auch  bei  Reinfrid.  —  Allein  was  Jänicke  damals,  bei  Reinfir.  dage- 
gen sagte  (Zs.  f.  d.  A.  1 7, 606),  gilt  auch  hier.   Wäre  ferner  Bartsch' 


9  In  den  YarianteD  bessere  gleiehs  und  58  miatet. 


—    189    — 

genügliohen  Eitelkeit  des  Dilettanten,  and  beide  charakterisieren 
gleichmässig   den  gesunkenen  Standpunkt   dieser   spätem   Dichter. 

III. 

1,  2.  Diese  Synekdoche  ist  albern  genug;  aber  fraglich  scheint 
es  mir,  ob  dem  Dichter  dabei  nicht  das  Bild  vom  Küssen  vorge- 
schwebt habe,  was  sie  zu  seinen  Gunsten  erklären  würde. 

3,  4.  Das  einfache  stdn  mit  Gen.  (s.  auch  6,  31)  =  gestehen, 
bekennen  ist  bei  Lex.  II,  1135,  1136  nicht  belegt;  vgl.  unter 
gestdn  I,  926.  Der  Reim  mit  dim  (=  dieme)  ist  besonders  in 
der  Martina  beliebt:  dime  :  vime  8,  93  :  Äirtw  10,  31  :  stime 
25,  15,  ebenso  dim  in  der  Zeile. 

5 — 8  ist  wie  21 — 24,  45 — 48  gebaut,  auch  guet :  gemuet 
hätte  stehen  bleiben  können.  —  Aehnlich  sagt  Muscatpluot,  Hätzl. 
131,  20  das  ich  mit  synn  dir^  kcUserinn^  ain  liedlin  müg  ge- 
syngen.  An  Heinzel.  (ML.  2185)  schreibt  die  Geliebte;  Icünd  ich 
von  lieben  Sachen  getihten  unde  gemachen  ein  minnecUchez  grüezen^ 
wnd  künde  ich  daz  gesüezen^  daz  ez  verhörte  dinen  pin^  daz 
taete  ich^  trat  geselle  min!  —  mdnneUedelin  hat  Lex.  nur  aus 
Apoll,  belegt. 

12.  Der  Zusammenhang  schien  mir  ein  hand  o.  dgl.  zu  er- 
fordern, das  freilich  schweren  zweisilbigen  Auftact  erzeugt;  doch 
der  steht  auch  in  24. 

13 — 16  ist  Tli  wie  81—84,  die  vorausgegangenen  Str.  waren 
Tl  .  Der  Initialenmaler  hat  bei  13  vergessen  den  Strophenanfang 
zu  malen,  woraus  man  jedoch  nicht  schliessen  darf,  dass  die  beiden 
Strophen  zusammengehören  (Kummer),  denn  das  begegnet  auch 
bei  der  gewöhnlichen  vierzeiligen  Strophe.  —  16  fehlt  eine  Sen- 
kung; aber  die  Wiederholung  des  Artikels  nach  dem  Substantiv 
wäre  Hugo's  Schreibweise  sehr  gemäss,  vgl.  3,  82;  f>,  30,  85; 
10,  18;  16,  4  etc.  und  Abh.  V,  p.  213.  Auch  Bartsch  wies  in 
einer  Anm.  zur  St.  darauf  hin;  Kummer  dagegen  wollte  guetkeit 
bessern,  was  nicht  geschehen  dürfte,  da  T^I  gegenüber*  der  drei- 
hebigen  eine  fünfhebige  Zeile  fordert. 

Hier  wird  der  geeignete  Ort  sein,  einige  notwendige  Er- 
örterungen einzuschieben.  Kummer  ist  der  vierte,  der  sich  ein- 
gehender mit  dem  Montforter  beschäftigt  hat.  Er  veröffentlichte 
seine  Forschungen  in  Form  einer  Recension  von  Bartsch*  Ausgabe 
im  Anzeiger  f.  deutsch.  Altert  VI,  317 — 342.    Als  er  mir  dieselbe 


—     180    — 

90  ist  ohne  Gregenreim  und  hat  auf  die  Yermutnng  gebracht, 
dass  wenigstens  ein  Vers  fehle.  Auffallend  ist  die  reimlose  Zeile 
am  Schlüsse  jedenfalls,  um  so  mehr,  wenn  ich  oben  den  Ein- 
gang des  Gedichtes  richtig  hergestellt  habe.  Bartsch'  Anm.  zu  89 
beweist  weder  etwas  dafür  noch  dagegen;  denn  ob  der  leere  Raum 
dieser  Spalte  etwas  grösser  oder  kleiner,  ist  ganz  gleichgültig: 
gieng  eine  Zeile  verloren,  so  geschah  es  auf  dem  Wege  vom  Orig. 
zur  Gopie.  Freilich  hatte  B  einen  andern  Standpunkt,  da  er  den 
Cod.  Pal.  als  Original  ansah.  —  Ich  will  aber  darauf  hinweisen, 
dass  34,  30;  36,  28  der  zweite  Teil  dieses  Verses  wiederkehrt,  wo 
in  der  Flickzeile'  das  sag  (schrib)  ich  dir  mit  einem  Wort  der  Ge- 
genreim liegt,  eine  Beteurung,  die  Hugo  gern  zu  solchem  Zwecke 
verwendet  (vgl.  2,  139)  und  die  wohl  auch  hier  gestanden  haben 
könnte,   obgleich  sie  den  Schluss  nicht  poetischer  gemacht  hätte. 

n. 

Bergmann  bezog  (Landeskunde  von  Vorarlberg  p.  102)  die 
in  diesem  Gedichte  erzahlte  Liebeswerbung  auf  Hugo*s  erste  Ge- 
mahlin. Das  lag  allerdings  nahe,  wird  aber  von  ihrem  Zusanmien' 
hange  mit  den  übrigen  Lebensverhältnissen  des  Dichters  negiert  (p. 
12  ff.);  wozu  noch  kommt,  dass  zwischen  dem  Tode  von  Marga- 
retha*s  erstem  Gemahle  und  ihrer  zweiten  Ehe  nicht  so  viel  Zeit  lag, 
dass  Hugo  ja/r  und  tag  herumreiten  konnte,  sich  Ritterschaft  zu 
erwerben  und  die  Welt  zu  sehen.  Das  und  die  ganze  Haltung  des 
Gedichtes  führt  von  selbst  auf  jene  Ausfahrt,  die  er  nach  5,  136 
im  14.  Lebensjahre  unternommen  hat.  Ulrich  v.  Liohtenstein  erkor 
sich  schon  im  zwölften  Jahre  seine  Frau,  der  er  dienen  wollte 
(Uhland,  Sehr.  V,  211);  Hadlaub  diente  seiner  Erwählten,  ^t  daz 
wir  beide  wären  kint ;  ähnlich  spricht  Neifen :  diu  mich  hdt  von 
Jcinde  her  gebunden  18,  27,  und  Mamer:  ich  bin  der  si  meinet 
mit  triuwen  sit  von  mtnen  hintlkhen  jdren  IV,  34. 

4.  B  lässt  das  hsl.  weib^  also  die  bairische  Form  des  Schrei- 
bers, ebenso  3,  65  sei;  25,  34  ewenkleich;  26,  28  weib;  28,  140; 
35,  38;  36,  7  sein;  38,  179  dein;  ferner  ain  5,  226;  echaiden 
8,  12;  rain  18,  45;  ain  28,  300,  601;  warhait  28,  491;  üppi- 
kmt  29,  176;  gemain  32,  159.  Da  auch  B  sonst  die  ei  (=^  f) 
und  ai  (=  ei)  tilgt,  und  in  den  angeführten  Fällen  nicht  der  ge- 
ringste Grund  für  ein  Ausnahmsverfahren  vorläge,  müssen  sie  wohl 
als  Versehen  angesehen  werden.  —  B  umbevie  (vgl  1 10),  vielleicht 


—    181    — 

hat  er  so  gelesen;  denn  es  ist  in  der  Hs.  oft  nicht  deutlich,  ob  sie 
getrennt  oder  zusammengeschrieben  hat  Ich  merke  solche  Differen- 
zen fernerhin  nicht  mehr  an. 

11.  Besser  als  min  sunnen  acMn  als  Apposition  za  fassen, 
wird  es  vielleicht  sein,  das  vorausgehende  Gomma  zu  streichen  und 
nem  ich  herabzubeziehen. 

14.  Hs.  tett,  B  tet,  so  ändert  er  meist,  aber  in  Nr.  25  bleibt 
tett  ich  64,  113,  114,  123,  171,  175,  was  auf  die  Vermutung 
bringen  könnte,  dass  er  vor  Vocalanfang  des  nächsten  Wortes  tett 
bewahrt  habe;  allein  auch  das  kann  nicht  sein,  denn  24,  39 
schreibt  er  wieder  gegen  die  Hs.  tet  er^  24,  55  tet  es;  38,  50 
tet  ims  etc.,  ja  25,  171,  175  lässt  er  tett  ich,  das  er  gleich  dahinter 
25,  177  zu  tet  ich  corrigiert. 

16  fehlt  eineSenkg.,  es  kann  weidenliche{n)  oder  wnefo  geschrie- 
ben werden,  letzteres  schien  das  einfachere,  ersteres  gäbe  eine  bessere 
Betonung.  Staufb.  550  die  echoene  frouwe  er  vor  im  acbch  kluoc 
unde  weidenUche. 

17.  Dass  pflegen  mit  dem  Particip  statt  Infinitiv  stehe,  hat 
auch  B  angemerkt. 

22.  W  sagt  p.  134:  ,es  ergibt  sich  daraus,  dass  er  (Hugo)  da- 
mals auf  Sewenherg  wohnte  •.  Aber  die  Hs,  hat  deutlich  ehnenberg, 
das  allegorisch  zu  nehmen  ist  wie  bei  Hadlaub  „Beuental^  im  Zu- 
sammenhange mit  ,Seu€zenheim*  und  , Sorgenrein',  bei  dem  von 
Gliers»  Trübenhausen*,  im  jung.  Titurel  , Freudental  und  Reuental*; 
vgl.  ühland,  ges.  Sehr.  V,  252  und  278,  der  auch  auf  unsern 
Hugo  verwies.  —  beJmsen  ist  am  ehesten  st.  Part  (s.  Abh.  IV, 
p.  178):  ,auf  Sehnenberg  häuslich  festgesetzt';  auch  ein  was 
ich  könnte  vielleicht  wie  öfter  erg.  werden;  vgl.  29,  52  und  Su- 
chenw.  29,  78   da  pin  ich  wirt  und  wol  behaust. 

25.  mid  fehlt  in  der  Hs.  und  bei  B,  ist  aber  ohne  Schwierigkeit 
(vgl.  2,  83;  18,  112,  113),  bessert  Zusammenhang  und  Vers. 

28.  wen  ist  in  den  Var.  zu  streichen  und  wenn  in  den  Text 
zu  setzen.  B  corrigiert  überall  wen ;  aber  alle  drei  Schreiber  über- 
liefern wenn,  vgl.  18,  48,  185;  38,  8,  dazu  den  beweisenden  Reim 
wennen:  erkennen  Mart  45,  22,  AG.  S  204  und  Abh.  IV,  171. 
32.  todea  sterben,  dasselbe  auch  29,  64,  femer  im  Reinfrid 
5161,  15154,  20219;  vgl.  über  diese  Redensart  zu  Ortnit  C 
195,  4. 

35.  lieber  Schnee  und  Eis  als  Bild  der  Vergänglichkeit  vgl. 


—    192    — 

ei  beigebracht  werden.  Bartsch  hat  auf  eine  verlorene  alem.  Hs.  K 
mit  Hügo*s  Gedicht  Nr.  25  hingewiesen,  aus  welcher  Banga  im 
Anzeiger  von  Aufsess  (s.  Anm.  zu  14,  43)  25,  1 — 3  und  25, 
202  abgedruckt  hat.  Da  stehen  nun  alle  Wörter,  in  welchen 
unsere  Hs  ai  überliefert  mit  ei:  also  Hs.  ains^  K  eins;  Hs.  cUhj  K 
ein;  Hs.  gebain^  K  gebein.  —  Wollte  man  nun  auch  Sachsenheim, 
der  in  Sprache  und  Metrik  dem  Mhd.  noch  näher  steht  als  Braut, 
zum  Vergleiche  herbeiziehen,  so  würde  der  Schluss  dem  Kummers 
so  ziemlich  entgegengesetzt  lauten  müssen:  also  nicht  so,  dass  bei 
Hugo  die  ai  stehen  zu  lassen,  sondern  eher,  dass  sie  auch  bei 
Sachsenheim  den  Schreibern  zu  überantworten  sind,  wie  das ^u 
in  untrw  Moer.  1683,  die  ei  in  weib  Jes.  8,  leippUch  33  etc.  von 
Martin  ebenso  hätten  gestrichen  werden  künnen  wie  die  bei  Hugo 
(ich  komme  darauf  besonders  zurück);  ja  der  Spiegel  und  das 
Sleigertüchl.  sind  tatsächlich  auch  ohne  ai  (die  Ausnahmen  sind 
verschwindend  gering)  überliefert. 

B  hat  sein  Verfahren  nicht  begründet:  seine  Neigung  gegen 
das  Mhd.  hin  zu  uniformieren,  hat  ihn  hier  richtig,  in  andern 
Fragen  freilich  dafür  wieder  irregeführt.  —  Bei  dieser  Untersuchung 
fiel  noch  eine  Beobachtung  ab,  welche  angemerkt  zu  werden  ver- 
dient: in  den  alem.  Montf.  Urk.  erschien  von  den  neuen  Diphthongen 
au  zuerst  und  am  häufigsten,  was  mit  der  Entwicklung,  welche 
dieselben  im  Oester.  durchgemacht,  stimmt,  indem  auch  hier  au  zu- 
erst auftrat  (Zarncke,  Braut  274^). 

Ich  begleite  Kummers  weitere  Auseinandersetzungen  in  den 
wichtigsten  Fragen.  Er  trägt  (p.  320)  ein  paar  Reime  nach,  das  hätte 
wohl  noch  öfters  geschehen  können.  Die  ie  in  ierr  etc.  gehören  nur 
dem  Schreiber  B,  das  angezogene  Beispiel  trifft  nicht,  denn  ie  in 
friede  ist  andern  Ursprungs.  —  In  gamahü  inü  19,  5  soll  iu  :  ü 
reimen?  —  u  steht  nicht  nur  für  iu^  sondern  ebenso  auch  für 
ü\  dieser  Strich  ist  in  Hss.  wie  in  Urk.  ein  geläufiges  Zeichen  für  den 
Umlaut  überhaupt,  wie  auch  ü  ==  iu  und  ü  steht  —  Das  an- 
dere in  diesem  Absatz  erledigt  sich  durch  den  Nachweis  der 
Schreiber  A  und  B  von  selbst:  K's.  Beispiele  für  u  =  uOy  ue^  il 
gehören  alle  den  Gedichten  an,  welche  A  geschrieben  hat.  Ueber 
e  =  aey  auchjn  Urkunden,  s.  Abh.  IV,  153.  Der  fehlende  Um- 
laut in  furbaa  eta  gehört  nur  dem  Schreiber  A,  die  th  ausser  den 
Eigennamen  dem  Sehr.  B.  Ueber  tz  s.  Anm.  zu  1,  8.- —  Tm  weitem 
stellt  K  (p.  323f.)  einige  lautliche  Erscheinungen  zusammen,  um  da- 


—    193    — 

mit  zn  beweisen,  dass  der  Schreiber  unserer  Hs.  eine  alem.  Vorlage 
hatte,  was  sehr  gelungen  ist,  obgleich  mehrere  der  aufgezählten  For- 
men ebenso  gut  bair.  wie  alem.  sein  können,  bei  andern  sich  kleinere 
Versehen  eingeschlichen  haben :  ein  ui  z.  B.  (in  muy^  tuy)  kennt  Hugo 
nicht;  seyen  31,  195  etc.  wäre  eine  spec.  bair.  Form.  Missglückt 
ist  die  gesonderte  Betrachtung  über  das  „irrationale  i'  (s.  Abh. 
IV,  189) :  in  allen  angeführten  Fällen  sind  weder  die  im  e  zm  ver- 
wandeln noch  ganz  zu  tilgen;  sie  stehen  eben  meist  in  fersen  der 
Titurelstrophen.  —  Die  t  in  glukt  etc.  gehören  nur  dem  Schreiber 
B  (s.  Abh.  IV,  162).  —  Die  Grundsätze,  welche  Kummer  für  die 
Textbehandlung  aufstellt,  stimmen  im  allgemeinen  mit  den  meinen 
(UI,  138  ff.)  überein,  doch  ist  sein  letzter  Satz  zu  eng;  denn  2,4z.  B. 
muss  weih  in  wih  corrigiert  werden,  trotzdem  dadurch  weder  ein 
Reim  gebessert  noch  ein  Rhythmus  hergestellt  wird:  alle  spec. 
bair.  Formen  sind  zu  tilgen. 

Auch  über  Metrik  hat  K  gehandelt.  Die  von  Weinhold 
gesammelten  „wahren  Monstra'  von  Versen  stehen  meist  nicht 
in  der  gewöhnlichen  vierzeiligen ,  sondern  in  der  Titurelstrophe 
(vgl.  Abh.  V,  249—252);  28,  592  ist  nicht  richtig  eingeteilt. 
Hier  wie  an  andern  Punkten  sind  Hugo's  Verse  doch  bedeutend 
besser,  als  man  meinte,  man  darf  nur  nicht  vom  Dichter  etwas 
verlangen,  was  nicht  in  seiner  Absicht  lag.  Bei  Ansichten,  wie 
dass  Hugo  »bald  die  Silben  mit  grosser  Willkür  in  der  Tonver- 
setzung nur  zählt,  in  der  Mehrzahl  der  Verse  aber,  unbekümmert 
um  die  Zahl  der  Füsse«  mit  Wahrung  des  natürlichen  Accentes  .  . . 
dem  Reimworte  zueilt '  darf  ich  wohl  auf  meine  zusammenhängende 
Darstellung  von  Hugo*s  und  seiner  Zeitgenossen  Metrik  in  Abh.  V 
verweisen.  —  Ein  Vers  wie  4,  77  (K  p.  329)  ist  ganz  tadellos, 
ebenso  ist  4,  53  nicht  das  zuhet  d^n  elemSnten  nach,  sondern 
das  zuht  den  ^lem^nten  nach  zu  lesen;  man  braucht  sich  nur 
zu  erinnern,  dass  der  Themavocal  e  in  der  III  Pers.  meist  ausfällt; 
auch  B,  der  in  der  Metrik  überhaupt  K  gegenüber  öfter  im  Vor- 
teil ist  als  bei  der  Textrecension,  hat  die  richtige  Gorrectur.  Und 
so  haben  auch  die  andern  der  p.  329  angeführten  Verse  bei  rich- 
tiger Behandlung  nichts  besonderes;  nur  jener  falschlich  verstan- 
dene Satz  von  der  ^gleichen  Silbenzahl  der  Reimzeilen*'  hat  auch 
K  in  die  Irre  geführt,  so  dass  er  der  Tonversetzung  eine  Aus- 
dehnung gestattet,  die  sie  ohne  Zweifel  nicht  besitzt;  auch  in  seinem 
Herrand  tritt  das  hervor.     D|tbei  mag  auf  ihn  Jänicke*s  Meinung 

WackemeUy  Montfort.  13 


—     194    — 

(Zs.  f.  d.  A.  16,402;  17,  508)  von  Einflass  gewesen  sein;  allein 
dass  dieser  in  diesem  Pankte  zu  weit  gegangen  ist,  hat  sobon 
Kinzel  (Zs.  f.  d.  Phil.  12,  251)  richtig  erkannt  and  wird  sich  aus 
meinen  Untersuchungen  in  Abh.  Y,  236  ff.  ergeben.  Ich  hatte  mich 
im  Anfange  meiner  Arbeit  gleichfalls  auf  Jänicke*s  Standpunkt 
gestellt,  fand  aber  dann  Gründe,  ihn  zu  verlassen,  wie  Jänicke, 
wenn  er  seine  Untersuchungen  hätte  weiter  führen  können,  gewiss 
auch  selbst  getan  haben  würde.  Kummer  gegenüber  steht  Martin, 
welcher  bei  Sachsenheim  der  mhd.  Auffassung  zu  weiten  Spielraum 
lässt,  indem  er  z.  B.  aus  den  vierhebigen  Versen  mit  kurzer  Pae- 
nultima  ohne  weiteres  auf  die  Fortdauer  des  mhd.  Verschleifungs- 
verhältnisses  schliesst  (Abh.  V,  198,  201). 

Auch  bei  den  zweisilbigen  Senkungen  muss  ich  ein  paar  Rand- 
bemerkungen machen.  K  tadelt  (p.  330)  an  ß,  dass  er  in  seinem  Texte 
zweisilbige  Senkungen  (denn  nur  als  solche  können  die  fraglichen 
Stellen  angesehen  werden)  stehen  gelassen  habe;  aber  gewiss  mit 
Unrecht:  wenn  da  zu  tadeln,  so  ist  es  nur  deswegen,  weil  B  in  seinen 
Synkopen  ungleichmässig  verfahren  und  oft  weit  über  die  in  der  Hs. 
gezogenen  Grenzen  hinausgegangen  ist,  oder  wo  finden  sich  denn 
in  derselben  Kürzungen  wie  zungn^  aorgn^  wlhn^  prieatr,  altr  etc.  ? 
Martin  hat  es  bei  Sachsenheim  nicht  gewagt,  muotr  zu  schrei- 
ben, und  Zarncke  bei  Braut  gezweifelt,  ob  „  man  die  Form  priestr 
wagen  dürfe*;  und  doch  gehen  diese  beiden  Dichter  in  der  Syn- 
kope viel  weiter  als  Hugo.  Wer  sich  ferner  den  Einfluss  der 
Phonetik  auf  Hugo*s  Schreibweise  gegenwärtig  hält,  weiss,  dass 
er  statt  wibn  wohl  eher  wibm  geschrieben  hätte,  was  es  nur  um 
so  unwahrscheinlicher  macht,  dass  die  Schreiber  durchweg  wi~ 
ben  dafür  gesetzt  haben  sollten.  Weinhold  gieng  in  der  Be- 
wahrung der  zweisilbigen  Senkungen  von  uns  allen  vier  am  wei- 
testen ;  er  lässt  z.  B.  1,  26  auch  entsprözzen  in  m/nem,  während 
die  Lesung  /n  mim  in  der  Hs.  oft  belegt  ist,  und  ich  würde  mich 
unbedenklich  auf  seine  Seite  schlagen,  wenn  ich  zwischen  beiden 
Extremen,  zwischen  seinem  und  Kummers  Verfahren  wählen 
müsste. 

Aber  auch  mit  den  starken  und  über  das  in  der  Hs.  gebo- 
tene Mass  hinausgehenden  Synkopen  vermag  K  nicht  auszukommen 
und  findet  einen  glücklichen  Ausweg  durch  die  Annahme  von  ,  der 
grossen  Ausdehnung,  welche  die  Silbenverschleifung  zu  Montforts 
Zeit  erreicht  hat".     In   diesem  Punkte  tangieren  sich  unsere  An- 


—     195    — 

sichten,  welche  im  Detail  der  Ausführung  freilich  wieder  aus- 
einanderlaufen, üeber  die  Verschleifung  auf  der  Hebung  vgl.  Abh. 
V,  226 :  ihre  unechte  Ausbreitung  fände  die  Begründung  in  der  Aus- 
dehnung der  nhd.  Längung;  dass  aber  solche  Verse,  welche  hieher 
geh()ren  könnten,  schon  bei  früheren  Dichtern,  die  sonst  die  Län- 
gung noch  nicht  zeigen,  begegnen,  spricht  ausser  dem  (V,  228) 
angeführten  noch  direct  dagegen.  Unter  den  von  K  angeführten 
Beispielen  finden  sich  dann  auch  solche  wie  wds  er  der;  w^rdent 
betrogen.  Wenn  werdent  auf  der  Hebung  verschleift  werden  könnte, 
warum  dann  nicht  auch  wihen^  alter  u.  dgl.;  wozu  dann  andrerseits 
wieder  die  Synkopen  wihn^  altr^  Und  wie  soll  denn  was  er  auf 
der  Hebung  verschleift  werden  ?  Und  wenn  die  beiden  Silben  wa8 
er  in  der  Hebung  nicht  »das  Grundgesetz  der  mhd.  Metrik  von 
der  Einsilbigkeit  der  Hebung"  verletzen,  wie  muss  denn  dann  ein 
Vers  aussehen,  der  das  tut?  —  Unter  den  Verschleifungen  auf 
der  Senkung  sind  auch  etliche  Verse  der  Titurelstrophen,  die  sich 
ohne  Verschleifungen  und  Synkopen  erklären  Hessen. 

Ueber  das  Fehlen  der  Senkung  vgl.  Abh.  V,  213  ff.;  über  mehr- 
silbigen Auftact  ibid.  205  ff.;  über  die  Anordnung  der  Gedichte 
im  Cod.  Pal,  welche  K  für  chronologisch  hält,  Abh.  UI,  132 — 138. 
Kummers  Schluss:  «da  Hugo  im  31.  Gedichte,  das  1401  ge- 
schrieben ist,  einen  Abschnitt  seiner  dichterischen  Tätigkeit  macht 
und  auf  die  bisherigen  30  Gedichte  einen  Rückblick  wirft,  der 
völlig  mit  dem  Bestände  der  uns  erhaltenen  stimmt,  so  dürfen  wir 
die  Anordnung  der  Gedichte  als  eine  chronologische  ansehen* 
vermag  nicht  zu  überzeugen ;  denn  wenn  in  der  Copie  die  Ordnung 
des  Originals  geändert  wurde,  mussten  deswegen  auch  Producte 
verloren  gehen,  so  dass  der  Bestand  derselben  in  beiden  Hs.  nicht 
mehr  stimmen  kann?  Aus  der  Erwähnung  des  Schisma's  ist  für 
die  genauere  Datierung  von  Nr.  5  kaum  etwas  zu  gewinnen ;  warum 
soll  denn  gerade  an  die  Wahl  Benedicts  gedacht  werdep?  üeber 
Wenzels  Seilung  seit  1392  vgl.  III,  .132  ff.  Die  eine  Hauptfrage 
aber,  ob  unsere  Hs.  Orig.  sei,  hat  K  wieder  sehr  glücklich  gegen- 
über B  verneint.  Kummers  wertvolle  Vorschläge  zur  Textkritik 
und  Beiträge  zu  einem  erklärenden  Commentar  behandle  ich  bei 
den  einzelnen  Stellen. 

Aus  Rummers  kleinerer  Recension  in  Beghagels  Literatur- 
blatt I,  283  ist  die  Ansicht  hervorzuheben,  dass  Nr.  2  in  unserer  Hs. 
nicht  vollständig   sei;   ,denn   die  Y.  96   angefangene,   durch    eine 


—    196    — 

Digression  (129 — 144)  nnterbrocheoe  Schilderung  wird  nicht  weiter 
fortgesetzt,  während  in  der  Hs.  ohne  Zwischenraum  noch  auf  der- 
selben Spalte  3^  das  dritte  Gedicht  beginnt*. 

17     20.    Ich   bestreite  die  ürsprünglichkeit   dieser  Strophe, 
denn  sie  nimmt   sich   aus   wie  eine  Ironie    auf  das  vorausgehende 
und  nachfolgende    und    unterbricht   den  Zusammenhang:   Vers    21 
schliesst  sich  so  eng  an  16,  dass  zwischen  beiden  Doppelpunkt  gesetzt 
werden  könnte ;  ferner  haben  alle  umliegenden  Strophen  des  Gedichtes 
die  Form  der  directen  Anrede,   diese  nicht;    endlich  passt  ihr  In- 
halt nicht  nur  nicht  zu  Nr.  3,  sondern  zu  gar  keinem  Jugendproducte 
Hugo'«:    solche   trübe   Reflexionen  kennzeichnen    die   spätem  Ge- 
dichte (s.  Abh.  I,   46  f.),  27,  105  z.  B.  kehrt  der  Inhalt   dieser 
Strophe  wieder.  Woher  aber  diese  Einschaltung  komme,  darüber  gibt 
es  nur  Vermutungen ;  sie  ohne  weiteres  dem  Schreiber  in  die  Schuhe 
zu  schieben,   geht  nicht   an,    weil   ihm  anderwärts  ähnliches  nicht  ' 
nachzuweisen  ist;  viel  lieber  denke  ich  an  eine  Randglosse,  welche 
später   in  das  Orig.    gebracht  und  vom  Schreiber   mit  den  echten 
Strophen  herüber  genommen    wurde;    selbst  Hugo    könnte   sie  in 
einer  Anwandlung  jener  trüben  Stimmung  seiner  altern  Tage,    wo 
ihn  sein  jugendliches   Treiben    und    Singen    nur   zu   oft   verdross, 
hinzugedichtet   haben,    um   damit  den  Inhalt  zu   paralysieren.  — 
Ueber    die    häufige    Dars.tellung    dieses    Gegensatzes   vgl.   Uhland, 
Sehr.  V,  162  und  163. 

21 — 24.  B  g scheiden^  aber  dUo  als  zweisilbiger  Auftact  ist 
nicht  anstössig  (Abh.  V,  206),  ebenso  beseitigt  B  47  durch  hliben 
den  zweis  Auft;  vgl.  aber  52  und  65.  Dass  getruwen :  büwen 
zu  schreiben  ist,  habe  ich  schon  zu  2,  81  bemerkt. 

24.  B  lässt  die  Ueberlieferung;  die  bietet  aber  einen  Vers  mit 
zweisilbigem  Auftact,  zweimal  versetzter  Betonung  nnd  sechs  He- 
bungen! K  wollte  (p.  330)  st^tikeit  versoUeifen.  —  Lachmann 
wagte  bei  Lichtenstein  387,  27  Mhn  gegen  die  Hs.,  was  auch  in 
diesem  Verse  den  Rhythmus  bessern  würde.  —  Eine  ähnliche 
Stelle  bietet  das  Sleigertüchlein  (Altsw.)  248,  32  da  blibst  un- 
versert^  das  soltu  mir  getruwen^  solt  man  höh  dum  hiiwwi  uff 
ein  ged/ruwes  wib. 

25 — 32.  Die  Schönheit  der  Brust  verlockte  zu  mancherlei  Ver- 
gleichen, s.  Weinhold,  deutsche  Frauen  p.  143,  dazu  Reinfr.  2266 
A^eh  und  kleine  brüste  reht  als  ein  ap/el  sinewel;  Titnrel  1247 


—     197     — 

die  ep/el  ungefelscht  uf  pluendem  rise  .  .  ,  ir  brtiatel  nach  wünsch 
gedret;  Heinr.  v.  Neust.  Apoll  13362  rehte  in  der  selben  wtse 
als  ep/el  ouz  dem  paradise  wären  ir  die  pruste  \  Suchenw.  25,  184 
zway  prustel  als  zwai  pirnl  gesmuhet  an  ir  hertzel  izart; 
Oswald  37,  2,  3  beisse  brüstlein  synbel  als  die  piern;  52,  2,  3 
wie  sy  vor  truog  zb^n  synbell  knöpff  spitzltch  gedrdt  etc.:  bei 
ihm  folgt  dem  Vergleiche  freilich  wieder  eine  jener  obscönen  Ge- 
meinheiten, an  denen  dieser  verbauerte  Ritter  besonders  reich  ist; 
vgl.  dagegen  die  Zartheit  Flecks  (Sommer  zu  Flore  6904).  —  B 
lässt  hier  das  hsl.  äphelli^  dann  wären  aber  auch  5,  178  mänger^ 
1,  39  tugentbär  etc.  zu  bewahren  gewesen,  doch  ist  ä  nur  eine 
Spielweise,  und  zwar  die  seltenste  neben  2,  ^,  a  und  meist  e  =  e 
und  ae,  vgl.  Abh.  IV,   153. 

29.  B  gedron  :  schön  :  zwischen  der  wirklichen  Schreibung 
von  0  =  d  und  den  Reimen  6  :  d  ist  noch  ein  unterschied,  diese 
bedeuten  mehr  die  Mittelstellung  dfes  <i,  vgl.  Abh.  IV,  152  und 
dazu  auch  Rückert,  Gesch.  der  nhd.  Schriftspr.  152  f  Wenn  man 
diesen  vereinzelten  Fall  nicht  nach  den  übrigen  behandelt  und  o 
wirklich  schreibt,  entfallt  auch  der  Grund,  in  der  Zeile  die  won 
zu  wan  zu  corrigieren,  wie  z.  B.  Martin  bei  Sachsenh,  die  o  =*  d 
und  a  in  der  Zeile  stehen  lässt- 

33 — 36.  Die  beiden  ersten  Verse  sind  fraglich;  denn  dass 
kan :  hdt  hier  wenig  glaublich  ist,  hat  schon  B  angemerkt,  aber  ich 
weiss  auch  nichts  besseres  dafür;  dass  aber  V.  34  als  ich  (s.  18, 
25;  24,  57;  31,  111)  zu  ergän»zen  ist,  was  B  nicht  getan  hat, 
scheint  mir  nicht  nur  der  Sinn,  sondern  auch  das  Versmass  zu 
beweisen :  den  mit  einander  reimenden  Versen  gibt  Hugo  gleichviel 
Hebungen  (ausgenommen  sind  selbstverständlich  T I  und  T  ^0»  das 
beweisen  hunderte  von  Strophen,  so  dass  die  wenigen  Ausnahmen 
entweder  als  Fehler  der  Schreiber  oder,  wenn  keine  Correctur  zu 
finden  ist,  des  Dichters  anzusehen  sind  (vgl  die  Anm.  zu  2,  131). 

48  ist  fünfhebig  mit  fehlender  Senkung;  vielleicht  könnte  wie- 
der die  (zu  3,  IC)  ergänzt  werden  wie  69  ein  nu  o.  dgl.:  »wo  durch 
kleine  passende  Einschaltungen,  die  dem  Dichter  selbst  einfallen 
mussten,  wie  durch  nu,  durch  dd  die  Senkung  sich  herstellen  lässt,  da 
ist  es  ratsam,  den  Vers  zu  glätten  •  (Haupt  zu  Engelh.  366) ;  und 
dass  das  selbst  in  einem  so  oorrecten  Originaltexte  wie  in  Brants 
Narrenschiff  ab  und  zu  notwendig  ist,  hat  Zamoke  (ibid.  p.  291) 
gezeigt. 


—    198    — 

53 — 56.  B  got :  apot,  aber  gerade  hier  kann  man  an  der 
Richtigkeit  der  Ueberlieferung  kaum  zweifeln,  da  das  zweite  Reim- 
wort echte  Gemination  hat.  —  ze  an  das  Wort,  welches  mit  s 
anlautet,  zu  inclinieren,  trug  ich  Bedenken,  da  selber  ze  auch  ein 
leichter  Fall  von  zweisilbiger  Senkung  sein  kann;  B  folgte  gleich- 
falls der  Hs. 

61 — 64.  Vintler  8704  du  soll  versperren  ze  aller  atunt 
dein  gehaim  in  deines  herzen  grünt  —  64  B  dina^  aber  es  ist 
die  fünfheb.  Titurelzeile  gemeint,  umgekehrt  setzte  der  Schreiber 
70  deines  für  dins. 

67.  beliebst  ist  Druckversehen  für  belibst 

70—72.  Titurel  1021  swaz  du  ie  spreche^  daz  gie  von 
hertzen  gründe ;  Lichtenst.  595,  1  si  tuot  mich  frö  in  hertzen 
grünt 

77.  B  behandelt  in  einer  Anm.  die  Apokope  des  Gen.-«;  eins 
steten  muot :  huot  5,  357  hat  er  übersehen,  gemach  28,  164  kann 
Adv.  sein;  dass  man  «das  s  überall  in  sein  grammatisches  Recht 
einsetzen  dürfe*,  ist  nicht  mehr  zu  glauben,  weil  ich  Abh.  IV,  185 
nachgewiesen  habe,  dass  die  flexionslosen  Formen  auch  bei  andern 
Dichtern  und  in  Urkunden,  wo  kein  Reim  zur  Apokope  veranlassen 
konnte,  vorhanden  sind. 

81—84  ist  T".  83  formelhaft,  vgl.  auch  18,  47;  Hätzl. 
42,  7  mein  hertz  in  fräden  wüte  nach  irer  werden  gute;  62,  1 
als  mein  gemüt  hatt  sämlich  wüt  nach  deiner  gut;  97,  33  nctch 
deinem*  lieb  ich  wütte;  Heinr.  von  Würtb.  14,  5  nach  diner  guet 
ich  teglich  wuet;  Ambr.  LB.  23,  3  mein  hertz  das  wüt  na^h 
deiner  gut.  üeber  wüeten  von  heftiger  Liebe  vgl.  noch  Erich 
Schmidt  zu  Reinmar  p.  88. 

guete  hat  seineu  Umfang  vergrössert,  indem  es  auch  die  Stelle 
von  hulde  vertritt,  das  bei  Hugo  ausser  2,  33  ganz  verschwunden  ist, 
vgl.  auch  1,  48;  8,  5;  37,  29  etc. 

87.  B  mit  der  Hs.  d^n  aU^Sj  das  aber  nicht  zu  glauben,  wo 
die  Besserung  äne  alls  oder  als^  das  oft  belegt  ist,  so  nahe  liegt. 

IV. 

1 — 3.  Das  alte  quidquid  agasy  respice  ßnem.  Limb.   Ghron. 

(ed.  Vogel)  p.   104   dann   wo  das  end  böss  ist^   da  ist  der  Ur^ 

Sprung  nicht  zu  loben^  als  der  Meister  spricht  in  den  Schulen: 

principium  lauda  cujus   sequitur  bona  causa,  das  ist:    lob'iÜBa 


—     199     -« 

Anbegirm,  das  ist  mein  Mathj  Wann  die  Sache  ein  gut  Ende 
hat;  Boner  waz  der  mensche  würken  wll^  sieht  er  üf  des  endes 
zil^  so  mag  im  hüm  missegdrty  ez  sin  vrouwen  oder  man  26,  29. 

7.  K  las  Vy^  aber  B,  die  Berliner  und  meine  Abschrift  haben 
yy;  dem  Sinne  entspricht  vi  besser.  —  gitikeit  ist  hier  nicht 
=  avaHüay  sondern  hat,  wie  der  Zusammenhang  ergibt,  allgemei- 
nere Bedeutung,  entsprechend  der  Anschauung  der  Mystiker :  wizzit 
ir^  waz  gitikeit  ist?  daz  heizet  ma/n  hoese  gtükeit^  daz  m^n  iht 
des  hegert^  daz  got  niht  enist  Myst.  II,  450,  8;  L.  I,  1024. 

8.  Für  mort  stiften  hat  Jänicke  zu  Wolfd.  D  VII,  39,  4 
Belege  gesammelt,  die  Lex.  im^  II  Bde  verwertet  hat ;  vgl.  dazu  noch 
Marnec  hat  gestiftet  mangen  mort  XV,  324  und  Strauch  zu  XV, 
162;  Boner  diu  valsche  zunge  stiftet  mort  3,  55.  —  mein  stiften 
ist  bei  Lex.  noch  unbelegt,  es  begegnet  aber  öfters  durch  die 
Alliteration  mit  mort  verbunden :  Sachsenh.  min  frow  kan  stiften 
main  tmd  mort  Moer.  2316;  so  stifft  er  alzeit  main  imd  mord 
Jes.  96;  auffallend  ist  die  üebereinstimmung  von  Vers  7  und  8 
bei  Hugo  mit  Suchenw.  32,  1  ach  geitichait  (in  engerer  Bedeu- 
tung), du  valscher  hört,  du  stiftest  main^  du  stiftest  mort^  was 
wohl  auf  directen  Einfluss,  den  Hugo  empfangen  hat,  hinweist.  — 
25,  156  gebraucht  Hugo   die  Verbindung  frid  und  suon  stifften, 

9.  wrtikel  (auch  31,  70)  hat  Lex.  I,  98  nur  aus.Kolm.  und 
im  Nachtrag  aus  dem  spätem  Loh.  und  Mall,  belegt. 

10.  stikel  stm.,  ein  steiler  Weg  (auf  dem  d.  Seele  zu  Falle 
kommt);  in  ähnlicher  Weise  nennt  Hugo  38,  124  den  zwifel  einen 
bösen  weg, 

11  mit  sneller  il;  vgl.  Martin  zur  Moer.  3450;  Suchenw. 
14,  240;  22,  205;  Ambr.  LB.  durch  iren  pfeil  in  schneller  eil 
HO,  29. 

14.  jamersmertze  (auch  26,  43;  33,  87)  swm.  Trauer- 
schmerz; mit  demselben  Bestimmungsworte  ist  27,  148  jamertal 
stn.  (Tal  des  Jammers,  als  Vergleich  für  die  Erde)  gebildet. 

18.  Ist  wer  sich  Mt  herabzubeziehen ,  wie  es  die  Satzcon- 
struction  verlangt,  so  gibt  das  einen  Gebrauch  von  erblinden  (= 
blind  machen,  verblenden),  der  sonst  nicht  nachgewiesen  ist ;  aber 
wir  werden  auch  später  noch  ein  paar  Fällen  begegnen,  in  denen 
Hugo  intr.  Verba  trans.  verwendet ;  bei  verblinden  belegt  auch  Lex. 
den  trans.  neben  dem  intr.  Gebrauch. 

22.  B  bichtCy  vgl.  die  Anm.  zu  15,  27. 


—     200    — 

24.  Dass  pirt  als  Pass.  von  bern  bemerkenswert  ist,  hat  schon 
B.  in  einer  Anm.  hervorgehoben. 

25 — 36.  ämptenip  ist  ohne  Zweifel  üebergangslaut  von  la- 
bialem zu  dentalem  Verschluss  (Abh.  IV,  159);  wie  aber  der  Labialis 
hier  entstanden  ist,  kann  ich  nicht  erklären,  die  Bildung  ist  andern, 
z.B.  dem  kunt==kumt=kumpt  gerade  entgegengesetzt.  Man  könnte 
daran  denken,  dass  sie  nur  der  Reim  veranlasst,  wenn  nicht  Lex. 
Hmpte  auch  aus  andern  Quellen  belegte.  —  Derartige  Bilder  und  Ver- 
gleiche für  die  ünergründlichkeit  und  ünerfasslichkeit  Oottes  sind 
häufig,  vgl.  W.  Grimm,  gold.  Schmiede,  Einl.  p.  47 ;  Bezzenberger 
zu  Freidank  13,  23;  Wilmanns  zu  Walther  92,  1;  Strauch  zu  Mar- 
ner  I,  20,  21;  O.Zingerle  zu  Sonnenb.  4,63—70;  Bartsch  zu  25.— 
Zu  25—31  vgl.  auch  Freid.  104,  12  (aus  Hs.  H)  waere  der 
Mmel  permU  und  dd  zuo  daz  ertrich  wU  und  alle  stemm  pfaffen^ 
die  got  hat  geschafen^  ei  künden  niht  geeckriben  etc. 

26.  B  gerimpieriy  während  er  sich  sonst  in  ähnlichen  Fällen 
starke  Kürzungen  erlaubt:  gbot^  gbrochen  13,  21   etc. 

36.  B  dWn,  oorrigiert  also  die  Verse  auf  drei  Hebungen,  doch 
ist  kein  Grund  dazu  vorhanden  (vgl.  Abh.  V,  195  ff);  Vers  15 
ist  35  ganz  analog,  und  die  fehlende  Senkung  könnte  auch  durch 
ein  gar^  das  Hugo  oft  dazu  verwendet  (z.  B.  Vers  48;  26,  55, 
65 ;  28,  142)  und  das  hier  dem  Sinne  ganz  angemessen  wäre,  be- 
seitigt werden. 

39.  B  oorrigiert  hier  und  durchweg  die  hsl.  üt^  n^  nütz  za 
it,  nit,  nite,  nur  5,  328  ist  ihm  nüts  entschlüpft;  sie  gehören  aber 
alle  ohne  Zweifel  dem  Dichter  an,  denn  sie  sind  im  Alem.  doroh 
das  ganze  Gebiet  so  häufig,  dass  es  ganz  sonderbar  wäre,  wenn 
sie  Hugo  nicht  gebraucht  hätte,  vgl.  Mart  25,  92 ;  Myst  I,  265 ; 
Bon.  76,  19;  73,  59;  76,  38;  Griesh.  D  47;  Chron.  8,  140; 
Mag.  Kr.  34^•  Schreib.  I,  79;  Sachsenh.  M.  4231 ;  Sp.  160,  31; 
Lassb.  LS.  30,  112;  Laufb.711,  8;  714,  15;  776,  11,  15;  Brant 
19,  51;  64,  6;  im  Netz  327,  1284,  1514;  auch  bei  Tschudi,  in 
den  Urkunden  (s.  Bergmann,  Arch.  I,  FV,  78)  sind  sie  zahl- 
reich. Dass  sie  im  Reime  nur  selten  erscheinen,  versteht  sich 
von  selbst;  doch  auch  hiernie^ :  Hut  LS.  7,  23;  nüt:Mut  Lanfb, 
LB.  l^  1184,  23;  nützikriutz  Moer.  4231;  Üutinüt  Brant 
19,  41.  Von  unsern  Schreibern  aber  hat  sie  nur  A  bewahrt,  so 
dass  es  sich  neuerdings  zeigt,  um  wie  viel  die  von  ihm  überlie- 
ferten  Pormen  wertvoller  sind  als  die  von  B  und  0;  dadaroh  iBt 


—    201     — 

aber  anoh  erklärt,  wie  Bartsch,  der  A  nicht  kannte,  dazu  kommen 
konnte,  sie  zu  tilgen. 
43.  Lies  dds. 

45.  Kummer  will  (p.  331)  du  streichen;  allein  es  steht  zwei- 
silbiger Auftact  im  Anrufe  (nach  Abh.  V,  207) ;  ich  glaube  daher 
auch  nicht,  dass  in  Flore  2630  das  überlieferte  herre  » als  Auftact 
zu  schwer*  gewesen  wäre,  wie  Sommer  a.  a.  0,  meinte.  —  lieber 
den  Sinn  der  Stelle  hat  schon  B  gezweifelt;  vielleicht  findet  er 
sich,  wenn  man  waz  betont  (was  auch  der  Rhythmus  verlangt) 
und  den  Vers  als  Frage  fasst,  welche  den  Gegensatz  als  Antwort 
erwarten  lässt:  wdz  hast  d,  z.  d.  m.  —  Antwort;  nichts;  ich  da- 
gegen aber  habe  von  dir  Seele  etc. 

46.  B  vemunst  und  so  oft  gegen  die  Hs  ,  8,  1  sogar  ktmst 
(:  verminst)^  während  5,  77  kun/t  richtig  bleibt;  vgl.  Abh.  IV, 
164.  Auch  K  tritt  för  die  überlieferten  Formen  ein  und  weist  auf 
den  anal.  Gebrauch  bei  andern  Dichtem  hin  (p.  333).  Z.  St.  vgl. 
Oswald  115,  3,  9  ^  (got)  Mi  dir  (o  tummer  mensch)  geben 
leib  und  leben,  sSl,  vemufft 

49.  B  minj  das  man  als  Versehen  betrachten  würde,  wenn 
nicht  min  in  den  Varianten  stünde;  diese  Synk.  ist  leicht  und  oft 
(s.  IV,  188,  Sommer  zu  Flore  42)  z.  B.  20,  21,  wo  sie  auch  B  lässt. 

62.  B  corrigiert  guottet,  vgl.  aber  Abh.  IV,  161:  Apokope  des  t 
vor  Dentalis  begegnet  beim  Schreiber  A  und  B,  dazu  im  Netz  11789 
guotuot  =  guot  tuet  u.  ö. 

70.  Vgl.  dazu  Herrand  1,  255  wi  der  mmen  tdty  die  min 
lip  begangen  hdt  (wo  K  auf  diese  St.  Hugo*s  verweist) ;  dann  Frei- 
dank 13,  16  frouwe,  hilf  vertrtben  min  manicvalte  miseetdfj  die 
min  Itp  begangen  hdt. 

71.  B  lässt  dn  :  wollte  man  den  Vers  dreihebig  lesen,  hätte 
man  rüwet  dn  wie  zühet  den  in  Vers  53  behandeln  müssen ;  allein 
dazu  zwingt  nichts,  alsdann  ist  dne  zu  schreiben,  das  in  der  Hs. 
noch  öfters  überliefert  und  auch  von  B  (5,  127  etc.)  zur  Beseitigung 
der  fehlenden  Senkung  verwendet  wird. 

72  muss  nicht  mit  versetzter  Betonung  gelesen  werden ;  zSh^n 
geht  freilich  kaum  (vgl.  Abh.  V,  240) ,  aber  wd  ich  und  zehen  ist 
erlaubt  (V,  21 B);  denn  ob  das  einsilbige  Wort  mit  Vocal  oder  Con- 
sonant  schliesst,  macht  keinen  Unterschied,  wie  die  a.  a.  0.  auf- 
gezählten Beispiele  beweisen,  wozu  ich  noch  eines  aus  Ottokar 
1264  anführe  n{e  zdl  er  fünd. 


—     202     — 

77.  B  heilgen^  aber  dazu  ist  keine  Veranlassung  (s.  Abb.  V, 
220);  ebenso  tilgt  er  4,  157;  5,  206;  38,  V6  die  Verscbleifdng 
auf  der  Senkung,  während  5,  277  mächtigen;  14,  36  guetiger'y 
25,  165  adligen;  29,  145  wäUgen;  33,  174  allmächtiger  stehen 
bleiben.  Wenn  er  auch  2,  40;  10,  33;  11,  27  corrigiert,  so  wird 
ihn  dabei  der  folgende  stumpfe  Versschluss  beeinflusst  haben  (s.  Abh. 
V,  242).  Auch  Kummer  nimmt  (p.  331)  eiligen  2,  40  als  Ver- 
schleifung,  muss  also  gleichfalls  tiberzeugt  gewesen  sein,  dass  Hugo 
die  letzte  Senkung  nicht  mehr  beachtet  hat  als  die  übrigen. 

80.  B  corrigiert  hier  und  5,  76 ;  8,  1 1 ;  22,  35  etc.  wm,  doch 
vgl.  dagegen  die  Abh.  IV,  165  gelieferten  Nachweise  von  nwrk. 

86.  K  wünscht  (p.  331  und  noch  einmal  p.  335)  ähem^  aber 
nur  wegen  ,der  Silbenzahl  des  Reimverses  ^.  lieber  dehein,  dhein 
und  fceen,  nekein  vgl.  Paul,  Beitr.  VI,  559. 

88.  B  erbermde  und  Hiatus,  vgl.  5,   180,  346. 

90.  Dass  unter  gschrift  die  heilige  Schrift  und  zwar  wahr- 
scheinlich in  lateinischer  Sprache  zu  verstehen  sei,  habe  ich  Abh. 
I,  11,  Anm.  1  ausgeführt.  In  dieser  Meinung  werde  ich  nach- 
träglich noch  bestärkt  durch  Karajan  (Denkschr.  VI,  104),  welcher 
zu  Suchenw.  19,  64  die  Anm.  macht:  «Schrift  bedeutet  hier  die 
Bibel  und  zwar  offenbar  die  lateinische  Vulgata*. 

91.  B  sinemj  vgl.  1,  26. 

92.  B  zwelf  und  so  oft  e  für  ^,  welche  beim  Schreiber  A  und 
B  (s.  Abh.  IV,  155),  in  den  alem.  Urkunden  und  bei  alem.  Dichtem 
zu  finden  sind,  von  den  letzteren  hat  sie  noch  Brant  (Zarocke  p. 
268);  K  hat  daher  Recht,  wenn  er  sie  bewahrt  wissen  will. 

95.  Zu  wer  vgl.  Abh.  IV,  176,  Anm.;  dazu  noch  Koberstein, 
quaest.  Suchenw.  IH,  18.  Auch  Laufb.  hat  713,  3  du  verlürU  und 
Zamcke  (Brant  285^)  belegt  aus  Sleigert.  du  hezwengt  SachBenh. 
hat  Moer.  du  wert  4676,  4690;  du  geht  539,  trunckt  1655, 
giengt  2099  (u.  a.  s.  Martin  zu  Moer.  ö39).  K  hat  daher  Recht» 
wenn  er  das  hsl.  wert  festhält:  es  zeigt  sich  nur  wieder,  wie  viel 
wertvoller  die  Formen  bei  A  als  die  bei  B  und  G  sind.  Zamcke 
fasst  diese  Endung  -f  als  Analogiebildung  nach  den  Praeteritopraes. 
und  als  Vorläufer  des  ^et  Demnach  würden  sich  vier  Bildungs- 
stufen vom  mhd.  zum  nhd.  Praet.  U  Pers.  ergeben :  waere^  waert^ 
waeret^  warst 

100.  B  mt«o^;>  aber  abgesehen  davon,  dass  sich  eine  solche 
Jir'üZüDg  aus  der  Ueberlieferung  nicht  belegen  lässt  (s.  Abh;  V,  225 ; 


-  2m    - 

Anm.  zu  3, 13,  p.  194),  findet  sibh  auch  nicht  die  geringste  Andeutung, 
dass  Hugo  bei  Synkopen  darauf  geachtet  hätte,  ob  das  folgende 
Wort  mit  einem  Vocal  odier  Conson.  beginne,  wie  das  wohl  bei  fein- 
hörigen mhd.  Dichtern  der  Fall  war.  So  corrigiert  B  auöh  4,  9 
boar  art^kel;  5,  223  fi^rstn  ir;  18,  170  altr  uf;  18,  243  Ämdr 
ir;  29,  13  sorgn  (Inf.)  und;  29,  89  w^st  ein  (aus  werist^  Conj.) 
etc.  — ^'  Dagegen  bleiben  nach  der  üeberlieferung  stehen  zwifel  ist 
6,  3;  furaten  ir  5,  229;  farsten  und  28,  165;  hirzen  ein  3,  4; 
alten  und  24,  123;  stehen  (Inf.)  und  15,  116;  wSrist  (Conj.) 
uf  28,  232;  Uchten  (Inf.)  und  ^8,  245  etc.  Dass  ich  die  letztere 
Verfahrungsweise  für  die  richtigere  halte,  braucht  keine  weitere  Aus- 
einandersetzung mehr;  ich  lasse  fernerhin  diesen  Punkt  ausser  Acht. 

102.  Lies  8ol. 

106.  B  globen;  aber  dann  müsste  man  annehmen,  dass  der 
bair.  Schreiber  ou  für  o  geschrieben  hätte,  und  das  geht  nicht  an : 
hätte  er  die  Vorlage  geändert,  so  würde  er  hier,  wie  gleich  in  der 
nächsten  Zeile  und  sonst  meist,  au  gesetzt  liaben.  Dieses  ou  zu 
bewahren,  wird  um  so  wichtiger,  weil  es  der  einzige  Repräsen- 
tant für  diesen  Diphthong  ist,  den  Hugo  sicher  öfters  verwendet 
hat  (vgl.  Abh.  IV,  157).  In  ähnlicher  Weise  irrte  Bartsch,  wenn 
er  34,  37  das  alem.  raut  in  i'at  cörrigierte,  wogfegen  schon  Kummer 
Einsprache  erhoben  hat. 

105 — 107.  Freid.  134,  18  ich  Idz  mich  niht  berouben  mines 
rehten  glouben;  mich  enkcm  auch  niem^n '  bringen  von  guoten 
gedingen, 

110-112.  Freid.  123,  16  achoeniu  wort  enhelfent  nihf^ 
da  der  werke  niht  geschiht;  Spr.  Str.  27,  1  vil  lützel  helfent 
schoeniu  worty'sS  wir  der  werke  niht  entuon  (BeiÄzenb.  z.  St.); 
Walther  (W.  89,  133)  swelch  kristen  kristentuomea  gtht  a/n 
warten ,  und  an  werken  niht ,  der  ist  iOol  ^hdlp '  ein  hdden : 
daz  eine  ist  dn  daz  ander  tSt^  und  dazu  Wilmatins'  Nächweise 
zu  132;  ferner  Ring  107,  2  hiet  er  joch  ^ewurket  vil  "guoter 
werch  ze  allem  zil ,  so  ist  dir  auch  der  gelaub  emuicht  ün  die 
werch.  Der  Glaube  und  die  Werke  nach  demselben  werden  gleich- 
massig  betont;  s.  noch  Freid.  35,  22  guoter  ghube  und  ¥einiu 
werc  diu  swendent  der  Sünden  berc.  —  112  kann  zem  geschrieben 
werden. 

114.  B  bleibt  bei  der  Hs.;  aber  also  ich  ist  nicht  anstössig 
(s.  Abh.  V,  219  f.)  tmd  fein  Verb.  fin.  im  zweisilbigen  Auftäcte  jeden- 


—    204    — 

falls  zweifelhafter  (V,  207)  als  die  Betonung  des  Pronomens.  Ueber 
od  vgl.  die  Anm.  za  4,  135. 

123 — 127.  Tit.  (Zarncke)  507,  1  alle  propMcien^  swaz  der 
ie  wart  gesprochen  von  der  maget  Marien  vor  ma/nic  hun- 
dert jdren  unde  wochen^  daz  mueat  dd  allez  werden  offenhasre 
hmtltch  der  weit  ze  sehene,  —  123  liest  auch  die  Grazer  und 
Berliner  Copie  prophetien,  B  prophechn;  bekanntlich  ist  c  und  t 
oft  nicht  zu  unterscheiden. 

128  S,  Zu  dieser  Schilderung  des  jüngsten  Gerichtes  vgl.  Freid. 
179,  16—180,  7  und  Bezzenbergers  Nachweise  z.  St. 

131.  B  nimer^  ebenso  17,  25.  Ueber  ü  =  i  und  ie  s.  Abh.  IV, 
156;  die  a  =  er  aber  schiebe  auch  ich  wie  B  den  Schreibern  zu, 
denn  sie  sind  im  Bair.  besonders  beliebt,  s.  Birlinger,  Augs- 
burg. Wb.  p.  369. 

135.  B  lässt  oderisoW  das  in  der  Senkung  verschleift  werden? 
sonst  corrigiert  er  in  solchen  Fällen  odr  z.  B.  5,  219,  229.  Mei- 
stens, wo  oder  in  der  Senkg.  zu  stehen  kommt,  hat  auch  die  Hs, 
eine  einsilbige  Form  und  zwar  ald  (sehr  oft)  oder  od  34,  44;  ich 
glaube  daher,  dass  man  nicht  das  Recht  hat,  sich  noch  eine  dritte 
einsilbige  Form  odr  zu  machen,  welche  in  der  Hs.  nicht  belegt 
ist.  Wenn  ich  od  wählte,  geschah  es  nur,  weil  es  dem  od'  graphisch 
ähnlicher  ist  als  ald.  Auch  Sommer  hat  in  Flore  od  verwendet 
(vgl.  seine  Anm.  zu  24);  aber  ebenso  gut,  wenn  night  noch  besser 
wäre  es,  das  alem.  ald  zu  substituieren,  das  Schönbach  auch  bei 
Boner  empfiehlt,  s.  Zs.  f.  d.  Phil.  6,  263. 

137.  B  gots,  ebenso  machta  139;  abents  8,  1;  nichts  5,  36 
und  so  durchweg  s  für  hsl.  z  nach  ^  nur  29,  146  ist  ihm  nen-- 
netz  entkommen.  Bartsch  hat  sich  wohl  durch  die  AG.  boatim- 
men  lassen,  diese  z  zu  streichen,  denn  da  sind  (p.  154)  die,  welche 
flexivischem  s  entsprechen,  nur  sehr  schwach  und  die,  welche  von  in- 
cliniertem  si  (de)  kommen,  gar  nicht  belegt.  Ich  habe  daher  schon 
Abh.  IV,  163  Nachweise  gesammelt  und  ergänze  sie  noch  durch 
Mag.  Krone  fürtz  (=  fiirte  sie)  89^  ebenso  guckotz  83^  maintz 
83^  ISrü  Sia,  schepfentz  37^  (s.  Zing.  507);  Laufb.  gotz  758,  7; 
hrohtmtz  (=  sie  inclin)  751»,  6;  Moer.  Echhartz  (Gen.)  3873, 
5092;  Lassb.  LS.  29,  168  gerichtz;  Netz  175,  306  gotz.  —  Nur 
wo  es  (ez)  an  das  t  des  vorausgehenden  Wortes  iucliniert  ist, 
lässt  B  die  zihätz  5,  121,  soltz  18,  158  etc.;  allein  Hugo  schreibt 
durchweg  schon  es  und  «,  wenn  er  es  an  einen  andern  Conson.  in- 


—     205     — 

diniert:  inhags  5,  98,  wirn  etc.,  auch  in  diesen  Fällen  kommt  das 
z  also  nur  vom  vorausgehenden  t. 

143.  B  las  mV,  das  wird  das  richtige  sein. 

149.  B  einsy  daher  musste  er  auch  die  Reime  klingend  machen, 
wodurch  dann  noch  iedes  zum  zweisilbigen  Auftaot  würde;  viel 
einfacher  schien  es  mir  doch,  die  Synkope  zu  beseitigen,  zumal  die 
Verse  33,  134,  136  wiederkehren,  wo  sie  gleichfalls  und  auch  bei 
B  stumpf  reimen. 

149 — 152:  jeder  Mensch  trägt  die  Merkzeichen  seiner  Sünden 
an  sich,  so  dass  alle  dieselben  erkennen;  vgl.  Altvater  (Zing.  Findl. 
Sitz.  Ber.  64,  161)  und  du  geat  von  dem  grdb^  so  gent  mit 
dir  gaenzleich  herab  alle  dein  sunde^,  auf  daz  si  ein  urchunde 
deiner  vertumnisae  weaen  gar  gewisse, 

157.  geseliget  ==  saelec  gemacht,  beglückt ;  Titurel  6142  zuo 
seiden  wirt  ez  geseliget, 

166.  Lies  himeUch. 

168.  ie  als  stn.  hat  Lex.  nur  aus  j.  Tit.  und  Hugo  (s.  auch  33, 
7»^),  iemer  als  stn.  gar  nicht  belegt,  letzteres  begegnet  auch  bei 
Hadamar  263  (s.  Stejskals  Anm.  z.  St.) ;  damit  bildet  Hugo  noch 
das  Compos.  iemer-wesen  stn.  33,  73. 

175.  B  ze  dery  was  nicht  notwendig  ist  (Abh.  V,  206);  25, 
57  lässt  auch  B  zuo  gerechten- 

176.  Der  Plur.  bei  Collect,  ist  häufig.  —  hellevar  (=  wie  die 
Hölle  aussehend,  also  nach  der  gewöhnlichen  Vorstellung  schwarz) 
ist  bei  Lex.  nur  aus  Helbl.  belegt. 

177.  178.  K  wollte  (p.  330)  jd'mer  und^  demnach  die  Verse 
dreihebig  lesen,  aber  unde  bessert  die  Stelle  und  ist  erlaubt,  s.  die 
Anm.  zu  12,  12. 

ISO.  K  schlägt  (p.  324)  vor,  müend  zu  schreiben,  allein  das 
ist  eine  bei  Hugo  ganz  unbelegte  und  überhaupt  seltene  Form : 
wer  den  Vers  dreihebig  liest  und  Einsilbigkeit  der  Senkung  her- 
stellen will,  kann  ohne  Anstand  muessents  schreiben,  da  diese  En- 
clisis  oft  belegt  ist  (Abh.  V,  192,  auch  Netz:  des  muosaents  100^1); 
wer  ihn  vierhebig  liest,  muss  fehlende  Senkg.  oder  versetzte  Beton, 
annehmen.    Das  erstere  wird  vorzuziehen  sein. 

182.  B  ändert  du  zu  die;  ebenso  5,  18,  256;  18,  53;  28, 
469  und  durchweg  (Abh.  IV,  153).  Auf  den  Reim  Me :  die  26, 
17  kann  man  sich  dabei  nicht  stützen,  denn  dieser  zeugt  nur  gegen 
Weinhold,  der  —  gerade  entgegengesetzt  von  Bartsch  —  diu  auch 


—    206     — 

für  da«  hsl.  die  (Fem^)  einoorrigierte.  Hätten  die  bair.  Schreiber  nach 
dieser  Richtung  hin  geändert,  würden  sie  eher  den  geschrieben  haben. 
£s  sind  also  keine  Gründe  vorhanden,  von  der  Ueberlieferung  abzu- 
weichen, wohl  aber  solche,  sie  zu  bewahren :  1)  die  du  sind  beim 
Schreiber  A  und  B  belegt,  2)  ebenso  oft  in  den  alem*  UrkandeD, 
z.B.  in  der  von  Lindau  1375  (Arch.I,  UI,  112)  du  ainfrowAgnes^ 
und  du  cmder  frow  Anne;  von  Baden  1363  du  huob  (p.  93)»  du 
lange  wis  (ibid.);  von  Bregenz  1379  (Sitz.  Ber.  9,  846)  du  selb  , 
statte  3)  auch  noch  bei  spätem  alem*  Dichtern:  Moer.  du  hüngin 
4865,  du  mnn  4884,  dM  kenn  5201,  du  weit  5272  etc. 

183,  184.  dehent  kann  nachgestelltes  Part,  sein,  auch  als 
Acc.  c.  Inf.  mit  weggefallenem  daz  last  sich  der  Vers  nehmen.  Zur 
St.  vgl.  Mart.  65,  21  vnd  schrigent  danne  wuefinde  zuo  den 
bergew  ruefinde^  duz  siu  uf  aiu  Valien, 

196.  iemev'we  ist  als  zusammengesetztes  Subst.  zu  betrachten 
und  bei  Lex.  I,  1415  nachzutragen;  es  begegnet  auch  in  einer 
ähnlichen  Stelle  der  Mart.  60,  101  da  (in  der  Hölle)  Jiant  a>ch 
tmd  iemer  we  ein  ander  da  zesteter  e, 

V. 

I,  2.  Netz  2238  es  ist  kam  so  haiUger  man^  er  müa  ain 
soUich  an/echtung  han.  —  B  wen^  vgl.  zu  2,  28.  Die  Synkope 
zu  beseitigen  ist  nicht  notwendig,  da  ein  dass-Satz  folgt. 

5.  ende  als  stm.  hat  schon  AG*  S  274  angemerkt.  Solcher 
Geschlechtswechsel  begegnet  bei  Hugo  öfter:  Ion  gebraucht  ar  25, 
202,  198;  28,  635  als  stn.;  25,  146  als  stm.;  drowe,  drS  stf.  18, 
231  als  stm.;  mensch  stm.  12,  \S;  stn.  4,  150;  24,  116;  28,  382. 

8.  B  corrigiert  versniden  und  so  durchweg;  dagegen  sprach 
schon  Kummer  p.  322. 

II.  iöchterlin,  toehter  =  Mädchen,  auch  30;  U,  43;  16, 
69;  17,  30;  18,  30;  28,  88;  29,  63,  s.  Weinhold  p.  163. 

18.  Es  wird  besser  sein,  Hiatus  einzucorrigieren  als  du  red 
zu  betonen,  jedenfalls  braucht  man  denselben  bei  Hugo  nicht  zu 
scheuen,  um  eine  fehlende  Senkung  zu  beseitigen,  vgl.  180;  12, 
12;  15,  32  etc. 

19.  Ueber  die  Vergleiche  des  Haares  mit  der  Seide  s.  Jänicke 
zu  Wolfd.  D  VIII,  323,  3. 

21.  ist  muss  herabbezogen  werden.  —  tinne  citiert  Lex.  aus 
Hugo;  vgl.  dazu  Sommer  zu  friere  1843. 


—     207     — 

22.  Bei  geschikhet  belegt  Lexer  (T,  901)  nur  die  Gonstr.  mit 
in  und  zuo.  —  Aehnlich  wie  hier  Haga  sagt  Suchenw.  25,  1 89  ir 
chynne  geformet  nach  der  minne;  LS.  24,  70  er  kirnie  waz  wol 
gestellet  zu  der  minne. 

25.  element(e)  als  swm.  bezweifelt  Lex.  I,  538,  bei  Hago  ist  es 
sicher  (vgl.  12,  3;  30,  25),  ebenso  bei  Vintler  744,  749  (s.  Lex. 
Naohtr.);  auch  Oswald  (Weber  p.  315)  gebraucht  es  masc.  29,  1, 
10  regiert  der  edel  element, 

28.  B  darin,  aber  36;  25,  2  etc.  darinn,  —  verblikhen  ist 
bei  Lex.  nicht  belegt  und  wird  sich  zu  erblichen  verhalten,  wie  etwa 
verbleichen  zu  erbleichen. 

29.  K  wollte  gleicht  betonen,  aber  B  las  richtiger  mit  fehlen- 
der Senkung  und  ohne  versetzte  Betonung,  nur  ist  es  nicht  not- 
wendig, gsichi  zu  schreiben,  ebenso  wenig  wie  50  bliben  (s.  Abh. 
V,  220). 

32.  B  füre  :  stiir ! 

35 — 38.  Heinr.  v.  Veld.  Aen.  146,  24  ir  var^jife  lieht  unde 
güt^  rehte  als  milich  unde  blüt  wol  gemischet  r6t  unde  wtz; 
Konrad,  Troj.  Kr.  3024  reht  ahe  ein  milch  und  alse  ein  bluot 
wol  under  ein  geßozzen  was;  Heinr.  von  Neust.  Apoll.  1626  er 
wengltn  rSsenvar  rdt  in  wiz  gemischet  gwr^  15230  reht  als  der 
milch  unde  pluot  schöne  under  einander  tuot ;  vgl.  noch  Uhland, 
Sehr.  V,  129  und  die  Belege  bei  Lex.  J,  2136. 

39  Es  wird  besser  sein,  diesen  Vers  mit  dem  folgenden  zu 
verbinden  und  den  Strichpunkt  in  die  obere  Zeile  zu  versetzen. 

4 1 .  B  fliJikt :  gedrükt ;  doch  war  vlucken  allgemein  gebräuch- 
lich genug,  um  nicht  gegen  die  Hs.  ändern  zu  müssen,  auch  das 
Netz  gebraucht  es  (11232)  in  der  unumgelauteten  Form,  ebenso 
Suchenw.  25,   194  ir  mündel  feuere  ßamen  flukt  (igedrukt). 

43.  K  wollte  (p.  328)  in  diesem  Verse  einen  Beweis  erblicken, 
dass  drei-  und  vierhebige  Zeilen  auf  einander  reimen,  oder  dass 
44  mit  zweisilbigem  Auftact  zu  lesen  ist.  Allein  der  Vers  ist 
tadellos,  vgl.  Abh.  V,  217,  Punkt  1;  daher  ist  es  auch  nicht  tun- 
lich mit  B  unde  zu  corrigieren,  vgl.  Abh.  V,  219.  ^ 

45.  Dieselbe  Zeile  bei  Suchenw.  25,  188  ir  helsel  runt,  ir 
nekel  blank, 

46.  wunsch-gedank  =  Wunsches  gedcmCy  ist  unbelegt. 

51.  Nach  der  abschweifenden  Beschreibung  einer  seiner  Ge- 
liebten aus  der  Vergangenheit  knüpft  er  wieder  an  6^15  an;  so 


—     198    — 

53 — 56.  B  got :  apot,  aber  gerade  hier  kann  man  an  der 
Richtigkeit  der  Ueberlieferung  kaum  zweifeln,  da  das  zweite  Reim- 
wort echte  Gemination  hat.  —  ze  an  das  Wort,  welches  mit  s 
anlautet,  zu  inclinieren,  trug  ich  Bedenken,  da  selber  ze  auch  ein 
leichter  Fall  von  zweisilbiger  Senkung  sein  kann;  B  folgte  gleich- 
falls der  Hs. 

61 — 64.  Vintler  8704  du  aolt  versperren  ze  aller  atunt 
dein  gehaim  in  deines  herzen  grünt  —  64  B  dina^  aber  es  ist 
die  fünfheb.  Titurelzeile  gemeint,  umgekehrt  setzte  der  Schreiber 
70  deines  für  dins, 

67.  beliebst  ist  Druckversehen  für  belibst 

70—72.  Titurel  1021  swaz  du  ie  spreche  ^  daz  gie  von 
hertzen  gründe ;  Lichtenst.  595,  1  si  tuot  mich  fro  in  hertzen 
grünt 

77.  B  behandelt  in  einer  Anm.  die  Apokope  des  Gen.-«;  eins 
steten  muot :  huot  5,  357  hat  er  übersehen,  gemach  28,  164  kann 
Adv.  sein;  dass  man  ^das  s  überall  in  sein  grammatisches  Recht 
einsetzen  dürfe*,  ist  nicht  mehr  zu  glauben,  weil  ich  Abh.  IV,  185 
nachgewiesen  habe,  dass  die  flexionslosen  Formen  auch  bei  andern 
Dichtern  und  in  Urkunden,  wo  kein  Reim  zur  Apokope  veranlassen 
konnte,  vorhanden  sind. 

81—84  ist  TH.  83  formelhaft,  vgl.  auch  18,  47;  Hätzl. 
42,  7  mein  hertz  in  fräden  wüte  nach  irer  werden  gute;  62,  I 
als  mein  gemüt  hatt  sämlich  wüt  nach  deiner  gut;  97,  33  na>ch 
deiner  lieb  ich  wütte;  Heinr.  von  Würtb.  14,  5  nach  diner  guet 
ich  teglich  wuet;  Ambr.  LB.  23,  3  m^in  hertz  das  wüt  nach 
deiner  gut  üeber  wüeten  von  heftiger  Liebe  vgl.  noch  Erich 
Schmidt  zu  Reinmar  p.  88. 

guete  hat  seinen  Umfang  vergrössert,  indem  es  auch  die  Stelle 
von  hulde  vertritt,  das  bei  Hugo  ausser  2,  33  ganz  verschwunden  ist, 
vgl.  auch  1,  48;  8,  5;  37,  29  etc. 

87.  B  mit  der  Hs.  d'n  aü^Sj  das  aber  nicht  zu  glauben,  wo 
die  Besserung  äne  alls  oder  als^  das  oft  belegt  ist,  so  nahe  liegt. 

IV. 

1 — 3.  Das  alte  quidquid  agas^  respice  finem.  Limb.   Ghron. 

(ed.  Vogel)  p.   104    dann   wo  das  end  böss  ist,   da  ist  der  Ur^ 

Sprung  nicht  zu  loben,  als  der  Meister  spricht  in  den  Schulen: 

principium  lauda  cujus   sequitur  bona  causa,  das  ist:   lob  dläs 


~    209    — 

sich  Zwiesprache:  zu  meinem  hertzen  ich  da  sprach:  ntm  raU^ 
wie  ich  tuo.  es  riett^  das  ich  hinzuo  solt  gan  und  reyten. 

85.  Die  Hs.  grüszt^  lässt  also  zwischen  gruoazt  und  grueazt 
zweifeln;  B  nahm  das  erstere  und  das  wird  auch  das  bessere  sein. 

86.  gndd^  herr  entspricht  unserm  »Verzeihung,  Herr."  Die 
Anrede  liebt  Suchenw.,  vgl.  29,  18;  23,  105  etc.  —  ^ar  eenftek-- 
lieh  gehört  zu  sprach, 

93.  merteil  (auch  369;  29,  38)  ist  bei  Lex.  I,  2118  nur 
aus  Wh.  V.  Oest.  und  erst  im  Nachtrag  noch  aus  ein  paar  andern 
Quellen  belegt. 

94.  B  dest  und  dazu  die  Anm. :  „  es  stand  die  Wahl  zwischen 
deat  und  daat;  letzteres  steht  in  der  Hs.  25,  84;  ersteres  hat  sein 
entsprechendes  in  est  15,  1;  17,  51^.  Ich  glaube  nicht,  dass  die 
Wahl  stand;  denn  nur  dost  ist  belegt,  dest  nicht,  und  zwischen 
dsis  ist  und  es  ist  ist  ein  Unterschied.  Anders  hätte  es  sich  ver- 
halten, wenn  weder  dast  noch  dest  belegt  gewesen  wäre;  auch 
Laufb.  gebraucht  793,  3  dast.  —  Ferner  gelt  zur  Bezeichnung 
von  etwas  geringfügigem,  wertlosem;  vgl.  auch  Mart.  60,  75 
niht  einer  Bemer  gulte;  Netz  8897  sie  hettend  im  nit  ain  JBer- 
ner  gela/n. 

95.  Das  Längezeichen  über  o  in  körnen  gehört  wohl  nur  A; 
sonst  würde  es  in  sehr  bezeichnenderweise  die  eingetretene  Län- 
gung der  Stammsilbe  andeuten  (s.  Abh.  V,  194). 

101.  B  hsitvint^  Hs.  vindet:  SynL  ist  notwendig;  dann  wird 
vindt  näher  liegen  als  vint  (Abh.  lY,  174);  22,  26  corrigiert 
auch  B  in  einem  ganz  analogen  Falle  leidt 

102.  kraft  der  natur  =  Kraft  dieser  Natur,  dieser  Art  (wie 
sie  Parcival  96  und  97  angedeutet  hat). 

104.  BcristcmpluotSj  vgl.  Abh.  IV,  161.  — B  setzt  nirgends  die 
üblichen  Anführungszeichen,  was  das  Lesen  sehr  erschwert;  denn 
es  ist  oft  nicht  leicht,  die  Punkte  zu  finden,  wo  sich  Bede  und 
Gegenrede  von  einander  abheben.  K  hat  daher  hier,  in  Nr.  29, 
Nr.  31  etc.  die  Einteilung  nachgetragen,  die  mit  der  meinen  über- 
einstimmt; nur  vermutet  er,  dass  5,  105  ich  sprach  ausgefallen 
sei,  worin  ich  ihm  nicht  beistimmen  kann :  in  Nr.  29  z.  B.  wech- 
seln die  Beden  auch  ohne  ein  ich  (si)  sprach;  wollte  man  femer 
hier  noch  ich  sprach  ergänzen,  hätten  wir  viersilb.  (!)  oder,  wenn 
man  broben  schriebe,  dreisilb.  Auft,  dagegen  s.  Abh.  V,  212. 

107 — 109.   Oswald  102,    8  wie  das   dn  swer  geboren  wer 
Wackernell,  Montfort.  V^ 


—     200    — 

24.  Dass  pirt  als  Pass.  von  bern  bemerkenswert  ist,  hat  schon 
B.  in  einer  Anm.  hervorgehoben. 

25 — 36.  ämptenip  ist  ohne  Zweifel  üebergangslaut  von  la- 
bialem zu  dentalem  Verschluss  (Abh.IV,  159);  wie  aber  der  Labialis 
hier  entstanden  ist,  kann  ich  nicht  erklären,  die  Bildung  ist  andern, 
z.B.  dem  kunt=kumt=kumpt  gerade  entgegengesetzt.  Man  könnte 
daran  denken,  dass  sie  nur  der  Reim  veranlasst,  wenn  nicht  Lex. 
ümpte  auch  aus  andern  Quellen  belegte.  —  Derartige  Bilder  und  Ver- 
gleiche für  die  ünergründlichkeit  und  ünerfasslichkeit  Oottes  sind 
häufig,  vgl.  W.  Grimm,  gold.  Schmiede,  Einl.  p.  47 ;  Bezzenberger 
zu  Freidank  13,  23;  Wilmanns  zu  Walther  92,  1;  Strauch  zu  Mar- 
ner  I,  20,  21 ;  0.  Zingerle  zu  Sonnenb.  4, 63—70;  Bartsch  zu  25. — 
Zu  25—31  vgl.  auch  Freid.  104,  12  (aus  Hs.  H)  waere  der 
himel  permit  und  dd  zuo  daz  ertrich  wtt  und  alle  stemen  pfaffen^ 
die  got  hat  geschafen^  ei  künden  niht  geechriben  etc. 

26.  B  gerimpten^  während  er  sich  sonst  in  ähnlichen  Fällen 
starke  Kürzungen  erlaubt:  gbot^  gbrochen  13,  21   etc. 

36.  B  drin^  corrigiert  also  die  Verse  auf  drei  Hebungen,  doch 
ist  kein  Grund  dazu  vorhanden  (vgl.  Abh.  V,  195  ff);  Vers  15 
ist  35  ganz  analog,  und  die  fehlende  Senkung  könnte  auch  durch 
ein  gar^  das  Hugo  oft  dazu  verwendet  (z.  B.  Vers  48;  26,  55, 
65 ;  28,  142)  und  das  hier  dem  Sinne  ganz  angemessen  wäre,  be- 
seitigt werden. 

39.  B  corrigiert  hier  und  durchweg  die  hsl.  üt^  nüt^  nütz  zu 
i7,  niU  nits,  nur  5,  328  ist  ihm  nute  entschlüpft;  sie  gehören  aber 
alle  ohne  Zweifel  dem  Dichter  an,  denn  sie  sind  im  Alem.  durch 
das  ganze  Gebiet  so  häufig,  dass  es  ganz  sonderbar  wäre,  wenn 
sie  Hugo  nicht  gebraucht  hätte,  vgl.  Mart.  25,  92;  Myst  I,  265 
Bon.  76,  19;  73,  59;  76,  38;  Griesh.  D  47;  Chron.  8,  140 
Mag.  Kr.  34^;  Schreib.  I,  79;  Sachsenh.  M.  4231 ;  Sp.  160,  31 
Lassb.  LS.  30,  112;  Laufb.711,  8;  714,  15;  776,  11,  15;  Brant 
19,  51;  64,  6;  im  Netz  327,  1284,  1514;  auch  bei  Tschudi,  in 
den  Urkunden  (s.  Bergmann,  Aroh.  I,  IV,  78)  sind  sie  zahl- 
reich. Dass  sie  im  Reime  nur  selten  erscheinen,  versteht  sich 
von  selbst;  doch  auch  hiernie^ :  Hut  LS.  7,  23;  nüt:hiut  Laufb. 
LB.  1^  1184,  23;  nützikriutz  Moer.  4231;  Hut :  nüt  Brant 
19,  41.  Von  unsern  Schreibern  aber  hat  sie  nur  A  bewahrt,  so 
dass  es  sich  neuerdings  zeigt,  um  wie  viel  die  von  ihm  überlie- 
ferten Pormen  wertvoller  sind  als  die  von  B  und  0;  dadurch  iBt 


—    211    — 

ürkanden  begegnen,  vgl.  z.  B.  Arch.  I,  ITI,  Nr.  34  (p.  89)  tfdr 
hatten,  —  Dass  hett  19»  29  im  Reime  erscheint,  kann  dagegen 
nichts  beweisen,  vgl.  auch  MG.  p.  370  and  Kammer  p.  333. 

E  las  (p.  333)  tag  nun^  ich  tag  min^  ebenso  die  Berliner 
Abschrift  nnd  wohl  anch  B,  sonst  hätte  er  ntm  in  die  Varianten 
gesetzt.     Beides  gibt  einen  gaten  Sinn. 

140  ist  die  nähere  Begründang  von  ghh.  Hago  meint:  die 
zeitlichen  Uebel  kommen  von  den  Sünden;  wir  freilich  wissen  das 
oft  nicht,  weil  wir  nicht  alles  za  erkennen  vermögen.  140  masste 
in  jedem  Falle  eine  Silbe  gestrichen  werden;  ich  schrieb  als^  weil 
dadaroh  der  vom  Dichter  beabsichtigte  Gregensatz,  den  dieser  Vers 
mit  144  bildet,  dentlich  hervortritt.  —  Setzt  man  144  ist  ein, 
das  gerade  in  der  Zeile  darüber  steht,  gewinnt  die  Betonung. 

145,  146.  Freidank  2,  6  gote  ist  fdht  verborgen  vor^  er  eiht 
durch  aller  herzen  tor. 

152.  Bti/a«,  wohl  verlesen?  —  K  will mt^y  =  mm,  ebenso  9,  33 
tuy  =  tui  lesen;  aber  y  steht  für  j  (s.  Anm.  za  1,  25),  wie  auch 
K  24,  107  tay  richtig  in  tuej  auflöst  (p.  324) ;  was  ihn  bei  den 
beiden  ersten  Wörtern  verleitete,  war  das  Fehlen  des  Umlautes, 
und  das  ist,  wie  wir  aus.  Abh.  III,  117  wissen,  nur  eine  Mgen- 
tümlichkeit  des  Schreibers  A.  m  für  üe  ist  bei  Hugo  überhaupt 
unbelegt. 

156.  Lies  Jean.  Das  es  dieser  Zeile  ist  auch  zu  155  hinaufzu- 
beziehen:  es  sei  seit  langem  oder  seit  kurzem  vergessen. 

157.  ein  angesicM  =  ein  Anschauen,  Anblick,  Augenblick. 
168.  rät  hohen  (auch  rät  tuon)  =  Abhilfe  schaffen,  Verzicht 

leisten;  gewöhnlich  mit  einem  Gren.,  s.  Bezzenb.  zu  Freid.  89,  23. 

171.  B  dorU  ebenso  15,  38,  später  bewahrt  er  dort  27,  127; 
28,  520  etc.  (vgl.  Abh.  IV,  155). 

177  ist  wohl  80  zu  streichen? 

180.  Zwischen  rüefen  and  ruofen  ist  oft  nicht  zu  unterscheid 
den,  s.  Lex.  II,  526.  —  B  ruoff. 

184  Ganz  ähnlich  deutet  der  Dichter  des  Netz  die  Ordnung 
seiner  Rede  an :  nun  fach  mir  wa  den  hoecheten  an  und  laue  es 
an  den  nidrosten  usgan.  Vom  höhern  zum  niedem  war  der  ge* 
wohnliche  Ghing,  vgl.  Heinzel,  Heinr.  v.  Melk  p.  46. 

.  185.  Der  Schreibfehler  der  Hs.  in  geb  ist  evident.  Schilderun- 
gen der  verdorbenen  Zeitverhältnisse ,  wie  sie  Hugo  im  folgenden 
bietet,  waren  damals  sehr  beliebt;  vgl.  Teichner  (Karajan)  VI,  162 ; 

14» 


—    212    — 

Suchenw.  Nr.  21,  36;  37,  77  ff.;  Jörg  Schilher,  Hätzl.  28,  120  ff.; 
Musoatbluot,  Hätzl.  132,  10  ff.,  bei  Grote  Nr.  56,  63,  73,  74,  75 
(s.  Weinh.  Mitt.  145) ;  Sachsenh.  Moer.  4143  ff.  (s.  Uhland,  Sehr, 
n,  228)  u.  a.  Der  Vergleich  derselben  ergibt,  dass  Hugo  nicht 
der  beste  Darsteller,  wohl  aber  einer  der  besten  Beobachter  and 
vor  allem  einer  der  freimütigsten  ist. 

194.  betrochen  von  betrechen^  bitrehhan  sty.  bedecken. 

195.  B  corrigiert  pebate ;  das  wäre  möglich,  ist  aber  gleichwohl 
nicht  richtig,  wie  sich  aus  Hugo*s  Sprachgebrauche  ergibt;  denn  wo 
er  in  diesem  Worte  synkopiert,  schreibt  er  auch  p  für  den  tönenden 
Labialis,  also  bepst  5,  189;  29,  150;  bapat  5,  214  etc.  Nun 
zeigt  hier  die  Hs.  pebat^  der  Schreiber  hat  also  e  ausgeworfen  wie 
öfter,  b  aber  stehen  lassen,  und  es  muss  pebest  corrigiert  werden, 
ebenso  5,  205,  217  pabeaU  wo  B  pahat  lässt,  so  dass  dem  Verse 
auch  eine  Senkung  fehlt.  (217  ist  in  meinen  Varianten  pahat  zu 
schreiben). 

198.  dunreinen^  vgl.  zu  2,  70;  B  streicht  und. 

201.  lieber  gitiheit  vgl.  zu  4,  7;  hier  hat  es  die  engere  Be- 
deutung wie^  git  208.  Der  Zusammenhang  mit  dem  vorausgehen- 
den wird  klar,  wenn  man  weiss,  wie  sich  damals  die  Gardinäle, 
besonders  die  römischen,  von  den  Italienern  bestechen  Hessen.  Hugo 
zeigt  sich  also  über  jene  Wahlumtriebe  gut  unterrichtet. 

207.  Dieser  Vers  kehrt  im  Netz  1632  wörtlich  wieder. 

210.  B  corrigiert  nie  zu  me.  Auch  Weinh.  bewahrt  (Mitt. 
p.  146,  Anm.  1)  das  hsl.  me. 

211.  Unter  den  hoptprelaten  sind  die  Cardinale  im  Wahl- 
collegium  gemeint;  das  Wort  ist  bei  Lex.  unbelegt. 

221.  gerechtikeit  ist  zu  lassen,  wie  ich  schon  Abh.  V,  221 
angemerkt  habe,  ebenso  kann  223,  239  und  in  anal.  Fällen  hünig 
bleiben,  wenn  es  die  Hs.  bietet  (V,  196).  —  B  hat  grechtigheit^ 
wodurch  einer  der  Unterschiede  der  beiden  jungem  unechten  Grediclite 
von  denen  Hugo*s  verwischt  wird.  Durch  den  Zusammenstoss  des 
h  von  heit  mit  dem  c  des  Adjectivsuff.  ec^  ic  entstand  cJ^f^ 
keit;  letzteres  gebraucht  Hugo  ausschliesslich.  In  jüngerer  Zeit 
nahm  man  dann  keit  als  eigenes  Sufßx  und  begann  die  Zusam- 
mensetzung von  neuem,  so  dass  g  (von  ig^  ic)  wieder  hervortrat 
(s.  Grimm,  Gr.  I^  431;  MG.  p.  244).  Diese  Neubildung  ist  in 
Hugo's  Gedichten  noch  nirgends,  in  Nr.  39  und  40  aber  oft 
vorhanden:  barmhertzigkeit  39,  63,  123;   40,  11;   innigkeit  40, 


—    213    - 

160  etc.     Also  zugleich  wieder  ein  Beleg  für  das  geringere  Alter 
dieser  Gedichte. 

224.  B  weren  (:herren\  ebenso  250  u.  ö.,  s.  Abh.  IV,  171. 
werren  ist  auch  bei  andern  früheren  und  späteren  Dichtern  häufig 
genug, 

229  =  ihr  Churfftrsten,  ihr  möget  (jetzt)  tod  oder  noch  am 
Leben  sein.  —  B  setzt  gegen  den  Beim  dks  d  an:  lebend  (: be- 
geben); vgl.  Abh.  rV,  161  und  176.  Aber  selbst,  wenn  der 
Schreiber  den  Reim  verunreinigt  hätte,  dürfte  man  d  apokopieren ; 
denn  „die  Apokope  des  d^  t  ist  im  Alem.  häufiger  als  im  Bair.* 
Zupitza,  DHB.  V,  p.  33. 

231 — 240.  walten  ist  Praet.  von  wein.  Wenzel  wurde  am 
10.  Juni  1376  zum  römischen  König  gewählt.  Er  war  in  der 
Tat  noch  ein  Knabe ,  noch  nicht  15  Jahre  alt  Das  Urteil  der 
heutigen  Geschichtsforschung  lautet  nicht  anders  als  das  Hugo*s: 
gerade  damals  wäre  dem  Trone  ein  gestanden  man^  der  trefflichste, 
den  man  finden  konnte,  mehr  als  je  von  Nöten  gewesen.  Die  Wahl 
Wenzels  aber  war  um  so  anstössiger,  da  sein  Vater  Karl  IV  in  der 
goldenen  Bulle  die  Königswahl  reformiert  und  bestimmt  hatte,  dass 
sie  geschehen  soll  aus  freier  Entscheidung  und  nach  dem  Tode 
des  Königs.  Derselbe  Karl  nun  war  der  erste,  der  aus  schmäh- 
lichem Nepotismus  das  eigene  G-esetz  brach,  indem  er  kein  Mittel 
scheute,  die  deutsche  Königskrone  und  damit  den  neu  erworbe- 
nen grossartigen  Länderbesitz  seinem  Hause  sicher  zu  stellen  und 
noch  bei  seiner  Lebzeit  die  Wahl  seines  Sohnes  durchzusetzen. 
Charakteristisch  sind  die  Worte,  mit  denen  ihn  der  Erzbischof 
von  Trier  zuerst  abwies:  „wie  wollt  ihr  eure  Ehre  und  euren  Eid 
bewahren?  Ihr  habt  geschworen  den  besten^Mann  in 
deutschen  Landen  zu  wählen,  und  dies  ist  ein  Kind, 
an  dem  nicht  Weisheit  und  Tüchtigkeit  ist*  (Weber, 
WG.  Vin  Bd.,  139).  Diese  Worte  haben  eine  frappante  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  Ausspruche  Hugo*s,  so  dass  man  annehmen  möchte, 
er  habe  sie  gekannt  und  sich  direct  darauf  bezogen,  wodurch  der 
Tadel  gegen  die  Churfürsten,  welche  sich  später  durch  Bestechungen 
von  ihrer  ursprünglichen  Haltung  abbringen  Hessen,  nur  um  so 
herber  würde. 

243  liest  K  kai/stüm;  aber  das  ist  ein  Lesefehler,  der  leicht 
und  häufig  passiert,  so  dass  Weizsäcker  in  den  deutsch.  Reichs- 
tagsaoten  (p.  68)  darauf  noch  besonders  aufmerksam  gemacht  hat; 


—    214    — 

der  Schnörkel  nach  dem  langen  /  ist  die  Abbreviatur  fär  er.  K 
macht  den  Vorschlag  keistuom  zu  lesen,  was  dem  Verse  anfhelfen 
würde;  aber  das  Wort  ist  weder  bei  Hogo  noch  anderswo 
belegt  and  daher  nicht  za  wagen.  Wollte  man  dem  ersten  Worte  in 
244  Hebung  und  Senkung  zuteilen  und  den  Vers  vierbebig  lesen 
(V,  195,  207,  213),  so  könnte  man  schreiben:  Sr  umhz  k^taer^ 
tuom  w4rhen  (mit  zweisilbigem  Auftact),  was  erträglich  und  besser 
wäre  als  vmhz  keis^tuom;  sonst  aber  wird  man  bei  der  Aiir 
nähme  eines  missglückten  Verses  stehen  bleiben. 

249  lässt  B  etäicJh^   das  298  u.  ö.  zu  eüich  corrigiert  wird. 

253.  B  Therm  ohne  Variante;  die  Hs.  aber  hat  Krn^  was 
nur  Tierren  heissen  kann,  welches  auch  den  bessern  Vers  gibt  (mit 
zweisilbigem  Auftact)  als  d^  Tterm;  ähnlich  schreibt  B  136  tner- 
zeTin  ohne  Variante,  wo  die  Hs.  wieder  die  gewöhnli(die  Fomi 
viertzeTien  hat.  Ich  bemerke  das  nur,  damit  man  nicht  auf  die  Mei- 
nung komme,  solche  Synkopen  würden  durch  die  Ueberliefenuig 
gestützt;  im  übrigen  oorrigiere  ich  Bartsch^  Vm:.  niemals,  obwohl 
mancherlei  Versehen  mituntergelaufen  sind,  nur  in  diesem  Gedichte 
Nr.  5  z«  B.  wären  ausserdem  noch  nachzutragen:  anvang  57,  all 
192,  Jcunig  239,  Ee  245  —  von  nicTitz  36,  owcA  330  etc.  (die 
auch  B  sonst  angibt)  abgesehen. 

254.  claffe  stf.  hat  Lex.  aus  Hugo  belegt 
256.  Lies  geecTiicTht 

260.  B  das  ohne  Variante.  jeT^en  mit  dem  Gen.  ist  ganz  ge- 
wöhnlich. 

261.  Die  Apokope  des  j  in  ener  begegnet  nur  hier  beim 
Schreiber  A,  öfters  aber  im  Netz,  vgl.  3545,  8519,  12709. 

264.  Ich  habe  bei  der  Herstellung  des  Textes  hier  und  25,  3 
gezweifelt,  ob  Hugo  nicht  lieber  zweisilbigen  Auftact  als  die  Be- 
tonung der  Vorsilbe  ge^  zuliess,  die  viel  seltener  vorkommt  als 
jener  (gerade  unten  328  steht  sin  gerzcht) ;  es  wird  aber  vorsich- 
tiger sein,  mit  B  bei  der  Ueberlieferung  zu  bleiben.  Ein  analoger 
Fall  ist  b^renkt  6,  28. 

265.  B  glich,  und  fehlende  Senkung;  ich  corrigierte  nach  1,  60^ 
wo  das  Wort  in  derselben  Fügung    (gUcTiea  dla  einj  wiederkehrt 

266.  Zwei  Dinge  sind  in  diesem  bekannten  Oxymoron  auf- 
fallend: zunächst  die  nhd.  Constr.  mit  in  und  dann  der  Accus.  — 
Lex.  belegt  es  II,  183  und  I,  309  nur  mit  mit  dm\  Er.  Sohoiidti 
Beinmar  (QF.  IV)  auch  mit  <m  den.  —  B  lässt  en,  corrigiert 


—    215    — 

aber  gaehenden^  ebenso  32,  94,  wo  die  Stelle  wiederkehrt.  Weiss 
man  nun,  dass  diese  beiden  Gedichte  von  verschiedenen  Händen 
geschrieben  sind,  so  ergibt  sich  daraus  schon  die  ganze  Unwahr- 
scheinlichkeit  dieser  Correotar;  denn  ein  Schreiber  konnte  gar  wohl 
an  einer  Form  seiner  Vorlage  Anstoss  nehmen  und  sie  mehrere- 
mal  ändern,  dass  aber  zwei  verschiedene  Schreiber  an  demselben 
Worte  die  gleiche  ungewöhnlichere  Form  setzten,  ist  eine  unplau- 
sible Annahme,  die  um  so  unglaublicher  wird,  wenn  ich  diese  Phrase 
auch  in  andern  Quellen  und  zwar  in  der  Hugo  zunächst  stehenden, 
im  Netz,  nachweise :  236 1  und  machend  die  lüt  in  gesehendi  ogen 
hlind^  2423  ai  blendend  aina  in  gesecJmi  ougen^  vgl.  noch  3626. 
Auch  in  Lassb.  LS.  10,  14  steht  daz  dick  in  geaechandi  ougen 
Wirt  geblendet^  während  Hadamar  445  noch  in  der  alten  Weise 
sagt  du  last  dich  mit  gesehenden  ougen  blenden  (Lex.  II,  183).  — 
Der  Accus,  quant.  hat  seine  Analogie  in  „  faul  (bis)  ins  Mark  (hin- 
ein)*. Mit  dem  Dat.  steht  die  Phrase  11,  38.  Hier  hat  es  sich 
wieder  gezeigt,  dass  die  gegenseitige  Gontrole  der  Schreiber  A  und 
B  in  nichtbairischen  Formen  ziemliche  Sicherheit  gewährt 

267.  B  und^  der  sonst  auch  unde  verwertet,  um  eine  fehlende 
Senkung  zu  beseitigen,  vgl.  die  Anm.  zu  12,  12. 

268.  B  unrecht,  s.  Abh.  V,  206  und  Anm.  zu  290. 

269.  270.  Simonie  und  Habsucht  wurden  seit  jeher  zu  den 
Hauptgebrechen  der  Geistlichkeit  gerechnet,  vgl.  darüber  Heinzel, 
Heinr.  v.  Melk  p.  28  und  33.  —  270  1.  nit, 

271.  Für  fürkoufen  als  stn.  (=  Vorwegkaufen)  hat  Lex.  nur 
3  Belege,    üeber  das  Wort  vgl.  Zarnoke  zu  Brant  93,  Tit. 

275.  Netz  7456  in  ähnlichem  Zusammenhange :  ie  hoeher  ge~ 
walty  ie  grosser  pin  muossend  weltlich  und  gcmilich  ain, 

281.  beschidikeit  (=  astutia)  hat  Lex.  I,  207  nur  aus  Brant 
und  im  Nachtr.  67  aus  Elis.  belegt.  Ueber  die  Bildung  des  Wortes 
vgl.  Zarncke,  Brant  p.  315,  316. 

290.  B  streicht  das  und  dem,  incliniert  ze  und  corrigiert 
rechte;  aber  dem  rechten  ist  bei  Hugo  die  geläufige  Ausdrucks- 
weise, vgl  4,  155;  18,  78;  25,  81;  28,  173;  31,  46,  69  etc. 
Es  geht  mit  einer  leichten  Gorrectur  (zem)  oder,  wenn  man  auch 
den  dreisilbigen  Auftact  beseitigen  will,  mit  zwei,  indem  man  noch 
dera  schreibt  (Abh.  V,  207). 

299.  Dem  Verse  fehlen  zwei  Silben;  B  setzt  unä^  ein,   und 


—    216    — 

das  ist  besser  als  meine  Correotur.  —  weienj  wejen  =  wiehern  hat 
Lex.  ans  Hugo  belegt. 

300.  Auch  B  schreibt  weien:mei€n;  aber  es  ist  wejen  :mejen 
anzusetzen,  wie  ich  später  erkannte  Abh.  III,  115  wnrde  Dämlich 
der  verschiedene  Gebrauch  des  y  in  ai  beim  Schreiber  A  und  B  nach- 
gewiesen: ay  findet  sich  bei  A,  bei  B  aber  ai.  Nun  hat  das  Wort 
maye  (und  wenn  es  im  Reime  steht  das  damit  gebundene)  sowohl 
bei  A  als  bei  B  durchweg  ay:  y  kann  somit  nicht  =  f,  sondern 
nur  ==  j  (resp.  g)  sein,  wofür  beide  im  Inn-  und  Auslaut  y  schrei- 
ben, meje,  meige  (j  und  g  wechseln  MGr.  §  202  f.)  ist  in  alem. 
Quellen  genug  belegt  (s.  Lex.),  auch  im  Netz  (5724) ;  femer  sind 
die  andern  beiden  Reime,  mit  denen  maye  gebunden  wird,  dieser 
Form  günstig:  19,  30  reimt  es  axiiweyen  (==  waejen\  15,  166  auf 
rayen  (=  reie,  rye^  reige), 

305  wird  vmd  zu  streichen  sein. 

308.  B  86  bschicht  mdmg, 

311.  lotterheit  =  lotters  wie  305,  liederliches,  unanständiges 
Betragen. 

315  ff.  Suchenw.  21,  81  auch  fruef  ich  dikchy  daz  riiters 
nam  phligf  symoney  und  wuchers  sam;  6,  97  ez  stet  gemain 
der  furaten  muot  so  gentzichleich  nach  Schatzes  guot 

319.  ma/nges  ist  zweisilbiger  Auftact  wie  tusent^  pHester  (s.  Abh. 
V,  207).  B  lässt  ler  :  er^  dann  fallt  der  zweisilb.  Auft.  weg,  mnss 
aber  320  ddrzuo  des  gelesen  werden,  was  vielleicht  vorzuziehen  ist. 

321.  B  burger ^  die  Hs.  deutlich  bürger;  man  würde  dieser 
nhd.  Form  mehr  misstrauen  können,  wenn  sie  beim  Schreiber  B 
stünde,  so  aber  ist  hier  der  älteste  Beleg  zu  erblicken  für  den 
Umlaut,  der  noch  im  16.  Jhd.  häufig  fehlt  (Grimm,  Wb.  11,  537). 

330.  wuocherguot  stn.  (=  durch  Wucher  erworbenes  Gut) 
hat  Lex.  III,  1002  nur  aus  Helbl.  belegt. 

340.  B  db  bricht,  aber  9,  33  corrigiert  auch  er  dbesprimg^ 
10,  9  dbe  Id'n  etc.  Die  Stelle  erinnert  ganz  an  Teichner  (Karajan 
147)  aber  dd  einr  dem  andern  daz  stn  abbricht  A  60^ ;  ähnlich 
wie  339,  340  sagt  auch  das  Netz  1141  der  wil  denn  liegen  %md 
triegen  und  den  lüten  daz  ir  abkriegen;  vgl.  9749  die  den  lüten 
das  brot  vor  dem  mund  abbrechen, 

341.  B  gwar;  vgl.  die  zweisilbigen  Auftacte  in  Abh.  V,  206. 
Dass  sich  Hugo  beim  zweisilbigen  Auftact  in  den  Reden  mehr  g&« 
stattet  als  in  seinen  Jugendliedern,  ist  leicht  zu  erklären. 


-     217    — 

343.  wordajo  aus  mord-a-jd  belegt  Lex.  aus  Hugo,  vgl  dazu 
mortjo  201 ;  dann  Hätzl.  II,  30,  80  darumb  ich  mordaio  schrey; 
Oswald  73,  3,  7  des  mordayo;  Diocl.  2721  er  schrey  mordajo; 
Ambr.  LB.  131,    7  die  keUerin  achrey  mordio. 

348.  sii'phelrü  hat  Lex.  aus  Hugo  mit  Weinholds  Erklärung: 
«Reue,  die  erst  an  den  letzten  Zipfel  sich  anhängt";  dagegen  er- 
klärt es  Bartsch  als  «Reue  auf  dem  Totenbett,  wenn  der  ster- 
bende mit  den  Fingern  an  der  Bettdecke  zupft  **,  was  mir  trefflicher 
scheint  und  für  Hugo*s  Beobachtungsgabe  zeigt. 

349 — 354.  Aehnlich  schliesst  Sachsenh.  Moer.  4353  seinen 
Tadel  der  Priester  mit  es  ist  noch  mamg  prieater  guot;  das  Netz 
5405  doch  ist  ettlicher  vnder  in,  dem  nütz  hoeaz  Tema  in  ain\ 
ibid.  1761  kehrt  Hugo's  Vers  349  wörtlich  wieder:  doch  vlnt 
man  noch  mengen  biderman  (: getan);  vgl.  auch  9592  in  der 
Hs.  B.  —  352  beseitigt  B  die  fehlende  Senkung  durch  m-,  so 
auch  4,  39. 

361,  362  ist  wohl  Nachahmung  von  Suchenwirts  ach  w^Ji/r- 
ff  eh  spil,  du  achnödea  ampt^  welUch  edela  hertz  aich  dein  nit 
schambt  (in  der  Hätzl.  H,  43,  1),  wodurch  es  sich  dann  um  so 
leichter  erklärt,  wie  Hugo  hier  aclhamen  in  aussergewöhnlicher  Weise 
transitiv  gebraucht:  um  den  Reim  auf  ampt  nicht  zu  verlieren. 

364  ff.  leben  in  geistiger  Hinsicht;  ähnlich  das  Netz  5297 
nun  aind  ai  (die  Priester)  der  criatenhait  ze  hilf  geben^  das  ai 
erwerbind  ewig  leben.  Zu  367 — 369  vgl.  auch  Teichner  diu  werlt 
ist  in  aolher  aünd,  daz  niemen  zhimel  kumen  hUnd^  aolt  der 
pfafe  niht  enweaen  (Karajan  159). 

368.  B  würde  ohne  Variante :  hier  berühren  wir  wieder  einen 
wunden  Punkt  bei  Bartsch.  Lachmann  hat  (zu  Iwein  1615)  nach- 
gewiesen, dass  Hartmann  im  Conj.  Praet.  dieser  Verba  u  und  ü 
neben  einander  gebraucht.  Dasselbe  constatierte  Sommer  (zu  Flore 
25)  für  Fleck;  und  Hugo  hat  noch  denselben  Standpunkt,  das 
beweisen  zahlreiche  Beispiele  beim  Schreiber  A  und  B  (vgl.  auch 
den  Reim  gund :  bund  28,  149),  während  Bartsch  durchweg  den 
Umlaut  eincorrigiert.  Auch  das  Netz  hat  die  unumgelauteten  For- 
men sehr  häufig,  vgl.  854,  855,  906,  907,  1625  etc. 

370 — 376.  Diese  Aussprüche  Hugo's  beruhen  auf  der  An- 
schauung von  der  christlichen  Gemeinschaft  aller  geistlichen  Güter, 
von  dem  thesaurua  operum  aupererogatorum.  Die  Lehre  ist  all- 
gemein; vgl.  Freid.  23, 19  manc  reine  mensche  iat  aS  guot^  daz  er  a6 


—    218    — 

vil  durch  got  getuoty  daz  ime  eins  ISnes  über  mirt  sS  vil  (des 
er  doch  sanfte  enbirt),  daz  er  mac  teilen^  swem  er  ml  . .  .  die 
heilegen  sulen  teilen  sd^  daz  wir  noch  mit  in  werden  fro;  diu 
kristenheit  waer  iibel  beriht,  genüzzen  wir  der  guoten  niht.  Be- 
sonders aber  haben  sie  einige  religiöse  Secten  im  Bewasstsein  ihrer 
hohen  Vollkommenheit  and  ihres  Wertes  vor  Gott  stark  betont; 
vgl.  K.  Schmidt,  Nio.  v.  Basel  p.  44.  So  sagt  auch  der  Dichter  des 
Netz,  der,  wenn  er  nicht  selbst  ein  Begharde  war,  doch  mit  ihnen 
stark  sympathisierte  6149:  ir  ainr  hundert  gen  Mmel  bringt  der 
kainr  niemer  dar  kaem  .  •  .  ich  wil  ueh  das  betüten^  das  ir  dwrch 
iren  fromen  muossend  ze,  himel  kamen. 

374 — 376.  B  weit,  -  hin  helfen  =  forthelfen.  NachpM«rim^ 
beginnt  ein  neuer  Gedanke ;  der  Dichter  wendet  sich  direct  an  Grott : 
alles  (was  hier  auf  der  Welt  gutes  gewirkt  wird)  nimm,  ach  GrOtt, 
(gnädig)  hin  (zur  Sühne  unserer  Schulden)  und  höre  etc. 

VL 

1.  Auch  B  hat  richtig  dienst^  ebenso  2,  53;  4,  54  etc.,  wes- 
wegen sein  Ausspruch  in  der  Einleitung  (p.  7),  dass  „dinst  durch- 
aus mit  e,  nicht  mit  ie  geschrieben  wird'',  der  p.  11  und  in  der 
Anm.  zu  20,  2  noch  einmal  wiederholt  wird,  zu  rectificieren  ist. 
Auch  in  diesem  Worte  wechselt  i  und  eV,  vgl  Abb.  IV,  154,  ebenso 
im  Netz;  auch  in  Hugo's  alem.  Urk.  vom  S^6.  1379  steht  dinlich 
neben  diener. 

2.  W  dan;  W  und  B  gestupp^  allein  der  Umlaut  ist  ganz 
in  der  Ordnung.  —  denn  ge-  ist  zweisilbiger  Auftact,  den  auch 
B  acceptiert,  ebenso  lässt  er  4,  133  ungel-^  164  daz  ger-<,  5,  16 
ich  ged-y  25,  57  zuo  ger-^  17,  38  so  gev-  u.  a.;  öfter  jedoch 
tilgt  er  ihn  wieder:  25,  65  tm^r-,  19,  19  ussgn-^  31,  22b  wan 
gr-y  36,  15  im  gfiel;  sogar  cmgzunt  38,  31;  und  bgSrent  29, 
102;  din  gböt  32,  27  etc.  Das  kann  unmöglich  erlaubt  sein. 
Wollte  man  den  zweisilbigen  Auftact  tilgen,  müsste  es  consequent 
und  zunächst  bei  den  Liedern  geschehen ;  aber  dazu  ist  bei  einem 
Dichter,  der  ihn  so  häufig  gebraucht,  kein  Grund  vorhanden  (Abh. 
V,  205 — 7);  jene  Fälle,  wo  in  der  ersten  oder  zweiten  Silbe  ein 
schweres  Wort  steht,  nehmen  sich  von  selbst  aus,  da  sie  Hugo 
nachweisbar  meidet. 

4.  W  zerrumieny  B  lässt  richtig  zerunnen;  aber  4^  120 
oarrigiert  er  widerred. 


—    219    — 

8.  W  ktmtj  \ras  nicht  angeht  (s.  Abb.  IV,  183). 

11.  Hs.  zucht^  B  gmo88.  —  puoss  fordert  emen  Beim,  den  die 
Hb.  nicht  hat.  Hier  wie  in  allen  ähnlichen  Fällen  wird  man  zum  Reim- 
register greifen,  nm  za  sehen,  was  Hugo  sonst  auf  ptMss  reimt,  und 
das  ist  gruoss  18,  194,  welches  auch  hier  passt.  Dem  Schreiber  ist 
also  für  die  seltenere  Wendung  die  gewöhnliche  in  die  Feder  ge- 
kommen, denn  wiplich  zuckt  ist  nicht  nur  bei  Hugo  (s.  gleich  unten 
V.  34;  7,  15),  sondern  auch  bei  andern  Diehtern  die  gebräuchliche 
Phrase,  vgl.  Hätzl.  127,  43  ir  weiplich  Zucht;  Oswald  36,  7,  2 
durch  all  ewr  Sr  und  heipUch  Zucht  etc.  Das  ist  festzuhalten,  um 
andere  verdorbene  Stellen  darnach  zu  beurteilen.  Besonders  ähn- 
lich ist  20,  2,  wo  dinat  auf  versent  reimt,  was  nicht  möglich  ist. 
Der  Fehler  liegt  offenbar  wieder  im  ersten  Reime,  denn  {enhüt 
min  willig)  dinst  ist  die  gewöhnliche  Phrase,  welche  der  Schreiber 
für  eine  ungewöhnlichere  gesetzt  hat,  als  welche  h>ent  anzunehmen 
sein  wird,  das  einen  correcten  Reim  gibt;  der  Tropus,  der  dadurch 
entsteht,  ist  nicht  anstössig,  umgekehrt  sagt  Hugo  z.  B.  84,  45  ge^ 
sigelt  mit  minen  rechten  trüwen,  —  24,  28  hat  der  Schreiber 
das  gewöhnlichere  bris  jehen  (:  leben)  für  bris  geben  geschrieben. 
Anderen  analogen  Verderbnissen  werden  wir  noch  weiterhin  be- 
gegnen. Die  beiden  letzten  Oorreoturen  stammen  von  v.  d.  Hagen, 
der  sie  in  die  Berliner  Abschrift  eingetragen  hat  B  corrigiert  an 
solchen  Stellen  nicht  oder  nach  anderer  Meinung. 

12.  Hätzl.  n,  46,  11  seid  ich  von  lieb  bin  geschaiden^  so 
muosz  mir  mein  leben  laiden;  Ambr.  LB.  111,  23  viel  lieber 
wolt  ich  sterben^  wenn  ich  verlier  jr  huld. 

18.  W  grinen^  B  gruenen,  K  erklärt  (p.  342)  den  Vers  für 
unverständlich.  Wenn  man  gritnen='grinen=  verdriesslich  weinen, 
streiten,  zanken  (Schmid,  sohwäb.  Wb.  430),  sunder  wenken  = 
ohne  Ablassen  nimmt,  so  könnte  die  Stelle  einen  erträglichen  Sinn 
geben :  dass  ich  fortwährend  der  (versprochenen)  Bänder  ged.  mit 
unaufhörlichem  Zanken.  —  wenken  stn.  hat  Lex.  mit  dieser  Stelle 
belegt;  vgl  dazu  1,  32;  23,  42;  auch  wanken  begegnet  35,  12 
als  stn.,  wofür  Lex.  drei  Beispiele  hat. 

19.  W  rüw  gebracht,  ist  nicht  erlaubt 

25 — 28.  W  und  B  guotimuot;  aber  dass  diese  Reime  klin- 
gend zu  machen  sind  (vgl.  Abh.  V,  202), .  fordert  auch  K  (p.  333). 
Ausserdem  corrigiert  B  in  25  e^  zu  icht  und  streicht  26  im.  W 
corrigiert  2b  was  zu  war  und  26  im  zu  eim.  Gegen  Bartsch*  Lesung 


—    220    — 

polemisiert  Kammer  (p.  334),  wie  mich  dünkt,  sehr  mit  Recht; 
denn  das  einsilbige  Wort  zwischen  was  nnd  hampt  ist  nicht  leicht 
entbehrlich  (freilich  nicht  «wegen  der  Silbengleichheit*).  Die  Gor- 
rectar  in  meinem  Texte  konmit  von  Prof.  Scherer.  —  was  und  da 
in  25  müssen  sich  entsprechen,  also  entweder  wa,8  -  das  oder  tcro- 
da^  das  letztere  ist  vorzuziehen,  weil  wa^  leicht  aas  V.  26  her- 
über gekommen  sein  kann.  —  25  ist  das  bekannte  Liebesoxymoron, 
vgl.  z.  B  Walther  von  Mezze  mir  ist  mtn  lieb  ein  herzehUcJdu 
swaere^  so  ist  da  hi  daz  leit  min  hoste  vroude  gwr^  i  daz  ich 
daz  liebe  leit  verbaere  HMS.  I,  308*.  Nach  25  wird  Punkt  zu 
setzen  sein.  —  26  heisst:  was  ihr  (der  Geliebten)  nicht  fe.  z.  g.  etc.; 
vgl.  dazu  Oswald  36,  5,  7  und  was  dich  üebeU  seUffs  beib^  ztw 
nassen  eugltn  hldre^  dasselb  betrüebet  mir  den  leib  und  tnctcht 
mir  grabe  häre. 

38.  W  schatt  der  stete  nichts  B  schadt  dem  steten  ichU 
Lassb.  LS.  30,  115  dv/rch  fromd  sol  mxm  nit  dbelan^  wer  ain 
stättes  hertz  wil  hon.  Sonst  heisst  das  Sprichwort  fremede  sehet-- 
det  herzeliep  Freid.  105,  3;  ouch  ist  ez^  als  daz  Sprichwort  sagt, 
vremde  scheidet  herzenUep  Freib.  Trist.  317 ;  Bezzenb.  zu  Fr.  105,  3. 

40.  geheim  wird  als  stf.  zu  fassen  sein:  vertrauter  Umgang 
nützt  etc.  vervdhen  mit  gegen  hat  Lex.  III,  283  erst  aus  Netz, 
W.  und  Chr.  belegt 

vn. 

1.  Vgl.  Lassb.  LS.  10,  41  ach  liebüfrow^  wes  ziehest  michf 
Ambr.  LB.  2,  3  was  zeihestu  mich  hertz  einiges  ein. 

2.  Tit.  899  die  sinen  in  do  clageten  menlichen  sunder  wet" 
nen,  B  hat  weiniein^  vgl.  dagegen  K  p.  319  (Anm.)  und  p.  33?, 
der  weine  :  eine  fordert,  wie  in  meinem  Texte  zu  finden  ist  (vgl. 
Abh.  IV,  165  und  V,  202). 

3.  B  MIß;  ich  verweise  aber  auf  Abh.  IV,  161  und  174; 
zu  den  an  letzterer  Stelle  genannten  Reimen  aus  Braut,  können 
noch  andere  beigebracht  werden :  er  loufft :  houff  (Subst.)  48,  23 ; 
64,  45;  gerade  bei  einem  Dichter  von  Brants  Fähigkeiten,  Fleiss 
und  Kenntnissen,  der  seine  Verse  selbst  syn  grosz  muegsam  ar^ 
beyt  nennt,  sind  solche  Reime  besonders  beachtenswert.  Ausserdem 
kann  ich  die  drei  (IV,  161)  angeführten  Belege,  in  denen  das  Pers. 
SofiT.  der  lU  fehlt,  noch  vermehren  durch  man  sich  (=  eicht)  Nets 


—    221    — 

7458,  and  (er)  sitz  33,  125,  das  ioh  aus  Versehen  im  Texte 
corrigierte. 

11.  wiltpan  =  Wildbezirk,  Jagdreirier;  vgl.  dazu  Stejskals 
Anm.  zu  Hadam.  28.  Das  Wort  ist  im  obern  Yintschgau  heute 
noch  zu  hören. 

23 — 26.  Freid.  60,  15  swer  allez  daz  wil  rechen^  daz  man 
Übels  mac  gesprechen^  der  wirt  selten  dne  ntt  und  dne  ungefüegen 
strit  —  Auch  W  und  B  Karins,  Ich  habe  schon  Abh.  V,  213 
darauf  hingewiesen,  dass  Ka/rolus  zu  schreiben  sein  wird. 

29.  K  wil  gvomgen^  allein  hasen  ist  auf  der  Hebg.  zu  ver- 
schleifen  (s.  Abh.  V,  196). 

32.  Wie  in  Vers  11  ist  hören  intr.  ==  gehören  mit  in,  ebenso 
im  Netz  11843  darumh  si  in  die  segi  tuond  hoeren. 

VIEL 

1,  2.  Vgl.  Hadl.  53,  1  sich  fröit  üf  die  edeln  nacht  ein 
geslcbcht  minnaere  harte;  Christ.  376  do  nu  die  nacht  her  slaych; 
über  dieses  her  (auch  21),  das  sich  nur  in  jüngeren  Gedichten  findet, 
vgl.  Jänicke  zu  Wolfd.  B  139,  1,  der  eine  Menge  Belege  gesam- 
melt hat 

4  wird  als  kich  xoivoo  zu  fassen  sein. 

6.  B  fröwt,  s.  MG.  p.  360. 

13.  B  lässt  ze  homent  Ich  treffe  hier  wieder  mit  K  zu- 
sammen, der  (p.  334)  sagt:  «wollte  man  in  diesem  componierten 
Liede  genaue  Entsprechung  herstellen,  so  müsste  z'hon  gelesen 
werden^  (Inclin.  ist  nicht  notwendig,  da  wzder  ze  gelesen  werden 
kann).  Und  dieser  Gorrectur  steht  auch  gar  nichts  im  Wege,  denn 
warum  der  bair.  Schreiber  hier  und  13,  9  das  alem.  hon  entfernte, 
braucht  keinen  weitern  Disput;  lieber  will  ich  noch  darauf  hin- 
weisen, dass  Schreiber  in  andern  Gedichten  auf  ähnliche  Weise 
falsche  Reime  machten,  so  schreibt  H  im  Wolfd.  B  antkomen  444, 
1.  —  Durch  das  richtige  kon  erreicht  diese  Strophe  dreifachen 
Reim,  wie  die  nächste  vierfiEUshen  hat.  Hugo  hielt  es  in  diesem 
Punkte  wie  alle  reimarmen  Dichter:  wo  sich  ihm  ein  Reim  in  den 
Weg  stellte,  griff  er  begierig  darnach;  das  Netz  z.  B.  hat  Reim- 
paare, wo  es  sich  aber  gab,  auch  3,  4,  5  und  6  Reime  hinter 
einander. 

Ib.  dn  gevSr  (3,  87 ;  38,  135  als  stn.),  gevdre^  gev&rde  ,ist  ein 
in  späterer  Zeit  häufiger  Ausdruck"  (s.  Kinzel,  zum  Junker  u.  tr. 


—    222    — 

fieinr.  636)  und  wohl  aus  den  Urkunden  beröbergenommen,  wo 
er  siebend  ist.  So  gelangt  aucb  anderes  von  den  Urkunden  in  die 
Dicbtang,  vgl.  z.  B.  die  Datiemngsweise  (s.  19,  25  ff.;  34,  49; 
35,  33;  38,  185  eta),  die  Anrede  an  den,  der  das  huoch  (in 
Urk.   dm  brief)  hört  lesen  (s.31,  254;  27,  230;  28,  726)  u.  a. 

IX. 

Den  Zasammenbang  dieses  Liedes  mit  Hadamars  Jagdallegorie 
bat  schon  Weinhold   (p.  152)  angedeutet   und  Kummer   (p.  338)' 
näher  ausgeführt,   worauf  ich  verweise.    K  hat  a.  a.  0.  aucb  die 
Jagd  der  Minne  LS.  126  in  den  Vergleich  gezogen  und  die  Paral- 
lelen hervorgehoben. 

5.  W  corrigiert  da  bin  ich;  auch  das  gibt  einen  guten  Sinn : 
wie  sehr  ich  sie  der  Aufrichtigkeit  meiner  Gesinnung  versichere, 
so  bin  ich  doch  immer  am  Anfang,  d.  h.  komme  nicht  weiter. 

7  lässt  W  gesell  Solche  Differenzen  führe  ich  weiterhin  nicht 
mehr  an. 

8.  Ueber  den  Gebrauch  von  vier  für  eine  unbestimmte  Zahl 
vgl.  Benecke  zu  Iwein  821  und  Lichtenstein  zu  Eilhart  v.  Ob.  12. 

17.  lecherlich  hat  Lex.  dreimal  belegt,  darunter  einmal  ans 
Hadam.,  von  dem  es  Hugo  erhalten  haben  kann. 

27.  nachtgruoben  =  Jagdgruben  zum  nächtlichen  Fange  (W 
p.  160).  —  Lies  sind. 

30.  W   Wann  des. 

31.  Vgl.  Oswald  95,  4,  18  «ö  furcht  ich  nyemands  drS. 

32.  Der  gsell  entspricht  den  Knechten  bei  Hadamar,  welche 
die  Hunde  Wille^  Wunne  etc.  an  Seilen  führen;  daher  züch  ab 
die  seil,  woran  nämlich  die  Hunde  geführt  werden. 

33.  B  tuCj  W  tueff,  Hs  tuy;  aber  y  =^',  vgl.  die  Anmer- 
kungen zu  1,  25  und  5,  152.  —  abesprung  ( W  absprang^  vgl. 
Anm.  zu  1,  9)  ist  bei  Lex.  unbelegt 

X. 

14.  B  mit  der  Hs.  die  sach  —  die  sach  uf  erden  ist  das 
irdische,  vergängliche,  dem  gegenüber  die  Ewigkeit  der  Seele  betont 
wird,    din  für  die  ergibt  die  Parallelstellung  der  Sätze. 

16.  B  unde;  doch  fehlt  der  Auftact  in  den  entsprechenden 
Zeilen  so  oft,  dass  man  es  bedenklich  finden  wird,  seinetwegen  die 


—    233    — 

schlechtere  BetODttüg  ^hön  'dnde  für  schon  und   emza(k)rngiereni 
ebenso  verhält  es  sich  13,  29. 

22.  Die  KroDe  Maria's  mit  den  12  Sternen  kehrt  auch  25, 
137  f.  und  28,  569  f.  wieder;  vgl.  die  Anm.  zu  28,  668. 

23.  Marner  12,  6  dd  got  und  sin  muoter  sitzent  in  ir 
majestdt  —  him  ist  in  der  Moerin  1352  belegt. 

24.  muoter  maget^  muoter  meit^  menget  dne  ende^  muoter  dne 
meile  etc.,  über  diese  Bezeichnungen  vgl.  W.  Grimm,  gold.  Schm. 
Einl.  p.  36.    Beachte  die  bedeutsame  Wortstellung  in  23  und  24. 

29.  Schon  K  hat  (p.  335)  angemerkt,  dass  die  Stelle  ganz 
verdorben  und  sinnlos  ist;  ich  weiss  aber  leider  auch  keine  brauch- 
bare Correctur. 

34.  Lies  hilf, 

XI. 

1.  B  wdchtr  des^  aber  10,  1  wdchter  ob  da. 

2.  ruo  in  übertr.  Bedeutung  =  ruhiger  Lebenswandel,  Ein- 
gezogenheit. 

4 — 6.  Vers  4  lässt  erkennen,  dass  dieses  Lied  sich  an  die 
Tanzlieder  anschliesst  (s.  Abh.  III,  135).  Die  Tänze  scheinen 
vielfach  Anlass  zur  Unsittlichkeit  gegeben  zu  haben,  weswegen  die 
Kirche  durch  das  ganze  MA.  hindurch  gegen  dieselben  eiferte ;  vgl. 
Schröder,  die  höfische  Dorfpoesie,  in  Gosche's  Jahrbuch  I,  55.  Eine 
geistliche  Betrachtung  in  einer  Hs.  des  15.  Jhds.  eifert  gegen  die 
9 Sünde  des  Tanzes'  überhaupt  und  insbesonders  gegen  die  Tanz- 
gesänge der  ,)  Frauenbilder  **.  Die  Sängerinnen  am  Tanze  seien 
Priesterinnen  des  Teufels  und  die  ihnen  antworten  seien  dessen 
Klosterfrauen,  das  Wirtshaus  seine  Pfarrkirche,  die  Pfeifer  und 
Lautenschläger  seine  Messner.  Die  Tanzlieder  seien  gemeiniglich 
von  üppigen,  unkeuschen  Worten,  und  es  sei  jedem  eine  grosse 
schwere  Sünde,  wer  solche  schandbare  Lieder  dichte  oder  singe; 
denn  er  müsste  die  Sünden  auf  seine  Seele  nehmen,  die  aus  solchen 
„Liedern  oder  Sprüchen*  entstehen  (bei  Uhland  p.  394  und  Anm. 
55).  Erst  solche  Sittenpredigten  machen  Hugo's  Seelenangst  über 
seine  Tanzlieder   klar,    die   uns  sonst  nicht  recht  begreiflich  wäre. 

13 — 15,  vgl.  auch  28  f.,  35  f.  Auf  merker^  ruomer^  claffer  und 
Frauenverläumder  fallen  die  stärksten  Verwünschungen;  SucheuT^. 
möchte,  dass  jedem  solchen  neben  a/uz  dem  munde  sein  die  tzende 
wüchsen  als  einem  swein  23,   75;   Hätzl.   une  vast  der  clafer 


—    224    — 

d<M*nach  strebj  ich  wünsch,  das  im  sein  zang  erklieb  44,  14; 
Hadl.  er  zungen  eint  so  Icmg,  ir  helregang  ist  fügende  frt .  •  daz 
der  tievel  müeze  ir  aller  pßeger  sin  und  brechen  in  ir  äugen 
üz  UI,  5y  3;  Hätzl.  die  ztmgen  sollen  in  verschuuinden  und  die 
oren  als  ainem  dieb  U,  6,  180;  Vintler  das  mwn  sneid  den 
valschen  ir  zwng  aus^  die  denfrawen  übel  gesprochen  haben  722. 

22—25,  vgl.  dazu  auch  24,  29  ff.;  33,  21  ff.;  38,  45  ff. 
Diese  Namen  sind  mit  ihrer  sprüchwörtlichen,  kurzgeschürzten  Um- 
kleidung typisch  geworden,  um  die  Macht  der  Liebe  zu  illustrieren; 
vgl.  Freid.  104,  22;  Knorr,  Lichtenst.  p.  32;  Kummer  zu  Herrand 
1,  49,  zu  Montfort  p.  339.  Sie  leben  noch  lange  fort  [noch  Gen- 
genbach z.  6.  bringt  sie  in  seinem  Gauchmatt  (1516)]  und  sind 
auch  in  die  Volkspoesie  übergegangen:  Ambr.  LB.  102,  59  wer 
hat  Samson  seiner  sterke  und  David  seiner  gottesfurchty  a/uch 
Sahmon  seiner  Weisheit  sogar  berauben  thun :  ist  das  nicht  ge^ 
schehen  durch  lisügheit  der  frawen  und  jurikfrawen  schon'i 

26.  der  hünsien  perkh  ist  bildl.  Ausdruck  für  Aristoteles,  die 
junhfrow  ist  Phyllis  (Persones).  Ausführlicher  begegnet  diese  Be- 
ziehung 24,  49;  38,  45 — 52.  Karajan  sagt  zu  einer  analogen 
Stelle  bei  Teichner  (p.  109),  dass  Heinrich  dieses  vermeintliche 
Liebesverhältnis  aus  einem  noch  erhaltenen  Gedichte  «Aristotiles 
und  Fillis«  (v.  d.  Hagen  GA.  1,  17,  Einl  p.  75)  kannte.  Nooh 
Sachs  hat  eine  Comödie:  ,i  Persones  reit  Aristotilem'^. 

37.  ruomser  ==  ruomesaere  =  Bühmer,  Prahlhans. 

38.  die  sind  als  doppelter  Auftact  in  einem  dieser  früheren 
Lieder  wäre  schwer;  da  die  Aenderung  sehr  leicht  war,  entfernte 
ich  ihn  wie  B. 

40.  rosen  heisst  hier,  wie  der  Zusammenhang  lehrt,  nicht 
Rosen,  sondern  Blumen  überhaupt,  welches  Vers  41  dafür  steht. 
Diese  Bedeutung  von  rose  ist  in  den  Tiroler  Dialekten  nooh  häu- 
fig; daher  heisst  29,  16  rosenkrantz  nicht  ein  Kranz  aus  Rosen, 
sondern  allgemein  ,  Blumenkranz  ^,  wie  denn  auch  gleich  dahinter 
das  Wort  scha/ppel  dafür  vorkommt.  Das  wird  in  den  Wbn.  nach- 
zutragen sein. 

XIL 

i^  Die  natürlichste  Betonung  dieses  Verses  wird  sein  sa^  dn, 
wdchter  wie  wds;  die  fehlende  Senkung  ist  gerechtfertigt  nach 
Abh.  V,  217,  Punkt  3. 


—    225    — 

2  ist  vielleicht  himel  und  ^de  zu  sohreiben. 

5  wird  der  zu  streichen  sein,  was  die  Melodie  gestattet,  welche 
Tim  eine  Note  weniger  hat  als  der  Vers  Silben. 

8.  ist  mnss  herabbezogen  werden. 

12.  B  woruf.  —  Der  Vers  war  nur  durch  die  Beseitigung  der 
Apokopen  in  erd  und  auf  das  richtige  Mass  zu  bringen.  Kummer 
aber  bestreitet  (p.  334)  das  Recht»  unde  zu  schreiben,  da  es  nir- 
gends belegbar.  Allein  dass  die  Schreiber  gegen  ihre  Vorlage 
solche  Apokopen  vornahmen,  haben  wir  schon  wiederholt  gesehen, 
vgl.  z.  B.  umb  2,  4 ;  ahaprung  9,  33  etc.,  we  auch  K  e  ergänzen 
lässt;  dazu  wird  die  Correctur  unde  noch  öfter  vom  Rhythmus  ge- 
fordert, vgl  2,  16;  5,  267;  17,  46';  25,  11;  28,  340  etc.;  dann 
endlich  lässt  sich  nachweisen,  dass  bei  Hugo's  Zeitgenossen  und 
selbst  noch  bei  späteren  Dichtem  unde  im  Gebrauche  steht,  so 
im  unechten  Gedichte  Nr.  40,  102;  bei  Suchenw.  4,  108,  267  etc.; 
Jörg  Schilher,  Hätzl.  28,  173;  Mönch  v.  Salzb.  (Ampf.)  20, 
5,  3;  Laufenb.  702,  5,  2;  Sachsenh.  Moer.  1661,  2899;  Temp. 
303  etc. 

12 — 15.  Tit.  1,  2  dein  (Gottes)  craft  an  widersetze  himel 
und  erde  helt  embor  uf  awebende^  und  6,  2  mit  siner  mäht 
almehtic  er  himel  und  erd  und  wage  under  grifet  Teichner  wider- 
legt in  einem  langen  Gedichte  (Kar.  124)  die  Ansicht,  dass  die 
Erde  sich  selbst  trage,  und  stellt  als  den  Träger  derselben  die 
Gnade  Gottes  hin:  awer  daz  gehübt  und  sinnen  tuot^  daz  diu 
erde  unde  wazzers  vluoi  si  gezimbert  und  geladen  anders  denne 
üf  gotes  gendden,  der  gSt  mir  mit  kunste  vor.  Ich  unl  sterben 
Uf  den  spory  dazs  niht  hab  dan  got^  des  gewalt  und  sin  gebot 
elliu  dlne  enbor  üf  treit  Man  sieht,  diese  Frage  wurde  damals 
mit  grosser  Wichtigkeit  ventiliert. 

16 — 18.  Dieser  pessimistische  Zug,  der  den  undankbaren  Men- 
schen mit  den  andern  Geschöpfen  in  Gontrast  stellt,  kehrt  auch 
bei  Oswald  115,  3  etwas  weiter  ausgeführt  wieder:  nü  alle  crS~ 
atür^  die  got  beschaffen  hdt,  sy  sind  in  wasser^  wind  oder  aniff 
erden  phat^  ye  danchper  ist  dem  herren  in  der  majestdt  nur  umb 
die  gnddy  das  er  sy  hdt  gformiret  Ach  tummer  mensch  ^  wie 
ist  dein  hertz  dann  gar  so  wild  etc.  bis  4,  4  dannocht  well  wir 
in  denckltch  nit  erkennen, 

19—27.    lieber  den  Bau  dieser  Strophe  vgl.  Abh.  V,  246. 

27.  Ich  bitte  um  das  Urteil  nach  deiner  Barmherzigkeit,  nicht 

Wackemell,  Montfort.  'SS^ 


—    226    — 

nach  meiner  Schuld;  vgl.  Oswald  99«  13  Idaa^  herr^   dein  zoren 
mt  ergdn  nach  unser  schuld. 

xm. 

2.  ain}  W  und  B  min. 

9.  W  und  B  hörnen  :  hon.  üeber  kon  vgl.  Anm.  zu  8,  13 
und  Kummer  p.  324,  der  wieder  mit  mir  übereinstimmt. 

15.  mamerin  hat  Lex.  nur  aus  Hugo  belegt  [es  wird  die 
Matter  Gottes  darunter  zu  verstehen  sein],  ebenso  erbarmer  22. 
Für  das  letztere  Wort  folgen  im  Nachtr.  noch  ein  paar  Citate. 

19.  en  fehlt  häufig  als  Negation  und  im  einschränkenden  Satze ; 
daher  ist  es  nicht  zu  billigen,  dass  W  und  streicht  und  enwer 
schreibt,  noch  viel  weniger,  dass  B  durch  und  enw4r  zweisilbigen 
Auftact  herstellt,  den  er  sonst  meist  tilgt  (Anm.  zu  6,  2)*  dasselbe 
geschieht  27,  193;  28,  689  wan  emjo4r\  37,  58  und  enufSren^ 
wogegen  auch  K  (p.  334)  polemisiert;  aber  es  geschieht  wieder  nicht 
22,  12;  30,  56,  88;  33,  129  (s.  seine  Anm.)  etc. 

20.  W  werin^  ebenso  corrigiert  er  öo;  aber  beidemal  ohne 
Veranlassung,  s.  Abh.  IV,  175. 

21.  B  ghoU  allein  tch  die  geholt  ist  eine  ganz  gewöhnliche 
Verschleifung,  s.  Abh.  V,  221,  226,  auch  Anm.  zu  5,  29;  ja  das 
ich  könnte  sogar  noch  zweisilbiger  Auftact  sein.  Auch  W  lässt 
den  Vers,  wie  ihn  die  Hs.  überliefert. 

27.  W  streicht  die  und  lässt  beetan. 

31.  nend  =»  nemende,  s.  Abh.  IV,  153. 

32.  B  söUicJherj  wo  der  geminierte  Gonsonant  wegen  der  Ver- 
schleifung vereinfacht  werden  kann,  vgl.  5,  99,  118  etc.  —  W 
eölcher. 

37.  W  schreibt  habe  dan  und  streicht  auch. 

47.  W  swajg  Unglücke  ie  der  weit  beachach. 

49.  reit  von  reiten  swv.  rechnen,  berechnen,  herleiten.  —  W 
einer. 

41  ff.  Ueber  diese  und  die  parallelen  Stellen  vgl.  Abh.  11,  105 
ff.,  wo  wir  gesehen  haben,  mit  welchem  Eifer  Hugo  in  solch  theo- 
logischen Fragen  auftritt,  wie  oft  er  von  seinem  Thema  abschweift, 
um  den  Glauben  an  dieses  oder  jenes  Dogma  zu  bezeugen,  eine  ent- 
gegengesetzte Meinung  zu  bekämpfen;  in  den  meisten  Fällen  war 
seine  polemische  Absicht  deutlich  nachzuweisen.  Das  kann  uns 
einen    Fingerzeig   geben   fiir   die  Auffassung  und   Beurteilung   der 


~    227     — 

meisten  seiner  Zeitgenossen,  welche  wie  er  jede  Gelegenheit  ergreifen, 
um  über  Grott  und  seine  Dreieinigkeit,  über  die  Welt  und  ihre 
£}ntstehang,  über  andere  Dogmen  der  Kirche  nnd  ihre  Gegensätze 
zu  disputieren.  Man  fand  darin  meist  nur  das  Zeugnis  von  dieser 
Dichter  Eitelkeit  und  Prahlsucht  mit  gelehrten  theologischen  Dingen. 
Allein  der  Standpunkt  wird  wesentlich  verändert,  wenn  man  sich 
gegenwärtig  hält,  wie  die  Dichtung  damals  noch  die  Journalistik 
zu  vertreten  hatte  und  die  Fragen  ventilierte,  welche  in  jenem 
religiösen  Interessenkampfe  von  besonderer  Wichtigkeit  schienen,  zu 
denen  jeder  bedeutendere  (oder  sich  wenigstens  bedeutend  dankende) 
Mann  Stellung  nahm.  Die  abgebrochenen  Anspielungen  und  Be- 
ziehungen, welche  uns,  denen  der  grössere  Teil  des  Zusammenhangos 
fehlt,  oft  nur  mit  Mühe  deutbar  sind,  waren  damals  allgemein 
verständlich. 

52.  W  und  B  «m,  wodurch  der  doppelte  Auftact  entfernt  wird. 

56.  Aus  dem  hsl.  gerechti  seit  macht  W  gerechtikeit;  allein 
der  Zusammenhang  ergibt,  dass  der  Dichter  vom  Tode  Christi 
spricht,  wobei  die  Erzählung  der  Bibel  zu  Grunde  liegt:  Vers  54 
bezieht  sich  auf  die  Sonnenfinsternis  nach  der  Kreuzigung;  dann 
fahrt  er  fort:  wir  wären  etc.,  wenn  nicht  seine  rechte  Seite  (durch 
den  Lanzenstich  des  Longinus)  geöffnet  worden  wäre. 

51 — 60.  Vgl.  Suchenw.  13,  195  und  pitet  gotea  muefer  chiarj 
daz  sy  dy  seU  dort  bewar  durch  irs  vil  lieben  chindes  tot  und 
durch  sein  üeffe  wunden  rot^  di  er  durch  alle  aünder  hat  ew- 
phangen  für  unser  missetat, 

xrv. 

Bei  diesem  Lehrgedichte  hatte  Hugo  sicher  Suchenwirts  Bede 
Nr.  38  vor  Augen,  denn  manche  Lehren  und  Verse  sind  beiden 
fast  wörtlich  gemeinsam,  obgleich  sich  in  andern  auch  hier  Hugo*s 
Selbständigkeit  zeigt. 

5.  Suchenw.  38,  53  die  frumen  die  lach  guetleich  an  in 
schimphen  und  in  schertzen, 

7.  B  und^  aber  dann  hat  der  Vers  nur  drei  Hebungen ;  viel- 
mehr kann  man,  um  die  Betonung  b{  tag  oder  die  fehlende  Sen- 
kung zu  vermeiden,  auch  noch  tage  schreiben  (s.  Anm.  zu  12,  12). 

8  -^  13.    Ueber   diese   Zusammenstellung   von   Priestern   und 

Frauen  s.  Abh.  II,  109;   vgl.  dazu  Suchenw.    19,  18   den  solten 

chlagen  ymmer  prf esterschaft  und  werden  weib;  27,  86  weit  ir 

15* 


—    218    — 

vil  durch  got  getuotj  daz  inte  eins  lönes  über  tvirt  ad  vil  (des 
er  doch  sanfte  enbirt),  daz  er  mac  teilen^  swem  er  wil  . .  .  die 
heilegen  sulen  teilen  so,  daz  wir  noch  mit  in  werden  fro;  diu 
kristenheit  waer  übel  beriht,  genüzzen  wir  der  guoten  niht  Be- 
sonders aber  haben  sie  einige  religiöse  Secten  im  Bewusstsein  ihrer 
hoben  Vollkommenheit  und  ihres  Wertes  vor  Gott  stark  betont; 
vgl.  K.  Schmidt,  Nio.  v.  Basel  p.  44.  So  sagt  auch  der  Dichter  des 
Netz,  der,  wenn  er  nicht  selbst  ein  Begharde  war,  doch  mit  ihnen 
stark  sympathisierte  6149:  ir  ainr  Jmndert  gen  himel  bringt  der 
kainr  niemer  dwr  Jea^m  . .  .  ich  wil  uch  das  beiüten^  das  ir  durch 
iren  fromen  muoasend  ze,  himel  Jeovnen» 

374 — 376.  B  weit.  -  hin  halfen  =  forthelfen.  Nach  pessru/ng 
beginnt  ein  neuer  Gedanke ;  der  Dichter  wendet  sich  direct  an  Gott : 
alles  (was  hier  auf  der  Welt  gutes  gewirkt  wird)  nimm,  ach  Gott, 
(gnädig)  hin  (zur  Sühne  unserer  Schulden)  und  höre  etc. 

VL 

L  Auch  B  hat  richtig  dienst^  ebenso  2,  53;  4,  54  etc.,  wes- 
wegen sein  Ausspruch  in  der  Einleitung  (p.  7),  dass  „dinst  durch- 
aus mit  e,  nicht  mit  ie  geschrieben  wird'',  der  p.  11  und  in  der 
Anm.  zu  20,  2  noch  einmal  wiederholt  wird,  zu  rectificieren  ist. 
Auch  in  diesem  Worte  wechselt  i  und  ie,  vgl  Abb.  IV,  154,  ebenso 
im  Netz;  auch  in  Hugo's  alem.  Urk.  vom  8y^6.  1379  steht  dinUch 
neben  diener. 

2.  W  dan;  W  und  B  gestupp,  allein  der  Umlaut  ist  ganz 
in  der  Ordnung.  —  denn  ge-  ist  zweisilbiger  Auftact,  den  auch 
B  acceptiert,  ebenso  lässt  er  4,  133  ungeU^  164  daz  ger-^  5,  16 
ich  ged-^  25,  57  zuo  ger-^  17,  38  so  gev-  u.  a.;  öfter  jedoch 
tilgt  er  ihn  wieder:  25,  65  wngr-,  19,  19  ussgn-y  31,  22b  wan 
gr-^i  36,  15  im  gfiel;  sogar  a/ngzwnt  38,  31;  und  bgSrent  29, 
102;  din  gböt  32,  27  etc.  Das  kann  unmöglich  erlaubt  sein. 
Wollte  man  den  zweisilbigen  Auffcact  tilgen,  müsste  es  consequent 
und  zunächst  bei  den  Liedern  geschehen ;  aber  dazu  ist  bei  einem 
Dichter,  der  ihn  so  häufig  gebraucht,  kein  Grund  vorhanden  (Abh. 
V,  205 — 7);  jene  Fälle,  wo  in  der  ersten  oder  zweiten  Silbe  ein 
schweres  Wort  steht,  nehmen  sich  von  selbst  aus,  da  sie  Hugo 
nachweisbar  meidet. 

4  W  zerrumnenj  B  lässt  richtig  zerunnen;  aber  4>  120 
oorrigieTt  er  widerred. 


—     229    — 

man  in  seiner  Ausgabe  finden;  für  die  Herstellung  des  Textes  sind 
sie  wertlos.  Ferner  verweist  B  (Einl.  p-.  3)  auf  den  Anzeiger  von 
Aufsess  und  Mone,  in  dem  Banga  II,  272  Hugo*s  Gedicht  Nr.  25 
in  einer  Hs.  (K)  aus  der  Mitte  des  15.  Jhds.,  welche  der  biblio- 
th^ue  du  College  in  Kolmar  gehört,  nachwies  und  vier  Verse 
(1 — 3  und  202)  daraus  abdruckte.  Die  Hs.  selbst  war  nicht  ^ehr 
aufzufinden.  Auch  sie  kommt  bei  der  Textrecension  nicht  in 
Betracht  und  hat  uns  nur  in  der  Frage,  ob  ai  oder  ei  zu  schreiben 
sei  (Anm.  zu  3,  1 6,  p.  192),  einen  wichtigen  Dienst  geleistet.  Aber 
nach  einer  andern  Richtung  hin  haben  beide  Bedeutung:  indem  sie 
nämlich  zeigen,  dass  Hugo*s  Gedichte  nicht  so  unbekannt  waren 
und  so  spurlos  an  seinen  Zeitgenossen  vorübergegangen  sind,  wie 
man  behauptet  hat.  V  wird  ihrem  Fundorte  und  Dialekte  entspre- 
chend auf  unsere  Copie,  K,  welche  alem.  geschrieben  ist,  auf  das 
Original  in  Bregenz  (direct  oder  durch  Zwischenglieder)  zurückzu- 
führen sein.  Ausserdem  wird  aus  den  verschiedenen  Parallelen, 
welche  ich  in  diesen  Anmerkungen  zusammengetragen,  klar  werden» 
dass  wenigstens  Sachsenheim,  der  Dichter  des  Netz  und  Oswald 
Hugo's  Dichtungen  gekannt  haben. 

XV. 

B  hat  der  consequenten  Ueberlieferung  gegenüber  die  alte 
siebenzeilige  Titurelstrophe  herzustellen  gesucht;  aber  das  ist  gegen 
Hugo's  Princip  (vgl.  Abh.  V,  249  f.)  und  konnte  daher  unmöglich 
gelingen.  Es  kommen  bei  Bartsch  zuerst  2  siebenzeilige,  dann  eine 
sechszeilige,  dann  wieder  2  siebenzeilige,  dann  eine  vierzeilige,  3 
siebenzeilige  und  wieder  6  vierzeilige,  dann  sogar  achtzeilige  zwi- 
schen sieben-  und  vierzeiligen:  so  wird  bald  die  ueberlieferung 
angenommen,  bald  verworfen.  Gibt  es  einen  stärkeren  Beweis  für 
die  ganze  Unmöglichkeit  dieses  Verfahrens  als  die  dadurch  gewon- 
nenen Resultate?  Dazu  kommen  noch  die  vielen  TI  und  T^^  in 
den  andern  Gedichten,  welche  gleichfalls  nicht  siebenzeilig,  sondern 
nur  vierzeilig  sind  und  nur  so  aufgefasst  werden  können. — 
Nr.  29  hätte,  nach  der  Melodie  zu  schliessen,  seohszehnzeilige 
Strophen,  da  aber  in  diesem  Falle  eine  vierzeilige  übrig  bliebe,  hat 
auch  B  geschlossen,  dass  sie  alle  vierzeilig  gemeint  seien.  Der- 
selbe Grund  für  denselben  Schluss  hätte  auch  hier  vorgelegen. 

7.  B  8oly  fasst  es  also  als  Indic.  auf,  daher  der  Doppelpunkt 


—    220    - 

polemisiert  Kammer  (p.  334),  wie  mich  dünkt,  sehr  mit  Recht; 
denn  das  einsilbige  Wort  zwischen  was  nnd  kumpt  ist  nicht  leicht 
entbehrlich  (freilich  nicht  «wegen  der  Silbengleichheit').  Die  Gor- 
rectur  in  meinem  Texte  konmit  von  Prof.  Scherer.  —  was  und  da 
in  25  müssen  sich  entsprechen,  also  entweder  was  -  das  oder  icfo- 
da^  das  letztere  ist  vorzuziehen,  weil  was  leicht  aas  V.  26  her- 
über gekommen  sein  kann.  —  25  ist  das  bekannte  Liebesoxymoron, 
vgl.  z.  B  Walther  von  Mezze  nur  ist  min  lieh  ein  herzekUcJdu 
swaere,  so  ist  da  hi  daz  leit  min  hoste  vroude  gar,  S  daz  ich 
daz  üehe  leit  verhake  EMS.  I,  308*.  Nach  25  wird  Pankt  zu 
setzen  sein.  —  26  heisst:  was  ihr  (der  Geliebten)  nicht  fc.  z.  g.  etc.; 
vgl.  dazu  Oswald  36,  5,  7  imd  was  dich  üebet^  seUgs  beib^  shAO 
nassen  eugUn  kläre,  dasselb  betrüebet  mir  den  leib  und  macht 
mir  grdbe  häre. 

38.  W  schatt  der  stete  nicht,  B  schadt  dorn  steten  icht 
Lassb.  LS.  30,  115  durch  fremd  sol  man  nit  dhelan,  wer  ain 
stättes  hertz  wil  hon.  Sonst  heisst  das  Sprichwort  fremede  schei- 
det h>erzeliep  Freid.  105,  3;  ou^ih  ist  ez,  als  daz  Sprichwort  s(zgtj 
vremde  scheidet  herzenliep  Freib.  Trist  317 ;  Bezzenb.  zu  Fr.  105,  3. 

40.  geheim  wird  als  stf.  zu  fassen  sein:  vertrauter  Umgang 
nützt  etc.  vervdhen  mit  gegen  hat  Lex.  III,  283  erst  aus  Netz, 
W.  und  Chr.  belegt. 

VII. 

1.  Vgl.  Lassb.  LS.  10,  41  ach  liebüfrow,  wes  ziehest  mich? 
Ambr.  LB.  2,  3  was  zeihestu  mich  hertz  einiges  ein. 

2.  Tit.  899  die  sinen  in  do  clageten  msnlichen  sunder  wei- 
nen. B  hat  wein: ein,  vgl.  dagegen  K  p.  319  (Anm.)  Und  p.  33?, 
der  weine  :  eine  fordert,  wie  in  meinem  Texte  zu  finden  ist  (vgl. 
Abh.  IV,  165  und  V,  202). 

3.  B  MIß;  ich  verweise  aber  auf  Abh.  IV,  161  und  174; 
zu  den  an  letzterer  Stelle  genannten  Reimen  aus  Braut,  können 
noch  andere  beigebracht  werden:  er  loufft :  kouff  (Subst.)  48,  23; 
64,  45;  gerade  bei  einem  Dichter  von  Brants  Fähigkeiten,  Fleiss 
und  Kenntnissen,  der  seine  Verse  selbst  syn  grosz  muegsam  ar- 
hegt  nennt,  sind  solche  Reime  besonders  beachtenswert.  Ausserdem 
kann  ich  die  drei  (IV,  161)  angeführten  Belege,  in  denen  das  Pers. 
SuS.  der  HI  fehlt,  noch  vermehren  durch  man  sich  (=  sieht)  Nets 


—    221    — 

7458,  und  (er)  sitz  33,  125,  das  ioh  aus  Versehen  im  Texte 
corrigierte. 

11.  mltpan  =  Wildbezirk,  Jagdrevier;  vgl.  dazu  Stejskals 
Anm.  zu  Hadam.  28.  Das  Wort  ist  im  obem  Vintschgau  heute 
noch  za  hören. 

23 — 26.  Freid.  60,  15  swer  allez  daz  wil  rechen^  daz  man 
Übels  mac  gesprechen^  der  wirt  selten  dne  nit  und  dne  ungefüegen 
strit  —  Auch  W  und  B  Karlus,  Ich  habe  schon  Abh.  V,  213 
darauf  hingewiesen,  dass  Karolus  zu  schreiben  sein  wird. 

29.  K  tvil  gvcmgen^  allein  hasen  ist  auf  der  Hebg.  zu  ver- 
schleifen  (s.  Abh.  V,  196). 

32.  Wie  in  Vers  11  ist  hören  intr.  =  gehören  mit  jn,  ebenso 
im  Netz  11843  darumh  si  in  die  segi  tuond  hoeren. 

vm. 

1,  2.  Vgl.  Hadl.  53,  1  sich  fröit  üif  die  edeln  nacht  ein 
geslacht  minnaere  harte;  Christ.  376  do  nu  die  nacht  her  slaych; 
über  dieses  her  (auch  21),  das  sich  nur  in  jüngeren  Gedichten  findet, 
vgl.  Jänicke  zu  Wolfd.  B  139,  1,  der  eine  Menge  Belege  gesam- 
melt hat 

4  wird  als  inb  xoivoo  zu  fassen  sein. 

6.  B  fröwt,  s.  MG.  p.  360. 

13.  B  lässt  ze  koment.  Ich  treffe  hier  wieder  mit  K  zu- 
sammen, der  (p.  334)  sagt:  « wollte  man  in  diesem  componierten 
Liede  genaue  Entsprechung  herstellen,  so  müsste  z'kon  gelesen 
werden^  (Inclin.  ist  nicht  notwendig,  da  wzder  ze  gelesen  werden 
kann).  Und  dieser  Gorrectur  steht  auch  gar  nichts  im  Wege,  denn 
warum  der  bair.  Schreiber  hier  und  13,  9  das  alem.  hon  entfernte, 
braucht  keinen  weitem  Disput;  lieber  will  ich  noch  darauf  hin- 
weisen, dass  Schreiber  in  andern  Gedichten  auf  ähnliche  Weise 
falsche  Reime  machten,  so  schreibt  H  im  Wolfd.  B  an: kamen  444, 
1.  —  Durch  das  richtige  kon  erreicht  diese  Strophe  dreifachen 
Beim,  wie  die  nächste  vierfachen  hat.  Hugo  hielt  es  in  diesem 
Punkte  wie  alle  reimarmen  Dichter:  wo  sich  ihm  ein  Reim  in  den 
Weg  stellte,  griff  er  begierig  darnach;  das  Netz  z.  B.  hat  Reim- 
paare, wo  es  sich  aber  gab,  auch  3,  4,  5  und  6  Reime  hinter 
einander. 

16.  an  gevSr  (3,  87 ;  38,  135  als  stn.),  geväre^  gev^rde  „ist  ein 
in  späterer  Zeit  häufiger  Ausdruck  ^  (s.  Kinzel,  zum  Junker  u.  tr. 


—    222    — 

fiteinr.  636)  nnd  wohl  aus  den  Urkunden  herübergenommen ,  wo 
er  stehend  ist.  So  gelangt  auch  anderes  von  den  Urkunden  in  die 
Dichtung,  vgl.  z.  B.  die  Datierungsweise  (s.  19,  25  ff.;  34,  49; 
35,  33;  38,  185  etc.),  die  Anrede  an  den,  der  das  bitoch  (in 
ürk.   den  brief)  hört  lesen  (s.31,  254;  27,  230;  28,  726)  u.  a. 

IX. 

Den  Zusammenhang  dieses  Liedes  mit  Hadamars  Jagdallegorie 
hat  schon  Weinhold   (p.  152)  angedeutet   und  Kummer   (p.  338)' 
näher  ausgeführt,   worauf  ich  verweise.    K  hat  a.  a.  0.  auch  die 
Jagd  der  Minne  LS.  126  in  den  Vergleich  gezogen  und  die  Paral- 
lelen hervorgehoben. 

5.  W  corrigiert  da  bin  ich;  auch  das  gibt  einen  guten  Sinn : 
wie  sehr  ich  sie  der  Aufrichtigkeit  meiner  Gesinnung  versichere, 
so  bin  ich  doch  immer  am  Anfang,  d.  h.  komme  nicht  weiter. 

7  lässt  W  gesell  Solche  Differenzen  führe  ich  weiterhin  nicht 
mehr  an. 

8.  Ueber  den  Gebrauch  von  vier  für  eine  unbestimmte  Zahl 
vgl.  Benecke  zu  Iwein  821  und  Lichtenstein  zu  Eilhart  v.  Ob.  12. 

17.  leckerlich  hat  Lex.  dreimal  belegt,  darunter  einmal  aus 
Hadam.,  von  dem  es  Hugo  erhalten  haben  kann. 

27.  nachtgruoben  =  Jagdgruben  zum  nächtlichen  Fange  (W 
p.  160).  —  Lies  sind. 

30.  W    Wunn  des. 

31.  Vgl.  Oswald  95,  4,  18  «o  furcht  ich  nyemands  dro. 

32.  Der  gsell  entspricht  den  Knechten  bei  Hadamar,  welche 
die  Hunde  Wille^  Wunne  etc.  an  Seilen  führen;  daher  :güch  ah 
die  seil^  woran  nämlich  die  Hunde  geführt  werden. 

33.  B  tue^  W  tueg^  Hs  tuy;  aber  y  =j^  vgl.  die  Anmer- 
kungen zu  1,  25  und  5,  152.  —  abesprung  ( W  absprang^  vgL 
Anm.  zu  1,  9)  ist  bei  Lex.  unbelegt 

X. 

14.  B  mit  der  Hs.  die  sach,  —  die  sach  uf  erden  ist  das 
irdische,  vergängliche,  dem  gegenüber  die  Ewigkeit  der  Seele  betont 
wird,    din  für  die  ergibt  die  Parallelstellung  der  Sätze. 

16.  B  unde;  doch  fehlt  der  Auftact  in  den  entsprechenden 
Zeilen  so  oft,  dass  man  es  bedenklich  finden  wird,  seinetwegen  die 


—    233    — 

schlechtere  Betontmg  ^KSn  4nde  für  schon  ^md  ein2a0orri^eren$ 
ebenso  verhält  es  sich  13«  29. 

22.  Die  Krone  Maria^s  mit  den  12  Sternen  kehrt  auch  25, 
137  f.  und  28,  569  f.  wieder;  vgl.  die  Anm.  zu  28,  568. 

23.  Marner  12,  6  dd  got  und  sin  muoter  sitzent  in  ir 
majestdt  —  bim  ist  in  der  Moerin  1352  belegt 

24.  muoter  magety  muoter  meit^  mcufet  dne  ende^  muoter  dne 
meile  etc.,  über  diese  Bezeichnungen  vgl.  W.  Grimm,  gold.  Schm. 
Einl.  p.  36.    Beachte  die  bedeutsame  Wortstellung  in  23  und  24. 

29.  Schon  K  hat  (p.  335)  angemerkt,  dass  die  Stelle  ganz 
verdorben  und  sinnlos  ist;  ich  weiss  aber  leider  auch  keine  brauch- 
bare Correctur. 

34.  Lies  Mlf, 

XI. 

1.  B  wdchtr  des^  aber  10,  1  Wächter  oh  is. 

2.  ruo  in  übertr.  Bedeutung  =  ruhiger  Lebenswandel,  Ein- 
gezogenheit. 

4 — 6.  Vers  4  lässt  erkennen,  dass  dieses  Lied  sich  an  die 
Tanzlieder  anschliesst  (s.  Abh.  III,  135).  Die  Tänze  scheinen 
vielfach  Anlass  zur  Unsittlichkeit  gegeben  zu  haben,  weswegen  die 
Kirche  durch  das  ganze  MA.  hindurch  gegen  dieselben  eiferte ;  vgl. 
Schröder,  die  höfische  Dorfpoesie,  in  Gosche's  Jahrbuch  I,  55.  Eine 
geistliche  Betrachtung  in  einer  Hs.  des  15.  Jhds.  eifert  gegen  die 
9  Sünde  des  Tanzes  '^  überhaupt  und  insbesonders  gegen  die  Tanz- 
gesänge der  ,) Frauenbilder'.  Die  Sängerinnen  am  Tanze  seien 
Priesterinnen  des  Teufels  und  die  ihnen  antworten  seien  dessen 
Klosterfrauen,  das  Wirtshaus  seine  Pfarrkirche,  die  Pfeifer  und 
Lautenschläger  seine  Messner.  Die  Tanzlieder  seien  gemeiniglich 
von  üppigen,  unkeuschen  Worten,  und  es  sei  jedem  eine  grosse 
schwere  Sünde,  wer  solche  schandbare  Lieder  dichte  oder  singe ; 
denn  er  müsste  die  Sünden  auf  seine  Seele  nehmen,  die  aus  solchen 
„Liedern  oder  Sprüchen'  entstehen  (bei  Uhland  p.  394  und  Anm. 
55).  Erst  solche  Sittenpredigten  machen  Hugo's  Seelenangst  über 
seine  Tanzlieder   klar,    die   uns  sonst  nicht  recht  begreiflich  wäre. 

13 — 15,  vgl.  auch  28  f.,  35  f.  Auf  merker j  ruomer^  claffer  und 
Frauenverläumder  fallen  die  stärksten  Verwünschungen;  Suchen^^. 
möchte,  dass  jedem  solchen  neben  cmz  dem  munde  sein  die  tzende 
wüchsen  als  einem  swein  23,   75;   Hätzl.   wie  vast  der  clafer 


—     234     — 

gegnen  schon  frühe  als  «  Ansinger  des  Frühlings ' ;  dann  werden  sie 
mit  einander  in  oontrastierenden  Vergleich  gesetzt,  s.  darüber  Uh- 
land,  Sehr.  III,  25.  —  168.  üeber  rek  und  tanz  vgl.  Liliencron, 
Zs.  f.  d.  A   VI,  81  S. 

XVI. 

1.  W  bekam f  and  dem  gemäss  stellt  er  auch  73  zweisilbigen 
Auftact  (ir  hek^t)  her,  s.  Abh.  V,  191. 

5.  gruenem  ist  mit  ühland  (Sehr.  III,  435)  als  Subst.  (= 
grüner  Farbe)  zu  nehmen. 

9 — 12.  Suchenw.  46,  48  {die  vogel)  aungen  alle  über  al . . 
under  ain  ander  quint  und  quart  —  Vers  10  corrigiert  B  unde, 
wahrscheinlich  mit  Recht,  dann  darf  man  aber  auch  12  eteücher 
herstellen,  wodurch  die  Vierhebigkeit  der  Verse  erreicht  wird,  vgl. 
Abh.  V,  203.  —  11  W  mengem^  so  auch  15  meng  etc.  ohne 
Grund. 

16.  Hs.  fleigen:  ei  =  ie  ist  sonst  bei  Hugo  nicht  belegt  und 
gehört  daher  dem  Schreiber  B;  es  findet  sich  im  Bair.  (BG.  S  79) 
nicht  selten. 

19.  W  vint:  er  corrigiert  also  dt  zu  U  6,  38  aber  zu  tt  : 
schatt;  vgl.  Abh.  IV,  174.  —  ital  corrigiert  W  hier  und  43  zu 
itely  was  nicht  erlaubt  ist,  vgl,  Abh.  IV,  151;  das  Wort  heisst 
leer,  dann  weiter  nichts  als,  vollständig,  ganz,  s.  Zarncke  zu 
Brant  85,  143. 

21 — 24.  21  corrigiert  B  unde^  vgl.  oben  die  Anm.  zu  15,  27. 
Auch  ohne  nähere  Untersuchung  von  Hugo's  Metrik  ist  es  klar, 
dass  ein  Vers  bhiemli  g^,  brün  und  wtsz  besser  ist  als  bluemli 
gMy  brun  linde  wüst,  —  24  W  tou. 

25 — 28.  25  hat  B  gekripselt.  gekrispel^,  Inf.  krispeln  swv. 
(vom  Adj.  feri^^Z)  =  kraus  machen,  kräuseln;  davon  bildet  Hugo  28, 
9  auch  ein  Verb  hnspelieren.  —  26  gezindelt = geza.ckt;  vgl.  Su- 
chenw. 25,  15  stuond  manik  blat  getzindeU,  gechrispet  und  ge- 
schrindelt  —  27  unversmogen  part.  Adj.  (==  unverkrtimmt,  gerade) 
hat  Lex.  II,  1965  nur  aus  Hugo  belegt.  Das  Wort  begegnet  auch 
4,  159  und  33,  125  ==  nicht  zusammengeschmiegt,  gedrückt,  d.  h. 
nicht  verborgen;  durch  die  Negat.  und  gar  verstärkt:  nichts  weniger 
als  verborgen.  —  etlichs  gehört  zu  holtz\  gewindelt  von  windelen 
swv.,  wofür  Lex.  nur  „  in  Windeln  einhüllen '  auführt ;  allein  die  Be- 
deutung ergibt  sich  hier  aus  unversmogen^  zu  dem  es  den  G^gen- 


—     235     — 

satz  bildet:  also  gebogen,  gedreht;  es  verhält  sieh  zu  mtiden  wie 
krispeln  za  krispen, 

33 — 36.  33  bluomm^schin  (auch  41 ;  37,  30)  ==  Blumen- 
glanz, s.  Lex.  I,  315.  Mit  achtn  oomponiert  Hugo  auch  mejenr- 
schin  17,  35;  atemm-sehin  37,  54,  welohe  bei  Lex.  alle  nur 
schwach  belegt  sind.  —  36  hat  W  uzzer  statt  i«««A^  =  heraus;  vgl 
auch  t*/Aer  =  herauf  28,   611,   das  Lex.   nur   aus  Apoll,  belegt. 

37.  brewU  =  hrdweli{n\  Dem.  zu  hrd,  vgl.  IV,  187. 

39.  W  nam.  Man  würde  hier  den  Ind.  Praes.  erwarten,  und 
dann  wäre  ich  nem  der  zweite  Beleg  ffir  das  Eindringen  des  Plur. 
Stammes  in  den  Sing.  [vgl.  ich  aehy  Abh.  IV,  173J,  aber  sonst 
ist  bei  Hugo  überall  nur  ich  nim  belegt,  so  dass  eher  an  den 
Conj.  zu  denken  ist,  dem  Hugo  überhaupt  grosse  Ausdehnung  ge- 
stattet. 

41—44.  42  lässt  B  stet;  aber  ich  habe  schon  Abh.  IV,  181 
nachgewiesen,  dass  diese  Form  nur  dem  Schreiber  B  gehört.  — 
43  hat  W  mit  Recht  d  gesunt^  vgl.  Abh.  V.  221. 

45 — 48.  46  W  miner^  wodurch  der  Vers  4  Hebgn.  erhielte; 
die  hsl.  Synk.  ist  ganz  in  Ordnung.  —  48  harpfen  und  gigen 
als  stn. 

49 — 52.  49  orgellen-don  als  Zusammenges.  Subst.  hat. Lex. 
nur  mit  dieser  Stelle  belegt,  ebenso  pfifen-schal;  vgl.  femer  hu- 
8unen-8chal  und  gloggen-klang  52,  die  gleichfells  nur  wenig  be- 
legt sind.  —  50  beggen=^beckenj  ein  Instrument,  aber  welches?  — 
52  russen:  wenn  der  Bodensee  plötzlich  unruhig  wird  und  zu 
rauschen  beginnt,  so  nennt  man  das  in  jener  Gegend  ruh^s  (Schmid, 
Schwab.  Wb.);  daran  kann  Hugo  gedacht  haben,  und  es  heisst 
also:  wie  das  Seerauschen  g,  seh. 

53 — 56.  54  Bzhoeren:e8  ist  kann  um  so  leichter  als  zwei- 
silbiger Auftact  genommen  werden,  da  hier  auf  als  ein  Nachdruck 
gelegt  werden  kann ;  auch  W  bewahrt  die  üeberlieferuhg.  —  {muot) 
enbören  =  emporrichten,  erhöhen;  Had.  342,  3  mir  ist  der  muot 
enboeret;  dasselbe  28,  67. 

57 — 60.  Walther  27,  34  für  trü/ren  und  für  ungemüete  ist 
niht  s6  guot  als  an  ze  sehen  ein  schoene  frowen  wol  gemuot; 
Neifen  18,  38  si  (die  Frauen)  sint  für  trüren  guot  u.  a. 

61—68,  vgl.  auch  38,  85  ff.  Hätzl.  II,  l,  91  wer  übel  von 
den  frowen  redtj  gott  es  die  lenge  nitt  vertrett^  er  gibt  im  als 
er  manigen  tuott:  unsäld  oder  grosz  armuot^  schand^  spott  und 


—     236     — 

täglich  clag^  wann  er  »ich  nit  erweren  mag  in  seinen  alten  zeit- 
ten,  er  rauosz  mit  schänden  peitten,  bis  er  sein  lebtag  voUendt 
mit  ainem  lästerlichen  end;  vgl.  auch  Sucbenw.  23,  58  S.  — 
61  schelken  swv.  (betrügen,  sohmähen)  hat  Lex.  aus  Hugo  belegt.  — 
64  schreibt  B  in  den  Varianten  ungelukh^  ebenso  76  gliikh;  18, 
79  m^{;A:. ich  berichtige  das  nar,  damit  man  nicht  auf  den  Glau- 
ben komme,  dass  sich  auch  beim  Schreiber  B  kh  fanden  (s.  Abb. 
III,  114),  die  Hs.  hat  auch  hier  hch.  —  65  bin  ich  W  gefolgt 
und  habe  ald  zn  all  corrigiert;  aber  das  war  unüberlegt,  denn  es 
ist  nicht  einzusehen,  wie  der  bair.  Schreiber  gegen  seine  Vorlage 
auf  ald  geriete.  W  corrigiert  auch  noch  verderben,  gleichfalls 
ohne  Grund. 

72.  gesten  swv.  mit  der  Bedeutung  rühmen  (s.  auch  15,  113; 
17,  40)  ist  alemannisch,  vgl.  Zupitza,  DHB.  V,  Einl.  p.  18,  und 
Haupt  in  Zs.  f.  d.  A.  VI,  528. 

75  1.  sind.  W  schreibt  tugentvol^  das  Lex.  II,  1563  nur  aus 
Teichn.  belegt  hat. 

XVIL 

1,  2.  Vgl.  Limb.  Chronik  48  in  dieser  Zeit  sung  man 
dies  Lied:  j,aber  scheiden^  scheiden  das  thut  warlich  wehe  von 
einer,  die  ich  gern  ansehe^;  Oswald  88,  3,1  schaiden  mich 
notty  dein  schaiden  mich  ertoett  etc.;  am  meisten  Aehnlichkeit 
hat  Lassb.  LS.  18,  13  wann  ich  möcht  nie  geloben  daz,  daz 
iötfi  scMdung  tätti  basz  denn  von  Uebi  lebendi  tat 

3,  4.  Der  Sinn  dieser  Stelle  wird  am  besten  aus  Parellelen 
klar  werden,  ühland.  Sehr.  V,  161  führt  an:  „mein  Leib  ist  hie, 
so  wohnt  bei  ihr  mein  Sinn.  Was  hilfet,  tu  ich  die  Augen  zu? 
So  sehen  sie  durch  mein  Herze  hin*.  Hadam.  293,  4  Ludwig  von 
Decke  der  ist  nü  der  minne  unmaere.  doch  schaffet  alt  gewon- 
heit,  daz  er  warnet,  er  m/Uge,  als  er  S  mohte;  dd  mit  im  doch 
diu  ougen  sint  verklaenetj  und  besser  152,  1  ein  tröst  mich  dicke 
neretj  sivte  ez  (das  geliebte  Wild)  kan  von  mir  gdhen^  daz  mir 
daz  nieman  weret^  ich  sehe  ez  ie,  ez  st  verr  oder  nähen,  ob  ez 
sich  von  mir  fremdet  unde  wildet,  doch  mines  herzen  ougen  ez 
statte  ansehentj  drtn  ez  ist  gebildet  Hugo  meint  also  die  Augen 
des  Herzens,  die  Gedanken,  welche  auch  jetzt  noch  wie  früher  ihr 
Bild  sehen,  und  ihn  in  Zwiespalt  bringen  mit  gewissen  und  ver- 
mmsti  Walther  99,  27,  weit  ir  wizzen,  waz  diu  ougen  sin^  dd 


—    237     — 

mit  ich  ri  sihe  dur  elliu  lantf  ez  sint  die  gedahke  des  her- 
zen mtn.  . 

19.  Dem  Verse  fehlt- ein  Fuss,  es  wird  daher  ein  Wort  wegge- 
fallen sein,  vielleicht  stete  (s.  18,  27),  so  dass  zu  schreiben  wäre: 
wil  bi  ir  stete  sin, 

25,  26.  Vgl  18,  196  und  Oswald  105,  5  und  hab  ain  für- 
satz  nymmSr  mit  fleis  ze  Sünden.  —  B  gehört^  Hs.  deutlich  ge- 
hört; vgl  2,  57  und  Abh.  IV,  177. 

29 — 32.  Diese  Strophe  ist  wie  das  ganze  Gedicht  für  die 
Beurteilung  von  Hugo's  Jugendprodukten  sehr  wichtig:  W  hat 
Recht  gehabt,  wenn  er  diese  nicht  vor,  sondern  in  die  Zeit  der  er- 
sten Ehe  verlegte;  die  Reue  über  sein  damaliges  Leben  bricht 
unverhohlen  hervor. 

46.  B  undf  dann  fehlt  die  Senkg.;  K  will  daher  (p.  335)  dn 
nach  und  ergänzen,  aber  noch  einfacher  ist  es,  unde  zu  schreiben; 
s.  die  Anm.  zu  12,  12. 

49 — 54.  50  B  sölichy  aber  13,  32  söllicher.  senen  stn.  — 
Dass  der  Satz  sich  von  der  einen  Strophe  in  die  andere  hinüber- 
zieht, ist  bei  Hugo  und  seinen  Zeitgenossen  nicht  selten.  Für  sach 
52  ist  vielleicht  sät  zu  corrigieren,  das  zu  abgemet  besser  passt  und 
leicht  zu  sach  verlesen  worden  sein  könnte:  Hugo  denkt  52,  53  an 
die  vorausgegangenen  Liebesverhältnisse,  die  nun  alle  vorüber  sind; 
die  Ausdrücke  sind  aus  der  Blumensprache  genommen ,  wo  die  Ge- 
liebte und  ihre  Eigenschaften  mit  Blumen  verglichen  werden  (vgl. 
auch  Nr.  16;  Hätzl.  H,  59).  Ein  Volkslied  (ühland  54)  fuhrt 
nach  einander  das  blaue  Vergissmeinicht,  das  braune  oder  weisse 
Habmichlieb,  den  rosenroten  Herzenstrost  etc.  auf  und  schliesst 
dann:  aber  alle  diese  Blumen  sind  vom  Reif  und  kalten  Winter 
gefalbt  und  abgemäht;  nur  ein  Blümlein  ist  geblieben  u.  s.  w. 
Vgl.  zu  dieser  Stelle  auch  Hätzl.  115,  13  mein  triu  on  alles 
wencken  sol  dir  beleiben  statt;  daran  solt  du  gedencken^  das 
nit  werd  abgemätt  die  augelwmdt  meins  hertzen^  die  mir  ge- 
wachsen ist^  wo  zugleich  auch  abe-maejen^  wofür  Lex.  erst  im 
Nachtrage  zwei  Stellen  anführt,  belegt  ist. 

xvm. 

5 — 16.  Tit.  1243  so  bis  du  in  dem  slaffe  mir  so  nahend 
daz  ich  des  dicke  swuer^  ich  suUe  mit  minen  armen  dich  umJ>e 
vahen,  Hätzl.  7,  13  mir  trambt  des  nacktes  soviel  von  dir^  wie 


—    238    — 

das  ich  bey  dir  sey  nach  gir ;  wann  ich  erwach  und  des  empir^ 
80  mucM  mir  wärser  nit  gesin.  mich  daucht,  ich  war  in  himsls 
tron  und  hett  mein  lieb  umbf wagen  schon;  wann  ich  dann  bin 
so  ferr  davon ^  das  ist  meine  hertzen  gröste  pein;  87,  b  sy 
chommt  mir  in  dem  schlauffe  für^  wie  ich  an  sich  iren  Uep- 
liehen  schein  ,  .  .  vor  grossen  fräden  ich  erschriph^  so  ich  erwach 
usz  lieben  pUck^  dann  so  ist  mir  fräde  tewr  . .  imm  schiauf  mir 
fräden  nicht  geprist  und  haby  was  ich  allda  begere,  wenn  ich 
erwach  und  nichtz  nit  ist .  .  so  ligt  es  mir  an  fr  öden  hert;  II, 
34,  20  ich  lag  gar  unverdrossen  , , .  dein  rotter  mund  tett  sehen- 
cken  mir  mamg  fräd  und  lustj  dich  truckt  gar  friuntlich  an 
die  prust  mein  arm^  als  ob  ich  dich  hett  lieplich  by  mir  an 
dem  pett  Vgl.  auch  Oswald  32,  2;  81,  1.  Derartige  Träume 
werden  auch  ia  den  uneigentlichen  Tagliedern  häufig  geschildert, 
8.  Bartsch,  über  die  rom.  und  deutsch.  Tagelieder,  p.  52. 

5.  B  streicht  so,  allein  der  Vers  ist  wie  7  gebaut  und  Jas 
80  muss  hier  wie  dort  stehen  bleiben :  er  bildet  die  fnnfhebige  Zeile 
von  T  T  . 

6.  B  corrigiert  red^  also  die  I  Pers. ;  aber  auch  die  überlieferte 
III  ist  möglich;  und  =  und  sie,  vgl.  die  Anm.  zu  15,  58. 

Zu  10  vgl.  noch  Tit.  768  owe  wenn  ich  entslafen  bin^  so 
kumt  er  mir  vil  dicke ;  als  mich  erwecket^  so  ist  er  hin  eto.  — 
B  corrigiert  was  si  dan  geflohen;  doch  das  geht  kaum,  weil  dan 
bei  Hugo  nicht  zu  belegen  ist;  K  (p.  334)  will  daher  do  streichen 
was  besser  wäre;  am  correctesten  aber  ist  wass  =  was  si,  das 
die  Hs.  21,  24  belegt  (s.  Abh.  V,  225). 

13.  kü8si  dasselbe  Netz  13257  (bei  Lex.  unbelegt),  verhält 
sich  zu  küssin  wie  etwa  wengli  zu  wenglin. 

23.  antwurte  ist  vielleicht  gewagt;  B  anttvUrte,  ändert  also 
in  diesem  Worte  zweimal  die  üeberlieferung. 

33.  Vgl.  Walther  51,  7  eines  friundes  minne  diust  niht 
guot,  da  ensi  ein  ander  bi:  minne  entouc  niht  eine,  si  sol  sin 
gemeine;  Freid.  124,  5  ein  minr\e  dandem  suochet;  105,  7  swer 
her^eleit  muoz  eine  tragen,  der  ma^  wol  von  noeten  sagen;  Mar- 
ner  15,  360  minn  ist  ein  er  und  ist  ein  si,  zwei  liep  dn  übel^ 
ein  zwivalt  guot^  s.  Strauch  zu  15,  345;  es  gehört  zum  Be- 
griffe der  wahren  Minne,  dass  sie  gegenseitig  sei,  vgl.  Uhland,  Sehr. 
V,  163. 

37 — 39.    Oswald    74,   2  ich  wolt^   du  tvesst   an   ah  gstfer 


—     239     — 

mein  frmntschafft  halb^  die  ich  dir  trag^  zhdr  du  erfueret  vil 
lieher  mer. 

45.  milt  =  miltet  (Abh.  IV,  175)  transitiv.  —  49  lies  Uwer. 

54.  leseiff  =  lezzic  =  lasaua. 

57,  58.  Oswald  65,  11  die  bort  sol  ich  behalten  mir  und 
schreiben  in  meine  hertzen  grundt;  Mü^lein,  Minnel.  II,  9  des 
ich  si  vor  edlem  wibe  ^ig  cm  mins  herzen  wcmt  mit  der  truwe 
pinsel  schrthe. 

61.  Wird  alle  zu  corrigieren  und  der  Vers  als  Titurelzeile 
zu  lesen  sein. 

69 — 72.  Daran  erinnert  besonders  Oswald  108,  5,  1  lieb  ist 
cUn  wart  ab  allem  schätz  . .  lieb  überwindet  alle  sach^  lieb  got 
den  herren  twinget^  das  er  dem  sünder  ungemMh  gantz  wendt .  . 
lieb^  süeser  hört 

73 — 76.  Das  ist  eine  jener  dunklen  Stellen,  auf  welche  K 
(p.  342)  hingewiesen  hat.  Vielleicht  aber  ist  sie  so  zu  erklären :  in 
Tat  und  Wort  hat  Liebe  alles  vollbracht;  die  zwei  folgenden  Zeilen 
sind  dann  blosse  Umschreibungen,  um  die  Strophe  auszufüllen  und 
die  Reime  zu  liefern:  dn  zom  bezöge  sich  auf  Vebi^  [das  Gomma 
nach  volbracht  ist  zu  streichen]  und  die  folgenden  Ausdrücke  auf 
zomy  so  dass  zom  und  liebi  einander  gegenübergestellt  sind  wie 
in     81 — 84  gerechte  lieb  und  imger  echte  lieb. 

77 — 80  klingen  an  Tit.,  680  an:  minne  hat  uf  erde  housj 
zu  himel  ist  rein  vor  got  ir  geleite^  minne  ist  allenthalben  wan 
zu  helle. 

81—84  ist  TU,  die  erste  Zle.  hat  zweisilb.  Anfb.,  die  fünf- 
hebige  steht  im  dritten  Vers. 

93.  Die  Stelle  ist  verdorben,  und  zwar  liegt  der  Fehler^  wie 
man  gleich  sieht,  im  Beimworte,  das  fehlt.  B  schlug  vor,  nach  liebi 
gestanden  bi  anzuhängen,  das  gibt  allerdings  einen  Beim,  aber  die 
Aenderung  ist  stark,  weil  sie  ein  Wort  {gehebt)  ganz  verwirft,  und 
zwei  neue  einsetzt,  dazu  bleibt  noch  die  Ausdruckweise  an  sich  sehr 
zweifelhaft  Ich  suchte  nach  einer  einfacheren  ond  habe  hi  (=  hie) 
angesetzt,  das  Hugo  sehr  oft  pleonastisch  verwendet,  um  den  Beim 
und  vollen  Vers  zu  erhalten  (18,  170;  10,  7;  6,  185,  187  etc.), 
ebenso  wie  andere  Dichter  (vgl.  Haupt  zu  Engelh.  43;  Wolfd.  B 
139,  2  dö  was  die  küniginne  eins  suns  genesen  hie  u.  a.).  Aber 
eine  andere  Gorrectur  ist  mir  jetzt  noch  wahrscheinlicher,  weil  sie 
noch  einfacher  ist :  24,  98  zeigt,  wie  der  Dichter  des  Beimes  wegen 


—    240    — 

eine  Wortverstellung  voraimmt,  welche  der  Schreiber  änderte,  weil 
sie  ihm  nicht  geläufig  war.  Auch  hier  könnte  einfach  umgestellt  wer- 
den: Aon  ich  "Anrecht  Uebi  gehabt  (oder  gehdhet)  ie^  alsdann  ist  gar 
kein  Zusatz  notwendig,  und  kann  auch  das  dial.  Uehi  stehen  bleiben. 
Der  Reim  ie:dri  ist  unserm  Dichter  leicht  zuzutrauen,  vgl.  Abh. 
IV,  154. 

109.  B  gtichtetf  aber  der  Vers  ist  Titurelzeile.  —  116  dester\ 
B  destf  das  gleich  unten  146  belegt  ist. 

121 — 124  ist  T^l  in  verkürzter  Form,  so  dass  der  zweihebi- 
geri  Zeile  wie  sonst  die  vierhebige  gegenübersteht,  die  beiden  an- 
dern correspondierendea  Verse  gleichviel  Hebungen  haben ;  vgl.  auch 
18,  229—232  und  273—276. 

153 — 158.  Hätzl.  119,  239  nun  sich^  was  lieh  kanpringen, 
seid  ir  lust  aho  ha/n  zwingen  den  stanken  und  den  hertsten^ 
den  weissen  und  den  gelertsten,  es  laszt  nyemantz  sicher  wesen: 
wie  macht  ich  dann  genesen?  —  zwingen  (=  twingen)  belegt 
Lex.  nur  aus  Vintler,  allein  es  wird  in  dieser  spätem  Zeit  schon 
häufig:  einen  Beleg  ausser  dem  Hugo*s  gibt  die  soeben  angeführte 
Stelle  der  Hätzl.;  vgl.  ferner  Maget  Krone  zwank,  bezwank^  be- 
zwungen (Zing.  507);  Netz  12199  zwingot^  zwingent;  Brant 
zwyngen  99,  157;  103,  50. 

199.  glicht:  das  ist  die  schwerste  aller  überlieferten  Synkopen; 
im  gesprochenen  Dialekte  hört  man  sie  nicht.  Es  könnte  aber  leicht 
kein  getischt  im  zweisilb.  Auft.  oder  in  der  Tzl.  gestanden  haben, 
vgl.  Abh.  V,  191  und  die  Anm.  zu  16,  1. 

201.  B  demnach  im  Texte  und  dannocht  in  den  Varianten; 
ebenso  wird  38,  160  corrigiert,  während  in  allen  anderen  Fällen 
(9mal)  die  dmmocht  im  Texte  stehen  blieben,  was  allein  richtig 
ist;  denn  sie  sind  auch  im  Netz,  bei  Sachsenh ,  Laufb.,  Brant  u.  a. 
ganz  allgemein. 

218.  wankelmuot  auch  5,  61,  hier  personificiert  und  zwar  als 
fro.   Dichilundei  ist  ganz  unbelegt. 

241—247.  Vgl.  dazu  Oswald  20,  3,  13  wen  allzeit  vast 
nach  ^ren  dürH  und  fielst  sich  guoter  sachj  dem  gibt  der  obrist 
himelfwrst  in  seinem  reich  gemach  und  darnach  hie  adn  vil  guot 
wort^  das  pesser  ist  dann  aller  fürsten  hört, 

248.  unverbannen  (=^  nicht  verboten)  hat  Lex.  U,  1949  nur 
aus  Mone  nachgewiesen. 

249,  2;')0  sind  verdorben.     Dass  grosffcn  spott  in   die    erste 


—    241    — 

Zeile  za  stellen  ist,  ergibt  der  Beim;  alsdann  muss  unstetiheit  in 
die  zweite,  sonst  wäre  249  überzahlig.  unatetikeit  und  liden  stim- 
men aber  nioht  zusammen,  denn  und  verbindet  parallele  Begriffe; 
daher  habe  ich  liegen  corrigiert  Einfacher  wäre  es,  wenn  man 
nur  Verstellung  vornehmen  würde:  sfott  ||  und  Uden  'Jmstetiheit 
brächt^  allein  das  gibt  einen  miserablen  Satz  und  eine  verwerfliche 
Betonung.  —  B  schreibt  apott  ||  unateti  und  in  liden  brächt 

255  ist  nimer  zu  oorrigieren,  das  B  hat  und  K  (p.  331) 
billigt. 

259  schreibt  B  gegen  die  Hs.  und  den  Reim  tu8eni\  aber 
AG.  hat  (p.  140)  mit  Recht  dieses  Beispiel  als  Beleg  für  Apok. 
des  t  angeführt,  vgl.  Abh.  IV,  161  und  Anm.  zu  5,  229;  ich  er- 
gänze dazu  noch,  dass  tausen  auch  in  Mag.  Krone  belegt  ist  (bei 
Zing.  506). 

XIX. 

4.  pillen=  mit  dem  bil  einschlagen,  hineintreiben  (W  p.  160): 
diese  Stelle  belegt  Lex.,  aber  etwas  entstellt.  Dasselbe  Wort  findet 
sich  noch  27,  63,  87 ;  32,  167 ;  35,  3 ;  vgl.  dazu  Sachsenh.  Moer. 
2135  diu  zärtlich  form  hat  sich  gepilt  ga/r  tief  in  mines  her- 
zen grünt  \  Lanfb.  704,  5  ay  (die  Mutter  Gottes)  han  den  stein 
wol  byllen  nach  irem  liebsten  willen, 

5.  ga/mdhu  masc,  ein  Edelstein,  s.  auch  28,  564. 

9.  K  verlangt  B  gegenüber  gaunt^  allein  das  wäre  bei  H.  nn- 
belegt;  vgl.  die  ähnlichen  zweisilb.  Auft.  in  Abh.  V,  206. 

13.  machty  von  mt/^m  =  vermögen,  tun,  und  allg.  =  sich  be- 
finden; vgl.  dazu  Schreib.  2,  348^  und  lassent  üchwiaaen,  daa 
die  unaem  alle  wol  mügent  (Lex.  T,  2219). 

25 — 29.  Auf  die  parallele  Stelle  bei  Oswald  1,  5,  15  habe 
ich  schon  Abh.  11,  88  hingewiesen. 

31.  aueaaer  mett  wird  häufig  als  Vergleich  gebraucht,  vgl.  da- 
rüber Weinhold,  Lamprecht  v.  Regensb.,  Einl.  p.  19. 

32.  B  bringt  in  seinem  Wortregister  dieses  weien  mit  dem 
5,  299  zusammen,  aber  es  sind  zwei  verschiedene  Wörter:  das 
hier  ist  waejen  swv.  (über  ei  =  ae  s.  Abh.  IV,  157)  =ßare,  das 
andere  weien  swv.  =  hinnire, 

XX. 

1 — 4.  l  B  wolgepornen^   dann  miisste  der  Schreiber  en  ab- 

Wackernell,  Montfort.  \& 


—     242    — 

gewqrfen  haben,  und  das  ist  ihm  sonst  nioht  nachzuweisen,  die 
Synkope  des  e  aber  nur  zu  oft.  gegoren  schreibt  auch  Suchenw. 
31,  165;  Hätzl  11,  3,  2  etc.  —  2  vielleicht  enbüte'i  —  4  B 
lieh^  aber  der  Vers  muss  fünfhebig,  also  lieh  zweisilbig  gemacht 
werden;  darum  habe  ich  Uehe  geschrieben,  dasselbe  fordert  auch 
K  (p.  335),  so  dass  wir  wieder  mit  einander  übereinstimmen ;  trotz- 
dem haben  wir  beide  falsch;  denn  es  ist  liebi  zu  schreiben,  da 
nur  diese  Form  neben  lieh  belegt  ist;  anders  steht  es,  wenn  z.  B. 
hsl.  guet  zweisilbig  zu  machen  ist,  da  guete  neben  gueti  vorkommt.  — 
versentf  von  versenen  swv.  trans.  =  mit  eenen  abhärmen. 

13 — 16.  B  corrigiert  13  usgnomen  und  streicht  15  nu,  so  dass 
beide  Verse  dreihebig  sind,  vgl.  aber  49 — 52 ;  34,  37 — 40  u.  a.  — 
15  1.  in  meinen  Var.  gelukch. 

36.  B  nu ;  die  Hs.  hat  aber  deutlich  nie,  und  das  deutet  auf 
nuOy  welches  ich  Abh.  IV,  158  auch  aus  Hugo*s  Urkunde  nach- 
gewiesen habe;  vgl.  dazu  AG.  §  144  und  ergänze  Saohsenh. 
Temp.  nuo  588,  nuon  hin  244  u.  ö.;  Nie.  v.  Bas.  (Schmidt) 
nuo  p.  162,  8;  LB.  1\  1007  und  sehr  oft. 

45.  B  hat  Burg  und  verweist  in  der  Anm.  auf  Biirg  Mangolt ; 
K  (p.  339)  spricht  dagegen  und  denkt  an  hwrg  mit  abweichendem 
Geschlechte;  allein  auch  das  wh:d  kaum  gehen,  denn. die  Hs.  hat 
bärg^  wis  auf  bürg  schliessen  lässt.  —  In  Nr.  17  führte  der  Dichter 
aus,  wie  vemunat  und  gewissen  sich  bemühten  seine  Seele  zu  bewah- 
ren, welche  das  hertz  verleiten  wollte,  und  rief  den  Schutzengel  zur 
Hilfe  herbei:  o  lieher  engel^  nu  huet  der  sel^  du  hist  mir  doch 
ze  hu  et  er  gehen.  Könnte  der  Dichter  nun  hier  unter  hiJirg^  von 
dem  er  in  ähnlicher  Weise  sagt :  der  huet  min  sicher^  nicht  den- 
selben Schutzengel  meinen,  der  dann  gleichsam  als  ein  ,  Bürge  '*'  für 
einen  guten  Lebenswandel  anzusehen  wäre? 

51.  Hs.  weinter;  die  AG.  p.  56  fiihrt  dieses  Wort  als  Be- 
leg an  für  ^  =  e,  allein  das  ist  sonst  bei  Hugo  und  in  den  an- 
dern verwandten  Denkm.  nicht  belegt.  Sollte  aber  weiter  damit 
gemeint  sein?  Vgl.  Schmidt,  Gesch.  des  indogermanischen  Vocalis- 
mus  I,  48;  dann  würde  es  im  Texte  zu  lassen  und  in  AG.  im 
untern  Absatz  neben  steihe  etc.  einzusetzen  sein.  —  höwen  =  höuwen 
swv.,  heuen. 

XXL 

.  Lichtenst.  30,  15  den  tac  ich  ^re^  d6  ich  die  vil  guo^^ 


—    243    - 

ten  ^8te  sach . .  .  wol  dir  taCy  vil  aaeUc  ai  din  nam.  Oswald 
wol  mich  dn  wee  der  lieben  stunde  dd  mich  ain  poscholochfer 
mund  an  lacht  52,  1;  ich  lob  den  tag^  atund^  weyl^  die  zeit^ 
minut  und  quint^  do  ich  es  hört  etc.  56,  10;  ich  lob  den  tag  und 
preys  den  wunneclichen  schertz^  seid  sy  mich  hat  uszerwelt  ja 
für  aigen  hertz  (Hätzl.  79,  8).  Hätzl.  57,  17  so  lieben  tag  ge- 
lebt ichnye^  damn  da  ich  dich  von  erst  anfie,  Ambr.  LB.  151, 
26  selig  ist  der  tag  und  auch  die  stunde  darin '  mir  dein  lieb 
erstlich  war  kund.  Hadlaab  klagt  28,  2,  4  so  wS  mir  der  stunde^ 
daz  ich  schouwen  st  begunde^  do   mir  wart  ir  wunne  erkant, 

6.  abent-rdt  stn.  hat  Lex.  I,  10  nur  einmal  belegt. 

14.  Die  Hs.  hat  hier  Absatz,  auch  B,  aber  die  Reime  spre- 
chen dagegen;  dasselbe  gilt  bei  24. 

18.  härmval  ist  bei  Lex.  nicht  belegt. 

20,  21.  Hätzl.  59,  16  zu  baiden  seiten  ist  sy  langk,  in  der 
mitt  ist  sy  schwank;  Sachenw.  24,  158  zemazzen  lank,  enmitten 
chlain.  Das  insectenförmige  Einschnüren  der  Frauen  war  schon 
damals  Mode ;  das  Netz  sagt  von  den  Klosterfrauen  5099  si  mo- 
cf^end  sich  schoen  lustlich^  enmitten  klain,  weltlich  gnuog  stat 
in  an  ir  gefwa/ad^  ma/n  umb  fieng  si  mit  der  Hand. 

22,  23.  biichli  =  bücheli  ^  venterculus.  Die  Bedeutung  von 
brün  ==  briune  stf.  ergibt  schon  der  Zusammenhang.    • 

27.  hochristig  (=  mit  hohem  Fussrücken)  ist  bei  Lex.  unbelegt. 
Suchenw.  25,  167  ir  fuezzel  chlain^  pogriste  hol,  eyn  tzeisel  sich 
verporgen  wol  Met  under  irem  riste. 

Analoge  Frauenbeschreibungen,  wie  sie  Hugo  in  diesem  Ge- 
dichte und 5, 19  fr.  bietet,  sind  häufig;  vgl.  Tannhauser,  Bartsch LD^ 
47,  34  ff.;  Suchenw.  24,  152  ff.;  25,  167  ff.;  Hätzl.  Nr.  59; 
28,  67  ff.;  Kittel  24,  31  ff.;  Oswald  Nr.  50  und  89  u.  a.;  nur 
geht  Hugo  einmal  beträchtlich  über  fdas  Mass  des  geziemenden 
hinaus;   Oswald  natürlich  übertrifft   ihn  darin  noch  um  ein  gutes. 

XXIL 

5.  B  das  glücke  nimmt  also  die  erste  Schreibung  der  Hs.  als 
die  richtige ;  die  folgenden  parallelen  Ausdrücke  lassen  aber  kaum 
zweifeln,  dass  sie  beide  zu  verwerfen  sind;  vgl.  auch  1,  61;  27, 
173  u.  a. 

19.  gliJk  und  seid  sind  nicht  identisch;  das  lehrt  uns  Teich- 
ner in  einem  eigenen  Gedichte  (Karajan  p    118):  mit  selde^  &a^ 


—    244    — 

er,  werde  das  edlere,  innere  Gelingen,  mit  glück  die  Gewinnung 
äusserer  Vorteile  bezeichnet. 

21,  22:  pHncipium  awpientiae  timor  domini  Ps.  110,  10» 
vgl.  Freidank  1,  5  ffote  dienen  äne  wanc  deist  aller  wisheit  ane~ 
vanc^  und  dazu  Bezzenbergers  Anm.  z.  St. 

22  und  24  haben  nur  drei  Hebungen,  die  Besserung  liegt  aber 
nahe :  22  kann  götlichey  24  das  velt  nicht  als  umb  e.  h,  geschrieben 
werden,  das  im  vorausgehenden  Gedichte  (Vers  25)  überliefert  ist; 
noch  wahrscheinlicher  jedoch  ist  es,  fürwareihdre  zu  schreiben,  da 
auch  die  entsprechenden  Zeilen  der  übrigen  Strophen  klingend  rei- 
men, s.  Abh.  V,  202.  —  23  liest  B  vint^  die  Hs.  vindt, 

36:  häufige  Ausdrucksweise;  vgLSuchenw.  5,  52  davon  wolt  er 
nicht  wenchen  {igedenkchen);  Hätzl.  3,  82  von  im  will  ich  nit 
wenken;  36,  7  von  ir  wiU  ich  nit  wenchen  bis  uff  mein  endes 
zil  etc. 

xxra. 

4.  B  gberd^  vgl.  die  AnuL  zum  ähnlichen  zweisilbigen  Auftaete 
in  19,  9. 

31.  Auch  K  fand  die  Stelle  unverständlich;  die  Gorrectur  in 
meinem  Texte  wird  auch  die  Deutung  klar  machen,  sie  stammt 
von  V.  d.  Hagen. 

33.  Wahrscheinlicher  ist  wohl  gesigelt  mit  m/ner  zu  lesen, 
vgl.  34,  45. 

38.  B  gbürt  und  drüzehn;  ich  habe  aber  Anstand  genommen, 
an  dieser  Strophe,  welche  gegen  die  Metrik  verstösst,  etwas  zu  corri- 
gieren,  weil  sie  in  herkömmlicher  Weise  die  Abfassungszeit  be- 
stimmt, wie  es  Hugo  aus  den  Urkunden  gewohnt  war,  und  ihm  daher 
hier  ein  Fehler  um  so  leichter  passieren  konnte.  Der  Reim  jdr 
zieht  in  solchen  Datierungsstrophen  gewöhnlich  den  Flickreim  wdr 
nach  sich,  vgl.  34,  52;  35,  36;  36,  27;  Suchenw.  4,  1 ;  5,  89  etc. 

xxrv. 

1.  üeber  solche  Schilderungen  der  Träume  vgl  K  p.  339.  — 
B  trSm :  hdn^  s.  Abh.  IV,  166.  In  seiner  Abhandlung  über 
rom.  u.  deutsche  Taglieder  zählte  B  (p.  67)  dieses  Gedicht  zu  den 
Tagliedem. 

5,  6.  Die  Dichtung  wurde  immer  noch  wie  zur  Zeit  der 
StAofer  als  ein,   wenn  auch  nur  selten  erfülltes  Gebot  der   feinen 


—    245     — 

Bildung  and  der  bevorzugten  Lebensstellung  festgehalten;  vgl.  Rü- 
ckert,  Gesch.  der  nhd.  Sohriftspr.  I,  183. 

B  geächtet  ze;  dagegen  K  (p.  335),  der  geücU  verlangt,  wie 
in  meinem  Texte  steht;  ich  merke  nur  noch  an,  dass  auch  gettchte 
ze  corrigiert  werden  könnte  (s.  Abh.  IV,  177). 

10.  gesprochen  =  verred^  verschworen,  hat  also  dieselbe  Be- 
deutung wie  verheiaaen  29,  17,  77  und  versprochen  Freid.  102, 
12:  manc  man  ein  wtp  versprochen  hdt, 

23.  Dass  ward^  welches  B  bewahrt,  nur  aus  der  obigen  Zeile 
herabgesprungen  ist,  deutet  schon  der  Rhythmus  an. 

37 — 40.  Vintler  823  man  vindt  doch  in  der  alten  schrifty  do 
Salomon  den  tempel  süftj  das  in  zwang  ain  schwa/rze  haidenin. 
durch  der   selben  mllen  verlos  er  sein  «tw,    da>s  er   gotes   ver- 
laugent  damit,  wann  er  peit  di  abgötter  an  nach  irem  sit 
49.  B  gemeii,  aber  auch  K  (p.  335)  fordert  gmeit 
65.  B  weit :  scJhelt,  so   dass  alle   vier  Verse  stumpf  und  nur 
dreihebig  sind,  vgl.  die  Anm.  zu  15,  150;    hier  ist  die  Besserung 
um  so  unverfänglicher,  weil  dadurch  die  grammatisch  vollen  For- 
men   hergestellt   werden.    —   Freid.    105,   13   swaz  guots   und 
Übels  ist  geschehen,  des  muoz  man  'n  teil  den  wiben  jehen  des 
besten  und  des  boesten^  des  nidersten  und   des  hoesten.    Vintler 
797  swad  Augustin  spricht  OMch  das,   das  chain  ding   nie  was 
noch  nimmer   wirt  auf  diser  erde,   das  da  pesser   und  pöser 
iverde  dann  ain  weib ;  837  wer  wil  aber  alle  übel  sagen,  die  di 
frawen  an  in  haben,   so   haben  si   auch  vil  guettat,   das   sich 
wol  erji/ndt  am,  maniger  stat 

69.  B  seligü,  K  fordert  (p.  335)  selgü. 
77,  78.  glüptbrüchdg  =  brüchig  dessen,  was  man  gelobt,  ver- 
sprochen hat:  wort-,  treubrüchig.  So  sagt  auch  Suchenw.  29,  96 
vom  Pfennig:  gesworen  aid  mach  ich  wolvail;  32,  10  dw  {giti- 
heit)  velschest  laider  manigen  eyd  wad  pist  auch  trewenprucMg, 
79.  Dasselbe  bei  Sachsenh.  Moer.  pfu4:h  pfy,  pfuch  phy  der 
grossen  schant  (Martin  zu  260). 

116  ist  vielleicht  sichs  zu  schreiben. 

120.  sterben  atn.  ewig  sterben  gebraucht  Hugo  gewöhnlich 
=  ewige  Verdammnis,  wie  ewigs  leben  25,  127  oder  einfach  ewi- 
heit  33,  35  =  ewige  Seligkeit. 

129.  B  gesicht,  der  Vers  muss  vierhebig  sein,  daher  gestehet 
geschrieben  werden,  s.  z.  B.  27,  72  und  vgl.  Abh.  IV,  174. 


—    246     — 

138.  Die  Hs.  hat  güti  :  gemüte.  Dreifaches  ist  möglich:  am 
nächsten  läge  gueti  in  guete  zu  ändern,  weil  das  auch  in  der  Hs.  be- 
legt ist,  so  wollte  Kummer  (p.  325);  damit  fallt  aber  eine  dia- 
lektische Form,  die  in  Hugo*s  Sprachgebrauche  begründet  ist  (s.  Abb 
IV,  187) ;  daher  habe  ich  gueti  :  gemueti  (ahd.  guatt,  gimuati) 
corrigiert,  weil  beide,  i  einen  ahd.  I-Laut  zu  Grunde  haben ,  und 
weil  ferner  derselbe  Reim  auch  bei  Laufb.  709,  8  (gueH :  gemueti) 
und  in  lÄSsb.  LS.  28,  56  {guetti  ;  gemueti)  u.  Ö.  überliefert  ist  — 
B  hat  gueti :  gemuete. 

XXV. 

3.  Ueber  diese  Correctur  vgl.  die  Anm.  zu  5,  264;  die  Schrei- 
bung  geheine  kann  man  sich  unbedenklich  gestatten,   da  sie  auch 

« 

noch  bei  den  spätem  Dichtern  gangbar  ist,  z.  B.  in  Lassb.  LS. 
250,  49. 

4 — 9.  Lassb.  LS.  250,  35  mr  aechen  ir  gebain  groz  und 
ciain,  da  sint  die  schoenen  hopt  ir  krönen  gar  heroht .  .  .  die 
minnehlichen  wangen  sint  da  gar  zer  gangen,  die  rasen  farwen 
münd  sint  da  gar  verswUmd .  .  .  owe  daz  gehaine^  daz  vil  un- 
raine  die  boesen  wurm  nagen;  37,  134  durch  not  so  ist  min 
mundel  rot  enpherwet  und  erblichen,  ach  wie  ist  abgestrichen  so 
glantzer  mine  farw;  Engelh.  13  ir  roeselehten  wangen  mit  bleichte 
sint  bevangen  .  .  ir  schoene  ist  gar  zergangen, 

12.  entschöpfen  swv.  =  das  geschöpfte,  geschaffene  zerstören, 
entstellen,  hässlich  machen. 

14.  hop  darf  hier  und  24,  33  nicht  zu  hopt  corrigiert  wer- 
den, wie  B  und  ich  falschlich  taten.  Ich  habe  mein  Versehen  schon 

•  * ' 

in  Abb.  IV,  160  gut  gemacht.  Gerade  in  diesem  Worte  kann  ich  die 
Apokope  des  t  noch  belegen  aus  Maget  Krone  98^  und  Suchenw. 
40,  113;  auch  der  heutige  alem.  und  bair.  Dialekt  sagt  hop,  haup. 

20.  Nimmt  man  hett  ichs  als  zweisilb.  Auft,  so  steht  die 
schwerere  Silbe  voraus,  was  geringe  Gewähr  hat  (Abb.  V,  206), 
zumal  die  Correctur  angleit  sehr  leicht  ist. 

28  corrigiert  B  duchte^  was  man  nicht  gestatten  darf;  denn 
das  Praet.  dünkte  ist  beim  Schreiber  A  und  B  belegt  und  sicherer 
als  duckte,  s.  Abb.  IV,  184;  auch  in  der  alem.  ürk.  vom  6./9.  1389 
(Arch.  I,  m,  137)  steht  dwnkU, 

35.  trösten  mit  dem  Gen.  =  Zuversicht  haben  zu,  sich  verlassen 
auf  etwas.' 


—     247     — 

36.  wankel  ist  flexionsloses  Adj.;  das  bei  Lex.  nicht  häafig 
belegte  Subst.  gebraucht  Hugo  6,  40;   20,  44;   23,  11;   24,  71. 

39,  40.  Netz  7918  so  schrigend  d  den  waffen^  waffen^  das 
wir  ie  wurden  geboren^  muossen  wir  ewklich  sin  verloren. 

42—46  und  dazu  76  «F.,  143  ff.  erinnern  an  Hätzl.  II,  55, 
313  sag  ditz  allen  guoten  weihen^  das  sy  es  in  ir  hertz  schrei- 
ben und  des  mit  nickte  vergessen^  all  ir  sach  darnach  messen 
und  hüten  sich  vor  diser  not:  sag  £n,  das  sey  mein  ratt 

55.  B  er^  es  ist  aber  ere  unde  zu  corrigieren,  wie  12,  12 
erde  unde,  auch  63  lässt  B  irrtümlich  und. 

60.  übergiUg  (steigernd  =  noch  mehr  als  geizig)  ist  unbelegt. 

90.  Da  Hugo  bereits  zwingen  sagt  (Anm.  zu  18,  156) ,  so 
ist  die  alte  Form  antlüt  um  so  beachtenswerter,  vgl.  auch  Zarncke, 
Brant  p.  28 1^ 

100.  Bartsch'  Correctur  gelidem  {: dawider)  fällt,  weil  ich 
Abh.  IV,  187  diese  hsl.  Apokope  auch  bei  andern  Dichtem  nachge- 
wiesen habe.  Auch  was  Abh.  lY,  165  über  Apokope  des  n  gesagt 
wurde,  ist  hier  in  Betracht  zu  ziehen;  die  dort  gesammelten  Reime 
e  :  en  können  jetzt  noch  durch  die  von  Lambel  aus  Yolmars 
Steinbuch  (p.  XV)  angeführten  vermehrt  werden.  Wenn  daher  Ziu- 
gerle  bei  den  Reimen  der  Maget  Krone  (und  folgte  iren)  Wen  : 
mSre  den  Vorschlag  macht  (p.  496)  irer  Ure  zu  bessern,  so  ist 
dieser  abzulehnen. 

103.  unhofferüg  (=  nicht  hoch  fahrend)  ist  bei  Lex.  gar 
nicht,  hinlässig  (=  fahrlässig)  108  nur  aus  Weist,  u.  Beisp.  belegt. 

114.  schiehen  swv.  scheuen,  s.  auch  172. 

126.  himel  hat  in  spätem  Gedichten  oft  den  Plural,  s.  18, 
173;  25,  180;  27,  30;  29,  70;  30,  54;  32,  29;  33,  155  u.  a. 

132.  rotten  (auf  der  Rotte  spielen),  seiten  hlenken  (Saiten 
klingen  machen,  Saitenspiel)  sind  woÜl  stn. 

136.  B  edlem  ohne  Variante. 

138.  B  aller^  aber  die  Correctur  wird  in  diesem  Verse  kaum  zu 
ersparen  sein,  vgl.  12,  10,  wo  auch  B  aUr  oorrigiert. 

162.  neisen  =  neizen  swv.  bedrängen.  Snchenw.  42,  55  die 
witwen  und  die  waisen  die  chanst  du  vil  wol  naysen, 

190 — 202.  Der  Schluss  dieses  Gedichtes  ist  nach  dem  von 
Suchen wirts  Nr.  22,  201 — 225  satzehant  do  gie  der  tag  lustig  her 
an  widerstreit . . .  er  sprach :  Ueber  Sueehenwirt,  rat  den  edlen^ 
wa  du  pistj  daz  si  sich  vor  der  Sünden  list  hueten  innichieich 


—     248    — 

durch  got .  .  .  rat  in  von  aUen  schänden  .  .  .  ich  rait  von  im  und 
eylte  drat:  die  red  haizzt  der  new  rat 

XXVI. 

6.  ainn  haben  =  Gedanken,  Absicht,  Vorsatz  haben. 

16.  B  musste  üch  einklammern,  weil  er  den  Vers  mit  dop- 
peltem Auftacte  nnd  drei  Hebungen  las,  um  ihn  dem  correspondie- 
renden  gleichhebig  zu  machen;  allein  es  ist  die  fünfhebige  Titu- 
relzeile  mit  fehlender  Senkung,  welche  durch  behuetet  beseitigt  wer- 
den kann. 

18.  B  alter  ohne  Variante. 

23.  winhehchertzen  stn.  ist  nur  aus  Hugo  belegt. 

28  hat  sechs  Hebungen,  vielleicht  kann  biderb  verschleift  and 
zuo  einer  oder  zeiner  gelesen  werden. 

29.  B  gesind,  das  kann  nicht  bleiben :  imer  steht  im  AufU 
und  die  beiden  Beimzeilen  haben  je  drei  Hebungen. 

37 — 40.  37,  38  oorrigiert  B  wan  umb  die  sach  \\  hat  Lur- 
cifer  gevallen;  allein  dann  ist  schon  die  seltene  Construction  mit 
haben  auffallend  und  bei  Hugo  unbelegt.  Der  Fehler  des  Schrei- 
bers ist  ein  anderer  und  sofort  ersichtlich,  denn  es  stehen  ja  die 
beiden  Reimwörter  sach  und  gevaüen  unmittelbar  neben  einander: 
er  ist  also  vom  Reimwort  des  ersten  Verses  auf  das  des  zweiten  hin- 
übergesprungen,  und  die  ganze  zweite  Zeile  ist  bis  auf  den  Reim  zu 
ergänzen;  in  dem  Sinne  ist  auch  Prof.  Heinzeis  Emendation  in  meinem 
Texte,  welche  eine  tadellose  T^  herstellt.  —  die  sach  ist  die  hochn 
fa/rt  —  40  iMcifer  und  siü  husgenozze  sagt  Tit.  73,  2;  LuH- 
fer  und  sein  gends  Oswald  113,  3,  5;  Teichner  hat  ein  eigenes 
Gedicht  von  Lucifers  val  A.  48^^«  —  B  schreibt  muessen. 

45-— 48.  Suchenw.  11,  129  hat  er  sich  nie  vergezzm,  an 
trinken  und  an  ezzen  er  sich  in  rechter  mazze  hielt;  Hätzl. 
123,  56  hält  dich  vor  hochva/rt^  traut  gespil^  nymm  weins  zu  dir 
auch  nit  vil,  wann  das  gar  iU>el  statt. 

53 — 56.  Auch  Teichner  lehrt,  dass  man  mit  Güte  mehr 
erreiche  als  mit  Zorn  (Karajan  VI,  130),  ebenso  Suchenw.  38,  73 
es  wirt  mit  weisshait  offt  gesigt,  als  noch  mag  wol  geschehen$ 
daz  man  mit  vechten  underligt,  daz  man  hat  vil  gesehen,  man 
gwint  offt  mit  tugent  mer,  denn  m^n  gewint  mit  tzom;  tugent 
pringt  tzv>cht  und  er^  von  gtch  wirt  vil  verloren,  —  63  kann  huet 
gebessert   werden,  das  23  belegt  ist,  41    vielleicht  auch  slaht. 


—    249     — 

XXVII. 

16.  B  o5  68^  dann  hat  der  Vers  aber  6  Hebungen.  —  Der 
überstiegene  Vergleich  bei  Suchenw.  41  ,  31  so  wirt  dein  lob 
durhgründet^  wenn  man  ein  chertzen  tziindet  mit  ene  und  nicht 
mit  fewre. 

26.  Tit.  1,  3  din  ie^  din  immer  ist  gar  ungepfehtet  unge- 
ff  echt  ist  part.  Adj.  (=  anmessbar,  unergründlioh),  welches  Lex.  nur 
aus  Tit.  belegt,  von  dem   es  Hugo  überkommen  haben  wird. 

31.  B  Äör,  aber  dann  würde  wie  in  ziind  5  die  Senkung 
fehlen  öder  ein  drei-  und  ein  vierhebiger  Vers  gebunden  werden.  — 
Hier  gibt  Hugo  selbst  als  eine  Quelle  seiner  theol.  Kenntnisse  die 
wisen  ffaffen  an,  vgl.  Abh.  II,  108,  Anm.  1. 

53 — 56  ist  TU  mit  der  verkürzten  Zeile  im  zweiten  Verse. 
B  hat  unwandelbere  (:swere),  da  aber  51  mit  Auft.  beginnt,  ist  die 
Correctur  nicht  notwendig,  s.  Abh.  V,  251. 

58.  allem  dinem^  vgl.  dazu  Heinzel,  zur  Er.  15;  auch  in 
Urkunden  findet  sich  diese  Ass.,  z.  B.  in  der  vom  8./4.  1363 
(Arch.   I,  92)  von  dem  hangendem. 

65 — 68.  Ueber  des  (heiligen)  geistes  gaben  vgl.  Karajan, 
Teichn.  98:  vor  allem  ist  darunter  verstanden  die  Schärfe  der 
Einsicht,  die  anregt,  das  Gute  zu  tun,  das  Böse  zu  lassen;  so 
meint  es  auch  Hugo.  Teichner  G  264  der  sendet  mir  in  minem 
muotf  daz  iibel  Idzen^  tuon  daz  guot  —  gäben  ist  N.  PL,  hat 
also  nach  nhd.  Weise  die  sw.  Endung;  vgl.  auch  tmden  28,  107 
und  IV,  188. 

71.  mit  seiden -ruoten  =  mit  Strafen,  die  zum  Heile  ge- 
reichen (vgl.  5,  161—166). 

80.  B  odr^  allein  es  ist  die  fünfhebige  Tzl.,  in  welcher  die 
fehlende  Senkg.  zum  technischen  Motiv  verwendet  wird,  s.  Abh.  V, 
217,  Punkt  1. 

89 — 92.  89  hat  B  vngelüh^  aber  es  ist  vnglüh  zu  corrigieren, 
wie  auch  K  (p.  335)  verlangt.  —  Der  Vers  91  hat  um  eine 
Silbe  zu  wenig,  B  schreibt  daher  glichet;  ich  zog  einem  vor,  denn 
damit  überliefert  die  Hs.  33,  72  und  28,  508  den  zweiten  Teil  dieses 
Verses  Der  derbe  Vergleich  war  sehr  beliebt,  vgl.  Had.  389,  1 ; 
Oswald  91,  3,  2;  Netz  1086;  Hätzl.  30,  36;  II,  7,  79;  20,  86; 
51,  84;  54,  48  etc. 

105.  Nibel.  2315  als  ie  diu  liebe  leide  ze  aller  jungiste  gtt. 
Walther  (Wilm.)  38,  21  herzeUebes^  swaz  ich  des  noch  ie  gesach^ 


—    250    — 

dd  was  herzeleide  bt  Freid.  31,  16  Mute  liep^  mome  leit^  deis 
der  werlde  unstaetekeit.  Tit.  1026  nein  lieb  zv/r  get  mit  leide, 
daz  ist  gewisy  sust  nimt  die  werlt  ein  ende;  Häd.  390,  5  lieb 
dne  leit  ich  vinde  selten  leider;  Hätzl.  55,  3  Ueb  pringt  laiduls 
Mtz  den  regen;  II,  17,  87  laid  ist  liebes  nächster  knechte  92 
wann  lieb  an  laid  mag  nit  bestan;  Laufenb.  717,  16  der  weite 
Ion  ist  anders  niht,  denn  ach  und  we  und  leyde!  Brant  NS. 
50,  31  der  gantzen  weit  wollusükeyt  endt  sich  zuo  Utst  mit 
bitterkeyt  u.  a. 

114.  schUeme  swm.,  eine  dünn  gegftrbte  Haut  in  den  Fen- 
stern an  Stelle  der  Gläser.  Was  Hugo  sagen  will,  ist  klar:  ich 
habe  die  Welt  gesehen  und  nicht  nur  durch  das  Stubenfenster. 

115.  B  zergangklieh^  die  gk  aber  gehören  nttr  dem  Schreiber 
B  (s.  Abh.  m,  115). 

123.  lieber  büwen  üf  ein  tsj  4/  ein  wölken^  üf  den  regen" 
bogen  etc.  s.  Bezzenberger  zu  Freidank  1,  7—12. 

125 — 128.  Die  beiden  ersten  Verse  sind  zusammengeschrieben 
zu  lassen,  wie  sie  die  Hs.  bietet,  denn  wir  haben  hier  T^  in  der^ 
dreizeiligen  Form  (vgl.  Abh.  V,  250),  nit :  rip  ist  daher  kein  Reim 
und  in  Abh.  IV,  172«  zu  streichen.  —  Adame  rip  ist  die  Eva; 
Tit.  1444  seit  daz  Adams  rippe  verholne  wart  gemacht  zu  ei- 
nem bilde;  Sachsenh.  gott  Adam  schuoff  .  . .  und  nam  usz  sinem 
lib  ain  rip^  davon  so  kumment  alle  sip  Moer.  4318.  —  Zu  diesem 
Ausspruche  Salomons  in  121,  126,  127  vgl.  Freid.  81,  7  Sah- 
mon  hdt  doch  war  geseit :  diu  werlt  ist  ga/r  ein  üppekeity  zurück- 
gehend auf  Eccl.  1,  2  vanitasvamtatum  etc. 

131.  Suchenw.  6,  66  do  stach  die  trew  ein  scharfer  dorn, 
unmuot-dom  hat  Lex;  nur  mit  dieser  Stelle  belegt  Mit  vnmuot 
bildet  Hiigo  noch  die  Compos.  unmuot-strasse  28,  339;  vnmuot- 
band  28,  304,  welche  ganz  unbelegt  sind. 

133 — 136  ist  T^l  mit  der  verkürzten  Zeile  im  zweiten  Verse 
wie  53—^56,  daher  muss  133  wenigstens  dreihebig  sein,  auf  als 
kann  man  den  Nachdruck  legen;  136  ist  wahrscheinlich  unde  zu 
schreiben,  aber  auch  vierhebig  wäre  der  Vers  möglich,  weil  er  mit 
dem  zweihebigen  reimt;  s.  die  Anm.  zu  18,  121 — 124.  —  B  lässt 
herzUid^  dann  würde  die  folgende  ist  mir  beschuhen  zu  lesen  sein« 
und  das  geht  nicht,'  weil  die  verkürzte  Tzl.  stumpf  reimt  (Abh. 
V,  261). 

141—144.    Aehnlioh  klagt  Oswald  119,   1  rain  freud  mit 


—     251     — 

klarem  hertzen  truog  ich  nie  ainen  tag  an  Hoffnung^  vorcht  und 
schmertzen  eto.  —  142  eUweg,  das  Lex.  I,  39  noch  nicht  belegt 
hat;  K  meint  (p.  322)  daher,  dass  diese  Umlaatung  Dar  der  Hs., 
nicht  dem  Dichter  eigen  sei;  allein  auch  das  Netz  hat  13083 
deutlich  ellweg.  Wie  der  unechte  Umlaut  sich  ausbreiten  konnte, 
ist  leicht  zu  vermuten:  elM  ist  häufig,  dafür  auch  mit  der  nhd. 
Endung  eUe^  eil,  das  dann  nicht  nur  für  das  Fem.  (resp.  auch 
Neutr.),  sondern  für  alle  drei  Gesohlechter  neben  aUe^  aU  ge- 
braucht wurde. 

163.  verren  swv.   mit  dem  Dat.  der  Pers.  =  ferne  werden. 

169.  lieber  das  t  in  mögt  (:  tag)  s.  Abh.  IV,  161;  ich  bemerke 
nur  noch,  dass  mag^  mag  im  Dialekte  allgemein  ist. 

172.  Lies  von.  B  wichen^  ebenso  28,  31  gebrech  lapech;  vgl. 
Abh.  IV,  170;  ausserdem  Netz  1923  höh,  13622  zomlih,  4321 
huohatahen^  rieh :  tmgelih  7318  etc.,  auch  noch  bei  Brant  durh 
102,  41  (sonst  durch),  noh  72,  42,  ent'phoh  38,  60  etc. 

181.  wandeln  swv.  trans.  =  bereisen,  begehen. 

181—184.  182  muss  bei  mir  und  bei  B  helceum  corrigiert 
werden.  —  gleich  =  geleich  stn.  (s.  auoh  28,  308,  311)  =  Be- 
trug, Täuschung,  ist  auch  bei  Vintler  3724  belegt,  kommt  von 
leichen  swv.  (s.  18,  8;  29,  39,  160),  gt.  laihan  stv.  einen  leichen 
heisst  im  Dialekte :  einem  unter  die  Beine  springen,  damit  er  fallt, 
dann  heimtückisch  fällen  überhaupt;  vgl.  das  Beispiel  bei  Schöpf, 
Tirol.  Id.  360  heut  hdVa  mi  aufn  eis  gloadit,  daher  übertr.  = 
überlisten,  betrügen.  —  184  weich  an  =  biegsam»  nachgiebig 
gegen. 

187.  ersterben  mit  in  hat  Lex.  nicht  belegt 

203.  wiesen  =  wtzen  ist  Plural :  erlöse  sie  aus  den  Leiden 
des  Fegfeuers. 

213.  B  aller  (ebenso  217),  aber  es  ist  Tzl.  und  aUr  not- 
wendig, s.  Anm.  zu  25,  138. 

227,  228.  Auffallende  Uebereinstimmung  bei  Vintler  288  wnd 
das  du  bedenkst,  wer  du  muest  werden  . .  und  wer  das  sette 
recht  versint .  . .  der  mag  sich  wol  vor  Sünden  hiieten. 

xxvm. 

1.  Hätzl.  II,  47,  1  ich  kam  an  einem  morgen  hewr  für 
den  yjald  nach  aubentewr  eta  Ueber  andere  Parallelen  vgl.  Abh. 
II,  89  und  Kummer  p.  340. 


—    252    — 

5.  flusarich  (=  flussmächtig)  ist  anbelegt 

14.  ortoeht  =  ungerade,  eckig,  gegenüber  dem  rimt. 

16.  octaf  stf.,  Ausdruck  aus  der  Musik,  vgl  16,  13,  dort  auch 
quint  und  quart  16,  10- 

17.  tenur  =■  tenore  stin.  =  tenor  singen  (auch  16,  12).  — 
discantieren  substant.  Inf.  -=  discant  singen;  vgl.  Hätzl.  14,  32 
hört  man  sy  (die  Vögel)  discantieren^  gcMr  maiaterlich  florieren^ 
des  tagea  schein  sy  zieren  etc. 

50.  B  vest  Bei  der  folgenden  Beschreibung  der  Feste  schwebte 
Hugo  wohl  die  Beschreibung  des  Graltempels  im  Titurel  vor,  vgl. 
Kummer  p.  341.  Einige  Züge  deuten  ausserdem  auf  Suchenw. 
24,  111  flf.  und  auf  Lassb.  LS.  251,  342  flf. 

52.  Auch  B  corrigiert  nich  zu  nichts  allein  nich  kann  stehen 
bleiben  und  in  Abh.  IV,  161  nachgetragen  werden;  vielleicht  hätte 
man  auch  18,  52  und  28,  317  nich  schreiben  k<3nnen,  weil  erst  der 
Renovator  das  t  ergänzte,  der  aber  für  die  ursprüngliche  Form 
geringe  Gewähr  bietet 

54.  B  gemach,  auch  K  fordert  (p.  335)  gmach, 

58:  die  knöpf  auf  dem  Dache  nämlich;  Suchenw.  25,  66  ein 
chnauf  von  aim  ruheine  chos  ich  auf  dem  getzelde. 

60,  61.  homdön  =  Hornmelodien.  pelg-^tretten  =  Trom- 
melschlagen. 

62.  B  hellen  und  fehlende  Senkung;  meine  Gorrectur  stützt 
sich  auf  die  analogen  Stellen  in  16,  13,  30,  50. 

66.  vogeldönen  stn.  begegnet  auch  1,  34  und  ist  bei  Lex.  III, 
425  nur  mit  letzterer  Stelle  belegt. 

74.  B  mit  der  Hs.  eben;  der  Vers  kehrt  134  wieder,  wo  der 
Torwart  den  Dichter  weiter  lesen  heisst,  und  hier  steht  oben:  die 
Inschriften  waren  in  den  Gibel-  oder  Bogenfeldern  der  Tore  ange- 
bracht, das  war  ja  die  gewöhnliche  Stelle  dafür. 

82  bewahrt  B  die  hsl.  Lesung;  aber  diese  taugt  nicht:  ent- 
weder ist  ze  zu  inclinieren  oder  gsach  zu  schreiben;  das  erstere 
steht  in  meinem  Text,  das  letztere  empfiehlt  K,  beides  ist  richtig. 

87.  Der  Vers  würde  vierhebig  mit  vollzähligen  Senkungen, 
wenn  man  aUe  da  verjagen  schriebe,  da  einzuschieben,  bietet  ge- 
ringe Schwierigkeit,  weil  es  im  ganz  gleichen  Verse  94  steht. 

88.  den  töchterlin  ist  anstössig.  Kummer  erklärt  (p.  335) 
den  als  fälschliche  Auflösung  des  hsl.  du  in  den,  wobei  der  U-Strich 
versehen  wurde.     Die  Emendation  scheint  mir  treflflich  zu  sein. 


-     263    — 

89  ist  die  fünfhebige  TzL,  vgl.  113,  141,  149  etc. 

97.  vahcher  heisst  hier  Irrlehrer  (Fälscher  des  Wortes 
Gottes). 

105 — 108.  105  liden  swv.  muss  hier,  wie  das  correspondie- 
reude  r/tVtoiV^  andeatet,  heissen:  auseinander  gliedern,  entgliedern, 
wie  sonst  zerliden^  vgl.  Lexers  Beisp.  aus  Alem.  6,  233  ain  rind 
viertailen^  houwen  und  zerliden.  —  107  vierteilen  =  in  vier 
Stücke  reissen.    W  dachte  an  verteilen, 

121 — 124.  Diese  Strophe  weist  auf  Mart.  60,  78  daz  mes 
(Mass  höllischen  Bieres)  ist  har  gehruwen  gar  bereitit  und  ge^ 
soften  uz  den  slangen  und  den  crotten  und  uz  frischin  nateren. 

152.  schelb  (=-  scheiß  -hes^  -^es,  krumm)  hat  Lex.  aus  Hugo 
belegt. 

162.  K  las  (p.  328)  um  statt  nu^  was  sicher  ein  Versehen 
ist,  denn  die  Hs.  schreibt  niemals  um^  sondern  nur  umb. 

170  reimt  auf  einen  vierhebigen  Vers,  allein  wahrscheinlicher 
ist  172  Tzl.  und  demnach  fr  Öde  unde  zu  schreiben,  vgl.  die 
ähnl.  Str.  461—464,  733—736  etc. 

174.  enpfunden  refl.,  das  hat  sich  nun  geoiFenbart 

195  lies  nach.  —  196  hat  B  tm<2,  es  ist  aber  tmde  nötig, 
ebenso  396. 

237,  238.  Hadam.  333,  4  doch  rede  und  werc  ist  gröz  an 
underscheide^  vgl.  die  Anm.  zu  4,  110. 

243.  bäht  stn.,  Unrat,  Kot.  sünden-bacht  ist  als  zusammen- 
gesetztes Subst  zu  nehmen. 

257  B  bgiry  fasst  also  diese  Strophe  als  T^^ ;  das  ist  aber 
nicht  notwendig,  denn  Vers  257  kann  drei  Hebungen  haben  wie 
sein  correspondierender  und  die  Strophe  Tl  sein.  Sicher  ist  in 
solchen  zweifelhaften  Fällen  Tl^  nur,  wenn  der  dritte  Vers  vier 
Hebungen  hat,  z.  B.  18,  49 — 52  ist  Tl^  und  iiwer  zweisilbiger 
Auft.;  28,  705 — 8  ist  TW  und  alm^chtiger  gött  zu  lesen;  31, 
153—156  ist  TU  und  als  ob  zweisilb.  Auft. 

262.  B  streicht  ichy  warum?  In  TI  kann  dem  fünfhebigen 
auch  ein  vierhebiger  Vers  gegenüber  stehen. 

268.  Auch  B  hat  me  ergänzt.  Die  Notwendigkeit  dieser  Ein- 
schaltung beweist  schon  das  correspondierende  denn, 

271.  Hs.  trübsail:  ai  für  a  ist  bei  Hugo  sonst  nicht  belegt, 
im  Alem.  überhaupt  misslich  (vgl.  Birl.  AS.  p.  50),  häufiger  da- 
gegen im  Bair.  (BG.  S  66),  gehört  also  dem  Schreiber  B. 


—    254    — 

278  ist  ohne  Zweifel  verstümmelt;  B  deutet  das  durch  Punkte 
an;  allein  der  Vers  war  mit  ziemlicher  Sicherheit  aus  429  und 
430  zu  ergänzen:  der  Schreiber  sprang  wieder  vom  Reimwort  der 
ersten  Zeile  auf  die  zwei  letzten  WOrter  der  zweiten  über. 

280.  an-nemen  refl.  =r  sich  anmassen. 

282  bildet  mit  284  rührenden  Reim,  vgl.  auch  6,  38;  über 
verirren  Jänicke  zu  Wolfd.  D  V,  55,  1.  —  B  schreibt  verirret: 
verwirret;  die  Correctur  wird  zu  billigen  sein,  wenn  man  5,  178 
dazu  vergleicht,  aber  dann  darf  die  Variante  nicht  fehlen. 

300.  B  ain  wolgerdtin^  ohne  Variante;  vgl.  Abh.  IV,  188  f. 
303.  Lichtenst.  5»  6  ich  was  der  seihen  vrowen  kneht;  Sach- 
senh.  Moer.  123  wie  nun^  frow  Meczen  hnechtl 

314.  heschen  swv.  =  schluchzen. 

356 — 359  erinnern  an  den  Spruch:  ich  leb*  und  weiss  nit 
wie  lang,  ich  stirb  und  weiss  nit  wann  etc.,  vgl«  Bezzenberger  zu 
Freid.  17,  25;  177,  13;  ferner  Freid.  177,  13  wim  haben  niht 
gewisses  mi  wan  den  tot;  daz  fuot  mir  wS .  ich  weiz  wol^  daz 
der  tSt  geschiht^  des  tSdes  zit  enweiz  ich  niht;  deutsch.  Gato  395 
man  weiz  wol^  daz  der  tot  geschiht^  man  weiz  ab  einer  zuokunft 
niht  Teichner  ich  hän  einen  swaeren  bimtj  der  mir  aller- 
herüst  lifj  daz  ich  niht  wizzen  ha/n  die  zit,  wan  mich  der  tot 
grtfet  an.  Dd  vür  niemen  niht  ha/n  .  .  .  daz  macht  mich  an 
vreuden  bloz.  Waz  mähte  groezerz  ouch  gestn,  daz  ich  die  war- 
heit  weiz  vor  mtn^  daz  ich  muoz  an  todes  spil  und  enweiz  niht 
ze  welher  wil  oder  wie  der  s^  geschaecK  Karajan  p.  117. 

360.  Auch  im  Netz  1488  und  ir  sei  scheidet  von  dem 
mund^  8.  auch  6631.  Die  Seele,  welche  durch  den  Mund  ent- 
weicht, wird  als  Hauch  gedacht.  Job  7,  7  mementOy  quia  ventus 
est  vita  mea;  Jac.  4,  1^  qiuie  est  enim  vita  vestraf  vapor  est 
ad  modicum  parens  et  deinceps  exterfninabitur;  Freid.  18,  1  got 
git  die  sSle^  der  nem  s*ouch  hm;  diu  vert  von  mir  alz  ein  blas 
und  Idt  mich  Ugen  als  ein  dsy  vgl.  Bezzenb.  z.  St  —  Gegen  diese 
alte  volkstümliche  Auffassung  der  Seele,  welche  durch  den  Mund  ent- 
weiche, polemisiert  der  gelehrte  Teichner:  weder  durch  den  Mund 
noch  durch  die  Nase  entweiche  sie,  sondern  ähnlich  wie  das  Licht 
durch  Glas  ohne  materielle  Oeffnung :  etlich  meister  taont  uns  fcun^ 
daz  der  ncbsen  und  daz  dem  munt  sol  diu  sSle  ir  strdzen  gän^ 
daz  ist  niht:    daz   merk   dar   an,    daz   man   einem  munt  und 


—    255    — 

nasen  mac  verzimhem  und  verglasen^  daz  kern  luckel  mac  hin 
in^  dannoch  ffSt  diu  sSl  da  hin. 

370.  hunde  swm.  (=  der  Bekanate,  Einheimische  gegenüber 
dem  Fremden)  ist  bei  Lex.  nar  schwach  belegt. 

374.  Ment  ist  Koseform  für  dementia. 

394.  Aaf  die  Zweifelhafbigkeit  der  Reime  wcMrteniporten  und 
ward  ;  hört  18,  70  habe  ich  schon  Abh.  IV,  152  hingewiesen. 
a  für  0  ist  sonst  in  der  österr.  Mundart  beliebt,  selbst  Walther 
erlaubte  sich  verwehren :  pfarren,  Wilmanns  zu  83,  35;  was  bei 
Hugo  dafür  zu  sprechen  scheint,  ist,  dass  er  ä  sonst  nur  vor  n 
verwendet  In  jedem  Falle  wird  man  sicherer  tun,  Hugo's  Reim 
aus  der  Ziahl  der  Beispiele  in  AG.  p.  16. zu  streichen. 

;403.  B  wilkomen;  der  Vers  ist  203  wörtlich  belegt,  vgl. 
auch  Sachsenh.  Moer.  6003  sie  Hessen  mich  gott  mlkom  sin. 

414.  B  lässt  schöni,  K  fordert  schön^  so  steht  auch  in  mei- 
nem (Texte.  Das  ist  der  einzige  Fall,  wo  ich  ein  dialektisches  t 
getilgt  habe,  und  der  ist  mir  zweifelhaft  geworden ;  denn  der  Vers 
könnte  auch  als  Tzl.  gelesen  werden. 

438  ist  mit  B  verkeren  :  weren  zu  schreiben,  denn  so  steht 
7,  18  und  35,  14  sweren :  verkeren. 

451.  cristan-m^nsch  ist  zusammengesetztes  Subst  B  schreibt 
chr-y  die  Hs.  aber  consequent  nur  er-, 

458,  459.  B  samragden.  —  459  B  kusche  unde,  aber  Vers 
457  i3t  Tzl.,  welcher  eine  dreihebige  Zeile  gegenüberstehen  kann. 

463.  spire  swf.  =  Dachschwalbe,  Mauerschwalbe,  s.  Weinhold 
in  den  Mitt.  163. 

480.  B  lässt  die  Ueberlieferung,  die  aber  nicht  brauchbar  ist, 
denn  der  Satz  fordert  ein  Praedikat:  man  kann  zweifeln,  ob  er 
hat  oder  im  wirt  einzucorrigieren  sei,  vgl.  4,  158;  17,  24;  8,  11 ; 
25,  127. 

487.  fürchtrechtig  [was  er  sonst  mit  über  das  getrehte  ^-^ 
über  das  Denken,  Betrachten  hinaus,  wiedergibt]  begegnet  auch 
1,  53  und  ist  bei  Lex.  unbelegt. 

4S^h.  erschiessen  stv.  intr.  =zerschiessen,  entschiessen,  vergehen. 

509 — 512.  Diese  Strophe  hat  ausnahmsweise  zwei  Verse  mit 
nur  2  Hebungen,  aber  die  Gleichhebigkeit  der  Reimzeilen 
ist  auch  hier  noch  festgehalten.  —  Auch  B  zwölfe  sonst 
corrigiert  er  gegen  die  Hs.  zwelf^  s.  die  Anm.  zu  4,  92.  —  an- 
geschossen  =  angebaut. 


—     256     — 

551.  B  sieht j  aber  aichet  ist  neben  nimet  etc.  (s.  Abb.  IV| 
174)  nicht  auffallend. 

basiaten  553,  crisolitus  557,  calddoni^  onichel  561  sind 
Namen  von  Edelsteinen  wie  diafnant  601:  nach  Volmars  Stein- 
buch (Liambel  p.  XXIII)  =  crisolite^  calcedön,  onicMnua  (onix); 
basiate  ist  nicht  belegt;  die  Form  onichel  weist  aber  aufTit.  319, 
6046,  6110  etc. 

563  corrigiert  B  mang^  was  unzulässig  ist,  denn  manig 
steht  hier  offenbar,  um  die  Vierhebigkeit  des  Verses  zu  erhalten, 
welche  der  mitreimende  verlangt. 

567—575  (vgl.  dazu  10,  22;  25,  135)  sind  aus  der  Apoka- 
lypse, 8.  W.  Grimm,  gold.  Schmiede,  Einl.  p.  38;  Titurel  272  Jo- 
hannes mit  der  swnne  ouch  sach  die  kunigin  edele  mit  kleiden 
sam  die  brunne^  die  kunigin  wunnebemden  sedele  .  ir  schemel 
ist  der  ma/n  durchWhüg  schone^  ir  krantz  der  meide  reine  daz 
sint  die  stem  zwei/  lieht  in  trone.  Mönch  von  Salzb.  (Ampferer) 
16,  4  dy  syben  sigill  offen  schir  ze  hymel  mitfiguren  vir  snieh 
sand  Johans  solch  tcfunder;  Waokern.  KL.  H,  553,  3  czwelf 
steren  czierent  wol  dein  kron^  dich  klait  dye  sunn^  dich  sckuecht 
der  mon^  als  dich  sach  sand  Johanns  gen*  fron  mit  tawgenhait 
umbefangen,  573  ist  die  Umstellung  des  Schreibers  evident  — 
579  erg.  in  den  Varianten  liepleich  —  der  Flickvers  574  gibt 
nur  eine  nähere  Erklärung  des  rein  in  573. 

586.  Bartsch  streicht  der^  schreibt  toner  und  macht  den 
Plural,  blicke  (:  wicke) !  Weinhold  corrigiert  (Mitt.  155)  glest  ez 
als  der  tum  blicke  was  den  Sinn  verderbt.  Die  Ueberliefemng 
hat  nichts  anstössiges  als  die  Betonung  d^r  torn^  die  aber  bei 
Hugo  leicht  möglich  ist;  cfoner-pJffecA  (stm.  ="  Blitzstrahl)  begegnet 
auch  38,  27.  Ich  habe  nur  tom  in  ton/r  geändert,  aber  auch  das 
ist  überflüssig,  da  tonr  schwerfälliger  als  die  Metathese  fom,  welche 
bekanntlich  auch  in  Urkunden  (dornstag  neben  donerstag^  don-- 
restag)  häufig  ist. 

589.  K  will  (p.  334)  gross  ernst  y  allein  es  ist  Tzl.  — 
Bartsch  führt  in  seiner  Einl.  p.  6,  auf  diese  Stelle  verweisend,  die 
Reime  rot:  got  an,  ebenso  die  AG.  p.  44;  sie  sind  aber  zu  strei- 
chen, denn  die  Strophe  kann  nicht  fünfzeilig  sein,  wie  sie  es  nach 
der  Ueberlieferung  des  Schreibers,  der  sich  gleichfalls  irre  führen 
liess,  wäre.  Solch  zufälliges  Zusammentreffen  zweier  Reime  be- 
gegaet  ja  auch  in  der  prosaischen  Rede  oft  genug. 


—    257    — 

592  hat  B  an,  wo  ane  zu  bessern  ist 

605.  E  fasst  (p.  322)  grliisi  als  Adj.  Dann  stünde  freilioli 
unechter  Umlaut;  aber  warum  kann  es  nicht  Subst  sein  wie  das 
folgende  herU  wenn  dann  die  Ueberlieferung  tadellos  und  der  Sinn 
nicht  dagegen  ist?  Der  Dichter  hebt  am  hurgherg  die  Grösse,  Härte 
und  dass  er  schlüpfrig  (hei  =  haele)  ist,  hervor,  so  dass  niemand 
ohne  Gottes  Gnade  hinaufkommen  kann. 

611.  üfher  (herauf)  belegt  Lexer  II,  1713  nur  aus  Apoll; 
vgl.  Hätzl.  23,  49  der  tag  chomt  ufher  steigen^  27,  324  ich 
sich  in  uffher  plaichen. 

624.  ß  i^,  wo  K  (p.  835)  mit  Recht  tage  fordert,  denn  es 
ist  Tzl. 

632.  B  naehigall;  aber  dann  fehlt  ein  Fuss,  denn  die  Strophe 
ist  TH ,  und  der  Vers  verlangt  fünf  oder  drei  Hebungen.  Die  feh- 
lende Senkung  in  meinem  Texte  Hesse  sich  durch  zware  beseitigen. 

712.  Der  Vers  ist  eine  wilde  Tzl.,  vgl.  Abh.  V,  252.  Dem 
zweiten  Satze  fehlt  das  Praedicat.  B  setzt  wer  nach  dannocht 
ein ;  doch  kehrt  der  Vers  38,  160  fast  wörtlich  wieder,  woraus  sich 
wurd  nach  und  ergibt. 

737  ist  der  letzte  Vers  auf  Fol.  34^  es  war  demnach  das 
nächste  Blatt  wenigstens  noch  mit  drei  Zeilen  von  Nr.  28 
beschrieben  (Abh.  III,  111),  aber  kaum  mit  viel  mehr,  wodurch 
wir  auch  einen  mutmasslichen  Erklämngsgrund  für  den  Verlust 
desselben  erhalten ;  denn  wenig  beschriebene  oder  ganz  leere  Blätter 
schnitt  man  in  jener  Zeit,  wo  an  Schreibmaterial  grosser  Mangel 
war,  gern  aus,  um  sie  zu  Urkunden  u.  dgl.  zu  verwerten. 


1  ff.  Vgl.  Oswald  2,  1  vrie  vü  ich  ring  tmd  Hohte^  den 
lauf  der  werlde  nöt^  das  schätz  ich  als  für  nichte^  wann  ich 
hedendc  den  tSd. 

11.  vernichte  nicht  von  vemihten^  sondern  =  t^  niht:  dass 
du  mich  . .  für  nichts  hältst,  schätzest;  vgl.  Freid  101,  23  swem 
vil  der  werlde  des  besten  giht^  den  hdt  sin  tumbez  wip  für  niht 

17  ergänzte  ich  gcMr  (vgl.  27,  194;  29,  11  etc.),  welches  mit 
ntetner  oorrespondiert  und  den  Vers  vervollständigt. 

23.  narrenspil  (auch  31,  88,  248);  vgl.  dazu  Boner  14,  37 
wer  mit  tSren  spotten  wil^  der  muoz  auch  dulden  narrenspil. 
Mit  demselben  Bestimmungsworte  bildet  Hugo  narrensohuecUi  28, 

WaokerneU,  Montfort.  VI 


—    258    — 

380;  mit  demselben  Grandworte   und  derselben  Bedeutung  toren- 
9pil  33,  103,  welches  bei  Lex.  anbelegt  ist. 

25,  26.  Teichner  (Kar.  135)  ich  walte  in  ein  kiUten  vam; 
Sachenw.  28,  106  und  sold  in  ein  chloster  vam^  vgl.  die  Anm. 
zu  5,  64. 

30.  Der  dreihebige  und  der  gegenüberstehende  fünfhebige  Vers 
beweisen,  dass  diese  Strophe  T^  ist.  Das  ist  aber  das  einsige  com- 
ponierte  Gredicht,   in  dem  sich  Hugo  Ti   (aber  nicht  Tll)  erlaubt. 

49.  brt  ist  gewöhnlich  swm.,  bei  spätem  auch  st.  (s.  Lex.  1, 351), 
das  Netz  8551  und  Brant  55,  52  brauchen  es  st.  wie  Hugo.  — 
Der  Brei  war  besonders  in  Süddeutschland  eine  beliebte  Volksspeise, 
vgl.  Bezzenberger  zu  Freid.  58,  22,  und  wird  daher  häufig  sprich- 
wörtlich verwendet,  vgl.  Zarncke  zu  Brant  13,  2.  —  gebratene 
subst.  Part,  unbelegt. 

52.  behtis  =  behust :  dafür  (dagegen)  hat  niemand  ein  Haus 
(Schloss,  das  ihn  schirmte);  unwahrscheinlicher  ist  es  mir,  behtis 
=  bt  käse  zu  nehmen. 

95.  Lies  scJUeht.  B  hat  des  wer^  aber  die  Hs.  das.  —  Wohl 
gote  zu  schreiben. 

99 — 130  spricht  Hugo  von  den  zehen  Geboten  Gottes  wie  in 
Nr.  38  von  den  sieben  Todsünden.  Solche  Auseinandersetzungen 
waren  im  14.  und  15.  Jhd.  beliebt;  vgl.  Liliencron,  über  den  In- 
halt der  allgemeinen  Bildung  in  der  Zeit  der  Scholastik  p.  34  ff. 
Von  den  Hugo  nahe  stehenden  Quellen  vgl.  Freid.  174,  1  ff.; 
Tit  507  ff.,  Suchenw.  Nr.  39 ;  am  meisten  Uebereinstimmung  aber 
hat  das  Gedicht  »der  Wert  der  Welt"  von  Teichner  (LS.  208),  worin 
dieser  in  ähnlicher  Weise  über  die  falsche  trügerische  Welt,  die 
all  ir  knecht  und  undertan  betöret,  dann  über  die  zehen  Gebote 
handelt  und  zum  Schlüsse  wie  Hugo  auf  die  Frage  kommt,  ob  es 
besser  sei  in  ein  Kloster  zu  gehen  oder  im  tätigen  Leben  durch 
Haltung  der  Gebote  den  Weg  zum  Himmel  zu  suchen.  Bei  den 
vielen  andern  Anklängen  zwischen  Teichners  und  Hugo's  Gedichten 
kann  man  daran  denken,  dass  dem  Montforter  auch  dieses  Gedicht 
Teichners  bekannt  war,  obgleich  er  in  den  Einzelheiten  der  Aus- 
führung selbständig  ist. 

106:   sie  mögen  noch  am  Leben  oder  schon  gestorben  sein, 

s.  Anm.  zu  5,  229. 

I —  

113.  B  üppeklich,  vgl.  Abh.  V,  191.  Der  durch  die  Ha.  über- 
lieferte  Reim  nemmen  :  senden  ist  i)icht  zu  glauben,   da  ^m  :  nd 


—    2B9     - 

anbelegt  ist.  senden  weidt  auf  nenden,  das  allerdings  seltener  vor- 
kommt, aber  eben  deswegen  vom  Schreiber  entfernt  worden  sein  kann ; 
vgl.  die  Anm.  zu  6,  11.  B  schreibt  nennen;  auch  dagegen  ist 
nichts  einzuwenden,  da  sich  Hugo  nn  :  nd  gestattet;  vielleicht  gibt 
man  dieser  Correctnr  den  Vorzug. 

117.  B  gezüg.  Es  ist  hier  der  Sing,  (wie  dieb  107)  und  swm. 
denn  als  solches  steht  es  auch  4,  148  und  bei  Laufb.  717,  11  kein 
vcdsch  gezüge  soltu  sin, 

129.  K  scheint  (p.  323)  ratscht  und  schetscht  31,  7  dem 
Dichter  zuzuteilen,  kaum  mit  Recht;  denn  das  st  der  II  Sing,  ist 
sonst  durchweg  rein  erhalten,  ausgenommen  sind  nur  diese  beiden 
Fälle,  welche  aber  beide  beim  Schreiber  B  stehen  (s.  Abh.  IV,  164). 
Aehnlich  erscheint  in  Brants  NS.  einmal  (43,  27)  wünschescht, 
welches  Zarncke  (p.  284)  gleichfalls  dem  Dichter  abspricht  und 
als  Druckfehler  erklärt. 

'  133,  134.  Frauenlob  (ed.  Ettmüller)  24,  2  vtt  unde  haz 
den  tragent  auch  die  pf äffen.  Teichner  (Karajan  p.  135)  so  ge- 
denke ich  da  Mt  daz  lihte  in  dem  kloster  st  spot  und  hochvart^ 
haz  und  ntt  Freid.  60,  9  swenne  zorn^  haz  unde  nit  in  allen 
klSstem  geltt;  diese  Verse  sind  nur  in  der  Hs.  P  überliefert,  daher 
wohl  späterer  Zusatz  und  zwar,  wie  schon  Pfeiffer,  überBernh.  Freid. 
138,  Anm.,  hervorhob,  aus  einer  Zeit,  wo  die  «Polemik  gegen  die 
gesunkene  Klosterzucht  allgemeiner  wurde*;  also  aus  dem  14.  Jhd., 
vgl.  Bezzenbergers  Anm.  z.  St. 

137.  B  lässt  zuo  den;  K  verlangt  (p.  331)  Contraction  und 
zwar  zuon;  doch  ist  bei  H  nur  zen^  zem  belegt.  —  In  meinem 
Texte  ist  ziehe  :  liege  und  in  den  Varianten  ziehen  zu  lesen,  wie 
ich  schon  früher  berichtigt  habe.  Der  Schreiber  ergänzte  das  apo- 
kopierte  n  des  Infinitivs,  vgl.  Abh.  FV,  165,  176  und  Anm.  zu  8, 
13,  auch  K  p.  319,  Anm.  B  schreibt  ziehen  :  liege,  —  ziehen  ver- 
hält sich  zu  Ziegen,  worauf  Uegen  deutet,  wie  etwa  gschehen  zunii 
dialektischen  gschegen^  vgl.  Abh.  IV,  168  und  Anm.  zu  1,  16. 
144.  horden  swv.  (einen  Schatz  sammeln)  hier  mit  ^/,  167 
mit  mit;  die  letztere  Stelle  hat  Lex.  I,  1339  citiert 

145  —  155.  heginen ^  baginen^  bäghinen,  begginen^  begharden^ 
wegha/rten^  beguinen^  beoginen^  begianen,  beniagin^n^  beiginen  sind 
die  verschiedenen  Schreibungen  für  Beginen,  Beguinen.  Den  Be- 
ginen  schadete  sehr  die  Allgemeinheit  ihres  Nameins.  Die  Irrlehren, 
Laster  und  Frevel   der  Frfttioelli,   der  Waldenser,   der  Brüder  des 


—    260    — 

freien  Geistes  a.  a.  worden  anter  diesem  Namen  verfolgt.  Auf  dem 
Goncil  zu  Yienne  1311  verhängte  die  Kirche  gegen  jenen  Ketzer- 
Gomplex  die  Verfolgnng  (bellum  heguinale  genannt).  1367  und 
1369  erliessen  Karl  IV  und  Pabst  Urban  verschärfte  Befehle  nnd 
Inquisitionen  gegen  alles,  was  diesen  Namen  führte.  Sie  wurden 
der  Gegenstand  der  allgemeinen  Verachtung.  Erst  Bonifaz  IX  löste 
sie  1395  vom  Banne;  aber  nur  jene,  welche  sich  dem  Orden  der 
Franciscaner  angeschlossen  hatten  und  mit  diesem  in  ein  Unter- 
ordnungs-  und  Schutzverhältnis  getreten  waren  (sie  lebten  noch 
im  17.  Jhd.);  nicht  aber  die  andern,  welche  frei  als  Einsiedler, 
Betbrüder,  Krankenwärter  u.  dgl.  herumzogen  und  ihr  verkommenes 
Leben  weiter  führten.  Diese  blieben  noch  lange  die  Zielscheibe  des 
öffentlichen  Spottes,  den  ihnen  auch  die  Dichter  reichlich  gezollt  ha* 
ben;vgl.  z.  B.  neben  der  Stelle  Hugo's,  die  sicher  mehrere  Jahre  nach 
1395  entstanden  ist,  Sachsenh.  ich  main^  du  megat  ain  heghart 
sin :  sie  künden  nu  der  sprüchelin^  damit  die  weit  verirret  wirt 
Moer.  363;  Braut  NS.  102,  45  falsch  geht  ist  worden  yetz 
gemeyn  und  falscher  ratt^  falsch  geystUcheyt^  miencA,  priester, 
bägin^  blotzbrüder  dreit^  vil  wölff  gont  yetz  jnn  schaffen  kleidt 
etc.,  dazu  Zamcke*s  Nachweise  zu  102,  47.  Gegen  sie  dauerten  die 
Bannflüche  fort  und  wurden  später  wieder  erneuert.  Dass  nun 
Hugo  die  letztern  und  nicht  jene,  welche  sich  dem  Franciscaner- 
orden  angeschlossen  hatten  und  vom  Banne  befreit  worden  waren, 
im  Auge  hatte,  ergibt  sich  klar  aus  Vers  153  und  154:  ich  en- 
mein  hie  nicht  den  dritten  orden,  sant  Francissen  regel  (so  ist 
zu  interpungieren).  Diese  Verwahrung  Hugo's  bei  seiner  Polemik 
gegen  die  Beginen  wird  erst  ganz  verständlich,  wenn  man  sich  deren 
Zweiteilung,  äusserlich  durchgeführt  seit  dem  päbstliche  Breve,  ge- 
genwärtig hält:  erst  jetzt  konnte  er  fürchten,  dass  man  meinen 
könnte,  er  bekämpfe  mit  den  Beginen  auch  die  Franciscaner,  was 
er  nicht  will. 

163.  umbwallen  swv.  =  herumwandern.  Lex.  belegt  II,  1726 
nur  das  stv.  in  dieser  Gomposition. 

166.  Lies  verdient, 

171.  ballen  hat  Lex.  I,  115  mit  dieser  Stelle  belegt,  doch 
ist  dort  gwirt  statt  wird  zu  schreiben. 

173,  174.  Mart.  42,  48  dar  zuo  si  (die  Apostel)  suozir  muot 
si  Mez  gan  in  die  weit  wnd  aUe  ir  ort  und  ktmden  da  daz 
fiotis  wort^  und  swer  och  dez  gehbic  wirt  mit  reinem  herzin  un- 


\ 


—     261     — 

veriri  und  den  fouf  enpfahit .  .  .  der  wirt  dne  zwivil  behalten 
und  dez  himihichis  niht  verschalten.  Noch  näher  berührt  sich 
Hugo  mit  Sachenw.  41,  735  'wer  gelauht  und  ist  getaufft,  der  wirt 
behalten, 

176.  B  die  menecheit  and   in  einer   Anm.:  ^vielleicht   der 
menacheit*  —  aber  so  steht  ja  in  der  Hs. 


17 — 20.  Unter  zirkelmäss  werden  die  Sternkreise  gemeint 
sein;  usarichten  ==  exjilicsLTe,  Marner  I,  16  gezirhetwol  der  Ster- 
nen kreiZy  den  sunnen  und  den  manen;  Herm.  d.  Damen,  HMS. 
3,  167^  der  die  stemm  zirhen  Jcv/nde.  —  Mag.  Krone  82*^  dar 
zu  stund  aller  ir  geda/nk  auf  der  sunnen  aufganh  wnd  wie  der 
man  ging  nider  und  der  mamend  kam  her  wider^  dar  zu  der 
andren  plänSt^  wie  der   iglicher   het  sein  natur  und  sein  ga/nh. 

24.  Hugo  betont  hier  das  probieren  (die  Indactionsmethode) 
in  der  Astronomie  gegenüber  dem  meren  sagen, 

32.  grilnden  swv.  trans.  =  für  etwas  festen  Grund  finden, 
etwas  ergründen;  32,  71  und  38,  128  steht  das  Wort  refl.  =  für 
sich  festen  Grund  haben,  begründet  sein,  was  bei  Lex.  I,  1101 
nicht  belegt  ist. 

49 — 52.  Dabei  schwebte  unserm  Dichter  wohl  Tit.  2  vor: 
swie  doch  gedanke  gahent  snel  vor  allen  dingen^  die  nimmer  da/r 
genahenU  daz  si  dinen  gewalt  nmgen  erswingen,  49  gedanken 
(Nom.  Plur.)  also  swm.  (auch  77 ;  5,  147  u.  ö.)  ist  bei  Lex.  nur  in 
bi'ingedanke  angedeutet. 

53 — 56.  Schreibt  man  53  wanne  ^  so  ist  die  Strophe  eine 
tadellose  T^  ;  das  überlieferte  won  weist  ohnedies  schon  auf  eine 
Aenderung  des  Schreibers.  —  54  1.  Mmel,  —  56  timel  =  finster, 
dunkel;  vgl.  dazu  tim/pel  im  Florianer  Steinbuch  (ed.Lambel  p.  102), 
welches  die  Mittelstufe  zwischen  Umel  und  Umber^  aus  dem  es 
entstanden  ist,  darstellt:  r  wechselt  mit  2,  und  der  Labialis  ent- 
schwindet durch  Angleichung  an  das  homorg.  m;  das  Wort  ist 
daher  Abh.  IV,  159,  164  einzusetzen. 

59 — 80.  Hugo  dachte  hier  wohl  an  jene  Ekstatiker,  welche 
durch  übernatürliche  Erleuchtung  selbst  das  umfassbare  Wesen  der 
Gottheit  erschaut  haben  wollten;  sie  waren  besonders  am  Rheine  häu- 
fig, vgl.  Preger,  G^sch.  d.  deutsch.  Myst.  I,  138;  Suchenw.  5,  3  sein 
götleich  weishait  marngvoU  mag  nicht  begriffen  werden  in  chaines 


—    262    — 

menschen  hertzen  sinn  und  wirt  auch  nicht  durichgründet^  wenn 
den  er  in  göüeicher  mynn  mit  seim  geist  entzündet;  Vintler  2897 
wer  möcht  dein  wunder  gar  volsagen  f  niemant^  herre^  nur  wem 
du  dein  haiUgen  gaist  woltest  senden  zue;  der  selb  möcht  wol 
die  wunder  dein  ze  Hechte  pringen,  herre  mein,  aber  sunst  war 
alle  chunst  enwicht 

79.  gunst  als  stm.  ist  bei  Lex.  I,  1120  nur  schwaoh  belegt; 
ich  fQge  daher  noch  LS.  24.  263  an:  er  möcht  gewinnen  iren 
gunst. 

85 — 96.  Teichner  (bei  Karaj.  p.  111)  nu  hdn  ich  gespro- 
chen vor:  got  st  niht  uf  rehtem  spor^  er  hob  die  Hut  gein  helle 
geschaffen,  daz  unl  ich  nu  widerTclaffen.  er  ist  gar  unschul- 
die  dran,  schüef  er  die  Hut  Mnz  helle  gdn^  daz  wabere  niht 
gereht  wnd  guot  ....  daz  er  (der  Mensch)  wol  od  übel  tuot, 
daz  stSt  niht  an  stnem  (Gottes)  muof.  nu  ist  vrtiu  wol  gegeben^ 
er  mac  wol  ode  übel  leben^  got  wil  mem  hinz  Mmel  twingen^ 
noch  mit  siegen  gein  heue  bringen. 


17 — 20.  Besser  ist  es  wohl  17  fürgesetzt  zu  lassen  und  hSttist 
du  zu  lesen.  18  erg.  in  den  Var.  gewesen.  B  gibt  die  ganze  Strophe 
nach  der  Ueberlieferong,  das  wird  kaum  angehen. 

29:  Hugo  dictierte  also;  vgl.  Gottfr.  Trist.  217,  29  der.diz 
hiez  schrtben;  Zs.  f.  d.  A.  2,  481  nu  wil  ichz  heizen  schrtben^ 
s.  Wackemagel  LG.^  187,  6. 

45.  Auch  hier  trifft  meine  Einteilung. der  Reden  und  Gegen- 
reden mit  der  Kummers  zusammen.  Mit  Vers  124  endet  der  Dialog; 
von  da  ab  wendet  sich  der  Dichter  an  seine  Leser.  45  verlangt 
K  (p  335)  mit  Recht  er  sprach^  findet  aber  (p.  332)  mit  Un- 
recht nach  loik  fehlende  Senkung,  denn  das  Wort  ist  bei  Hugo 
nicht  hur  hier,  sondern  immer  zweisilbig. 

56  hat  nur  drei  Hebungen,  wenn  nicht  das  den  ersten  Fuss 
vertritt;  aber  nach  21,  25  könnte  man  als  umb  corrigieren. 

91.  B  üppikeit  Ich  berücksichtige  solche  Differenzen  weiter- 
hin nicht  mehr. 

94.  Lassb.  LS.  10,  12  doch  bekenn  ich  udsz  by  schwartzem 
wol,  Aehnlich  sagt  Teichner  (Karaj.  115)  bi  der  vinster  erkent 
man  scMn^  bi  der  buchen  erhent  man  naz. 


—    263     — 

109.  Könnte  weite  geschrieben  werden,  s.  125  u.  0.;  freilioh 
steht  auch  111  ohne  Aoftact. 

115.  B  8Öl^  in  den  Varianten  yiSÖltt*';  allein  die  Berliner 
und  Grazer  Abschrift  lesen  ebenfalls  aöll  wie  ich,  das  gleich  in  der 
untern  Zeile  wiederkehrt 

IIS.  Sachsenh.  Moer.  5289  imd  sagten  , .  von  wilden  löffen 
.  .  der  layder  vil  im   la/nd  umbgdt,  —  B  lof^   vgl  30,  90   etc. 

120.  B  got  behuet,  dann  würde  aber  118  Jherte  zu  schreiben 
sein. 

125—130.  Hesler  1319  dee  bit  ich  üch,  die  diz  buch  leeen^ 
daz  ir  ainnee  euch  sttcliet  cun  disem  buche  .  .  oft  tr  vindet  icht 
dar  an  wa/ndelberiger  solche. 

129 — 132  istTli  mit  dem  charakteristischen  Vers  in  der  zwei- 
ten Zeile.  131  wird  gweeen  zu  schreiben  sein.  —  132  lässt  B  herr^ 
aber  172  kehrt  derselbe  Vers  wieder,  wo  auch  B  herre  oorrigiert. 

137,  138.  Lassb.  LS.  23,  41  waz  ain  hertz  ist  vol^  daz 
ret  der  vmmt^  ob  er  ez  aoL 

142.  vergessen  refl.,  s.  Suchen w.  6,  174  hob  ich  mich  jfiht  ver^ 
gezzen  an  seinem  lob;  Hugo  construiert  es  mit  in^  das  Lex.  III, 
114  nicht  belegt. 

1 50.  Als  einsamer  Reiter  in  Tirol  dichtete  auch  Lichtenstein, 
und  zu  Pferde  verfasste  Ulrich  v.  Hütten  seine  «Deplorationen* 
gegen  den  Herzog  Ulrich  v.  Würtemberg. 

153—156  ist  TU  wegen  Vers  155  (vgl.  die  Anm.  zu  28,  257), 
als  ob  ist  zweisilbiger  Auftact.  B  corrigiert  hette  :  bette,  wozu  keine 
Veranlassung  ist,  denn  die  grössere  Zahl  solcher  Strophen  hat  im 
ersten  Verse  Stumpfreim,  wenn  der  folgende  mit  Auft.  beginnt.  — 
155.  Ueber  die  Betten,  welche  auch  zum  Sitzen  dienten,  vgl.  Wein- 
hold, deutsche  Fraueii  p.  335. 

158.  rimen  (=  Verse)  Acc.  PL,  also  swm. 

169.  B  brief  stand.  Meine  Gorrectur  ergibt  sich  aus  dem 
Sinn  und  den  Versen  125,  126;  129,  130.  —  35,  23  bessert 
auch  B  briefe. 

180  ist  Tzl.  mit  6  Hebungen.  B  schreibt  gtän  und  streicht 
och;  allein  das  letztere  ist  sehr  anstössig,  da  im  entsprechenden 
Verse  175  die  ganze  zweite  HUlfte  dieser  Zeile  belegt  ist. 

186  und  188  bessert  B  die  Betonung  durch  dienet  und  lobe-- 
licJhem, 

192.  branden  &a  banden^  weil  Hugo  sonst  heUe  brunst  (30, 


—    264    - 

96;  38,  155  eta)  geläufig  ist,  ebenso  hat  das  Netz  meist  J^eUe 
brande  helle  gluot  eto.  Dennoch  scheint  mir  jetzt  die  Gorrectur 
gewagt;  s.  Sachen w.  14,  331  pehuet  sein  sei  vor  helle  pani, 

195.  B  sin,  die  Hs.  seyen,  was  B  auch  in  den  Varianten 
nicht  angemerkt  hat ;  28,  735  und  33,  43  macht  auch  B  aas  dem 
hsl.  seyen  sien^  welches  E  (p.  334)  mit  Recht  aaoh  hier  verlangt; 
dem  Gonjunctiv  gestattet  Hugo  weite  Aasdehnung. 

197.  Um  den  correspondierenden  Vers  gleichhebig  za  machen, 
müsste  man  und  streichen,  dann  hätten  aber  alle  vier  Verse  aar 
drei  Hebungen  und  stampfen  Beim,  was  nicht  geht  (Anm.  za  15, 
150) ;  da  auch  weder  die  zwei  ersten  noch  die  beiden  letzten  Reime 
klingend  zu  machen  waren,  schien  es  am  einfachsten,  197  daroh 
ein  gar  auf  vier  Hebungen  zu  bringen,  zumal  gar  zergwn  10,  16 
belegt  ist. 

221.  B  zloben;  aber  die  ze  kann  in  der  Verschleifung  stehen 
(Abb.  V,  221)  oder  der  Vers  mit  zweisilbigem  Auftact  (im  Aas- 
rufe) gelesen  werden;  a'uch  33,  82  braucht  nicht  bsargen  und  36,  20 
nicht  bhUet  corrigiert  zu  werden. 

227.  Lies  manz. 

220 — 252.  Dieses  Lob  des  Mutes  erinnert  an  Hadamar  127, 
3  swie  er  (der  Mut)  doch  niht  enkunde  den  grwat  vervdhen  ir 
gendden  grundes^  so  ist  doch  muot  ein  trost  zuo  aüen  sa>€hen; 
135,  5  muot  guotiu  dinc  ze  guoten  dingen  bringet 

250.  B  liest  gar  wol^  aber  die  Hs.  zwar  woh 

258.  B  macht  zu  diesem  Verse  die  Anm.:  «an  sich  zu  kurz*. 
Allein  er  ist  ganz  oorrect,  und  auch  im  vorausgegangenen  ist  nicht 
bhuet  notwendig;  257 — 260  bilden  TD  ,  wo  der  zweihebige  Vers 
in  der  zweiten  Zeile  und  dieser  gegenüber  der  fünfhebige  steht,  die 
beiden  andern  Verse  können  gleichhebig  sein;  vgl.  die  anal.  Strophe 
31,  169—172  u.  a. 

xxxn. 

2  wird  als  einer  jener  fehlerhaften  Verse  anzusehen  sein,  wo 
er  die  „schnuor  verhowen^;  denn  mit  hilf  als  zweisilbiger  Auf- 
tact ist  zu  schwer  und  gegen  Hugo*s  sonstigen  Gebrauch. 

31,  32.  31  hat  die  Hs.  deine,  was  einen  vierhebigen  Vers 
auf  einen  dreihebigen  geben  würde;  auch  B  hat  daher  din  ge- 
schrieben. Allein  auch  in  32  steckt  ein  Fehler:  30  hat  drei,  32 
vier  Hebungen;  30  kann  nicht  verlängert,  32  nicht  verkürzt  wer- 


-    265    — 

den.  Ein  Vergleich  mit  parallelen  Stellen  aber  ergibt  die  not- 
wendige Correctur:  der  Schreiber  hat  32  dannocM  weggelassen 
(s.  27,  20;  30,  8  u.  a.),  durch  dessen  Ergänzung  man  eine  tadel- 
lose Tl  erhält;  auch  die  folgende  Strophe  ist  Tl  .  —  gewerden 
swv.  =  würdigen,  tc^^^-sohätzen. 

37 — 39.  B  machte  die  Strophe  vierzeilig  und  setzte,  weil  dann 
dem  ersten  Verse  der  Reim  fehlt,  dn  wcmken  hinzu.  Aber  die 
Ueberlieferung  ist  tadellos  und  die  Strophe  dreizeilig  zu  lassen  (vgl 
Abh.  V,  250). 

55.  E  will  (p.  334)  6  ymmer  nicht  streichen  lassen,  «weil 
der  letzte  Vers  der  vierzeiligen  Strophe  (sage  Titstr.)  einigemal  bis 
auf  6  Hebungen  verlängert  wird*.  Aber  das  sind  eben  Abnor- 
malitäten  (s.  Abh.  V,  252),  und  dann  lässt  schon  die  Schreibung 
^ymmer*^  die  sonst  niemals  begegnet,  das  Verderbnis  des  Schrei- 
bers vermuten. 

59.  durchetoffen  ist  bei  Lex.  unbelegt 

63.  Dass  hewirren  intr.  bei  Lex.  fehlt,  hat  K  in  Behageis 
Litbl.  angemerkt. 

73 — 80.  HMS.  2,  256^  waz  «itw  sevider  arebeit  van  Even 
was  betagety  daz  widerbrdhte  une  allen  gar  diu  mute  maget; 
Vintler  794  was  pöses  von  weiben  ist  geschehen^  das  cham  alles 
von  Adam  und  Eva^  das  wider  praeht  uns  Maria. 

97.  talamuot  =  Talmud. 

107.  B  götter^  das  aber  hier  in  der  Hebung  zu  verschleifen 
und  daher  mit  einfacher  Gonsonanz  zu  schreiben  ist,  da  got^  gote^ 
gotelich  etc.  auch  sonst  bei  Hugo  noch  vorkommt.  Ein  ähnlicher 
Fall  ist  5,  118,  wo  vatter  in  der  Hebung  steht  und  auch  B  vater 
corrigiert. 

109,   110  beziehen  sich  auf  den   hl.  Georg,  vgl.  K  p.  342. 

1 15  hat  B  gestorben^  1 19  gerechtikeit^  aber  in  beiden  Versen 
muss  corrigiert  werden. 

142.  B  ane  anevang^  kann  nicht  richtig  sein;  derselbe  Vers 
steht  30,  45  u.  0. 

150.  vernichte  ist  hier  und  in  den  analogen  Fällen  nicht 
Partie,  von  vemihten^  sondern  =  fii/r  nickte  (vgl.  29,  2),  worauf 
schon  K  in  Beh.  Litbl.  hingewiesen  hat. 

170.  der  behalten  =  der  unverlorene,  gerettete,  selige;  vgl. 
Amelung  zu  Ortnit  152,  2. 


—    266    — 

xxxm. 

5  hat  die  Hs.  deutlich  muossenty  B  aber  muessent,  ebenso 
40  etc.,  vgl.  Abh.  IV,  \  82 ;  auch  im  Netz  sind  die  Formen  mit 
uo  noch  häufig,  s.  311,  1015,  1774  etc. 

11  — 13.  Wolfram  gebraucht  den  Schwarzwald,  um  damit  die 
Menge  verstochener  Speere  zu  vergleichen,  Parc.  379,  5;  Wilh. 
390,  l;  darnach  der  j.  Titurel  656,  4  der  Swa/rtzwalt  hie  zu 
lande  der  wirt  »a  scheften  gar  durch  dich  ffemachet;  auch  der 
Teichner  hat  diesen  Vergleich  angezogen,  aber  mit  ironischer  Deu- 
tung: ich  weiz  mht  dar  ze  sprechen:  ^daz  ein  ritter  mac  zer- 
brechen maneger  sper  bi  etnen  tagen^  dam  der  SwarzwcUt  mac 
getragen  ziu^ge  und  est^  Karaj.  p.  168. 

18,  19.  Der  Vergleich  des  Menschen  mit  dem  Gras  ist  aus 
der  Bibel,  Js.  40.  es  spricht  der  profet  Esajae^  dass  alles  fleisch 
ist  heu  und  gras^  sein  schöne  wie  die  blum  im  feld:  das  gras 
verdorrt^  die  blum  wird  welk  Basl.  Todtent  1;  all  creatmr  die 
nimmt  der  tod  frue  und  spät  gleich  wie  die  blum  im  feld  ver- 
got  ibid. 

25.  Asahel  findet  sich  sonst  bei  Hugo  niemals,  auch  bei  an- 
dern Dichtern  selten  in  dieser  Gesellschaft,  am  so  bemerkenswerter  ist 
es,  dass  er  auch  bei  Sachsenh.  Sleig.  203,  28  erscheint:  was  halff 
Arones  doenenf  lebt  Asahel  der  schnei  eta  (vgl.  auch  Martin 
p.  31). 

63.  Ufz  stm.  =  Laune,  Gelüste. 

88.  Vgl.  5,  150;  38,  166  und  dazu  Oswald  90,  3,  13  er 
(Christus)  peitt  ain  weil  und  doch  nit  la/ng^  darnach  s6  fierm,t 
er  aim  ain  bang  .  . .  des  er  nit  m^  geUichen. 

109.  Hs.  wer ,  B  der,  das  hier  notwendig  stehen  muss,  da 
iver  108  vorausgegangen  ist;  der  Initialenmaler  hat  öfters  einen 
falschen  An&ngsbuchstaben  der  Strophe  gesetzt,  vgl.  Abh.  IH,  124. 
In  125 — 140  wiederholen  sich  ganze  Verse  wörtlich  aus  4, 
148—165.  Zu  126  s.  Mönch  von  Salzb.  KL.  678,  3  als  er  sitzt  an 
dem  gerichte  aller  werlt  czu  angesichte.  —  127  Hs.  gleichnüst,  B 
ffUcJis^  da  der  Vers  4,  160  wörtlich  vorhanden  ist;  dabei  bleibt  aber 
noch  auffallend,  wie  der  Schreiber  zu  seinem  widersinnigen  gleichaiist 
kam;  ich  vermute  daher  jetzt,  dass  im  Or.  glichost  gestanden 
habe,  das  in  Hugo*s  Urkunde  (Sitz.  Ber.  IX,  853)  begegnet  und 
sich  viel  leichter  zu  gleichnüst  verlesen  Hess  als  gUchs. 

I2d»  B  mussz  und  dazu  die  Anm.  ^muoss  wäre  auch  statt- 


—    267     — 

haft,  da  jedoct  die  Hs.  muaz  schreibt,  so  nehme  ich  einschränken- 
den Satz  mit  zu  ergänzendem  en  an*.  Allein  die  Berliner  und 
Grazer  Abschrift  lasen  den  halbverschwundenen  Buchstaben  über 
u  als  0,  so  auch  ich,  und  dass  muosz  hier  mitten  unter  Indicativen 
besser  ist  als  muesz^  dürfte  kaum  bestritten  werden. 

141.  B  tom :  verlorn^  welche  aber  klingend  gemacht  werden 
müssen  wie  verkem  :  wem  28,  438,  vgl.  auch  4,  153. 

173.  B  derbcmn.  Da  dieses  d  besonders  im  Bair.  beliebt  ist 
und  in  unserer  Hs.  ausserdem  nirgends  erscheint,  wird  man  kaum 
mehr  zweifeln  können,  dass  es  nur  dem  Schreiber  B  angehört  und 
K  somit  Recht  hatte,  wenn  er  (p.  335)  gegen  B,  der  es  im  Texte 
bewahrte,  polemisierte.  175  1.  böse, 

XXXIV. 

Ueber  die  Stellung  dieses  Gedichtes  in  Hugo*s  Leben  vgl. 
Abh.  I,  49,  70.  Dass  die  rechtschaffene  Liebe  eine  Fügung  des 
Hinmiels,  von  Gott  selber  gewollt  und  unter  seiner  besondern  Ob- 
hut stehend  sei,  ist  eine  Ansicht,  von  der  sich  bei  den  Minne- 
sängern kaum  einzelne,  halbernste  Andeutungen  vorfinden  —  sagt 
Uhland,  Sehr.  452  f.  Er  weist  diese  Auffassung  erst  aus  dem 
16.  Jhd.  nach;  wir  finden  sie  also  wenigstens  um  ein  Jhd.  früher. 

6,  10.  ersetzen  stn.  (==  Entschädigung),  benuegen  stn.  (^^^  Ge- 
nügen, Befriedigung);  beide  sind  bei  Lex.  nur  schwach  belegt. 

17 — 20.  Ambr.  LB.  2^  7  sie  hat  mich  gantz  JcreffUglich^ 
dein  Ueb  hat  mich  beaeaaen  . .  deiner  kcen  ich  mmmer  vergessen; 
Hätzl.  5,  9  ich  kan  dein  nit  vergessen  so  wonst  mir  stäts  in 
meinem  synn^  du  hast  mein  hertz  besessen;  ibid.  II,  6,  80  der 
ich  nit  enmang  in  hertzen  zwar  vergessen^  wamm  sy  hat  mich 
besessen;  Oswald  53,  1  gcur  wvnikHch  hat  sy  m^ein  hertz  be- 
sessen, in  lieb  ich  ir  gefangen  pin  mit  stetikait 

36.  bichüg  =  „seine  Sünden  bekennend*,  hier  allgemeiner: 
geständig. 

44.  B  vnd  uf^  gibt  also  das  od  der  Hs.  auch  in  den  Vari- 
anten nicht  an. 

49.  B  Wien,  aber  die  Hs.  wieh,  was  Wienn  oder  Wienen 
bedeuten  kann;  für  das  letztere  spricht  der  Rhythmus:  g^en  ze 
Wienen;  vgl.  Suchenw.  18,  431  gen  Wienen  rdit  u.  ö.;  Oswald  70, 
1,  17  gSn   Wienen  (:  dienen). 

50/  B,  gbwrt  vierzehn.  Der  Vers   kehrt  auch  in  den  beiden 


—    268    — 

folgenden  Gedichten  in  der  gleichen  Ueberlieferang  wieder  und  kann 
Tzl.  sein,  vgl.  aach  die  Anm.  za  23,  38. 

XXXV. 

5.  B  keiner^  ebenso  38»  22  kein;  aber  38»  25,  127  lässt  aaoh 
er  chein;  vgl.  Abh.  IV,  169. 

13 — 16.  Tit.  1739  doch  dien  ich  umb  ir  hulde^  dafür  nem 
ich  niht  alle  berge  von  golde;  Ambr.  LB.  43,  24  für  alles  ff  cid 
bin  ich  dir  hold.  —  13  B  al^  Hs.  all;  16  B  das  getar^  Hs. 
des  getcMr;  auch  38,  131  hat  B  gegen  die  Hs.  das  ewer;  vgl.  aber 
13,  3;  37,  53  etc. 

25,  26.  Tit.  1497  da  er  wart  reht  in  denke  durch  hertzen 
liebe  ,  .  daz  lert  in  aunder  slaf  in  noten  wachen;  Ambr.  LB.  18, 
5  ich  bin  entzünde  mein  hertz  das  brinty  das  ich  nit  kern  ent" 
schlaffen. 

27.  mejenbltiet  hat  L.  nicht,  mejen^tow  38,  95  wenig  belegt. 

33.  B  corrigiert  gegeben;  allein  die  Strophe  istTliund  daher 
zu  lesen  geschrien  und  g^en, 

37.  B  gtrüwen  and  west! 

39,  40.  Kammer  bemerkt  (p.  335)  z.  St. :  ,  diese  von  anderer 
Hand  nachgetragenen  Verse  sind  anecht  and  aus  23,  41  and  43 
zosammengeflückt^  Diese  Ansicht  geht  za  weit:  Tatsache  ist  nar, 
dass  der  Schreiber  B  zwei  Verse  weggelassen  hat  and  dass  von 
einem  späteren  zwei  nachgetragen  worden  (s.  Abh.  III,  124),  welche 
er  aber  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  aas  demOr.  genommen  hat,  wo 
die  Strophe  natürlich  vierzeilig  war  wie  alle  andern;  dass  die  Verse 
23,  41  and  43  wiederkehren,  bedeutet  wenig;  denn  wie  oft  wie- 
derholt Hago  alte  Gedanken  and  Verse  (vgl.  Abh.  II,  95)!  39 
and  40  können  also  ganz  wohl  echt  sein. 

XXXVI. 

9  ff.  Ueber  diese  bildliche  Redeweise  vgl.  Uhland,  Sehr.  V, 
160.  —  9  Hs.  getan.  Der  Fall  ist  ein  wesentlich  anderer  als 
etwa  hatten  getd'n  32,  118,  wo  die  Ueberlieferang  gewahrt  werden 
konnte,  während  hier  eine  einsilbige  Form  hergestellt  werden  mass : 
B  schreibt  gtän^  allein  das  ist  nicht  belegt,  wohl  aber  37,  2  tön. 

xxxvu. 

Das  Gedicht  ist   nicht   datiert   wie   das  voraasgehedde    and 


—    269    — 

Dachfolgende;  man  hat  daher  die  Wahl,  es  gegen  1402  hinab  oder 
gegen  1414  hinaa£zaräcken.  Eine  sichere  Entscheidung  ist  nicht 
möglich;  doch  scheint  mir  die  Klage  über  das  Graawerden  (40) 
zu  einem  Alter  von  57  Jahren  besser  zn  passen  als  zu  einem  von  45. 
6.  erhücerinn  ist  bei  Lex.  nicht  belegt,  ebenso  nicht  das  Com- 
pos.  muot^erMkerinn^  welches  dem  muotmacherifme  Hadamars 
298  entspricht. 

13.  Sternen  schiesaen  kann  swm.  {=  etemen8cMezei=St^Yn'- 
8(^hnupfe)  oder  scMessen  Inf.  (intr.  =  schnell  wie  geschossen  sich 
bewegen,  sich  schnuppen)  sein;  vgl.  Hätzl.  23,  35  bis  das  der 
Hechte  morgenstem  kam  an  den  himel  scMessen. 

14.  ehuolen  swv.  Hätzl.  8,  19  ich  sich  den  Hechten  stemen 
glast .  .  .  der  lufi  der  killet  gen  dem  tag. 

20.  B  erfüllnj  wie  die  entsprechenden  Zeilen  za  fordern  schei- 
nen ;  aber  es  ist  zu  bemerken,  dass  die  vier  folgenden  Verse  stumpf 
schliessen,  während  sich  sonst  zwei  klingende  und  zwei  sumpfe 
kreuzen.  Aehnlich  ist  56  klingend  statt  stumpf,  wo  die  vier  vor- 
ausgehenden wieder  stumpf  enden. 

22  ist  fehlerhaft,  da  der  Vers  nur  drei  Hebungen  hat;  es  ist 
daher  tage  wnde  zu  schreiben.  Ich  muss  mich  wohl  entschuldigen, 
dass  ich  Öfters  erst  in  den  Anmerkungen  den  Text  verbesserte; 
aber  «dies  wird  die  nicht  befremden,  die  es  erfahren  haben,  wie 
viel  leichter  in  reinlichem  Drucke  als  in  Abschriften  man  Fehler 
gewahrt '^.  Mit  diesen  Worten  entschuldigte  sich  ein  Mann  wie 
M.  Haupt  (Engelh.  Vorr.  VII):  um  wie  viel  mehr  bedarf  ich 
seiner  Entschuldigung,  zumal  es  sich  hier  um  einen  Dichter  han- 
delt, dessen  sprachliche  und  metrische  Formen  von  den  bekannten 
mhd.  bereits  weit  abliegen  und  meist  erst  durch  die  Untersuchung 
seiner  Metrik,  der  alem.  Dichter-  und  Geschäftsspraohe  seiner  Zeit 
aus  der  verdorbenen  Ueberlieferung  hergestellt  werden  konnten. 

30.  Streiche  in  den  Var.  für  vogelsanhch. 

40.  grdwez  hdr  ist  die  gebräuchlichere  Redensart,  s.  Neifen 
12,  19;  Reinmar  172,  13;  Neidh.  68,  9;  Bartsch  LD.  XC,  40; 
E.  Schmidt,  Reinm.  p.  89.  So  könnte  man  ddMr :  har  auch  als 
Reim  nehmen,  weil  Hugo  öfter  für  Waisen  Reime  setzt,  wo  sich 
ihm  solche  gerade  darbieten«  s.  Anm.  zu  8,  13. 

xxxvm. 

24.  zuohin^  vorgesetztes  zuo. 


—    270    — 

25—^28.  Will  man  büchs  iplikch  nioht  als  Reim  gelten  lassen, 
so  ist  die  Strophe  dreizeilig  zu  schreiben ,  sonst  als  T^  mit  .der 
verkürzten  Zeile  im  zweiten  Verse.  —  büchd  =  Feuerrohr  wie  bei 
Osw.  V.  Wolkenst.  13,  8,  7.  Das  Compositum  büchaen  -  pulver 
belegt  Lex.  I,  380  nicht  und  im  Nachtrag  (auf  rösch  verweisend) 
erst  aus  dem  Feuerwerkbuoh  von  1432;  einen  älteren  Beleg  far 
dieses  Wort  kenne  ich  aus  K.  Sigmunds  Urkunde,  dt  Gonstanz 
1417;  Arch.  f.  öst.  Gesch.  I,  IV,  5. 

27  habe  ich  aus  Versehen  doner  und  76  hedütet  stehen  ge- 
lassen,  es  ist  toner  und  betütet  zu  schreiben,  vgl.  Abh.  IV,  161. 

29.  Tit.  1769  der  rehten  minne  ein  zange;  1482  die  hie 
der  minnen  zcmge  truoc ;  2486  frowe  Minne  mit  ir  zcmge  Clau- 
ditten  herze  vienc;  Hadl.  HMS.  2,  287  rmnne  klemmet  rekte 
aUam  ein  zcmge;  Frauenlob  11,  1,  2ö  der  minne  zange \  Engelh. 
63  ist  da  der  Triuwen  zwage.  Die  prosaische  manierierte  Metapher 
war  sehr  beliebt,  vgl.  auch  Strauch  zu  Marner  I,  25. 

30.  Tit.  1608  bi  der  edlen  ininne  striche,  lieber  diesen 
Ausdruck  vgl.  Kinzel  zum  Junker  u.  tr.  Heinrich  741.  Gewöhnlicher 
als  strich  ist  in  dieser  Verbindung  seily  oder  stränge^  s.  Sommer  zu 
Flore  814.  Dass  die  Liebe  dem  Manne  Fesseln  anlegt,  ist  eine 
stereotype  Wendung  (s.  36,  4),    vgl.  E.  Schmidt,    Reinm.   p.   87* 

32 — 34.  Suohenw.  41,  180  geslichen  als  ein  frewnüich  dieb 
chom  m  dein  hertz  der  fron  gast;  Hätzl.  1,  106  mein  hertz 
habt  ir  gestolen  und  bin  in  ewren  gewalt;  43,  56  mein  hertz 
hat  sy  gestolen.  Vgl.  noch  36,  9 — 11  und  dazu  besonders  HadaoL 
125,  1  m^  Herz  was  imgevangen^  daz  gdhet  von  mir  vdate; 
ich  moht  stn  niht  erlangen  ,  .  wi  noch  dem  armen  libe^  der  stnes 
herzen  ungewalüc  waere.  —  Die  Strophe  ist  übel  zugerichtet. 
Die  von  der  Hs«  überlieferte  Stellung  der  Reime  abba  ist  nicht 
glaublich,  da  sie  in  allen  vierzeiligen  Strophen  ohne  Analogie  ist: 
demnach  hat  der  Schreiber  die  zwei  ersten  Verse  verstellt  und 
zwar  wahrscheinlich  deswegen,  weil  es  ihm  nicht  gefiel,  dass  der 
dass-Satz  vor  dem  Hauptsatze  stehe. 

33  setzt  B  uss  ein,  doch  ist  der  überlieferte  Dativ  ganz  gat 
und  nur  mir  daneben  überflüssig,  das  ich  daher  gestrichen  habe, 
wodurch  eine  regelmässige  vierzeilige  Strophe  mit  dreihebigen  Versen 
entsteht,  was  es  zugleich  auch  erklärt,  dass  der  Dichter  in  wfbe 
unechtes  e  anhängte,  da  in  solchen  Strophen  zwei  Verse  klingend 
sein  sollen,  vgl.  die  Arnn   zu  15,  150. 


—     271     — 

35.  merken  kann  Imper.  sein:  jetzt  merkt  (an  die  Leser  ge- 
wendet) ,  dann  fehlt  aber  eine  Senkung.  Kammer  schlägt  vor, 
merken  ich  zu  corrigieren,  was  ich  für  eine  glückliche  Besserung 
ansehe. 

37 — 41.  Dass  dieses  Gredicht  an  seine  dritte  Gemahlin  Anna 
gerichtet  ist,  steht  ausser  Zweifel;  die  gewählten  Buchstaben  sind 
daher  vom  Anfange  und  Ende  ihrer  Namen  genommen :  Anna  von 
(Neuhaii8")S  tadeck  E. 

65 — 68.  Diese  Strophe  kann,  wenn  man  66  gmuete  schreibt, 
mit  28,  509 — 512  zusammengestellt  werden. 

69.  muotriche  (subst.  Adj.)  hat  Lex.  I,  2247  zweimal  als 
, freudenreich,  wohlgemut*  belegt;  hier  heisst  es  aber  der  mut- 
hafte, tapfere,  der  Held  und  entspricht  dem  mannlichen  61. 

73.  Nach  wasser  ist  das  Comma  zu  streichen  und  das  Gompos. 
wasser-süffig  anzunehmen  =  faules,  wassersüffiges  (=  feuchtes) 
Holz ;  dann  kann  auch  ful  bleiben,  weil  die  beiden  Adjective  ohne 
Conj.  neben  einander  stehen.  —  Die  Bedeutung  des  Vergleiches, 
welche  die  Frauen  erraten  sollen,  ist  klar:  schlechte  Menschen  sind 
der  Liebe  nicht  fähig. 

79.  8tum,men  swv.  intr.  =  »tum  sein. 

81 — 84.  heküwhern  refl. :  wer  sich  mit  üppigen  (hier  =  lie- 
derlichen) Leuten  abgibt.  —  B  gedrümmert,  doch  ist  die  Gemi- 
nation nicht  notwendig,  vgl.  kumer  10,  26  und  Abh.  IV,  159. 
drümeren  swv.  Lex.  belegt  nur  endrumeren.  84  ist  wohlfrumen 
8ond  zu  lesen. 

113.  gula>  belegt  Lex.  I,  1115  nur  mit  dieser  Stelle;  es  be- 
gegnet auch  im  Vintler  5844,  kommt  vom  ital  gula  =^  Schlund, 
Gurgel,  übertr.  zur  Bezeichnung  der  Todsünde  des  Frasses  und  der 
Völlerei:  Vintl.  gi^la  die  haist  man  frashait. 

125.  überwerden  mit  dem  Gen.  =  überhoben  werden. 

142.  rugge  ==  rucke  swm.;  vgl.  darüber  Jänicke  zu  Wolfd.  B 
500,  3.  Es  ist  auch  im  Reinfr.  3464,  6676  etc.  sw.  (wo  Bartsch 
geändert  hat,  s.  Z.  f.  d.  A.  17,  507),  ebenso  im  Netz  5570. 

168  ist  wie  160  ein  wilder  Vers  (s.  Abh.  T,  252).  B  glaubt 
in  einer  Anm. ,  dass  er  ^  wahrscheinlich  in  zwei  zu  zerlegen  '^  sei ; 
allein  dann  würde  die  Str.  fünfzeilig,  dazu  fehlte  noch  ein  Reim. 
Es  ist  ersichtlich,  wie  Hugo  in  seiner  letzten,  mühsam  ausgespon- 
nenen Rede  den  letzten  ärmlichen  Rest  seines  poetischen  Vermögens 
aufbraucht;  auch  die  vorletzte  Strophe  mit  der  Datierung  des  Ge- 


—    272    — 

dichtes  vermochte  er  nicht  mehr  io  das  richtige  metrische  Schema 
za  bringen. 

XXXIX.  und  XL. 

Das  bedeutendste  Resultat,  welches  B  in  seiner  Arbeit  über  den 
Montforter  gewonnen  hat,  ist  der  Nachweis  der  Unechtheit  von 
Nr.  39  und  40.  Er  lieferte  ihn  (p.  12,  13)  mit  Innern  Gründen 
und  im  ganzen  überzeugend,  obgleich  einzelne  derselben  fehl  gehen, 
80  z.  B.  der  dritte :  «  ein  überschüssiges  n  fanden  wir  in  sämmtlichen 
38  Gedichten  nur  einmal'  etc.;  das  begegnete  schon  öfters  (s.  Abh. 
IV,  165)  —  oder  der  fünfte:  , statt  nu  braucht  er  (der  Dichter 
von  Nr.  39  und  40)  im  Reime  nuo  (:  zuo  :  tuon  :  ruo)  40,  108, 
was  ebenfalls  nichts  entsprechendes  in  allen  übrigen  Gedichten  hat " ; 
aber  20,  36  steht  nuo  (s.  Anm.  z.  St.),  dazu  ist  nuo  40,  108 
nicht  glaubhaft  (s.  Abh.  III,  144).  —  Den  Schreiber  dieser  beiden 
Gedichte  hält  auch  B  für  einen  Alemannen;  über  den  ursprüng- 
lichen Dialekt  des  Diesters  hat  er  sich  nicht  ausgesprochen.  — 
Die  md.  Formen  sind  unverkennbar;  ich  untersuchte  daher  zuerst, 
ob  etwa  die  Gedichte  alem.  und  nur  der  Schreiber  md.  sei ;  allein  das 
widerlegte  schon  der  Reim  durcJbscMnen :  vereinen  39,  28,  der 
jedem  bereits  bei  der  Anfertigung  des  Reimregisters  auffallen  muss 
und  in  der  alem.  Dichtersprache  dieser  Zeit  nicht  zulässig  ist  So 
kam  ich  zur  andern  Ansicht,  die  ich  Abh.  III,  142 — 144  darlegte. 
Auch  W  war  auf  dem  Wege  zu  dieser  Ansicht  und  würde  wahr- 
scheinlich ganz  dazu  gekommen  sein,  wenn  er  neben  den  o  =  u 
und  den  zur  auch  die  andern  auf  das  Md.  weisenden  Formen  in 
die  Untersuchung  gezogen  hätte. 

Ich  hebe  in  diesen  beiden  Gedichten  nur  das  hervor,  was  sich 
darin  für  das  mhd.  Wb.  bemerkenswertes  findet. 

XXXIX.  22,  124  jungkfreuUch  Adj.,  39  belang  stm.,  45 
ey  Inteij.,  48  belangen  stn.;  77,  100  lunde  (==  Welle),  84  hertUch 
Adv.,  99  erspriesszen  (==  erspriessen  machen),  110  grymmes  zorn. 

XL.  19  verteilen  (=  verurteilen,  mit  Acc.  d.  Pers.  und  ^u), 
34  heyszer  stm.  (=  Heizer,  s.  B  z.  St.),  41  geaunüich  Adv.,  54 
frut  vor^  71  voUent  Adv.,  91  gruszlich  Adj.,  94  manigfcich 
Adj.,  115  golffe  swm.,  124  genosze  swm.,  126  verlangen^  134 
Tnarraeff  136  grosze  swm. 


Wortregister  zn  den  Anmerkungen. 

Die  überlieferte  Schreibung  ist  beibehalten,  nur  ge-  ist  überall  ausgeschrieben ; 

die  Zahlen  Terweisen  auf  die  Anmerkungen. 


A. 

abe-brechen  5,   340. 
abe-mejen   17,   52. 
abent-T6t  21,  6. 
abespning  9,  33. 
almecht  14,   22. 
alten,  alter  5,  67. 
amatist  15,  64. 
an,  äne  4,   71. 
angeschossen   28,   509. 
angesicht  5,   157. 
an-nemen  28,  280. 
antlüt  25,  90. 
antwuTte,  antwürte  18,   23. 
artikel  4,  9. 

B  und  Pw 

pagine  29,   146. 

ballen  29,   171. 

barille,  berille,  brÜle,  berly  2,  87. 

basiate  28,  553. 

pebest,  pebste  5,   195. 

bedenken   14,   22. 

begge   16,   50. 

bebalten   32,   170. 

bebus  29,  52. 

behusen  2,   22. 

bekümbern   38,  81. 

belang  39,   39. 

belangen   39,   48. 

Wackemell,  Montfort. 


pelg-tretten  28,   61. 

benuegen   34,   10. 

bepstlicb   15,   11. 

perkb  der  künsten   11,   26. 

bern  4,   24. 

Ferner  gelt  5,   94. 

beschidikeit  5,   281. 

betrechen  5,   194. 

bewirren   32,  63. 

pfiffen-schal   16,   49. 

pflegen  2,   17. 

bichtig  34,   36. 

pillen  19,  4. 

bim  10,   23. 

bissen,  das  herbz   15,   156. 

blasinieren   2,   129. 

blind  in  gesehendi  ogen    5,    266. 

bluomen-schin   16,   33. 

brewli  16,   37. 

bri  29,  49. 

probieren  30,   24. 

brün  21,   23. 

bücMi  21,   22. 

büchs  38,  25. 

büchsen-pulver  38,   25. 

bürg  20,  45. 

burgberg  28,   605. 

bürger  5,  321. 

busunen-schal  16,  49. 

büwen,  büwen   2,  81. 


\ 


D. 

dannoch,  dADoooht  18.  2fll. 

das,  daz,  dz  1,  8. 

dasl,  dest  6,  94. 

dehein,  dhein  4,  Sß. 

die,  da  4,  182. 

dienst,   diost   6,    1. 

dierna,  dim  3,  4. 

discaotieren  28,   17. 

doner-,  torn-plikrh  28,  5S6. 

dort,  dort  6,  1T1. 

dr6,  drowe  6,  5. 

diümem  38,  83. 

dunkh,    dnnkt«.    duchte    5, 

25,  28. 
durch-floiieren  2,  116. 
durchstepfen  32,  69. 


element  6,  25. 
eUveg   27,    142. 
en  13,  19. 

enbören,   muot   18,   56. 
ende  5,  5j  endes  zil  1,  6. 
enpfinden  28,  174. 
eDtaohepfen  25,  12. 
erbanner  13,  16. 
erblinden   4,   18. 
ergetzen  34,  6. 
ernest,  eniat  1,  66. 
ersohiessen   28,   495. 
erapriesszen  3Ö,  99. 
enterben  in  27,  187. 
ewikeit  24,  120. 
Qf  39,  46. 

G. 

gaben  des  heiligen  geistes  27,  67. 

gamabü  19,  6. 

gebratens  29,  4». 

gedaake  30,  49. 

geheim  6,  40. 

^leieli    27,    182. 


gelieh,    geliches,    gelichost  1,    60; 

33,  127. 
geloben,  gelouben   4,   106. 
geluk   22,    19. 
gelüptbriiclug  24,  77. 
genäd    6,   8G. 
genosze  40.   124. 
Gerechtigkeit,  gerechtikeit  5,    221, 
geschibikeit  2.   63. 
geschikhet  nach  6,  22. 
geschrift  4,  90. 
gesell  9,  32. 
gespreehen  24,   10. 
gesteigen  16,  18. 
gosten  16,  72. 
gestupp,  geatüpp  6,  2. 
gesimtlioh  40,  41. 
gevSr,  an  8,  15. 
gerider  2,  84. 
geworden  32,  31. 
gezage   29,   117. 
gigeo   16,  48. 
gitikeit  4,  7;  5,  201. 
gloggen-klaog  16,  49. 
golffe  40,  115. 
grappe  2,  142. 
grinen,   grünen   6,   18. 
groüze   40,   136. 
gründen  30.  32. 
gruszlich  40,  91. 
giiete  3,  83. 
gul»  36,   113. 
gunst  30,  79. 
guotet  4,  62. 


harmTal  21,  18. 
harpfen  16,  48. 
hatt,  bet  6,  136. 
heUerar  4.  176. 
her  8,  2. 
hertlioh  39,  84. 
hertz   16,   156. 
beBohen  28,  314. 
bette,  het  1,  48. 


—    275    — 


heyszer  40,   34. 
himel  25,   126. 
hin-helfen  5,   375. 
hiDlessig  25,   103. 
hochristig  21,  27. 
hop,  hopt  25,   14. 
hoptprelate  5,   211. 
horden  üf,  mit  29,  144. 
hören  in   7,   32. 
horndon  28,  60. 
höwen  20,  51. 

I. 

ie  4,   168. 
iemer  4,   168. 
iemer,  imer   1,   13. 
iemer- we  4,   196. 
iemer- wesen  4,    168, 
Jhesus  5,  113. 
il,   mit  sneller  4,   11. 
inder,  inner  15,  108. 
ital,  itel   16,   19. 

J. 

jamersmertze  4,   14. 
jamertal  4,   14. 
jener,  ener  5,  261. 
jungkfreulich  39,  22. 

C  und  K. 

caicidoni  28,  561. 
keiner,  cheiner  35,  5. 
keiäerin  1,  4. 
claffe  5,   254. 
klenken,  Seiten   25,   132. 
komen,  kon  8,   13. 
crisolitus  28,  557. 
krispelieren   16,  25. 
krispeln  16,  25. 
cristam  pluot  5,   104. 
cristan-mensch  28,  451. 
künde  28,  370. 
kunft,  kunst  4,  46. 


chuolen  37,   14. 
küssi   18,   13. 

L. 

lammen,  an  gewLsäen   2,  65. 

langwirig  14,   32. 

leben  5,   364;   24,   120. 

leichen  27,  182. 

lekerlich  9,   17, 

lessig  18,  54. 

liden   28,   105. 

Ueb,  liebe,  liebi  5,  62;   20,  4. 

liegen,  triegen  2,  62. 

ütz  33,  63. 

lofen,  in  den  wald   5,  64. 

Ion  5,   5. 

lotterheit  5,   311. 

lunde  39,   77,   100. 

M. 


mag,  magt  27,   169. 
manigfach  40,  94. 
marnerin   13,   15. 
marras  40,  134. 
meie,  meje  5,  300. 
mejenbluet  35,  27. 
mejen-sohin   16,   33. 
mejen-tow  35,  27. 
mensch  5,  5. 
merteil  5,  93. 
mett,  suesser  19,  31. 
milten   18,  45. 
minneliedli  3,  8. 
minnezunder  5,  67. 
mordajo,  mortjo  5,  343. 
muej,  mui  5,   152. 
mugen   19,  13. 
muot-erkikerinn  37,  6. 
muotriche  38,  69. 

N. 

uachtgruobe  9,  27. 
narrensehuechli  29,  23. 
I  narrenspil  29,  23. 


—     276    — 


natur  5,   102. 

neisen  25,   162. 

nenden,  nennen  29,  113. 

nioh,  nioht  28,   52;  nüt  4,   39. 

nieman,  niemen   1,   64. 

nimer   1,   13;  nümer  4,   131. 

nu   15,   19. 

nu,   nun   4,   80;   nuo   20,   36. 

0. 

obedach   1,   29. 

och,  oueh,  auch   1,  8,   52. 

ootaf  28,   16. 

od,  oder,  ald  4,  135. 

onichel   28,  561. 

orgellen-don   16,   49. 

oTtoeht  28,   14. 

q. 

quart  28,   16. 

quint   16,   10;   28,    16. 

rat,  raut  4,   106,  haben  5,   168. 

reie,  reje  5,   300. 

reiten  13,  49. 

rim  31,   158. 

ritterschefb  14,   22. 

rose  11,  40. 

rosenkrantz   11,  40. 

rotten  25,   132. 

Tüdisch   14,   23. 

rugge  38,   142. 

ruo  11,   2. 

ruomser  11,  37. 

russen   16,  52. 

8. 

schämen,  schammen  2,  65;  5,  362. 

schelb  28,   152. 

schelken   16,   61. 

schieben  25,   114. 

schiessen,  s.  Sternen. 

»chüt  2,   117, 


sohlieme  27,   114. 

sehen   1,   44. 

seid   22,   19. 

selden-ruote  27,   71. 

seligen  4,   157. 

senen   17,   50, 

Senenberg  2,   22. 

sicherlich  1,   36. 

sinn  haben  26,   6. 

soeben   15,   130. 

spire  28,  463. 

stan  3,   3,  sten   16,  42. 

sterben,  ewig  24,  120;  todes  ster- 
ben  2,   32. 

stemen-sohiesse  37,    13. 

stemen-schin   16,   33. 

stifften,  mort,  mein,  frid  und  suon 
4,  8. 

stikel  4,   10. 

stummen   38,   79. 

sünden-bacht  28,   243. 

T. 

talamuot  32,  97. 

tenur  28,   17. 

tet,  tett  2,   14. 

timel  30,  56. 

timpte,  tinte  4,   25. 

tinne  5,   21. 

toohter,  töchterlin   5,   11. 

torenspil  29,   23. 

trösten   25,   35. 

truebsail  28,   271. 

truJQfeni,  trufferi  5,  67. 

tue,  tuej,  tui  5,   152;  9,   33. 

tugentyol  16,   75. 

tusen,  tusent  18,   259. 

u. 

ü,  üch  2,  47. 
übergitig  25,  60. 
überwerden   38,  J25. 
uffher  28,  611. 
umb wallen  29,  163. 


und,   unde   12,    12;    15,   Ö8. 
ungepfooht  27,  26. 
uDhoffertig   25,    103. 
unkiüch,  unkÜDüch  14,  34. 

■unmuüt-baiid   27,    ]31. 
unmuul-dorii   27,   131, 
uuiuuut-atrasse   27.   131. 
uuneii,   (itidejL   2,   122. 
unTerbumen  18,  248, 
uuTeranogeD  16,  27. 
nssher  16,  36. 
ussrichten  30,   18, 

V  und  F. 

TulsoLer  28,   97. 

Tarn,   in  eia   closter   5,   64. 

verbisaea,   dag  bertz   15,    156. 

Terblikbeu   S,   28. 

Tergeesen  in  31,  142. 

verhsissen  24,   10. 

Terhengen  15,  68. 

verlMigen  40,  126. 

vernicbt  (=  Tür  nicht)  29,   11 
32,   150. 

Temunft,  vernunst  4,  46. 

verren   27,   163. 

rerseneo  20,  4. 

rerteilen  zu  40,  JÖ. 

Terrähen  gegen  6,  40. 

Tier   9,   8. 

Tierteilen  28,  107. 

Tindt,  Tint  5,   101. 

ringerzeio,  Tingeneige    15,    20. 

visimente  15,  64. 

feigen    16,   16. 

Ducken,   flücken   5,   41, 

flussrich  28,  6. 

TOgeldönen   28,   66. 

Tollent   40,   71. 

Torht,  TOrcbte   5,    127. 

fro,  frou,  frow   1,  41. 

frut  Tor  40,  54. 

fiirkofen  5,  271. 

fiirtreohtig  28,  487. 


wandeln   27,    181. 
wankel   Adj.    25,  36. 
v'ftnkel   Subst.    25,  36. 
wankelmuot  18,  218. 
wanken  6,  18. 

>er-süffiff   38,   73. 
weich  an   27,   184. 
wejen   6,   299,   300. 
wejen  (t=  wa^en)  19,  32;  5.  300. 
wein,  -walte   5,   231. 
weltlich  (=  waetlich)   1,  46. 
wenken  6,  18. 
wennen  2,  28;  5,    1, 
wer,   wert  (=    waere)   4,   95. 
werch,  werioh   2,   59. 
weren,   werren   6,    224. 
weru  5,  51. 
Wide  27,  66. 
widered  6,  4, 
wiUnuet  6,  68. 
wiltpan   7,   11, 
windeln   16,   28. 

inkelschertzen   26,   23. 
Winter,  weTter  20,  51. 

!  27,  203. 
wueten   3,   83. 
wunsch-geduik  6,  46. 
wuocherguot  5,  330. 
wurde,  würde  5,  368. 


I,  zuon  29,   137. 
zerunnen   6,   4. 
ziehen  an   1,   16;   29,    137. 
zindeln   16,  26. 
ziphelrü  5,  348. 
zirkelkreisz  1,  66. 
zirkelmäss  30,   17. 
^om    gryrames  wm  39,   110. 
zuadel,  zünden,  zunder  5,  67. 
zuohin  38,  24. 
zweit  rwSlf  4,  92. 
1  zwingen   18,  156. 


JVafflenregister. 


Abraham   39,   118,   120. 
Absolon   24,  45;   33,   22. 
Adam  27,   127;   32,   153. 
Alexander   38,  49. 
Amor  2,   26. 
Appollo  32,   109. 
Arabin  2,   12;  Arabi  28,   543. 
Aristotiles   15,   72;    24,  49;    33, 

29;   38,  45. 
Artus  15,  84. 
Asahel  33,  25. 
Pehem  land  5,  239. 
Bei  40,   31. 
Bern   24,   61. 
Ferner  gelt  5,   94. 
Pregentz  31,   185. 
Bürk  Mangelt  31,  183. 
Daniel  40,   15,  29. 
David   11,   22;   15,   60;   24,   29. 
Dichtlundei,  frow   18,  218. 
Dietrich  24,  61. 
Kgge  7,   28. 
Eggenot  15,  96. 
Egipten  lant  40,  23. 
Ensishein  23,   37. 
Ere,  frow   1,  41,  81;   37,   27. 
Etzelburg  24,  55. 
Eva  13,  49;    32,   73;    frow   18, 

215. 
Francissen  regel,  saut  29,   154. 
Git,  her  24,   73. 
Gregori,  sant  32,   110. 
Harre  9,  35. 


Hector  24,   25. 

Helen  24,  21. 

India  15,  104,  Inder  J.  15,   108. 

Tsaac  40,  14. 

Israhelische  diet  40,  43. 

Jacob,  sant  40,   75,  105. 

Jhesus  5,   113;   13,  19;   39,  53, 

70;  40,   18,   141. 
Johan,  priester  15,   110. 
Johans,  sant  28,  571 ;  ewangelist 

5,  120. 
Jonas  40,  39. 
Joseph  40,  23. 
Judas   18,   251. 
Jupiter  8,   19. 
Karlus,  küng  7,  24,  magnus   15, 

76. 
Kriechen  24,   21. 
Kriemhilt  24,  53. 
Crist  10,  30;    13,   19;    23,   38 

32,   106,   112,  127;    34,  50 

35,    34;    36,    25;    38,    186 

39,  63,  70;  40,  18,  76,  141. 
Cristus  39,  39. 
Lucifer  26,  37. 
Lukas  4,  99. 
Mangelt  31,   183. 
Maria  39,  19,  72,  130;  40,   66, 

159. 
Maria  Egiptiace  39,  81. 
Matheus,  sant  32,  79. 
Ment  28,   374. 
Miohel,  sant  29,  85. 


279    — 


Moyses  4,  91. 

Noe  40,  16. 

Orelus  15,  95. 

Parcifal  5,  70,  159;    Barcifal  5, 

386;   15,  99. 
Peter,  sant  5,  187;    13,  10;  40, 

151. 
Pharao  40,  45. 
Pr&g  5,  245. 
Rin  24,  53. 
Salamon    11,    22;    15,   64;   24, 

37;   27,   121;   33,   26. 
Samson   24,  41 ;  33,  21 ;  Sampson 

11,   23. 
Sarazin  40,  132. 
Senenberg  2,  22. 
Serene  33,   24. 
Sodoma  39,   116. 
Soryer  lant  40,  115. 


Suochenwirt  2,  135. 

Susanna  40,  19. 

Swartzwald  33,  11. 

Theopholus  40,  161. 

Thobias  40,   51. 

Tibterel  15,   160;   18,  200. 

Troj  24.  22. 

Trüwe  9,   24,  29. 

Tschinachtilander  15,  92. 

Türken  7,   19. 

Untrüwe  7,   10,   31. 

Uolrich  38,  189. 

üryas  24,   34. 

Venus  8,  19;  38,  28;  frow  5,  48. 

Wankelmuot,  frow   18,   218. 

Welt,  fro   29,   1,  81,   178. 

Wien   34,  49. 

WiUe  9,   26. 

Wunne  9,   30. 


Inbaltsverzeiehnis. 


Vorwort      .... 

«                  •                  •                  • 

7-12 

Abhandlnngeti   .... 

•                  •                  •                   • 

I     CCLX 

J.  Hugo*s  Leben 

1.  Herkunft  und  Geburtsjahr 

•                  •                  •                  • 

III 

2.  Hugo^s  Jugendzeit 

•                  •                  •                  * 

X 

3.  Mannesalter 

a)  Die  Zeit  bis  zum  Tode 

Margaretha's 

XXII 

b)  Bis  zum  Tode  01ementia*s 

•                  •                  • 

XXXIX 

4.  Hugo*s  letzte  Lebenszeit  und 

Ausgang    . 

LH 

IL  Hugo*s  Persönlichkeit,  Stil  und 

Charakter 

LXXIX 

in.  Ueberlieferung 

•                   •                    •                   • 

cxn 

IV.  Sprache 

•                  ,                  •                  • 

CXLV 

1.  Vocalismus 

a)  Die  einfachen  Vocale  mit 

ihren  Umlaut^^n  . 

CLl 

b)  Diphthonge 

•                  •                   •                  • 

CLVII 

2.  Consonantismus 

•                  •                  •                  • 

CLVIII 

a)  Lippenconsonanten 

•                  •                  •                  • 

CLIX 

b)  Zungenconsonanten 

•                 •                  •                  • 

CLXI 

c)  Gaumenconsonanten     . 

•                  •                  •                  • 

CLXVIII 

3.  Conjugation     . 

•                  •                  •                  • 

CLXXIII 

4.  Einzelne  Verba 

•                  •                  •                  • 

CLXXVIII 

5.  Declination 

a)  Substantira 

•                  .                  •                  • 

CLXXXV 

b)  Adjectiva    . 

•                  •                  •                  • 

CLXXXVIII 

V.  Metrik 

1.  Allgemeines    . 

*                  •                  •                  • 

CXC 

2.  Rhythmus 

a)  Auftact 

•                  •                  • 

ccni 

b)  Hebung  und  Senkung 

•                  •                  •                  . 

CCXII 

—     281     — 

3.  Betonung CCXXXV 

4.  Hiatus,  letzte  Senkung  ....  CCXLI 

5.  Reim CCXLII 

6.  Strophenbau 

a)  Lieder CCXLIV 

b)  Reden  und  Briefe      ....  CCXLYII 

VI.  Poetik CCLin— CCLX 


Gedichte 1—172 

Anmerkungen 173 

WoHrogister  zu  den  Anmerkungen 273 

Namenregister             278 

InhaltSTerzeichnis         ........  280 

Verbesserungen  und  Zos&tee 282 

Stammtafel. 


Verbessernngen  nnd  Zusätze. 


Abb.  I,  p.   6,  Z.  13  T.  u.  lies  Baier.,  p.  17,  Z.  12  TagrOTeille,  p.  36,  Z.  20 

dem  letzteren. 
Abb.  II,  p.  95,   Z.  3  1.  26   statt  46,   p.  103,   Z.    11    standen  die   Anbänger 

der,  p.  111  Tgl.  zum  Gitat  aus  Kinzel  A.  f.  d.  A.  YII,  206. 
Abb.  lY,  p.  151,  Z.   18  erg.  binter  ital  3,  30;    17,  34,  Z.  20  binter  barille 

23,  17;  p.  164,  Z.  9  1.  st  ndben  ft.   P.  169,  Z.  21  streiche  tehlaeh, 

p.    175,    Z.  11  T.  u.   mordaQo)^  p.    187,   Z.    1  und  2,   denn  der 

Scbreiber  überliefert  ricbtig, 
Abb.  y,    p.  209,  Z.  16   könnte   yielleicbt   aucb  Triuwe   der  gelesen  werden, 

p.  210,  Z.  5  streicbe  Ällsaander, 
Die  Verbesserungen  zum  Texte  gab  icb  in  den  Anm.,  nur  37,  37  I.  frow. 
Anm.,  p.  178,  Z.  14  t.  u.  1.  streicbt,  p.  195,  Z.  3  ▼.  u.  Bebagels,  202,  Z.  1 

y.  u.  Kürzung,  p.  206,  Z.  18  t.  u.  Apokope,   p.  260,  Z.  12  t.  u. 

päbstlicben.  ^ 

Ein  paarmal  rerwies  icb  auf  die  Gottesfreunde;  diese  Citate  bericbtigeu  sieb  jetzt  y^ 

uacb  Denifle^s  Forschungen  Ton  selbst. 


I 


•IV 


f 


A  FINE  IS  INCURRED  IF  THIS  BOOK  IS 
NOT  RETURNED  TO  THE  LIBRARY  DN 
ÖR  BEFORE  THE  LAST  DATE  STAMPED 
BELOW.